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Weiterbildung/Umschulung/Sinnlose Maßnahmen Bitte nur Beiträge posten, die mit Weiterbildung/Umschlung und sinnlose Maßnahmen zu tun haben


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Alt 20.07.2014, 16:02   #26
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Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia
Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Caso Beitrag anzeigen
Du hältst diese Aussagen für belastbar? Weil du dich wiedererkennst?
Ich habe nirgends behauptet, dass die Studie "belastbare Informationen" für meine These enthält. Ich habe lediglich gesagt, dass ich danach suche und dabei auf diese Untersuchung gestoßen bin. Im Gegenteil, ich habe mich in dem Resumee nicht wiedergefunden!

Aber ich finde das Ergebnis der Untersuchungen diskussionswürdig.
Denn es wird z. B. behauptet, dass "die offenkundig schlechtere subjektive Befindlichkeit der Sanktionierten darf nicht als Auswirkung der Sanktionserfahrung aufgefasst werden"

Das kann ich mir nicht nicht vorstellen!

Nachtrag:
Leider finde ich nur Untersuchungen, die sich mit Sanktionen befassen. Da ist das Kind aber schon in den Brunnen gefallen.
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Alt 20.07.2014, 16:17   #27
Charlot
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Yukonia Beitrag anzeigen
Leider finde ich nur Untersuchungen, die sich mit Sanktionen befassen. Da ist das Kind aber schon in den Brunnen gefallen.
Wohl ein jeder, der ins Alg2 fällt, hat eine gewisse Angst, sanktioniert zu werden.
Würde es keine Sanktionen geben, dann würden auch nicht so viele EGV's abgeschlossen.
Und auch die Maßnahmen wären nicht so voll.
Wenn eine Maßnahme sinnvoll ist und man damit wirklich in Arbeit kommt, dann würden die Leute denen die Bude einrennen. Es würde mehr Teilnehmer als Plätze geben.

Und jeder, der schon mal eine Maßnahme mitgemacht hat, weiß, das auch dort gedroht wird.

Jeder geht anders damit um.
Viele kuschen und besuchen das vierte Mal eine Bewerbungsmaßnahme, obwohl sie genau wissen, das es für die Katz ist.
Andere wehren sich, und fallen trotzdem auf die Nase, werden sanktioniert.
Und wieder andere sind erfolgreich damit, sich nicht alles gefallen zu lassen.
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Alt 20.07.2014, 17:34   #28
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Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia
Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Ich möchte mal ein paar Schlagwörter einwerfen:

Zitat:
Besonders oft wird berichtet, dass der Bewerbungsdruck, die Abhängigkeit von Arbeitsamt und Job-Center, die Fülle von Sanktionen, die Laune der Fallmanager, der durch Hartz IV ausgeübte Zwang zur Arbeit, welcher in der Regel jedoch nie eine Festanstellung bringt, die andauernde Gängelung, die Entmündigung, die Zwangserziehung, die Entdemokratisierung, also der reine Gehorsam, am meisten auf die Seele und das Gemüt schlagen. Von vielen ehemaligen Hartz IV-Empfängern hört man, wenn sie aus den Mühlen dieses Systems gefallen sind, sei es durch Arbeitsaufnahme, oder Frühverrentung, dass eine unheimliche Last von ihnen gefallen wäre, sie eine unglaubliche Erleichterung spüren würden.
Quelle

@Caso
Nein, die oben zitierte Aussage stammt nicht aus einer repräsentativen Umfrage.

Zwang zur Arbeit, Gängelung, Entmündigung, Zwangserziehung, die Entdemokratisierung, reiner Gehorsam sind Dinge, die jemanden subjektiv beeinflussen, in die eine oder andere Richtung, wie du oben sagst. Der eine wird aktiv und versucht sich zu wehren, der andere wird ggf. krank. Und dazwischen gibt es bestimmt die große Gruppe derer, die sich anpassen, um mit dem System nicht zu kollidieren.

