Wie sehen die Erfolgschancen auf Erwerbsminderungsente bei hochgradiger Sehbehinderung aus?

Ozymandias1

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Hallo,

ich wollte mal generell fragen wie die Erfolgschance auf eine EM-Rente bei einer hochgradigen Sehbehinderung (unter 5% Visus) aussehen?

Ich bringe gerade ein paar Angelegenheiten für meinen Vater in Ordnung der nach einem Unfall sein gutes Auges verlor, das andere Auge war seit Geburt schlecht.

Es gibt 2 Anträge auf Rehabilitation und Teilhabe die ich umdeuten lassen könnte.

Ansonsten habe ich noch folgende Unterlagen:
Schwerbehindertenausweis 100 GdB, Merkzeichen G, H, B, RF
Gutachten ÄD Agentur für Arbeit: Über 6 Stunden erwerbsfähig
Gutachten PKV Krankentagegeld: Über 50% berufsunfähig
Pflegegutatchen: PG2 (erst seit kürzerem).
Geburt vor 1961 somit käme auch eine teilweise EM-Rente wegen Berufsunfähigkeit in Betracht

Ich halte die Wegefähigkeit für fraglich oder aber auch eine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

§ 43 SGB VI
Voll erwerbsgemindert sind Versicherte, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein. Voll erwerbsgemindert sind auch 1.
Versicherte nach § 1 Satz 1 Nr. 2, die wegen Art oder Schwere der Behinderung nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, und
Tätigkeiten, die zu ihrer Ausübung einer blindentechnischen Grundausbildung und regelmäßig auch einer Unterstützung durch technische Zusatzgeräte bedürfen, können nicht mehr als Erwerbstätigkeiten unter den üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes angesehen werden.
LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 28.06.2012 - L 13 R 1810/11


Von der DRV wurden Hilfsmittel für die Arbeit am PC bewilligt. Damit ist zwar eine private Benutzung einigermaßen möglich, aber kein professionelles Arbeiten.
Vom Augenarzt wurden 40 Stunden blindentechnische Grundausbildung mit Langstock verschrieben, diese wurden aber nicht genutzt. Er war schon vor dem Unfall ein Dickkopf und die schweren Einschränkungen durch den Sehverlust waren nicht einfach zu verkraften.

Ich kratze mich jetzt schon etwas am Kopf, wie man "hilflose" Menschen im Sinne des Schwerbehindertenrechts zur Arbeit schicken will. Deshalb tendiere ich eher zur vollen EM-Rente an Stelle der halben Rente wegen Berufsunfähigkeit.
 

Fox29

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Als was war er denn bisher tätig?
Es gibt viele Sehbeginderte, die ganz normal am Arbeitsleben teilnehmen.
Liegen denn noch andere gesundheitliche Einschränkungen vor?

Wie sieht es denn mit vorzeitiger Rente aus? Gab es da schonmal eine Beratung.
 

ABSW

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Die Infos zu dem Fall deines Vaters sind sehr spärlich.

Ist die Wegefähigkeit nicht gegeben müsste ihm die volle EM-Rente gewährt werden.

Es kann einfach werden oder auch ein langer Weg.

Hat dein Vater vielleicht die Voraussetzungen für die Schwerbehindertenrente?

Die Fragen von Fox29 wurden leider auch nicht beantwortet.

Wegefähigkeit


Die Umdeutung des Rehaantrages kann nur durch die RV erfolgen.
Grundsatz Reha vor Rente
 

Ozymandias1

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1. Im IT-Bereich, also den ganzen Tag am PC.
Es gibt auch viele Blinde die in dem Bereich arbeiten, dafür haben die meisten aber mehrere Jahre trainiert, weil sie von Geburt oder in der Jugend blind wurden.

Meiner Einschätzung erfordert die Arbeit mit den "Hilfsmitteln" eine sehr hohe Konzentration im Vergleich zu davor. Die Formatierung von Geschäftsbriefen ist fast unmöglich ohne "Deppenleerzeichen". Sieht im Geschäftsverkehr halt sehr unprofessionell aus. Im Pflegegutachten steht z.B. auch, dass mundgerechtes Zubereiten der Nahrung nur unselbständig möglich ist. Soll ein erwachsener Mensch in der Betriebskantine von Kollegen gefüttert werden?

2. Die üblichen sonstigen Alterskrankheiten.

3. Die Beratung bei der DRV war sehr oberflächig. Die Altersrente für Schwerbehinderte wäre ca. 10% niedriger. Bei einer teilweisen EM-Rente wegen BU würde es für die Vergangenheit auch noch eine hohe Nachzahlung geben.

Das Hauptproblem ist die Umdeutung des Reha-Antrags in einen Rentenantrag, hier warte ich gerade auf eine Antwort der DRV.
 

