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Alt 02.01.2015, 21:44   #1
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Tatjana14
Standard BBZ Altenkirchen GmbH & Co. KG - Erfahrungsbericht einer Mitarbeiterin

Hallo miteinander,

dieser Beitrag dürfte etwas lang werden.

Ich habe als ehemalige Mitarbeiterin eines Bildungsträgers Erfahrungen gemacht, die ich niederschreiben musste um sie besser verarbeiten zu können. Vielleicht kann dies dem Leser ein paar Denkanstöße geben:

Erfahrungsbericht über meine Tätigkeit bei der Kiry Unternehmensgruppe

Nachdem mein Arbeitsvertrag als Verwaltungsmitarbeiterin bei einem christlichen Bildungsträger nach den obligatorischen zwei Jahren ausgelaufen war, bewarb ich mich als Bürokraft für einen neuen Standort der BBZ Altenkirchen GmbH & Co. KG, die zur Kiry Unternehmensgruppe gehört.

Das Vorstellungsgespräch mit dem Geschäftsführer sollte in einem Seminarraum eines Hotels stattfinden. Der Seminarraum entpuppte sich jedoch als Sitzecke in der Vorhalle des Hotels. Während des Gesprächs wurde mir erläutert, dass es sich um eine Tätigkeit für die arbeitsmarktintegrative Maßnahme „Praxis Center“ handle, deren Ziel es sei, Langzeitarbeitslose für die Berufswelt fit zu machen und sie in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Die Maßnahme wäre vorerst nur für ein Jahr genehmigt, weswegen auch der Arbeitsvertrag vorerst nur für ein Jahr befristet sei. Man ginge aber davon aus, dass die Maßnahme über das eine Jahr hinaus verlängert werde.

Als es um die Gehaltsfrage ging, einigten wir uns auf einen Betrag, der unter dem lag, was ich bei meinem vorangegangenen Arbeitgeber verdiente, schließlich wusste ich von dem hohen Konkurrenzdruck, dem die Träger ausgesetzt sind. Als ich einige Tage später eine Zusage vom BBZ Altenkirchen erhielt, nahm ich diese an und entschied mich gegen ein Arbeitsangebot eines anderen Arbeitgebers, welches sich ausschließlich auf eine einjährige projektbezogene Tätigkeit ohne Option auf Verlängerung bezog.

Bei Arbeitsantritt

Laut Erklärung im Vorstellungsgespräch sollte sich der Arbeitsort in Bahnhofsnähe befinden. Tatsächlich befanden sich die Räumlichkeiten des neuen Standortes mitten in der Innenstadt. Das Inventar war von dem vorherigen insolvent gegangenen Bildungsträger übernommen worden. Nach einem zweitägigen „Workshop“ machten wir Mitarbeiter uns daran, unsere Büros einzurichten und Arbeitsmaterial zu beschaffen. Am dritten Tag sollten die ersten Teilnehmer eintreffen. Gleich am Anfang fehlte es an den einfachsten Büro- und Arbeitsmaterialien, wie z.B. Wandkalendern oder Stempel und das sollte sich auch bis zum Schluss nicht ändern. Die Standortleiterin erklärte, dass es das beim BBZ nicht gäbe. Kalender könne man sich schließlich auch über Outlook beschaffen.

Die Teilnehmer der Maßnahme wurden in sogenannte „Gewerke“ aufgeteilt. Neben theoretischem Unterricht bestand die primäre Aufgabe der Teilnehmer des Gewerkes „Haustechnik“ darin, die brach liegende Werkstatt und das Lager, welche sich im Keller des Gebäudes befanden, ein altes Vereinshaus, das für die Arbeit des Gewerkes „Hotel- und Gastronomiegewerbe“ genutzt werden sollte, sowie alle Büroräume, Flure und das Treppenhaus zu renovieren. Bei uns Mitarbeitern stieß dieses Vorgehen auf Kritik. Unser Vorgesetzter begründete, dass dies die perfekte Übungsumgebung für die Teilnehmer sei.

