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Weiterbildung/Umschulung/Sinnlose Maßnahmen Bitte nur Beiträge posten, die mit Weiterbildung/Umschlung und sinnlose Maßnahmen zu tun haben


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Themen-Optionen Ansicht
Alt 15.07.2014, 18:20   #1
Yukonia->Emailproblem
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Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia
Standard Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Hallo an alle,

mich beschäftigt die Frage, wie sich (Sinnlos)Maßnahmen und (Sinnlos)Arbeitsangebote beim Betreffenden auswirken. Wie fühlt man sich, was geht in einem vor, wenn man Maßnahmen und Angebote faktisch aufgezwungen bekommt. Reagiert ihr eher gelassen oder werdet ihr wütend, hinterläßt es bei euch tiefer gehende Gefühlsveränderungen, die sich auch auf euren normalen Alltag auswirken?

Warum frage ich das?

§ 31 SGB II Abs. (1) besagt:


Zitat:
§ 31 SGB II Pflichtverletzungen

(1) Erwerbsfähige Leistungsberechtigte verletzen ihre Pflichten, wenn sie trotz schriftlicher Belehrung über die Rechtsfolgen oder deren Kenntnis 1.sich weigern, in der Eingliederungsvereinbarung oder in dem diese ersetzenden Verwaltungsakt nach § 15 Absatz 1 Satz 6 festgelegte Pflichten zu erfüllen, insbesondere in ausreichendem Umfang Eigenbemühungen nachzuweisen,
2.sich weigern, eine zumutbare Arbeit, Ausbildung, Arbeitsgelegenheit nach § 16d oder ein nach § 16e gefördertes Arbeitsverhältnis aufzunehmen, fortzuführen oder deren Anbahnung durch ihr Verhalten verhindern,
3.eine zumutbare Maßnahme zur Eingliederung in Arbeit nicht antreten, abbrechen oder Anlass für den Abbruch gegeben haben.
Dies gilt nicht, wenn erwerbsfähige Leistungsberechtigte einen wichtigen Grund für ihr Verhalten darlegen und nachweisen.
und § 10 Abs. (1) Nr. 1 besagt:

Zitat:
§ 10 SGB II Zumutbarkeit

(1) Einer erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person ist jede Arbeit zumutbar, es sei denn, dass 1.sie zu der bestimmten Arbeit körperlich, geistig oder seelisch nicht in der Lage ist,
Aus beiden §§ ergibt sich für mich, dass eine Maßnahme oder eine Arbeit auch seelisch zumutbar sein muss.

Habe ich einen falschen Gedankengang?

Über eine rege Diskussion würde ich mich freuen
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Alt 15.07.2014, 18:53   #2
Maik75
 
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Maik75
Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Yukonia Beitrag anzeigen
[B]Aus beiden §§ ergibt sich für mich, dass eine Maßnahme oder eine Arbeit auch seelisch zumutbar sein muss.
Das ist richtig, ich denke aber, dass man die seelische Unzumutbarkeit aber auch nachweisen muss. Und da wird es dann oft schwierig.
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Alt 15.07.2014, 19:06   #3
Charlot
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Yukonia Beitrag anzeigen
Hallo an alle,

mich beschäftigt die Frage, wie sich (Sinnlos)Maßnahmen und (Sinnlos)Arbeitsangebote beim Betreffenden auswirken. Wie fühlt man sich, was geht in einem vor, wenn man Maßnahmen und Angebote faktisch aufgezwungen bekommt. Reagiert ihr eher gelassen oder werdet ihr wütend, hinterläßt es bei euch tiefer gehende Gefühlsveränderungen, die sich auch auf euren normalen Alltag auswirken?
Als "alter Hase" versuche ich schon im Vorfeld, das es nicht zu einer Zuweisung kommt.
Falls doch, dann mit allen legalen Mitteln sich dagegen wehren.

Ich halte mich an alle geltenden Gesetze, und der MT sollte dies auch tun.

