Würdet ihr freiwillig beim Jobcenter arbeiten?

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Teebaum

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Ich wiederhole mich:

Hier in diesem Land ist einfach niemand mehr für irgendetwas verantwortlich. Nur noch ausführende Kraft. Doch, weil Ihr seid diese Kraft! Weil, wenn nicht ist man womöglich noch sein Job los und steht auf der Straße. Macht so weiter...immer weiter. Schiebt die Verantwortung immer anderen in die Schuhe. Das der bequemste Weg.

Der Mensch lernt nicht aus seiner Vergangenheit.

"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." Walter Ulbricht am 15. Juni 1961
 
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Muzel

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Für mich stellt sich die Frage, ob man ein Jobangebot beim Arbeitsamt aus Gewissensgründen verweigern sollte, obwohl man es könnte (Art. 4 GG).
 

HermineL

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Hier in diesem Land ist einfach niemand mehr für irgendetwas verantwortlich. Nur noch ausführende Kraft. Doch, weil Ihr seid diese Kraft! Weil, wenn nicht ist man womöglich noch sein Job los und steht auf der Straße. Macht so weiter...immer weiter. Schiebt die Verantwortung immer anderen in die Schuhe. Das der bequemste Weg.
Reflektierst du gelegentlich auch das was du so absonderst ?
Wenn dir alles so zuwider ist dann gehe doch voran und ändere etwas anstatt hier sinnlose Worthülsen rauszuhauen.
 

Teebaum

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Ich reflektiere seit Jahrzehnten. Ich bin mir meiner Verantwortung bewußt und versuche auch zu Handeln, mit allen Nachteilen. Die Masse tut dies aber nicht.
 

HermineL

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Für mich stellt sich die Frage, ob man ein Jobangebot beim Arbeitsamt aus Gewissensgründen verweigern sollte, obwohl man es könnte (Art. 4 GG).
Ich meine für mich ist das kein Thema mehr, weil ich eh nicht mehr kann, aber wenn ich noch in der Lage wäre zu arbeiten würde ich den Teufel tun und so ein Jobangebot ablehnen und das, obwohl ich dafür wahrscheinlich, zumindest für einen Fallmanager, hoffnungslos überqualifiziert wäre.
Dafür gibt es relative simple Gründe wie z. B. das ich eine Familie habe und es mir schlichtweg nicht leisten könnte so etwas abzulehnen. Das können sich vielleicht Alleinstehende erlauben aber niemand mit Familie.
Des Weiteren ist so ein Job für viele, so sie ihn den bekommen könnten, endlich auch wieder eine sinnvolle Beschäftigung und zu guter Letzt bedeutet es raus aus dem stigmatisierenden Harz IV Bezug.
So etwas ablehnen kann nur derjenige der sich diesen Luxus auch leisten kann und der keine Verantwortung für andere hat.

Ich reflektiere seit Jahrzehnten.
Leider ist davon relativ wenig zu merken wenn man sich deine Beiträge in diesem faden ansieht.
 

Teebaum

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Ein System welches auf Erpressung, gegen das GG verstößt und alle Einwohner in diesem Land betrifft, wird dann auch von der überqualifizierten Herminel so hingenommen und Kritik im Keim erstickt. Soso...

Euch geht es allen immer noch viel viel zu gut. Das ist alles!
 

TazD

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Ihr glaubt doch nicht, dass Isso hier freiwillig behilflich....
Das mag dir jetzt vielleicht nicht so ganz passen, aber @isso ist hier nicht der einzige Mitarbeiter einer Behörde.
Mich hat z. Bsp. niemand hierher gezwungen und ja, ich helfe hier ganz freiwillig und das sogar schon seit Jahren.

Du solltest mal ganz dringend einen, eigentlich mindestens zwei, Gänge zurückschalten und nochmal darüber nachdenken, was du gerade den Helfern an den Kopf wirfst, die hier mit einem entsprechenden fachlichen Ausbildungs- oder sogar Studienhintergrund mit Rat & Tat zur Seite stehen.
Soviel Arroganz gegenüber Behördenmitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist hier schon lange nicht mehr durch die Themen gepoltert.
 
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Teebaum

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Vielleicht weil dieses Forum von Behördenmitarbeitern betrieben wird? So bin dann mal im Parkmodus. Studienhintergrund diese Person besitzt also mehr Kompetenzen, da diese seit Jahrzehnte Wissen wiederkäuert?
 

TazD

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Vielleicht weil dieses Forum von Behördenmitarbeitern betrieben wird?
Da kann ich dich beruhigen, dem ist nicht so.

Studienhintergrund diese Person besitzt also mehr Kompetenzen, da er Jahrzehnte Wissen widerkäuert?
Du sprichst in Rätseln. Ist jetzt aber auch egal.

So bin dann mal im Parkmodus.
Ich helfe dir gerne noch und werde dich parken. Moment....
 

HermineL

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Ein System welches auf Erpressung, gegen das GG verstößt und alle Einwohner in diesem Land betrifft, wird dann auch von der überqualifizierten Herminel so hingenommen und Kritik im Keim erstickt. Soso...
Schon in Beitrag #220 hatte ich dich aufgefordert einen Gang runter zu schalten aber mittlerweile hast du dich wirklich auf ganz dünnes Eis begeben und sehr, sehr oft bricht man darauf dann ein.
 

Onkel Tom

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Ich muss mir hier kein Wissen aneignen.
Sehe ich auch so, weil Euch ja dazu eine Wissens-Datenbank (WDB) zur Verfügung steht..

