Wie die Zeitarbeit in der Pflege vom Problemlöser zum Problem wurde

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AnonNemo

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Dass immer mehr Pflegekräfte lieber bei Personaldienstleistern als in Festanstellung in einem Team arbeiten, bringt die Kliniken nicht nur finanziell in Schwierigkeiten: Auf den Stationen rumort es. Nun soll es (auch) die Politik richten.

Der Schulterschluss ist ein Novum und wäre noch vor kurzem undenkbar gewesen. Bei der Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern will eine große Mehrheit der Berliner Krankenhäuser künftig einheitliche Regelungen in ihre Verträge mit den Verleihern übernehmen. Die Kontrakte sollen neben einer Preisbindung unter anderem vorschreiben, dass Zeitarbeiter alle drei Schichten abzudecken haben und dass die Anbieter Unterweisungen und Fortbildungen nachweisen müssen. (...)
Den vollständigen Artikel lesen Sie [kostenpflichtig] in Ausgabe 07-08/19 der Klinik Management aktuell.
Gefunden bei ChefDuzen. Gepostet vom User: Fritz Linow.
Leiharbeit in der Gesundheitsindustrie

Anstelle, dass die Krankenhäuser wertschätzende und leistungsgerechte Löhne anbieten, wollen sie es über die Zeitarbeitsfirmen auf die Pflege-Leiharbeitskräfte abwälzen :icon_kotz2:

Hoffentlich pochen die ZAF-Pfleger auf ihren Arbeitsvertrag, worin sicherlich keine generelle Schichtarbeit vereinbart/vorgeschrieben ist ... und haben genug Hintern in der Hose, um vollschichtige Einsatzeinweisungen abzulehnen.

Nach meiner Ansicht dürfte die folgende Einschätzung einiges an Popos liefern:
Die Klinik hat einen Vertrag mit der ZAF und nicht mit den LAN.
D. h.: Dienstpläne muss die Klinik an die ZAF weitergeben, worin nur Schichtplätze freigehalten sind.

Diese Plätze muss dann die ZAF mit ihren Pflege-LAN absprechen und nach einer Einigung mit dem LAN besetzen.

Im Anschluss geht der besetzte Dienstplan zurück an die Klinik.

Alles Andere gehört, nach meiner Meinung, zum Entgegenkommen der LAN ggü. der Klinik.

kma-online.de meinte:
Die Kontrakte sollen neben einer Preisbindung unter anderem vorschreiben, dass Zeitarbeiter alle drei Schichten abzudecken haben und dass die Anbieter Unterweisungen und Fortbildungen nachweisen müssen.
Bin gespannt, was von der Preisbindung an die LAN weitergegeben wird.

Zumal da kein Wort steht, wie die Preisbindung aussehen soll.
D. h. wenn heute eine LAN-Pflegekraft mit z. B. 45EUR/h bei der ZAF eingekauft wird erhält der LAN wahrscheinlich ca. 12,50EUR/h.

Wird der Preis bei 40EUR gebunden ... sinkt dann der LAN-Lohn auf 11EUR/h, oder
wird der Preis bei 50EUR gebunden ... steigt dann der LAN-Lohn auf 14EUR/h?

kma-online.de meinte:
Dabei weiß Heepe neben ihren Kollegen auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci an ihrer Seite. Die SPD-Politikerin verspricht im „Berliner Pakt für die Pflege“, ihre Verwaltung werde sich dafür einsetzen, „dass Leasing im Krankenhaus strenger reguliert wird“.
Eine strengere Regulierung hat noch (fast) nie dem kleinen Mann geholfen.

Akzeptiert doch endlich, dass die Pfleger mit den Füßen abgestimmt haben, indem sie von den Klinikfestanstellungen zu den ZAFen geflüchtet sind.

Auch bezweifle ich, dass die ZAFen ihre (beiden) Tarifverträge für die Pflege dahingehend überarbeiten, dass da 40-Wochenstunden, oder mehr, zum Standard werden.
Intelligente LAN pochen auf ihre 35-Wochenstundenverträge ... und lassen sich - hoffentlich - nicht in 40h-Verträge drängen.

kma-online.de meinte:
Die Berliner Botschaft ist klar: Leiharbeit in der Pflege hat einen kritischen Punkt erreicht. „Sie verschlingt Millionenbeträge und belastet alle Häuser, vor allem in den Ballungsräumen“, erklärt Judith Heepe.
Aha, lieber den ZAFen in den Rachen werfen, als an die Festangestellten verteilen. :doh:

kma-online.de meinte:
Innerhalb von zwölf Monaten hätten sich die Stundenpreise für spezialisierte Pflegefachkräfte in Bereichen wie Intensivstation, Anästhesie und OP verdreifacht.
... und wurde, zwar zähneknirschend, akzeptiert.
Dreifacher Verrechnungssatz!!!
Da ist Luft nach oben bei den Pflegekräftegehälter.

kma-online.de meinte:
„Gefühlt entstehen jede Woche fünf neue Firmen, weil der Sektor kaum geregelt ist. Derzeit ist er eine Gelddruckmaschine.“
Kein Wunder, dass die Kliniken die Gelddruckmaschine wieder ins eigene Haus holen will ... nöch?

kma-online.de meinte:
„Durch das Personalleasing wird gleiche Arbeit unterschiedlich bezahlt – die Leiharbeiter verdienen mehr als die Stammbelegschaft, und vor allem gewinnen die Vermittler“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser (AKG).
Da habe ich jetzt aber großes Mitleid mit der Klinik ... nicht!
 