Schwierig ist es bei Newbies.
Die glauben erst einmal, das ein bewerbungstraining oder ein Ein-Euro-Job vielleicht wirklich was bringt.
Der SB ist ja schließlich vom Fach und hat ja gesagt, das dies alles zielführend ist.
Erst nach einer gewissen Zeit stellt man dann fest, das das alles Lug und Betrug ist.
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Alt 15.07.2014, 19:10   #4
Yukonia->Emailproblem
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Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia Yukonia
Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Maik75 Beitrag anzeigen
Das ist richtig, ich denke aber, dass man die seelische Unzumutbarkeit [sU]aber auch nachweisen muss. Und da wird es dann oft schwierig.
Ja genau! Und deshalb frage ich in diesem Thread nach: Was bedeutet sU, wie wirkt sie sich aus, woran erkennt man sie, wie weist man diese im Ernstfall nach und letztendlich wie wehrt man sich dagegen.
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Alt 15.07.2014, 19:21   #5
ZynHH
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Um den Nachweis seelischer Unzumutbarkeit fuhren zu können, wirst du

1. die Unterstützung eines Psychiaters benötigen und

2. an der Massnahme teilnehmen müssen. Wie sonst willst du nachweisen dass etwas nicht zumutbar ist, wenn du es noch gar nicht gemacht hast.

Neuer MT neues Glück.

Du wirst doch nicht etwas pauschal von außen ablehnen wollen, nur um es nicht machen zu müssen?
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Mahalo
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Alt 15.07.2014, 19:54   #6
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von ZynHH Beitrag anzeigen
Um den Nachweis seelischer Unzumutbarkeit fuhren zu können, wirst du

1. die Unterstützung eines Psychiaters benötigen und

2. an der Massnahme teilnehmen müssen. Wie sonst willst du nachweisen dass etwas nicht zumutbar ist, wenn du es noch gar nicht gemacht hast.
Gut. Wie ist es zum Beispiel mit "Unterforderung". Der Elo wird in das vierte Bewerbungstraining geschickt. Sowas passiert doch. Er gibt dem SB zu verstehen, dass das wegen Unterforderung für ihn unzumutbar ist. Der SB bleibt hart. Das wäre vor der Maßnahme zu klären. Dazu muss er nicht erst in die Maßnahme. Soll der Elo sich erst eine Sanktion einfangen und das ganze auf dem Klageweg klären lassen?
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Alt 15.07.2014, 20:08   #7
ZynHH
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Du kannst den JC SB schriftlich auffordern dir mitzuteilen in wie fern nun die 4.te gleiche Massnahme dazu geeignet ist dich in Arbeit zu bringen oder vVermittlungshemmnisse zu beseitigen.
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Mahalo
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Alt 15.07.2014, 20:16   #8
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Caso Beitrag anzeigen
und genau: Ohne einen bereits attestierten seelischen Knacks wirds noch viel schwerer, auf *Psycho* zu machen.
Genau darum gehts mir nicht! Die attestierten Krankheiten sollen außen vor bleiben.

Um beim Beispiel zu bleiben: Unterforderung macht was mit jemandem. Er kann z.B. Aggressionen entwickeln. Deshalb gehört er noch lange nicht in die Psycho-Schiene.
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Alt 15.07.2014, 20:20   #9
0zymandias
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Unterforderung, wenn sie vorliegt, ist ein stichhaltiges Argument gegen eine Maßnahme (es gibt auch Urteile dazu).

Rein theoretisch sollte sie auch vom eLBen vor der Maßnahme erkannt und als Unzumutbarkriterium beurteilt werden können, denn die Maßnahmenzuweisung soll so sein, dass der eLB diese Beurteilung machen kann.
Praktisch ist nahezu jede Maßnahmenzuweisung in ihrem Informationsgehalt zu unsubstantiiert und in der Regel lässt sich das JC erst durch ein SG in der Sanktionsfrage gnädig stimmen.

Deswegen wird oft zu diesem Eiertanz mit der Nicht-Unterschrift geraten.

