Wurde als Selbstständiger eingestuft - fehlende Belege, Kassenbuch etc... (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Knipskönig

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Hallo Foren-Leser,

habe ein nettes Schreiben des JobCenter Melle (Niedersachsen) erhalten, in dem fehlende Unterlagen aus dem letzten Quartal 2014 (01-10-14 --- 31-12-14) angemahnt werden:

1. Vollständig ausgefüllter und unterschriebener Vordruck EKS f.d. oben genannten Zeitraum
2. Lückenlose Kontoauszüge der privaten & betrieblichen Konten
3. Ordentlich geführtes Kassenbuch
4. Einnahmen & Ausgaben mittels Belegen
5. Fahrtenbuch (Vordruck wurde Ihnen bereits bei Antragstellung ausgehändigt


Nun bin ich etwas verwirrt. Denn ich wurde vom Jobcenter Bad Laer als Selbstständiger eingestuft und an das JC Melle als zuständige Stelle „überwiesen“, weil ich neben dem ALG II etwas Geld durch mein Hobby, durch die Fotografie mache.
Mal sind es pro Monat 50€, mal sind es 180 Euro, aber ich habe nie ein festes Einkommen. Ich bin auch bei Stadt, Land, Finanzamt, Handwerkskammer oder sonstigen Stellen NICHT als Ständiger gemeldet, habe kein Gewerbe angemeldet, oder sonst etwas in dieser Richtung.

Außerdem versuche ich meine VW-Käfer-Sammlung zu Geld zu machen, also eine Vermögensumwandlung. Doch auch hier gibt es keinen festen monatlichen Betrag.
Und mit 57 Jahren finde ich auch keine Arbeit, entweder bin ich den Firmen zu alt, oder für Nebentätigkeiten, für Helferstellen zu überqualifiziert.
Und dass ich durch ‚n Nervenzusammenbruch, durch Klinikaufenthalt und gelegentliche Depressionschübe etwas neben der Spur bin, wen wundert es. Manches ist dann einfach aussen vor, es fehlt die Kraft, die Zielstrebigkeit des früheren (Arbeits)-Lebens.
Schei******* das Ganze.

Habe nun die Hoffnung, dass Ihr mir zu den nachfolgenden Punkten etwas weiter helfen könnt, genauer Infos geben könnt. Sollte ich etwas unklar formuliert haben, meldet Euch bitte, ich werde versuchen, den Sachverhalt dann genauer aufzuzeigen. Danke.





Zu 1. = Hier habe ich unter Betriebseinnahmen die Provisionen der Fotoagenturen eingetragen.
Das waren knapp 340€ im Quartal. Ausgaben war / ist eine Kameraversicherung mit 11€im Monat.


Zu 2. = ok, die letzten 1 ½ Wochen fehlen bis 31.12.14, ansonsten wurden Kopien des einzigen (Postbank)-Kontos eingereicht. Manche Provision wird nur 1 x im Qaurtal ausgezahlt, meist 1 bis 2 Monate nach dem entsprechenden Quartal. Also für 4/14 im Februar bzw. März. Da gibt es (noch) keine Belege zu.


Zu 3. = Ich habe kein Kassenbuch. Wozu? Ich doch kein Geschäftsmann, der kauft und verkauft. Ich habe kein Ladengeschäft. Meine Fotos sind alle aus meinem Archiv der vergangenen 7 bis 8 Jahre Hobbyfotografie. Es gibt auch keine Waren, die ich verbrauche. Ich habe auch keinen Steuerberater oder sonstige Ratgeber/Helfer.


Zu 4. = Natürlich habe ich keine Belege (mehr). Denn wenn ich beim Bäcker einkaufe, hebe ich keine Belege auf, wenn ich Getränke kaufe das gleiche. Wozu auch? Als Privatmann, der ab und an eine „Mark“ macht? Für Autoteile habe ich teilweise über PayPal bezahlt, die Reparaturen hat ein Freund durchgeführt. Da gibt es keine Belege drüber. Und da die Einnahmen insgesamt größer sind als das ALG II und die Verkaufsprovisionen zusammen, ist das Konto mit ein paar hundert Euros im Minus. Aber wie soll ich es anders machen?!?

