Zugewinn - 100 Euro pro Monat - plötzlich wesentlich höher? Was nun? (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

HintermHorizont

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
20 Januar 2016
Beiträge
17
Bewertungen
1
Ich habe eine, zugegebenermaßen im Moment noch völlig theoretische Frage, auf die ich trotz googeln keine Antwort gefunden habe.

Ich weiß, dass man 100 Euro pro Monat "dazuverdienen" darf. Darüber darf man dann 20% behalten, der Rest wird auf das ALG2 angerechnet. Also bei einem 400 Euro Job bleiben unterm Strich neben dem ALG2 nochmal 160 Euro oben drauf.

Nehmen wir nun an, ich mache irgendwas freiberufliches, häkle Tischdecken, säge Schlüsselanhänger aus Holz, egal. (es fimiert unter künstlerische Tätigkeit)
Plötzlich, unvermittelt ist meine neue Tischdecke DER Renner. Ich verkaufe davon völlig über Nacht innerhalb von 4 Wochen 2000 Stück und mache nun satte 2000 Euro Gewinn. Das Finanzamt freut sich, meine Sachbearbeiterin, die weiß, dass ich bisher pro monat 50,60,70 Euro dazuverdient hat, macht große Augen - kann ja keiner ahnen!

Was passiert jetzt? Bekomme ich einen feuchten Händedruck und mein ALG2 ist mit sofortiger Wirkung beendet?
Ich weiß, es gibt von 100 - 1000 Euro 20% Freibetrag und von 1000 - 1200 nochmal 10%. Was ist mit dem Teil des Gewinns, der über den 1200 Euro liegt?

100 Euro + 180 + 20 + ? -> Das sind 300 Euro, die ich von den 2000 Euro behalten darf - was ist mit den anderen 1700? Gehen die auf mein Vermögen über? Wenn ja - was passiert, wenn ich dann über meinem Gesamtfreibetrag bin? Fliege ich auch sofort aus dem ALG2? (Insofern von interesse, wenn meine Tischdecke dann zwei Monate später nicht mehr der renner ist und ich neu beantrage und dann am Ende sofort wieder - wie beim letzten Mal - in der "Jobakademie" lande...)

Oder wird der Betrag nun Scheibchenweise auf mein ALG2 für die nächsten 6 Monate verteilt? Ich bekomme atm 404 Euro + Heizzuschuss + Krankenkasse bezahlt.

Bonusfrage: Wenn ich monatliches Einkommen aus jener Tätigkeit habe, aber auch technischen Gründen die Verdienste vom Januar erst im März / April auf meinem Konto landen, was gilt? Der Januar als Stichtag, oder doch der März bzw. April? Ich meine gelesen zu haben, dass der Tag, an dem das Geld auf meinem Konto eintrudelt, der wichtige Tag wäre.

Danke für hilfreiche Antworten. Nur zur klarstellung: ich arbeite nicht schwarz, meine Arge weiß von meiner freiberuflichen Tätigkeit, aber bisher sind es halt eher kleine zweistellige Beträge - aber es wird. Das ganze ist halt so eine Frage, die in meinem Kopf herumspuckt, was passiert, wenn ich DIE Tischdecke erfinde, die plötzlich alle haben wollen...

lg & gute Nacht
 

Fabiola

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
12 Mai 2015
Beiträge
2.199
Bewertungen
3.300
Bonusfrage: Wenn ich monatliches Einkommen aus jener Tätigkeit habe, aber auch technischen Gründen die Verdienste vom Januar erst im März / April auf meinem Konto landen, was gilt? Der Januar als Stichtag, oder doch der März bzw. April? Ich meine gelesen zu haben, dass der Tag, an dem das Geld auf meinem Konto eintrudelt, der wichtige Tag wäre.
Es gilt das Zuflussprinzip. Anrechnung also erst in dem Monat, wenn das Geld auf Deinem Konto gut geschrieben wird.
Oder bist Du beim JC als Teilselbständiger gemeldet?
 