Kerstin_K

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Soll ein erwachsener Mensch in der Betriebskantine von Kollegen gefüttert werden?
Mundgerechte Zubereitung heisst nicht anreichen, Gefüttert werden Tiere und vieleicht noch Kleinkinder), sondern zum Beispiel Fleisch kleinschneiden.
Das Hauptproblem ist die Umdeutung des Reha-Antrags in einen Rentenantrag, hier warte ich gerade auf eine Antwort der DRV.
Hat er denn eine Reha gemacht?
Die Formatierung von Geschäftsbriefen ist fast unmöglich ohne "Deppenleerzeichen".
NAtürlich muss man sich da umstelen und das fält im höheren Alter nunmal schwerer. Es gibt Screenreader und es gibt Brallezeilen. um mal die wictigsten Hilfsmittel zu nennen. Wozu man da ein Deppenleerzeichen baucht, erschliesst sich mir nicht.

Ich enne mich da ein kleines bißchen aus, habe ien blinde Freundien und Vollschrift habe ich mir selber beigebracht, lese sie allerdings mit den Augen.

So lange er nicht will und soga das Mobilitätstraining verweigert, geht gar nichts. Ich sage nicht, dass es einfach ist, aer er wird sich entscheiden müssen, ob er den Rest sines Lebens völlig abhängig von anderen sein will, oder ob er sich aufrafft und wenigstens versucht, sich einen letzten Rest Selbständigkeit zu erarbeiten. Ob das dann für eine Berufstätigkeit reicht, sit eine andere Frage.
 
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ABSW

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Bei der EM-Rente gibt es auch einen Rentenabschlag.

Umdeutung, eines Reha-Antrags in einen Antrag auf Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit regelt § 116 Abs. 2 SGB VI:

Der Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben gilt als Antrag auf Rente, wenn Versicherte vermindert erwerbsfähig sind und
-. ein Erfolg von Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben nicht zu erwarten ist oder
-. Leistungen zur medizinischen Rehabilitation oder zur Teilhabe am Arbeitsleben nicht erfolgreich gewesen sind, weil sie die verminderte Erwerbsfähigkeit nicht verhindert haben.
Auch wenn Versicherte keinen EM-Rentenantrag gestellt haben, ist die Rentenversicherung verpflichtet, den Antrag auf Leistungen zur medizinischen Rehabilitation als Antrag auf Rente anzusehen.

Zur Schwerbehndertenrente:

vor 1961 geboren - sagt leider zu wenig aus um den Rentenabschlag zu berechnen.

Wenn Du ein Beratungsgespräch bei der RV hattest, dann wurde doch bestimmt darauf hingewiesen.

Unter folgender Webseite kannst Du es berechnen:
Geburtsdatum u. bei Schwerbehinderung ja eingeben.

Schwerbehindertenrente



Wie bereits gesagt es sind zu wenige Infos.

Hier wäre noch eine hilfreiche Seite zur Sehbehinderung.
Je nach Bundesland ist es unterschiedlich.

Sehbehindertengeld

https://www.amd-netz.de/leben-mit-a...den-und-sehbehindertengeld#sehbehindertengeld


Alles Gute für deinen Vater
 

wheelie

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Moin,

ich schätze, dass beide Wege grundsätzlich möglich sein können- noch einmal versuchen zu arbeiten, oder eben in Rente gehen. Dazu vorab, dass ein enges Familienmitglied meinerseits blind war, ich also über lange Zeit intensiven Einblick in das Leben eines Geburtsblinden- und durch Freunde auch von Späterblindeten- hatte.

Es wird definitiv richtig schwer, noch einmal zu arbeiten, gerade in dem Alter sich noch umzustellen, wird sicher nicht einfach sein, aber den Willen vorausgesetzt, könnte es möglich sein. Es gibt für Sehbehinderte und Blinde alle möglichen Programmunterstützungen, dazu solltet Ihr in jedem Falle einmal den Blindenverein vor Ort kontaktieren. Vieles läuft dann anders als für uns Sehlinge, so dass damit auch wirklich sehr viel möglich ist.
Es ist deshalb schwierig, weil es eben eine Doppelbelastung des Hörens ist- das meiste läuft über Sprachausgabe, insbesondere bei Späterblindeten spielt die Brailleschrift eher keine Rolle mehr- , so dass der Hörsinn sehr belastet wird, auf Dauer evtl überbelastet.

Was die Wege angeht, so gibt es die Möglichkeit, dass er täglich mit dem Taxi zur Arbeit und zurück gefahren wird. Geregelt ist das in der Kfz- Hilfeverordnung, wonach es möglich ist, eine Förderung für ein eigenes KfZ oder einen Transport zu bekommen. Die Höhe des Eigenanteils richtet sich nach der Höhe des Einkommens.

Die Situation in der Kantine wäre sicher erst gewöhnungsbedürftig, aber vermutlich nach kurzer Zeit auch normal- dass eben jemand fix das Essen klein schneidet.

Dies der Vollständigkeit halber, denn viele wissen gar nicht, dass es diesen Weg geben kann.