Zu 5. = Ein Fahrtenbuch wurde mir nicht ausgehändigt. Ich habe auch keine Fahrten in den Vordruck einegtragen. Oder muss ich auch die Fahrten zum Discounter, zu meiner Mutter ins Heim, zur Wohnungsauflösung, zu meiner Freundin (Nachbarstadt) dokumentieren? Als „NICHT“-Selbsttständiger?




Ich habe das Gefühl, dass die Sachbearbeiterin in der Stelle die die Anträge zum ALG II prüft, überhaupt nicht zu hört, es ihr egal ist, was man ihr erzählt.
Denn beim ersten Antrag als „Selbstständiger“ habe ich ihr gesagt, dass das alles neu für mich ist, aber erklärende Antworten zu den einzelnen Felder im Antrag gab es von ihr nicht. Service / Unterstützung war bzw. ist gleich null.


Nochmals Danke
N.J.
 

Banquo

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Am besten mal die Sache sacken lassen und tief durchatmen. :smile: Was die von dir haben wollen hört sich anfangs viel dramatischer an als es ist.

Angenommen, der EKS-Vordruck ist für deine "Hobby-Fotografie" zutreffend, dann kommen da die Einnahmen rein, die du aus dieser Tätigkeit erwirtschaftet hast.

Ebenfalls gilt das für das Kassenbuch und die Ein- und Ausgabebelege. Alles nur in direktem Zusammenhang mit der Fotografie. Die interessieren sich nicht für deine Bäckereieinkäufe etc. Normalerweise interessieren die sich nur für Geldzuflüsse; für Ausgaben nur widerwillig, um Einnahmen zu mindern.

Das Fahrtenbuch soll vermutlich auch nur belegen, ob dein Bedarf für einen PKW nur aufgrund der Fotografie hoch genug ist, um die Kfz-Steuer o.ä. Kosten dafür teilweise abzugsfähig zu machen.
 

Balindys

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Naja, das JC hat aber schon Recht, dich als Selbständiger zu führen.
Du schreibst hier von ca 340€ Einnahmen im Quartal, das macht ca 1360€ Einnahmen in Jahr. Das Finanzamt sieht aber nur Einnahmen in Höhe von 410€ jährlich als Liebhaberei - was darüber hinausgeht, wird als selbstständige oder gewerbliche Tätigkeit eingestuft.

Du solltest dir also eine Steuernummer besorgen oder aber die (bezahlte) Fotografie an den Nagel hängen. Desweiteren solltest du dem JC schriftlich den mitteilen, dass du keine Ahnung von den Richtlinien hattest und dass du daher keine Belege hast.

Erstell eine Einahmen-Ausgaben-Tabelle über alles, was du belegen kannst.
Wenn ich dich recht verstanden hab, sollte beides über die Kontoauszüge möglich sein (Provision und Versicherung?). Mit den Belegen ist gemeint: nur was du belegen kannst, ist als Ausgabe zu berücksichtigen und wird von deinen Einnahmen abgezogen.

Für alles weitere, was deine Fotografie betrifft, solltest du eine Erwerbslosenberatung vor Ort aufsuchen, weil sowas immer recht kompliziert sein kann und dir persönlich vielleicht besser geholfen werden kann (ist jetzt aber nur meine Vermutung).

Bei deiner Käfersammlung kommt es darauf an, ob du mit dem Verkauf Gewinn erzielst. Ist Gewinn nachzuweisen, wird dieser auch angerechnet, allerdings als Zufluss. (Ich würde in solchen Fällen ja den Verkauf über Kleinanzeigen mit persönlicher Übergabe favoritisieren)
Vielleicht hilft dir dieser Artikel schon weiter: Anrechnung von ibääh-Verkäufen bei Hartz IV

Ich wünsch dir viel Kraft :icon_smile:
 

hans wurst

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habe ein nettes Schreiben des JobCenter Melle (Niedersachsen) erhalten, in dem fehlende Unterlagen aus dem letzten Quartal 2014 (01-10-14 --- 31-12-14) angemahnt werden:
Das ist unzulässig, das Gesetz sagt klar und deutlich, aEKS für den Bewilligungszeitraum und nicht für Zeiträume die sich der SB aus den Fingern saugt. Und dann hast du 2 Monate nach Ablauf des Bewilligungszeitraum zeit die aEKS abzugeben.

