Wo kann ich eine Meldeadresse für einen Bekannten bei Obdachlosigkeit erhalten?

Besucher und registrierte Nutzer in diesem Thema...

Status

Dieses Thema ist geschlossen.
Geschlossene Themen können, müssen aber nicht, veraltete oder unrichtige Informationen enthalten.
Bitte erkundige dich im Forum bevor du eigenes Handeln auf Information aus geschlossenen Themen aufbaust.

Themenstarter können ihre Themen erneut öffnen lassen indem sie sich hier melden...

kmaier

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
11 März 2017
Beiträge
18
Bewertungen
3
Einen freundlichen Gruß in die Runde,

ich komme nicht umhin um Euren Rat zu ersuchen und hoffe, dass ich hier im passenden Unterforum bin.

Folgender kurzer Abriss, was geschehen ist:
Ein entfernter Familienteil hat sich nach vielen Jahren gemeldet und klang recht verzweifelt. Er lebte rund 50 KM von mir entfernt in einer Wohngemeinschaft. Er zahlte seinen Mietanteil, die andere Person wohl nicht. Das führte schlussendlich zum Rausschmiss (ganz grob formuliert). Nun kam die Information, dass er wohl in den kommenden Tagen seine Meldeadresse “zwangsabgemeldet“ bekommt (postalisch war er dort aber eh nicht mehr erreichbar). Damit ist er dann nicht nur Obdachlos, sondern auch ohne die eigentlich recht zwingend notwenige Meldeadresse.

Vorläufig hat er hier auf der Couch ein Plätzchen, aber das ist kein dauerhafter Zustand. Er möchte mit der gelaufenen Sache abschließen und daher in die Ortschaft ziehen, in der auch ich wohne. Wir haben daher mündlich beim JC vorgesprochen, was erstaunlich erfreulich verlief. Er konnte bereits ein Mietangebot vorweisen, zu welchem sich das JC auch bereit erklärte, die KdU zu übernehmen. Da deutet sich aber an, dass es wohl an der Schufa-Auskunft scheitern wird.

Hätte der Anlauf mit einer neuen Mietwohnung funktioniert, so hätte er ja direkt diese eintragen lassen können. So sieht es nun aber danach aus, als hätte er demnächst eben keinen gemeldeten Wohnsitz mehr. Das würde die Sache vermutlich deutlich verkomplizieren. Dem Forum habe ich entnommen, dass das Jobcenter wohl entsprechende Listen vorhalten würde. In denen finden sich karikative Einrichtungen finden, die eine Anmeldung ermöglichen würden. Das JC wusste davon nichts und auch die Caritas konnte uns da nicht helfen.

Nun ist guter Rat teuer. Weiß jemand, wie dazu die aktuellen Regelungen aussehen oder wie das beste Vorgehen wäre? Eine Anmeldung in meinem Haushalt ist leider nicht möglich. Auch im Freundes-/Bekanntenkreis wüsste ich niemanden, der sich dazu bereit erklären würde.

Für jedwede Idee bin ich bereits im Vorab dankbar!

Beste Grüße,
kmaier
 

Birt1959

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
18 Juli 2013
Beiträge
1.314
Bewertungen
4.271
Gibt's bei Euch eine Obdachlosen- oder Erwerbsloseninitiative? Dann könnte dein Verwandter da mal fragen, ob er sie als Meldeadresse benennen kann. Ich weiß aus der ehrenamtlichen Arbeit, dass viele dieser Einrichtungen das machen. Meist wollen sie nur, dass man/frau dort täglich nachfragt und ggf. die Post einsammelt.

Ansonsten könnte auch noch bei Einrichtungen der Wohlfahrtsträger oder Pfarreien nachgefragt werden. In meiner Heimatstadt nimmt ein Seniorenstift der Diakonie wohl auch die Post für Obdachlose an. Daneben machen es zwei Pfarreien. Auch da gilt, dass man/frau täglich nachfragt und die Post einsammelt.

