Wie man mit dummen Sprüchen von SBs umgeht (1 Betrachter)

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ExitUser

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Mir kommt bei ihm zwischen den Zeilen viel zu viel "Das hat schon seine Richtigkeit was die da machen." und "Lasst Euch alles gefallen, dann habt Ihr's leichter" durch. Alles schön eingepolstert zwischen gigantischen Textblöcken und viel "Ich find das ja auch nicht toll, aber..."-Blabla.
Seh ich genauso. Nur, wie soll man darauf reagieren? Entweder man setzt sich mit den Fakten (falls vorhanden) auseinander und läßt sich damit auf eine Diskussion ein, oder man ignoriert. Aber wie Frau Wichmann hier so schön schreibt:
Die Rationalität schwimmt auf einer Woge von Emotionen.

Außerdem: Sollen die Worte von Ulrike jetzt auch schon für den kleinen Sachbearbeiter gelten? Kommt mir manchmal so vor.
Das ist ein Problem, und wir sagen, natürlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen, der Typ in der Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch überhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natürlich kann geschossen werden?
 

atasteofbunny

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@ron54: Ich meine jetzt den Erfolg der Arbeitsvermittler im Jobcenter, aus Sicht des Jobcenters. Wenn mich nicht alles täuscht, sollen sie ALG-II-Empfänger in sozialversicherungspflichtige Arbeit bringen, und zwar so viele wie möglich. Und hier frage ich mich: Wie soll das bei der Arbeitsmarktlage gehen??? Bzw., was sagen die Jobcenterleiter zu ihren Mitarbeitern? "Wir haben zwar viermal [eigentlich noch mehr] so viele Erwerbslose wie offene Stellen, aber ihr müsst trotzdem jeden Monat 10 "Kunden" aus der Erwerbslosen-Statistik kriegen!" Es ist ja bekannt, dass nicht nur die Vermittlung in Arbeit, sondern auch das Parken in einer Maßnahme den Erwerbslosen - zumindest zeitweise - aus der Statistik bringt. Aber wieviele Maßnahmen müssen da parallel laufen, damit die vorgegebenen Zahlen halbwegs erreicht werden können? Und was ist, wenn die Maßnahme oder der befristete Arbeitsvertrag endet, dann fängt man doch wieder von vorne an?! Ich stelle mir die Arbeit als Vermittler im Jobcenter sehr frustrierend vor und möchte deswegen gerne wissen, wie die Führungskräfte dort die SB motivieren. Ob sie überhaupt motivieren oder einfach nur Druck ausüben (wobei das sinnlos wäre, wenn das, was erreicht werden soll, objektiv gar nicht erreicht werden kann).

Wär schön, wenn einer von den (ehemaligen) Jobcenter-Mitarbeitern dazu was schreiben mag.

Ich finde es übrigens super, dass Jobcenter-Mitarbeiter/innen hier schreiben, wenn sie versuchen, uns zu helfen! :dank: Schließlich bringen sie noch mal ein ganz anderes Hintergrundwissen ein. Dass sie eher pro Jobcenter eingestellt sind, ist doch klar. Sie können ja trotzdem auch für die Interessen des Erwerbslosen sein. Es gibt ja durchaus ein paar gemeinsame Ziele (angemessen bezahlte Arbeit finden, Geld auszahlen/bekommen, wenig Schreibkram). Ich persönlich habe allerdings auch mehr gute als schlechte Erfahrungen als "Kundin" gemacht.

Grüße
atasteofbunny
 

atasteofbunny

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@nowork Genau. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass hier jede Menge SB schnüffeln. Das wäre ja sehr aufwendig. Und in der Freizeit haben die meisten sicherlich keine Lust dazu. Im Einzelfall mag ein Geschnüffel ja vorkommen, aber so richtig en masse??? Aber gut, fällt unter :glaskugel:
 

Surfing

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Die sog. Vorgesetzten (Teamleiter, Standortleiter ect.) können aber sehr wohl im VERBIS-IT-Programm mitlesen was ihre Mitarbeiter/innen nach den Terminen da eintragen! Eine Kontrolle ist das aber nicht, da es sich um subjektive Meinungen/Einschätzungen der SBs & Vermittler handelt.
 
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Ich hab da noch einen...

Ist schon eine Weile her (vielleicht 1,5 Jahre) und passierte, als ich jemanden zum JC begleitete.

Ich hatte wirklich schon bessere Tage gehabt, und an dem Tag war mit meinen Rückenschmerzen echt keine konstruktive Verhandlung möglich und auch auf (Dro*g*en)Smarties-Bestechung war kein Einlenken zu erzielen. Naja, Ihr kennt solche Tage sicher auch...

Wir hatten Platz genommen, ich holte diverse Unterlagen raus, dank schlecht möglicher Konzentration kramte ich etwas herum. Und der Rückenteufel ließ mich keine 2 Min still sitzen. Herr SB beobachtete mich aus den Augenwinkeln und urteilte: total verpeilt, keine Gefahr.

Beim Thema EGV / Maßnahme lief das Gespräch aus dem Ruder, weil mein Schäfchen brav darauf bestand das Zeugs einzupacken und in Ruhe zu lesen.

Die Reaktion des SB war umfassend: Gegenleistung für ALG ll + Pflicht gegenüber dem Steuerzahler + das unterschreiben alle + (als Bonus für mich) die anderen sind erwachsen und kommen ohne Aufpasser.
Die Lautstärke war sehr beachtlich, die Wortwahl sehr bedenklich und der Inhalt sehr erfunden.