Bereits nach den ersten Tagen, in denen Teilnehmer ohne Handschuhe oder Arbeitsbekleidung und mit spärlichem Arbeitsmaterial begannen die Tapeten im Vereinshaus abzukratzen, breitete sich Frustration und Unmut unter den Teilnehmern aus. Während der Renovierungsarbeiten wurde Schimmel unter diversen Decken im Vereinshaus entdeckt, woraufhin zahlreiche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und ärztliche Atteste in der Verwaltung eingereicht wurden. Teilnehmer drohten vereinzelt, das Gesundheitsamt zu informieren. Es folgten Besuche vom Jobcenter, vom REZ und der Bezirksregierung. Der Schimmel wurde grob beseitigt und die Tür des vom Schimmel befallenen Raums abgeschlossen. Das Tagesgeschäft lief weiter.

Ebenfalls beklagten sich zahlreiche Teilnehmer über die Farbgerüche, die aufgrund permanenter Streicharbeiten in Büros, in Unterrichts- und EDV-Räumen, in der Küche, in den Sozialräumen, im Lager, in der Werkstatt und im Treppenhaus allgegenwärtig waren. Auch dies war ein Anlass für zahlreiche Teilnehmer, entsprechende Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und ärztliche Atteste in der Verwaltung einzureichen.

Regelmäßig wurden die Toiletten des Standortes vermutlich von frustrierten Teilnehmern verstopft und dadurch unter Wasser gesetzt. Zeitweise mussten sich ca 50 Teilnehmer und Mitarbeiter (männlich und weiblich) eine einzige Toilette im Lagerbereich teilen oder auf öffentliche Toiletten der umliegenden Geschäfte und Cafés ausweichen.

In dieser Zeit veröffentlichte einer der Teilnehmer einen Bericht im Internet, in dem er offen auf die Missstände des Standortes hinwies und auch Mitarbeiter denunzierte. Im Fokus seines Berichtes stand der Anleiter des Gewerkes „Haustechnik“. Noch während dieser mit Renovierungsarbeiten im Vereinshaus beschäftigt war, sollte bereits ein neuer Anleiter unter dem Vorwand, dass dieser zukünftig vermehrt für den theoretischen Unterricht zuständig sein würde, den Büroarbeitsplatz des eigentlichen Anleiters einnehmen. Der „alte“ Anleiter des Gewerkes Haustechnik wurde entlassen sobald er die gröbsten Renovierungsarbeiten im Vereinshaus abgeschlossen hatte. Der Teilnehmer, der den Bericht im Internet veröffentlicht hatte, wurde zunächst auf Grund einiger Verstöße gegen die Hausordnung abgemahnt und später mit einer Unterlassungsklage und einem Hausverbot aus der Maßnahme verbannt.

Im Laufe der ersten 5 Monate sollten von insgesamt zehn Mitarbeitern noch drei weitere Mitarbeiter entlassen werden und ein einzelner Mitarbeiter selbstständig kündigen. Einer der entlassenen Mitarbeiter war ein ehemaliger Standortleiter, der an unseren Standort versetzt und zum „Jobcoach“ ernannt worden war. Bei einer anderen Kollegin gestaltete sich die Entlassung so, dass der neue Mitarbeiter, der ihren Platz einnehmen sollte, bereits im Standort eingetroffen war, als diese aufgefordert wurde, ihren Arbeitsplatz unverzüglich zu räumen und den Standort zu verlassen. Sie sei innerhalb der Probezeit fristgerecht gekündigt und für die kommenden zwei Wochen freigestellt. Als sich die Mitarbeiterin weigerte ihren Platz zu räumen, forderte die Standortleiterin mich auf, ihr die Telefonnummer der nächsten Polizeistation herauszusuchen. Gesagt, getan.

Während dieser Zeit berichteten sowohl die Standortleiterin als auch der Vorgesetzte selbst (wenn sich sein Besuch bei uns ergab), von Kündigungen an anderen Standorten, die ähnlich vollzogen worden wären. Einmal wurde berichtet, der Geschäftsführer habe höchstpersönlich zu einem der Standorte anreisen und eine Mitarbeiterin entlassen müssen. Ein anderes Mal wurde erzählt, man habe an einem Standort das komplette Team ausgetauscht, da sich die Mitarbeiter untereinander verstritten hätten. Das Thema „Kündigung“ war allgegenwärtig. Oft wurden die ehemaligen Mitarbeiter im Nachhinein denunziert. Meiner Kollegin und mir hatte man unter anderem geraten, den privaten Kontakt zu der gekündigten Mitarbeiterin zu unterlassen. Wenn die Standortleiterin etwas an meiner Arbeit zu kritisieren hatte, wurde ihrerseits des Öfteren ein Vergleich zwischen der entlassenen Mitarbeiterin und mir gezogen. Hierbei bin ich hellhörig geworden.

