Zwangsversteigerung Haus/ Wann muss ich raus? Notfall (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

matchbox

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Moin liebe Gemeinde,

ich hab momentan ein echtes Problem, bei dem ich nicht weiß, was meine Rechte sind.

Fall:
Das Haus von meinem Vater/Mutter wurde am Freitag im dritten Termin zangsversteigert.
Das Haus besteht aus einem Haupthaus (Grundbuch Schulden Mutter/Vater) und eine Anliegerwohnung/Anbau (Grundbuch nur Vater).

Ich wohne in der Anliegerwohnung.
Die Eltern wohnen schon etwas länger (über ein Jahr) nicht mehr hier. Mein Bruder bewohnt das Haupthaus.

Jetzt ließ uns der Anwalt meines Vaters mitteilen, dass wir so schnell wie möglich raus sollen wegen Schlüsselübergabe.

Aber was heißt schnell?
Wir haben kein schriftlichen Mietvertrag, nur eine mündliche Abmachung, dass ich hier wohnen darf.
Wie lange habe ich Zeit etwas zu suchen/finden?
Und was ist wenn ich nichts finde und trotzdem raus soll?
Muss ich dann auf eine Zwangsräumung warten?

Einfach reinkommen, Sachen packen und rausschmeißen, geht ja wohl nicht, oder?

Ein etwas ratloser und zugegebener Maßen hilfloser junger Mann.

Danke schon mal vorab.
 

matchbox

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Erst mal danke für deine Antwort.

Und da ihr keinen Mietvertrag habt,gibt es auch keine Kündigungsfristen.
Also mündlich zählt nichts? Mist.

Ich würde mit dem neuen Eigentümer Kontakt aufnehmen und um eine angemessene Frist bitten.
Ich denke der wird alsbald auf mich zukommen. Denn ich habe momentan keine Ahnung wer der neue Eigentümer ist und erfahren werde ich das auch alles nur spärlich; da der Anwalt meines Vaters ziemlich kommunikationsarm ist.

Jetzt mal hypothetisch: wenn ich einfach nicht rausgehe. Dann müsste mir der GV doch nen Räumungsbefehl schicken und ich könnte doch gegen diesen Räumungsbefehl einen Schutzantrag stellen, oder nicht?
 

Faibel

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das sehe ich ein wenig anders als silvia....

- auch ein mündlicher mietvertrag ist gültig
(schön wäre es natürlich, wenn man den auch nachweisen kann z.b. mittels kontoauszügen etc.)
- der neue eigentümer "erbt" quasi die alten mieter und muss denen separat kündigen
- wenn du nicht freiwillig gehst, kommt ne räumungsklage
- wenn du dann immer noch nicht raus willst, muss der GV dich räumen

alles in allem und mit viel dicken fell dauert das locker 1 bis 2 jahre bis du da tatsächlich raus musst. reicht dir die zeit?
 
E

ExitUser

Gast
Also mündlich zählt nichts? Mist.
Doch! Wenn Du das beweisen kannst!

Allerdings ist auch hier ein ausserordentlicher Kündigungsgrund des Mietverhältnisses nach § 57a ZVG (außerordentliches Kündigungsrecht zum nächstmöglichen Termin 4 Wochen), möglich.
 

matchbox

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Ok, das ging jetzt aber schnell mit den Antworten.

Also den Anwalt meines Vaters kann man vergessen. Er ist auch gleichzeitig der Betreuungsanwalt meines Vaters.

Mir gehts eigentlich darum, was ich tun muss, damit ich nicht innerhalb der nächsten 4 Wochen raus muss. Sondern ein wenig mehr Zeit habe. Also so 3 bis 6 Monate.

Ich will mich ja hier nicht einisten.
Miete wurde keine Vereinbart weder gezahlt. Ich hatte vor einiger Zeit den Anwalt gebeten mir einen Mietvertrag mit den Nebenkosten zukommen zu lassen, hat er nie darauf reagiert.