Als sich der Herr SB nach etwa 5 min abreagiert hatte (mein Schäfchen - sorry, es war wirklich eins - saß zusammengekrochen auf der Stuhlkante), sagte ich dem Herren: "Das haben Sie aber gut gemacht, das muss man ja mal noch sagen dürfen. UND geht es Ihnen jetzt besser? "

Ich packte zusammen, verabschiedete mich höflich, bugsierte mein Schäfchen hinaus und teilte dem Herren in der Tür noch mit: " Schon meine Großmutter (Jahrgang 1907) sagte immer, wer schreit hat unrecht. Wenn Sie genug geschrien haben, kommen wir gern zu einem anderen Termin. Den Antrag auf Fahrtkosten schicken Sie Schäfchen bitte zu."

Ich konnte im Umdrehen noch ziemlich fassungslos entgleiste Gesichtzüge sehen.

LG
 
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Nö, ich noch einen

War im Februar auch bei einer Begleitung ins JC. Es ging um ein abgelehntes Jobangebot als Kraftfahrer (Auslieferung + Montage von Möbeln) inklusive Sanktionsandrohung.
Frau SB behauptete, dass der "KUNDE" keinen Grund für die Ablehnung gehabt hätte. Naja, gravierende Rückenprobleme sind natürlich ein Kinkerlitzchen.

Es ging eine Weile sachlich und höflich um die Realtität von Möbelauslieferungen und -montagen, Frau SB hatte ganz offensichtlich keine Ahnung, wusste aber alles viel viel besser.

Dann kam (nach meiner Intervention) endlich das Thema: Feststellung der Erwerbsfähigkeit. Frau SB druckte nach ein paar Mausklicks eine EGV aus, die solche Dinge enthielt wie: Vorlage der vorhandenen Befunde, Vorlage eines ausgefüllten, umfassenden Fragebogens (eyh, das Ding war nicht nur grenzwertig), Röntgenbilder usw. Man wolle sich das man anschauen und dann entscheiden, ob ein Gutachten beim ÄD notwendig ist.

Ich KOCHTE! Innerlich

Außen kühl komplimentierte ich die SB in eine Falle: "Sie sind wirklich eine kompetente und vielseitig gebildete Frau. Sie sind im SGB ll und Verwaltungsrecht fit, Sie kennnen sich im Speditionsrecht - speziell in der schwierigen Materie der Auslieferung und Montage von Möbeln an Privatpersonen - aus, UND Sie haben offensichtlich auch profunde medizinische Kenntnisse. Ich bin beeindruckt!" IRONIE AUS

Ich schob nach: "Aber mal im Ernst, warum arbeitet eine solche Expertin im Jobcenter? Was haben Sie eigentlich tatsächlich für eine Ausbildung und Berufserfahrung?"

Von da an lief alles nach Wunsch :icon_mrgreen:

LG
 

DonOs

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AW: Ich hab da noch einen...

die anderen sind erwachsen und kommen ohne Aufpasser.


Eben drum, da man ja "erwachsen" und nicht "dumm" ist, kommt man ja mit einem Beistand! Ich muss mir das auch immer wieder anhören, Sie sind doch Alt genug, Sie brauchen doch keinen Begleiter und ich sitze dann meist Zwei Drei Leuten selbst gegenüber, ist klar ... .

Ich kann mich dann immer nur wiederholen, daß dies kein Begleiter, sondern mein Beistand ist. Dieser Beistand ist für eventuell späteren Gerichtsverläufen dringend erfoderlich. Dann ist auch meistens Ruhe.
 

TazD

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Es gibt ja auch noch die andere Seite, aber wie hier schonmal erwähnt, muss man auch immer den Menschen und seine Lage verstehen.

Vor einigen Wochen saß eine Frau bei mir und benötigte einen Beratungshilfeschein. Sie erklärte mir ihre Situation und erzählte dann auch von einer Gerichtsverhandlung in einer anderen Angelegenheit, die für sie nicht so zufriedenstellend verlaufen ist.
Just in dem Moment, als ich ihr den Schein ausstellen möchte, sagt sie: "Von der Justiz wird man doch nur vera*scht."
Ich habe zu ihr nur gesagt, dass ich ja auch zur Justiz gehöre, das jetzt aber einfach mal überhört habe.
Thema durch. Ich habe das nicht persönlich genommen und ich konnte ihre Situation ja auch verstehen.
Achja, den Schein hat sie natürlich trotzdem bekommen. :wink::biggrin:

Ich rege mich dann eher auf, wenn ich von Anwälten angepflaumt werde, obwohl ich mich an die aktuelle Rechtsprechung halte, von der die aber noch nichts gehört haben. :icon_stop:
 

Dagegen72

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TazD:

Ich habe zu ihr nur gesagt, dass ich ja auch zur Justiz gehöre, das jetzt aber einfach mal überhört habe.
Thema durch. Ich habe das nicht persönlich genommen und ich konnte ihre Situation ja auch verstehen.
Achja, den Schein hat sie natürlich trotzdem bekommen. :wink::biggrin:
Wieso? Berätst du auch und fällst Urteile oder gibst du lediglich Formulare aus und informierst über die formelle Vorgehensweisè?

on topic:

da fällt mir eine Situation ein.

Wie gesagt, dass man für Einladungstermine Fahrtkosten die Erstattung beantragen kann wusste ich nicht, hat mir auch niemand mitgeteilt. Es kam dann zu einer Situation irgendwann (TL) und zu seinen Gunsten erzählte er mir dann, dass es diese Fahrtkostenerstattung gäbe, aber nur bei Einladung.

Bis dato wurde ich nicht darüber informiert, es kam mir in der Sozial-Geldgeiz-Praxis auch nicht in den Sinn, dass ich das einfordern könnte aber seitdem wusste ich es eben, vergaß es aber gelegentlich zugunsten des JC natürich, einmal habe ich es auch nachträglich eingefordert per cc-mail.

