Würdet ihr freiwillig beim Jobcenter arbeiten?

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PhilippNixdorf

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atesteofbunny meinte:
Ich sehe das Problem nicht "nur" bei den Sanktionen, sondern auch, dass so große Behörden für viele Menschen etwas Bedrohliches, Übermächtiges haben. Die vielen Formulare, die bürokratische Sprache, die großen Gebäude mit ihren "Zonen" - das kann durchaus Angst machen

Das ist sicher richtig. Die Frage ist nur, was die Alternative wäre. Als realistische Alternative im bestehenden System sehe ich nur, dass die ALG II Leistungen komplett von den Kommunen ausgezahlt würden (wie es in Optionskommunen schon der Fall ist). Es bedürfte dafür aber einer Gesetzesänderung. Der ehemalige Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel (ein ehemaliger BA-Mitarbeiter) wollte vor 15 Jahren schon die ganze BA abschaffen. Ein Gedanken, mit dem ich durchaus liebäugele.

Auch sollte die BA bzw. sollten die JC dringend daran arbeiten, Ihre Schreiben an die Leistungsbezieher*innen zu optimieren, weil diese sich oft in einem bedrohlichen, anklagenden Ton lesen, unterstellend formuliert sind und darin einige Worte genutzt werden, die in der Alltagssprache anders aufgefasst werden (ich habe darüber letztes Jahr schon mal was geschrieben).

Ich muss allerdings auch anmerken, dass Optionskommunen meiner Erfahrung nach keineswegs immer bessere Arbeit leisten als gE-Jobcenter. Die sind zwar von der Verwaltung autonom und das Gefühl, sich in einer „bedrohlichen“ Mamut-Behörde zu befinden, entfällt eher, die Prozessorganisation und der Service für die „Kund*innen“ (ein widersinniges Wort im SGB-II-Kontext) sind aber keineswegs immer besser.

Ich war in einer Optionskommune beschäftigt (und in 2 gE-Jobcentern). Letztere haben Vorteile, von denen auch die ALG-II-Bezieher*innen profitieren (das würde jetzt zu umfassend werden, das alles aufzulisten). In der Optionskommune war es so, dass alle irgendwie „ihr Ding“ gemacht und die Vorgaben recht „frei“ ausgelegt haben. Es schien niemanden wirklich zu interessieren. Die dortige EDV (comp.ASS) war auch deutlich weniger intuitiv und nützlich als VerBIS und die Weisungen waren weit weniger klar als in gE-JC.

Besagte Optionskommune war zuvor eine gE, die sich dann entschloss, die SGB II Leistungen allein zu verwalten. Das hatte zur Folge, dass auf die Vorlagen der BA aus dem zentralen Dokumentenverzeichnis nicht mehr zurückgegriffen werden konnte und dass alle Vordrucke neu erstellt werden mussten. Das sah dann teils echt unprofessionell aus und bewirkte insofern etwas "Chaos", als dann verschiedene Vordrucke im Haus herumgeisterten, zumal die Mitarbeiter*innen sich eigene erstellt hatten.

Auch gibt es in den gE-JC ein relativ professionelles Beschwerde-Management (KRM), wohingegen es das in der Optionskommune, in der ich arbeitete, so nicht gab. Außerdem ist es in Optionskommunen auch so, dass die Arbeitsvermittler*innen oft für weit mehr zuständig sind als in gE-Jobcentern. Ich war da u. a. auch für einige Dinge zuständig wie z. B. die Entscheidung über und Abrechnung von Leistungen nach § 24 SGB II, was im gE-JC nicht zu meinen Aufgaben zählte.

Wenn man für viele Dinge zuständig ist, ist man ein besserer Generalist, hat aber logischerweise oft keine so fundierte Ahnung von der Materie wie dann, wenn man für einen eher begrenzten Bereich zuständig ist, in dem man sich echte Expertise aufbaut. Ich selbst konnte mir im JC ein gutes Generalistenwissen angeignen, musste aber bei diversen Fällen die Expertise von Kolleg*innen in der Leistungsabteilung, Widerspruchsstelle, im Maßnahme-Qualitätsmanagement, beim Datenschützer usw. nutzen.