Deinem Verwandten viel Glück bei der Wohnungssuche.

Vielleicht würde sich der Vermieter der von dir angesprochenen Wohnung ja auch darauf einlassen, deinem Verwandten die Wohnung zu vermieten, wenn der JC sich schriftlich bereit erklärt, die Miete direkt an den Vermieter zu überweisen. Das machen viele JCs und man kann das formlos beantragen.

Auch müsst ihr unbedingt vom JC euch schriftlich geben lassen, dass es bereit ist, die KdU für diese Wohnung zu übernehmen. Sonst weiß da prinzipiell hinter her keiner mehr was von solchen Zusagen.
 

Cha

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
27 Juni 2006
Beiträge
869
Bewertungen
547
Zuerst muss er den "gewöhnlichen Aufenthalt" im Bereich des örtlichen Jobcenters haben.
Da er ohne Wohnung keine Meldebescheinigung bekommt, muss er ausdrücklich klarstellen, dass er sich an einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Stadt auch tatsächlich aufhält.

Dann muss er "erreichbar" sein im Sinne der Erreichbarkeitsanordnung.
D.h. er muss täglich seine Post abholen können.
Eine private Anschrift wird nicht akzeptiert, es muss eine örtliche Stelle sein (Diakonie/Caritas).

Das JC wusste davon nichts und auch die Caritas konnte uns da nicht helfen.

Autsch, eine solche Unkenntnis ist eher ungewöhnlich.
Hier bei den örtlichen Stellen (JC, Caritas, Diakonie, Obdachlosenberatung) ist das Verfahren bekannt, solche Fälle tauchen immer wieder mal auf.

Fragt nochmal nach!

Die Weisungen, an die sich die meisten JC halten müssen, sagen dazu wörtlich:

"Auch erwerbsfähige Wohnungslose müssen für den Träger erreichbar sein, damit ggfs. eine Eingliederung erfolgen kann. Es bestehen keine Bedenken, die Erreichbarkeit zu bejahen, wenn eine tägliche Vorsprache bei einer Betreuungs- oder Beratungsstelle für Wohnungslose oder einer ähnlichen Stelle .....erfolgt.
…. ist eine Wohnungslose oder ein Wohnungsloser jedenfalls erreichbar, wenn sie oder er an jedem Werktag über eine Betreuungs- oder Beratungsstelle ihre oder seine Post persönlich zur Kenntnis nehmen kann. Zur Unterstützung der verfahrensmäßigen Abwicklung wird ein zentraler Vordruck zur Verfügung gestellt (Anlage 3). Die Nutzung dieses Vordruckes ist nicht zwingend. Solange keine rechtlich inhaltliche Abweichung vorliegt, sind Vordrucke die von den entsprechenden Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden, zu akzeptieren. Eingeschränkte Öffnungszeiten der Betreuungs- oder Beratungsstellen stehen dabei der Erreichbarkeit der wohnungslosen Menschen nicht entgegen."


Quelle: SGB II Fachliche Weisungen § 7 SGB II

Viele Grüße

Cha
 

kmaier

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
11 März 2017
Beiträge
18
Bewertungen
3
Hallo und vielen Dank für die ersten Antworten!

@Birt
Die weiteren möglichen Einrichtungen gehen wir dann wohl nochmals an. Da fehlt es mir schlicht an Erfahrung, welche da zuständig sein könnten (daher einen Dank für mögliche Anlaufstellen). Den reinen Empfang der Post erledigen wir momentan behelfsweise via “c/o xyz“ an meine Adresse. Da ist also gewährleistet, dass es täglich bei ihm ankommt. Ich wollte nur vermeiden, dass demnächst im Ausweis als Adresse ein “ohne festen Wohnsitz“ oder ähnliches steht. Sprich: eine anderweitige gemeldete Anschrift, die sich im Personalausweis eintragen lässt, womit auch die örtliche Zuständigkeit des Jobcenters geklärt ist, ohne große Verrenkungen zu machen.

