Zumutbarkeit einer Arbeit bei Pflege von Angehörigen (Kind, Pflegegrad 3)

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Kirla

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Hallo zusammen!
Irgendwie stecke ich gerade in der Zwickmühle zwischen meiner persönlichen Situation und dem, was das jobcenter von mir erwartet...
Vielleicht habt ihr Gedanken, eigene Erfahrungen oder Tipps für mich, wie ich damit umgehen könnte...

Ich bin alleinerziehende Mutter einer 12-jährigen Tochter, die einen GdB von 80, Merkzeichen G, B, H und den Pflegegrad 3 hat. Seit der Geburt meiner Tochter bin ich nicht mehr berufstätig. Wir leben von Hartz IV und dem Pflegegeld. Für mich war es immer selbstverständlich, dass ich voll und ganz für mein Kind da bin. Es war auch immer problematisch - nicht Kita-tauglich, 2 Jahre später eingeschult, oft krank, keine Familie in der Nähe, die bei der Betreuung hätte helfen können usw. Mit Schulbeginn hatte ich versucht wieder arbeiten zu gehen, aber meine Tochter war oft und lange krank, dass der Arbeitgeber und ich einsehen mussten, dass es für beide uneffektiv ist. Also blieb ich zu Hause und betreute meine Tochter. Lange hatte ich diesbezüglich keine Probleme mit dem jobcenter, aber plötzlich fühle ich mich unter Druck gesetzt. Ich habe das Gefühl, dass ich nun unbedingt in Arbeit vermittelt werden soll, egal ob und wie das überhaupt funktionieren kann. Nur ein Beispiel: gerade war meine Tochter 4 Monate krankgeschrieben, eine 6-wöchige Reha steht an - welcher Arbeitgeber würde das mitmachen? Dazu kommen die Ferienzeiten, in denen ich keine Betreuung habe. Das jobcenter meint, das Kind wäre ja mit 12 Jahren nun selbstständig genug. Kann man das tatsächlich erwarten?

Nun meine Fragen: Kann das jobcenter in meiner Situation auf eine Arbeitsaufnahme drängen? Darf ich mein Kind überhaupt alleine lassen - was ist, wenn etwas passiert? Muss ich mein Kind fremdbetreuen lassen, um arbeiten zu gehen? Gibt es gewisse Bestimmungen für pflegende Angehörige von Kindern in Hinblick auf das jobcenter? Ich meine, ich hätte mal irgendwo gelesen, dass ein pflegebedürtiges Kind dann wie ein Kind unter 3 Jahren angesehen wird und somit die Betreuungs- bzw. Pflegeperson aus der Vermittlung fällt. Ist das richtig? Wie kann ich mich auf das nächste Gespräch vorbereiten? Ich soll nämlich Vorschläge machen - nur drehe ich mich im Kreis, wenn ich daran denke, wie ich die Erwartungen des jobcenters erfüllen soll und dabei im Idealfall auch noch selbst davon profitieren könnte, ohne in einen absolut stressigen Mehraufwand zu geraten?!? Es müsste ja ein Arbeitgeber sein, der mich einstellt, obwohl er eigentlich auch auf mich verzichten könnte, wenn ich evtl. längere Zeit wegen meiner Tochter ausfalle. Wer macht das denn mit? Und wie bewirbt man sich dann? Gibt man gleich im Bewerbungsschreiben an, dass man noch einen Angehörigen pflegt, der im Schnitt 4 Monate im Jahr krank ist und betreut werden muss? Oder verschweigt man das? Ich weiß nicht, was ich machen soll...
Versteht mich bitte nicht falsch, aber ich sehe einen Mehraufwand an Organisation vor mir, würde weiterhin Aufstocker sein, müsste Verständnis vorraussetzen, dass viele nicht haben, und bin mit mir im Zwiespalt, dass ich nicht genug für mein Kind da sein kann. Bei allen Vorteilen, die "Arbeit" für einen persönlich mit sich bringt und die auch ich als positiv betrachte - kann das funktionieren? Wie geht man damit um?
Vielen Dank...
 