HintermHorizont

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
20 Januar 2016
Beiträge
17
Bewertungen
1
Es gilt das Zuflussprinzip. Anrechnung also erst in dem Monat, wenn das Geld auf Deinem Konto gut geschrieben wird.
Oder bist Du beim JC als Teilselbständiger gemeldet?
Das sagt mir jetzt nichts - ich habe das mit meiner Sachbearbeiterin beschlossen, geschätzt wie viel ich in den nächsten 6 Monaten im Monat verdiene und das wird dann nach den 6 Monaten nochmal genauer beziffert - ich musste auch meine verdienste der letzten 6 monate mittels kontoauszügen bzw. "Rechnungen" nachweisen, was alles kein Problem war.
 

Barthel Schink

Elo-User*in
Mitglied seit
17 März 2016
Beiträge
285
Bewertungen
7
Ich bin in einer ähnlichen Situation als Grundi nach SGB XII und gehe folgender Maßen damit um:

Ich melde ein Gewerbe an (kostet um die 20 Euro) und melde das auch meiner Sachbearbeiterin beim Sozialamt.

Bei meinem Nachbarn sind die dann so verblieben, daß er einmal im Jahr, nach erhalt des Steuerbescheides, diesen dem Sozialamt vorlegen muß. Da wird dan nur das als Zufluß angerechnet, was er vorher nicht beim Finanzamt in der Steuererklärung absetzen konnte.

In deinem Fall könnte das dann so aussehen:

Du verkaufst 6000 Artikel zu je einem Euro und hast vor der Steuer einnahmen von 6000 Euro.

Das von setzt du aber beim Finanzamt die gesamten Kosten für die Produktion oder den Erwerb ab. Sagen wir 40 Cent pro Artikel also insgesamt 2400 Euro.
Dann setzt du noch verschiedene andere Dinge ab, die du zur Ausübung des Gewerbes brauchst. je nach Art des Gewerbes von "Fach"literatur, Bleistifte, einen neuen Drücker für Rechnungen, Geschäftstelefonwenn du z.b. deine Privatsachen per Handy machst, Fahrtkosten wenn da was anfällt bis hin zu "Geschäftsessen", die dir zustehen.
Was dann bleibt, muß zuerst überprüft werden, ob es steuerpfichtig ist - da ist der Freibetrag aber so hoch, daß es nicht zutreffen wird.

Erst wenn dann noch über 1200 Euro unter dem Strich stehen, werden dir 80% davon abgezogen.

Soetwas ist garnicht schlecht, wenn man über den kleinen Umweg zum Finanzamt auch Dinge absetzen kann, die man sonst so bezahlt hätte...
 

HintermHorizont

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
20 Januar 2016
Beiträge
17
Bewertungen
1
Hi! Danke für deine Antwort.

Also ein Gewerbe muss ich nicht anmelden, da künstlerische Tätigkeit und ich selber nicht "verkaufe".

Aber: Was passiert, wenn ich plötzlich - von mir aus auch nur einmalig - über die 1200 Euro komme? Behält das Amt das dann einfach ein? Oder wird das aufgerechnet?

Folgende Überlegung steckt dahinter: Wenn ich jetzt theoretisch 5000 Euro verdiene und alles über den 1200 Euro einbehalten wird - was ist damit? das sind dann 3800 Euro - was passiert damit? werden da dann einfach für 5 Monate o.ä. meine ALG 2 Bezüge auf 0 geschraubt? Oder sagt das Amt "Danke - von den 3800 Euro dürfen sie jetzt 720 Euro noch behalten, der rest geht an uns und berührt ihren ALG2 BEzug nicht weiter" Wäre es da nicht dann sogar glücker, sich temporär vom ALG2 abzumelden? Ist klar, was ich meine? Was passiert mit dem "Überschuss über den 1200" Euro?
 

Barthel Schink

Elo-User*in
Mitglied seit
17 März 2016
Beiträge
285
Bewertungen
7
Hi! Danke für deine Antwort.

Also ein Gewerbe muss ich nicht anmelden, da künstlerische Tätigkeit und ich selber nicht "verkaufe".