Mal wieder bei einem SB zeitvergeudend platziert kam dann eine Existenzerpresste nochmal kurz rein und forderte dann noch den Antrag für die Fahrtkostenerstattung. Deshalb fiel mir das dann ein und ich verlangte auch nach dem Formular.

der SB: ja, ja - ich sei ja so ein Wunderfitz (so in der Art) da hätte ich was erfahren und schon würde ich es auch wollen (so in der Art)

:icon_surprised:

ich: ne, ich wusste das schon, dass es das gibt.

Aber was ich daraufhin besser hätte sagen sollen:

"ja, von Ihnen bin ich im Rahmen ihrer Auskunfts- und Beratungspflicht ja nicht darüber informiert worden, dass ich einen Ansruch auf Fahrktosten-Erstattung bei Einladungsterminen habe."
 

TazD

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Wieso? Berätst du auch und fällst Urteile oder gibst du lediglich Formulare aus und informierst über die formelle Vorgehensweisè?
In einem gewissen Rahmen berate ich und ich darf auch Beschlüsse fassen.
 

TazD

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@ExitUser
Ich denke schon. Aber einen Absolutheitsanspruch maße ich mir nicht an.

Aber das, was ich ohne Bedenken auch selbst machen würde und was ich mit Gesetz und Rechtsprechung untermauern kann, das gebe ich auch hier gerne als Hilfe weiter.
 
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ExitUser

Gast
atasteofbunny meinte:
...was haben denn du / deine Kollegen dazu gesagt? Habt ihr euch getraut, das mal anzusprechen?
Das haben diverse Kollegen, mit denen ich bei Schulungen und direkt bei der Arbeit Kontakt hatte, durchaus angesprochen. Manche waren sogar sehr engagiert und man merkte wirklich, dass es ihnen eine echte (Herzens)Angelegenheit war, die Arbeits(losen)verwaltung „menschlicher“ aufzuziehen. Ich habe selbst auch diverse Anregungen gemacht, wie es ggfs. anders laufen könnte. Es wurde aber nie irgendwas davon umgesetzt.

Gleichwohl kann ich festhalten, dass in den Schulungen - anders als in der eigentlichen Arbeit - sogar explizit erwünscht war, die Differenz von Anspruch und Wirklichkeit kritisch auszuleuchten. Es wird hier im Forum immer mal wieder behauptet, im Amt seien fast alle Mitarbeiter denktechnisch gleichgeschaltet. Meine Erfahrung ist eine völlig andere. Dass es einen Konflikt von Anspruch und Wirklichkeit im Jobcenter gibt, stimmt!

Das weiß wohl jeder, der sich mit der Materie befasst. Dieser Konflikt resultiert daraus, dass man im Jobcenter selten so arbeiten kann/darf, wie es einem in systemischen Schulungen nahegelegt wird. Die Sache ist nur: Das ist doch bei fast jeder Arbeit so. Theorie (Ideal) und Praxis (Umsetzung) stehen nicht nur im Jobcenter, sondern in ganz vielen Behörden und auch Wirtschaftsunternehmen mitunter in krassem Widerspruch.

In der Theorie heißt es: Seid freundlich, seid Dienstleister, seid erreichbar, seid nachsichtig und erkennt an, dass es viele gute Gründe für abweichendes Verhalten geben kann. In der Theorie heißt es, die Bürger sind „Kunden“. In der Theorie heißt es, Kritik sei erwünscht. In der Realität sind das oftmals aber eher hohle Phrasen, die nur deshalb in Konzeptpapieren stehen, weil es eben gut klingt, so zu reden. Wäre dem nicht so, hätte man jene (Ex)Kollegen, die sich öffentlich sehr kritisch geäußert haben, wohl kaum entlassen/freigestellt bzw. deren Vertrag nicht verlängert.

In der Realität führen Widersprüche, restriktive Gesetzesauslegungen, Controlling-Zwänge, Anspannung, Belastung, Frust und diverse andere Faktoren organisationaler, rechtlicher und personaler Natur oftmals dazu, dass von vielen Mitarbeitern ganz anders gehandelt wird, als es ihnen in Schulungen nahegelegt wurde. Nichts desto trotz sind diese Schulungen gut, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass eine Arbeitslosigkeit ganz unterschiedliche Ursachen haben kann und dass sie ggfs. sogar für die Person bzw. das System einen „Sinn“ (welchen auch immer) haben kann.

Was das Verständnis für sowas angeht, ist es im Jobcenter wie überall sonst auch: Es gibt unterschiedliche Menschen, die unterschiedlich sensibel und unterschiedlich bereit (und/oder kognitiv fähig) sind, sich auf solche Sichtweisen einzulassen. Manche Ex-Kollegen waren eher fordernd, andere fördernd. Bei manchen stimmte die Mischung aus beidem. Andere waren anklagend, beschwichtigend, rationalisierend und was auch immer. (Ich finde diesbezüglich die 4 Kommunikationstypen-Klassifizierungen von Virginia Satir recht hilfreich, bei der es sich freilich auch nur um ein Modell unter vielen handelt.

atasteofbunny meinte:
Dieses Systemische passt doch im Grunde genommen gar nicht zum Jobcenter, da würden Schulungen für Beratungen eher passen, denen ein anderes Menschenbild zugrunde liegt (a la "der Mensch ist faul und muss ständig angetrieben werden", x-y-Managementtheorie z. B.?!
Es gibt ja im Jobcenter beides. Es gibt systemische Schulungen (Motto: Es ist viele möglich), aber ebenso gibt es direktive Schulungen (Motto: Es muss so laufen). Deshalb habe ich ja des Öfteren auch schon dargelegt, dass es, wenn man im Jobcenter arbeiten will, sowas wie Ambiguitätstoleranz braucht, also die Fähigkeit, Widersprüche und unvereinbare Informationen wahrzunehmen und in praktisches Handeln zu übersetzen, ohne an dieser Widersprüchlichkeit zu verzweifeln.