Denke auch das ist Wunschdenken.
Nix mit Wunschdenken.. Ein FM hat weniger Fälle und nimmt sich mehr Zeit für
für die "Fall-Verarbeitung" und Anforderungsprofile in Stellenangeboten dazu sprechen
von "Berufserfahrungen im Sozialbereich etc." So wie 2005 ist es nicht mehr..

Aber es gibt auch Ausnahmen, die die Regel bestätigen..
Naja.. Schweigen von SBs hier dazu im Walde.. Das übliche halt.. :icon_kinn:

Sind ja auch schon lange keine Betriebsgeheimnisse mehr, dank Informationsfreiheits-
gesetz und kleiner Anfragen meist von der Linkspartei oder durch Harrald Thomee..
 
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atasteofbunny

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Ich meine für mich ist das kein Thema mehr, weil ich eh nicht mehr kann, aber wenn ich noch in der Lage wäre zu arbeiten würde ich den Teufel tun und so ein Jobangebot ablehnen und das, obwohl ich dafür wahrscheinlich hoffnungslos überqualifiziert bin.
Dafür gibt es relative simple Gründe wie z. B. das ich eine Familie habe und es mir schlichtweg nicht leisten könnte so etwas abzulehnen. Das können sich vielleicht Alleinstehende erlauben aber niemand mit Familie.
Des Weiteren ist so ein Job für viele, so sie ihn den bekommen könnten, endlich auch wieder eine sinnvolle Beschäftigung und zu guter Letzt bedeutet es raus aus dem stigmatisierenden Harz IV Bezug.
So etwas ablehnen kann nur derjenige der sich diesen Luxus auch leisten kann und der keine Verantwortung für andere hat.
"Sinnvolle" Beschäftigung - na ja. Mir fallen auf Anhieb ca. 50 sinnvollere Tätigkeiten ein, als Leuten VV zuzusenden von Stellen, die es gar nicht gibt, oder Stellen, die höchstens halbwegs passen, oder Stellen, die sie nicht haben wollen. Und dann den Druck der Teamleitung im Nacken - "vermitteln vermitteln vermitteln" - ja, wie denn? (Ich habe keine Erfahrung in dem Bereich, aber so stelle ich es mir vor).
Aber vom Grundsatz hast du natürlich Recht! Wer erwerbslos eine Familie zu versorgen hat, kann nicht wählerisch sein.
 

isso

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Sehe ich auch so, weil Euch ja dazu eine Wissens-Datenbank (WDB) zur Verfügung steht..
Der ist gut, den merke ich mir 🤣

Und dann den Druck der Teamleitung im Nacken - "vermitteln vermitteln vermitteln" - ja, wie denn?
womit wir wieder bei "Das JC besteht nicht nur aus Arbeitsvermittlung" sind.
Erfahrungen im
Sozialbereich etc
In unserem Haus sind nicht alle von Hause aus Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen. Die meisten sind langjährig tätig und durchlaufen, wenn notwendig eine entsprechende Personalentwicklung.
 

atasteofbunny

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womit wir wieder bei "Das JC besteht nicht nur aus Arbeitsvermittlung" sind.
Ich weiß. Aber meines Wissens wird dort am meisten Personal gesucht. Als ich mich noch dafür interessiert hatte (ist allerdings ein paar Jahre her), gab es an Stellenausschreibungen für Externe vor allem für Arbeitsvermittler und für Eingangszonen-Mitarbeiter. Einmal auch eine Stelle in der Personalabteilung (befristet) und eine in der Organisation, die war unbefristet, hätte ich gern gehabt, wurde aber nichts.
 

Realo

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Mir ist bewusst, das viele oder gar die meisten der Mitglieder des Forums schlechte Erfahrungen gemacht haben. Nichtsdestotrotz muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht nur so ist. Ich war vor etwa 4 Jahren einige Monate arbeitslos. In dieser Zeit hat mich das jobcenter zu nichts-aber auch wirklich zu gar nichts-gedrängt. Inzwischen bin ich Erwerbslosen Rentner seit September letzten Jahres. Es geht also auch anders.
 

Onkel Tom

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@isso Mich kannst Du nicht mehr auf "der war gut (lach)" irritieren.. ;)

Wenn Du kein Zugang zur WDB hast, dann spätestens die Widerspruchsstelle.
Ist auch egal.. Bin schon seid Anfang von H4 dabei dagegen zu sein und habe
da auch schon so einige Sitzungen hinter mir, die recht informativ waren etc..

SBs hier beraten, was andere SBs unterlassen haben.. Mehr nicht, aber besser als gar nix (y)

Edit: Habe nicht behauptet, das alle eine Ausbildung entsprechend ihrer Tätigkeit haben oder ?

Ich habe Respekt vor Menschen, die vor anderen Menschen auch Respekt haben
und ich lebe ganz gut damit... Feddisch, hab auch alles dazu gesagt, das die Eingangsfrage
dieses Thread betrifft :)
 
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E

ExUser 69640

Gast
Des Weiteren ist so ein Job für viele, so sie ihn den bekommen könnten, endlich auch wieder eine sinnvolle Beschäftigung und zu guter Letzt bedeutet es raus aus dem stigmatisierenden Harz IV Bezug.
So etwas ablehnen kann nur derjenige der sich diesen Luxus auch leisten kann und der keine Verantwortung für andere hat.
Ich bin nicht im Harz4 Bezug, aber wäre ich es und man würde mir eine solche Stelle anbieten, ich würde dankend ablehnen. Ich war in einer Behörde angestellt und habe nach fast 10 Jahren dort fristlos gekündigt, der Versuch in einer anderen Behörde unter zu kommen ist dann ebenfalls von mir gekündigt worden, diesmal auf ärztlichen Rat. Ich werde nie wieder in einer Behörde arbeiten da diese die Rechte der Menschen mit Füßen tritt und die eigenen Mitarbeiter krank macht.

