Wie kann ich mich bei einem potentiellen Arbeitgeber unattraktiv machen, ohne eine "Negativbewerbung" zu schreiben - kann ich es "zu positiv" formulieren?

DerChris

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Hallo!

Kurz und knapp:

Ich hatte am Freitag einen Anruf von einer Festnetznummer, die ich nicht kannte. Als ich ganz arglos ran bin war der Arbeitgeber Service dran :( Sie meinten sie hätten Kontakt zu einer Firma in der Nähe gehabt und die wären auf mich aufmerksam geworden und hätten gern, dass ich mich bei ihnen bewerbe.
Ich hab mir die Firma angeschaut und irgendwie ist das eine recht kleine Klitsche mit ziemlich unprofessionellem Internetauftritt, die aber ganz schön auf die Kacke hauen von wegen beste Firma in ganz Franken beste Produkte, Patentanmeldungen nur zufriedene Kunden. Klingt für mich alles ein bisschen wie Erfolgsseminar aus den 90ern... Nur bei den Google-Bewertungen merkt man nix vom Erfolg da äußern sich ne Menge unzufriedener Kunden und Bewerber...

Ich sags ganz direkt die Firma ist mir mega unsympathisch und ich würde mich ungern dort bewerben. Ich hab jetzt ne Weile hier mal rumgestöbert und es gibt ja wohl sowas wie eine "Negativbewerbung", was auch sanktioniert werden kann. Soweit ich die Urteile dazu verstehe, war das aber eher bei Bewerbern der Fall, die mehr oder weniger direkt gesagt haben, dass sie eigentlich keine Lust auf die Stelle haben und sich darum bewerben mussten.


Jetzt kann man sich aber ja auch unbeliebt machen, indem man sich "zu positiv" bewirbt. Also sich einfach selbst in den Himmel loben praktisch fast schon arrogant auftreten und vielleicht noch ein oder zwei Sätze wie "Die Agentur für Arbeit trat mit mir in Kontakt und informierte mich, dass Ihre kleine Firma aktuell unter schwerem Personalmangel leidet". Aber in der Kernaussage IMMER postiv bleiben und sagen dass man den Job will und man natürlich der allerbeste Kandidat dafür ist. Praktisch extrem übertriebenes Selbst-Marketing ala "Ich habe schon in großen Konzernen gearbeitet und bin mir sicher, dass ich die Aufgaben in Ihrem Kleinunternehmen problemlos erfüllen kann".

Wäre das vielleicht eine Möglichkeit eine sehr unattraktive Bewerbung zu schreiben, ohne aber die Kriterien einer "Negativbewerbung" zu erfüllen?

VG
Chris
 

Claus.

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Praktisch extrem übertriebenes Selbst-Marketing ala "Ich habe schon in großen Konzernen gearbeitet und bin mir sicher, dass ich die Aufgaben in Ihrem Kleinunternehmen problemlos erfüllen kann".
Warum willst du denn sowas schreiben? Hast du etwa noch nie in einer kleinen Klitsche gearbeitet? :p

Die Art und Weise wie -da- bzw. -dort- gearbeitet wird, unterscheidet sich doch wie Tag und Nacht. Die Führungsstruktur, das herangehen an ein Problem, die im jeweiligen Unternehmen eintrainierten Denkprozesse, usw., unterscheiden sich doch auch komplett wie Erde und Proxima Centauri.

Ich sehe da von Haus aus keine Durchlässigkeit zwischen den einzelnen "Systemen".
Der Personaler in meinetwegen einem 50´000 Mann/Frau - Industriebetrieb hält eher einen jeden Bewerber aus einer 30 oder auch 70 Mann/Frau - Klitsche erst mal für eine "Ackerbau und Viehzucht betreibende Person". Und hat keine Lust auf Experimente.
Und der Obermacker eines "aufstrebenden mittelständischen Unternehmens" mit mittlerweile gar 30 ...mmmh... wie nennt sich das da - Mitarbeitern /Angestellten /Idioten /Rindviechern /Knechten /...? hält eher einen jeden großunternehmenserfahrenen Bewerber erst mal für eine engstirnige "viel zu sehr auf alles-als-schriftlicher-Antrag-mit-fünf-Durchschlägen ausgerichtete Person". Und hat erst Recht keine Lust auf Experimente.

Das sind zwei verschiedene Welten, zwischen denen man normalerweise allenfalls als Zeitarbeiter pendeln kann. Allerdings bleibt der ZAF´ler dann halt recht schnell in seinem ZAF´ler-Dasein hängen; bzw. in der Arbeitslosigkeit sobald ihm die Geschäftsgebahren "bestimmter Läden" eines Tages sauer aufstoßen.