Aber warum wehren sich einige? Wehren heißt, sich einem Angriff zu widersetzen. Und da gibt es die rein physische Existenz, aber eben auch die geistige und die psychische (seelische) als Angriffspunkte.

Und ich bin der Meinung, dass Maßnahmen (nunmehr zwangsweise verordnet) einen Angriff auf die seelische Existenz darstellen (können).

Das "Beste", was ich bis jetzt dazu gelesen habe war der Begriff der "intelligenten Freiheitsentziehung"!
Ohne Worte, ist es schon soweit gekommen?
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Alt 20.07.2014, 19:43   #29
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gelöscht
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Alt 20.07.2014, 19:47   #30
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Caso Beitrag anzeigen
Dann bringt es vielleicht etwas, die Maßnahmen selbst mal zu unterteilen.
Hier wird ja meist nur von welchen geschrieben, die man als Sinnlos bezeichnet.
Das wären dann alle?? Alle Maßnahmen wären dann sinnlos?
Oder unterscheiden sich Maßnahmen auch? In weniger sinnlos und total bekloppt?
Und unterscheiden die Teilnehmer selbst 1 einzige Maßnahme auch unterschiedlich?
Welche halten sie für total bekloppt und sinnlos und schikanös.
Welche halten sie für nicht so schlimm wie die letzte.
Welche halten sie für zumutbar und
Welche finden evtl. sogar einiges *sinnvolles* dran?
Wie immer: pauschal ist immer Käse.

Pauschal ist immer Käse
Also soll ich auf jeden Fall die angebotene Maßnahme antreten ?
Könnte ja eine kleine Chance sein, das sie mir was bringt.

Ich bin raus.
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Alt 20.07.2014, 19:48   #31
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Anteil psychisch kranker Hartz-IV-Empfänger steigt


http://www.deutsche-gesundheits-nach.../Anteil-an.jpg

Psychische und Verhaltensstörungen
(F00-F99)


Dieses Kapitel gliedert sich in folgende Gruppen:
  • F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
  • F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
  • F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
  • F30-F39 Affektive Störungen
  • F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
  • F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
  • F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • F70-F79 Intelligenzstörung
  • F80-F89 Entwicklungsstörungen
  • F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
  • F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
ICD-10-GM Version 2014


Zitat:
Psychisch beeinträchtigte Menschen sind im Personenkreis arbeitsloser bzw. arbeitsuchender Menschen deutlich überrepräsentiert. Affektive und neurotische Störungen, die sich in Depressionen und Angstzuständen äußern können, werden am häufigsten diagnostiziert.
Zitat:
"Aufgrund der stigmatisierenden Wirkung einer psychiatrischen Diagnose dürfte die Dunkelziffer noch höher als ... die angegebenen 40 Prozent liegen."
Quelle

Die Ursachen für den o. g. Anstieg lasse ich im Moment mal außen vor, ich kenne sie einfach (noch) nicht.

Jedenfalls ist ein Ergebnis dieser IAB-Studie (Schubert, Michael; Parthier, Katrin; Kupka, Peter; Krüger, Ulrich; Holke, Jörg; Fuchs, Philipp (2013): Menschen mit psychischen Störungen im SGB II. (IAB-Forschungsbericht, 12/2013), Nürnberg, 105 S.)

Zitat:
"Daher fordern die Forscher eine Fortbildung von Jobvermittlern. Das soll verhindern, dass „die Fallbearbeitung in den Jobcentern bestehende Probleme verschlimmert, was durch inadäquate Ansprache, falsche Maßnahme*zuweisung oder gar Sanktionen wegen fehlender Mitwirkung der Fall sein kann“.
Quelle

Hier wird zumindest indirekt bestätigt, dass es u. a. durch falsche Maßnahmezuweisungen zu einer Verschlimmerung bestehender psychischer Probleme kommen kann!