Ich bin froh das ich da noch den Absprung geschafft habe, gesundheitlich wird es langsam wieder...aber es dauert. Inzwischen habe ich nach einem Jahr ALG 1 Bezug und einer Fortbildung wieder einen Job.
 

Antik 63

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Ich finde Ihre Art wie Sie sich hier mit Smilys und ähnlichen präsentieren nicht gerade angemessen.
Und ich finde deine Beiträge nicht angemessen,solche schäbigen Smileys gibt's garnicht die ich dir gerne dafür geben möchte.

Das Sie überhaupt in diesem Forum aktiv sind, zeugt ja von Wissen aneignen womöglich gegen Querulanten etc. Sie sind abgesichert, von daher alles gute.
Und das ist ganz toll das @isso hier im Forum aktiv ist und den Usern hilft und das macht @isso wirklich sehr gut einfach Klasse :D :icon_daumen:
 

Stauer

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Ich bekomme anbei aus Prinzipien Bauchschmerzen.. Das ist das, was mich verärgert..
Ach so, Inge Hannemann ist jetzt bei RTL. Kein Wunder, daß ich das nicht mitbekommen habe. Ich sehe nie den doofen Sender, wegen der vielen Klischees, die da verbreitet werden. Und da gibt sie jetzt Kommentare ab?
Kein Wunder, daß Du Dich darüber ärgerst. Was ist nur aus ihr geworden? Was hat man ihr angetan? Wie kann sich ein Mensch so verändern?
Keine Sorge, ich werde auch weiter nerven, da ich mit diesem System nicht mehr einverstanden bin und jeder welcher wegen egoistischen persönlichen Interesse meint, es ohne Widerstand und Gegenwehr, auch innerhalb der Berhörden stillschweigend am Leben zu erhalten, muss halt den Pöbel ertragen.
Ich bin auch gegen dieses System, gar keine Frage. Ich sehe jedoch keinerlei Veranlassung solche Leute nur vollzupöbeln. So leicht kommen die mir nicht davon. Ich sehe keine Problemlösung mit Pöbelei.
Hunde die bellen, beißen nicht.
Mit den SB's kann man auch anders umgehen. Eiskalt und sachlich. Wenn es die Situation erlaubt, auch höflich. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch zurück.
Ich aber will, daß die sich benehmen. Schließlich ist das ja ein Büro, in einer Behörde und da gehe ich davon aus, daß ein SB selber weiß, wie man sich da vehält. Wenn ein SB mich morgens bestellt, gibt es ein Guten morgen als Begrüßung von mir und die Resonanz gibt mir schon erste Rückschlüsse, in welcher Verfassung der SB gerade ist.
Im übrigen, würde ich hier einen meiner eigenen Fälle oder Fälle meines Jobcenters erkennen würde ich mich heraushalten aus den Diskussion. Gleiches mache ich bei solchen zum JC an meinem Wohnort.
Das rechne ich Dir hoch an.
Du meinst bestimmt das Lohnabstandsgebot, eine gesetzliche Regelung, die nur bis zum 31. Dezember 2010 Gültigkeit hatte ...
Ja, genau das meinte ich. Vielen Dank für die Korrektur.
Seit dem ist alles so sinnlos geworden. Man fühlt sich nur noch betrogen. Da rackert man sich ab und hat trotzdem das JC nicht aus den Füßen. Das regt mich tierisch auf.
Wenn ich im JC arbeiten würde, stünde ich mit einem Bein im Knast. Früher oder später gäbe es eine Eskalation. Spätestens, wenn sich einer darüber amüsiert, wenn wieder jemand obdachlos geworden ist. Einst war ich selber obdachlos und weiß, wie leicht man da sein Leben verlieren kann. Für mich hat jeder Mensch seinen Wert.
Die Würde des Menschen existiert bei mir noch.
Einen PC-Kurs haben die mir verweigert. Erst habe ich mich geärgert, aber es schützt mich, das "in ihrem Alter sowieso nicht". Welch' Ironie in manchen Handlungen doch steckt.
 

isso

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@isso Mich kannst Du nicht mehr auf "der war gut (lach)" irritieren.. ;)
Ich habe das tatsächlich nicht als Provokation gemeint, sondern, es kam grundehrlich und platt bei mir an und ich musste musst schmunzeln, weil es in manchen Fällen ja stimnen könnte. Ich muss aber gestehen ich die WDB eher weniger nutze.


Edit: Habe nicht behauptet, das alle eine Ausbildung entsprechend ihrer Tätigkeit haben oder ?
Das hatte ich persönlich nicht aufgefasst, sondern, dass Fallmanager und nur darauf bezog sich die Antwort, es wünschenswerter Weise sollten (was z.B. Inhalte der sozialen Arbeit angehen).
 

Liane17

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Ja, bin Akademikerin und habe mich x-mal beim Jobcenter beworben. Die haben mich aber nicht eingestellt. Ist ja öffentlicher Dienst. Das ist sicher, wenn es nicht gerade befristet ist.
 

PhilippNixdorf

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Hallo zusammen,

ich war mehrere Jahre lang als Arbeitsvermittler, Integrationsberater und auch Fallmanager in mehreren Jobcentern tätig. Ich berate noch immer ehrenamtlich Erwerbslose bei Problemen mit dem JC und forsche auch zur Arbeit des JC. Ich habe hier in diesem Forum jetzt aber über ein Jahr lang nichts geschrieben, weil ich im Februar 2020 gesperrt wurde.

