Wie FOCUS & co. jedes Bewerbertraining torpedieren

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Schadbär

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Mal wieder ein Aufklärungsartikel darüber, wie schlau doch jeder Arbeitgeber die "Lügen" ihrer Bewerber durchschaut. Witzig: Sämtliche Ratschläge teuer bezahlter Bewerbertrainer, die natürlich von Seiten der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden, werden hierin aufgelistet und mehr oder weniger als "leicht durchschaubar" verhöhnt:

Diese Tricks erkennt jeder Personaler: Die häufigsten Lügen im Lebenslauf - Bewerber flunkern oft - FOCUS Online - Nachrichten

Erinnert mich an eines meiner vielen Bewerbertrainings, die nun den neuen arbeitgeberfreundlichen Weg aufwiesen: "Niiiie, niiiie lügen! IMMER die Wahrheit schreiben!". Der Witz dabei: Schreibe ich die Wahrheit (z. B. zwei Jahre arbeitsuchend), stoße ich auf totales Unverständnis, ja schon Entrüstung beim Arbeitgeber: "Zwei Jahre arbeitsuchend kann nicht sein! Wer arbeiten will, findet auch Arbeit".

Am Schlimmsten finde ich die Sitte, bei Ex-Arbeitgebern anzurufen und "vertrauliche Informationen" auszutauschen. Wer sich so verhält, muss sich nicht wundern, dass NSA & co. dasselbe mit ihnen tun. Hinten herum ausspionieren, dies bei Exen (sei es Ex-Arbeitgeber oder Ex-Freundin oder sonst wer) ist absolutes No Go. Wo eine Trennung war, ist keine Aktualität mehr gegeben. Der Verlassene (auch der Arbeitgeber) neigt zu Lügen, Übertreibungen und Rufmord, um sein gutes Ansehen zu wahren. Eine denkbar schlechte Quelle für angebliche wahre Informationen.

Weitere schlechte Sitte der Arbeitgeber: Negativ Denken, nicht auf die Erfolge schauen, nur die Lücken im Lebenslauf sehen, sich den 120%ig perfekten Menschen wünschen. Dazu Standesdünkel und diffuse Ängste (geäußert in "Sie würden eine Tätigkeit bei uns nicht als neue Herausforderung betrachten, Sie sind überqualifiziert", oder aber Ängste in Richtung "krank, war im Knast", usw.). Diffuse Ängste äußern sich auch in der Angst vor psychischen Erkrankungen. Diesbezüglich kann man sich bei der Bundesagentur für Arbeit bedanken, die genau diese Gerüchte mit schönster Regelmäßigkeit in unsere öffentlichen Medien trägt.

Weiter: Nahezu Entsetzen, wenn ein ehemals hoch qualifizierter Arbeitnehmer auch gerne in sogenannten "unterqualifizierten Jobs" arbeitete. Und zu guter Letzt: Der Aberglaube, dass ein Mensch, der ein paar Monate (oder Jahre) nicht gearbeitet hat, "an die Arbeit herangeführt" werden muss und nicht sofort Vollzeit beginnen kann.

Letztendlich schaffen sich die Arbeitgeber damit ihren eigenen Kreis an "geeigneten Leuten", der mit hoher Wahrscheinlichkeit viel geeignetere Leute von Beginn an ausschließt. Es geht nicht um Arbeitsfähigkeit und echte Qualifiziertheit der Arbeitnehmer, es geht um Kinderkram wie: Aussehen, Herkunft, Vitamin B, Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft, dies insbesondere in Kleinstädten unter 100.000 Einwohner wie auch insbesondere Baden-Württemberg und Bayern.

Vorschlag: Da Kündigungsschutz auch in Deutschland nur noch auf dem Papier existiert, ist alles nur halb so wild. Liebe Arbeitgeber, seid doch nicht so verkrampft. Denkt und grübelt nicht so viel, gegen Ängste könnt Ihr Euch vom Psychiater auch gerne Medikamente verschreiben lassen ("Atosil" z. B. ist ein hervorragender Angstlöser), gegen Eure depressive, negative Einstellung gebenüber der Welt und insbesondere gegenüber Euren Bewerbern ebenso. Man kann auch mal über einen Psychiatrie-Aufenthalt nachdenken, wenn das alles überhand nimmt. Gerade Arbeitgeber und Unternehmer werden dort recht gerne mit offenen Armen empfangen, um ihnen ein "Burnout" zu bescheinigen. Ganz ehrlich: Hätte ich ein eigenes Unternehmen, ich würde mir nie im Leben die Schlappe geben, mich beim Ex-Arbeitgeber nach der "Wahrheit" über meine Bewerber zu erkundigen. Habt Ihr noch einen Funken Stolz übrig? Müsst Ihr Euch so klein machen? Ist das schon Paranoia? Es gibt so etwas wie Probezeit. Man kann im Verlaufe eines halben Jahres durchaus erkennen, ob der Bewerber zu einem passt oder nicht und darf ihn während dieser Zeit jederzeit ohne jede Begründung einfach feuern. Wo liegt das Problem?