Meine These ist natürlich damit nicht bestätigt, nämlich dass es originär durch inadäquate Ansprache, falsche Maßnahme*zuweisung oder gar Sanktionen wegen fehlender Mitwirkung (s.o) zum Ausbruch psychischer Probleme kommen kann.
Aber ich suche noch ein wenig weiter
__

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Alt 20.07.2014, 19:55   #32
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sorry
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Alt 20.07.2014, 19:55   #33
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Wenn ich eine Massnahme besuche, dann muss ich erwarten können, das das dort arbeitende Team seine zu vermittelnden Inhalte besser kennt als ich , sonst bin ich dort fehl am platze. Dass muss der Dozent erkennen und mich nach Hause schicken damit der Platz von jemandem genutzt werden kann der das braucht. Und der SB sollte lieber auch niemanden mehr fuet nMassnahmen einteilen dürfen, da er seine Arbeit, ein profiling von mir zu erstellen nicht ordnubgsgemaess erledigt hat.
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Mahalo
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Alt 20.07.2014, 22:15   #34
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Gut, schweifen wir etwas ab:

Zitat von Caso Beitrag anzeigen
Zu den Sanktionen habe ich tw. eine andere Meinung.
Gäbe es keine Sanktionen, gäbe es mehr LB, die sich nie mehr bemühen würden, aus Hartz 4 rauszukommen. Die hätten dann bereits ihr BGE. Weil ich denke, daß die Sanktionsdrohung dazu führt, daß LB das mindeste an vereinbartem noch machen.
Erziehungsmittel

Zitat:
Beispiele von autoritären Erziehungsmitteln sind: Ermahnung, Tadel, Drohung, Strafe, Verbot, Hausarrest, Körperstrafe, Liebesentzug.
Zitat:
Beispiele von partnerschaftlichen Erziehungsmitteln sind: Bitte, Erinnerung, Lob, Anerkennung, Vorbild, Gebot, Belohnung. Eine positive Verstärkung ist (im Sinne der operanten Konditionierung) eine Erziehungsmaßnahme, die auf ein vom Erziehenden als erstrebenswert empfundenes Verhalten folgt, in der Absicht, dass der zu Erziehende dieses Verhalten öfters zeigt.
Ich möchte keine erziehungswissenschaftliche Diskussion starten!!!

Aber warum um alles in der Welt geht man (und du) davon aus, dass ein bestimmtes erwünschtes Verhalten nur durch die Androhung negativer Konsequenzen (Sanktionen) erzielt werden kann?

Ich stehe auf dem Standpunkt, dass Lob, Anerkennung und Belohnung etc. menschenwürdiger sind und ebenfalls gewünschtes Verhalten erzeugen können.

Ich habe mich z. B. schon öfter gefragt, warum Maßnahmen im weitesten Sinne nicht durch eine Zuwendung (z. B. anrechnungsfreie 100 EUR im Monat) belegt werden.

Warum sollen ausgerechnet Elos anders gestrickt sein als der Rest der Bevölkerung, der für seine Arbeit und sein Engagement einen entsprechenden Gegenwert erwartet und erhält.

Wo soll er denn seine Motivation sonst hernehmen? Von der potentiellen Möglichkeit, nach Absolvierung einer Maßnahme in einen prekären Arbeitsmarkt eintauchen zu dürfen? Und die Weiterbildung, die an sich eine positive Motivation wäre, wird doch sukzessive zurückgefahren.

Zitat:
Sind die Hartz IV-Emfpänger nicht die wirklichen Leistungsträger dieser Gesellschaft? Sie ermöglichen durch ihren Zwangsverzicht einer Gesellschaft, die sie verstößt und an ihnen verdient, doch erst, dass sie diese Leistungen und Gewinne erbringen können.

Quelle


Und neben diesem "Zwangsverzicht" leistet er nun auch Arbeit: beim Bewerben und bei Maßnahmen im weitesten Sinne, er leistet körperliche, geistige und psychische Arbeit um mit seiner Situation fertig zu werden.

Und wird zur Krönung bei jeder sich ergebenden Möglichkeit mit Sanktionen bedroht.

KRANK!!!
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Alt 21.07.2014, 15:49   #35
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@Caso,
vielen Dank für deine (ausführlichen) Antworten, ich kann das aber geistig nur Schritt für Schritt abarbeiten.

