Wie läuft die Zuweisung zu Arbeitgebern beim Teilhabechancengesetz in der Praxis konkret ab?

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franzi

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Da ich nächste Woche wieder einem Termin bei meinem Spezial-SB habe, würde ich mich gerne vorab informieren,
wie die Zuweisung zu Arbeitgebern hinsichtlich des Teilhabechancengesetzes konkret vor sich geht.
Vielleicht haben einige von euch das schon erlebt, zumal das Gesetz schon ein halbes Jahr in Kraft ist.

Meine Fragen dazu:
- Wurden euch Firmen/Arbeitgeber angeboten/vorgestellt oder musstet ihr diese Arbeitgeber selbst suchen?
- Gab es da eine Auswahlmöglichkeit oder wurde nur an einen Arbeitgeber zugewiesen?
- War die Zuweisung freiwillig oder mit Zwang?
- In welchen Branchen/Bereichen waren diese Arbeitgeber? (Eher kommunale oder öffentliche Einrichtungen oder eher in der freien Wirtschaft)
- Welche Hilfen habt ihr zu dieser Anbahnung des Kontaktes von euren SBs erhalten?
- Welche Aktivitäten hat der SB von euch selbst im Rahmen der Mitwirkung erwartet?
 

franzi

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Ich habe nun selbst eine Anfrage an das Ministerium zu den unklaren Fragen gestellt. Mal sehen, was die antworten ... Werde es hier berichten.
 

franzi

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Ich dachte das geht anders rum: zuerst Zuweisung, dann AV.
Was steht in so einer Zuweisung? Ist das eine "EGV" oder ein Verwaltungsakt?
Wir dadurch die bisher bestehende EGV aufgehoben?
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
Den AG selbst zu suchen würde das ganze ad absurdum führen. Diese Maßnahmen sind ja nur für "Kunden" gedacht, die keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt haben.

Wenn das für dich wirklich eine Option werden sollte, würde ich mir den vorgeschlagenen AG ganz genau anschauen und fragen, warum er kein reguläres Beschäftigungsverhältnis schaffen kann.
 

franzi

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Es sieht aber ganz so aus, dass ich die Arbeitgeber selber akquirieren soll. Von Tür zu Tür gehen und mich als kostenlose Arbeitskraft anpreisen ... :icon_neutral:
Offenbar ist es so, dass das JC keine willigen Arbeitgeber vorrätig hat. Sonst hätte mir der SB schon verschiedene Unternehmen vorgeschlagen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
dass ich die Arbeitgeber selber akquirieren soll.

Das würde ich fein sein lassen und einen Beschwerdereigen starten: BA, Bundestagsabgeordnete, Ministerium etc.

Wenn dir das wirklich möglich ist, dann biete möglichen AG doch andere Formen der Eingliederung an. Dafür hättest du dann einen Arbeitsvertrag mit AV-Beiträgen und keine JC-Bevormundung mehr.

Es ist vielen AG gar nicht bekannt, dass sie z.Bsp. drei Monate volle Lohnsubventionen für eine reguläre Beschäftigung bekommen können.
 

franzi

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G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
Eingliederungszuschuss

Das ist wieder ein anderes Instrument. Der kommt nach der von mir angesprochenen voll subventionierten Probearbeit.

Mein AG bekam danach z.Bsp. 40% über zwölf Monate. Abhängig von Alter, Dauer der Erwerbslosigkeit und wie du richtig schrubst auch Behinderung kann das bezüglich Dauer und Höhe sehr individuell variieren. Die Nachbeschäftigungszeit entspricht übrigens noch einmal der Förderdauer.

@franzi Das solltest du nicht zu früh erwähnen. Bei mir wurde das angeboten, als eigentlich schon klar war, dass der AG mich einstellt. Dass grundsätzlich Fördermöglichkeiten existieren sollte man schon erwähnen, denke ich.
 

franzi

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Ich wurde dazu verpflichtet, das im jeweiligen Anschreiben zu erwähnen.

Es war für mich nicht von Vorteil. Man hat dann sofort den Stempel "schwer vermittelbar".
 

Gollum1964

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einen schönen Sonntag,

vor 2 Jahren war ich auch noch so blauäugig und bin auf den Vorschlag der damaligen SB eingegangen, den Eingliederungszuschuss für Ältere in meinen Anschreiben zu erwähnen. Ich habe mich dann gewundert, dass fast ein Jahr überhaupt keine Einladungen zu VG mehr gekommen sind. Als ich dann für kurze Zeit einen Bewerbungscoarch bekommen habe, war das dann der einzige Punkt, den sie an meinen Bewerbungen bemängelt hat (stilistisch und formal sonst alles ok). Also habe ich das wieder abgestellt und durfte dann von Zeit zu Zeit wieder zu VG.
Die Erwähnung dieser Förderung macht meines Erachtens nur Sinn, wenn überhaupt keine Qualifikationen oder Berufserfahrungen vorliegen, also für Arbeitsplätze im Prekärbereich. Im qualifizierten Bereich ist unbedingt davon abzuraten.
 

franzi

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Dann lest euch mal bitte das durch - muss man sich auf der Zunge zergehen lassen...