In der Tat stimmt:
Zumeist ist das, was man als pAp/SB/FM im Jobcenter tut, nicht die umfänglich Beratung und nicht das Einnehmen einer multifaktorische Sichtweise, sondern der anklagende, eingegrenzte Blick auf Vermittlungshemmnisse und die Subjektivierung von Schuld. Das deshalb, weil die BA eine möglichst schnelle Integration fordert, die eben am ehesten in Zeitarbeit gelingt, obwohl jeder weiß, dass das nicht nachhaltig ist. (Das muss es aus Sicht des BA-Controllings übrigens auch nicht sein, denn wer im Jahr 4 mal zu einer ZAF vermittelt wird, gilt 4 mal als integriert. Das ist aus Sicht des Controllings 3 mal besser als eine reguläre Integration in dauerhafte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.)

Es stimmt aber auch: Dass diese verkürzte Sichtweise zu Problemen führen kann (mangelnde Nachhaltigkeit, Zwangskontexte ohne Vertrauen, wenig Motivation etc.), wissen ganz viele Mitarbeiter in den Jobcentern. Das wissen auch die Führungskräfte. Zwischen „etwas wissen“ und „danach handeln“ besteht aber bekanntlich ein bedeutender Unterschiedlich. Der resultiert daraus, dass arbeitsmarktpolitische Ideologien und damit korrespondierende Controlling-Kennzahlen ein nicht systemisches Handeln nahelegen, was aber - wie geschildert - nicht ausschließt, dass die Mitarbeiter dennoch über systemische Zusammenhänge informiert sein sollten und das auch werden.

Was das angeht, kommt es einfach auch auf das Führungspersonal im JC an. Es kommt darauf an, inwieweit die Führungsriege vor Ort, die Mitarbeiterschulungen einkauft, an reflektierten Mitarbeitern interessiert ist. Manche Führungskräfte wollen solche Leute, andere nicht. Da kann man meiner Erfahrung nach auch nicht pauschalisieren, ob das nun eher auf Optionskommunen oder die BA zutrifft.

atasteofbunny meinte:
Und was sagen sie (also die "hohen Damen und Herren im Jobcenter") eigentlich zu den Zahlen: 2,7 Mio. Erwerbslose aber nur knapp 600.000 offene Stellen?!
Sie sage offiziell, dass es deutlich mehr offene Stellen gibt, dass die Diskrepanz also weit geringer ausfällt. Sie haben damit vermutlich auch Recht, denn es wird ja nur ein Bruchteil an offenen Stellen überhaupt an die BA gemeldet. Des Weiteren sagen sie, dass es gar nicht darum gehe, jeden „Kunden“ per se in Arbeit zu vermitteln, sondern dass es darum gehe, dass jeder „Kunde“ ständig sein Bemühen um Arbeit nachzuweisen habe, egal wie schlecht die Integrationschancen sind.

Es geht schlichtweg um das Festhalten an der Überzeugung, dass es keine Leistung ohne Gegenleistung geben dürfe, dass ein Leistungsempfänger, wenn er schon nicht arbeitet, also konstant sein Bemühen um Arbeit (durch Bewerbungen und Maßnahmeteilnahmen) nachzuweisen habe. Meine Überzeugung ist, dass es im Jobcenter weniger um Vermittlung in Arbeit, sondern vielmehr um die Kontrolle einer erwarteten und seitens einer Mehrheit aus Politik, Verwaltung & Gesellschaft als genehm empfundene Ich-will-um-jeden-Preis-arbeiten-Mentalität geht.

Wer als „Kunde“ diese Mentalität der totalen Selbst-Vermarktlichung an den Tag legt und bei JC-Terminen immer wieder demonstrativ zur Schau stellt, hat meiner Erfahrung nach zumeist eher wenige Probleme mit den Mitarbeitern im Amt, weil er genau das internalisiert hat bzw. vorspielt, was ALG II Ideologen erwarten. Davon ab gesteht aber wohl jeder JC-Mitarbeiter (einschließlich die Führungskräfte) ein, dass es ganz viele Schrank-„Kunden“ gibt, die niemals in Arbeit kommen werden. Die Top-Führungskräfte, die repräsentative Aufgaben wahrnehmen, die also mit der Presse reden, dürfen das aber so nicht sagen, weil es ein Misserfolgseingeständnis wäre.

Das Problem ist einfach, dass derzeit kaum eine Möglichkeit besteht, dieser Erkenntnis entsprechend zu handeln. Denn das SGB II gibt vor, dass jeder, der SGB II bezieht, dem Grunde nach als nicht dauerhaft nicht-erwerbsfähig zu werten ist. Jeder ALG II Bezieher gilt formal also als in den Arbeitsmarkt integrierbar, obwohl jeder im Amt weiß, dass das völlig absurd ist.

atasteofbunny meinte:
Unter diesen Bedingungen konntet ihr doch als Arbeitsvermittler gar nicht erfolgreich arbeiten - also jemanden tatsächlich in einen passenden Job vermitteln?
Eben das wird ja auch ständig kritisiert: Von Mitarbeitern, von der Presse, vom Bundesrechnungshof und seitens der Wissenschaft. Das ist wahrlich nichts Neues, weshalb es seit jeher Reform- und Re-Reform-Vorschläge gibt. Aber nochmal: Dass in den Jobcentern so gehandelt wird, wie gehandelt wird, liegt zu einem großen Teil an der Dogmatik des SGB II, welches eben keinen Berufsschutz kennt, die Zumutbarkeitsregeln streng vorgibt und explizit festlegt, dass jede Weigerung einer Arbeitsaufnahme oder Maßnahme-Teilnahme ohne wichtigen Grund zu sanktionieren ist.