Die Ausgangsfrage war sinngemäß, ob Maßnahmen oder Arbeitsangebote (im weitesten Sinne) seelisch (psychisch) zumutbar sind.

Durch deine und eure Antworten veränderte sich diese Fragestellung dahingehend, ob und wie sich Hartz 4 im Allgemeinen und das Verwaltungshandeln im Besonderen (Zuweisung in Sinnlosmaßnahmen, Sanktionen etc.) auf die seelische (psychische) Gesundheit auswirken (können). Nun schließen sich weitere Fragen an: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Verschlimmert Hartz 4 bereits vorher vorhandene psychische Störungen, werden diese durch Hartz 4 erst verursacht oder gibt es überhaupt keine Wirkung?

@Caso
Natürlich wird es wieder eine Mischung aus allem sein.

Eine länderumfassende Analyse für Deutschland habe ich zu dieser Thematik noch nicht gefunden.

Möchte aber auf die folgende ältere Studie aufmerksam machen:

Anne Ames
Hartz IV in Baden-Württemberg. Die Erfahrungen der Betroffenen mit der Umsetzung und den Auswirkungen des SGB II

Eine Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung in Kooperation
mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund, Bezirk Baden-Württemberg, dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt Baden und dem
Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt Württemberg

November 2008


Wer will, kann ja mal reinschauen


Zitat:
„Eine kleine, mit sehr bescheidenen Mittel durchgeführte, standardisierte Erhebung wie die, deren Ergebnisse hier vorgestellt werden, kann eine eingehende Untersuchung des Erlebens von Arbeitslosigkeit durch die Betroffenen, wie sie in Deutschland vor fast zwanzig Jahren (1993) zuletzt durchgeführt wurde, nicht annähernd ersetzen. Sie zeigt jedoch, wie dringlich es wäre, die individuellen und gesellschaftlichen Folgen von Erwerbslosigkeit und die Bedingungen unterschiedlicher Arten ihrer Verarbeitung wieder und jetzt erst recht zur wissenschaftlichen Frage zu machen.“
Zitat:
„Vor allem scheinen mir Forschungen zur Verarbeitung von Arbeitslosigkeit durch die betroffenen Menschen deswegen dringend geboten, weil die Ideologie der „aktivierenden“ Arbeitsmarktpolitik und des „workfare“, den Betroffenen nicht nur die Erfahrung aufbürdet, dass ihre Arbeitskraft nicht wertgeschätzt wird, sondern ihnen zudem unterstellt, dies läge an ihrer mangelnden Bereitschaft, ihre Arbeitskraft für die Sicherung ihrer Existenz einzusetzen.“
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Alt 21.07.2014, 16:36   #36
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Die o. g. Studie hat 146 Seiten.
Für die Fragestellungen hier finde ich Folgendes interessant:
Zitat:

Kapitel
3. Erleben der Erwerbslosigkeit (Seite 22)
3.1. Belastungen durch Erwerbslosigkeit und Arbeit
3.1.4. Druck und Fremdbestimmung durch die Arbeitsverwaltung (Seite 29)

Das Gefühl gesellschaftlicher Ausgrenzung, der Druck und die Fremdbestimmung durch das Jobcentersowie der Verlust der Lebensfreude beziehungsweise ein depressives Befindenerwiesen sich als die Kategorien, denen sich die meisten Antworten auf die offeneFrage zuordnen ließen.

Folgende „Belastende Aspekte“ wurden den Befragten als Frage vorgelegt:
Mit „belastet mich sehr stark“ haben geantwortet (Ausschnitt Tabelle 13 Seite 25):
  1. Geldnot (59,7%)
  2. Gefühl gesellschaftlicher Ausgrenzung (40,3%)
  3. Druck und Fremdbestimmung durch "Jobcenter" (39,2%)
  4. Fehlen der Gelegenheit, die eignen Fähigkeiten einzusetzen /Gefühl der Nutzlosigkeit (36,0%
  5. Verlust der Lebensfreude / Depressionen (27.3%)
  6. Fehlen berufsvermittelter sozialer Kontakte (21,2%)
  7. Beeinträchtigung derBeziehungen zu Freunden und Bekannten (21,4%)
  8. Beeinträchtigung derBeziehungen zu Elternoder Geschwistern (17,7%)