Nachtrag: Zu...
Zitat von Yukonia Beitrag anzeigen
[...] Er kann z.B. Aggressionen entwickeln. [...]
...möchte ich meine Empirie beisteuern: Er kann, in der Tat. ;)
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"Alles, was man zum Leben braucht, ist Unwissenheit und Selbstvertrauen, dann ist der Erfolg sicher." - Mark Twain

"Things fall apart; the jobcenter cannot hold;
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"The best lack all conviction, while the worst
Are full of passionate intensity." - William Butler Yeats
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Alt 15.07.2014, 21:21   #10
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von ZynHH Beitrag anzeigen
Du wirst doch nicht etwas pauschal von außen ablehnen wollen, nur um es nicht machen zu müssen?
Es geht nicht um mich. Ich muss nichts abwehren.
Ich lese seit langem im Forum. Es ist voll Berichten, dass die Elos zu Unterschriften genötigt werden, dass sie in Maßnahmen gedrängt werden, die sie nicht machen wollen, in denen sie keinen Sinn sehen usw. Es ist auch voll von Hinweisen, wie man sich gegen Eingliederungsvereinbarungen, Verwaltungsakte, Maßnahmen etc. wehrt.

Es ist, glaube ich, legitim, die Frage nach der seelischen Zumutbarkeit zu stellen auch für Elos, die sich als "gesund" empfinden. Nötigung, Drohung, Zwang, Druck, Repression, Sanktion - Worte, die ich immer wieder lese. Und (vor längerer Zeit) selber erfahren habe.

Aktuell beklagt man den Anstieg der psychischen Krankheiten. In unserem Fall wird der damit begründet, das Elos zu lange arbeitslos sind. Das aber eigentlich das "System" Hartz 4 dafür verantwortlich ist, wird gerne verschwiegen.

Und darum frage ich hier nach. Was passiert mit den "Gesunden", wenn sie sich diesem System ausgesetzt sehen.
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Alt 15.07.2014, 21:37   #11
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Caso Beitrag anzeigen

Ich bin relativ robust und belesen.
Das ist ja gut für dich. Ich bin es nicht und viele andere auch nicht.
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Alt 15.07.2014, 22:46   #12
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Franz04
Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Also,

ich kann TE ein bischen Kraft spenden. Die nötigste Kraft.

Ich habe mal bei einem Krankenhaus als Medizintechniker mit 1870 Euro Übergangsgeld ein Praktikum gemacht letztes Jahr. Ich habe dort alle Nachtschränkchen, über 200 Betten umgebaut mit Makita und Nietzange, nebenbei habe ich im Schwesternschülerwohnheim die Stühle repariert und auch den Müll von den Schwesternschülerinnen in die großen Container mit einem Flurwagen gefahren.

Die Krankenschwesterschülerinnen haben einen Kellerraum, der zwei mal pro Woche voll geworfen ist mit Binden etwas Restessen und ordentlich Pullen Vodka. Da habe ich den ganzen Tag Dienstags und Donnerstags gebraucht, um den Raum in die großen Müllpressen zu fahren. Ich bekam einen Anschiss, wieso ich die Pullen vom Schwesternwohnheim nicht im Glascontainer entsorge. Glas wiegt ja viel.

Ich bin aber auch mittags zwei Stunden in Eiscafe gegangen und habe dem Geschäftsführer vom Krankenhaus, der meine Arbeit für wertvoll hällt, gesagt, dass ich bei ihm nicht anfange, weil ich auch die Biotonnen mit dem Schlauch ausgespritzt habe.

Ich bin nach Ende der Maßnahme einfach nach Hause gefahren. Über Umwege kam dann das Arbeitszeugnis, dass ich dem Krankenhaus so geholfen habe mit tadellosem Einsatz für 1.870 netto auf Rentenversicherung.

Ich habe mir keinen Zacken aus der Krone gebrochen auch nur schmutzige Arbeiten zu machen. Das Betriebsklima unter den Technikern dort war Kacke. Der erste Elektriker sprach von Lötzink statt von Lötzinn. Ein Idiot.
__

Meine Beiträge sind keine Rechtsberatung.
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"Luat enier sidtue an eienr elgnhcsien uvrsnäiett, ist es eagl in wcheler rhnfgeeloie die bstuchbaen in eniem wrot snid. das eniizg whictgie ist, dsas der etrse und der lztete bstuchbae am rtigeichn paltz snid. der rset knan tatol deiuranchnedr sien und man knan es ienrmomch onhe porbelm lseen. das legit daarn, dsas wir nhcit jeedn bstuchbaen aeilln lseen, srednon das wrot als gzanes."
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Alt 15.07.2014, 23:00   #13
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Franz04
Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Tierheim oder Psychiatrie. Wer als Mensch nicht gesellschaftskompatibel ist, kommt in die Psychiatrie. In der Psychiatrie kann einem kein Arzt langfristig helfen.

