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U 25

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Meine "Verbrecherlaufbahn", oder: Wie ausgekocht sind 18-jährige Schülerinnen?

U 25

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Alt 27.07.2007, 00:58   #1
rivkele
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rivkele
Standard Meine "Verbrecherlaufbahn", oder: Wie ausgekocht sind 18-jährige Schülerinnen?

Hallo ihr Lieben.

Ich möchte euch gerne mal meine "Geschichte" mit ALG II erzählen. Viele von euch werden, denke ich, kein Verständnis haben und der Meinung sein, dass es mir recht geschieht.
Aber vielleicht gibt es auch Leute, die darüber so denken, wie ich.

Ich bin bei meiner Mutter (alleinerziehend) aufgewachsen. Mein Vater zahlt keinen Unterhalt. Sie war und ist ALG II Empfängerin.
Nach Abschluss der Realschule besuchte ich noch das Gymnasium mit dem Ziel, das Abitur zu machen.
Es kam, wie es kommen musste: 2004 wurde ich 18 Jahre alt, besuchte die 11. Klasse. Das hieß für's Arbeitsamt, dass meine Mutter für mich kein Geld mehr bekommt- mit 18 fällt mir das Geld ja quasi in den Schoß, besonders als Schülerin.
Ferienjob oder Nebenjob war nicht möglich- wir wohnten sehr ländlich, ich war psychisch angeschlagen, ich hätte ohnehin nicht genug verdienen können und man hätte es ihr ja vermutlich sowieso auf ihr ALG II angerechnet.
Jedenfalls befragte sie sich, was sie nun tun könnte, da sie uns beide von ihrem Hartz IV nicht mehr länger ernähren konnte. Da sagte man ihr, ich müsse selbst einen Antrag auf ALG II stellen.
Ich habe mich nicht weiter darum gekümmert, ich war psychisch angeschlagen und es wurde immer schlimmer.
Meine Mutter bekam einen Antrag für mich und ich ließ sie ihn für mich ausfüllen, -ich dachte, sie kennt sich ja aus-, ich unterschrieb dann und fertig war die Kiste.
Der Bewilligungsbescheid kam ziemlich schnell.
Aufgrund meiner Erkrankung (dauerte noch 2 Jahre fort) musste ich das Gymnasium leider verlassen. Ich bezog von Februar 2005-November 2005 ALG II. Ab November wurde es mir gestrichen, da ich durch meine Erkrankung nicht vermittelbar war.

Im Juli 2006 erhielt ich einen Brief, indem ich einen vom Finanzamt gemeldeten Zinssatz nachweisen sollte, auf den das Arbeitsamt sich keinen Reim machen konnte.
Der Zinssatz war von einem Zuwachssparkonto, dass auf meinen Namen lief. Was genau es damit auf sich hatte, wusste ich nicht. Habe mich dann erst informiert.
Es war so: Meine Mutter hatte damals bei Abschluss dieses Kontos so verstanden, dass das Geld für die nächsten 5 Jahre fest angelegt und nicht antastbar/verfügbar sei. Sie hat das Konto bei meiner Antragstellung nicht angegeben. Es hat sich hinterher aber herausgestellt, dass das Geld nur für die ersten 12 Monate unantastbar war.
Das angelegte Geld war dafür gedacht, dass ich mir mal ein Auto oder eine Wohnungseinrichtung kaufen kann.
Ich wusste von dem Konto bei der Antragsstellung und dachte, es sei ok, wenn man das nicht angibt- was weiß ich von diesen Sachen. Ich war gerade 18 geworden und wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht mal, wie man Geld abhebt (das ist mein voller Ernst) oder wieviel ich auf dem Konto habe.