Wenn man als Generalist für vieles zuständig ist, kann es aber genauso auch den positiven Effekt haben, dass man einen "ganzheitlicheren" Blick auf Bedarfsgemeinschaften entwickelt, dass man also passgenauer unterstützen kann, wenn man die Lebensrealität der Leute besser kennt, für die man zuständig ist. Das wiederum kann dann seitens der "Kund*innen" aber auch als übergriffig erlebt werden. Fremden Behörden-Mitarbeiter*innen viele (teils intime) private Details aus dem Leben offenbaren zu müssen, kann schließlich echt unangenehm sein.

Meine allgemeine Erkenntnis aus 11 Jahren der Beschäftigung mit dem JC ist, dass die Mitarbeiter*innen den mit Abstand größten Einfluss darauf haben, ob bei ALG-II-Beziehenden ein Angstgefühl bzw. Gefühl des Ausgeliefert-Seines aufkommen. Wenn die Mitarbeiter*innen ehrlich und wertschätzend sind, wenn Sie ihre Doppel-Rolle des Forderns und Förderns offenlegen, sich der Widersprüche des Systems bewusst sind und sich bemühen, im Bedarfsfall auch das Fördern zu priorisieren, führt das oft zu weniger Angst bei den "Kund*innen".

Wenn man nicht mit Menschen umgehen kann oder will und nicht dafür sensibilisiert sind, dass ALG-II-Beziehende mitunter verängstigt und häufig gering informiert über ihre Möglichkeiten sind, wird man kaum wertschätzend mit denen interagieren können, egal ob in einer gE oder in einer Optionskommune.

lino meinte:
Das die Seeheimer in der FDP SPD für eine Änderung von Hartz4 steht in den Sternen. Von dem her sind Zweifel angebracht, ob sich eine Änderung machen lässt.

Logisch sind Zweifel angebracht. Politik ist stets Kompromissarbeit, die Macht des Möglichen. Man stellt Ideal-Forderungen auf und guckt dann, was davon sich in der Koalition durchsetzen lässt. Es ist immer im Fluss und Dinge, die beschlossen werden, können von einer Nachfolgeregierung dann wieder gekippt werden.

Dass es in Deutschland dauerhaft (oder sagen wir: über mehrere Jahrzehnte hinweg) eine komplett sanktionsfreie Grundsicherung geben wird, ist keineswegs klar. Es ist aber eben möglich. Dass die SPD 2019 auf ihrem Parteitag den offiziell abgesegneten Beschluss gefasst hat, Hartz IV hinter sich lassen zu wollen, ist ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl, was die Hauptströmungen in der SPD wünschen. Daher bin ich überzeugt, dass eine ALG-II-Reform unter Grün-Rot möglich wäre.

Diejenigen, die hoffen, dass es zu einer revolutionären Reform kommt, in der es gar keine Leistungskürzungen mehr gibt (was Teile der Grünen und Teile der SPD sowie die Linke sowieso wollen), könnten aber enttäuscht werden. Andrea Nahles hat deutlich gemacht, wie das neue ALG II aussehen soll, das sich die SPD vorstellt. Das ist nicht ganz sanktionsfrei, indes soll es ein Anreizsystem und mehr Weiterbildungsförderung geben.
 
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Onkel Tom

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Die Frage ist nur, was die Alternative wäre.
Gut, das Du mich nicht danach gefragt hast.. Meine Antwort dazu wäre nicht internetfähig.
Erinnere mich gern anbei an die Superhelden.. War schon sehr vorbildlich, was da unterstellt
wurde und am Ende klar wurde, das die Superhelden wie die Meinzelmännchien verschwunden
waren.. Bis heute weiß niemand, wer das war.. Ich auch nicht.

