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zu BGE und Alternative Wirtschaft: Genossenschaften um 1860

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Perestroika

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#1
BGE und Alternative Wirtschaft: Genossenschaften um 1860

Im folgenden Artikel berichtet Karl Marx über Kooperativen in England und zitiert einen Bericht eines Fabrikinspektors. Übrigens, daß unsere revolutionären Vorfahren gegen solche Alternativen waren kann man nicht behaupten. Marx stellt diese in seinem Artikel neugierig - positiv dar und verweist nur auf die ökonomische Chancenlosigkeit (von mir fett gedruckt).

->www.mlwerke.de

MEW Nr.15 Seite 82


Der bei weitem interessanteste Teil der Berichte von Herrn Alexander Redgrave und Sir John Kincaid bezieht sich auf die Entwicklung und Erweiterung von Kooperativgesellschaften für die Errichtung und den Betrieb von Spinnereien in Lancashire und bis zu einem gewissen Grade auch in Yorkshire. Diese Kooperativgesellschaften, die sich seit der Annahme des Limited Liabilities Act vermehrt haben, sind im allgemeinen aus Arbeitern zusammengesetzt. Jede Gesellschaft hat ein Kapital von 10.000 Pfd.St. und mehr, das in Anteilen zu 5 und 10 Pfd.St. aufgeteilt ist; sie hat das Recht, im bestimmten Verhältnis zum gezeichneten Kapital Mittel aufzunehmen, wobei das geliehene Geld aus kleinen Darlehen besteht, die von Fabrikarbeitern und Personen derselben Klasse aufgebracht werden. In Bury z.B. werden mehr als 300.000 Pfd.St. erforderlich sein, um die kooperativen Spinnereien, die dort erbaut wurden oder werden, arbeitsfähig zu machen. In Baumwollspinnereien sind die Spinner und andere dort beschäftigte Personen häufig Aktionäre derselben Spinnerei; sie arbeiten für Lohn und erhalten Zinsen auf ihre Anteile. In den Baumwollwebereien mieten die Partner häufig Webstühle und arbeiten daran. Das bietet einen Anreiz für die Arbeiter, weil kein größeres Kapital erforderlich ist, um ihnen den Start ihrer eigenen Unternehmung zu ermöglichen. Sie kaufen das Garn fertig für den Webstuhl, weben den Stoff, und der Fabrikationsprozeß ist abgeschlossen; oder sie erhalten das Garn von irgendeinem Fabrikanten, der mit ihnen Geschäfte treibt, und geben ihm das gewebte Fabrikat zurück. Aber dieses kooperative System ist nicht auf das Spinnen und Weben von Baumwolle beschränkt. Es hat sich auf das Geschäft in einer Vielfalt von Konsumtionsmitteln ausgebreitet, wie Mehl, Spezereien, Tuche usw.


Der folgende Bericht, den Herr Patrick, einer von Sir John Kincaids Unterinspektoren, erstattet hat, enthält einige wertvolle Informationen hinsichtlich des Fortschreitens dieses neuen Systems von Fabrikbesitz, das jedoch, wie ich fürchte, bei der nächsten industriellen Krise einer schweren Prüfung unterzogen werden wird.