1. Vollständig ausgefüllter und unterschriebener Vordruck EKS f.d. oben genannten Zeitraum
Für den abgelaufenen Bewilligungszeitraum und für nichts anderes.

2. Lückenlose Kontoauszüge der privaten & betrieblichen Konten
Habe nur Auszüge mit relevanten Buchungen vorgelegt und niemals lückenlos.

3. Ordentlich geführtes Kassenbuch
Darauf haben die kein Anspruch, dafür ist die aEKS da.

4. Einnahmen & Ausgaben mittels Belegen
5. Fahrtenbuch (Vordruck wurde Ihnen bereits bei Antragstellung ausgehändigt
Soweit ok.

Zu 1. = Hier habe ich unter Betriebseinnahmen die Provisionen der Fotoagenturen eingetragen.
Das waren knapp 340€ im Quartal. Ausgaben war / ist eine Kameraversicherung mit 11€im Monat.
Das ergibt einen Gewinn von 102,33€/Monat, hier ist zu überlegen, ob du dir die Arbeit machst, um weitere Ausgaben abzusetzen, denn du hast 100€/Monat anrechnungsfrei. Du müsstest hier ca. 1,86€/Monat zurückzahlen.

Zu 2. = ok, die letzten 1 ½ Wochen fehlen bis 31.12.14, ansonsten wurden Kopien des einzigen (Postbank)-Kontos eingereicht. Manche Provision wird nur 1 x im Qaurtal ausgezahlt, meist 1 bis 2 Monate nach dem entsprechenden Quartal. Also für 4/14 im Februar bzw. März. Da gibt es (noch) keine Belege zu.
In der aEKS werden nur tatsächlich erhaltene Einnahme angegeben bzw. nur tatsächlich erfolgte Ausgaben.
 
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ExitUser

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Das ist unzulässig, das Gesetz sagt klar und deutlich, aEKS für den Bewilligungszeitraum und nicht für Zeiträume die sich der SB aus den Fingern saugt. .

Stimmt nicht ganz so.


Die Alg II-V spricht zwar vom gesamten Bewilligungszeitraum.
Diese Verordnung gilt aber auch nur für Selbstständige.
Wenn die Tätigkeit nicht über den gesamten Bewilligungszeitraum ausgeführt wird, sind nur die Erarbeitungsmonate anzugeben.
Monate, in denen keiner selbstständigen Tätigkeit nachgegangen wird, fallen in der Berechnung raus. So sagt es zumindest die BA.

Ein Problem ist das in der Realität aber nicht. Monate in denen man Akquise betreibt, gehören bereits zu den Erarbeitungsmonaten.

Konkret:
Gar nicht nachfragen!
EKS über den gesamten Bewilligungszeitraum machen, aber so, dass sich ergibt, dass man im gesamten Zeitraum das Geschäft betrieben hat.
 

Knipskönig

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D A N K E


für die ausführlichen Antworten, werde mich dann mal mit Allem intensiv beschäftigen und dem JC dann entsprechend antworten, bzw. die Unterlagen vorlegen.

Gruss und schönes WE
 

IchHabsSoSatt

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Dringender Rat an den TE!

Lassen Sie sich vom Lohnsteuerhilfeverein beraten.
Das Jobcenter kann Sie nicht so einfach als Selbstständiger einstufen.
Erst recht nicht in dem Bereich Fotografie. Das ist mit einer der meist umstrittenen steuerlichen Bereiche, bei dem die Grenzen wischen Liebhaberei und Gewerbe sehr strittig sind.

Meine Fotos sind alle aus meinem Archiv der vergangenen 7 bis 8 Jahre Hobbyfotografie
Die haben Sie bestimmt nicht aus dem heimischen Wohnzimmer gemacht.
Da sind Fahrtkosten entstanden, Anschaffung für Kamera, Obektive usw., womöglich Kosten für Entwicklung und Filme, Bildbearbeitung, etc……
Rechnen Sie mal für sich selbst, ob da überhaupt noch Gewinn erzielt wurde.
Außerdem fehlen da noch einige Merkmale um Sie als Selbstständigen einzustufen.
Mein Rat:
Auf keinen Fall dem Jobcenter solche Unterlagen übergeben, mit denen Sie im Prinzip eine selbstständige Tätigkeit bejahen.
Eine Folge könnte sein, dass in nicht ferner Zukunft Gewerbe – und Finanzamt auf Sie
zukommen, womöglich noch mit dem Vorwurf der Steuerhinterziehung.
Dann das Rad wieder zurück zu drehen wird schwer sein.
Die Anerkennung ist Sache des Finanzamtes.