Auch gibt es in den gE-JC ein relativ professionelles Beschwerde-Management (KRM),
Jo, die sich dann an entsprechende Sachbearbeitung wendet a la " Bitte weniger Ermessenshärte
ausüben.." oder "Ihnen ist anbei ein Fehler unterlaufen.." wendet. Das RKM ist hauptsächlich dazu
geboren worden, damit gepeinigte Erwerbslose doch noch ein Frustventiel benutzen können, statt
in einer "Totalmistbauerei" getrieben zu werden.. So haben wir das damals in der Erwerbslosenini
bewertet und glaube, das es der Sache sehr nahe kommt oder ?

Das ist nicht ganz sanktionsfrei, indes soll es ein Anreizsystem und mehr Weiterbildungsförderung geben.
Das Wort "Anreize" heißt übersetzt entweder "Dem Esel die Angel mit der Möhre vor der Nase halten, um
weiter reiten zu können" oder "Dem Befolgen Nachdruck zu verleihen (Popotritt)..
 
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Zermürbt38

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Die sind zwar von der Verwaltung autonom und das Gefühl, sich in einer „bedrohlichen“ Mamut-Behörde zu befinden, entfällt eher, die Prozessorganisation und der Service für die „Kund*innen“ (ein widersinniges Wort im SGB-II-Kontext) sind aber keineswegs immer besser.
Wie es woanders aussieht weiß ich nicht, aber in unserem JC (Optionkommune) sehe ich es so nicht. Das ist genauso eine durchtriebene Maummutbehörde und man macht besser einen großen Umweg oder man sagt denen wo der Hase lang läuft. Sonst machen die nur was sie wollen und tanzen einem auf de Nase rum. Glaube mir Optionskommunen sind nicht besser als gE JC.
 

PhilippNixdorf

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Onkel Tom meinte:
Das RKM ist hauptsächlich dazu geboren worden, damit gepeinigte Erwerbslose doch noch ein Frustventiel benutzen können, statt in einer "Totalmistbauerei" getrieben zu werden.. So haben wir das damals in der Erwerbslosenini bewertet und glaube, das es der Sache sehr nahe kommt oder ?

Das KRM ist, so meine Erfahrung, in erster Linie eine Beruhigungspille für „Kund*innen“. Es ist eine Instanz der Service-Suggestion. Der Grundsatz dessen, dass Beschwerden im öffentlichen Dienst oft fff seinen (formlos, fristlos, fruchtlos), trifft auf das KRM oft zu. Trotzdem ist es eine Institution mit klarem Ablaufschema. Darauf war das Wort „professionell“ bezogen.

Völlig fruchtlos ist die Beschwerde im KRM aber insofern nicht, als der/die Vorgesetzte derjenigen Person, über die man sich beschwert, auf die Beschwerde aufmerksam werden. Er/Sie muss sich damit auseinandersetzen. Sowohl die Teamleitungen wie auch die Mitarbeiter*innen haben daher natürlich ein Interesse daran, die Beschwerden im Team gering zu halten.

Wenn ein*e Mitarbeiter*in viele Beschwerden ansammelt, kann das schon Konsequenzen haben. Jedenfalls dann, wenn die Beschwerden als berechtigt gewertet werden. Mit Konsequenzen meine ich keine Kündigung (dafür müsste schon etwas wirklich Extremes passieren), sondern z. B., dass der/die Mitarbeiter*innen geschult wird oder der Zuständigkeitsbereich der Person geändert wird.

Man sollte sich aber nicht der Illusion hingeben, dass JC-Mitarbeiter*innen Angst vor Beschwerden beim KRM haben. Das ist eher nicht so, denn die Teamleitungen haben in aller Regel ein Interesse daran, ihren Leuten den Rücken zu stärken und die Beschwerde als unbegründet zu werten.
 

Onkel Tom

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Das KRM ist, so meine Erfahrung, in erster Linie eine Beruhigungspille für „Kund*innen“. Es ist eine Instanz der Service-Suggestion.
Grünau.. Habe ich das also auch so verstanden, nur mit anderen Sätzen und damit Elos nicht das JC mit der Axt besuchen kommen.

Man sollte sich aber nicht der Illusion hingeben, dass JC-Mitarbeiter*innen Angst vor Beschwerden beim KRM haben.
Richtig.. Genau so unterm Teppich kehrend wie die "Innenrevision" bei Problemen für übergriffige Polizei..