Aus dem Abschnitt "Zum Ziel Vollbeschäftigung schaffen"


Ich zitiere: "Gibt es überhaupt genug Arbeit speziell für die langzeitarbeitslosen Menschen?

In vielen Regionen ist der Helfermarkt sehr aufnahmefähig. Hier gilt es, dass Langzeitarbeitslose stärker partizipieren können. Darüber hinaus kann auf Tätigkeiten in Kommunen und bei Beschäftigungsträgern gesetzt werden."

Das Gesetz zielt offenbar nur auf den "Helfermarkt" ab. An eine Vermittlung der Betroffenen in qualifizierte Berufsbereiche wird gar nicht erst gedacht!
 

franzi

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einen schönen Sonntag,

vor 2 Jahren war ich auch noch so blauäugig und bin auf den Vorschlag der damaligen SB eingegangen, den Eingliederungszuschuss für Ältere in meinen Anschreiben zu erwähnen. Ich habe mich dann gewundert, dass fast ein Jahr überhaupt keine Einladungen zu VG mehr gekommen sind. Als ich dann für kurze Zeit einen Bewerbungscoarch bekommen habe, war das dann der einzige Punkt, den sie an meinen Bewerbungen bemängelt hat (stilistisch und formal sonst alles ok). Also habe ich das wieder abgestellt und durfte dann von Zeit zu Zeit wieder zu VG.
Die Erwähnung dieser Förderung macht meines Erachtens nur Sinn, wenn überhaupt keine Qualifikationen oder Berufserfahrungen vorliegen, also für Arbeitsplätze im Prekärbereich. Im qualifizierten Bereich ist unbedingt davon abzuraten.

Die gleiche Erfahrung habe ich auch gemacht. Man entwertet sich damit selbst. Das hilft überhaupt nicht weiter, wenn man eine oder mehrere höhere Qualifikationen hat, Berufsabschluss, Ausbildung etc.
 

Hannes63

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Das Gesetz zielt offenbar nur auf den "Helfermarkt" ab. An eine Vermittlung der Betroffenen in qualifizierte Berufsbereiche wird gar nicht erst gedacht!

Ja von diesem Gesetz werden sowieso nur Firmen profitieren, die auch jetzt schon nichts anderes als "billig billig billig" im Kopf haben. (also wahrscheinlich ZA und Co.)
Seriöse und fürsorgliche Arbeitgeber haben soetwas nicht nötig.
 

franzi

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Ich glaube nicht, dass die Teilhabe-Förderung auch für ZA-Firmen gilt. Die Förderung ist für Direktanstellung bei einem Arbeitgeber.
 

Gollum1964

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Ich glaube nicht, dass die Teilhabe-Förderung auch für ZA-Firmen gilt. Die Förderung ist für Direktanstellung bei einem Arbeitgeber.

Franzi,

das stimmt nicht, ZAF werden nicht von der Förderung ausgeschlossen. Ich bin mir sogar sicher, dass das THG dazu beitragen wird, dass der ZAF-Sektor noch weiter vor sich hin wuchert.
 

franzi

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So, habe nun die Antwort des Bundesministeriums erhalten:

Zitat:

"Sehr geehrte

Der Kontakt zwischen Arbeitgebern und Bewerbern aus dem förderungsfähigen Personenkreis im Rahmen des Teilhabechancengesetzes (§ 16e und § 16i SGB II) kann auf verschiedenen Wegen zustande kommen.

Arbeitgeber, die Interesse daran haben, eine geförderte Person einzustellen, können sich beim örtlichen Jobcenter melden, das dem Arbeitgeber dann ggf. eine/n geeignete/n Arbeitnehmer/in zuweist. Auch eine Direktansprache seitens der Jobcenter an potenzielle Arbeitgeber ist möglich.

Selbstverständlich kann sich auch die erwerbslose Person selbst bei einem Arbeitgeber bewerben. Der Arbeitgeber muss den Lohnkostenzuschuss dann beim Jobcenter beantragen. Zum Zeitpunkt der Antragsstellung des Arbeitgebers und der Förderentscheidung darf der Arbeitsvertrag jedoch noch nicht abgeschlossen sein. Erst nachdem das Jobcenter die Entscheidung getroffen hat, dass die potenzielle Arbeitnehmerin / der potenzielle Arbeitnehmer gefördert wird, darf der Arbeitsvetrag geschlossen werden.

