Wie am besten Schicht-, Nachtdienst, Überstunden usw. "umgehen"?

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BettyBlue

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Hallo, liebe Forenteilnehmer,

nachdem mir auch schon in verschiedener Weise geholfen wurde, habe ich nun eine Frage für meinen Freund.

Er wird 52 Jahre alt und ist seit ca. 10 Jahren als Gärtner eingestellt. In den Monaten November bis März wird er alljährlich in den Winterdienst gestellt. Das heisst viele Überstunden, kaum Mehrgeld für Bereitschaftsdienst, viele Tag- und Nachteinsätze zu sehr unregelmäßigen Zeiten. Das alles ist für meinen Freund mittlerweile kaum noch zu bewerkstelligen, dazu kommen noch viel zu viele Stunden, die in den Schneeräumfahrzeugen verbracht wird. Die Firma selbst ist leider für ihre zum Teil unsozialen und unzumutbaren Arbeitsbedingungen bekannt :-(

Nun möchte ich, dass er vielleicht den Winterdienst gar nicht mehr machen muss und er stattdessen für andere Arbeiten eingeteilt wird, die auch im Winter draussen gemacht werden müssen, allerdings zu festen Arbeitszeiten. Dazu hab ich ihm einen Termin bei meinem Neurologen/Psychiater für Mitte Mai gemacht. Vielleicht wäre dies möglich, über einen Schwerbehindertenausweis zu erreichen. Dass die Arbeitsbedingungen für ihn erträglicher werden, er einen höheren Kündigungsschutz usw. hat. Vielleicht aber auch nur ein Gutachten des Facharztes, wobei ich dann befürchte, dass sich das gegenüber seinem Arbeitgeber als nachteilig auswirken könnte.

Mein Freund hat diverse psychische Störungen (war auch schon als "interessanter Fall" bei einem Therapeuten), einseitige Schwerhörigkeit, Tinnitus und andere körperliche Beschwerden. Die psychischen Störungen könnte ihm ja vielleicht mein Arzt bescheinigen.

Hättet Ihr vielleicht einen Rat oder Tip für mich, wie wir hier am besten vorgehen, damit er seinen Job auch in Zukunft bewerkstelligen kann?

Liebe Grüße
 

Klausi111

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Ich würde in einen Sozialverband (SoVD oder VDK) eintreten. Vielleicht hilft ja auch die Erlangung der teilweisen
Erwerbsminderungsrente (nicht der vollen). Aber das können am besten Fachleute entscheiden.
Klausi111
 

AndreasB

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Immer die Zumutbarkeit gem. 140 SGB III prüfen. Öffentliche Verkehrsmittel bei Schichtbetrieb ist nicht optimal.
Die zumutbare Tagespendelzeit beträgt allgemein 2,5 Stunden.

Alternativ lese dich mal hier ein: https://www.elo-forum.org/zeitarbei...ewerbungsschreiben-sammelthread-vorlagen.html
Inwieweit helfen Hinweise für Erwerbslose zur Vermeidung bestimmter Tätigkeiten/Arbeitsstellen jemandem, der eine Festanstellung hat und nur bestimmte Tätigkeiten nicht mehr ausführen kann? Wenn ich BettyBlue richtig verstanden habe, möchte ihr Freund ja trotz allem bei der Firma bleiben.

Was da möglich ist, hängt leider auch von der Größe der Firma (Gibt es Betriebsrat oder Betriebsarzt?) und der Bereitschaft der Firmenleitung zur Mitwirkung ab. Bevor ich da mit einem Attest eines Facharztes ankomme, würde ich tatsächlich eine Schwerbehinderung prüfen lassen.
 

Buchfan

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Und um einen Schwerbehindertenausweis zu bekommen mit einem möglichst hohen GdB ist es schon hilfreich, in ärztlicher Behandlung zu sein. Und zwar bei den verschiedenen Fachärzten. Also auch bei Deinem Psychiater. Da sollte er schon hingehen und seine Beschwerden ausgiebig schildern.

Das Rezept kann er ja immer noch schreddern, wenn er ohne Medikamente auskommt. Und auskommen will.

Dem Arbeitgeber mit einem Attest oder gar Gutachten des Psychiaters zu wedeln, halte ich auch für kontraproduktiv. Er ist kerngesund (für den AG) und hat dann eben nur eine Schwerbehinderung. lach
Nein, Details, Diagnosen, Symptome gehen den AG garnichts an.

Ich schätze mal, Betriebsrat und dergleichen Instrumente einer modernen Arbeitnehmervertretung wird Eure Gärtnerei nicht haben. Da ist dann Kreativität gefragt. :wink:

Auf jeden Fall sollte der Psychiater dahingehend "modelliert" werden, dass er eine Tätigkeit nicht im Schichtdienst zu empfehlen bereit ist. Das könnte für die Zukunft noch wichtig werden.
 