In Extremfällen, würde ich die höchste Karte ausspielen, die jedoch nur dann gelegt werden sollte, wenn nix mehr geht..
Der Eingabenausschuss, der dann auch alles analysiert und übereifrige SBs stoppen kann.
Macht mensch aber besser erst dann, wenn SB,TL und StL gemeinsam Mist bauen und BA-Prüfstelle genau so reagiert..

Als Standard-End-Abwehrmethode ist das nicht zu empfehlen, da bei mehreren Angelegenheiten (dazu anders lösbare) die
Person nicht mehr ernst genommen wird.. :icon_kinn:
 

Ruhrpottmensch

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Ich hatte heute mal wieder ein ganz unverbindliches Gespräch mit dem JC...

Da in diesem Gespräch konkret die Frage kam, ob ich es mit vorstellen können bei der BA anzufangen. 😅
Man war schwer begeistert, dass ich mich informiere, FA lese, in meinen Schreiben mit Textpassagen aus den entsprechenden Paragraphen argumentiere und allgemein den Eindruck vermittle, als sei ich durchaus kompetent für den Laden. Ich hab dann geantwortet, man solle mir doch mal konkret ein Angebot zuschicken. Mal sehen was da kommt...

Um auf die Fragestellung des Threads einzugehen:
Wenn alles stimmen würde, dann warum eigentlich nicht? Und sei es nur mal, die andere Seite vom Schreibtisch kennen zu lernen... 😅
 

Muzel

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Ruhrpottmensch, du musst dich dann, wenn man dich wirklich nimmt, darauf einstellen musst, dass du Gesetze (Sanktionen ) anwenden und aussprechen musst, die du überhaupt nicht leiden kannst.
 

isso

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Ruhrpottmensch, du musst dich dann, wenn man dich wirklich nimmt, darauf einstellen musst, dass du Gesetze (Sanktionen ) anwenden und aussprechen musst, die du überhaupt nicht leiden kannst.
Es gibt noch erhebliche Unterscheide dabei in welcher Abteilung man ist. Die Arbeit in der Leisting ist anders als in der Arbeitsvermittlung in der Rechtsabteilung ist es wieder was anderes. Sicher gibt es überall Situationen und auch Vorgänge, die nicht unbedingt der persönlichen Überzeugung entsprechen, aber eben das gültige Gesetz sind.

Es ist bei Gericht z.B. nicht anders und das sieht man im Moment an dem Kräftemessen in Karlsruhe.
 

Enkomion

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@Ruhrpottmensch. Eine solche Geprächsführung ist mir ebenfalls bekannt. Mit ähnlicher Antwort meinerseits. Ein Angebot kam jedoch nie. Rückblickend geht oder ging es eher darum, ob ich selbst das Wissen habe oder das Dritte vorgeben. Ferner dient sowas zur mentalen Überprüfung des Kunden, ob der noch Befürworter des Systems ist oder schon Widersacher. Mithin dient das dazu, ob der Kunde nicht einer Massnahme für Widersacher zugeführt werden sollte, die es so wirklich gibt. Nunmehr auch vermehrt bei Optionskommunen. Ich will damit nur sagen, erwarte Dir nicht zu viel davon.
@isso. Deine Aufzählung ist nicht vollständig. Es fehlt die Eingangszone.Vielfach ist da auch ein Orientierungsservice für die Erstberatung. Dann ist da auch noch der Bedarfsfeststellungsdienst.
 
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Onkel Tom

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isso hat das Frontoffice verjessen, ejal.. Bedarfsfestellungsdienst ? Han ich noch nie gehört :unsure:

Da in diesem Gespräch konkret die Frage kam, ob ich es mit vorstellen können bei der BA anzufangen.

Und ich dachte, Du bist da schon beschäftigt.. So als Praktikannt etc ?.