Aus der Kurzfassung des Berichtes ab Seite 118
Druck und Fremdbestimmung durch die Arbeitsverwaltung
Knapp 40 Prozent der Befragungsteilnehmer/-innen fühlen sich durch Druck undFremdbestimmung durch die Arbeitsverwaltung sehr stark belastet, weitere 20 Prozent fühlen sich hierdurch ziemlich stark belastet. Der Zwang, sich auch bei Leiharbeitsfirmen zu bewerben und/oder wiederholt an Trainingsmaßnahmen teilzunehmen, die keineswegs zu einer Verbesserung der Arbeitsmarktchancen führen, gehören zu den am häufigsten als Nötigung empfundenen Erwartungen derJobcenter.

Die über 44-Jährigen leiden zu einem deutlich höheren Anteil unter dem Druck und der Fremdbestimmung durch die Jobcenter als die jüngeren Befragungsteilnehmer/-innen, obwohl sie es doch auch sind, die am häufigsten darunter leiden, dass sie wegen der Arbeitslosigkeit ihre Fähigkeiten nicht einsetzen können. Wahrscheinlich steigt die Empfindlichkeit gegenüber den Anmaßungen und den Zumutungen "aktivierender" Arbeitsmarktpolitik mit dem Maß an Erfahrung, die man einerseits mit der eigenen Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft, andererseits mit den Diskriminierungsmechanismen des Arbeitsmarktessammeln konnte.
Der Auszug ersetzt natürlich nicht das Lesen der gesamten Studie.
Es wird aber klargestellt, das ca. 60 % der Befragten sich durch Druck und Fremdbestimmung der Verwaltung sehr stark bzw. ziemlich stark belastet fühlen, ja sogar darunter leiden.

Wie oben schon geschrieben, habe ich bisher noch keine deutschlandweite Untersuchung gefunden. Ich kann mir aber vorstellen, dass sich die Verhältnisse in den anderen Bundesländern ähnlich zeigen.
Einen "Anfangsverdacht", dass Verwaltungshandeln im Hartz 4 System negativen Einfluss auf die Psyche der Betroffenen hat, sehe ich allerdings bestätigt.
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Alt 22.07.2014, 17:54   #37
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Zitat von rudolphine Beitrag anzeigen
kleine Lektüre gefunden.
Passt nicht ganz zum Thema, aber ist vielleicht doch interessant für dich.
:danke:

Passt gut!

Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Universität Halle-Wittenberg Fassung vom 04.11.2013

Das ist eine wichtige Studie, denke ich. Die Ergebnisse wurden herausgearbeitet auf der Grundlage von Daten der Krankenkassen, der Betrachtung von 5 Örtlichkeiten (Großstadt u.a.) sowie früherer Untersuchungen.

Die Untersuchung gibt aber vor allem den Institutionen (Vermittler, ARGEN/JC, etc.) innerhalb des SGBs Raum, die Betroffenenperspektive fehlt vollends. Es wird z. B. nicht ermittelt und aufgezeigt, welche Ursachen die psychischen Beeinträchtigungen haben. Sollten, was es ja noch herauszuarbeiten gilt, die Ursachen zu einem Teil im System Hartz4 selbst begründet sein, ist alles Folgende nur ein Herumdoktern an den Symptomen.

Mein Fazit nach dem ersten Lesen: Die Vermittler in den ARGEN/JC sind nicht dazu qualifiziert, Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zu beraten. Die Förderinstrumente des SGB II / III reichen nicht aus, um die Betroffenen individuell zu unterstützen. Mithin kann davon ausgegangen werden, dass es zu fehlerbehafteten Maßnahmezuweisungen kommen kann, welche den besonderen Förderbedarf des Betroffenen nicht erkennen und berücksichtigen.