Das Korsett ist eng. Man hat als Vermittler zwar durchaus immer Spielraum, aber je nachdem, wie extrem die Führungskräfte drauf sind und was die an Kennzahlen abfragen, wird dieser Spielraum mitunter doch ziemlich eng, was dann zu einer Anspannung führt, die auf beiden Schreibtischseiten spürbar ist.

ron54 meinte:
…hast du schon mal darüber nachgedacht bei Inge Hannemann ins Boot zu steigen oder gar die Eigenkündigung in Erwägung gezogen ?
Wie der User P123 schon richtig angemerkt hat, arbeite ich nicht mehr im Jobcenter (und auch nicht bei der Bundesagentur für Arbeit). Von daher würde ich nicht im Traum dran denken, meine jetzige Stelle, die ebenfalls im öffentlichen Dienst angesiedelt ist, zu kündigen. Aber selbst wenn ich noch im Jobcenter arbeiten würde, würde ich meine Stelle dort nie kündigen, ohne eine bessere in Aussicht zu haben. Eben das ist ja auch ein Punkt, den viele hier im Forum nicht verstehen: Ich bin gegen Hartz IV und gegen Sanktionen. Dennoch habe ich als JC-Mitarbeiter ebenfalls Sanktionen ausgesprochen.

Ich unterschied und unterscheide da schlichtweg zwischen meiner Privatmeinung (Sanktionen sind schlecht!) und meinem gesetzlichen Auftrag (sanktioniere bei Pflichtverletzungen). Ich kann etwas nicht gut finden, es aber dennoch tun. Dafür bedarf es meiner Erfahrung nach keiner besonderen psychischen Verrenkungen. Das ist imho völlig normal. Es ist der banalen Erkenntnis geschuldet, dass man sich als Arbeitnehmer, der Geld verdienen will, eben anpassen muss.

Arbeit ist mitunter mühselig und stumpfsinnig (sonst wäre es keine Arbeit). Ich habe die Anpassungsleistung, die nötig war, um ein Einkommen bei der Arbeit im JC zu haben, ohne Probleme erbracht. Es gibt heute über 130.000 Mitarbeiter in der BA und in Jobcentern, die vermutlich ähnlich ticken. Es gibt zahlreiche JC-Mitarbeiter, die das, was sie beruflich tun, zwar nicht unbedingt toll finden, die aber dennoch jeden Tag zur Arbeit gehen und Sanktionen aussprechen, ohne deswegen schlecht zu schlafen oder sich als böse Menschen zu sehen, eben weil

(1) sie dadurch ein Einkommen haben
(2) der Gesetzgeber es verlangt/vorgibt
(3) sie es in Ordnung finden, dass es keine Leistung ohne Gegenleistung gibt.

ron54 meinte:
aus dem letzten Zitat beziehe ich meine "Glorifizierung" f. Hannemann.
Insbesondere weil sie offenbar ihr persönlichen Interessen hinter Allgemeininteressen anstellt. Solche Leute sind mir lieber, weil klarer, konsequenter.
Ich finde Frau ebenfalls Hannemann gut. Ich halte ihre Homepage für lesenswert und ziehe meinen Hut vor ihrem Engagement für Erwerbslose. Ob Frau H. ihr persönlichen Interessen allerdings per se hinter Allgemeininteressen anstellt, halte ich für durchaus anzweifelbar. Wenn man sich ihre Masse an Presse-Auftritten (das Tingeln durch Talkshows und Sozialreportagen) anschaut und ihren Schreibstil analysiert (stark anklagend und zugespitzt, oft nicht sonderlich differenziert), erscheint mir ihr Handeln durchaus kalkuliert vor dem Hintergrund, dass ich meine, bei ihr klare politische Ambitionen zu erkennen.

Dass dem so ist, finde ich gar nicht schlimm. Ich erachte es nur als bemerkenswert, dass Frau H. in diversen Elo-Initiativen als selbstlos „heiliggesprochen“ wird, ohne mal zu berücksichtigen, dass ihr Handeln durchaus eine egoistische Komponente haben könnte, weil die Rolle der „Hartz-IV-Rebellin“ sich gut eignet, um sich einen Namen zu machen und bei Wahlen (als Delegierte, Abgeordnete) einen vorderen Listenplatz zu ergattern. Zudem gilt: Dass es quasi nur eine Frau H gäbe, die da Missstände anprangert, ist grundfalsch.

Aus der wissenschaftlichen Begleitforschung zu Hartz IV und aus den JC-Personalräten kamen schon Jahre bevor Frau H. an die Öffentlichkeit trat diverse kritische Rückmeldungen zu Hartz IV. Was Frau Hannemann besonders macht, ist, dass sie ihre Kritik direkt (und eloquent) äußerst und das mit explizitem Fokus auf die Öffentlichkeit tut/getan hat. Ihre Zielgruppe ist außerhalb der BA/Jobcenter. Sie hat insofern eine politische Agenda, wohingegen die internen Kritiker kaum bis gar nicht die Medien oder „Kunden“ im Blick haben.

atasteofbunny meinte:
Bzw., was sagen die Jobcenterleiter zu ihren Mitarbeitern? "Wir haben zwar viermal [eigentlich noch mehr] so viele Erwerbslose wie offene Stellen, aber ihr müsst trotzdem jeden Monat 10 "Kunden" aus der Erwerbslosen-Statistik kriegen!"
Ja! Genau sowas sagen die. Die Führungskräfte auf JC-Ebene (Geschäftsführung, Bereichsleiter) operationalisieren ja letztlich auch nur, was an realitätsfernen Vorgaben aus den Regionaldirektionen der BA kommt. Ich habe es einige Male erlebt, dass mein Bereichsleiter sagte, dass ihm völlig klar sei, dass die Zahlen nicht erreicht werden könnten, dass es aber dennoch geboten sei, dass wir irgendwie versuchen, uns daran zu orientieren.