Was mir sehr helfen würde, wenn nicht zuviel verlangt, dann wäre das eine Liste mit Option, die ich einschlagen kann.

Also wie z.B. Räumungschutzklage ect.
 
G

gast_

Gast
das sehe ich ein wenig anders als silvia....

- auch ein mündlicher mietvertrag ist gültig
Seh ich auch so.
Aber locker 1-2 Jahre bis zur Räumung... das gaube ich nicht. Das kann sehr schnell gehen... hängt immer von der Auslastung der Gerichte ab.
Aber wie Silvia schon schreibt: Es entständen einige Kosten...

aber wenn keine Miete verlangt wurde, war es auch kein Mietverhältnis.
 

matchbox

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Zusammenfassend kann man also sagen, dass ich kein Mieter bin und ich "eigentlich" binnen einer Kulanzzeit ausziehen müsste.

Angenommen, der neue Eigentümer ist ein Hardliner und lässt sich auf keinerlei Sachen ein, die 4 Wochen übersteigen, welche rechtlichen Möglichkeiten kann ich dort ausschöpfen? Von den entstehenden Kosten mal abgesehen.

Da ich nicht unbedingt zu den Menschen mit guter Bonität gehöre, sind die neuen Eigentümer doch relativ großzügig, wenn es darum geht Bewohner aus dem Haus zu locken. Bei einer Zwangsräumung durch den GV werden bei meiner Wohnung ca. 5000€ fällig.
Dabei hat der neue Eigentümer nicht die Option auf Erstattung meinerseits.

Klingt vielleicht hart, aber mein Leben ist seit ein paar Jahren eh schon ein Zauberwürfel und ich versuche immer wieder ihn richtig zusammenzusetzen. Ihr kennt das ja...
 
G

gast_

Gast
Denke, da bleibt nur eine Obdachlosenunterkunft, wenn du nicht schnell etwas Passendes findest.

Oder beantragen, daß das die Kosten für das Lagern deiner Sachen vom Jobcenter übernommen wird.
 

matchbox

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Denke, da bleibt nur eine Obdachlosenunterkunft
Aber man sieht es doch tausendfach im TV und ließt darüber in seriösen Medien, dass Eigentümer nach einer Zwangversteigerung einfach nicht ausziehen und die können doch auch sehr lange dort wohnen bleiben.

Ich will und bin ja kein asoziale Typ (sein), es geht ja hier ja auch nur für den Fall, das alles nicht klappt, aber bevor ich in eine Obdachlosenunterkunft gehe, ziehe muss ich halt noch einen Joker zücken. Und diese Joker suche ich.
 
G

gast_

Gast
Aber man sieht es doch tausendfach im TV und ließt darüber in seriösen Medien, dass Eigentümer nach einer Zwangversteigerung einfach nicht ausziehen und die können doch auch sehr lange dort wohnen bleiben.

Ich will und bin ja kein asoziale Typ (sein), es geht ja hier ja auch nur für den Fall, das alles nicht klappt, aber bevor ich in eine Obdachlosenunterkunft gehe, ziehe muss ich halt noch einen Joker zücken. Und diese Joker suche ich.
Ich hab das schon durch, bei jemandem, der seine Wohnung räumen mußte... da is nix mit Joker... außer du bist selbstmordgefährdet - nur so hab ich 3 Monate Räumungsaufschub erhalten... mit Auflage, daß der betreffende eine Tagesklinik besucht.

Und wie gesagt: Eine Räumungsklage - da hast schnell hohe Kosten verursacht

Und da du ja weder Eigentümer noch Mieter bist...
 

matchbox

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Wie lange dauerte es letzlich von der Versteigerung bis zur Räumung, ohne Aufschub?

Eigentlich soll es ja bis zur Zwagsräumung nicht gehen, sondern vorher die Einigung stattfinden.
 