Hier ein Artikel etwas gekürzt und unkommentiert von taz.de vom 31.10.2013 zur o.g. Studie:

Zitat:
Nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit (BA), sind diese neuen Erkenntnisse Ansporn für eine bessere Betreuung der Betroffenen. „Wir fühlen uns von dieser Studie herausgefordert, dieses Thema noch intensiver zu bearbeiten als bisher“, sagte das für Hartz IV zuständige BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Donnerstag.

Künftig müssten Mitarbeiter der Jobcenter noch besser für den Umgang mit Menschen mit psychischen Handicaps fortgebildet werden, sagte Alt. „Im Zentrum steht die Frage: Erkennen wir die psychischen Probleme auch, die ein Mensch hat? Dafür brauche ich einen geschulten Blick, damit ich sagen kann: Hier könnte vielleicht ein Handicap vorliegen, das einer Arbeitsaufnahme im Weg steht oder einer Qualifizierung."

Schulungen von Ärzte und Psychologen

Ansatzpunkte erhofft sich die Bundesagentur von zwei Projekten in Nordrhein-Westfalen. Eines davon sei bereits Anfang Oktober im Jobcenter Bergisch Gladbach gestartet worden, ein zweites folge demnächst in Gelsenkirchen. Ärzte und Psychologen schulen Mitarbeiter darin, psychische Erkrankungen im Gespräch zu erkennen, sowie in dem dann folgenden richtigen Umgang mit den Betroffenen. „Die aktuelle Untersuchung bestärkt uns, dass wir mit diesem Ansatz auf dem richtigen Weg sind“, sagte Alt.

Gefordert seien bei dem Thema aber auch Unternehmen. Sie sollten psychisch eingeschränkten Menschen eine Chance geben. „Denn viele von ihnen sind hochproduktiv, hochintelligent. Aber sie müssen in einem Rahmen arbeiten, der nicht zusätzlich belastet, sondern eher in einem Arbeitsumfeld, das zur Genesung beiträgt“, betonte Alt. Vorgesetzte und Kollegen müssten gut informiert sein über die psychischen Einschränkungen neuer Mitarbeiter. „Denn die Erfahrung zeigt: Eine zufriedenstellende Arbeit ist oftmals die beste Therapie.“
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Alt 22.07.2014, 18:04   #38
Texter50
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Texter50 Möchte sein Renommee nicht öffentlich anzeigen...
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Du könntest mal bei der IAB in Nürnberg nachfragen, welche Unterlagen die zu dem Thema haben und ob sie Dir weitere Quellen nennen können.
Ein ehemaliger Kollege von mir hat da ein paar Jahre gearbeitet und sagte, die forschen für die BA und erstellen die Statistiken für die BA.
__

Unterbrich niemals Deinen Gegner im JC, wenn er gerade einen Fehler begeht.
Frei nach Sunzi


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Alt 22.07.2014, 18:16   #39
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Zitat von Texter50 Beitrag anzeigen
Du könntest mal bei der IAB in Nürnberg nachfragen, welche Unterlagen die zu dem Thema haben und ob sie Dir weitere Quellen nennen können.
Ein ehemaliger Kollege von mir hat da ein paar Jahre gearbeitet und sagte, die forschen für die BA und erstellen die Statistiken für die BA.


Ja, die Studie ist ja vom IAB.

Nee, aus der Studie ging hervor, und das ist ja auch logisch, dass die BA keine Daten dazu hat, weil die Infos über Krankheiten, Verläufe etc. mit Verbis nicht erheben dürfen. So oder so ähnlich

Das ist ja auch ein Problem, was die Studie anspricht: Die Betreuung muss über längere Zeiträume gesichert sein. Da aber keine Daten gespeichert werden dürfen, fängt nach dem Wechsel eines Fallmanager das ganze Spiel wieder von vorn an.
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Alt 25.07.2014, 19:12   #40
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LoreS LoreS
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Zitat von Yukonia Beitrag anzeigen
[...] Nach dem o.g. Resumee würde es bedeuten, dass jemand, der z. B. wegen dem nicht Antreten einer Maßnahme, die er für sinnlos hält, sanktioniert würde, seelische Probleme hätte.