Gemäß § 2 SGB II müssen Leistungsbezieher alle Möglichkeiten zur Beendigung oder Verringerung ihrer Hilfebedürftigkeit ausschöpfen und aktiv an allen Maßnahmen zu ihrer Eingliederung in Arbeit mitwirken. Pflichtverletzungen sind in §31 SGB II geregelt (§ 31 SGB 2 - Einzelnorm).

Die Förderung nach § 16e SGB II richtet sich an den Arbeitgeber. Dieser erhält über § 16e SGB II Zuschüsse zum Arbeitsentgelt, wenn er mit einer erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person ein Arbeitsverhältnis für die Dauer von mindestens zwei Jahren begründet. Eine Zuweisung erfolgt nicht. Wird die Fortführung dieses Arbeitsverhältnisses vom Leistungsberechtigten ohne wichtigen
Grund verweigert, kann dies nach den allgemeinen Regelungen auch zu einer Sanktion führen.

Die Förderung nach § 16i neu SGB II ist eine Maßnahme zur Eingliederung. Gemäß § 16i neu Absatz 3 SGB II werden Leistungsberechtigte einem Arbeitgeber zugewiesen. Vorrangiges Ziel ist es dabei, sehr arbeitsmarktfernen Langzeitarbeitslosen mit einer längerfristigen Perspektive in öffentlich geförderter Beschäftigung soziale Teilhabe zu ermöglichen. Aufgrund der langfristigen und ganzheitlichen Ausgestaltung erscheint eine Teilnahme nur erfolgsversprechend, wenn der Teilnehmer freiwillig an der Maßnahme teilnimmt. Die Nichtteilnahme kann jedoch eine Pflichtverletzung im Sinne des § 31 SGB II darstellen.

Dieses Schreiben ist im Auftrag und mit Genehmigung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales durch das Kommunikationscenter erstellt worden und dient Ihrer Information.

Mit freundlichem Gruß

Kommunikationscenter
Bundesministerium für Arbeit und Soziales"
 

Hannes63

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Hallo,

Sanktion, Nichtteilnahme, Pflichtverletzung, ... an diesen Schlagworten sieht man schon was das Ziel dieses Gesetzes ist.
Dubiosen Firmen billige Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen.
 
G

Gelöschtes Mitglied 63650

Gast
Erzwungene Freiwilligkeit nennt man das.

Wer sind diese dubiosen Firmen? M.W. findet man gar nicht genug AG für die angedachten Fallzahlen. Selbst in der U-Bahn habe ich schon Werbung dafür gesehen.

Der finanzielle Vorteil ist eine Sache, einen ungelernten AN im laufenden Betrieb anzulernen die andere. Die meisten AG werden dankend verzichten. Wer oder was bleibt übrig, dürfte die Frage sein.

Mal wieder eine arbeitsmarktpolitische Nullnummer.
 

franzi

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Vor einigen Jahren gab es ja eine ähnliche Situation, mit der "Praktikanten-Schwemme". Ich erinnere mich, dass man bei zahlreichen Bildungsträgern im Zuge von Maßnahmen auch Praktikas machen musste.
Im Prinzip die gleiche Problematik: der Praktikant ist nur nützlich, wenn er erstmal angelernt ist. Und das kostet Zeit und Geld.
Wenn nun zu den Praktikanten auch noch die Teilhabe-Leute hinzukommen, wo sollen die alle unterkommen?
Daneben suchen auch noch viele Studenten einen Nebenjob.
In Großstädten wie München mag das klappen, aber im ländlichen Raum und kleineren Städten ist das ein Irrsinn.
 

Tiefleger

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Hi
was aus der Praxis.
Hier wurde gerade ein Antrag auf Förderung abgelehnt, da dem "Kunden" Tariflohn im erlernten Beruf gezahlt werden sollte.
Dieser "Kunde" ist dem Jobcenter so einfach zu teuer.
Jobcenter scheint nur weiter Lohndumping fördern zu wollen.
Lohnkostenzuschuss nur wenn der Arbeitgeber den geltenden Tarif nicht anwendet. Dabei steht im Fyler der BA ausdrücklich ein Hinweis auf Tarif.


Ist die Ablehnung durch BA/JC überhaupt rechtskonform?


Die Fallanzahl ist durch die bereitgestellten € naturgemäß beschränkt.
 

franzi

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@Tiefleger: Genauso habe ich mir das gedacht! Auf Papier kann man viel schreiben, in der Praxis läuft es dann anders ...
Man will wohl möglichst viele Leute zu möglichst niedrigen Löhnen unterbringen.
 
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