Ich konnte mir die Sperrung nicht erklären (es gab keinerlei Begründung) und fand sie bemerkenswert, da ich davon ausgegangen war, dass der Austausch in einem Diskussionsforum es beinhaltet, Aussagen zu akzeptieren, die man selbst nicht teilt, sofern sie sachlich vorgetragen werde. Da das in Bezug auf meine Beiträge offensichtlich nicht so gesehen wurde, habe ich auf die Postings zu meinen Aussagen zur Arbeit im JC, die seit Ende Februar 2020 hier eingingen, nicht reagieren können.

Ein Foren-User machte mich heute Morgen per E-Mail allerdings darauf aufmerksam, dass mein Profil jetzt nicht mehr gesperrt ist. Den Grund dafür kenne ich nicht. Ich weiß also nicht, ob das Absicht oder ein Versehen ist. Da ich aber immer wieder von Menschen angeschrieben werde, die über 1 Jahr alte Kommentare von mir im Elo-Forum gelesen haben, die eine Frage oder ein Problem zum JC haben, will ich es hier mit dem Schreiben nun gerne nochmal versuchen. Sollte es zu einer erneuten Sperrung (und dann doch wieder Ent-Sperrung) kommen, verspreche ich allerdings, mich dann endgültig auf Dauer von diesem Forum fernzuhalten. Damit ist dann schließlich klar, was Sache ist.

Ich werde in den kommenden Tagen gerne ein paar der alten (und neuen) Fragen zur Arbeit im JC aufgreifen. Anfangen möchte ich damit, dass ich auf einiges von dem eingehe, was der User „Zeitkind“ schrieb.

@Zeitkind: Normalerweise schreibe ich in Foren immer „du“, aber da Sie beim Antworten auf meine Postings das „Sie“ gewählt haben, nutze ich nun eben das, da es Ihnen scheinbar eher zusagt. Eine wichtige Anmerkung dazu vorab: Ich greife Ihre Zitate, die Sie auf meinem DGSF-Profil fanden, nachfolgend auf und erläutere, was ich damit meine. Ich tue das, weil Sie dies zitiert haben. Selbst werde ich hier nicht auf meine Website oder sonstige Web-Präsenzen von mir verweisen.

Sie (Zeitkind) haben geschrieben, dass ich ein unmittelbarer Profiteur der gesellschaftlichen Verwerfungen wäre. Ich verstehe absolut nicht, was Sie damit meinen. Ist das bezogen darauf, dass ich im Jobcenter gearbeitet habe und so mein Geld verdient habe? Wenn ja, sehe ich das nicht als illegitim an, zumal der Großteil meines beruflichen Tuns die Organisation von Hilfe für Erwerbslose war. Ich kann gut mit dem leben, wie ich im JC gearbeitet habe.

Mit meinen Dienstleistungen als Coach und Berater, auf die Sie verlinkt haben, richtet ich mich in erster Linie an Selbstzahler, nicht an Arbeitslose. Meine Kund*innen kommen primär aus der öffentlichen Verwaltung und aus KMU der Bau- und Chemie-Industrie. Erwerbslose würde ich auch coachen, aber da ich keine AVGS annehme, könnten diese die Kosten dafür gar nicht aufbringen. Insofern bin ich sicher kein Profiteur der von Ihnen gesehenen sozialstaatlichen Verwerfungen.

Zeitkind meinte:
Beeindruckend ist immer wieder der Verweis auf eigene Verantwortung, ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Abhängigkeiten, auf welche diejenigen, die zur Verantwortung gezogen werden sollen, so garkeinen Einfluß haben.

Ich verstehe nicht, inwieweit das Nicht-Einfluss-Haben (auf was genau?) einen selbst davon entbindet, aktiv zu sein und Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Es gibt vieles im Leben, auf das ich keinen Einfluss habe, etwa in Sachen Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Meine Überzeugung ist aber, dass es falsch wäre, deshalb in eine Haltung im Sinne von „Ich kann ja doch nichts machen“ zu verfallen. Ich muss an dem ansetzen, was ich beeinflussen kann. Das ist mein eigenes Denken und Handeln. Das Wissen darum, dass mein individueller Einflussbereich beschränkt ist, entbindet mich nicht davon, selbst Verantwortung für mich übernehme. Die Umstände (z. B. Armut und Diskriminierung) beschränken die eigenen Möglichkeiten, sie unterminieren diese aber doch nicht völlig.

Zeitkind meinte:
Solchen Menschen spreche ich die ersten drei Silben des Wortes Sozialwissenschaftler gerne ab, wenn sie nicht vehement auch Ursachen publizieren.

Sie können mir absprechen, was immer sie wollen. Das ist ihnen unbenommen. Sie sollten aber eben auch zur Kenntnis nehmen, dass die Sozialwissenschaften ein weites Feld sind. Unterschiedliche Wissenschaftler*innen legen unterschiedliche Schwerpunkte. Zum Glück, denn dadurch gibt es viele Sichtweisen, die sich gegenseitig befruchten und so neue Erkenntnisse bringen können.

Manche Wissenschaftler*innen schauen eher auf die makrosoziologischen Grundlagen für ein bestimmtes Handeln oder Nicht-Handeln von Menschen. Sie erforschen etwa, welche politischen Entscheidungen sich weshalb auf die Armutsquote auswirken und inwieweit bestimmte Strukturen menschliches Handeln beeinflussen. Der Blick ist hier eher allgemein als speziell.

Andere Sozialwissenschaftler*innen (wie ich) interessieren sich primär für das persönliche Erleben und das individuelle Handeln der von Armut Betroffenen. Der Blick ist hier sehr spezifisch. Diese Leute forschen zumeist mittels Interviews und teilnehmender Beobachtung. Ihr Fokus ist nicht so sehr die Eruierung dessen, welche Strukturen und Verhältnisse wie auf die Menschen gewirkt haben, sondern das möglichst konkrete, detaillierte Beschreiben dessen, wie Menschen damit umgehen.