Einmal in der Woche war Infotag. Im Akkord empfingen meine Kollegin und ich neue Teilnehmer, die vom Jobcenter zugewiesen wurden, legten sie in der Datenbank an oder glichen Daten ab, nahmen Bankverbindungen auf und erstellten Schulungsvereinbarungen. Anschließend sollten sich die Teilnehmer zur Infoveranstaltung versammeln. Dieser Ablauf war auf die Minute genau getimt. Wenn es in der Anmeldung mal länger dauerte, wurde uns seitens der Standortleiterin Druck gemacht. Abgesehen davon, dass sich unter den Teilnehmern auch Legastheniker oder Menschen mit Migrationshintergrund und wenig Deutschkenntnissen befanden, umfasste die Schulungsvereinbarung 4 Seiten, die i.d.R. vor dem Unterschreiben gelesen werden sollten. Die Tatsache, dass die Teilnehmer zuerst angemeldet wurden und anschließend an der Infoveranstaltung teilnehmen sollten, war darüber hinaus problematisch. Einige Teilnehmer erschienen im Standort unter der Annahme, sie würden eine unverbindliche Infoveranstaltung besuchen und weigerten sich zu unterschreiben ohne überhaupt ausführlich über den Inhalt der Schulungsmaßnahme informiert worden zu sein.

Wenn Anrufe von Teilnehmern eingingen und sich die Standortleiterin im Büro aufhielt, versuchte sie mir klar zu machen, dass ich nicht so lange mit den Teilnehmern sprechen dürfe. Schließlich sei ich weder Jobcoach noch Sozialpädagoge. Andererseits durften meine Kollegin und ich (beide Bürokräfte) durchaus einen großen Teil der Aufgaben ausführen, die eigentlich Aufgabe eines Jobcoaches oder Sozialpädagogen sind, wie z.B. das Verfassen von Abschlussberichten. Im besten Fall wies die Datenbank nützliche von den Sozialpädagogen angelegte Kontaktberichte über die Teilnehmer auf, aus denen man sich einen entsprechenden Abschlussbericht zusammenstellen konnte. Die Sozialpädagogen waren anderweitig ausgelastet. Schließlich fehlte es bis zum Schluss an dem angekündigten dritten Sozialpädagogen und einem weiteren Jobcoach. Der Stellenschlüssel ging also nicht auf. Am stärksten wurde die Datenbank jedoch mit am Hauptsitz des Unternehmens generierten und als Masseneinträge in die Kontaktberichte der Teilnehmer eingepflegten Vermittlungsvorschlägen für Zeitarbeitsfirmen gefüllt. Selbst wenn Teilnehmer seit Wochen krankgeschrieben oder „verschollen“ waren und dies auch in den Kontaktberichten einsehbar war, nahm die Flut an Vermittlungsvorschlägen nicht ab. Hinzu kamen sogenannte „To do’s“ die meiner Kollegin und mir jeweils gesetzt wurden und laut denen wir uns bei den „verschollenen“ Teilnehmern erkundigen sollten, warum diese nicht zu einem vereinbarten Vorstellungsgespräch erschienen seien. Ähnlich verhielt es sich auch bei einer Gabelstaplerschulung, für die Teilnehmer eingeplant wurden, die seit Wochen krankgeschrieben oder nach einem einzigen Präsenztag niemals mehr gesehen waren. Als dieser Missstand am Tag der Schulung aufflog, wurden abermals meine Kollegin und ich hierfür verantwortlich gemacht. Mit der Organisation der Gabelstaplerschulung waren wir jedoch überhaupt nicht betraut worden.