In einem Tierheim kann auch kein Tierpfleger einem Tier langfristig helfen.

Golden Red River sind in, die spenden Liebe und bekommen Liebe.
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Alt 15.07.2014, 23:09   #14
Paolo_Pinkel
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Aus rechtlicher Sicht beleuchtet (ab Seite 624, Stand 2011)
==> http://www.sanktionsmoratorium.de/pd...011_beschn.pdf
__

"Hartz-IV ist die arbeitsmarktpolitische Endlösung der Erwerbslosenfrage." - Ich -
┌∩┐(◣_◢)┌∩┐
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Alt 16.07.2014, 06:16   #15
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Caso Beitrag anzeigen
Wer beklagt den Anstieg von psychischen Krankheiten?
Zitat:
Nürnberg - Wer von Hartz IV leben muss, leidet besonders häufig unter psychischen Erkrankungen: Bei mehr als einem Drittel der Bezieher wurde innerhalb eines Jahres mindestens eine psychiatrische Diagnose gestellt. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie der Universität Halle-Wittenberg zufolge ist der Anteil der Betroffenen in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
Jeder dritte Hartz-IV-Empfänger ist psychisch krank
__

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Alt 16.07.2014, 08:00   #16
Harte Sau
 
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Und wie viele sind es bei der arbeitenden Bevölkerung?
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Alt 16.07.2014, 09:06   #17
dummwiebrot
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dummwiebrot dummwiebrot
Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Zitat von Franz04 Beitrag anzeigen
Golden Red River sind in, die spenden Liebe und bekommen Liebe.
Was bitte sind Golden Red River?
Könnte es sein, dass Du Golden Retriever meinst? Nun, in dem Fall solltest Du Deine Aussage:
Zitat:
Der erste Elektriker sprach von Lötzink statt von Lötzinn. Ein Idiot.
noch mal überdenken. Du weist schon, wegen Glashaus und Steine.

Ergänzend zu der Frage von Harte Sau:
Wie viele davon waren es schon bevor sie ALG2 bekamen?
Wie viele, egal ob in Arbeit oder ELO, sind es und waren deswegen noch nie beim Arzt, einfach weil es ihnen unangenehm ist (O-Zon eines guten Freundes "Ich hab doch nix am Kopp.")?

In meinem engeren Freundeskreis habe ich 4 psychisch Kranke. 3 von denen stehen in einem festen Arbeitsverhältnis, waren noch nie von ALG2 abhängig. Die vierte war schon psychisch krank bevor sie, auf Grund ihrer Erkrankung, erwerbslos wurde.

Armut/Hartz IV macht krank, das wird sicher niemand bestreiten. Im Umkehrschluß kann man aber auch davon ausgehen, dass schlechte Gesundheit, früher oder später, den Weg in die Armut/Hartz IV begünstigt.
__

Greetz dwb

--------------------
Wie die Verpflegung, so die Bewegung...
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Alt 16.07.2014, 10:17   #18
Charlot
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Nun, es geht hier ja laut Überschrift um die seelische Zumitbarkeit einer Maßnahme.
Da möchte ich gerne etwas abschweifen und etwas auf das seelische mit dem JC allgemein lenken.

Rutscht man ins Alg2, dann ist das erst einmal niederschmetternd.
Niemand möchte das, in der Gesellschaft sind diese Leute ausgegrenzt.
Viele machen einfach irgendwas, um nicht zum Hartzer zu werden.

