Wie in Saarbrücken ein Blinder zum Maler werden sollte

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E

ExitUser

Gast
Wo gearbeitet wird, passieren Fehler, und manchmal ist auch die Technik schuld. Der Fall des Saarländers Rainer E. ist dennoch sehr besonders. Zwei Mal wollte die Arge Saarbrücken den blinden Mann zum Maler machen.

Von SZ-Redakteur Gerhard Franz

Friedrichsthal.
Rainer E. (48) aus dem Sulzbachtal ist ein fideler Mensch. Wenn jemand von ihm etwas erwartet, versucht er, andere nicht zu enttäuschen. So war es auch im vergangenen November, als ihm ein Schreiben der Arge Saarbrücken zugestellt wurde. Darin hieß es, dass er sich einer „Aktivierungsmaßnahme für Langzeitarbeitslose“ unterziehen müsse. Dabei gehe es um eine „praktische Arbeit im Holz- und Malerbereich“, daneben in Grünpflege, Büro- und Hauswirtschaft. Bis zum 22. Dezember sollte er der Arge das Ergebnis seiner Bemühungen mitteilen. Auf „gesundheitliche Einschränkungen“ werde Rücksicht genommen, wurde versichert.
Allerdings, auch das stand in dem Arge-Schreiben, sei Rainer E. verpflichtet, sich selbstständig zu bemühen, seine Hilfsbedürftigkeit zu beenden. Er müsse aktiv an allen Maßnahmen mitwirken, „die dieses Ziel unterstützen“. Ansonsten könne die Sozialhilfe nach Hartz IV „gekürzt werden oder ganz entfallen“. Eine Drohung, die der blinde Mann sehr wohl verstand.

Also fuhr er am nächsten Tag mit dem Bus, geführt von seiner fünf Jahre alten Blindenhündin Mia, zu dem von der Arge ausgewählten Arbeitsplatz, dem Diakonischen Werk in Sulzbach. Rainer E. hatte mit sechs Jahren sein Augenlicht verloren. Beim Cowboy-und-Indianer-Spiel hob er gerade in dem Moment den Kopf aus der Deckung, als ein Pfeil heransurrte und sich in sein rechtes Auge bohrte. Zwei Jahre später bewirkte die Entzündung seines Sehnervs, dass er auch auf dem linken Auge erblindete. Beim Diakonischen Werk schlug man die Hände über dem Kopf zusammen, als man bemerkte, dass man von der Arge einen Blinden zugewiesen bekommen hatte. Rainer E. hätte zwar seinen Job ausüben wollen. Doch dann hätte man zusätzlich noch eine Aufsichtsperson einstellen müssen.

Auf den Vorfall angesprochen entschuldigte eine Arge-Sprecherin die Arbeitsverpflichtung mit der Computer-Systematik: Man habe alle Personen rausfiltern lassen, die seit mehr als 36 Monaten arbeitslos sind. Und da sei eben der Blinde eher zufällig dabei gewesen. Allerdings hatte dieser Hinweis auf ein angeblich einmaliges Versehen der Arge einen schweren Pferdefuß. Denn bereits Anfang Februar flatterte Rainer E. ein weiteres Schreiben ins Haus. Wieder ging es um „praktische Arbeit im Holz- und Malerbereich“. Eine weitere Arge-Sprecherin behauptet nun dagegen, der blinde „Kunde“ stelle die Angelegenheit falsch dar. Denn er habe sich erst beim zweiten Anschreiben gemeldet. Und da habe man sich um ihn gekümmert.
Wie in Saarbrücken ein Blinder zum Maler werden sollte

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man zumindest grinsen.

Natürlich sind wieder die Computer Schuld. :icon_neutral:
 

Rote Socke

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Zitat:

"Rainer E. hätte zwar seinen Job ausüben wollen. Doch dann hätte man zusätzlich noch eine Aufsichtsperson einstellen müssen
"



So wie ich das sehe ging es dem Diakomischen Werk nicht allein um die Tatsache, das er blind ist sondern vor allem um die Kosten eine zus. Aufsicht.
 
R

Rounddancer

Gast
Nun, es gibt blinde Maler, und sogar blinde Fotografen, aber halt recht wenige.

Heinz
 

Rechtsverdreher

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Die wollten auch schonmal eine Blinde in einen Kindergarten zum Aufpassen schicken.
 

Couchhartzer

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Natürlich sind wieder die Computer Schuld. :icon_neutral:
Dabei wäre es doch so einfach mal weniger intelligenzresistente Mitarbeiter an der ARGE zu beschäftigen, die schon begriffen haben, das Computer grundsätzlich nur so genau arbeiten können, wie der Fehler der ca. 60 cm vor dem Bildschirm sitzt ihnen an genaue Arbeitsbefehlen eingibt.
 

M.aus.B

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Glück Auf,

da sieht man mal wieder, was für geistig blinde in diesen unsäglichen Argen rumlaufen. Mein Gott - lass es Hirn regnen ! :icon_dampf:
 

Mario Nette

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Jaja, "Fehler" Mich wollte man zum Grünanlagenbewacher und Sicherheitsfachmann machen. An sich nicht sonderlich problematisch, allerdings sollte die Schicht im Winter ab morgens um sechs stattfinden. Wer mich kennt, der weiß, dass das unmöglich ist. Aber so eine Wumme, die hätte ich schon gern mal gehabt, um SBchen live im Büro zu präsentieren, ob ich damit gut umgehen kann oder nicht. Allein meine Trägheit in dieser Angelegenheit und die nichtvorhandene Rechtsfolgebelehrung haben dies vereitelt.

Mario Nette
 

peter_S

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Da stelle ich mir dann doch folgende Fragen:

Beschäftigungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen müssen laut Gesetz zwingend den persönlichen Fähigkeiten des Kunden angepasst sein. Dies ist Aufgabe des Sachbearbeiters der ARGE.

Seit wann entscheiden eigentlich Computer selbstständig wer für welche Maßnahme geeignet ist ? Und wenn dem so ist, zu was brauchen wir dann im Bereich SGB II überhaupt noch Vermittler wenn diese ja gar nichts mehr tun sondern der Computer die Vermittlung erledigt ?

Aber das erklärt zumindest auch warum versäumt wurde die Maßnahme wie vorgeschrieben persönlich mit dem Kunden durchzusprechen, weil Computer haben es nicht so mit persönlichen Gesprächen.

:icon_party:
 
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