Doppeloma

Super-Moderation
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Hallo BettyBlue,

Er wird 52 Jahre alt und ist seit ca. 10 Jahren als Gärtner eingestellt. In den Monaten November bis März wird er alljährlich in den Winterdienst gestellt. Das heisst viele Überstunden, kaum Mehrgeld für Bereitschaftsdienst, viele Tag- und Nachteinsätze zu sehr unregelmäßigen Zeiten. Das alles ist für meinen Freund mittlerweile kaum noch zu bewerkstelligen, dazu kommen noch viel zu viele Stunden, die in den Schneeräumfahrzeugen verbracht wird. Die Firma selbst ist leider für ihre zum Teil unsozialen und unzumutbaren Arbeitsbedingungen bekannt :-(

Mal ergänzend zu meinen Vorschreibern würde ich auch empfehlen umgehend einen GdB beim Versorgungsamt feststellen zu lassen, ab wenigstens GdB 30 kann er sich über die AfA mit einem Schwerbehinderten gleichstellen lassen.

Damit hat er zumindest den höheren Kündigungsschutz und kann z.B. Überstunden "ungestraft" ablehnen, ohne dass es arbeitsrechtliche Konsequenzen geben kann.

Nun möchte ich, dass er vielleicht den Winterdienst gar nicht mehr machen muss und er stattdessen für andere Arbeiten eingeteilt wird, die auch im Winter draussen gemacht werden müssen, allerdings zu festen Arbeitszeiten. Dazu hab ich ihm einen Termin bei meinem Neurologen/Psychiater für Mitte Mai gemacht.
Vielleicht wäre dies möglich, über einen Schwerbehindertenausweis zu erreichen.

Direkt einen Schwerbehinderten-Ausweis zu bekommen sehe ich eher als unwahrscheinlich an, besonders wenn er bisher nicht in regelmäßiger Behandlung gewesen ist wegen seiner Probleme, dafür müssen Einschränkungen bereits mindestens seit 6 Monaten (ständig und nicht nur Saison- oder Arbeitsplatzbedingt) nachweislich bestehen.

Mit dem Arzt zusammen (da geht auch der Hausarzt) kann /sollte er vielleicht mal an eine medizinische Reha denken, dort wird auch die allgemeine Leistungsfähigkeit geprüft und dann im Bericht festgelegt welche Arbeiten er noch machen sollte und welche besser nicht mehr, Nachtdienst und /oder Schichtarbeit wird das sehr häufig als "unzumutbar" festgelegt und danach müsste sich dann auch der AG richten.

Diese Reha-Einrichtungen helfen auch gerne beim Antrag auf Feststellung eines Behinderten-Grades, was oft mehr Wirkung beim Versorgungsamt erzeugt als die Unterstützung eines Sozial-Vereines ... zudem wollen die zunächst mal mindestens einen Jahresbeitrag haben ehe sie überhaupt irgendwas machen werden.

Dass die Arbeitsbedingungen für ihn erträglicher werden, er einen höheren Kündigungsschutz usw. hat. Vielleicht aber auch nur ein Gutachten des Facharztes, wobei ich dann befürchte, dass sich das gegenüber seinem Arbeitgeber als nachteilig auswirken könnte.

Ein behandelnder Facharzt hat keine Befugnisse einem AG irgendwelche Vorschriften zu machen, dafür wäre (wenn überhaupt) nur ein Betriebsarzt oder eben ein Reha-Bericht der DRV notwendig, wobei den AG natürlich auch nur die "Leistungseinschätzung" was anzugehen hätte und eben ein Schwerbehinderten-Status (auch die Gleichstellung) den nötigen Kündigungsschutz bringen würde.

Denn dem AG steht es natürlich frei deinen Partner jederzeit (gemäß Kündigungs-Regelungen im Arbeitsvertrag) zu entlassen, wenn er nicht mehr so "funktioniert" wie er das nach den Erwartungen des AG zu tun hat.

Ein Attest vom Arzt könnte sich da durchaus eher negativ auswirken, denn das muss den AG nicht interessieren, es gibt einen Arbeitsvertrag auf den der AG pochen wird und wenn der Mitarbeiter den nicht mehr erfüllen kann (aus gesundheitlichen Grenzen) ist der AG nicht unbedingt verpflichtet das anders zu organisieren, als es mal schriftlich vereinbart wurde.