Wir Arbeitsuchenden stehen hier vor dem Dilemma, einen nahezu perfekten Lebenslauf hinfriesieren zu müssen, um Euren eingeschränkten Horizont in Sachen "Menschsein" und "Normalität" zu befriedigen, um überhaupt einen Funken Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben, und dann kommen FOCUS & Co. mit ihren überheblich arrogant verhöhnenden Artikeln daher, um alle Mühe wieder zunichte zu machen. Was soll ich nun noch in meinen Lebenslauf schreiben? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht.
 

Texter50

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Focus - BILD für eine pseudo intellektuelle Gruppe.
Was da fehlt? Die großen Lettern! Der Rest stimmt schon.
Inhaltlich ist auch dieser Artikel mehr als flach, den Inhalt hätte man insgesamt ohne jegliche Verluste auf ein Drittel zusammenstreichen können. :biggrin:
Als Blatt will Focus jetzt auch die Leute aus der Neuen Welt ansprechen, da darfste erst mal wechklicken, wennste Gesichtsbuch nicht willst. :icon_neutral:
Insgesamt mehr Show als sonst was, man könnten sich auch in Guttenberg umtaufen. Wer zahlt für diesen Unfug?
 

Texter50

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Wir Arbeitsuchenden stehen hier vor dem Dilemma, einen nahezu perfekten Lebenslauf hinfriesieren zu müssen, um Euren eingeschränkten Horizont in Sachen "Menschsein" und "Normalität" zu befriedigen, um überhaupt einen Funken Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben, und dann kommen FOCUS & Co. mit ihren überheblich arrogant verhöhnenden Artikeln daher, um alle Mühe wieder zunichte zu machen. Was soll ich nun noch in meinen Lebenslauf schreiben? Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht.
So viel Einsatz benötigst Du nicht, wenn Du ein Profil inne Jobbörse hast. Bei mir hat man einmal die gesamten Fähigkeiten aufgewertet - natürlich ohne jede Rücksprache mit mir.
"Da können wir sie besser verkaufen", meinte das SBchen. :icon_neutral:
OK, sie hats dann geändert.
Die Lügen im Lebenslauf, die habe ich in den zahlreichen Bewerbungstrainings der Agentur für keine Arbeit gelernt. :biggrin:
 

götzb

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Zum Glück kann man andererseits diesen Focus Artikel so nutzen um sich bei Zwangsbewerbungen bei Ausbeutern um so "besser" verkaufen zu können.

:icon_twisted:
 

Neudenkender

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Ich weiß es nicht.

Du hast die Situation treffend beschrieben.

Du scheinst bloß (leider noch irgendwo) zu glauben, du könntest es dieser Bande durch die "richtigen" Ansätze doch noch recht machen oder du könntest gar das System kraft toller Vorschläge und Appelle ändern ...

Zeitverschwendung. Statt darüber zu sinnieren und zu schwadronieren, was sich bei denen oder am System doch bitteschön ändern möge, ziehe doch logische, weil sinnvollere Konsequenz: Lass dir doch etwas anderes einfallen.

Wenn du deine zukünftige Zeit besser DAFÜR nutzt, für DICH Alternativen zu diesem oberverlogenen Zirkus zu finden, dann wirst du diese Alternativen wahrscheinlich auch entdecken. Zumindest den ernsthaften Versuch sollte es dir vielleicht wert sein?

Nur meine Meinung.
 

hartaber4

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Mal wieder ein Aufklärungsartikel darüber, wie schlau doch jeder Arbeitgeber die "Lügen" ihrer Bewerber durchschaut. Witzig:

Ist ganz klar immer eine Frage wie sich ein Unternehmen organisiert.... nicht jedes hat ein hochkarätiges Personalmanagement...


Meist trennt sich die Spreu vom Weizen spätestens in der Probezeit...

Wer als Abeitgeber solche Techtelmechtel vermeiden will.... wird eben vorher schon kräftig sortieren....

Mal ehrlich gefragt:

Wer will denn auch schon Schwätzer bzw. "Berufs-Legastheniker" mit durchschleppen?