Wenn ein Anruf in der Anmeldung nicht abgenommen wurde, was auch passierte wenn die Leitung belegt war, wurde eine automatische E-Mail an das Gemeinschaftspostfach geleitet mit dem Hinweis „Missed Call“. Im Urlaubstool wurden nicht nur die geplanten und genehmigten Urlaubstage von und für alle Mitarbeiter angezeigt, sondern auch die Fehl- und Krankheitstage jedes Einzelnen mit dem Hinweis ob hierüber eine Bescheinigung vorliege. Meine Kollegin und ich pflegten täglich die Anwesenheit aller Teilnehmer nach Gewerk in der Datenbank ein. Wenn die Eingabe der Anwesenheit eines Teilnehmers durch einen von uns versäumt wurde, erhielt der jeweils andere eine entsprechende E-Mail über dieses Versäumnis.

Das Empfangsbüro musste stets besetzt sein. Wenn meiner Arbeitskollegin und mir jeweils eine Mittagspause von 45 Minuten zustand, durften wir diese im Wechsel insgesamt innerhalb eines strengen Zeitrahmens von 90 Minuten nehmen (zwischen 11:50 Uhr und 13:20 Uhr). Kam es also mal vor, dass es diejenige Mitarbeiterin, die die 1. Mittagspause nahm, ein paar Minuten verzögert in die Pause schaffte, so wurden diese Minuten zwangsläufig von der Pause der anderen Mitarbeiterin abgezogen. Dies wurde seitens der Standortleiterin streng kontrolliert. Darüber hinaus wurden meine Kollegin und ich dazu aufgefordert, die minutengenaue Einhaltung der Pausenzeiten der anderen Mitarbeiter zu kontrollieren und hierüber eine Liste zu führen.

Häufig konnten keine Fahrgelder für Vorstellungsgespräche der Teilnehmer ausgezahlt werden, da die Kasse leer war. Die Standortleiterin erklärte, dass sie keine Bank sei und dass man Gelder eine Woche im Voraus anmelden solle. Aber auch wenn man dies tat (soweit man Vorstellungsgespräche im Voraus planen kann), war die Kasse zumeist leer oder der geplante Betrag war zuvor seitens der Leiterin abgelehnt worden. Bei Geldern für Exkursionen oder Arbeitsmaterial verhielt es sich ebenso. Die Teilnehmer begannen sich z.T. darüber zu belustigten. Die Standortleiterin erklärte, dass es gut sei, wenn man bei den Teilnehmern den Eindruck erwecke, dass kein Geld in der Kasse vorhanden sei. Dies schütze schließlich vor Einbrüchen. Wir Mitarbeiter waren der Meinung, dass finanzielle Mittel, die dem Standort zur Verwendung für die Teilnehmer zustanden, auch diesen zu Gute kommen sollten. Als wir das in einer Teamsitzung zur Sprache brachten und die Offenlegung des Budgets pro Teilnehmer forderten, wurde uns seitens der Standortleiterin erklärt, dass es das Konzept des Unternehmens sei, gerade dies nicht zu tun. Das Budget blieb also weiterhin verschleiert.

Zum Ende des Jahres war im Gespräch, einen weiteren Arbeitsbereich „Garten- und Landschaftsbau“ für die Teilnehmer zu erschließen. Während einer Teamsitzung, bei der auch der Geschäftsführer persönlich anwesend war, kam das Thema Arbeitsbekleidung zur Sprache. Arbeitsbekleidung stellt besonders bei Gartenarbeiten / Schneedienst im Winter eine Notwendigkeit dar. Der Geschäftsführer war der Meinung, die Teilnehmer hätten eigenständig für Arbeitsbekleidung zu sorgen oder könnten sich bei der Kleiderkammer entsprechend eindecken. Warnwesten gäbe es hingegen genug am Hauptsitz in Altenkirchen. Schließlich hätte es bei der AOK (?) eine Aktion gegeben, bei der man Warnwesten kostenlos erhielt sobald man sich für eine Gabelstaplerschulung eintrug (Zitat: „Man wird schließlich nicht reich ohne zu wissen wo man sparen kann.“).