atasteofbunny meinte:
Aber wieviele Maßnahmen müssen da parallel laufen, damit die vorgegebenen Zahlen halbwegs erreicht werden können?
Allein durch Maßnahmen ist da gar nichts zu machen. Denn Maßnahme-Teilnehmer gelten zwar für die Zeit der Maßnahme nicht als arbeitslos, aber sie gelten deshalb noch lange nicht als integriert. Das sind zwei unterschiedliche Kennzahlen. Insofern hilft das „Parken“ von Arbeitslosen in Maßnahmen zwar der Aufhübschung der Alo-Statistik, nicht allerdings der Aufhübschung der Integrationsstatistik. Letztere wird ausschließlich durch möglichst viele Integrationen ich sv-pflichtige Arbeit erreicht. Und das funktioniert am besten über Zeitarbeit, weil die „Kunden“ dort so schnell wieder rausfliegen und dann erneut „integriert“ werden können.

atasteofbunny meinte:
Und was ist, wenn die Maßnahme oder der befristete Arbeitsvertrag endet, dann fängt man doch wieder von vorne an?!
Ja. Das ist ein Kreislauf ohne Anfang und Ende. Eine echte Sisyphos-„Arbeit“.
atasteofbunny meinte:
Ich stelle mir die Arbeit als Vermittler im Jobcenter sehr frustrierend vor und möchte deswegen gerne wissen, wie die Führungskräfte dort die SB motivieren.
Was das angeht, kann ich nur von mir sprechen. Ich denke, dass es maßgeblich von der eigenen Erwartungshaltung und Persönlichkeit abhängt, ob man die Arbeit im JC als frustrierend erlebt. Ich habe meine Arbeit da zumeist nicht als sonderlich frustrierend erlebt, weil ich mich nicht über Arbeit definiere und ich daher gar keinen tieferen Sinn in der Arbeit gesucht habe. Die Arbeit war stumpfsinnig und ich musste nicht viel denken. Aber wirklich schlimm war es deshalb nicht.

Mir
hat meine Arbeit im JC weder Spaß gemacht noch hat sie zu Depressionen geführt. Sie war mir schlichtweg gleichgültig, denn mir ging es eigentlich nur ums Geldverdienen. Da hätten Führungskräfte glaube ich durch noch so tolles Motivationsgequatsche nix dran ändern können. Die haben einfach die Zahlen präsentiert und gesagt: Das und das muss erreicht werden. Wirkliche Motivation gab es nicht.

Ich bin aber zugegebenermaßen vermutlich ein doch eher extremer Fall (mit nicht ganz einfacher Persönlichkeit), da ich als überzeugter Einzelgänger mit sehr rationalistischer Vorliebe auf Empathie, mitmenschliches Wohlfühlgeschwurbel, Motivationssprüche, Teamspirit etc. nicht viel gebe und ohnehin davon ausgehe, dass Motivation durch andere Menschen nur schwer erzeugt werden kann.
 

atasteofbunny

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Krass, viermal zu einer Zeitarbeitsfirma vermittelt = viermal integriert.

Was du zum Problem viel mehr Erwerbslose als offene Stellen schreibst: Stimmt, so kann man es auch schön reden. Gewusst wie - und wer sich nicht näher damit befasst, glaubt es auch (Ich würde es auch glauben, wäre ich nicht selbst lange erwerbslos gewesen und würde ich dieses Forum nicht kennen.)

Was du zu den Bemühungen des "Kunden" um Arbeit schreibst: Das heißt ja im Umkehrschluss, ich müsste (falls ich mal wieder "JC-Kundin" werde, was ich nicht hoffe) einfach nur eine schöne Bewerbungsliste zum Termin mitbringen, ein bisschen was dazu erzählen, und schon ist der SB mein Freund und alles ist gut :biggrin: Und so ein paar Bewerbungen sind ja schnell geschrieben, wenn man Übung darin hat. Danke für den Tipp!

Wenn ich das so lese, bin ich froh, nicht im Jobcenter zu arbeiten (Mir wurde nämlich mehrfach empfohlen, mich dort zu bewerben, da es an sich gut zu meiner bisherigen Berufserfahrung und meinem Studium passt.) Bei meinem jetzigen Job - auch im öffentlichen Dienst aber ganz anderer Bereich - habe ich Ziele, die ich erreichen soll aber eine realistische Chance, das auch tatsächlich zu schaffen. Wenn ich wüsste, dass das gar nicht möglich ist - also, ich wär schon sehr frustriert. Immerhin, wenn der Chef zugibt, dass ich es nicht schaffen kann ... aber trotzdem, wozu das alles dann ... :icon_kinn: Naja, ich bin ein Mensch, der seine Arbeit sehr mag, ich lebe im Grunde, um zu arbeiten. Gut, dass du eine andere Einstellung hast. Gesund ist diese Liebe zur Arbeit nämlich nicht unbedingt, diese Erfahrung habe ich schon gemacht.

Grüße
atasteofbunny
 

Dagegen72

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wie man mit den dummen Sprüchen der (du*men ?) SBs umgeht, nämlich indem man kapiert, dass das ganze ein Teil des ihnen auferlegten Programms ist

Hier mal ganz interessante Links und Artikel

Arbeitsamt: Alltägliche Schikanen

Erwähnt wird auch das Buch

"Gehirnwäsche Arbeitsamt - die 77 Schikanen der Sachbearbeiter" von Torsten Montag

Hierzu könnten vielleicht Bücher wie dieses von Dr. Doris Wolf interessant sein

"Ab heute kränkt mich niemand mehr"
 

qwertz123

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Mit nem SB hatte ich noch keine Probleme, allerdings bei der Anmeldung in der Leistungsabteilung wo ich mal blöd angelabert wurde, weil ich viele Ersparnisse hatte, die lagen aber noch im Rahmen dessen was man haben kann und es war auch noch Luft nach oben. Die konnte nicht kapieren wie man als Alg 2 Empfänger soviel Geld haben kann. (war gerade mal die Anmeldung und ich hatte davor auch gearbeitet). Es war mir zu blöd und ich habe nur richtig dreckig und abfällig in ihr Gesicht gegrinst, ich disktutiere doch nicht mit sonem Pack. Das war ihr sichtlich unangenehm, sie wusste nicht wie sie reagieren sollte weil sie vermutlich eine Rechtfertigung und Diskussion erwartet hat.
 