Ich habe jedenfalls die Angaben zu diesem Konto nachgereicht und ein Entschuldigungsschreiben dazu, indem ich erklärt habe, dass das von meiner Seite kein absichtlicher Betrugsversuch war, was ja auch der Wahrheit entspricht.
Mir war auch ehrlich gesagt nicht bewusst, dass das Unrecht sein könnte, dieses Sparkonto zu verschweigen.
Denn ich habe wirklich nicht gedacht, dass die ernsthaft verlangen können, dass eine gerade 18-jährige Schülerin ihre Ersparnisse (für die sie größtenteils auch selber verantwortlich ist- nie was ausgegeben, nie ausgegangen, sich nix gegönnt, nix gekauft, alles zurückgelegt) für Essen, trinken und Miete opfern muss, die eigentlich mal für ihre Zukunft, für Auto, Studium, was weiß ich gedacht waren, nur weil ihre Mutter keine Arbeit bekommt und von ALG II Leben muss.

Im Oktober 2006 der Rückzahlungsbescheid- ich habe anstandslos alles auf Heller und Pfennig in einem Betrag zurückbezahlt.

Dann war Ruhe.
Für 9 Monate.

Im Juli 2007 lag aufeinmal eine Vorladung der Kriminalpolizei in meinem Briefkasten. Die wollten mich anhören wegen "Verdacht des Sozialleistungsbetruges". Ich war so geschockt, ich habe stundenlang geweint. Und immer wieder hatte ich den Gedanken: Ich habe doch nichts verbrochen.
Ehrlich, ich bin der Meinung, ich habe nichts verbrochen.
Ich bin zu einem Anwalt gegangen. Der war auch entsetzt über diese Anzeige, zumal ich mich entschuldigt habe, keine Absicht vorlag und ich ohne wenn und aber zurückgezahlt habe- der ARGE ist damit ein Schaden von NULL entstanden.
Er ist sich sicher, dass er es schafft, eine Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen zu erwirken.
Ich fühle mich wirklich zu Unrecht beschuldigt. Was glauben die eigentlich, wie ausgekocht ein 18-jähriges Mädel ist, das noch in die Schule geht, psychisch sehr angeschlagen ist und eigentlich keine Ahnung vom "richtigen Leben" hat?

Ich habe nun Panik ohne Ende. Im September beginne ich eine Ausbildung, und wenn ich dann vorbestraft bin wegen diesen Korinthenkackern, kann ich diese Ausbildung vergessen...

Ja, Leute, das ist meine Laufbahn als Verbrecherin am Sozialstaat.
Vielleicht hat einer von euch Verständnis.
Und vielleicht hat einer schon ähnliches erlebt?
rivkele ist offline  
Alt 27.07.2007, 09:31   #2
alf53
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alf53
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So wie dir könnte es morgen jeden von uns auch gehen. Man wird , weil man arbeitslos ist, als kriminell abgestempelt. Diese Geschicht zeigt ganz deutlich, in welchem Staat wir leben. Die Großen scheffeln sich die Taschen voll und die Kleinen haben kaum noch was zu essen. Ich kann dich jedenfalls verstehen. Niemand weiß genau, was in diesen blöden Gesetz alles bis aufs kleinste drinsteht und vor allen, es kann ausgelegt werden, wie es denen gerade passt.Und wenn man auch nur irgendwas nicht angibt, dann drohen die schlimmsten Strafen. Es ist ein Gesetz der Bestrafung und Züchtigung aller Arbeitslosen.
alf53 ist offline  
Alt 27.07.2007, 10:00   #3
Musterfrau
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Langsam glaube ich, Anzeigen wegen angebl. Sozialbetruges könnten bald einreißen.

Ich habe mir eine gefangen, weil ich das Antreten eines neuen Arbeitsverhältnisses angeblich "nicht unverzüglich" gemeldet haben soll. Dabei hatte ich meinen Freund mit meinem Besucherausweis hingeschickt, um die frohe Botschaft zu verkünden. Nur hatte sich seine Gesprächspartnerin das nicht notiert - genauso wie unseren gemeinsamen Test-Besuch ein wenig später.