Kerstin_K

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Egal was ist, dein Kind geht vor! Es komm ja nicht nur auf den Pflegegrad an, sondern auch auf die Verteilung der Pflege. Wenn das Pflegegutachten nichts hergibt, dann sollte der Kinderarzt entsprechend bescheinigen, dass auch in Zukunft mit entsprechenden Krankheitskosten zu rechnen ist.
 

Kirla

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Hallo Kerstin und Danke für deine Antwort. Verstehe ich das richtig, dass ein Kinderarzt bescheinigen kann, dass es beim Kind zu häufigen längerfristigen Erkrankungen kommen kann und die Betreuung und Pflege durch die Mutter / Pflegeperson sichergestellt werden muss? Interessiert das wirklich das jobcenter? Eigentlich habe ich das in der Art auch schon mehrfach vorgetragen, aber wie gesagt - ich soll arbeiten gehen und Punkt.

Hat jemand Ahnung davon, wieviel Stunden Arbeit das jobcenter von einer Pflegeperson bei Pflegegrad 3 verlangen kann? Und kann man sich auf Antrag davon befreien lassen?
Auf der Suche nach anderen Betroffenen...
 

Kerstin_K

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Das muss man bei Pflege immer im Einzelfall sehen. Der Pflegegrad sagt ja nichts ueber die Verteilung der Pflege ueber den Tag aus.
 

erwerbsuchend

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@Kirla, wie ist derzeit die Pflege zeitlich verteilt und bist du die einzige Pflegeperson deiner Tochter? Welche medizinischen Unterlagen dazu hast du bereits dem JC in der Vergangenheit vorgelegt?
 

Kirla

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@erwerbssuchend
Ja, ich bin die einzige Pflegeperson. In der Regel besucht meine Tochter bis ca. 14 Uhr die Schule. Allerdings gibt es keine Nachmittagsbetreuung und auch keine Ferienbetreuung. Bis auf die Überbrückung der Ferien könnte ich so auch paar Stunden arbeiten gehen. Das Problem ist, dass meine Tochter eben oftmals über einen längeren Zeitraum krank ist, wo sich die "Pflege" dann über den ganzen Tag staut.
Dem JC habe ich das Pflegegutachten vorgelegt. Jahrelang hatte ich nur halbjährlich mal einen Pflichttermin, nur plötzlich wird unheimlich Druck ausgeübt...
 

Petra1978

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Hallöchen,
wir hatten die gleiche Situation. Sohn, jetzt 16 Jahre alt. Pflegegrad 3 und SBA 80 GDB und G,B und H. Mein Sohn ist Autist, dazu depressiv und psychotisch.
Trotz Attest vom Psychiater, das meine Anwesenheit erforderlich und wichtig ist, wurde ich immer wieder bedrängt.
Ende vom Lied ich gehe jetzt auf Teilzeit arbeiten, 30 Stunden die Woche. Ein Spagat zwischen Pflege, Therapien und Arbeitswelt.
 

Petra1978

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Zu früh abgeschickt. Ich wurde immer wieder unter Druck gesetzt. Ich denke da kommt man nicht so leicht raus. Vielleicht bietest du der/dem SB erstmal an auf geringfügig zu arbeiten. Vielleicht geben die sich damit zufrieden. Ansonsten das Gutachten vom MDK - mir hat das allerdings nicht geholfen.
 

SusaHa

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Dich kann keiner zwingen zu arbeiten bei Pflegegrad 3.
Das ist ganz allein eure Entscheidung. Meine älteste Tochter ist ebenfalls Autist, dazu Epilepsie, ich habe das hier bereits irgendwo mal ausführlich geschrieben. GDB 80% Merkzeichen G, B, H sind ebenfalls vorhanden, meine mittlere ist auch Autist, hat allerdings "nur" Pflegerad zwei und mein jüngster (8 Jahre) hat keinerlei Einschränkungen. Ich arbeite Vollzeit und das seit Jahren und bin seit der Geburt meines Sohnes alleinerziehend. Wir sind so glücklich, ich bin zufrieden und ich mag meinen Job sehr. Aber, meine Eltern wohnen nur eine Straße entfernt, meine Mutter ist Rentnerin und betreut die Kinder am Nachmittag bzw. wenn ich auf Dienstreise bin, ich arbeite 2-3 Tage die Woche von zu Hause und bin unbefristet angestellt im öffentlichen Dienst. Ich habe also leicht reden und befinde mich in einer sehr glücklichen Situation.
In einem Vorstellungsgespräch solltest du natürlich nicht direkt sagen, du wirst 4 Monate im Jahr mindestens fehlen, das wird dir im Zweifel negativ ausgelegt und bringt nur Probleme.
Entscheide was du willst und reiche im Zweifel das Pflegegutachten ein, sage klar was möglich ist und lass dich zu nichts zwingen was ihr nicht möchtet.
 