Den Weg Richtung Rente wird es vermutlich auch geben, es ist aber fraglich, ob das ohne den Versuch einer Reha möglich ist, da hängt sicher auch viel vom Urteil der behandelnden Ärzte ab, er wird aber sicherlich zur Begutachtung bei der Rentenversicherung müssen, und ganz ehrlich würde ich da den Weg der Reha für die größere Chance betrachten, weil er dann aus seinem gewohnten Umfeld einmal weg kommt und die Chance bekommt zu merken, was dennoch alles geht, gerade auch in Bezug auf Hilfsmittel etc, die den Alltag wirklich gravierend erleichtern können.

Auf jeden Fall noch ein Tipp: Schaut mal nach einem Versicherungsältesten in Eurer Gegend, das sind Menschen, die ehrenamtlich in Richtung Rente beraten und das meist wirklich gut machen- und nicht parteiisch sind (Ausnahmen gibt es leider überall, aber ein Versuch ist es definitiv wert).

Viel Erfolg auf dem Weg- wohin er auch immer gehen mag, und ich wünsche dem Vater, dass er sein Schicksal doch noch akzeptieren kann.
 

Ozymandias1

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Danke für die Beiträge.

Ich meinte selbst mit den Hilfsmitteln ist eine korrekte Formatierung von Texten nicht wirklich möglich. Gerade bei Leerzeichen fällt es häufig auf, dass es zu viel oder diese an der falschen Stelle sind.
Beispiel: Hallo , dies ist ein Test .
Gerade in größeren Firmen weiß ja auch nicht jeder, welche Einschränkung ein Mitarbeiter hat und an Kunden sieht es halt nicht professionell aus. Nicht mehr meinte ich damit.

@ABSW
Bei der Renteninformation/Rentenauskunft steht ja immer die Höhe der vollen Erwerbsminderungsrente dabei. Bei diesem Betrag sind die maximal 10,8% in der Regel schon abgezogen. Von diesem Betrag bin ich ausgegangen.

Sehbehindertengeld gibt es in seinem Bundesland nicht. Der Visus ist glaube ich 1% zu hoch für das Blindengeld.

Im Pflegegutachten sind glaube ich 40 Stunden Pflege pro Woche vermerkt worden. Damit halte ich auch keine Reha mehr für sinnvoll oder möglich.

Eigentlich ist nur noch die Frage ob die DRV die Umdeutung in die Wege leitet und ob ich dann für die volle EM-Rente argumentiere oder der teilweisen EM-Rente wegen BU.

Die volle ist natürlich schwieriger zu bekommen.
 

Kerstin_K

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Ihr soltete euch da wirklihc mal beraten lassen. Diese Leerzeichenfehler sind nicht blindentypisch.
Im Pflegegutachten sind glaube ich 40 Stunden Pflege pro Woche vermerkt worden. Damit halte ich auch keine Reha mehr für sinnvoll oder möglich.
DAs sit schlicht eine falsche Annahme. Ich kenne mehrer Prsonen, im E-Rolli mit hohem Pflegegrad, die regelmäßog eine Reha machen um eine Verschlechterung ihres Krankheistbildes zu verhindern.
 

grün_fink

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Ich kannte auch einmal eine blinde Frau länger (die lebt leider nicht mehr), und eine andere relativ kurz.
Letztere war mal auf einer Reha. Dort wurde sie auf das Zurechtkommen mit dem Blindsein trainiert, glaube 3 Wochen sehr intensiv. Es ging da so allgemein darum, wie man lernt, sich ohne Augen zu orientieren im Alltag. Um Beruf und Arbeit ging es da nicht.
Erstere erblindete als junge Frau, sie war total fit und gewöhnte sich daran, studierte auch. Wenn sie etwas brauchte oder wissen musste, fragte sie sehr viel und lachte bei Pannen meistens. Sie wusste immer, wie man ihr helfen kann, und das oft ohne dass sie es erklären musste. Sie muss da auch einmal eine Reha bekommen haben und machte es oft so, wie es gerade passte.
Ich wünsche dem Papa auch, dass er sich mit der neuen Situation gut arrangieren kann.
 

ABSW

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Es ging bei dem Rentenabschlag nicht um die EM-Rente
sondern um die Schwerbehindertenrente.
 

Ozymandias1

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Bei der Schwerbehindertenrente wären es ebenfalls 10,8% Abschlag.
Die EM-Rente wäre ca. 10% höher aufgrund der Zurechungszeit.

Vielleicht reicht es auch nur für die halbe EM wegen BU. Dafür hat die PKV schon ein Gutachten erstellt, als sie das Krankentagegeld eingestellt hat.
 

ABSW

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Das Gutachten der PKV interessiert die Rentenversicherung nicht.
Die Rentenversicherung macht dazu ihre eigene Ermittlungen.
Der Leistungsfall bei der EM-Rente setzt der sozialmedizinische Dienst der RV fest.
Danach würde der Vorgang zu den Juristen der RV weitergeleitet.
 
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