Meine Einlassung, immerhin einen Zeugen zu besitzen, tat man als "Schutzbehauptung" ab, gehört hat man ihn nie. Dabei ist die Benennung von Zeugen in der Zivilgerichtsbarkeit eines von fünf möglichen Beweisangeboten.

Hatte Rechtsmittel eingelegt, die Sache so richtig schön begründet und darauf hingewiesen, daß in einem mögl. Strafverfahren ALLE Aktenvorgänge mich betreffend vorzulegen seien. Das war im September. Seitdem habe ich nichts mehr davon gehört, die Kiste dürfte also verjährt sein.


Ob bei Dir viel nachkommt, glaube ich auch nicht unbedingt. Vermutlich wird Dein Anwalt auch damit argumentieren, daß Du nachweislich krank warst und Deine Mutter sich um Deine Belange gekümmert hast. Zudem ist kein Schaden entstanden.

Und selbst wenn Du einen Strafbefehl erhalten würdest, wärst Du damit noch lange nicht vorbestraft. I. ü. gibt es auch Vorstrafen, die in bestimmten Auskunfteien gar nicht ausgeführt werden dürfen.

Also: Halt´ die Öhrchen steif!
Musterfrau ist offline  
Alt 27.07.2007, 10:47   #4
ofra
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ofra
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der krieg gegen das eigene volk treibt immer seltsamere blüten ...
ofra ist offline  
Alt 27.07.2007, 11:06   #5
Borgi
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Borgi
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Zitat:
(1) Ich bin zu einem Anwalt gegangen. (2) Der war auch entsetzt über diese Anzeige, (3) zumal ich mich entschuldigt habe, keine Absicht vorlag und ich ohne wenn und aber (4) zurückgezahlt habe- der ARGE ist damit ein (5) Schaden von NULL entstanden.
Er ist sich sicher, dass er es schafft, eine (6) Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen zu erwirken.
(7) Ich fühle mich wirklich zu Unrecht beschuldigt. (8) Was glauben die eigentlich, (9) wie ausgekocht ein 18-jähriges Mädel ist, das noch in die Schule geht, (10) psychisch sehr angeschlagen ist und eigentlich (11) keine Ahnung vom "richtigen Leben" hat?
Zu 1) Das war eine sehr gute Entscheidung

Zu 2) Es gibt keine entsetzten Anwälte. Entsetzt sind – wenn überhaupt - nur Anwältinnen. Sollte sich dennoch ein Anwalt entsetzt zeigen, so ist große Vorsicht geboten. So meine Erfahrungen.

Zu 3) Eine Entschuldigung ist immer sehr vorteilhaft. Diese hilft auch bei einem eventuellen Prozess

Zu 4) Eine sofortige Rückzahlung wird gerne (und fälschlicherweise) gerne als Schuldeingeständnis gesehen. Das veranlasst dann diese *Piep-Edit-Piep* Strafanzeige wegen Betrugs zu verhängen. Bei dir haben sie sofort ernst gemacht. Normalerweise kommt eine Androhung, und nach dem Widerspruch eine Geldstrafe. So wird dann die Kasse bei denen aufgebessert.

Zu 5) Der Schaden der ARGE ist meist nicht finanzieller Natur! Sonst würden die sich nicht so krank verhalten.

Zu 6) Dieses Ziel wird wahrscheinlich erreicht werden. Dafür muss der Anwalt aber gut und vor allen Dingen sehr engagiert sein. Eine gute Stellungnahme sollte ausreichen. Vorteil: Der ARGE entgeht durch diese direkte Strafanzeige die Geldstrafe.

Zu 7) Willkommen im Viermillionenclub

Zu 8) Mit Glauben hat das nichts zu tun. Es hat sich in den Stuben pure Gehässigkeit verbreitet. Laut Printmedien verdient manch Sacharbeiter gerade mal so viel, wie ein Eineurojobber.