Aber zeugt es nicht eher von seelischer Gesundheit, wenn man sich gegen Zwang und Willkür auflehnt? [...]
Ganz eindeutig ja, meiner Ansicht nach. Wie Jiddu Krishnamurti so treffend bemerkte:
Zitat:
"It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society." - "Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepaßt zu sein."
***
(An der Diskussion darüber, ob die Gesellschaft, speziell das Sanktionssystem, tatsächlich krank ist oder nicht, werde ich mich lieber nicht beteiligen, da ich das für derart evident halte, daß eine solche Diskussion mit mir für alle Beteiligten nur frustrierend wäre.)
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Alt 26.07.2014, 12:26   #41
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Wolliohne hat mich durch seinen Thread aufmerksam gemacht auf den Artikel von Inge Hannemann auf ALTONABLOGGT:

Zitat:
Die Agenda 2010 konnte ihr Versprechen, Erwerbslose auf der Basis eines aktiven Menschenbildes intensiv zu fördern, nicht einlösen. Stattdessen wurden, wie der Skandal um den Bericht des Bundesrechnungshofs aus 2013 zeigt, Menschen zunehmend als statistisches Material begriffen, das als Manövriermasse für die Manipulation von Bilanzen der Bundesagentur für Arbeit und die Produktion einer arbeitsmarktpolitischen “Erfolgsgeschichte” zugunsten der politisch Verantwortlichen benutzt wird. Die Folgen dieser Politik (be)treffen alle: Die Agenda 2010 bewirkt eine Verelendungsspirale, indem sie Erwerbslose demütigt, stigmatisiert und ihrer Grundrechte beraubt und darüber Erwerbstätige für einen Niedriglohnsektor willfährig macht. Den Preis dafür bezahlt die Gesellschaft mit einem Abbau der sozialen Sicherungssysteme und einer Erosion demokratischer Normen, im internationalen Rahmen (Menschenrechte) und im nationalen Rahmen (unveräußerliche Grundrechte). Die größte Herausforderung in diesem Projekt ist der Umgang mit Ressentiments, die in den vergangenen zehn Jahren systematisch geschürt wurden und dazu führen, dass Erwerbslose nicht länger als gleichberechtigte Gesprächspartner gelten. Dies trifft auch dort zu, wo ihnen und ihrer Situation vermeintliches Verständnis entgegengebracht wird. Erwerbslose werden zu Objekten einer Mitleidsethik, die als privatisierte Versorgungsleistung (das augenfälligste Beispiel sind die Tafeln) oder immer neue technokratisch orientierte “Hilfsmaßnahmen” seitens der Politik in Erscheinung tritt. Die damit verbundenen Verwicklungen bewirken, dass sich Zorn, Ohnmacht und Verbitterung auf Seiten der Betroffenen in einem Ausmaß ansammeln, dass in vielen Fällen zu praktischen Handlungsunfähigkeit führt. Ebenso fühlen sich die Betroffenen auch oftmals in eine „Opferrolle“ hineingedrängt, welche es gilt aufzubrechen. Das Objekt einer Mitleidsethik muss einer aktiven Rolle weichen.
Das Bild des Arbeitslosengeld II-Beziehers ist insbesondere, auch durch die Medien, durch deren Stigmatisierung geprägt. So gilt dieser noch immer als „faul“, „schmarotzend“ und in der „sozialen Hängematte liegend“. Wenn dieses Bild positiv verändert werden soll, muss eine geballte Kompetenz geschaffen werden. Die derzeitige Situation stellt sich oftmals so dar, dass die einzelnen Verbände, Initiativen, Gewerkschaften, Einzelaktivisten und Betroffene für sich als Einzelkämpfer stehen. Die hohe Kompetenz der genannten Vertreter wird so wenig gebündelt und somit besteht die Gefahr weiterhin nur als Einzelkämpfer wahrgenommen zu werden.
"Zorn, Ohnmacht und Verbitterung" - ich glaube besser kann man das nicht umschreiben, was ich fühlte, als mir einmal eine Eingliederungsvereinbarung (damals noch) aufgenötigt wurde. Zwar ist die anfängliche "praktische Handlungsunfähigkeit" dem Willen zur Gegenwehr gewichen, aber das Thema lässt mich auch heute noch nicht los.

