Wie eine Halsgeige, die lähmt und Selbstvertrauen absorbiert

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wolliohne

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[...] Ein Drittel aller Hartz IV-Empfänger leidet unter neurotischen und affektiven Störungen, depressiven Phasen und daraus resultierenden körperlichen Leiden. Nach Einschätzungen von Fallmanagern könnte sogar die Hälfte aller Bezieher psychische Probleme haben. Das sagt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, schätzt die Lage so ein, dass lange Arbeitslosigkeit eben psychische Folgen zeitige. Davon, dass die grobschlächtigen und teils taktlosen Methoden, die Jobcenter und ihre Mitarbeiter anwenden, wenigstens eine Mitschuld tragen könnten, wollte er nicht sprechen.
Quelle: ad sinistram

Sie haben dieses Konzept ganz bewusst so ausgewählt. Die Erkrankten sind kein Kollateralschäden, sie werden auch nicht in Kauf genommen - man will sie. Ein Sozialgesetzbuch, das die Menschen, für die es gelten soll, vorab skeptisch als potenzielle Betrüger und Kriminelle betrachtet, will doch nicht menschliche Würde erhalten und Leid erträglich machen, sondern eigentlich das glatte Gegenteil davon. Es ist das neoliberale Menschenbild, das da verankert ist. Mit dem Menschen als apriorischen Kriminellen, der immer geprüft, kontrolliert und bewacht gehört, damit er auf der rechten Bahn bleibt. Dazu die kleinkarierten Paragraphenreiter und Menschenschinder auf Behörden (Ausnahmen gibt es!) und eine Presse, die in der Hochzeit der Hetze, fast schon zu sozialen Pogromen aufrief. Dieses Klima war ein Selbstläufer, es musste auf Grundlage dieses Programmes namens Hartz-Konzept entstehen. Anders ist es in einer Gesellschaft, die sich neoliberalen Schlachtplänen unterworfen hat, auch gar nicht denkbar.

In so einer Gesellschaft sind letztlich nicht nur Erwerbslose depressiv, sondern alle auf ihre Art. Die Variante der Arbeitenden nennt sich Burnout, ein Gemisch aus Depression und Kraftlosigkeit. Und Schüler schlucken Pillen. Jeder nach seinen Möglichkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen! Nicht der Mensch im Neoliberalismus ist psychisch krank, sondern die Situation, in der er lebt.

Ergänzung,
das kommt uns alle noch sehr Teuer zu stehen!
 

Christi

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[...] Ein Drittel aller Hartz IV-Empfänger leidet unter neurotischen und affektiven Störungen, depressiven Phasen und daraus resultierenden körperlichen Leiden. Nach Einschätzungen von Fallmanagern könnte sogar die Hälfte aller Bezieher psychische Probleme haben. Das sagt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur, schätzt die Lage so ein, dass lange Arbeitslosigkeit eben psychische Folgen zeitige. Davon, dass die grobschlächtigen und teils taktlosen Methoden, die Jobcenter und ihre Mitarbeiter anwenden, wenigstens eine Mitschuld tragen könnten, wollte er nicht sprechen.
Quelle: ad sinistram

Sie haben dieses Konzept ganz bewusst so ausgewählt. Die Erkrankten sind kein Kollateralschäden, sie werden auch nicht in Kauf genommen - man will sie. Ein Sozialgesetzbuch, das die Menschen, für die es gelten soll, vorab skeptisch als potenzielle Betrüger und Kriminelle betrachtet, will doch nicht menschliche Würde erhalten und Leid erträglich machen, sondern eigentlich das glatte Gegenteil davon. Es ist das neoliberale Menschenbild, das da verankert ist. Mit dem Menschen als apriorischen Kriminellen, der immer geprüft, kontrolliert und bewacht gehört, damit er auf der rechten Bahn bleibt. Dazu die kleinkarierten Paragraphenreiter und Menschenschinder auf Behörden (Ausnahmen gibt es!) und eine Presse, die in der Hochzeit der Hetze, fast schon zu sozialen Pogromen aufrief. Dieses Klima war ein Selbstläufer, es musste auf Grundlage dieses Programmes namens Hartz-Konzept entstehen. Anders ist es in einer Gesellschaft, die sich neoliberalen Schlachtplänen unterworfen hat, auch gar nicht denkbar.

In so einer Gesellschaft sind letztlich nicht nur Erwerbslose depressiv, sondern alle auf ihre Art. Die Variante der Arbeitenden nennt sich Burnout, ein Gemisch aus Depression und Kraftlosigkeit. Und Schüler schlucken Pillen. Jeder nach seinen Möglichkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen! Nicht der Mensch im Neoliberalismus ist psychisch krank, sondern die Situation, in der er lebt.

Ergänzung,
das kommt uns alle noch sehr Teuer zu stehen!
Was für eine kranke Gesellschaft das doch ist.Und gewollt auch noch.Danke SPD und Grüne :Euch haben wir Harz 4 zu verdanken!

Das mit den oben genannten psychischen Folge-Erscheinungen kann ich selbst bestätigen.
 

Anna B.

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oh ja...das bestätige ich auch ..ohne wenn und aber...

über 40 Jahre habe ich treu und brav gearbeitet...

kaum war ich 2 Tage beim Arbeitsamt gemeldet (wegen Aussteuerung nach Krankengeld) gingen die Drohungen los, Nötigungen, Drohungen, Geldentzug, Strafandrohung...alles an der Tagesordnung und keiner unternimmt etwas gegen diese Menschenschinder...

ich wollte eine Anzeige wegen Nötigung bei der Polizei aufgeben..der hat mir solange zugeredet..bis ich es aufgegeben habe....

innerhalb von 2 Tagen wurde ich vom Arbeitnehmer...zu einem Schmarotzer....:danke:
 

*kampfpaar*radikal.A

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Erkenntnis ist der erste Weg
zur Besserung:



Nicht der Mensch im Neoliberalismus ist psychisch krank,
sondern die Situation, in der er lebt.