Geht es nicht anders, so wird dann notgedrungen Hartz4 beantragt.
Und das JC versucht alles, um diese leute wieder loszuwerden.
Es gibt SB's, denen ist es egal, ob der "Kunde" einen Job bekommt oder ob er sich umbringt. Wichtig ist allein, das dieser "Kunde" von seinem Schreibtisch verschwindet.
in der Jahresbilanz sieht das dann gut aus.

Die Leute werden in Ein-Euro-Job oder Bewerbungstraining gesteckt.
Je länger oder je öfter, desto besser.
Das das nicht hilfreich ist, ist jedem SB bekannt.

Weiterhin wird dem "Kunden" klar gemacht, das es alleine an ihm liegt, das er arbeitslos ist.
Die Bewerbung ist negativ, das auftreten beim Vorstellungsgespräch war miserabel, etc.
Und nach einem Termin beim SB fühlt sich der "Kunde" nicht gerade motiviert.

Der Termin zur nächsten Einladung rückt näher, und dem "Kunden" geht durch den Kopf, was er wohl diesmal zu hören bekommt.
Drohungen zum Entzug des Existenzminimums, Angebot einer Maßnahme usw.
In seinem Kopf arbeitet er vorher schon Abwehrstrategien aus.
Hilfe wird er nicht erwarten, das ist jedem "Kunden" bekannt.


Manch einer verkraftet das nicht und wird zum seelischen Wrack.
dazu immer die Angst, gekürzt zu werden, sich nicht mehr ernähren zu können, die Wohnung zu verlieren und vieles mehr.
Und viele SB's wissen um den Zustand und nutzen diesen aus.
Deshalb der nächste Ein-Euro-Job, das nächste Bewerbungstraining usw.
Für ihn ist es dann wieder einer weniger auf dem Schreibtisch.

Und da ist es nicht verwunderlich, das einige auch ausrasten und gewalttätig werden.
In der Pressemitteilung heisst es dann lediglich: "Der Alg2-Empfänger war nicht bereit, an seiner Integration in den Arbeitsmarkt mitzuwirken."
Die Vorgeschichte ist nicht bekannt.
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Alt 16.07.2014, 11:04   #19
0zymandias
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In Ergänzung:
Zitat:
Rogges fünf Modi von Arbeitslosigkeit
1. Im Modus der Umstellung sind vor allem geringqualifizierte Menschen mit prekären Erwerbsbiographien, die immer wieder, aber nur für kurze Zeit, arbeitslos werden, sich rasch auf ihre Arbeitslosigkeit ein- und umstellen, und sich bei Leih- oder Zeitarbeitsfirmen verdingen, bevor ihr Arbeitslosengeld-1 ausläuft. Sie sind sich sicher, dass sie wieder Arbeit finden werden. Sie sehen sich selbst als "normale Arbeitslose" und grenzen sich scharf von denen ab, die sie als "asoziale Arbeitslose" bezeichnen. Ob sie arbeiten oder nicht, macht für ihre psychische Gesundheit nur einen geringen Unterschied.
2. Im Befreiungsmodus fühlen sich die Befragten einer psychisch belastenden Erwerbsarbeit entledigt. Sie verfügen über hohe materielle und berufliche Ressourcen, kultivieren ihre Freizeit und erleben eine "Auszeit", eine Zeit der Wiederaneignung ihres Selbst und der gestiegenen Lebensqualität. Auch sie gehen fest von einer Rückkehr in die Erwerbsarbeit aus. Sie haben die Arbeitslosigkeit oft selbst gewählt und halten sich darum für "anormale", ja "heroische Arbeitslose". Ihnen geht es psychisch besser als vor der Arbeitslosigkeit.
3. Der Kampfmodus ist schon häufig beschrieben worden. Hier steht für die Befragten ihr altes Ich auf dem Spiel. Sie sind sich unsicher, ob sie jemals wieder in ihr Leben von vor der Arbeitslosigkeit zurückkehren können. Es herrscht die Angst, sozial auf Dauer abzurutschen, der Alltag besteht nur noch aus Arbeitssuche, Nervosität und Erschöpfung, die sozialen Beziehungen sind in Mitleidenschaft gezogen. Familienväter und -mütter sind besonders oft in diesem Modus zu finden, sind sie doch bestimmt von der Sorge um die Zukunft ihrer Kinder und dem Gefühl, ihre Elternrolle mangelhaft auszufüllen. Die Frauen und Männer im Kampfmodus wollen den drohenden Makel der sozialen "Minderwertigkeit" abwenden. Sie kämpfen, und ihre Psyche ist deshalb in Aufruhr. Diese Gruppe ist die am meisten belastete und weist durchgehend Depressivitäts-, Ängstlichkeits- und Aggressivitätswerte auf, die die Schwelle zu einer klinisch relevanten Erkrankung überschreiten.
4. Im Verfallsmodus besteht keine Hoffnung mehr, in das "alte Leben" zurückzukehren. Hier wird im Alltag nur noch resignativ durchgehalten, soziale Bindungen sind gekappt, die Selbststigmatisierung ist in vollem Gange. Es sind überwiegend Langzeitarbeitslose, die inzwischen nicht mehr von einer wesentlichen Änderung ihrer Situation ausgehen. Hier dominiert das chronische Empfinden des Selbstverlusts und der Selbstabwertung, denn die Schatten des alten Lebens und die Anforderungen der Arbeitsgesellschaft sind noch immer präsent. Die psychische Gesundheit ist auch in dieser Gruppe stark beeinträchtigt.
5. Im Transformationsmodus schließlich finden sich die langzeitarbeitslosen Befragten mit ihrer Situation ab und entwickeln eine gelingende Lebensführung außerhalb des Arbeitsmarktes. Sie solidarisieren sich mit anderen, die sich unter Umständen in ähnlichen Erwerbssituationen befinden, und entfalten stigmaresistente, alternative Deutungen ihrer Arbeitslosigkeit. Nachdem viele eine psychische Krise durchgemacht haben, stabilisiert sich die Gesundheit im Transformationsmodus wieder.
[Quelle: Die vielen Gesichter der Arbeitslosigkeit - Job & Karriere - derStandard.at ? Karriere, Benedikt Rogge]
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Zitat von Caso Beitrag anzeigen
Demzufolge ist deine Fragestellung an so ein breites Publikum, welches sich auch nicht unbedingt als seelisch labil outen will, sicher etwas sehr übers Ziel hinausgeschossen.
Gut. Mag sein, dass ich das Thema etwas pauschal angegangen und übers Ziel hinausgeschossen bin. Lässt sich leider nicht mehr ändern. Aber um das zu heilen, ist ja ein Forum wie dieses nicht die schlechteste Sache, oder?