Also nicht daß mich jemand falsch versteht: das arbeiten in kleineren Firmen hat auch seine Vorzüge. Das weiter auszuführen würde hier aber entgültig^^ den Rahmen sprengen ...

Meine Meinung: im Grunde ist es egal ob man sich gegen so ein "bombastisches" AA-Angebot wehrt oder nicht.
Da müsste dann erstmal noch die Bewerbung nicht gleich sofort ausgesiebt werden.
Und dann müsste ggf. erstmal noch das Vorstellungsgespräch überstanden werden.
Und meiner leidlichen Erfahrung nach halten so kleinere Firmen die sich ihr Personal von der AfA oder dem JC "empfehlen" lassen, von sanften Anregungen, Verbesserungsvorschlägen aller Art, Fragen die irgendetwas mit dem Arbeitsrecht zu tun haben, Bitten die wöchentliche Stundenanzahl /den Lohn /wenigstens eine einfache Tätigkeitsbeschreibung schon vor der Vertragsunterzeichnung erfahren zu dürfen, ect. ect. usw., absolut gar nichts.
 

Badener

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Hallo,
im Prinzip musst Du dich nicht bewerben. Wurde ja ausführlich geschrieben. Aber ... warum nicht ... 1. es ist immer eine gute Übung egal ob man die STelle will oder nicht ... 2. man nimmt dem JC oder AA den Wind aus den Segeln 3. man kann in aller Ruhe selber steuern wie man vorgeht (fängt bei den Klamotten an und hört bei arrogant auf. Na, ja und wer weiß ... vielleicht stellt sich ja raus das es der "Traumchef" ist .. da kann man immer noch umschwenken ;-). Wenn man sich bewirbt sollte man niemals einen schriftlichen Hinweis auf "nicht wollen" geben. Das läuft alles direkt, von zu spät kommen über entsprechendes Auftreten über Lohnforderungen bis hin zu Hinweisen auf Krankheiten, zwingende Familienbesuche in weiter Ferne und Umzugsgedanken. ;-) LG
 

DerChris

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Wenn man sich bewirbt sollte man niemals einen schriftlichen Hinweis auf "nicht wollen" geben.

Genau das war ja meine Frage oder Idee. Klar wenn du da andeutest, dass du egtl keinen Bock hast, dann hast du wohl Probleme mit dem Thema Nicht Bewerbung wie in dem Urteil vom SG.

Darum frage ich ja, wie ist das wenn man es in die andere Richtung "übertreibt". Nicht "so richtig bock hab ich nicht und kann das auch alles nicht" sondern "Ich kann und weiß alles,ich löse alle eure Probleme, ihr seid eine Kleine Firma eure Aufgaben können garnicht so anspruchsvoll sein das ist garkein Problem für jemanden wie mich der so toll ist, ihr habt so ein Glück, dass ihr die Chance habt mich einzustellen, reagiert jetzt ganz schnell, bevor eine andere Firma mich wegschnappt euch entgeht die Chance des Jahrhunderts"
Praktisch fast schon Sachen, die man heute (ähnlich) auch in Ratgebern zum Thema Eigenmarketing finden würde.
 

akaKnut

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Darum frage ich ja, wie ist das wenn man es in die andere Richtung "übertreibt". Nicht "so richtig bock hab ich nicht und kann das auch alles nicht" sondern "Ich kann und weiß alles,ich löse alle eure Probleme, ihr seid eine Kleine Firma eure Aufgaben können garnicht so anspruchsvoll sein das ist garkein Problem für jemanden wie mich der so toll ist, ihr habt so ein Glück, dass ihr die Chance habt mich einzustellen, reagiert jetzt ganz schnell, bevor eine andere Firma mich wegschnappt euch entgeht die Chance des Jahrhunderts"
Praktisch fast schon Sachen, die man heute (ähnlich) auch in Ratgebern zum Thema Eigenmarketing finden würde.

Ich sehe da das Problem, dass es ja für jeden offensichtlich ist, dass man nicht der "tolle Hecht" sein kann, als der man sich darstellt. Die echten "tollen Hechte" sind ja so gut, die werden kaum in die Situation kommen, sich selber bewerben zu müssen, die werden vermutlich eher von den Headhuntern umschmeichelt.

Also könnte es dann vielleicht passieren, dass man dir eine Negativbewerbung unterstellt, wenn du dich wahrheitswidrig extrem besser darstellst, als du bist. Also etwas "Schönen" dürfte schon erlaubt und zulässig sein, massiv übertreiben könnte vielleicht eher negativ ausgelegt werden.

Es gibt aber doch so viele Möglichkeiten, wie du eine Bewerbung für einen Job, der überhaupt nicht zu dir passt, so formulieren und gestalten kannst, dass der Personaler auch so zu der Ansicht kommt, mit anderen Bewerbern besser zu fahren. Warum also ein vermeidbares Risiko eingehen?
 
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