... doch was folgt daraus?

Eine poetische HandlungsAnweisung
wäre Nachfolgendes:


"Hören Sie zu!
Die Welt existiert nur in Ihren Augen -
in Ihrer Wahrnehmung.
Sie können sie so groß oder so klein machen,
wie Sie es wollen.

.......Sie aber versuchen,
...... eieiein winzig kleines Individuum zu sein.

Bei Gott, wenn ich je einen Knacks bekäme,
würde ich versuchen,
daß die Welt mit mir zusammen einen Knacks kriegt.

Hören Sie zu!
Die Welt existiert nur durch Ihre Wahrnehmung,
also ist es sehr viel besser zu sagen,
daß nicht Sie es sind, der einen Knacks hat -
sondern der Grand Canyon."

(Aus:
Francis Scott Fitzgerald,
Der Knacks
Merve Verlag)


Das Problem scheint mir jedoch die im ThreadTitel
erwähnte Halsgeige zu sein.

Es ist wohl eine für zweierlei
in Einem:

° WIR ° / °... und unsere Angst °

.
.

 

0zymandias

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Vorschlag: Man lese Kafka, Der Prozess oder Die Verhaftung, gerne auch nur auszugsweise und versuche, nicht an das ganze JC-Gedöns zu denken.

Es ist viel einfacher, "The Shining" von Stephen King zu lesen und dabei nicht an Jack Nicholson zu denken :biggrin:
 

Anna B.

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hihi.

the Shining habe ich mir vor 2 Tagen bei Ibäh für 1 Euro gekauft....denn....der Fortsetzungsroman ist jetzt erschienen und da möchte ich wenigstens den 1. Teil gelesen haben...
 

0zymandias

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@Anna B.: Herzlichen Dank für den Hinweis! Das ist fast das erste Novemberlicht, das ich sehe :biggrin:

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.
Was du...

(Es müsste beim Lesen von The Shining klar werden, was die letzten Sätze für einen Sinn erfüllen. Wenn nicht, dann könnt Ihr mich ruhig über den Winter in ein einsames Hotel einsperren :biggrin: )
 

Trixi2011

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Ja, ich werde nie vergessen, welche Minderwertigkeitskomplexe ich zeitweise gehabt habe, als ich von Hartz IV gelebt habe.

Nicht nur dass man vom Amt her ständig suggeriert bekam, man sei eine faule Sau und selbst schuld, dass man keine Arbeit bekommt, nein selbst viele Menschen im nahen Bekanntenkreis haben einen auch das Gefühl vermittelt, statt einen zu sagen: "Du bist nicht faul! Du hast eine Ausbildung und einen Schulabschluss, du wärst qualifiziert für eine Arbeit und du kannst niemanden eine Waffe an die Birne halten und ihn zwingen dir Arbeit zu geben!"

Irgendwann war mir dann meine Arbeitslosigkeit aber einfach nur noch schei§§ egal und die Ansichten anderer Leute auch! Ich hatte mir nichts vorzuwerfen! Ich hatte die Qualifikation für eine anständige Arbeit, wurde nie sanktioniert, weil ich mich der Aufforderung zur Bewerbung verschlossen hatte, habe mich um Arbeit beworben, die weit unter meiner Qualifikation lagen, habe an etlichen Maßnahmen teilgenommen....

Ich habe alles zumutbare unternommen um aus Hartz IV rauszukommen - ohne Erfolg - und heute muss ich mir zum Glück keine Gedanken mehr darüber machen!
 

Christi

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Vorschlag: Man lese Kafka, Der Prozess oder Die Verhaftung, gerne auch nur auszugsweise und versuche, nicht an das ganze JC-Gedöns zu denken.

Es ist viel einfacher, "The Shining" von Stephen King zu lesen und dabei nicht an Jack Nicholson zu denken :biggrin:
Als ich den Prozess von Kafka las,gings erst richtig los bei mir die Angst vor den Jobcenter.
 

XxMikexX

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Mir wurde bei meinem letzten Zwangsbesuch frech gesagt.

"Jetzt müssen wir aber mal was für ihr Selbstvertrauen tun."


Da bleibt einem was im Hals stecken.:icon_kotz:


Was kam: 4 Tage Praktikum für lau, konnte ich noch runterverhandeln, gedacht waren 3 Wochen, haha.

Jetzt bin ich so selbstbewußt, das es der SB wieder unheimlich wird.:icon_mrgreen:
 

solidaritätskrise

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[...]
...
Sie haben dieses Konzept ganz bewusst so ausgewählt. Die Erkrankten sind kein Kollateralschäden, sie werden auch nicht in Kauf genommen - man will sie. Ein Sozialgesetzbuch, das die Menschen, für die es gelten soll, vorab skeptisch als potenzielle Betrüger und Kriminelle betrachtet, will doch nicht menschliche Würde erhalten und Leid erträglich machen, sondern eigentlich das glatte Gegenteil davon.
...
Das Sozialgesetzbuch ist aber nicht vom Himmel gefallen und hat keinen eigenen Willen. Es wurde von Leuten gemacht, die man nicht kennt und die nie zur Verantwortung gezogen werden.
Man sagt einfach, es wurde vom 'GesetzGEBER' gemacht und basta.
Ähm, hat der Verfassungsschutz bei diesem SGB eigentlich keine Bedenken? :icon_eek:
 
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