Der Vorteil des erstgenannten Vorgehens ist, dass man dadurch komplexe Ursache-Wirkung-Zusammenhänge erschließen kann. Der Nachteil ist, dass alles eher allgemein bleibt. Der Vorteil des letztgenannten Vorgehens ist die Detail-Dichte, die sich aus der Beobachtung und Beschreibung einer kleinen Gruppe von Menschen ergibt. Hier kann man viel intensiver fragen und etwa mittels narrativer Interviews, die auch mal 1 ½ Stunden gehen können, weit mehr erfahren über konkrete Handlungen und das innere Erleben von Menschen.

Der Nachteil ist allerdings die mangelnde Repräsentativität. Wenn es darum geht, zu erfahren, wie ganz spezielle Maßnahmen wirken und wie Menschen unten den Bedingungen umgehen, die erstgenannte Sozialwissenschaftler*innen erforschen (die Ursachen publizieren), ist die qualitative Forschung das Mittel der Wahl.

Zeitkind meinte:
... solange die Praxis nicht tiefergehende Ursachen berührt.

Als Coach schaue ich auf die Praxis, d. h. auf die potenzielle Wirkmacht von Individuen. Der Fokus in meiner Coaching-Arbeit mit Klient*innen liegt darauf, zu gucken, worauf diese Menschen Einfluss nehmen können und das dann zu optimieren. Auf die Politik und auf wirtschaftliche Faktoren kann ich - und können Klient*innen - keinen Einfluss nehmen. Es macht daher keinen Sinn, als Coach mit Klient*innen darüber zu philosophieren, was tiefergreifende Ursachen sozialer Ungleichheit im kapitalistischen System sind.

Das vermeintlich ungerechte Wesen des Kapitalismus zu ergründen, ist für meine Kund*innen völlig irrelevant. Warum? Weil die im bestehenden System leben und arbeiten. Die wollen für sich gangbare Strategien erarbeiten, ihre Leistung zu steigern bzw. die Leistung von Mitarbeiter*innen zu steigern. Was Klient*innen von mir erwarten, sind konkrete Hilfen und Reflexionsanregungen. Ich schaue daher individuell und kleinschrittig, was unter den gegebenen Umständen möglich ist und welche Schritte gangbar sind.

In meiner Arbeit als Coach sind die Ursachen für wirtschaftliche oder sozialpolitische Entwicklungen irrelevant. In sozialwissenschaftlichen Veröffentlichungen hingegen gehe ich darauf sehr wohl umfassend ein (das können Sie auch selbst nachlesen, denn ein Text, in dem das beschäftigungsorientierte FM aufgrund dessen kritisiert wird, dass es an der Arbeitsmarktlage nichts ändert, erscheint in der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift Soziale Sicherheit). In meiner Funktion als Coach, die ich auf meiner von Ihnen verlinkten Website anpreise, biete ich aber keine wissenschaftlichen Dienstleistungen an, sondern Coaching-, Beratungs- und Mediationsdienstleistungen. Folgerichtig ist mein Schwerpunkt dort ein anderer.

Zeitkind meinte:
So benannte "undefinierte" Probleme lassen Wahrnehmungseinschränkungen des wirtschaftspolitischen Horizontes erahnen.

In der Tat lassen undefinierte Problem Wahrnehmungsbeschränkungen erahnen. Allerdings nicht nur des wirtschaftspolitischen Horizontes (weshalb mich als Coach niemand aufsuchen würde), sondern generell. Menschen, die ein Coaching wahrnehmen und dafür selbst bezahlen, wünschen sich eine Perspektivenerweiterung. Sie wissen, dass sie ein Problem haben, können oft aber nicht präzisieren, was das Problem genau umfasst. Es ist oft noch „undefiniert“ und wenig konturiert. Das Problem zu konkretisieren, ist eine Grundlage, um zielgerichtet helfen zu können. Das ist mein Job als Coach. Das tue ich. Und das erwarte ich auch, wenn ich selbst Coaching in Anspruch nehme (was ich derzeit übrigens ebenfalls tue, um eigene blinde Flecke zu reflektieren)

Zeitkind meinte:
Scheuklappenbestückte Wissenschaftler greifen gerne relativierend auf Nachteile eines demokratischen Parlamentarismus zurück;

Es wäre nett, wenn Sie näher ausführen würden, was sie mit dem Verweis auf die Nachteile eines demokratischen Parlamentarismus meinen. Ich verstehe das in dem von Ihnen gesetzten Zusammenhang nicht.

Zeitkind meinte:
a das "Positionspapier Hartz IV" nur durch Mitglieder Ihres Vereines einsehbar ist, können nur Sie selbst so versteckte Positionen mit der eigenen vergleichen.

Das habe ich bereits während meiner zweijährigen Ausbildung zum systemischen Berater getan. Als ich in die DGSF eingetreten bin, habe ich mich schließlich ja auch verpflichtet, deren Ethik-Standards in meiner Arbeit umzusetzen. Das tue ich. Ich habe auch einen Aufsatz speziell über die Schwierigkeit verfasst, im Zwangskontext Jobcenter systemisch zu arbeiten. Mit etwas Recherche-Kompetenz finden Sie den auch online.

Zeitkind meinte:
Ihre fragwürdigen Rechtfertigungen können Sie sich als Rädchen der wechselwirkenden Maßnahmeindustrie aber sonstwo hinschieben.