Bezüglich der schriftlichen Zusage der KdU – die liegt ihm vor (für genau dieses Mietobjekt). Die Abtretung des Mietzinses ist bei dem Vermieter bereits Pflicht (das hatte ich letztes Jahr bei meiner eigenen Wohnung). Der Sachbearbeiter der Immobiliengesellschaft meinte aber, dass drei Einträge wegen Nichtabgabe der Eidesstattlichen in der Zentrale wohl niemals durchgehen würde. Aber das ist ein anderes Projekt.

@Cha
Auch dir einen Dank für die Antwort! Es hilft alles nichts – die in Frage kommenden Stellen werden wir dann abklappern. Das es für das JC in diesem Falle eine örtliche Stelle sein muss, wusste ich nicht. Da kann das direkt abgehakt werden und irgendwelche halbgaren Hinweise aus Freundeskreisen wandern damit direkt in die Runde Ablage.

Die Wichtigkeit der Erreichbarkeit hatte ich mit der betreffenden Person auch durchgesprochen. Hätte er früher dafür gesorgt, dann wäre das eine oder andere Malheur sicherlich nur halb so schlimm ausgefallen.

Beste Grüße,
kmaier
 

Birt1959

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
18 Juli 2013
Beiträge
1.314
Bewertungen
4.271
Hier habe ich einige Tipps zum Thema Obdachlosigkeit versteckt in einem Fortbildungsbrief der Kommunen gefunden. Es beantwortet schon mal, was die diversen Einrichtungen im Umgang mit der Thematik zu beachten haben. Viele SB*innen der JC oder Kommunen sind da eher weniger sensibel. Da hilft es schon, den Herrschaften die entsprechenden Paragrafen oder Urteile an den Kopf schmeißen zu können. Zugleich signalisiert es "Halt, der/die kennt sich etwas aus". Was im Umgang mit Behörden generell nicht schädlich ist.

http://www.vhw.de/fileadmin/user_up...FWS_5_2009_Obdachlosigkeit_D._Stollenwerk.pdf

Wie Cha schon schrieb ist das eher ungewöhnlich, dass Caritas, Diakonie und Co sich mit dem Thema "Zustelladresse" nicht auskennen. Entweder will man es nicht, was wenigstens bei den kirchlichen Wohlfahrtsträgern am Fundament rüttelt, oder der/die entsprechende Antsprechpartner/in hat schlichtweg keine Ahnung. (Was ich eher vermute.) Mehrfaches erneutes Nachfragen bei den einschlägigen Anlaufstellen der Wohlfahrtsträger schadet nicht.

Eine weitere Anlaufstelle für solche Anliegen sind hier die Schuldnerberatungen von Caritas und AWO, die von den Kirchen getragenen Suchtberatungsstelle sowie der SPDi (Sozialpsychiatrischer Dienst). Diese Anlaufstellen gibt es aber leider meist nur in mittleren und großen Kommunen und nicht in Dörfern oder Kleinstädten. Wobei die JC-Mitarbeiter*innen natürlich wissen, für welchen Bereich die Beratungsstellen zuständig sind. Wenn man/frau in einem Weiler mit drei Gehöften, einer Kneipe, Kapelle und Friedhof wohnt, ist es natürlich, dass solche Beratungsstellen sich dort seltener ansiedeln. Denn meist ist die Anbindung an den ÖPNV in so kleinen Ortschaften eher mies und das Kientel hat oft kein Auto, um zur Anlaufstelle zu kommen.
 
Status

Dieses Thema ist geschlossen.
Geschlossene Themen können, müssen aber nicht, veraltete oder unrichtige Informationen enthalten.
Bitte erkundige dich im Forum bevor du eigenes Handeln auf Information aus geschlossenen Themen aufbaust.

Themenstarter können ihre Themen erneut öffnen lassen indem sie sich hier melden...
Oben Unten