<83> "16. Mai 1860
Seit etwa 12 Jahren existiert eine Kooperativgesellschaft in Rochdale unter dem Namen New Bacup and Wardle Commercial Company. Sie ist eine nach dem Joint Stock Companies Act eingetragene Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung. Sie begann ihre Tätigkeit in der Clough House Mill in Wardle bei Rochdale mit dem Recht, ein Kapital von 100.000 Pfd.St. in Aktien von 12 Pfd.St. 10 sh. aufzubringen, von denen 20.000 Pfd.St. eingezahlt wurden. Sie erhöhte es dann auf 30.000 Pfd.St. und baute vor 5 Jahren in der Nähe von Stackstead eine große Fabrik, Far Holme Mill, mit 100 PS Dampfkraft zusätzlich zur Clough House Mill, und in dem halben Jahr, das mit dem letzten Oktober endete, zahlte sie eine Dividende von 44% auf das eingezahlte Kapital."(Herr Patrick berichtet am 11. Juni, daß die New Bacup and Wardle Commercial Company unter dem Namen Far Holme Mill, Bacup, soeben eine weitere Dividende von 48% auf das eingezahlte Kapital angekündigt hat.) "Jetzt hat sie ihr Kapital auf die Summe von 60.000 Pfd.St. erhöht und ihre Far Holme Mill in der Nähe von Stackstead stark erweitert, wobei zwei neue Maschinen von je 40 PS erforderlich sind, die sie gerade aufstellen läßt. Die große Mehrheit der Aktionäre sind Arbeiter, die in der Fabrik arbeiten, aber Lohn als Arbeiter erhalten und mit der Geschäftsführung nichts weiter zu tun haben, als daß sie bei der jährlichen Wahl des geschäftsführenden Ausschusses ihre Stimme abgeben. Ich bin heute vormittag durch die Far Holme Mill gegangen und kann berichten, daß sie, soweit es die Fabrikgesetze betrifft, nicht schlechter geführt wird als jede andere in meinem Distrikt. Obgleich ich den Betreffenden diese Frage nicht gestellt habe, glaube ich, daß sie eine Anleihe mit 5% Zinsen aufgenommen haben.


Es hat in der Nachbarschaft von Bacup etwa sechs Jahre lang eine weitere Gesellschaft gegeben, die unter dem Namen Rossendale Industrial Association lief.


Sie baute eine Fabrik, kam aber, wie mir berichtet wurde, nicht vorwärts, weil es ihr an genügend Betriebskapital mangelte. Auch diese war nach dem Kooperativsystem aufgebaut. Die Firma ist nun in die Rossendale Industrial Company umgewandelt worden und ist eine nach dem Limited Liabilities Act eingetragene Gesellschaft mit der Berechtigung, ein Kapital von 200.000 Pfd.St. aufzunehmen. Für 4.000 Pfd.St. wurden Aktien zu je 10 Pfd.St. ausgegeben, und etwa 4.000 Pfd.St. hat man geborgt. Diese 4.000 Pfd.St. wurden von kleinen Kapitalisten in Beträgen von 150 bis 10 Pfd.St. abwärts geliehen, ohne daß irgendwelche Sicherheiten gegeben wurden. Als diese Kooperativgesellschaft begann, war jeder Aktionär ein Arbeiter. Zusätzlich zu der Wear Mill, die von der Rossendale Industrial Association gebaut worden sein soll, hat sie jetzt von den Herren B. & T. Mum die Irwell Mills in Bacup gekauft und führt nun beide.


Die Prosperität und der Erfolg der New Bacup and Wardle Commercial Company scheinen das Entstehen der neuen Gesellschaften begünstigt zu haben, die jetzt in meiner unmittelbaren Nähe gegründet worden sind und zur Durchführung ihrer Geschäfte große Fabriken einrichten. Eine ist die New-Church Cotton Spinning and Weaving Company; sie ist eingetragen nach dem Limited Liabilities Act und hat die <84> 100.000 Pfd.St. in Aktien von 10 Pfd.St. aufzunehmen, von denen 40.000 Pfd.St. bereits bezahlt sind und 5.000 Pfd.St. auf Hypothek zu 5% geborgt wurden. Diese Gesellschaft hat schon begonnen zu arbeiten, indem sie eine unbenutzte Fabrik mit 40 PS Dampfkraft, die Vale Mill in New-Church, übernommen hat; außerdem baut sie die Victoria-Works, die eine Maschine von 100 PS Dampfkraft benötigen werden. Nach Fertigstellung, was im Februar des kommenden Jahres sein wird, hofft die Kompanie 450 Menschen beschäftigen zu können.