Vielleicht schätze ich Sie falsch ein, aber ich habe den Eindruck, dass in dieser Aussage eine latente Aggression mir gegenüber zum Ausdruck kommt. Wenn dem so ist, ist das natürlich ihr gutes Recht, ich empfinde es für die Diskussion aber als wenig hilfreich. Falls es eine Fehlwahrnehmung ist, bitte ich das zu entschuldigen.

Zeitkind meinte:
Das klingt mehr als unglaubwürdig, wenn Sie die Hilfeersuchen und Sachverhalte der User als Anektoten bezeichnen.

Ich verstehe unter dem Ausdruck Anekdote eine kurze, ich-bezogene Erzählform. Das ist es in meinen Augen, was hier im Forum größtenteils zu finden ist. Werden hier Studienergebnisse rezipiert und ausgewertet. Doch eher selten. Es geht um das eigene Erleben. Aber ich will mich an dem Wort nicht aufhängen. Man kann auch Erfahrungsbericht oder Erlebnisschilderung sagen. Das Wort Anekdote ist jedenfalls meinerseits in keiner Weise negativ konnotiert. In meinem vorletzten Buch zum Thema Bildungsberatung im JC basiert finden sich schließlich auch viele meiner eigenen anekdotischen Schilderungen.

Zeitkind meinte:
Mit Ihrer Hervorhebung einer repräsentativen Mehrheit kann ihnen garnicht daran gelegen sein, der Ihrer Meinung nach "fabulierenden" Minderheit Hilfe zu leisten.

Das Argument erschließt sich mir nicht. Nur weil ich sagen, dass es im Jobcenter meiner Wahrnehmung nach besser läuft, als es hier im Forum suggeriert wird, bedeutet doch nicht, dass ich deshalb kein Interesse daran haben kann, Usern hier im Forum Tipps und Hilfestellung zu geben, wenn sie Probleme haben. Das eine hat doch nichts mit dem anderen zu tun. Ich habe nach wie vor viele Bekannte und Freunde im Jobcenter. Ich weiß, dass die größtenteils eine gute Arbeit leisten. Dennoch kommt es im JC auch mal zu Fehlern und zu nicht serviceorientierten Handlungsweisen. Wenn mich jemand diesbezüglich kontaktiert, helfe ich gerne. Wo ist da der Widerspruch?

Davon unbenommen finde ich es erstaunlich, dass Sie meinen, nach dem Lesen weniger Textstücke von mir beurteilen zu können, woran mir gelegen ist und woran nicht. Sie wissen so gut wie nichts von meiner Biographie, meinen Erfahrungen und meinem Anliegen, Menschen zu helfen. Hätte ich letztgenanntes anliegen nicht, hätte ich wohl kaum Soziale Arbeit studiert. Meine Intention bei der Anmeldung in diesem Forum war und ist es, zu helfen. Ich habe mich zwecks dessen bewusst mir Realnamen angemeldet, weil so sichergestellt ist, dass ich nur solche Tipps poste, hinter denen ich zu 100 Prozent stehen kann, die also niemanden in die "Scheiße" reiten. Eben das passiert meiner Erfahrung nach im Internet nämlich viel zu oft, wenn anonym gepostet wird.

Zeitkind meinte:
Daß die BfA nach § 282 SGB III zur Wirkungsforschung verpflichtet ist, sollte einem Studierten eigentlich bekannt sein.

Auch hier verstehe ich nicht, inwieweit das etwas an meiner Aussage widerlegt. Bitte klären Sie mich darüber auf, was Ihr Verweis auf § 282 SGB III damit zu tun hat, dass mir keine repräsentativen Studien bzgl. der Qualität von MAbE bekannt sind. Ich habe dutzende Studien und Fachbücher zum Themenkomplex Jobcenter und SGB II aus den letzten 10 Jahren gelesen. Ich forsche seit Jahren zur JC-Thematik. Mir ist nur keine repräsentative Studie bekannt, die dezidiert die inhaltliche Qualität von MAbE zum Inhalt hat.

Repräsentativ heißt, dass man aus einer kleinen Stichprobe Aussagen über eine wesentlich größere Menge ableiten kann. In der Praxis heißt das: Ich befrage eine hinreichend große Stichprobe an Menschen, so dass ich dann mathematisch hochrechnen kann, wie sich der erforschte Sachverhalt insgesamt darstellt. Wenn Sie so eine solche Studie kennen, wäre ich Ihnen dankbar, wenn sie mir diese nennen oder auf sie verlinken.

Das, was Sie verlinkt haben, sind keine repräsentativen Studien. Es sind qualitative und journalistische Erhebungen sowie ein Bericht des Bundesrechnungshofes. Zu diesem Bericht ist zu sagen, dass der Bundesrechnungshof darin gar nicht die Qualität der MAbE beleuchtete, worauf ich in dem Textstück einging, das Sie von mir zitiert haben. Vielmehr hat der Bundesrechnungshof im Bericht das Vermittlungs- und Beratungshandeln im Kontext von Maßnahmen, in die Arbeitslose zugewiesen werden, untersucht. Er kam zu folgendem Ergebnis (ich zitiere den BRH-Bericht von 2017, S. 4-5):

„Die Maßnahme war bei 182 von 617 Leistungsberechtigten (29 %) nicht Bestandteil einer auf den Einzelfall bezogenen Eingliederungsstrategie. Darüber hinaus informierten die Jobcenter in 212 der 617 Fälle (34 %) die Leistungsberechtigten vor Maßnahme-Beginn nicht hinreichend über den mit der Zuweisung verfolgten Zweck und die Inhalte der Maßnahme. […] Durch ihr nicht zielgerichtetes Vorgehen und die mangelnde Rücksichtnahme auf die Belange der Leistungsberechtigten haben die Jobcenter in einem erheblichen Teil der geprüften Fälle deren unverzügliche Eingliederung nicht gefördert, sondern sogar gefährdet.“