Während meiner Mitarbeit beim BBZ Altenkirchen haben einige Teilnehmer der Maßnahme eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Der Schwerpunkt bei der Vermittlung lag bei Arbeitnehmerüberlassungen und zu der Zeit häufig bei Saisonarbeit im Rahmen des Weihnachtsgeschäftes. Als der erste von weiteren Arbeitsverträgen für einen Beschäftigungszeitraum von lediglich 4 Wochen abgeschlossen wurde, forderte mich die Standortleiterin auf, die Teilnehmer darauf hinzuweisen, dass Arbeitsverträge ausschließlich ab einer Beschäftigungsdauer von mindestens 6 Wochen abgeschlossen werden dürften. Erst ab einer Beschäftigungsdauer von 6 Wochen erhält das BBZ Altenkirchen eine entsprechende Vermittlungsprämie.

Als die 100 Teilnehmerplätze voll besetzt waren und nur noch vereinzelt neue Anmeldungen durchgeführt werden mussten, wurde es ruhiger im Büro. Dies lag aber vielleicht auch daran, dass meine Kollegin und ich zwischenzeitig „auseinandergesetzt“ wurden und nun wöchentlich unsere getrennten Büroräume tauschen (!) mussten. Dies sollte unsere Arbeit noch effizienter gestalten, dem Betriebsklima schadete es jedoch immens. Nach erfolgreichem Abschluss einer Statistik über den Erfolg des Standortes und einen Monat vor Ende der Probezeit bildete ich mir ein, dass dies ein guter Zeitpunkt sei um mit dem Geschäftsführer noch einmal über mein Gehalt zu sprechen. Schließlich hatte ich während meiner Beschäftigungszeit erfahren müssen, dass die Gehaltsfrage beim BBZ Altenkirchen Verhandlungssache ist. Auf meine telefonische Anfrage hin teilte mir der Geschäftsführer mit, dass er in wenigen Tagen vor Ort sei und wir dann darüber reden könnten. Drei Tage später erhielt ich die Kündigung und die Aufforderung, meinen Arbeitsplatz umgehend zu räumen und den Standort zu verlassen. Ich sei für die nächsten zwei Wochen unter Berücksichtigung meines Urlaubs freigestellt. Die Standortleiterin berief sich auf das „Gespräch“ mit dem Geschäftsführer, außerdem teilte sie mir u.a. mit, dass ich über keine Menschenkenntnis verfügen würde und besser in der Industrie aufgehoben sei.

Wenige Tage nach meiner Entlassung erfuhr ich durch einen ehemaligen Arbeitskollegen, dass das Jobcenter die Maßnahme „Praxis Center“ beim BBZ Altenkirchen am Standort Dortmund nicht weiter bewilligt hätte und der Standort genau 6 Monate nach Arbeitsantritt der Mitarbeiter eingestellt werden würde. So wird man auch die Kündigung der restlichen Mitarbeiter innerhalb ihrer Probezeit rechtsgemäß durchführen können. Vielleicht war dieses Risiko von Anfang an eingeplant gewesen. Für die Kiry Unternehmensgruppe wird der Verlust des Standortes vermutlich keinen finanziellen Einschnitt darstellen.

Nachdem ich mich bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet hatte und eine entsprechende Arbeitsbescheinigung bei dem Hauptsitz der BBZ Altenkirchen GmbH & Co. KG eingereicht hatte, verging über ein Monat bis ich die Arbeitsbescheinigung ausgefüllt wieder zurück erhielt. Aus diesem Grund war es mir nicht möglich, pünktlich vor Monatsende meine Antragsunterlagen auf Arbeitslosengeld bei der Arbeitsagentur einzureichen, weswegen ich zum Jahreswechsel vorerst ohne finanzielle Mittel da stand.

Mein Fazit: Ein Unternehmen, das vorgibt, Menschen zu qualifizieren und in Arbeit zu vermitteln, hat seine eigenen Mitarbeiter abermals in die Arbeitslosigkeit und in existentielle Not geführt.

In den letzten Jahren haben zahlreiche Bildungsträger den Markt überschwemmt und stehen sich in Konkurrenz gegenüber. Dies kann dazu führen, dass unseriöse Anbieter Zuschläge für Maßnahmen erhalten, weil sie diese möglichst billig anbieten. Dies wirkt sich negativ auf die Gehälter der Mitarbeiter, auf die Arbeitsmaterialien und das Inventar und letzten Endes auch auf die Qualität der Maßnahme aus.