Eine andere Gesellschaft ist die Rawtenstall Cotton Manufacturing Company, ebenfalls mit beschränkter Haftung, mit einem nominellen Kapital von 50.000 Pfd.St. in Aktien von 5 Pfd.St. und der Berechtigung, bis zu 10.000 Pfd.St. zu borgen. Etwa 20.000 Pfd.St. sind bereits eingezahlt, und sie errichtet in Hareholme eine Fabrik, die eine Maschine mit 70 PS Dampfkraft benötigt. Mir ist gesagt worden, daß in diesen beiden Gesellschaften neun Zehntel der Aktionäre aus der Klasse der Fabrikarbeiter kommen.


Es gibt noch eine Kooperativgesellschaft, die während der letzten sechs Monate emporgeschossen ist, nämlich die Old Clough Cotton Company. Diese kaufte von den Herren B. & T. Mum zwei alte Fabriken, die sogenannten Irwell Springs, und arbeitet nach demselben Prinzip wie die anderen; da ich jedoch heute nicht dorthin gehen konnte, bin ich nicht imstande, alle Einzelheiten über sie mitzuteilen. Die Kraft ist mir jedoch mit 13 PS angegeben worden und die Zahl der beschäftigten Arbeiter mit 76, und ich glaube, alle Aktionäre kommen aus der Klasse der Fabrikarbeiter.


Es gibt auch solche Fälle, daß Menschen einen Teil der Fabrik, nämlich ein oder zwei Räume, oder auch manchmal nur den Teil eines Raumes, mieten. Obgleich sie genauso arbeiten wie ihre Arbeiter, sind sie dann Herren dieses Teils, beschäftigen wie jeder Fabrikant Arbeiter und zahlen Löhne, ohne jedoch die von ihnen beschäftigten Arbeiter an ihrem Unternehmen zu beteiligen. Es gab deren seinerzeit viel mehr in Bacup als heute. Einige haben es aufgegeben, während andere Erfolg hatten und entweder selbst Fabriken bauten oder große Gebäude mieteten. Davon gibt es in Rochdale mehr als an irgendeinem anderen Ort in meinem Distrikt."


"New-York Daily Tribune" Nr. 6032 vom 24. August 1860, Artikel von Karl Marx
 
E

ExitUser

Gast
#2
Ich hab hier auch noch etwas interessantes gefunden über die Nutzung des Genossenschaftswesens für sozial Benachteiligte aus 2004:

"Genossenschaften eint ihr Sinn für soziale Verantwortung und ihr Interesse für die Gemeinschaft, in der sie arbeiten" (Uno-Generalsekretär Kofi Annan).

In Zeiten der Globalisierung, die auch die Gefahr der Entsolidarisierung mit sich bringt, können Genossenschaften eine besondere Rolle spielen, denn die Rückbesinnung auf Prinzipien und Werte wie Selbsthilfe, Subsidiarität, Gegenseitigkeit, Solidarität, Non-Profit und persönliche Vertrauensverhältnisse gehören zu den Grundelementen jeder Genossenschaft.

...

Die Genossenschaftsidee ist vor allem durch ihren sozialethischen Gehalt geprägt. Der der Genossenschaft zugrunde liegende soziale Gedanke beruht dabei im Grund auf einer moralischen Vorstellung, die das rein gewinnorientierte Wirtschaften ablehnt, aber die Interessen des Einzelnen gelten lassen will. ...
Weiter: http://www.drei-laender-eck.net/Innovationswerkstatt.pdf
 

Perestroika

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#3
Hallo Wölfin!

Du bist ja flott! Ich wollte noch was zur Geschichte schreiben. :D

Ja, die Innovationswerkstatt ist auch sehr interessant. Ich hab auch noch ein paar wenige Teile und sammel eigentlich erstmal so vor mich hin. Im Internet kann man bequem im Sitzen suchen.

Ich bleib auf jeden Fall dabei, muß jetzt aber erstmal was zum Frühstücken beschaffen...

alles Liebe
Perestroika
 
E

ExitUser

Gast
#4
Perestroika sagte :
Du bist ja flott! Ich wollte noch was zur Geschichte schreiben. :D
Oh, entschuldige. Soll ich´s wieder raus nehmen?

Ich bleib auf jeden Fall dabei, muß jetzt aber erstmal was zum Frühstücken beschaffen...
:hihi: Ist es dafür nicht etwas früh?
 
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