Es ist aber auch immer eine "Bauchsache"..... und somit immer eine Gratwanderung im Bereich Menschenkenntnis....

Man kann auch mit "gnadenloser" Ehrlichkeit punkten.... oder sich ins Abseits kicken....
 

hartaber4

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"Da können wir sie besser verkaufen", meinte das SBchen. :icon_neutral:

Soooo unrecht hat die SB hier aber im Grunde nicht, denn

man kann einen schlichten "Yoghurt als Milchprodukt" verkaufen oder

eine "raffinierte Milchspeisenvariation mit gesundheitsfördernden Bio-Kulturen sowie vielen Geschmacksoptionen und das auch noch bei geringem Fettanteil"...etc.


Klar ist das "blablabla".... kommt aber im Ansatz gleich besser an....
 
R

Ramblin Man

Gast
Wir Arbeitsuchenden stehen hier vor dem Dilemma, einen nahezu perfekten Lebenslauf hinfriesieren zu müssen, um Euren eingeschränkten Horizont in Sachen "Menschsein" und "Normalität" zu befriedigen, um überhaupt einen Funken Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben,

Wenn man sichs richtig überlegt, kann man angesichts der Realität auf dem deutschen Arbeitsmarkt froh sein, einen richtig lückenhaften LL zu haben und sollte ihn im Regelfall sicher nicht frisieren.
 

hartaber4

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Wenn man sichs richtig überlegt, kann man angesichts der Realität auf dem deutschen Arbeitsmarkt froh sein, einen richtig lückenhaften LL zu haben und sollte ihn im Regelfall sicher nicht frisieren.

Was spricht gegen eine "optimierte" Wahrheit ?

Ich sehe schon einen Unterschied in den Aussagen:

(nur ein Beispiel)


2010 bis 2013 Vollzeit-Pflege eines Angehörigen

2010 bis 2013 Elternzeit


klingen sicher anders als:

2010 bis 2013 Arbeitsuchend gemeldet

2010 bis 2013 psychisch erkrankt

2010 bis 2013 JVA Aufenthalt
 

hartaber4

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:confused: Bei wem, bitte? Bei den Personal- und Marketingfuzzies vielleicht, die sich ihr eigenes Blender-Universum geschaffen haben und sich genüsslich in ihrem Nullinhaltsprech suhlen?

Also ich habe nicht den Eindruck, dass in großen Unternehmen (meine persönliche Erfahrung geht bis 80.000 Mitarbeiter) echte Flachzangen in den Personalabteilungen sitzen....

Bevor man dort einen Stuhl im Vorstellungsgespräch anwärmt, sind in der Regel ein paar Hürden genommen worden....


Bei kleineren Unternehmen entscheidet meist einfach das Gespräch.... und der Spaß ist auch ganz schnell vorbei, wenn sich Zusicherungen nicht so richtig bewahrheiten....
 

hartaber4

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Was spricht gegen Zeuchnisse wie die vom Karlchen Freiherr von und zu Guttenberg? Der durfte phantasieren, was das Zeuch hält und gehörte zur Elite Deutschlands, AMEN! :icon_neutral:

Phantasieren wäre ja noch etwas eigenes gewesen... eher ein Plagiatsproblem....

Immer eine Frage des sozialen Umfelds.... in der echten Forschung wäre Gutti wohl noch schneller aufgefallen..... vor allem, wenn man im ersten juristischen Staatsexamen nur ein "befriedigend" hat... deutet das nicht gerade auf einen Überflieger in dem Gebiet hin...

Für ein schnödes Arbeiterkind wäre das wohl ein "no go" bei einer Promotionszulassung gewesen... aber anderes Thema!


Ich habe auch andere Erfahrungen machen können (muss man immer abwägen):

Grundqualifikation und Berufserfahrung war vorhanden, aber nicht auf dem geforderten Spezialgebiet.

Das habe ich dem Personalchef auch ähnlich gesagt und ergänzt, dass ich aber bereit wäre mich innerhalb von drei Monaten reinzuarbeiten um mich dann im Tagesgeschäft voll zu bewähren.

So etwas kommt natürlich nur glaubhaft rüber, wenn der Lebenslauf hier etwas Substanz bietet.

(Man muss auch mal Realist sein... manche haben eine Eigenwahrnehmung, die weit weg von den Tatsachen ist)

Das fand er gut.... (Und nicht : "Kann ich alles...." um dann in der Praxis den Laden aufzuhalten!) Und zack war das Ding in trockenen Tüchern!
 
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