Ferner dient sowas zur mentalen Überprüfung des Kunden, ob der noch Befürworter des Systems ist oder schon Widersacher.
Nö, so ein Blödsinn kommt genau so erkenntnisreich rüber wie am Wegesrand ein 2 Euostück zu plazieren, um jemand zu testen,
ob Testperson sich bückt und damit Geldgierig sei.. Das haben SBs meist schon nach 3..5 JC-Terminen raus ob H4-Feind oder nicht..
Ausnahme sind sogenannte "Zwangsumarmung" a la "Macht zu viel Ärger und kaufen wir uns nun, damit seine Energie umkehrend
genutzt wird". Wer da nicht nein sagt ist ein Selbstverräter..
 

isso

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Dann ist da auch noch der Bedarfsfeststellungsdiens
Ich auch nicht, dass nennt sich bei uns Teil der Leistungsabteilung;).
@Enkomion Natürlich gäbe es dann auch noch (zumindestvad hoc) Selbstständige, U25, Reha-SB, Fallmanagement, Aussendienst (wobei aktuell eher weniger) Integrationsfachdienst, Rückfordrung, Unterhalt, Ordnungswidrigkeiten, Controlling, Empfang (auch aktuell eher nicht), Qualitätsmanagement, Neukundenteam (NKP), Arbeitgeberservice, Arbeitnehmerorientierte Beratung, Sonderteams für Menschen mit Flüchtlingsbiografie, aus anderen Staaten, Wohnungslose, Bildung- und Teilhabe.

Und, was machen wir jetzt damit?🤷‍♀️ 🤷‍♂️Es zeigt nur noch mehr, dass das JC eben nicht nur aus der Arbeitsvermittlern besteht, die sich übrigens oft gar nicht als Sachbearbeiter angesprochrn fühlen, weil es zwar den Reha Sachbearbeiter oder Sachbearbeiter Leistungsgewährung SGB II gibt, der Terminus Sachbearbeiter Arbeitsvermittlung, fällt aber eher selten.

Ob man da dann aber eben arbeiten kann, möchte oder sollte, dass muss jeder für sich entscheiden, wie in anderen Berufen, wie bei einem Inkasso, als Vetreter, im Callcenter, als z.B. Anwalt im Bereich Strafrecht oder Wirtschaftsspionage, oder Gerichtsvollzieher eben auch (von Politikern reden wir erst gar nicht).
 

Ruhrpottmensch

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@Maddrax
Im Prinzip um das selbe, was auch eine "normale" IFK macht... 😉
Das sind - gefühlt aus meiner Erfahrung - aber oft "SB" die etwas "solidere" LE betreuen (Abgeschlossene Ausbildung, gutes "Vermittlungspotenzial", "Systemtreu" usw.). Zudem scheinen die in der "Arbeitnehmerorientierten Beratung" auch oftmals andere "Voraussetzungen" zu haben. Ich hab z.B. einen studierten Sozialwissenschaftler "bekommen"...

Aber im Prinzip ist es so, wie @isso sagt...

Auch ein JC ist bloß ein Spiegel der Gesellschaft. Da gibt es halt alles mögliche, mit vielen Bezeichnungen und ganz verschiedenen Menschen dahinter....

Und deswegen würde ich das auch nicht prinzipiell ablehnen dort arbeiten zu wollen. Das hat @isso ebenso gut auf den Punkt gebracht... Dann müsste ich so vieles ablehnen. 🤷🏻‍♂️

@Onkel Tom
Die wollten mich damals zur Schulzeit nicht haben. 😅
Jetzt mach ich das nebenbei aus Eigeninteresse. Wenn dabei mal ein bezahlter Job rumspringt... Why not?! 😂
 

PhilippNixdorf

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Arbeitnehmerorientierte Vermittler/Berater sind alle IFK im Bereich Markt & Integration. Also die pAps, die hier im Forum fälschlicherweise oft als Sachbearbeiter (das sind die in der Leistungsabteilung) benannt werden. Es sind diejenigen, die vermittlungstechnisch für erwerbslose und unterbeschäftigte ALG II Beziehende zuständig sind.

Das Pendant dazu sind Arbeitgeberorientierte Vermittler. Das sind die, die als Ansprechpartner*innen für Arbeitgeber*innen fungieren. Die nehmen z. B. Stellenangebote auf, betreuen die und beraten Arbeitgeber*innen zu Fördermöglichkeiten. Zum Ablauf-Prozess und zur Verdeutlichung von Begriffen siehe Das arbeitnehmerorientierte Integrationskonzept der Bundesagentur für Arbeit.
 