Faibel

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hier ein wenig futter >

10. Hinweise zur Räumung und Herausgabe

Aus dem Zuschlagbeschluss kann der Erwerber die Räumung eines Grundstückes oder die Herausgabe einer mit versteigerten Sache herbeiführen. Dieses ist in erster Linie von Bedeutung, wenn der frühere Eigentümer die ersteigerte Immobilie selbst bewohnt und sich weigert zu räumen. In diesem Fall muss der Ersteher nicht erst in einem zeitaufwendigen Zivilprozess einen Räumungstitel erwirken, er kann direkt aus dem Zuschlagbeschluss die Räumungsvollstreckung sowie die Zwangsvollstreckung zur Herausgabe von mit ersteigerten beweglichen Sachen betreiben. Mit der Wirksamkeit des Zuschlagbeschlusses kann die Gerichtsvollzieherbeauftragung erfolgen.

Gegenüber dem Mieter / Pächter steht dem Ersteher aus dem Zuschlagbeschluss allerdings im Regelfall kein Räumungsanspruch zu. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn der Miet- / Pachtvertrag unwirksam ist und dieses offensichtlich erkennbar ist. Allerdings gelten hier enge Grenzen. Nach einer Entscheidung des Oberlandesgericht Düsseldorf aus dem Jahre 1996 (R Pfleger, 1996. 299 ff) liegt eine Sittenwidrigkeit und damit eine offensichtliche Unwirksamkeit eines Mietvertrages nicht bereits dann vor, wenn der Mietvertrag allein zu dem Zweck geschlossen worden ist, die Vollstreckungsmöglichkeit aus dem Zuschlagbeschluss auszuschließen.

Es bleibt daher bei dem Grundsatz, dass der Erwerber einer Immobilie die durch eine Zwangsversteigerung erworben wurde, automatisch in die bestehenden Miet- / Pachtverträge eintritt.

Da der Ersteher in die Miet- / Pachtverträge eintritt, hat er damit auch alle Rechte zur vertragsmäßigen Kündigung. Vertragliche und gesetzliche Kündigungsfristen sind einzuhalten. Darüber hinaus hat der Ersteher ein außerordentliches Kündigungsrecht: er darf alle Miet- / Pachtverträge einmal unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist für den ersten zulässigen Termin kündigen. Allerdings sind bei Wohnräumen die gesetzlichen Mieterschutzrechte zu beachten. Der Erwerber kann einen übernommenen Mietvertrag mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten zum ersten zulässigen Termin kündigen, unabhängig von der Wohndauer. Die Kündigung hat damit spätestens am dritten Werktage eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats zu erfolgen. Allerdings ist zwingend erforderlich, dass der Erwerber ein berechtigtes Interesse (Eigenbedarf) an der Wohnraumkündigung geltend macht. Dieses berechtigte Interesse, z. B. Eigenbedarf, ist in dem Kündigungsschreiben anzugeben. Eigenbedarf ist dann gegeben, wenn der Ersteher die vermieteten Räume für sich, die zu seinem Hausstand gehörenden Personen oder seine Familienangehörigen benötigt.

Der Ersteher einer vermieteten Immobilie muss dieses Problem im Auge behalten, da der kurzfristige Bezug der ersteigerten Immobilie oftmals mit Schwierigkeiten verbunden ist. Auch nach Ausübung des außerordentlichen Kündigungsrechtes nach dem Erwerb in der Zwangsversteigerung kann es zu weiteren Problemen kommen, insbesondere zur Durchführung einer gerichtlichen Räumungsklage und anschließenden Räumungsvollstreckung, was nicht nur mit einem zeitlichen sondern im Regelfall auch mit einem finanziellen Aufwand verbunden ist.
gefunden > Ablaufplan der Zwangsversteigerung beim Amtsgericht

bist du denn da gemeldet?
 
E

ExitUser

Gast
Können ersteigerte Objekte problemlos bezogen werden?