Zu 9) Da gibt es ein paar ausgekochte Mädels. Auch in Sachen „ARGE beExkrementn“. Und da Einzelfälle verallgemeinert werden, sind alle die etwas versehentlich falsch angeben Betrüger.

Zu 10) Du bist noch – traurig wie es auch sein mag – in der Anfangsphase. Such dir schnellstens einen Arzt. Sieh zu, dass du NIEMALS einen Termin bei der ARGE ohne Beistand wahrnimmst. Regle möglichst alles schriftlich. Investiere in eine Rechtschutzversicherung.

Zu 11) Ahnung vom Leben haben die Allerwenigsten. Trauriger ist die Tatsache, dass der Hauptteil der ARGE Mitarbeiter keine Ahnung vom Job hat. Viel trauriger ist, dass ARGE Mitarbeiter ihr Amt missbrauchen, weil sie nicht persönlich belangt werden können. (Hier an dieser Stelle noch einmal ein Lob an die „Überflüssigen“, die den Außendienstmitarbeiter zu Hause aufsuchten!)


Lass bitte in Zukunft nichts mehr von deiner Mutter ausfüllen. Solltest du ein wenig neben der Spur sein, dann such einen Arbeitslosenhilfeverein ( http://www.tacheles-sozialhilfe.de ) auf, der dir dann beim ausfüllen hilft.
Ansonsten wünsche ich dir gute Besserung, und das die Anzeige sich in Wohlgefallen auflöst.
Borgi ist offline  
Alt 27.07.2007, 12:13   #6
Arania
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Ich sehe da momentan nur eine ANHÖRUNG und keine Anzeige, der Anwalt sollte das richten können

Ich kann mir da keine Verhandlung mit Verurteilung vorstellen, also erstmal nicht darüber nachdenken sondern eben die Erklärung nochmal durch den Anwalt abgeben lassen
Arania ist offline  
Alt 27.07.2007, 12:15   #7
dikus
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Hallo Borgi ,das mit den Arbeitslosenhilfe verein ist auch mit vorsicht zu genießen ,ich kann dir zwei beispiele nennen ,habe den Hilfeverein bei uns angerufen und sie gefragt wie sich das verhält mit Hausbesuch und Kontoauszüge ,die Dame sagte mir das alle beide sachen rechtens ist ,aber ich sollte noch mal Morgen anrufen dann würde der richtige Sachbearbeiter da sein ,gesagt getan habe dann anderen Tag angerufen und den Sachbearbeiter dann dran gehabt und er hat dann mir gesagt das die ARGE unangemeldete Hausbesuche machen dürfte ,und Kontoauszüge müssten immer nach verlangen vorgelegt werden ,ich dachte erst ich hätte mich verwählt und währe bei der ARGE gelangt ,das zum Thema Arbeitslosenhilfe verein ,ich glaube man ist hier im Forum besser aufgehoben.

Gruß dikus
dikus ist offline  
Alt 27.07.2007, 12:32   #8
rivkele
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rivkele
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Danke für eure netten Antworten- hätte nich mit solch positiven Reaktionen gerechnet :)

Zitat:
Zu 2) Es gibt keine entsetzten Anwälte. Entsetzt sind – wenn überhaupt - nur Anwältinnen. Sollte sich dennoch ein Anwalt entsetzt zeigen, so ist große Vorsicht geboten. So meine Erfahrungen.
Entsetzt war vielleicht das falsche Wort- er schüttelte den Kopf und war fast schonwieder belustigt über diesen Verein...

Zitat:
Zu 4) Eine sofortige Rückzahlung wird gerne (und fälschlicherweise) gerne als Schuldeingeständnis gesehen. Das veranlasst dann diese *Piep-Edit-Piep* Strafanzeige wegen Betrugs zu verhängen. Bei dir haben sie sofort ernst gemacht. Normalerweise kommt eine Androhung, und nach dem Widerspruch eine Geldstrafe. So wird dann die Kasse bei denen aufgebessert.
Naja Schuldeingeständnis... Mir war eben dann erst klar, dass ich das Geld hätte nicht haben dürfen- was ich vorher nicht wusste. Und ich dachte, wenn ich sofort zurückzahle, dann bin ich den Ärger los.

