Zumutbarkeitsregeln - Kann ich mein zukünftiges ALG 1 als Grundlage nehmen?

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ikarus

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Hallo,
habe bisher 3/4 Job gehabt (niedriger Lohn) und werde
am 01.08.2013 arbeitslos werden.
Da ich unter dem zweijährigen Bestandsschutz falle, erwarte
ich das höhere Arbeitslosengeld 1 der letzten Bezugszeit.
Nun habe ich den ersten Termin beim SB am 10.Juli, wenn der mir wieder Teilzeitarbeit aufdrängen will evtl. auch mit einer EGV, kann ich den geringer bezahlten Job ablehnen und kann ich mein zukünftiges ALG 1bei der Zumutbarkeit als Grundlage nehmen?
Ich stell mich wieder in Vollzeit zu Verfügung will auch eigentlich in Vollzeit arbeiten.
Bisher habe ich mir die Arbeitsstellen immer selbst gesucht, aber mit 59 findet man keine Jobs mehr, wenn doch dann nur noch befristet mit geringer Arbeitszeit!
Nun werde ich im Sept. 60 Jahre alt.
Bin dann wohl im Ü50 richtig!
 

Alex K

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Nun habe ich den ersten Termin beim SB am 10.Juli, wenn der mir wieder Teilzeitarbeit aufdrängen will evtl. auch mit einer EGV, kann ich den geringer bezahlten Job ablehnen und kann ich mein zukünftiges ALG 1bei der Zumutbarkeit als Grundlage nehmen?


§ 140 SGB III Zumutbare Beschäftigungen


(3) 1Aus personenbezogenen Gründen ist eine Beschäftigung einer arbeitslosen Person insbesondere nicht zumutbar, wenn das daraus erzielbare Arbeitsentgelt erheblich niedriger ist als das der Bemessung des Arbeitslosengeldes zugrunde liegende Arbeitsentgelt. 2In den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit ist eine Minderung um mehr als 20 Prozent und in den folgenden drei Monaten um mehr als 30 Prozent dieses Arbeitsentgelts nicht zumutbar. 3Vom siebten Monat der Arbeitslosigkeit an ist einer arbeitslosen Person eine Beschäftigung nur dann nicht zumutbar, wenn das daraus erzielbare Nettoeinkommen unter Berücksichtigung der mit der Beschäftigung zusammenhängenden Aufwendungen niedriger ist als das Arbeitslosengeld.
 

Fritz Fleißig

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In den ersten sechs Monaten der Arbeitslosigkeit ist das (Brutto-)Bemessungsentgelt der Vergleichsmaßstab, abzüglich 20 oder 30 Prozent wie schon erwähnt. In deinem Fall allerdings das höhere Bemessungsentgelt aus der ersten Beschäftigung.

Du mußt auch darauf achten, daß für die Zumutbarkeit nicht nur das monatliche Entgelt, sondern auch der Stundenlohn (also das auf die Arbeitsstunde umgerechnete Monatsentgelt) stimmen müssen. Zumutbarkeit darf nicht einfach durch eine längere Arbeitszeit im Vergleich zum Bemessungszeitraum hergestellt werden.
 

ikarus

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Danke!
Wie ich das nun verstehe, kann mich der SB bei der AA nur nach den Kriterien meines höheren ALG 1 verpflichten!
Ich will ja da nicht sofort auf Konfrontationskurs hingehen, aber wenn das so ein SB ist, der auf so etwas keine Rücksicht nimmt, dann kann man im äußersten Notfall mal was entgegensetzen!
Z.B. wenn er mit einer EGV kommt und mir alle "zumutbaren" Stellen "aufdrängt" die unter dieser Zumutbarkeitsregel liegen.
Auch wenn ich freiwillig vorher niedriger bezahle befristete Jobs angenommen hatte!
Ich will Vollzeit arbeiten, Punkt!

Ist das richtig so?
 

Fritz Fleißig

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Ja, das verstehst du im wesentlichen richtig. Die Zumutbarkeit orientiert sich am Bemessungsentgelt, und bei dir wegen des Bestandsschutzes am vorherigen Bemessungsentgelt (= Höhe des Gehaltes).

Diese Zumutbarkeitsregeln solltest du auswendig kennen und immer im Hinterkopf behalten. Da sie gesetzlich festgelegt sind, stehen sie auch nicht im Ermessen eines SB.

Nur eine Einschränkung: du kannst dich selbstverständlich für eine Vollzeittätigkeit zur Verfügung stellen. Falls aber auch schon durch eine Teilzeittätigkeit die finanzielle Zumutbarkeitsgrenze erreicht werden würde, mußt du auch so eine Tätigkeit annehmen. Da kannst also nicht sagen, daß du ausschließlich Vollzeitbeschäftigungen annehmen und jegliche Teilzeitbeschäftigung von vornherein ablehnen würdest.
 

ikarus

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Nur eine Einschränkung: du kannst dich selbstverständlich für eine Vollzeittätigkeit zur Verfügung stellen. Falls aber auch schon durch eine Teilzeittätigkeit die finanzielle Zumutbarkeitsgrenze erreicht werden würde, mußt du auch so eine Tätigkeit annehmen. Da kannst also nicht sagen, daß du ausschließlich Vollzeitbeschäftigungen annehmen und jegliche Teilzeitbeschäftigung von vornherein ablehnen würdest.