Tätigt man eine Internet-Recherche, finden sich diverse Erlebnisberichte von Kunden, die darlegen, wie sie in Jobcenter-Maßnahmen spazieren gingen, sich Videos ansahen, puzzelten, Spiele spielten oder in einem Trainingssupermarkt „geparkt“ wurden, in dem ohne Kunden, dafür aber mit Kunststoffbananen und Spielgeld, agiert wurde. Der Philosoph Thomas Mahler etwa schreibt in seinem „Hartz IV“-Erlebnisbuch In der Schlange (2011, S. 121 ff.), dass er während seiner Arbeitslosigkeit vom Jobcenter zu einer Maßnahme von 120 Stunden zugewiesen wurde, dessen Inhalt in keiner Weise auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden zugeschnitten war und sich überdies in wenigen Stunden hätte vermitteln lassen können.

Darüber hinaus berichten „Kunden“ sogar davon, dass eine Maßnahme ihnen beim Verfassen von Bewerbungen nicht nur nicht geholfen habe, sondern das eigene Selbstvertrauen gar weiter unterminiert habe. Das sind aber - und darauf habe ich mich bezogen - keine repräsentativen Studien, sondern anekdotische Berichte. Das ist auch kein Wunder, denn repräsentative Studien sind aufwändig und teuer. Das IAB leistet zwar viel lesenswerte Forschungsarbeit, indes wird seitens des IAB längst nicht immer repräsentativ/quantitativ geforscht, sondern mitunter qualitativ (was genauso wichtig ist).

Ich hatte mich vor einem Jahr auch beim JC auf eine Stellenausschreibung hin gefundene Stelle beworben.Weniger deswegen, weil diese Arbeit meine absolute Wunschstelle wäre, sondern eher, weil ich ganz egoistisch dachte, dass ich es gut fände, die letzten Jahre bis zur Rente ein sicheres Auskommen zu haben.

Lange habe ich keine Antwort bekommen, dann irgendwann eine Ablehnung. Wenn ich mir meine Vita so angucke, wundert mich das auch nicht so sehr. Pädagogik, Deeskalationsstrategien und Beratungskompetenz ja, aber null Verwaltungskrams und keine herausragenden Computerkenntnisse.

Ich selbst habe auch ein pädagogisches Studium + diverse Kommunikationsweiterbildungen (inkl. Mediationsausbildung). Das ist tatsächlich das typische Profil von vielen Bewerber*innen auf JC-Stellen. Ich hatte auch diverse Absagen auf meine Bewerbungen erhalten, bevor es dann geklappt hat. Mitunter gibt nicht die genaue Sichtung der Unterlagen den Ausschlag dafür, ob man eingeladen wird, sondern die Menge an Bewerbungen, die im JC auf eine Vakanz eingehen.

Ich war mal im Büro meines Bereichsleiters, da hatte er zwei hohe Türme mit Bewerbungsmappen vor sich. Er erklärte mir dann, dass er nur einen Bruchteil der eingegangenen Bewerbungen wirklich gelesen habe. Nachdem er passende Kandidaten zwecks Einladung gefunden hatte, wurde der Rest der Mappen gar nicht mehr weiter gesichtet. Ich weiß natürlich nicht, ob das flächendeckend so passiert, aber da ich selbst während des Studiums in einer Personalabteilung gearbeitet habe (wo es auch so lief), kann ich mir das gut vorstellen.

Ein anderes Mal erklärte mir meine Teamleiterin, dass sich für eine Fallmanagement-Stelle über 150 Leute beworben hatten. Da ist es klar, dass die meisten eine Absage erhalten, wenn nur 7-8 zum VG eingeladen und dann nur 1 Person genommen wird. Da trifft es selbst Leute mit Top Noten und Weiterbildungen, denen abgesagt wird, auch wenn sie formal passen würden.

Fehlende Computer-Kenntnisse sind übrigend absolut kein Problem im JC. Man bekommt die Basics (eAkte, VerBIS, CoSach, ATV) dort in Schulungen beigebracht. Ich hatte so einige Kolleginnen, die hätten nicht mal einen Serienbrief in Word erstellen oder die Schrift anders formatieren können. Die EDV-Cracks gehen eher selten ins JC.

Ich glaube, ich hätte ständig ein schlechtes Gewissen in dem Job. Weil ich nicht genug Zeit für den einzelnen "Kunden" habe, weil ich beratungstechnisch an meine Grenzen komme, weil auch Kommunikation erlernt werden will (besonders "aktives Zuhören") usw.. Mich würde mal interessieren, welche Fortbildungen SB's so machen können. Was bietet der AG an?

Wie viel Zeit man für einzelne Kund*innen hat, hängt extrem von der Lage des JC, der Führungskraft und der eigenen Organisationsfähigkeit ab. In meinem letzten JC war die Erwartung der Führungsriege, dass bei 39 Std./W. mindestens 30 terminierte Gespräche mit Kund*innen stattfinden sollten. Das bekommt man gut hin, wenn man sich 1 Std. für jedes Gespräch blockt. Die meisten Gespräche sind wesentlich kürzer (typisches 20 Minuten-Gespräch: Wie gehts? Gibts was Neues? Stellensuchlauf, Ausdruck 3 VVs, Wie wärs mit der Maßnahme XYZ? EinV erneuern, fertig). Manche Gespräche sind viel kürzer, einige wenige dauern mal über eine Stunde. Ich selbst hatte immer hinreichend Zeit für meine Kund*innen.