Zitat:
Zu 10) Du bist noch – traurig wie es auch sein mag – in der Anfangsphase. Such dir schnellstens einen Arzt. Sieh zu, dass du NIEMALS einen Termin bei der ARGE ohne Beistand wahrnimmst. Regle möglichst alles schriftlich. Investiere in eine Rechtschutzversicherung.
Ich habe, bis auf diese Vorkommnisse, seit November 2005 nichts mehr mit denen zutun. Und ich hoffe, ich werde auch nie wieder was mit denen zutun haben...
rivkele ist offline  
Alt 27.07.2007, 12:34   #9
katzenfreund
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katzenfreund
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Hallo rivkele,

Dein Rechtsanwalt wird gegen über der Kripo den Sachverhalt so darstellen, wie Du ihn hier im Forum dargelegt hast. Ich wünsche Dir, daß sich das bald klärt. Lasse das bitte nicht so nah an Dich ran, genau das ist die Absicht der ARGE, Dich kapputt zumachen. Ich wünsche Dir gute Besserung!
katzenfreund ist offline  
Alt 27.07.2007, 12:40   #10
Störtebeker
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Störtebeker
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@rivkele
Habe vollstes Verständnis für Deine Lage!
Bin selbst in der Sozialberatung eines Wohlfahrtsträgers tätig. Habe vor einiger Zeit etwas ähnlich absurdes auf dem Tisch gehabt.
Ein Klient kam zu mir wg. eines Strafbefehls des Amtsgerichtes in Höhe mehrerer Hundert Euro. Angeblich wg. Sozialbetruges. Da gab es erst gar keine Anhörung. Anzeige der ARGE, Urteil des Gerichtes - fertig.
Er hatte Anfang 2006 Arbeit erhalten, mußte aber auf Montage, und konnte somit nicht auf's Amt. Hat dort angerufen, "ja ok, ist notiert, kommen Sie aber nochmal persönlich vorbei, um die Abmeldung zu unterschreiben", hieß es. Kurz darauf auch der (wie immer sehr unfreundliche) Rückzahlungsbescheid wg. Überzahlung. Die Überzahlung würde aber sowieso erfolgen, da die Bearbeitungszeiten so ewig dauern. Hat das Geld binnen weniger Tage zurückgezahlt, dann war Ruhe und für ihn die Sache erledigt. Ende! 2006 Strafanzeige der ARGE, im Mai 2007 dann der Strafbefehl mit Urteil vom April 2007 unter Androhung einer Freiheitsersatzstrafe.
Muß man noch mehr sagen?
Erst wollte er standhaft bleiben, und die Strafe "absitzen", zumal er das Geld nicht hat. Das hätte ihn aber seinen Job gekostet, halt ein Arbeitsloser mehr, ist dem Amt ja egal. Ich wollte dann für ihn in Berufung gehen, er wurde am Verfahren nebst Urteil ja nicht mal durch Vorladung/Anhörung etc. beteiligt. Letztlich hat er entgegen meinem Rat resigniert, sich das Geld geliehen, und bezahlt. Bis vor Kurzem war er also ein unbescholtener Kleinverdiener, jetzt ist er Dank ARGE ein verurteilter Schuldner, trotz Job.
Jetzt die Frage: Wer richtet hier wen zu Grunde bzw. wer schädigt wen??