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Falkenflug

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Es wurden ehemalige Bundesbahnmitarbeiter, ehemalige Post/ Telekommitarbeiter und sonstige in Crashkursen geschult.
Es gibt kaum noch den Mitarbeiter beim Jobcenter der als Sachbearbeiter mal studiert und entsprechend gebildet ist und auch anständig mit seiner Klientel umgeht.
Man merkt es schon in der Art und Weise, wenn die MA von vorne rein Druck ausüben, ist davon auszugehen, das diese nur einen Crash-Kurs erhielten und unsicher sind mit der Materie und deshalb versuchen die Elo' s gleich zu bügeln und einzufordern.
Außerdem gibt es auch bei den Jobcentern auch MA die nur Einjahresverträge erhalten und diese, möglicherweise nur erfolgsabhängig, Kettenbriefartig weiter verlängert bekommen.
Von daher wäre es so oder so keine Tätigkeit für mich, weil ich auch nicht den ganzen Tag im Büro sitzen kann
 

Ruhrpottmensch

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Das mag alles (früher) mal richtig sein. Gab ja durchaus Zeiten, in denen nicht genug Leute bei der BA arbeiten konnten/sollten/mussten...

Aber die Personaldichte ist auch bei der BA in den letzten Jahren mehr und mehr zurückgegangen. Wie das konkret mit Arbeitsverträgen aussieht, kann ich natürlich nicht sagen. Aber das es zum Großteil "Ungelernte" bzw. nur durch Weiterbildungen o. "Crashkurse" dort tätige AN sind, wage ich dann doch in den Bereich "Urban Legends" einordnen. Zumal das ja im Grunde (Der Job ganz allgemein als "Sachbearbeiter") ja auch kein klassischer Lehrberuf ist. 🤷🏻‍♂️

Ob das alles so in den nächsten Jahren so bleibt, kann man durchaus bezweifeln. Ich persönlich habe durchaus das Gefühl, dass jetzt die Büros bei der BA wieder voller werden. Mit welchen Voraussetzungen dann angestellt wird, wird man sehen....
 

grün_fink

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Man wird dich Ruhrpottmensch schon nicht umsonst gefragt haben, ob du dir das vorstellen kannst. Man rechnet schon mit vielen neuen Arbeitslosen und vielleicht auch mit Verlusten in den eigenen Amtsstuben (Corona, Burnout, Kinderbetreuung und anderes vielleicht auch).

Ich höre das nicht zum ersten mal, dass jemand gefragt wurde, ob er bei der BA arbeiten oder lernen will.
Die Tochter einer früher engeren Bekannten wurde damals dort beraten als Abiturientin zur Berufswahl, die Mutter studierte Juristin (in der DDR studiert), wurde auch gefragt, ob sie gerne bei der AfA lernen oder studieren möchte. Ihr wurde das einfach so angeboten.
 

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Das mag alles (früher) mal richtig sein. Gab ja durchaus Zeiten, in denen nicht genug Leute bei der BA arbeiten konnten/sollten/mussten...
Das ist heute noch so. In unserer Optionskommune beispielsweise gibt es hunderte FM aus fachfremden Berufen. Mit manchen von denen hatte ich in den letzten Jahren bis 2020 auch das Vergnügen. Dabei waren Erzieher, Verkäufer, Krankenschwester, Buchhändler etc. und natürlich Studienanfänger. Mein letzter Fallmanager hatte Augenoptiker gelernt. Ja und das ist kein Witz. Bei der BA hingegen (Agentur für Arbeit, nicht JC) habe ich noch keine ungelernten Kräfte gesehen. Ich kenne dort nur Studierte oder welche die den Ausbildungsberuf Fachangestellter für Arbeitmarktdienstleistungen gelernt haben.
 

Zermürbt38

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Optionskommunen arbeiten im Prinzip nur "im Auftrag" der BA
Unser JC wird keineswegs im Auftrag der BA betrieben. Unsere Kommune ist privat wie viele andere auch.