  1. Bewohnen die Eigentümer selbst das Objekt, ist eine schriftliche Aufforderung zur Räumung des Objekts, aber keine Kündigung erforderlich. Der Zuschlagsbeschluss ist ein Vollstreckungstitel, so dass keine weiteren gerichtlichen Schritte nötig sind.
  2. Sie können daher den Gerichtsvollzieher mit der zwangsweisen Räumung beauftragen, wenn die Eigentümer Ihrer Aufforderung zur Räumung nicht nachkommen. Sie benötigen hierfür lediglich noch eine Vollstreckungsklausel zu Ihrem Zuschlagsbeschluss.
  3. Ist das Objekt vermietet, haben Sie als Ersteher des Objekts für kurze Zeit ein Ausnahmekündigungs-recht:
    Es wird Ihnen zugestanden, bestehende Mietverträge zum nächsten zulässigen Termin unter Wahrung der gesetzlichen Frist zu kündigen, auch wenn der Mietvertrag noch auf längere Zeit befristet ist. Sie brauchen aber auch hier einen Kündigungsgrund, z. B. Eigenbedarf.
    Beachten Sie aber: Eine Kündigung von Mietern ist unter Umständen nicht möglich, wenn diese Baukostenzuschüsse zum Objekt geleistet haben. Häufig werden aber solche Leistungen nur behauptet, um Bietinteressenten abzuschrecken, existieren jedoch eventuell in Wirklichkeit gar nicht.
Quelle: Häufige Fragen -www.zwangsversteigerung.de
 

ethos07

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Nicht nur Du schreibst unqualifizierten Blödsinn. Ich werde das heute abend entsprechend berichtigen.
Geht's vielleicht auch "auf höflich"?!:eek:
Nicht dass du uns mit deinen unqualifzierten Angriffen die vielen Usern liebe & hilfreiche SilviaV hier noch ganz vertreibst....
:icon_evil:
 

ethos07

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Noch ein weiterer (unqualifzierter) Gedanke:

Wir hatten hier mal (den anders gelagerten!) Fall , bei der die für Wohnungsfragen/Verhinderung von Obdachlosigkeit zuständige Stelle bei der Kommunalverwaltung, - genaue Bezeichnung fällt mir im Moment nicht ein - das Ruder noch unmittelbar vor der Zwangsräumung durch einen Eilbeschluss stoppen konnte, bis eine Alternative für den Bewohner gefunden wurde.

War allerdings ein riesiges Gerenne für die Unterstützer...

Ob das auch funktioniert, wenn man die Wohnung in einem "vorgezogenen Erbstreit "(?) gegen den mutmaßlichen/rechtlichen Willen des angehörigen Eigentümers/Vaters (?) oder dessen Vertreter (Anwalt) "schwarz"(?) erst vor relativ Kurzem (?) bezogen hat... :confused:

Ich vermute mal, wir müssten hier auch zur sozialen und familienrechtlichen Lage des TE noch mehr Infos erhalten.
 

matchbox

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Können ersteigerte Objekte problemlos bezogen werden?
Sowas wollt ich auch wissen. Prägnant und schematisch.

Ob das auch funktioniert, wenn man die Wohnung in einem "vorgezogenen Erbstreit "(?) gegen den mutmaßlichen/rechtlichen Willen des angehörigen Eigentümers/Vaters (?) oder dessen Vertreter (Anwalt) "schwarz"(?) erst vor relativ Kurzem (?) bezogen hat...
Dazu kann ich sagen, dass ich seit 09/2010 in die Anliegerwohnung gezogen bin. Bzw musste, da mein Vater aufgrund eines Schlaganfalls aus der Wohnung ins Haupthaus gezogen ist und für mich im Haupthaus kein Platz war.

Momentan halte ich mich mit einem Teilzeitjob über Wasser. Da ich im Moment nichts zahle für die Wohnung, trotz Aufforderrung an den Betreuer meines Vaters mir einen MIetvertrag zukommen zu lassen, ging das mit dem Teilzeitjob.

Sollte ich jetzt Miete zahlen müssen, muss ich ergänzende Leistung ALG II beantragen.

Hoffe, das reicht für einen ersten Überblick.
 
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