Beebug

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Einerseits finde ich sehr gut, dass mein AG auf ZAF verzichtet und auf eigene Pool-Kräfte (sogn.) setzt. Andererseits, aufgrund der niedrigen Löhne (mein Vater hatte damals den identischen Tarifvertrag und weitaus besser verdient, kurz nach seiner Entlassung wurde dieser angepasst, er hätte etwa 600€ brutto weniger gehabt!) verstehe ich auch, warum uns immer mehr verlassen. Die Mehrarbeit bleibt an uns kleben, durch eine ZAF könnte man dies ausgleichen, möchte mein AG allerdings aufgrund diverser Vorfälle mit ZAF-Angestellten nicht.
Mein bester Freund hat 5 Jahre lang bei einer ZAF im pflegebereich gearbeitet, als Helfer, gut verdient, mehr wie ich in meinem Hause examiniert auf 30h (wie er) verdienen würde. Dennoch meint er, gerade in den letzten 2 Jahren hat es sich drastisch zugespitzt.

Ach, edit: kollegen, welche in den soz. Medien aktiv sind und auch ihren AG/Beruf im Profil stehen haben, berichten mir immer häufiger von gezielten Anfragen/Nachrichten von ZAF-Profilen, sehr aggresive Abwerbung mit Firmenwagen, 3500€ brutto, diversen Abwerbesummen, falls sie mehr überreden. Teilweise bekommen wir Azubis auch schon Anfragen, obwohl unsere Probezeit nicht mal durch ist!
 

grün_fink

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Das ist nicht ganz neu, war schon in der ARD.

Als ich von solch einen Phänomen das erst mal las, Zeitarbeiter in Krankenhäusern, das war so vor etwa 2 Jahren, in einem Radiobericht oder so aus Schweden. Dort spielte eine entscheidende Rolle die bessere Bezahlung der Pflegekräfte durch die ZAF, was die Beschäftigten gerne annahmen. Irgendwie wollte der Staat dann auch eingreifen, wegen ZAFen und Kosten für die (meist kommunalen?) Krankenhäuser, damit es für die Kommunen wieder billiger wird.
Glaube nicht, dass ich den Bericht wieder finden würde.
 

Allimente

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Es ist einfach nur traurig, dass der Dienst am Menschen nicht entsprechend honoriert wird. Das zeigt einfach nur, dass das Individuum nur eine untergeordnete Rolle spielt und nur Geld als Maßstab genommen wird. Es wird sich niemals etwas ändern, wenn die Menschen nicht aufhören so egoistisch zu denken. Seit nun mehr 2 Jahren bin ich ja selber Betroffener mit einer pflegebedürftigen Frau. Früher habe ich das auch nicht so ernst genommen, heute weiß ich aber, wie schwer es ist einen Menschen zu pflegen. Zusätzlich, obwohl man bereits am Limit ist, hat man noch den üblichen Kampf mit der Krankenkasse, Ärzten und RV. So dürfte das eigentlich nicht sein. Diese Leute, die das ausnutzen, werden das erst verstehen, wenn sie selber in dieser Situation sind.
 

Otto27

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Höre das Thema jetzt zum ersten Mal, wußte gar nicht, dass es so was gibt und wirklich Menschen freiwillig von Direktanstellung zu Zeitarbeit wechseln. Also finde das schon sehr sehr merkwürdig, also da muß doch irgendwas total aus dem Ruder gelaufen sein, dass es zu so einer Entwicklung kommen konnte, oder? Ich meine wir sprechen hier von Zeitarbeit, das normalerweise von allen gehasst wird (außer von den ZAF-Betreibern die sich mit dieser Ausbeutung goldene Nase verdienen...). Was spricht dagegen Pflege-Zeitarbeit einfach zu verbieten, den Direkt-Angestellten angemessenen Lohn zu zahlen und auch sicherstellen, dass es vernünftige Wochenarbeitszeit gibt? Ist ja jetzt kein unumstößliches Naturgesetz, dass im Pflegebereich z. T. extreme Überstunden gemacht werden müssen und es nicht möglich wäre da was zu ändern und z . B. 35 Stundenwoche einzuführen, oder?
 

Otto27

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Mit angemessener Bezahlung, sollte man den Personalmangel schnell beseitigen können...wurde anscheinend ja auch gemacht nur halt über ZAF-Umweg, nur das durch Gewinnabschöpfung der ZAF-Betreiber, das ganze noch viel mehr Geld kostet und wenn aber dann trotzdem dafür offensichtlich das Geld vorhanden ist, dann hätte man sich diesen Irrweg auch sparen und einfach wie gesagt den Direktangestellten vernünftigen Lohn und Arbeitskonditionen anbieten können.
 
G

Gelöschtes Mitglied 67460

Gast
Mit angemessener Bezahlung, sollte man den Personalmangel schnell beseitigen können...wurde anscheinend ja auch gemacht nur halt über ZAF-Umweg, nur das durch Gewinnabschöpfung der ZAF-Betreiber, das ganze noch viel mehr Geld kostet und wenn aber dann trotzdem dafür offensichtlich das Geld vorhanden ist, dann hätte man sich diesen Irrweg auch sparen und einfach wie gesagt den Direktangestellten vernünftigen Lohn und Arbeitskonditionen anbieten können.

Die Kliniken werden ihre Gründe haben, warum sie dies tun. Vielleicht einfach, um Zeit für die Rekrutierung zu gewinnen. Auf ZAF greift man zurück, wenn man keine Wahl hat und es schnell gehen muß. Oder wenn man Spitzen abfangen muß. Vielleicht hat es bilanztechnische Gründe. Aber wie gesagt: die Kliniken haben ihre Gründe. Auch dort rechnet man mit einem spitzen Bleistift.
 
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