Wünsche Dir Kraft und Gelassenheit.
Störtebeker ist offline  
Alt 27.07.2007, 14:08   #11
Sönke H.
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Sönke H.
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Zitat von rivkele Beitrag anzeigen
Naja Schuldeingeständnis... Mir war eben dann erst klar, dass ich das Geld hätte nicht haben dürfen- was ich vorher nicht wusste. Und ich dachte, wenn ich sofort zurückzahle, dann bin ich den Ärger los.
Da Deine Mum ebenso von Hatz4 lebt(e) kann ich mir wahrlich nicht vorstellen, das auf besagtem Sparbuch ein Vermögen gewesen ist....

Erkundige Dich mal nach den Freibeträgen...es ist sehr wohl möglich, das Du dennoch einen Rechtsanspruch auf dieses Geld hattest/hast !

Auch ich habe den Eindruck das die ArGe verstärkt zu diesen Mitteln greift.

Eine Entwickliung die für die Regierung sehr gefährlich sein kann - wenn man versucht jeden Hatz4ler zu kriminalisieren.

Normalerweise würde ich sagen, das der Staatsanwalt eine solchen Anzeige in der Luft zerreissen müsste..
...doch auch ich habe schon so vieles erlebt - gerade mit Gesetzen die von den Gerichten ignoriert werden.

Auch ich wünsche Dir das sich die Sache gut erledigt und ebenso gute Besserung.
Sönke H. ist offline  
Alt 27.07.2007, 14:20   #12
rivkele
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rivkele
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Nee- das passt schon. Ich hab alles zurückgelegt, dann war da noch Jugendweihe-Geld drauf und meine Mutter hat jeden Pfennig, der übrig war, da drauf gezahlt- hat z.B. jeden Monat mein Kindergeld zurückgelegt, meine Großeltern haben auch noch was draufgezahlt, weil sie einige Versicherungen für mich abgeschlossen hatten, obwohl sie selbst auch nur eine Minirente hatten (genau darum entsetzt es mich so, dass ich das dann hergeben musste!)... Das Konto gab es seit 2001, da hatte sie auch noch etwas mehr Geld (Arbeitslosenhilfe) als jetzt mit Hartz IV
Da kam auf diesem Sparkonto schon einiges zusammen, auf dem Girokonto hatte ich auch nochwas. Die ARGE hat dann ausgerechnet, dass ich wohl ca. 1 Jahr nicht bedürftig gewesen wäre.

Schon traurig- die, die sich hart was absparen, werden auch noch dafür bestraft...
rivkele ist offline  
Alt 27.07.2007, 16:39   #13
Ludwigsburg
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Zitat von dikus Beitrag anzeigen
ich glaube man ist hier im Forum besser aufgehoben.

Gruß dikus
Da stimme ich dir zu... ich verlasse mich eher auf die Auskünfte hier als die von einem Anwalt: damit wären meine Töchter ihrer Rechte beraubt worden!

Und wer hier Erfahrungen weiter gibt, dem kann man eher trauen als jedem Anwalt: wir hier wissen wovon wir schreiben!

Zu einem Anwalt sollte man zwar trotzdem gehen, wenn man sich selbst schlecht vertreten kann - - aber dem das mitnehmen was man hier findet - und drauf achten, daß er das auch verwendet.
 
Alt 27.07.2007, 16:44   #14
Ludwigsburg
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Zitat von Arania Beitrag anzeigen
Ich sehe da momentan nur eine ANHÖRUNG und keine Anzeige, der Anwalt sollte das richten können

Ich kann mir da keine Verhandlung mit Verurteilung vorstellen, also erstmal nicht darüber nachdenken sondern eben die Erklärung nochmal durch den Anwalt abgeben lassen
So sehe ich das auch. uind eine verurteilung bei der Sachlage kann ich mir gar nicht vorstellen: da könnte wenn überhaupt eher eine Geldbuße bei raus kommen, wo man dann Ratenzahlung vereinbaren könnte.
 