An unserem Standort hatten zahlreiche Teilnehmer Beschwerden beim Jobcenter aufgrund von Missständen eingereicht. Dies hat die Arbeitsplätze der Mitarbeiter gefährdet. Andererseits kann es aber auch bewirken, dass unseriösen Trägern langfristig der Garaus gemacht wird.
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Alt 02.01.2015, 23:30   #2
0zymandias
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Standard AW: BBZ Altenkirchen GmbH & Co. KG - Erfahrungsbericht einer Mitarbeiterin

Hi Tatjana14,

vielen Dank für Deinen Bericht und ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Arbeitssuche.

Zu Bedenken geben möchte ich:

Schwarzarbeit ist illegal.
Diese fand unter der Aufsicht der BBZ statt, der Zoll und die Krankenkassen könnten sich dafür interessieren. Auch nachträglich.
Die Erwerbslosen werden dadurch zusätzlich einem kompletten Entwertungserlebnis ausgesetzt, denn für ihre Arbeit bekommen sie nichts.
(Wahrscheinlich noch nicht einmal ein Dankeschön.)

Hygienevorschriften müssen dem gesetzgeberischen Reglement folgen und das aus sehr, sehr gutem Grund.
Das Gesundheitsamt könnte sich in solchen Fällen immer für eine ausreichende Zahl von Toiletten begeistern, schließlich ist das hier immer noch Mitteleuropa.
Was eine Schimmelpilzexposition für Atemwege und Immunsystem auch in langfristiger Perspektive darstellt, sollte aus den Medien bekannt sein. Bei entsprechenden Erkrankungen sollte der Arbeitgeber in Regress genommen werden.

Ausschlaggebend für die Antragsstellung ist nicht die Vollständigkeit des Antrags, sondern das Datum (vgl. § 20 (3) SGB X).

Querverweise für Betroffene und Interessierte in Sachen BBZ Altenkirchen:

https://www.elo-forum.org/weiterbild...chen-avoi.html
https://www.elo-forum.org/allgemeine...massnahme.html
__

"Alles, was man zum Leben braucht, ist Unwissenheit und Selbstvertrauen, dann ist der Erfolg sicher." - Mark Twain

"Things fall apart; the jobcenter cannot hold;
Mere anarchy is loosed upon the world"
"The best lack all conviction, while the worst
Are full of passionate intensity." - William Butler Yeats
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Alt 03.01.2015, 03:16   #3
Hamburgeryn1
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Standard AW: BBZ Altenkirchen GmbH & Co. KG - Erfahrungsbericht einer Mitarbeiterin

Zitat von Tatjana14 Beitrag anzeigen

Mein Fazit: Ein Unternehmen, das vorgibt, Menschen zu qualifizieren und in Arbeit zu vermitteln, hat seine eigenen Mitarbeiter abermals in die Arbeitslosigkeit und in existentielle Not geführt.

Ein Unternehmen, dass vorgibt Erwerbslose zu qualifizieren und in Arbeit zu vermitteln, aber in Wahrheit durch deren systematische Dequalifizierung dafür sorgt, dass sie in dauerhafter Arbeitslosigkeit, und somit in ständiger Abhängigkeit vom Jobcenter verbleiben, schafft sich ohne großen Aufwand ein einträgliches Geschäftsmodell.
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Alt 03.01.2015, 06:50   #4
Charlot
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Zitat von Tatjana14 Beitrag anzeigen
Andererseits kann es aber auch bewirken, dass unseriösen Trägern langfristig der Garaus gemacht wird.
Leider nicht.
Es wachsen immer neue nach, es geht nur darum die Statistik zu schönen und Gelder abzugreifen.
Die JC's spielen da kräftig mit, ist ja schließlich eine Win-Win-Situation.

Ansonsten besten Dank für Deinen Mut, dies hier zu veröffentlichen.
Jeder Mitarbeiter einer Maßnahme sollte sich mal ernsthaft Gedanken darüber machen, ob er es moralisch vertreten kann, diese Tätigkeit weiterhin zu tun.