Hexe45

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Ich finde es schade, wenn hier auf SB's eingeprügelt wird, die auch den Elo's Einblick auf die andere Schreibtischseite bieten und damit auch entsprechende Info's auf "SB-Denke" geben! Kann auch für uns nützlich sein!

,

Eine Inge Hannemann wird glorifiziert und AfA / JC Mitarbeiter die sich nicht aus der Deckung "trauen", warum auch immer, aber hier im Forum ihre Insider-Kenntnisse weiter geben, werden verteufelt!

Schade!

:icon_sad:
Na ja, immerhin ists es hier in erster Linie ein ELO Forum, zu oft gehts hier ja schon fast um Sein oder Nichtsein.

Ich denke unser guter Tom weiß worauf er sich einließ, als er beschloß, sich hier als EX- Sb zu erkennen geben.
Zumal er ja auch zu seinem sehr ausgeprätem Oportunismus steht. Soll heißen, er würde auch heute lieber wieder SB machen, als auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz nehmen zu dürfen.

Von daher, er muß es in Kauf nehmen, daß ihm heir ein etwas rauherer Wind um die Ohren weht.
Ich bewundere Tom vor allem dafür, daß er bisher- trotz allem- noch nicht schlapp gemacht hat.
Als er sich hier anmeldet hatte, habe ich eher gedacht daß er sehr bald wieder von uns geht, wie schon so viele hier.

Ich finde es schön daß er durchhält :)

Man mag nicht alle seine Posts mögen, aber der Infogehalt selbiger ist für mich einfach genial.
 
E

ExitUser

Gast
wie man mit den dummen Sprüchen der (du*men ?) SBs umgeht, nämlich indem man kapiert, dass das ganze ein Teil des ihnen auferlegten Programms ist
Hier kann ich dir sogar mal zustimmen! Das halte ich ebenfalls für eine gute Abwehr-Strategie: Man macht sich bewusst, dass die SBs einen nicht persönlich meinen, wenn sie einem Dreistigkeiten an den Kopf werfen. Sie tun das mit vielen „Kunden“, eben ohne Ansehen der Person (denn sie sind angehalten, keine Person zu sehen, sondern nur einen "Kunden").

Dieses Rationalisieren (Motto: Die meinen nicht mich als Mensch, die reden mit allen hilfebedürftigen Personen so mies) kann helfen, abwertende Äußerungen nicht auf sich selbst als Individuum zu beziehen, sondern sie als über-individuelles Resultat der dem Hartz-System zueigenen Aktivierungs- und Forder-Dogmatik zu begreifen, die Freundlichkeit kaum vorsieht (aber auch nicht verunmöglicht, so der pAp/FM sie denn an den Tag legen will).

Erwähnt wird auch das Buch "Gehirnwäsche Arbeitsamt - die 77 Schikanen der Sachbearbeiter" von Torsten Montag
Ich habe dieses Buch hier vor mir liegen und finde das durchaus lesenswert (einige Beispiele darin sind wirklich krass, vieles kann ich aus eigener Erfahrung von beiden Schreibtischseiten aber bestätigen). Als Abwehrhilfe eignet sich dieses Buch allerdings nicht. Es ist einfach eine Geschichtensammlung, nicht mehr.

Hierzu könnten vielleicht Bücher wie dieses von Dr. Doris Wolf interessant sein "Ab heute kränkt mich niemand mehr
Das Buch habe ich ebenfalls gelesen und kann es sehr empfehlen. Ich halte das alleinige Ansammeln von angelesenem Wissen allerdings für nicht ausreichend, um in einem konfrontativen JC-Gespräch zu bestehen. Abgesehen vom Lesen von Literatur denke ich, dass praktische Trainings ein sehr gutes Mittel der Resilienzsteigerung sind.

Kommunikation ist bekanntlich in erster Linie Praxis. Diese muss durch Praxis gelernt werden. Es werden deutschlandweit von fast allen großen Volkshochschulen regelmäßig Kommunikations- und Rhetorik-Kurse sowie spezielle Vertiefungsangebote (etwa in gewaltfreier Kommunikation) angeboten. Diese sind für ALG II Bezieher in vielen Städten sehr günstig (durch Förderprogramme).

Meine Erfahrung ist, dass es hilfreich sein kann, gewisse kommunikative Tools mit ins Gespräch zu bringen und anwenden zu können, gerade wenn das Gegenüber unfreundlich, dreist, herausfordern oder was auch immer auftritt. Das lernt man in solchen Kursen.

Ich denke unser guter Tom weiß worauf er sich einließ, als er beschloß, sich hier als EX- Sb zu erkennen geben.
Ich weiß das. :biggrin: Aber mal nebenbei: Ich heiße nicht Tom. Ich wurde hier im Forum schon des Öfteren mit einem anderen ehemaligen JC-Mitarbeiter, nämlich dem hier verwechselt. Ich teile viele der Ansichten von Herrn Tom-Bubb, aber ich bin nicht er.

Ich finde es mutig, dass er und andere (Ex)Kollegen wie Inge H., Marcel K. und Norbert W. unter ihrem Realnahmen posten. Das zeugt von Standfestigkeit und Charakter! Ich werde das aber aufgrund dessen, dass mein derzeitiger Job mir politische Neutralität abverlangt, ganz sicher nicht tun und auch weiterhin anonym hier posten.

Zumal er ja auch zu seinem sehr ausgeprätem Oportunismus steht
Das ist wohl so, ja. Ich bin ein Wendehals vor dem Herrn!