Was die Weiterbildungsmöglichkeiten angeht, kann ich die BA nicht wirklich kritisieren. Die bietet so einiges. Angefangen bei der ca. 100 std. BeKo-Grundschulung bis hin zu diversen mehrtägigen bis mehrmonatigen Weiterbildungen in systemischem Coaching, Konfliktdeeskalation etc., die man an den Weiterbildungsakademien der BA besuchen kann. Auch ist es möglich, Kurse bei externen Anbietern finanziert zu bekommen (z. B. eine 2-jährige systemische Weiterbildung). Es kommt diesbezüglich aber massiv auf das eigene Engagement (immer wieder nachhaken!) und auch die Führungskraft an (manche sind deutlich förderungswilliger als andere).

Es ist zudem auch kein Problem, Bildungsurlaube genehmigt zu bekommen. Die Bereitschaft der JC-Mitarbeiter, sich weiterzubilden, ist vermutlich nicht größer oder geringer als in anderen Branchen. Jüngere bilden sich in der Regel öfter weiter, ist mein Eindruck. Manche JC bieten auch die Möglichkeit der kollegialen Beratung und/oder Supervision. Hier sind Optionskommunen oft sogar fortschrittlicher als die BA. Ein echtes Coaching, in dem individuell bestimmte Probleme/Belastungen besprochen werden können, gibt es in der BA leider nur ab TE III. Als IFK/FM/pAp/SB ist mal auf TE IV und kommt nicht in diesen Genuss.
 
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isso

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Ein echtes Coaching, in dem individuell bestimmte Probleme/Belastungen besprochen werden können, gibt es in der BA leider nur ab TE III
Ist nicht mehr aktuell zumindest nicht allgemein. Bei uns im Haus steht das unabhängig der Tätigkeitsebene zur Verfügung. (Kann natürlich die Ausnahme sein).

Das Pendant zur BEKO ist in den anderen Abteilung (Rückforderung, SGG, Owig, Leistung) die LRB Schulung (Leistungsrechtliche Beratung) in ähnlichem Umfang plus Transferphasen und Arbeitsplatzbegleitung.

Ansonsten kann ich vielem von @PhilippNixdorf schon zustimmen. Es gibt sehr komplexe aber wissenschaftlich relevante und interessante Themen. Es ist aber auch kein unproblematisches Feld. Da je nachdem womit man sich konkret befasst die Vorgänge sehr komplex werden können, auch oder gerade dann, wenn man die über Deutschland hinaus diskutiert.
 

PhilippNixdorf

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@isso
Danke für die Info! Ich bin seit 2018 nicht mehr bei der BA, also diesbezüglich nicht mehr ganz up to date. :)

Denke auch das ist Wunschdenken. Zumindest wenn ich mir das JC, eine Optionskommune, hier vor Ort anschaue. Da werden Fallmanager aus fachfremden Bereichen der Verwaltung oder aus der Wirtschaft in einem dreimonatigen Crashkurs zu Fallmanager gemacht. Fachlich Qualifikation dafür ist eine Ausnahme. Da ist man schon richtig froh wenn man mal einen erwischt der auch wirklich Ahnung von der Materie hat.
Das kommt wirklich total auf den Standort und demzufolge die lokale Arbeitsmarktlage an. Kleine Optionskommunen haben oft eben das Problem, dass sich dort selten(er) die bestqualifizerten Leute bewerben, weil die ganz andere Möglichkeiten haben. Zudem verdienen die Fallmanager*innen in Optionskommunen (meist TVÖD 9c oder SuE 11-12) in der Regel weit weniger als die BA-Fallmanager (TE IV + FS2).

In einer Optionskommune, wo ich als FM tätig war, war ein sozialwissenschaftliches oder sozialpädagogisches Studium die Voraussetzung für die Einstellung. In der BA, wo ich danach dann tätig war, ist irgendein Studium oder eine vergleichbare Qualifikation auf DQR-Level 6 (egal welche Richtung) die Voraussetzung, um eine FM-Stelle zu erhalten, wobei in der Praxis klar diejenigen mit sozialpädagogischer Qualifikation für FM-Stellen bevorzugt werden. In aller Regel werden FM-Stellen in der BA (also in gE-Jobcenter) aber ohnehin intern besetzt und gar nicht extern ausgeschrieben.

Die meisten FM, die ich kenne, haben einen Studienabschluss, oft auch Weiterbildungen z. B. in Case Management (DGCC) oder in (systemischer) Beratung. Vor 15 Jahren war es in der Tat noch öfter so, dass FM-Stellen "fachfremd" besetzt wurden. Das lag damals u. a. daran, dass es 2005 noch diverse verbeamtete Personen mit relativ hohem Vergütungsanspruch gab, welche die Kommunen bzw. die BA unterbringen musste. Aber auch die sind oder gehen in Pension. Bei der Nachfolge wird in der Regel dann schon deutlich mehr auf die Qualifikation geschaut.

Das schließt indes nicht aus, dass es - wie überall - auch im Jobcenter Fallmanager*innen gibt, die für ihre komplexe Arbeit nicht hinreichend qualifiziert und/oder von ihrer Persönlichkeit eher wenig geeignet dafür sind. Es sind primär Konflikte mit solchen Personen, auf die dann hier im Forum aufmerksam gemacht wird, denke ich. Davon sollte aber nicht generell negativ aufs FM geschlossen werden, finde ich. Es gibt wirklich engagierte Mitarbeiter*innen dort, denen es ein echtes Anliegen ist, zu helfen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen bewirken nur eben, dass diese Hilfe auch als Übergriffkeit erlebt werden kann. Es gibt Licht und Schatten im JC-FM.
 
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