Wie arabische Petrodollars den deutschen Naturschutz aushebeln

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Frozen Smile

Gast
Der Naturschutz hat in Deutschland einen hohen Wert, er ist allgemein anerkannt und viele engagieren sich ehrenamtlich dafür. Und da es auch ein Naturschutzgesetz gibt, gilt ebendieser auch für alle, sollte man meinen. Es gibt aber auch eine Ausnahmen von den strengen Auflagen, nämlich dann wenn arabische Petrodollars im Spiel sind und ein hoher arabischer Würdenträger, mit wenig Verständnis für ausländische Gesetze und finanzstarken Lobbyisten im Diplomatengepäck hinter den Kulissen an den Fäden ziehen.

Trocken ist es in Vereinten Arabischen Emiraten, und extrem heiß. Es ist also nicht verwunderlich, wenn in diesem Land, aufgrund des Klimas eigentlich nichts richtig wächst. Wer sich noch an den Disney-Klassiker ''Die Wüste lebt'' erinnert, weiß das auch. Eigentlich sind tagsüber zwei Farben vorherrschend – Khaki und Azur. Khaki für den Sand, und davon gibt es in Saudi-Arabien mehr als genug und Azur für den blauen Himmel. Die Sonne brennt Tag für Tag erbarmungslos am Himmel und Regen gibt es so gut wie nie. Es ist nicht weiter erstaunlich, wenn sich ein viel beschäftigter Würdenträger aus dieser Region auch mal im Grünen in aller Abgeschiedenheit entspannen will. Und wenn Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum (67), Premierminister, Verteidigungsminister und Vize-Präsident der Vereinten Arabischen Emiraten – bei so vielen Ämtern nun wirklich viel beschäftigt – schon mal in Deutschland ist, na da bietet sich natürlich ein Picknick im Grünen an.

Aber Picknick bedeutet nicht gleich Picknick wie es der deutsche Michel im Sinn hat. So ein gestandener Scheich gibt sich nicht mit einer läppischen Decke und einem Picknick-Korb zufrieden. Nein, seine Hoheit reist hatte da schon etwas standesgemäßes im Sinn. Da der Scheich aus Dubai in den VAE kommt, ist er mit größeren Bauwerken sehr vertraut. Man erinnere sich – in Dubai steht das höchste Gebäude der Welt – der Burj! Dummerweise hatte die zuständige Behörde die auserkorene Location an der Dhünn-Talsperre nicht freigegeben. Die Dhünn-Talsperre ist nämlich ein Wasserschutzgebiet und dient der Trinkwasserversorgung. Nichtmal schwimmen ist darin erlaubt. Keine Sause am See für seine Hoheit; was für eine Frechheit!

Nun wurden hinter den Kulissen also die Strippen gezogen, bei der Botschaft der Emirate, beim Bundeskanzleramt und der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei. Ein neue Picknick-Location kam aufs Tableau – die Krickenbecker Seen des Kreises Viersen am idyllischen Niederrhein. Süffisant berichtet die WZ, dass zwischen der NRW-Staatskanzlei und den Genehmigungsbehörden des Kreises Viersen die Drähte geglüht haben. Naturschutz hin oder her, der Scheich bekam sein Picknick am See. Gefeiert wurde im bescheidenen kathedralengroßem Zelt und gerade noch ausreichender Entourage.

Blöd nur, dass das ganze nicht unbemerkt blieb und der Unmut in den sozialen Medien hochkochte. Natürlich hielten sich das Bundeskanzleramt und die NRW-Staatskanzlei ziemlich bedeckt und somit bekam der Kreis Viersen den Schwarzen Peter unterschoben. Der sah sich veranlasst eine Pressemeldung zu veröffentlichen: ''Aufgrund der Berichterstattung zum Besuch von Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum stellt die Stadt Nettetal klar, dass es sich um eine vertretbare Duldung der Veranstaltung Handelte. Weder das Bundeskanzleramt noch die NRW-Staatskanzlei haben die Stadt aufgefordert oder gar Druck ausgeübt, eine illegale Veranstaltung durchzuführen oder zu genehmigen.''

Puh, na das ist ja nochmal gut gegangen! Nur eine Provinzposse und kein Staatseklat, oder? Dann können wir ja weiterhin Waffen dorthin liefern - gegen Petrodollars, versteht sich...


[WZ vom 05.08.2016 ''Scheich-Picknick sorgt für Wirbel'']

[rp-online vom 05.08.2016: ''Scheich picknickt in Nettetaler Naturschutzgebiet'']

[BILD vom 04.08.2016: ''Die Sonderrechte der Reichen: Dubais Herrscher picknickt in deutschem Naturschutzgebiet'']
 
G

Gelöschtes Mitglied 30227

Gast
Tja, Nettetaler, warum wählt ihr denn auch solche Leute in den Stadtrat Nettetal.
Also Augen auf bei der nächsten Wahl.
 
G

Gojia

Gast
Die Dhünn-Talsperre ist nämlich ein Wasserschutzgebiet und dient der Trinkwasserversorgung. Nichtmal schwimmen ist darin erlaubt. Keine Sause am See für seine Hoheit; was für eine Frechheit!

Nun wurden hinter den Kulissen also die Strippen gezogen, bei der Botschaft der Emirate, beim Bundeskanzleramt und der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei.
:eek: Kann man so schreiben, oder aber so:

Dhünntalsperre: Warum der Scheich kein Fest feiert - Panorama - Home - Westdeutsche Zeitung
Ob dieser politischen brisanten Sache laufen die Drähte zwischen Bergisch Gladbach, Düsseldorf und Berlin heiß. Wer sich in der NRW-Staatskanzlei, dem Auswärtigen Amt und dem Bundeskanzleramt letztlich um die Wünsche der Scheichs kümmert, wissen wir nicht so genau. Am Ende jedenfalls gibt es kein grünes Licht für das Picknick direkt am Ufer der Talsperre. Der Botschaft werden Alternativstandorte außerhalb der Wasserschutzone I angeboten, ebenfalls landschaftlich reizvoll gelegen...
:eek:
Blöd nur, dass das ganze nicht unbemerkt blieb und der Unmut in den sozialen Medien hochkochte.
Das blieb bis zum Bericht der Westdeutschen Zeitung von vorgestern unbemerkt, erst gestern begannen "rechte soziale Medien" (Pegida & Co) mit dem "aufkochen".

Picknick in Naturschutzgebiet: Ein Plätzchen für den Scheich aus Dubai - Nettetal - Kreis Viersen - Lokales - Westdeutsche Zeitung

Aus Sicht der Stadt Nettetal hinkt der Vergleich zwischen den Krickenbecker Seen und der Dhüntalsperre. Das Areal im Bergischen sei eine Wasserschutzzone, in der Trinkwasser gewonnen wird. „Unter diesen Voraussetzungen hätten wir die Ausnahme auch nicht zugelassen“, so der Sprecher. Auch das Ausmaß der Mittagspause in Nettetal sei „wesentlich kleiner“ gewesen als die an der Dhünntalsperre geplanten 200 Quadratmeter.

Vor der Scheich-Pause hat es am Nettetaler See schon einmal eine Ausnahme gegeben. 2010 feierte die Stadt ihr 40-jähriges Bestehen mit einem See-Fest.
Don't panic!


:popcorn:
 
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