Das Jobcenter in einer Optionskommune​

In 105 Fällen werden die Jobcenter von der Kommune bzw. dem Landkreis als sogenannten zugelassenen kommunalen Trägern (zkT) allein betrieben. Diese werden auch als Optionskommunen oder Optionskreise bezeichnet. Zum 1. Januar 2012 sind 41 neue zkT hinzugekommen.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Jobcenter
 
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Ruhrpottmensch

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Unsere Kommune ist privat wie viele andere auch.
Na wenn das so ist... Dann wunder es mich nicht, dass bei Euch natürlich die Regeln aus Takkatukkaland gelten... 😂
Aber lassen wir das... Das wäre zu weit ins Land des "Off-Topics" gereist...

@grün_fink
Ja klar... Aus der nächstgroßen Metropole/Großstadt weiß ich konkret, dass seit Herbst 2020 die Suche nach neuen Kräften deutlich intensiviert worden ist. Das ist unter den gegebenen Umständen und der Einsparungen der letzten Jahre auch absolut nachvollziehbar. Da wird die Arbeit bestimmt nicht weniger... ;)

Ob ich das ernsthaft angehen werde und/oder da wirklich Bedarf Seitens der BA ist, werde ich vielleicht ja mal eruieren.
Aber erstmal habe ich noch ein paar andere Baustellen, die vorrangig bearbeitet werden wollen. ;)
(Und da ein Job bei der BA nicht unbedingt der größte Traum ist... 😅)
 

Onkel Tom

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Latürnich hast du davon gehört.......Aussendienst,Tom.
Au waia o_O Da wäre ich bei "Jauch-Wer wird.." glatt an der 500 k Euronen Frage gescheitert.
Warum nicht gleich "Sozialschnüffler" ?

ich auch nicht, dass nennt sich bei uns Teil der Leistungsabteilung
Jo, wenn ein Brief z.B. aus Zimmer 4.xy (vierte Obergeschoss) von der AfA - K.A.Allee-HH im Briefkasten zu finden
ist a la : Bitte kommen Sie am... Grund = Leistungsangelegenheiten, kannst Du echt ein Überrumpelungsfilm (und
dessen Verhinderung) erleben.

Habe ich schon 2x als Begleiter erlebt, wie es dann hieß "Wir haben schon 2 Kollegen zu ihrer Wohnungstür
geschickt und nun werden die zwei (gut durchtrinierten) Herren Sie zu ihrer Wohnung fahren und sie durchsuchen".
Diese Masche wird gern benutzt, wenn sich anders keine "Einstehensgemeinschaft" festigen lässt.
WGs kennen das eventuell.

Jetzt mach ich das nebenbei aus Eigeninteresse. Wenn dabei mal ein bezahlter Job rumspringt... Why not?!
Och, Du enttäuscht mich.. Ich wünsche Dir eine aufschlussreiche "JC-Safari" von 3..6 Monaten und das wir dich
hier dann wieder im alten Boot begrüßen dürfen. :icon_daumen:

Ich rüttel mal am Elfenbeinturm und da sollte man nicht so schreibfaul sein.. "persönlicher Ansprechpartner (pAp)" versteht jede_r ;)

Stellenangebote auf, betreuen die und beraten Arbeitgeber*innen zu Fördermöglichkeiten.
Was ich bei dem ganzen empirischen Auswertungskram vermisse ist "Der Mensch".. Im Bezug Qualitätsmannagment (QM)
ist der Arbeitsuchende immer wieder als eine "Sache" oder wie ein "Werkstück" interpretiert.. Das kann man ja so machen,
wenn es sich tatsächlich um Werkstücke wie z.B. einer Walze in einer Produktionsstätte handeln würde.

Perfide finde ich, das bei dieser ganzen Analytik und dem "Plan Do Check Act" (PDCA-Kreis) im Mobcenter nur die reine
Arbeitskraft, mit ihren "gesundheitlichen Einschränkungen" und "beruflichen Quallifikationen" berücksichtigt wird.
Meines Erachten der größte Irrsinn, der im JC-Organismus praktiziert wird, der sehr menschenverachtend unterfüttert ist.