Ich vergleiche JC-Mitarbeiter und solche MT's gerne mit KZ-Wächtern.
Die haben damals auch nur ihren Job gemacht innerhalb damas geltenden Gesetzen.
Später, als es das nicht mehr gab, hieß es: Das haben wir nicht gewusst.
__

Alle meine Beiträge stellen lediglich meine persönliche Meinung dar
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Alt 03.01.2015, 09:16   #5
gelibeh
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Zitat:
(Zitat: „Man wird schließlich nicht reich ohne zu wissen wo man sparen kann.“).
Dass sagt doch schon alles und das dürfte kein Einzelfall sein bei den Trägern. Ich wette, das läuft bei vielen ganz genauso ab.
__

§1
Eine EGV nie sofort unterschreiben, Du hast das Recht die zur Prüfung mitzunehmen. Falls der SB mit einem Verwaltungsakt droht, ist das auch nicht schlimm, denn gegen den kannst Du Widerspruch einlegen. Das Nichtunterschreiben eine EGV kann nicht sanktioniert werden.
§2
Möglichst immer mit einem Beistand nach § 13 SGBX zum Jobcenter gehen. Das kann jeder machen, der braucht nur zuzuhören und Protokoll schreiben. Einen Beistand können die nur schriftlich ablehnen.
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Alt 03.01.2015, 10:27   #6
Purzelina
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Danke für diesen Einblick.

Zitat:
Einige Teilnehmer erschienen im Standort unter der Annahme, sie würden eine unverbindliche Infoveranstaltung besuchen und weigerten sich zu unterschreiben ohne überhaupt ausführlich über den Inhalt der Schulungsmaßnahme informiert worden zu sein.
Gab es Anweisungen, wie ihr mit diesen Unwilligen umgehen solltet?
Purzelina ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.01.2015, 00:03   #7
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Tatjana14
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Vielen Dank für eure Antworten!

Zitat von Purzelina Beitrag anzeigen
Danke für diesen Einblick.

Gab es Anweisungen, wie ihr mit diesen Unwilligen umgehen solltet?
Die Teilnehmer sind wie gesagt oft in dem Glauben zur Maßnahme geschickt worden, dass sie an einer unverbindlichen Infoveranstaltung teilnehmen würden. Wenn sie sich weigerten zu unterschreiben, haben wir ihnen mitgeteilt, dass sie uns vom Jobcenter zugewiesen worden sind und wir dazu verpflichtet seien sie aufzunehmen. Ansonsten müssten sie mit finanziellen Konsequenzen rechnen.

Oft hat es auch geholfen, wenn wir nebenbei erwähnt haben, dass wir von der unterschriebenen Schulungsvereinbarung eine Kopie machen, damit die Teilnehmer sich zu Hause nochmal alles in Ruhe durchlesen könnten.

Wenn alles nichts genützt hat, haben wir die Teilnehmer zum Vier-Augen-Gespräch mit der Standortleiterin geschickt.
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Alt 05.01.2015, 08:07   #8
Couchhartzer
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Zitat von Tatjana14 Beitrag anzeigen
Die Teilnehmer sind wie gesagt oft in dem Glauben zur Maßnahme geschickt worden, dass sie an einer unverbindlichen Infoveranstaltung teilnehmen würden. Wenn sie sich weigerten zu unterschreiben, haben wir ihnen mitgeteilt, dass sie uns vom Jobcenter zugewiesen worden sind und wir dazu verpflichtet seien sie aufzunehmen. Ansonsten müssten sie mit finanziellen Konsequenzen rechnen.

Oft hat es auch geholfen, wenn wir nebenbei erwähnt haben, dass wir von der unterschriebenen Schulungsvereinbarung eine Kopie machen, damit die Teilnehmer sich zu Hause nochmal alles in Ruhe durchlesen könnten.

Wenn alles nichts genützt hat, haben wir die Teilnehmer zum Vier-Augen-Gespräch mit der Standortleiterin geschickt.
Derartige Geschäftsmethoden - "Verträge" erst nach getätigter Unterschrift als Kopie zur Prüfung mitzugeben - entbehren jeglicher kaufmännisch geschäftsüblichen Seriösität und sind vornehmlich die vorsätzlich üblen Methoden von unseriösen (bis manchmal sogar kriminellen) Drückerkolonnen.
__

Die Kunst sich im Sozialrecht erfolgreich behaupten zu können beginnt schon damit, auf der Gegenseite möglichst nicht den Eindruck eines kausalen Zusammenhang zwischen eigener Persönlichkeit und eigenen wirtschaftlichen Verhältnissen entstehen zu lassen.
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