Alt 27.07.2007, 17:01   #15
rivkele
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Also seht ihr gute Chancen für mich, glimpflich aus der Sache rauszukommen?
Müsste ich was besonderes beachten?
rivkele ist offline  
Alt 27.07.2007, 17:31   #16
katzenfreund
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Zitat von rivkele Beitrag anzeigen
Also seht ihr gute Chancen für mich, glimpflich aus der Sache rauszukommen?
Müsste ich was besonderes beachten?
Erzähle die Sachlage wie war der Kripo. Voher würde ich mich über die Vermögensfreibeträge informieren und ggf. darauf hinweisen, daß Dein Vermeögen nie die Grenze überschritten hat. (Anlageform beachten!) Und vor der Aussage bei der Kripo mit Deinem RA sprechen, ggf. sogar mitnehmen!
katzenfreund ist offline  
Alt 27.07.2007, 19:08   #17
catwoman666666
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Zitat von dikus Beitrag anzeigen
Hallo Borgi ,das mit den Arbeitslosenhilfe verein ist auch mit vorsicht zu genießen ,ich kann dir zwei beispiele nennen ,habe den Hilfeverein bei uns angerufen und sie gefragt wie sich das verhält mit Hausbesuch und Kontoauszüge ,die Dame sagte mir das alle beide sachen rechtens ist ,aber ich sollte noch mal Morgen anrufen dann würde der richtige Sachbearbeiter da sein ,gesagt getan habe dann anderen Tag angerufen und den Sachbearbeiter dann dran gehabt und er hat dann mir gesagt das die ARGE unangemeldete Hausbesuche machen dürfte ,und Kontoauszüge müssten immer nach verlangen vorgelegt werden ,ich dachte erst ich hätte mich verwählt und währe bei der ARGE gelangt ,das zum Thema Arbeitslosenhilfe verein ,ich glaube man ist hier im Forum besser aufgehoben.

Gruß dikus


Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Die Sachkenntnis lässt dann doch zu wünschen übrig. Das Engangement der verschiedenen Institutionen in allen Ehren, aber qualifizierte Hilfe habe ich im Forum erhalten.
catwoman666666 ist offline  
Alt 27.07.2007, 19:46   #18
rivkele
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Der Kripo-Termin ist schon längst vorbei- ich bin auf Anraten meines Anwaltes nicht hingegangen (bei einer Kripo-Vernehmung kannst du eigentlich nur verlieren, die drehen dir das so hin, wie sies brauchen). Er hat erstmal Akteneinsicht beantragt und will dann mit mir eine Einlassung für die Staatsanwaltschaft formulieren, die daraufhin möglichst das Verfahren einstellen soll.

Das Vermögen hat definitiv die Freigrenze überschritten, insoweit stimmt das schon. Ich hätte doch höchstens um die 3000€ oder sowas haben dürfen, und auf dem Zuwachssparkonto war deutlich mehr.
rivkele ist offline  
Alt 28.07.2007, 14:44   #19
Arania
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Zitat:
Der Kripo-Termin ist schon längst vorbei- ich bin auf Anraten meines Anwaltes nicht hingegangen (bei einer Kripo-Vernehmung kannst du eigentlich nur verlieren, die drehen dir das so hin, wie sies brauchen).
Also das kann ich nun nicht sagen, ich hatte schon aus beruflichen Gründen Anhörungstermine bei der Kripo oder auch "normalen" Polizei, mir ist da noch nie etwas herumgedreht worden, was sollte die Kripo für ein Interesse daran haben? Der ARGE einen Gefallen tun?
Arania ist offline  
Alt 28.07.2007, 15:46   #20
rivkele
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Zitat:
du schreibst du hast abitur machen wollen und als du dann 18 wurdest hast du keine unterstützung mehr bekommen hast. Dafür ist das Bafög Amt doch dar, da hat man auch einen höheren freibetrag für erspartes.
Das wussten wir nicht- uns wurde damals gesagt, ich müsse ALG II beantragen. Aber auch über der BaföG-Freigrenze wäre ich drübergewesen. Die kenne ich, weil ich jetzt in der Ausbildung BaföG beziehen werde. Mittlerweile bin ich durch diverse Ausgaben unter dieser Freigrenze drunter. Damals aber nicht.