Kirla

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Hallo zusammen,
ich danke zunächst für eure Antworten! Es scheint, als würde es doch recht unterschiedlich von den JC gehandhabt und man muss in erster Linie auf verständnisvolle SB hoffen...
Für diejenigen, die es interessiert, habe ich noch folgende Tabelle gefunden:
Demnach wäre erst ab Pflegegrad 4 eine Beschäftigung nicht mehr zumutbar. In meinem beschriebenen Fall tatsächlich bis zu 6 Stunden Arbeitszeit pro Tag (in Abhängigkeit von der erforderlichen "Präsenz" der Pflegeperson).
 

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Gelöschtes Mitglied 28373

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Da ist dann aber das H nicht berücksichtigt.

Dein Kind ist mit 12 Jahren nicht selbstständig, fertig.

Du kannst doch nachweisen, wie oft es krank ist und deine Betreuung braucht.

Davon ab, selbst wenn das Jobcenter nun von dir Bewerbungen fordern sollte, mit den Voraussetzungen stellt dich eh niemand ein.
 

Kirla

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Ja, das ist ja das "irre" daran! Auf der einen Seite soll man arbeiten und dem Arbeitgeber im Bewerbungsgespräch möglichst alles verschweigen, damit er einen auch einstellt. Man freut sich dann, dass man Arbeit hat und das JC einen nicht mehr gängelt. Vielleicht hat man Spaß an der Arbeit, kommt unter Leute, profitiert persönlich. ABER irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo man sich verbiegen muss und organisatorisch nicht mehr mitkommt. Spätestens dann muss man die Karten auf den Tisch legen und bekommt die Kündigung, weil man nicht ehrlich war... Das kann doch nicht wirklich so gewollt sein?!?
 
G

Gelöschtes Mitglied 28373

Gast
Sowas kannst du im Vorstellungsgespräch nicht verschweigen. Du bist allein für ein pflegebedürftiges und oft krankes Kind verantwortlich, das muss ein Arbeitgeber wissen, sonst reißt der dir im Nachhinein den Allerwertesten auf.

Hast du dich im Forum schon bzgl. EGV und so eingelesen?
Wäre ja ärgerlich, wenn du dich zu viel zu vielen unnützen Bewerbungen verpflichtest, falls man dir sowas vorsetzt. ;)

Als Vorbereitung für den nächsten Termin würd ich den Betreuungsbedarf deines Kindes detailliert auflisten, seine Krankheitszeiten, in denen du nicht hättest arbeiten können, ebenso.
Dazu kannst du ja vielleicht ein Schreiben vorbereiten, dass der Kinderarzt dir unterschreibt, dass du wegen häufiger, teils sehr spontan auftretender und teils sehr lang andauernder Krankheit deines Kindes jederzeit flexibel für die Betreuung verfügbar sein musst.

Ob das hilft, hängt wohl arg vom SB ab, das haste ja schon gelesen, aber nen Versuch ist es wert. Ansonsten wird dich ja eh so schnell niemand einstellen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 30227

Gast
Also es gibt den alten ud den neuen Pflegegrad. Welchen hast du?
Wieviel Geld bekommt ihr von der Pflegeversicherung? Daraus ergibt sich automatisch der Pflegegrad.

Was steht genau im Gutachten?
Es würde sich gut machen wenn ihr ein neues Gutachten erstellen lasst.
 

belli

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Du bist nicht vermittelbar. War bei mir genau so mit dem Unterschied, dass ich meinen Vater pflege. Sollte auch arbeiten und als ich die Pflege für meinen Vater in der Bewerbung erwähnt habe sollte ich sanktioniert werden. Habe MDK Gutachten geschickt mit Grad 3 und 40h/Woche und das wars. Keine Termine mehr keine Vorschläge oder sonstwas!
 
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