Soll heißen, er würde auch heute lieber wieder SB machen, als auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz nehmen zu dürfen.
So isses.

Von daher, er muß es in Kauf nehmen, daß ihm heir ein etwas rauherer Wind um die Ohren weht.
Tue ich auch.

Ich bewundere Tom vor allem dafür, daß er bisher- trotz allem- noch nicht schlapp gemacht hat.
Ich werde wohl auch weiter durchhalten, weil ich mich in keiner Weise belastet oder gemobbt sehe. Wie gesagt habe ich da wohl eine, wie mir mehrfach zurückgemeldet wurde, sehr spezielle Persönlichkeit. Ich kann gar nicht begreifen, wie irgendwer sich in einem anonymen Internetforum durch irgendwas beleidigt fühlen kann, was andere anonyme Personen ihnen an den Kopf werfen.

Ich greife Beschimpfungen und Statements argumentativ auf wenn ich das kann und Lust dazu habe, aber mich kann man so gut wie gar nicht beleidigen bzw. es kommt kaum je vor, dass ich mich durch irgendwas beleidig fühle. Worte prallen seit jeher an mir ab. Das war schon immer so.

Ich finde es schön daß er durchhält :) Man mag nicht alle seine Posts mögen, aber der Infogehalt selbiger ist für mich einfach genial.
:dank: für die Blumen! Dass man alles, was ich so von mir gebe, unterschreibt und genauso sieht, wäre imho auch ganz schrecklich. Ich bin ja gerade hier im Forum, um einen kritischen Austausch zu haben. Mitunter stelle ich fest, dass ich mir hier und da auch selbst widerspreche. :biggrin: Manchmal lese ich Postings von mir von vor 2 Jahren und denke mir: So ein Quatsch, was ich da für eine Meinung hatte bzw. ich habe in der Zwischenzeit einfach meine Meinung geändert.
 

Dagegen72

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@ B.T.

# 114
Wie der User P123 schon richtig angemerkt hat, arbeite ich nicht mehr im Jobcenter (und auch nicht bei der Bundesagentur für Arbeit). Von daher würde ich nicht im Traum dran denken, meine jetzige Stelle, die ebenfalls im öffentlichen Dienst angesiedelt ist, zu kündigen.

Aber selbst wenn ich noch im Jobcenter arbeiten würde, würde ich meine Stelle dort nie kündigen, ohne eine bessere in Aussicht zu haben.

Eben das ist ja auch ein Punkt, den viele hier im Forum nicht verstehen: Ich bin gegen Hartz IV und gegen Sanktionen. Dennoch habe ich als JC-Mitarbeiter ebenfalls Sanktionen ausgesprochen.



Ich unterschied und unterscheide da schlichtweg zwischen meiner Privatmeinung (Sanktionen sind schlecht!) und meinem gesetzlichen Auftrag (sanktioniere bei Pflichtverletzungen).

Ich kann etwas nicht gut finden, es aber dennoch tun.

(geht in dem Fall um die Existenz der Menschen im ALG II - Bezug)

Dafür bedarf es meiner Erfahrung nach keiner besonderen psychischen Verrenkungen. Das ist imho völlig normal. Es ist der banalen Erkenntnis geschuldet, dass man sich als Arbeitnehmer, der Geld verdienen will, eben anpassen muss.

Arbeit ist mitunter mühselig und stumpfsinnig (sonst wäre es keine Arbeit).

Ich habe die Anpassungsleistung, die nötig war, um ein Einkommen bei der Arbeit im JC zu haben, ohne Probleme erbracht.

Es gibt heute über 130.000 Mitarbeiter in der BA und in Jobcentern, die vermutlich ähnlich ticken.

Es gibt zahlreiche JC-Mitarbeiter, die das, was sie beruflich tun, zwar nicht unbedingt toll finden, die aber dennoch jeden Tag zur Arbeit gehen und Sanktionen aussprechen, ohne deswegen schlecht zu schlafen oder sich als böse Menschen zu sehen, eben weil

(1) sie dadurch ein Einkommen haben

(2) der Gesetzgeber es verlangt/vorgibt

3) sie es in Ordnung finden, dass es keine Leistung ohne Gegenleistung gibt.

Was das angeht, kann ich nur von mir sprechen. Ich denke, dass es maßgeblich von der eigenen Erwartungshaltung und Persönlichkeit abhängt, ob man die Arbeit im JC als frustrierend erlebt.
Ich habe meine Arbeit da zumeist nicht als sonderlich frustrierend erlebt, weil ich mich nicht über Arbeit definiere und ich daher gar keinen tieferen Sinn in der Arbeit gesucht habe.

Die Arbeit war stumpfsinnig und ich musste nicht viel denken.

Aber wirklich schlimm war es deshalb nicht.


Mir hat meine Arbeit im JC weder Spaß gemacht noch hat sie zu Depressionen geführt. Sie war mir schlichtweg gleichgültig, denn mir ging es eigentlich nur ums Geldverdienen.

Da hätten Führungskräfte glaube ich durch noch so tolles Motivationsgequatsche nix dran ändern können. Die haben einfach die Zahlen präsentiert und gesagt: Das und das muss erreicht werden. Wirkliche Motivation gab es nicht.

Ich bin aber zugegebenermaßen vermutlich ein doch eher extremer Fall (mit nicht ganz einfacher Persönlichkeit),


da ich als überzeugter Einzelgänger mit sehr rationalistischer Vorliebe auf Empathie, mitmenschliches Wohlfühlgeschwurbel, Motivationssprüche, Teamspirit etc.

nicht viel gebe

und ohnehin davon ausgehe, dass Motivation durch andere Menschen nur schwer erzeugt werden kann.



Ob du mir etwas zustimmen kannst, darauf geb ich nicht viel. Edit: nichts.
 
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