Mein Freund hat diverse psychische Störungen (war auch schon als "interessanter Fall" bei einem Therapeuten), einseitige Schwerhörigkeit, Tinnitus und andere körperliche Beschwerden. Die psychischen Störungen könnte ihm ja vielleicht mein Arzt bescheinigen.

Der Arzt kann und sollte ihn AU schreiben wenn er nicht arbeiten kann und verschiedene Gesundheitsproblem dazu führen, da hilft kein Attest für den AG ... :icon_evil:

Dann sollte eine med. Reha beantragt werden möglichst in einer Klinik die sich um mehrere seiner Probleme kümmern kann (er hat ein Klinik-Wahlrecht und dazu sollte er sich vom Arzt beraten lassen), dort wird es dann vielleicht sogar zur Feststellung einer eingeschränkten Erwerbsfähigkeit kommen und das "könnte" bis in eine Rente wegen Erwerbsminderung führen ...

Ja das ist alles "hätte und könnte" aber eher ein machbarer Weg als weiter auf Verständnis beim AG zu hoffen, eine AU kann bis zu 78 Wochen am Stück dauern, wann war er zuletzt mal AU geschrieben ???

Wenn er immer "durchgehalten" hat bisher ohne "zu klagen", dann wird es Zeit, dass er das ändert und sich um seine Gesundheit kümmert, die gibt ihm nämlich kein AG zurück ... aus einer Reha kann sich auch ergeben, dass sein AG eine Wiedereingliederung oder Zuschüsse von der DRV bekommt, damit dein Partner zukünftig "leidensgerecht" weiter beschäftigt werden kann ...

Interessanter Weise bekommen solche Patienten oft mal überraschend die teilweise oder gar volle Erwerbsminderung in einer Reha bescheinigt, die vorher noch davon überzeugt waren, dass die Arbeitswelt ohne sie nicht weiter existieren könne ... wenn er diese Einstellung auch in einer Reha zu übermitteln weiß, könnte er schneller EM-Rentner sein, als er sich jetzt vorstellen möchte ...

Zumindest hat er damit aber mal was für sich und seine Gesundheit getan und wer nichts Besonderes davon erwartet kann auch nicht enttäuscht werden ...
Ich kenne Einige, die direkt aus dem Arbeitsleben (oft erstmals überhaupt) eine Reha beantragt haben und nach dortigen Feststellungen dann nur noch den EM-Renten-Antrag nachschieben brauchten ...

Das muss nicht, aber das KANN passieren ... und sonst geht es ihm nach einer Reha vielleicht wenigstens eine Zeit lang wieder etwas besser ... :icon_kinn:

MfG Doppeloma
 

BettyBlue

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Vielen Dank für Eure Antworten!

Interessanter Weise bekommen solche Patienten oft mal überraschend die teilweise oder gar volle Erwerbsminderung in einer Reha bescheinigt, die vorher noch davon überzeugt waren, dass die Arbeitswelt ohne sie nicht weiter existieren könne ... wenn er diese Einstellung auch in einer Reha zu übermitteln weiß, könnte er schneller EM-Rentner sein, als er sich jetzt vorstellen möchte ...

Ja, genau so ist er. Der Meinung, er wäre unersetzbar. Er jammert zwar gerne, aber ohne Arbeit kann und will ich ihn mir gar nicht vorstellen, ich denke, er wäre dann nicht mehr zu ertragen. :biggrin: Eine volle oder teilweise Erwerbsminderungsrente käme daher bei ihm nicht in Frage. Und auch eine Reha wird er nicht antreten wollen (wie sollen die anderen ohne ihn so lange auskommen...). Und dass ein Gutachten/ärztliches Attest nicht das Beste wären, davon habt ihr mich überzeugt. AU war er übrigens in seiner langjährigen Tätigkeit bisher sehr selten.

Ich fürchte, es wird daher doch auf den Versuch eines Schwerbehindertenausweises hinauslaufen. Vor ca. einem Jahr musste er sich einer schwereren Ohren-OP unterziehen, auch ist er auf dem einen Ohr weiterhin schwerhörig. Bei entsprechenden Ärzten ist er schon länger in Behandlung, auch gibt es Berichte vom Krankenhaus, die angefordert werden können. Meinen Psychologen werde ich bitten, dem Versorgungsamt seine psychischen Einschränkungen mitzuteilen. Ja, und dann heisst es nur hoffen. Wenn schon ein GdB von 30 etwas bringen würde, wäre das natürlich schön.

Liebe Grüße von Betty
 

Muzel

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Kooperatives Verhalten zählt nicht. Was zählt ist der Mensch, der die GdB einreicht. Sollte das das ein Gesundheitsamtsarzt sein, ist das ein Plus und wenn es einer von einer Uni-Klinik ist, das auch ein ein Plus.
 
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