Ich glaube, dass technokratisch orientierte “Hilfsmaßnahmen”
von Betroffenen als solche erkannt und als Angriff auf Selbstbestimmung und Persönlichkeitsrechte empfunden werden.

Was heisst "technokratisch"? Im obigen Zusammenhang trifft das folgende Zitat wohl auf den Punkt:

Zitat:
Umgangssprachlich wird als Technokrat auch in abwertender Weise eine Person bezeichnet, die eine streng rational-technische Weltsicht hat und dazu tendiert, „weiche“ Faktoren wie etwa soziale oder psychologische Aspekte eines Themas zu vernachlässigen.
Quelle

Maßnahmen um der Maßnahme willen dienen dem Geldbeutel der Träger-Industrie und der Beschönigung der Arbeitslosenstatistik. Ob sie passfähig sind, der Person des Elos entgegenkommen, seine Ziele, Wünsche, Motive, Werte und Lebensplanung berücksichtigen, ist zu bezweifeln. Denn nicht umsonst würde sich ein Großteil der Elos durch Fremdbestimmung und Druck bei der "Vergabe von Maßnahmen" stark belastet fühlen.

Was macht denn nun diese "starke Belastung" aus?
Hierzu scheint mir wichtig, sich über Konflikte und Abwehrmechanismen zu informieren.

Druck, Fremdbestimmung, Sinnlosigkeit technokratischer Hilfsmaßnahmen können Betroffene in eine konfliktreiche seelische Verfassung stürzen.

Zitat:
Die Ausübung persönlicher Macht, staatlichen Rechts (z. B. über die Bestrafung von Fehlverhalten oder die Verteilung von Rechten und Pflichten) führt nicht zu einer Lösung des Konfliktes. Denn dabei werden nur die Interessen des Einen gegen diejenigen des Anderen durchgesetzt: je mehr der Eine gewinnt, desto mehr verliert der Andere (Nullsummenspiel). Der Verlierer wird sich rächen, bei einem unbeteiligten Dritten abreagieren, oder persönlich Schaden nehmen.
Der "persönliche Schaden" kann die psychische Beeiträchtigung respektive Erkrankung sein. Wie Caso oben schon herausgearbeitet hat, werden die BA und alle an diesem repressiven System Beteiligten kein Interesse haben, umfassend herauszufinden, ob und welchem Umfang die Betroffenen "persönlich Schaden" nehmen oder genommen haben. Darauf aufmerksam machen können offenbar nur Betroffene selbst oder "kleinere" Studien wie die von Anne Ames
Hartz IV in Baden-Württemberg. Die Erfahrungen der Betroffenen mit der Umsetzung und den Auswirkungen des SGB II.

Was mir bleibt, ist darauf hinzuweisen, dass es bei der "Vergabe" von "zumutbaren" Maßnahmen eben um mehr geht als um die Maßnahme "an sich". Es geht nicht mehr und nicht weniger um die psychische Gesundheit der Betroffenen, die durch ausgeübte Repression empfindlich gestört werden kann.

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Yukonia ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 09.08.2014, 13:26   #42
Laa Luna
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Hartz 4 zielt darauf ab, die Betroffenen im Kampfmodus zu halten.
Denn depressive, ängstliche (aggressive) Kunden sind leichter manipulierbar.
Der Makel der sozialen Minderwertigkeit wird ihnen regelrecht eingetrichtert.
Arbeitslos = Wertlos

Siehe den interessanten Beitrag von Ozymandias # 22.

Nicht jeder ist stark genug um sich dieser Gehirnwäsche zu entziehen.
Nur wenn man sämtliche noch vorhandene Kräfte bündelt, hat man eine Chance gegen dieses System.
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arbeitsangebotes, maßnahme, seelische, zumutbarkeit

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