Zitat:
was sollte die Kripo für ein Interesse daran haben? Der ARGE einen Gefallen tun?
Jein. Die Polizei arbeitet im Sinne des Staatsanwaltes, und der arbeitet im Sinne des Staates- und da ich ja in ihren Augen ein Verbrechen am Staat begangen habe (was hier in Deutschland ganz offensichtlich schwerer wiegt, als Verbrechen an Einzelpersonen, wie Körperverletzung, Vergewaltigung o.ä.) wird man darauf hinwirken wollen, mich irgendwie dranzukriegen.
Der Anwalt war nicht der einzige, der mir riet, nicht hinzugehen. Das haben noch sehr viele andere Leute getan, die in einer ähnlichen Situation waren.
rivkele ist offline  
Alt 28.07.2007, 17:45   #21
Arania
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wie gesagt, ich habe es anders erlebt, es werden Protokolle angefertigt, die man unterschreiben muss, das ist alles, manchmal wird da auch das Schreckgespenst Vorladung gemalt, meistens ist das halb so schlimm (zumal wenn man sich nichts vorzuwerfen hat) wenn Du als Zeuge geladen wirst musst Du auch hingehen
Arania ist offline  
Alt 28.07.2007, 22:31   #22
rivkele
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Ist ja auch egal- der Termin ist vorbei, und solange die Aktenlage nicht klar ist, werde ich mich auch nicht äußern. ;)
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Alt 28.07.2007, 22:42   #23
katzenfreund
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Zitat von Arania Beitrag anzeigen
Also das kann ich nun nicht sagen, ich hatte schon aus beruflichen Gründen Anhörungstermine bei der Kripo oder auch "normalen" Polizei, mir ist da noch nie etwas herumgedreht worden, was sollte die Kripo für ein Interesse daran haben? Der ARGE einen Gefallen tun?

rivkele darf im Verfahren jederzeit auch ihre Aussage verweigern (§ 55 StPO)

http://dejure.org/gesetze/StPO/55.html
katzenfreund ist offline  
Alt 31.08.2007, 14:04   #24
rivkele
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So, hab heute Post vom Anwalt gekommen, dass die ihm endlich mal Akteneinsicht gewährt haben.
Der meinte damals zwar, ich soll mir keine Sorgen machen, aber mir ist trotzdem total schlecht und ich hab eine wahnsinnige Angst.
Schon, wenn man das Wort "Staatsanwaltschaft" in Bezug auf sich selbst hört, wird einem ganz anders...

rivkele ist offline  
Alt 31.08.2007, 14:16   #25
Nimschö
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Rivkele: Gaaaaanz locker bleiben... ;)
Entspann Dich und hör auf die Tips der anderen: Guck Dir gaaaanz genau an, was Du an Freibeträgen hättest haben dürfen, frag nen paar Leute, die sich auskennen...
Wie läufts denn mit der Ausbildung? Startet die jetzt?

Arania: Hm, also ich hab auch so meine Erfahrungen mit der Polizei gemacht... Kann es vielleicht sein, daß die in Deinem Erfahrungsschatz immer lieb und neutral aufgetreten sind, eben weil DU dabei warst? ( Weiß ja nicht was für eine Position Du da hattest...)
__

Folgende Punkte gelten für ALLE meine Aussagen in diesem Forum:
-ich gebe hier grundsätzlich nur meine durchs Grundgesetz geschützte Meinung preis.
-ich biete keinerlei Rechtsberatung, sondern nur meine gewährfreien Erfahrungen und Meinungen.
-ich lasse mir von NIEMANDEM den Mund verbieten, bin aber gerne bereit mit jedem über meine Aussagen offen und ehrlich zu diskutieren.
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