Wer sich "outen" will, seelisch labil (ist das eine Krankheit?) oder nicht, kann das ja selbst entscheiden, denke ich.

Aber schon das Wort "outen" weist doch auf eine Problematik hin, über die möglichst nicht gesprochen werden soll. Warum muss man sich "outen", wenn man darüber spricht, welche Auswirkungen auf die Psyche (hier Seele) ein "repressives" System hat?

Ich finde, diese Problematik gehört in einem Hilfe-Forum wie hier einfach dazu und nicht "unter den Teppich gekehrt".
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Alt 16.07.2014, 18:45   #21
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@Caso
Nicht so viel auf einmal
Deine Fragen sind alle berechtigt, aber -
da steige ich heute nicht mehr durch

Aber ich möchte deine Fragen unter Beachtung des EP fürs Erste etwas eingrenzen:

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4. Herr Alt stellt fest:Heute haben wir eher psychische Belastungssituationen in der Arbeitswelt. Und ebenso kann natürlich auch Arbeitslosigkeit Depressionen und andere psychische Erkrankungen auslösen oder verstärken.
Macht Arbeitslosigkeit für sich genommen die Menschen krank?
Das heißt, die bloße Abwesenheit von Erwerbsarbeit?

Dann könnte man Herr Alt zustimmen. Und er wäre fein raus

Oder ist es so, dass das Verwaltungshandeln (und hier Zwangs-Maßnahmen, Sanktionen etc.), also das ganze Hartz4-System als solches, der Grund für diese Entwicklung hin zum Auslösen und Verstärken psychischer Erkrankungen bei Arbeitslosigkeit ist? Dann würde Herr Alt mit seiner Einschätzung ziemlich daneben liegen.