Charakterstärken und Eigenheiten des arbeitsuchenden Menschen werden ja durch die "Aktivierungs-Maßnahmen" (§ 45 SGB III)
teils sehr schleierhaft "ermittelt" und dem SB serviert. Dies behebt die ignoranz, das es sich anbei um Menschen handelt, jedoch
nicht.
Erkenntnisse daraus werden gern noch dazu genutzt, Elos meist per schwarzer Pädagogik einfacher auf "Hauptsache Arbeit"
zu bringen.. Anbei beklage ich die bislang unbehelligte plüschologische Gewalt, die an Menschen ausgeübt werden.

Breche Willis Wille, dann will Willis Wille des SB Wille willend befolgen.. :(

Nur eine Frage der Zeit, das sich Elos am Fahrkartenschalter das Ticket zum Protest geholt haben und sich das ganze rächt.. :icon_kinn:
Die Deutschen haben es ja etwas zögerlich, über die Hemmschwelle zu hüpfen, hat aber auch schon viel im Bezug "Revolution"
bei getragen.. Die Arbeiterklasse ist mehr und wenn die richtig sauer werden ? Gibt ja was dazu in den Geschichtsbüchern..

Es wurden ehemalige Bundesbahnmitarbeiter, ehemalige Post/ Telekommitarbeiter und sonstige in Crashkursen geschult.
Oh jou.. Erinnere mich noch gut an diese so liebevoll von ihren erfahrenen Kollegen benannten "Teletubbis".
Bei der ELSE-Ini hatten wir auch echte Lach und Krach Geschichten erlebt, wenn wir ein Teletubbi am Start hatten, die man
richtig cool völlig durcheinander bringen und demoralisieren konnte.. :icon_party:

Das gleiche mussten auch "Anschnacker_innen" (Erstgesprächsführende) bei Maßnahmenträger erleben..
Hatten da auch Elos, die so erzählen konnten, das Zuhöher_innen sich das bildlich vorstellen konnten. Ne Elo-Ini ist nicht eine
Schnupftuchparty allein.. Dazu gehört auch Belustigung zu SBs und MTs Bisse auf Granit und auch mal Zeit außerhalb von H4.

Da kommen wir auch wieder auf den Punkt eines anderen Thread zurück.. "Bildet Banden" und helft Euch untereinander..
gemeinsam sind wir stark. Allein dosen sie Dich ein.. ;)
 
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isso

Priv. Nutzer*in
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Habe ich schon 2x als Begleiter erlebt, wie es dann hieß "Wir haben schon 2 Kollegen zu ihrer Wohnungstür
geschickt und nun werden die zwei (gut durchtrinierten) Herren Sie zu ihrer Wohnung fahren und sie durchsuchen".
Diese Masche wird gern benutzt, wenn sich anders keine "Einstehensgemeinschaft" festigen lässt.
WGs kennen das eventuel
Das nennt sich dann Spontanüberprüfung. Die Kunden dürfen es aber ablehnen und ich darf es ihnen auch nicht zu Last legen. Bei einer VuE habe ich es glaube ich noch nicht genutzt, da ging es schon um andere Sachverhalte, wie Anzeigen wegen Schwarzarbeit, Leistungsmissbrauch. Und ich habe auch erlebt, was für fiese Mitmenschen manche Kunden haben. Denn manche Anzeigen sind dann das Ventil für persönliche Befindlichkeiten, ohne auch nur Ansatzweise an die Folgen für den zu denken, der angezeigt wird.

Aktuell finden aber zumindest bei uns keine Spontanüberprüfungen statt. Soweit ich weiß hat unser Außendienst aktuell andere Aufgaben seit Corona.
WGs kennen das eventuell
Da hatte ich heute wieder was tolles. Wir sind nur eine WG (Mann/Frau), ziehen aber gemeinsam einmal quer durch Deutschland in eine neue Wohnung. Kann vorkommen, aber da geht schon so eine Alarmlampe an, da so was dann doch schon eher selten ist.
 
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