Zeitarbeit: Verwirrung, Unklarheiten - Betrug?

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ExitUser

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Hallo, es geht heute mal nicht um mich, sondern ich soll im Auftrag meines Bruders fragen, da er hier nicht angemeldet ist.

Er hat seinen alten Job gekündigt, weil es gesundheitlich nicht mehr ging (Mobbing am Arbeitsplatz, mieser Chef). Er suchte sich schließlich was anderes, fand dann einen Job am Flughafen - zumindest wurde das in der Stellenanzeige so beschrieben. Vorstellungsgespräch lief gut, er bekam recht bald eine Zusage. Erst dann wurde ihm mitgeteilt, dass er nicht direkt beim Flughafen angestellt wird, sondern das Ganze über eine Zeitfirma läuft. Die meinten zu ihm, dass es aber die Möglichkeit gäbe, nach 3 Monaten dort direkt übernommen zu werden. Meiner Ansicht nach stimmt das nicht, Zeitfirmen darf man nicht trauen.

Er sollte am 1. Mai am Flughafen anfangen, doch er bekam dann letzte Woche einen Anruf der Zeifirma, wo man ihm dann sagte, dass es erst ab dem 7. Mai für ihn dort losgehen würde, er aber ab 1. Mai erst mal woanders anfangen soll, damit er, O-Ton "keine Minusstunden aufbaut". Der neue Einsatz würde ihm per Post mitgeteilt werden, doch es kam die ganzen Tage keine Post von der Zeitfirma.
Als er dort anrief und fragte, ob sie denn was rausgeschickt hätten, meinte die Dame am anderen Ende der Strippe, dass sie ihm das nochmals per Post zukommen lässt, doch auch diesmal kam nichts an! Heute rief er erneut an und da fiel der Frau plötzlich auf, dass er noch gar nicht für nächste Woche im Einsatzplan vermerkt sei und daraufhin meinte sie dann, sie würde das jetzt tun und ihm (zum 3. Mal!) den Einsatz zuschicken, diesmal auch per E-Mail.
Angeblich sei er auch zweimal angerufen worden, aber auf seinem Handy wurde nie ein Anruf in Abwesenheit aufgezeichnet, also war das auch wieder eine Lüge!

Meiner Meinung nach ist da was faul, es kann ja nicht sein, dass ihm immer wieder gesagt wird, dass die ihm was zugeschickt hätten und dann kommt einfach nichts an! Und von dem Job am Flughafen ist mittlerweile auch keine Rede mehr, jedenfalls glaubt er nicht, dass es noch dazu kommen wird. Beworben hat er sich für diese Stelle, aber ich sehe es kommen, dass er bestimmt mal hier, mal dort arbeiten "darf", als Spielball der Zeitarbeitsfirma. Er bekommt jetzt sogar weniger Geld als vorher, da er nur als Produktionshelfer in der niedrigsten Tarifgruppe eingeordnet wurde - dabei muss er auch noch Frau und Kind versorgen.

Wie kann er jetzt vorgehen bzw. was kann man ihm raten?
 

1957er

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Ich würde es so machen:

Hoffentlich hat er denn Arbeitsvertrag noch nicht unterschrieben? Weil die haben sehr oft Sachen drin, die da nicht hineingehören. Die Arbeit beginnt ja erst bei einen Einsatz beim Kundenbetrieb.

Dein Bruder hat sich für die Stelle auf dem Flughafen beworben und nicht für irgendeine andere Stelle. Falls er nicht woanders eingesetzt werden will, fängt er erst am Flughafen an.

Der Spruch von der ZAF, sie werden erstmal woanders eingesetzt, weil sonst Minusstunden aufgebaut werden ist nicht richtig. Bin jetzt zwar nicht der Profi mit Arbeitsverträgen bei Zeitarbeitsunternehmen aber hier gibt es ja einige, die einen weiterhelfen können. Vor allen wegen den Minusstunden, die es nicht geben darf.
 
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Gast
Unterschrieben hat er leider schon. Das mit den Minusstunden kann echt nicht sein, das ist doch so eine fiese Masche der Zeitfirmen, um die Leute gefügig zu machen. Mal sehen, was andere hier dazu meinen, die sich noch besser in dem Thema auskennen.
 

Piedro

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da kommt es jetzt sehr auf den arbeitsvertrag an.

er hat bei der firma angefangen. von der bekommt er eine zuweisung. welche zuweisung in frage kommen regelt der arbeitsvertrag. wenn da steht: ich fahre überall hin wo ich hingeschickt werde und mache, was mir da angeschafft wird, hat man das zu tun. wenn da steht, dass ich in einem bestimmten bereich eingesetzt werde, kann mich die firma da hinschicken, wo ein kunde mich will.

natürlich innerhalb gewisser grenzen, die nur per arbeitsvertrag aufgehoben werden können.