Ja, Fritz Fleißig, das verstehe ich!
Nun ist das so, wie ich das verstehe, sind das dann Nettoverdienste!
Dass heißt ich werde weil das ALG1 so hoch ist noch nicht einmal bei Vollzeitzeit geschweige dann in Teilzeit in meiner beruflichen Sparte arbeiten
müssen.
Zur Erklärung: Ich bin Krankenpfleger, habe aber über 30jahre in der Industrie als Arbeitsmedizinischer Assistent in Leitender
Funktion gearbeitet! Das heißt Metalltarif!

Was soll der SB dann machen?

Alles was ich bisher gemacht habe: Befristung, Teilzeit war nur freiwillig!
Alles, auch mit Schnauze halten, außerhalb meiner Verträge Hausmeistertätigkeiten verrichteten und mehr.....
Nicht dass ich mich irgendwie drücken will, das sieht man ja schon, dass ich o.g. Arbeiten angenommen habe!
Da ich schon 60 bin und mit 63 in Rente will, die Agenturen ja sehr erfinderisch sind und einen in sinnlose Maßnahmen stecken (z.B. Bewerbungstraining, war ich schon mal) , bin ich auch mal erfinderisch und flexibel.
Ich möchte das halt in der eigenen Hand behalten und nicht ferngesteuert werden, schon gar nicht mit obskuren EGV's.
Gott sei Dank handelt es sich um ALG1.
 

Fritz Fleißig

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Zur Klarstellung:

In den ersten sechs Monaten der Arbeitslosigkeit wird der angebotene Bruttolohn mit dem Bruttolohn im Bemessungszeitraum verglichen (bis zu 20 % beziehungsweise 30 % weniger ist zumutbar).

Erst ab dem siebten Monat der Arbeitslosigkeit wird der Nettolohn direkt mit dem ALG verglichen. "Netto" heißt hier: Bruttolohn abzüglich Steuerabzüge vom Lohn (Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer) abzüglich Sozialabgaben abzüglich Aufwendungen für die Berufsausübung (beispielsweise Fahrtkosten zur Arbeitsstätte).

Es ist auch völlig richtig und sinnvoll, daß du deine Stellensuche so weit wie möglich in eigener Regie durchführen willst. Von der Arbeitsagentur wirst du vermutlich sowieso nicht viel sinnvolle Hilfe bekommen. Nur mußt du dich halt der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stellen, sonst steht dir kein ALG zu. Das heißt aber noch lange nicht, daß du zu allem kritiklos Ja und Amen sagen mußt. Deshalb solltest du dich genau informieren, was von dir verlangt werden kann und was nicht. Erfinderisch und flexibel kannst du ruhig sein, "Flexibilität" wird doch heutzutage ständig gefordert. :biggrin:

Ansonsten erst mal abwarten, wie der Vermittler so ist.
 

ikarus

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Ansonsten erst mal abwarten, wie der Vermittler so ist.


Hallo, Fritz Fleißig,
ja, hier sollte man natürlich abwarten!
Auf Eventualitäten sollte man aber auch ein bisschen vorbereitet sein!

Nicht wahr?:cool:



P.S.

Zur Klarstellung:

In den ersten sechs Monaten der Arbeitslosigkeit wird der angebotene Bruttolohn mit dem Bruttolohn im Bemessungszeitraum verglichen (bis zu 20 % beziehungsweise 30 % weniger ist zumutbar).


Da ich aber unter dem Bestandschutz falle frage ich mich welcher
Bemessungszeitraum hier gemeint ist?
Ein Betrag (Geld) nach meinem geringen Verdienst oder der (fiktive) Betrag nach dem höheren Bestandsschutz? :confused:


Gruß
Ikarus
 

Fritz Fleißig

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Aufgrund des Bestandsschutzes wird das neue Bemessungsentgelt mindestens in Höhe des alten (höheren) Bemessungsentgelts angesetzt. Du kannst also bei der Zumutbarkeit von dem (höheren) Entgelt ausgehen, was du früher bekommen hast und nach dem auch das ALG berechnet wird.
 

pepe

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@ ikarus

Warte erstmal ab, wie Dein Vermittler so drauf ist.

Ich habe von meiner jetzigen SB (jung, unerfahren) rein zufällig erfahren, daß ich ein Vermittlungshemmnis in VERBIS eingetragen habe--- ?????? :icon_kinn:

Welches – Antwort: zu hohes Jahresgehalt :icon_party:

Deshalb erhielt ich nur 1 VV innerhalb von 15 Monaten (52 Jahre, über 30 Jahre Vollzeit gearbeitet),
denn ZAF ging nicht, da netto weniger als ALG1.

Jetzt bin ich arbeitslos ohne Leistungsanspruch – und erhielt letzte Woche den ersten VV –
Teilzeit bei randstadt …… jetzt dürfen sie….. :icon_rolleyes:

Also bleib mal ganz gelassen. Bei Problemen stehen Dir hier Fachleute zur Seite.

LG
pepe
 
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