Aber: Was passiert, wenn ich plötzlich - von mir aus auch nur einmalig - über die 1200 Euro komme? Behält das Amt das dann einfach ein? Oder wird das aufgerechnet?

Folgende Überlegung steckt dahinter: Wenn ich jetzt theoretisch 5000 Euro verdiene und alles über den 1200 Euro einbehalten wird - was ist damit? das sind dann 3800 Euro - was passiert damit? werden da dann einfach für 5 Monate o.ä. meine ALG 2 Bezüge auf 0 geschraubt? Oder sagt das Amt "Danke - von den 3800 Euro dürfen sie jetzt 720 Euro noch behalten, der rest geht an uns und berührt ihren ALG2 BEzug nicht weiter" Wäre es da nicht dann sogar glücker, sich temporär vom ALG2 abzumelden? Ist klar, was ich meine? Was passiert mit dem "Überschuss über den 1200" Euro?
Meines Wissens nach, wäre da alles über 1920 Euro futsch. Ob dir das dann anteilsmäßig auf die restlichen 11 Monate angerechnet wird und nach und nach abgezogen wird oder ob von dir ewartet wird, daß du den "Überhang" von 3080 Euro zurückbehältst, um das erstmal zu verleben, handhaben Sachbearbeiter unterschiedlich.

Unterm Strich bringt es einen im Leben aber nicht weiter.

Sich für einen Monat abzumelden, halte ich für problematisch, da bei dann bei einer Neuanmeldung der SB dich auf dem Kicker hat und erstmal das schlimmste vermutet - zumal ich dich so verstanden hatte, das deine Sachbearbeiterin weiß, daß du dazuverdienst. Außerdem wirst du dann das Geld als "Vermögen" angeben müssen.

... Und denk an den Ganzen Streß, denn das gehört z.B. auch die Krankenkasse dazu.

Das Gewerbe muß man auch nicht anmelden müssen, sondern es dient dazu, daß du mehr absetzen, also zu 100% selber behalten kannst.
Außerdem kannst du zwischen Geschäftsjahren verschieben, wenn die Zahlungenen etwas später eingehen oder du perspektivisch auf Halde "häkelst oder sägst" und die einen Lagerbestand aufbaust.
Im Extremfall verdoppelst du damit den Eigenbehalt von 1920 plus Investition.
 

HintermHorizont

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
20 Januar 2016
Beiträge
17
Bewertungen
1
Danke!

Ja, mir geht es halt um den theoretischen Aspekt, wenn ich jetzt plötzlich sehr viel Gewinn erziele. Es wäre ja schon ärgerlich, wenn von den 5000 Euro das Amt einfach sagt "da sie in alg2 sind, gehören 3000 euro davon erstmal komplett uns, vom rest bekommen sie anteilig was" -> Was ist mit diesen 3000 Euro? Werden die angerechnet oder verschwinden die quasi komplett für mich in einem schwarzen Loch und der Staat freut sich?

Oder wie darf ich das jetzt verstehen? Ich stehe aktuell etwas auf dem Schlauch. Wird alles über den 1200 Euro dann Anteilig auf die nächsten Monate verladen, so dass ich dann nur noch z.B 200 Euro pro Monat bekomme, oder im schlimmsten fall gar nüscht und sie nur die Krankenkasse bezahlen? (Immerhin habe ich ja dann Geld, von dem ich leben kann)

Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass ich etwa 2 Monate "vorlauf" habe zwischen dem "Sie haben in diesem Monat X verdient" und der Überweisung auf mein Konto. So gesehen hätte ich da doch noch etwas Spielraum, um eine Entscheidung zu treffen...
 

hans wurst

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
1 November 2007
Beiträge
2.561
Bewertungen
1.531
Da du selbstständig bist, ist der Durchschnitt von 6 Monaten zu bilden. Sprich, alle Gewinne von 6 Monate durch 6 und du hast dein zu berücksichtigendes monatliches Einkommen.

Beispiel; 5x 100€ + 1x 1200€ = 1700€, 1700€ /6 = 283,33€, zu berücksichtigendes monatliches Einkommen = 283,33€
 
Oben Unten