Ich tendiere zu Letzterem und würde gern von den Foristen wissen, wie ihre Erfahrungen sind und wie sie die Sache sehen.

Wie du schon sagst, es wird immer eine Mischung sein. Aber wie ist das Mischungsverhältnis?
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Alt 16.07.2014, 21:24   #22
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

Hier mal zwei lesenswerte Artikel zum Thema:

Hartz IV - Wenn die Seele stirbt

Arbeitspsychologische Analyse zur Arbeitslosigkeit
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Alt 17.07.2014, 17:28   #23
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes

kleine Lektüre gefunden.
Passt nicht ganz zum Thema, aber ist vielleicht doch interessant für dich.

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Alt 20.07.2014, 14:30   #24
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Standard AW: Seelische Zumutbarkeit einer Maßnahme oder eines Arbeitsangebotes



Auf der Suche nach belastbaren Aussagen zu meiner These (s.o.) bin ich auf diese wissenschaftliche Untersuchung aus NRW gestoßen.

Ursachen und Auswirkungen von Sanktionen nach § 31 SGB II und ...

Köln,den 23.07.2013
Kapitel 4.3. Auswirkungen der Sanktionen, ab S. 38 in der PDF

Resumee aus diesem Kapitel:


Zitat:
Diese Ergebnisse dürfen aber keinesfalls kausal interpretiert werden, d. h. die offenkundig schlechtere subjektive Befindlichkeit der Sanktionierten darf nicht als Auswirkung der Sanktionserfahrung aufgefasst werden. Dies ließe sich methodisch nicht rechtfertigen. Sichtbar wird hier lediglich ein systematischer negativer Zusammenhang zwischen Sanktionserfahrung und Befindlichkeit. Es ist durchaus ebenfalls plausibel anzunehmen -was aufgrund der in den qualitativen Interviews mit Vertretern der Jobcenter gewonnenen Einblicke und Einschätzungen eher zu vermuten ist -, dass Menschen mit seelischen und gesundheitlichen Problemen häufiger Gefahr laufen, sanktioniert zu werden als die anderen. Aber auch dieser Zusammenhang kann auf Basis der vorliegenden Ergebnisse nur vermutet werden. Um empirische Evidenz für diesen Zusammenhang zwischen Befindlichkeit und Sanktionserfahrung zu generieren, bedürfte es weiterer Untersuchungen mit anderen Untersuchungsansätzen, als dies bei einer Querschnittsbefragung mit einem Beobachtungszeitraum möglich ist.
Ich sah mich mit dem Hinweis der SB auf die Einstellung der Leistungen und aus Unwissenheit vor längerer Zeit genötigt, eine EGV mit einer Maßnahme zu unterschreiben, welche ich für völlig unangemessen hielt. Bis zu diesem Ereignis hatte ich kaum nennenswerte psychische Probleme. Erst als ich mir der Willkür und des Zwangs bewusst wurde, begann ich mit einer Verschlechterung meiner seelischen Befindlichkeit und mit Krankheit zu reagieren. Das Forum hier habe ich leider erst nach diesen Vorkommnissen kennengelernt.

Nach dem o.g. Resumee würde es bedeuten, dass jemand, der z. B. wegen dem nicht Antreten einer Maßnahme, die er für sinnlos hält, sanktioniert würde, seelische Probleme hätte.

Aber zeugt es nicht eher von seelischer Gesundheit, wenn man sich gegen Zwang und Willkür auflehnt?

Und was passiert mit jemandem, der in einer Maßnahme steckt, in die er zwangsweise zugewiesen wurde? Die Maßnahme an sich mag nach allgemeinem Empfinden zumutbar sein. Aber die Tatsache, dass man u. U. monatelang unter Zwang eine solche absolviert, zeitigt diese dann nicht psychische Folgen in Form von Krankheit?
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Alt 20.07.2014, 15:16   #25
rudolphine
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Es zeugt einfach von Unangepasstheit, wenn man sich gegen Zwang und Willkür auflehnt.
Der monatelange Zwang kann zur Anpassung führen.
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