am besten den vertrag mal anonymisieren und einstellen. wenn allerdings im arbeitsvertrag steht, wann er angefangen hat für die firma zu arbeiten, dann hat sie ihn auch ab dann zu bezahlen, wenn sie bisher keinen auftrag für ihn hatte. wenn der arbeitsvertrag erst mit dem ersten auftrag gültig wird stellt sich die frage, ob man da arbeiten will. und was passiert wenn man's nicht tut.
 

gabba

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da kommt es jetzt sehr auf den arbeitsvertrag an.

er hat bei der firma angefangen. von der bekommt er eine zuweisung. welche zuweisung in frage kommen regelt der arbeitsvertrag. wenn da steht: ich fahre überall hin wo ich hingeschickt werde und mache, was mir da angeschafft wird, hat man das zu tun. wenn da steht, dass ich in einem bestimmten bereich eingesetzt werde, kann mich die firma da hinschicken, wo ein kunde mich will.

natürlich innerhalb gewisser grenzen, die nur per arbeitsvertrag aufgehoben werden können.

am besten den vertrag mal anonymisieren und einstellen. wenn allerdings im arbeitsvertrag steht, wann er angefangen hat für die firma zu arbeiten, dann hat sie ihn auch ab dann zu bezahlen, wenn sie bisher keinen auftrag für ihn hatte. wenn der arbeitsvertrag erst mit dem ersten auftrag gültig wird stellt sich die frage, ob man da arbeiten will. und was passiert wenn man's nicht tut.
er kann froh daß er den vertrag hat, sonst droht doch sperre wegen eigenkündigung. wenns müll ist muß er halt ein paar mal die gelbe flagge hissen oder er dekliniert das aüg penibel durch, dann der job auch erledigt
 
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Ich war selber mal in den Zeitarbeitsklauen gefangen, seitdem bin ich da sehr misstrauisch und wachsam. Mein Bruder sagte mir, er wüsste schon seit 3 Monaten, dass das über Zeitarbeit laufen wird. Wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich ihm davon abgeraten. In seinem alten Job war er seit 2007 beschäftigt, zuletzt lief es dort nicht mehr so gut, was aber vor allem an seinem Chef lag. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn er es noch eine Zeit dort ausgehalten hätte und dann irgendwo untergekommen wäre, was nichts mit Zeitarbeit zu tun hat.

Gerade als Produktionshelfer ist man ziemlich der Gelackmeierte, da man ständig mit wechselnden Arbeitsorten und Schichten rechnen muss. Viel mit Freizeit planen ist da nicht. Dazu kommt ja noch, dass man als Leiharbeiter von den fest angestellten Kollegen oft von oben herab betrachtet wird, man es sehr schwer hat, zu anderen Bindungen aufzubauen. Besonders erschwerend kommt hinzu, dass die Kollegen ständig wechseln, da man ja überall eingesetzt werden kann, wenn es dumm läuft. Morgen hier, übermorgen dort, die nächsten zwei Wochen wieder woanders - so kommt keine Kontinuität zustande.

Ich habe den Verdacht, dass diese Stellenanzeigen teilweise nur Lockangebote sind. Ich habe mich damals auch auf bestimmte Stellen beworben und jedes Mal hieß es, wir planen nur so und so lange mit ihnen, danach müssen sie wohl gehen, obwohl es anfangs von Seiten der Zeitfirma hieß, die Stelle sei unbefristet bzw. langfristig zu besetzen.

Zur Not muss er sich halt gelbe Scheine holen, irgendwann werden die ihn schon kündigen, dann kommt er um eine Sperre herum, muss sich aber mit noch weniger Geld begnügen, wobei das bei ihm schwierig ist, da ja die Kosten gedeckt werden müssen (Auto, Versicherungen, Einkäufe, Kind, Wohnung etc.).
 
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Minusstunden sind nicht. Das sollte er der ZAF Bude gleich mal klarmachen. Haben sie keinen Einsatz - nicht sein Problem. Die Leihbude hat ihn auch an freien Tagen zu bezahlen!
 

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Hallo

wenn er einen 35 stunden por woche vertrag hat soll er genau aufpassen ob auch alle bezahlt werden am mionatsende.
Ansonsten gleich schriftlich reklamieren.
ob er 1 oder hundert stunden arbeitet die stunden die im Vertrag stehen müssen gearbeitet werden.

#Und Minusstunden gehen gar nicht und alle überstunden sind sein eigentum und geht die ZAF da dran ist das Diebstahl

Gruß Uwe
 

Paddy1969

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Auszug des IGZ Tarifvertrages(Zeitarbeit)