Also alle Zahlen zusammenstellen => Beratung Lohnsteuerhilfeverein => dann Finanzamt und Selbstständigkeit oder Liebhaberei bestätigen lassen =>
dann erst Jobcenter.

Gr
IchHabsSoSatt
 
E

ExitUser

Gast
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Dringender Rat an den TE!

Lassen Sie sich vom Lohnsteuerhilfeverein beraten.
Das Jobcenter kann Sie nicht so einfach als Selbstständiger einstufen.
Erst recht nicht in dem Bereich Fotografie. Das ist mit einer der meist umstrittenen steuerlichen Bereiche, bei dem die Grenzen wischen Liebhaberei und Gewerbe sehr strittig sind.
/QUOTE]

Der Lohnsteuerhilveverein kann und darf da gar nicht beraten.

Er darf lediglich in Lohnsteuersachen und angrenzenden Gebieten helfen. Lohnsteuer dürfte hier aber vollkommen ausgeschlossen sein.
 

IchHabsSoSatt

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Dringender Rat an den TE!

Lassen Sie sich vom Lohnsteuerhilfeverein beraten.
Das Jobcenter kann Sie nicht so einfach als Selbstständiger einstufen.
Erst recht nicht in dem Bereich Fotografie. Das ist mit einer der meist umstrittenen steuerlichen Bereiche, bei dem die Grenzen wischen Liebhaberei und Gewerbe sehr strittig sind.
/QUOTE]

Der Lohnsteuerhilveverein kann und darf da gar nicht beraten.

Er darf lediglich in Lohnsteuersachen und angrenzenden Gebieten helfen. Lohnsteuer dürfte hier aber vollkommen ausgeschlossen sein.
Jepp, das ist richtig, war mein Fehler.
Dann wird er wohl um ein Erstberatungsgespräch bei einem Steuerberater nicht drum rum kommen.
Er kann sich aber auch direkt beim Finanzamt erkundigen.
Gr
IchHabsSoSatt
 

Linuxfan

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Hallo Knipskönig,

ich habe einige Zeit mal selbst bei Fotoagenturen als Fotoredakteur gearbeitet. Wenn die Bilder regelmäßiges Einkommen erzielen und Du mit den Einnahmen zufrieden bist, würde ich die Bilder in den Agenturen lassen. Ich habe auch ein Fotoarchiv aber bei "Microstock" möchte ich meine Bilder nicht einstellen.

Ich empfehle folgendes:
- Einrichtung eines separaten Geschäftskontos. Ich habe ein Kleinunternehmen, wofür ich ein reines Onlinekonto habe. Kostet nicht die Welt und es hilft, die Geschäftsausgaben von den Privatausgaben zu trennen. Gebe bei deiner Versicherung für die Kamera und den Stockagenturen die neue Bankverbindung an damit Du abgleichen kannst, wie die Einnahmen und Ausgaben sind.

- Benachrichtigung des Finanzamts. Wenn Du Stockfotos anbietest, musst Du wohl nicht zwingend ein Gewerbe anmelden:

Die steuerlichen Aspekte der Stockfotografie | Alltag eines Fotoproduzenten

Meine Umsätze (IT-Beratung) sind momentan auch nicht so hoch. Ich habe daher die Kleinunternehmerregelung in Anspruch genommen, dass ich nicht zwingend Umsatzsteuer anmelden muss. Allerdings kann ich bei Einkäufen keine Vorsteuer geltend machen.

100 Euro im Monat kannst Du soweit ich weiss auch als Hartz-IV Empfänger ohne Probleme dazu verdienen. Wie gesagt, wenn Du mit den Einnahmen des Stockgeschäfts zufrieden bist, lass die Bilder in den fotolias, Shutterstocks, iStockphoto etc. und behalte diesen Einnahmestrom.

Bei dem VW-Käfern muss ich aber leider passen.
 
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