3.2. Arbeitzeitkonto
3.2.1. Für jeden Arbeitnehmer wird ein Arbeitszeitkonto eingerichtet. Auf
dieses Konto werden die Arbeitsstunden übertragen, die über die regelmäßige
Arbeitszeit pro Monat hinaus geleistet werden. Zulässig ist gleichermaßen die
Übertragung von Minusstunden.
3.2.2. Es dürfen nur so viele Stunden auf das Arbeitszeitkonto übertragen
werden, dass die Grenzwerte von maximal 150 Plusstunden und 21 Minusstunden
nicht überschritten werden.
3.2.3. Die auf dem Arbeitszeitkonto aufgelaufenen Stunden werden durch
Freizeit ausgeglichen (vgl. PN 9). Dabei können der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer
in jedem Kalendermonat über jeweils zwei Arbeitstage Zeitguthaben
FREI verfügen. Eine Verfügung durch den Arbeitgeber darf nicht zu einem
negativen Zeitguthaben des Arbeitnehmers führen.
Die Freizeitgewährung ist spätestens 2 Arbeitstage vor Antritt vom Arbeitnehmer
beim Arbeitgeber zu beantragen und kann nur aus dringenden betrieblichen
Gründen abgelehnt werden. In einem solchen Falle hat der Arbeitgeber
innerhalb von 4 Wochen dem Freizeitersuchen nachzukommen.
Darüber hinaus erfolgt der Freizeitausgleich nach den Wünschen des Arbeitnehmers
in Absprache mit dem Arbeitgeber und unter Berücksichtigung
betrieblicher Belange. Der Freizeitausgleich ist durch den Arbeitnehmer zu
beantragen und bedarf der Genehmigung durch den Arbeitgeber.
Fallen Zeiten, in denen Stundenguthaben durch beantragte und festgelegte
Freizeit ausgeglichen werden, mit Zeiten einer Arbeitsunfähigkeit ,des Arbeitnehmers zusammen so gilt die Freizeit als GENOMMEN, eine Rückübertragung
in das Zeitguthaben erfolgt nicht.

Na wenn das nicht gerecht ist?!?:icon_kotz:
 
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Heute hat mein Bruder dort angefangen, vorhin rief mich seine Freundin an und sie berichtete mir, dass die ihm bei dem Entleihbetrieb sagten, er würde wohl ein paar Wochen dort arbeiten müssen. Er und seine Freundin haben sich darüber aufgeregt, weil er sich eigentlich für die Stelle am Flughafen bewarb und jetzt heißt es, dass er stattdessen ganz woanders (er muss dort sogar mit seinem privaten PKW hinfahren, anders nicht zu erreichen) eingesetzt und das sogar länger als eigentlich geplant. Zuerst hieß es nämlich, der Einsatz würde nur bis diesen Freitag gehen, jetzt sagte man ihm heute, am ersten Tag, dass es mehrere Wochen sein werden.

Was soll ich ihnen denn jetzt raten, ich habe ja selber keine Ahnung und außerdem ist man in der Zeitarbeit eh meistens der ****, weil man ja überall hingeschickt werden kann.
 

Blondie

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Minusstunden sind nicht. Das sollte er der ZAF Bude gleich mal klarmachen. Haben sie keinen Einsatz - nicht sein Problem. Die Leihbude hat ihn auch an freien Tagen zu bezahlen!
Ist das so? Gibt es da ne gesetzliche Grundlage? Würde nämlich auch für mich für zwei Tage und paar Stunden zutreffen. So dass ich nun knapp 20 Stunden im Minus bin.
 

Lilastern

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Die haben dich auch zu bezahlen, wenn keine Einsätze für dich da sind.

Wie oft du dich täglich melden musst, wirst du ja schon selbst mit der ZAF vereinbart haben oder nicht?
 

Holger01

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Vorneweg: Ist ein älterer Thread; TE Onyx_08 war zuletzt am 4.9.12 online.



@Blondie, ja, das ist so. Das ist gesetzlich eindeutig geregelt.

Hier zwei (!) Grundlagen dazu:

1.)
Zitat: "Kommt der Dienstberechtigte mit der Annahme der Dienste in Verzug, so kann der Verpflichtete für die infolge des Verzugs nicht geleisteten Dienste die vereinbarte Vergütung verlangen, ohne zur Nachleistung verpflichtet zu sein."

Quelle: § 615 BGB Satz 1, § 615 BGB Vergütung bei Annahmeverzug und bei Betriebsrisiko - dejure.org


2.
Zitat: "Das Recht des Leiharbeitnehmers auf Vergütung bei Annahmeverzug des Verleihers (§ 615 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs) kann nicht durch Vertrag aufgehoben oder beschränkt werden; § 615 Satz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bleibt unberührt."

Quelle: § 11 AÜG Abs. 4, § 11 AÜG Sonstige Vorschriften über das Leiharbeitsverhältnis - dejure.org


Auf normal-Deutsch heißt das:
Zu 1.): Hat die ZAF für dich keine Arbeit, bietet du aber dennoch deine Arbeitskraft an (z.B. durch tägliches Nachfragen), dann kannst du weiterhin von der ZAF deinen vereinbarten Lohn verlangen.

Zu 2.) Hier wird gesagt, dass das Recht aus § 615 BGB auch durch Einzel-Arbeitsvertrag oder durch Tarifvertrag nicht aufgehoben werden kann, dass es auf jeden Fall bestehen bleibt.

Natürlich irgnorieren ZAF diese Bestimmungen gerne. Aber der ZAN ist auf der richtigen Seite, wenn er informiert und aufrecht bleibt und der Entnahme von Stunden aus den Zeitkonto in diesem Fall widerspricht.



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