Widerspruch gegen Kündigung alte EGV durch JC?

Peedjay

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Hallo, bei meinem letzten Termin im JC kam es bei der Besprechung der neuen EGV zum Eklat. SB weigerte sich, bei der Festlegung meiner Pflichten in der neuen EGV meine Vorschläge zu diskutieren, in welchem Tätigkeitsbereich ich (männlich, deutsch, 57 Jahre alt) Bewerbungen zu schreiben habe, sondern druckte EGV (mit von ihr diktierten Bedingungen) ohne weitere Absprachen aus. Meinen Protest und Gegenargumentation, dass der Vertrag dann für mich nicht unterschriftsfähig wäre, schnitt sie ab, indem sie mich und meine Begleiterin rausschmiss.

Zum Hintergrund: Ich bin im fünften Jahr meiner Selbständigkeit als Kleinunternehmer im Internethandel. Da ich leider nicht das Einkommen erziele, um aus H4 rauszukommen, erhalte ich Leistungen. Seit Oktober soll ich Bewerbungen schreiben, was ich wie vereinbart gemacht habe. Nun scheint SB der Meinung zu sein, dass meine Bemühungen nicht genügen und ich unbedingt mehr Bewerbungen zu schreiben habe. Soweit so gut, mach ich gerne, habe ich gesagt, während sie ohne Abstimmung aber die Tätigkeitsbereiche, in welchen ich mich zu bewerben habe, änderte. Mit der Aussage: "Sie betreiben ja Internethandel, dann können Sie doch auch als Verkäufer arbeiten", tippte sie das dann in ihren Computer ein. Ich protestierte, das dies keinesfalls meinen Qualifikationen entspricht und versuchte, darauf hinzuwirken, diese Tätigkeitsfelder gemäß meiner Berufslaufbahn sinnvoll zu definieren. Entsprechend meiner Biografie soll ich mich mit monatlich mind. drei Bewerbungen (Anzahl ist nicht mein Kritikpunkt!) in den Bereichen Sozialpsychologie (mein Studium) Redakteur (mein Beruf) sowie "im Verkauf" (Null Erfahrung) rechtfertigen. Meine Argumentation, dass ich sicherlich für allerlei Hintergrund-, Schreibtisch- und Beratungstätigkeit geeignet sei, aber keinesfalls als präsentabler Verkäufer in einem Baumarkt, wie ihr Vorschlag lautete, ließ sie nicht gelten und unterband weitere Einwände meinerseits durch den Rausschmiss meiner Begleiterin und mir.

Daraufhin habe ich mich bei der Geschäftsführung und beim "Kundenreaktionsmanagement" über SB beschwert und gesagt, aufgrund autoritären, unkooperativen und unwürdigen Verhaltens könne ich nicht mehr mit SB zusammenarbeiten. Sogar im Beisein von zwei Beiständen ist es wiederholt zum Eklat gekommen. Dann habe ich SB angeschrieben und ihr vorgeworfen, keine vernünftige "Potentialanalyse" mit mir gemacht zu haben. Deweiteren habe ich sie gebeten, den Tätigkeitsbereich meiner Bemühungen im 'Verkauf' herauszunehmen und habe als Ersatz den Bereich "Schauwerbegestaltung, Dekoration" vorgeschlagen, weil ich dort, damals meine Ausbildung absolviert hatte, damit die EGV für mich unterschriftsfähig sei. Ihre Reaktion: Im Anschreiben, Ablehnung meines Ansinnens; Zurückweisung meiner Kritik an mangelnder PA - die sei durch die insgesamt 5 Beratungstermine mit ihr sowie oftmals über 60 Minuten Dauer gegeben; Zuschicken der fraglichen EGV als VA (jedoch ergänzt um Bereich SGW/D) und Beibehaltung des fraglichen Tätigkeitsfeldes Verkauf. Desweiteren Kündigung der alten EGV, mit der Begründung, dass "die Änderungen in der Vermittlungssituation sonst nicht berücksichtigt werden können". Daraus abgeleitet nun meine Fragen:
- Wenn ich Widerspruch einlegen werde gegen diese Zwangsmaßnahmen, ist es vielleicht sinnvoll, Widerspruch gegen die Kündigung der alten EGV einzulegen, da diese "bis auf weiteres" ausgestellt war und es einfach keine Änderung in meiner Vermittlungssituation (als relativ erfolgloser Kleingewerbetreibender im Internethandel ) gegeben hat?
- Ist es zulässig, dass der erlassene Verwaltungsakt gegenüber der, für mich weiterhin nicht unterschriftsfähigen EGV geändert, bzw. ergänzt ist um meinen als Ersatz gedachten Vorschlag?

Puhh, das war viel Erklärung. Das Kundenreaktionsmanagement hat sich übrigens noch nicht gemeldet. Nächste Woche würde ich eine Erinnerung dahin schicken. Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit und ich freue mich sehr über Eure Einschätzungen oder ähnlichen Erfahrungen zu meinem, vielleicht etwas speziellen Fall. Ich weiss, dass ich meinen Pflichten im VA trotz aller Widersprüche doch nachkommen muss...
 

TazD

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Bitte dazu erstmal mitteilen, von wann die alte EGV ist und ggf auch mal die Kündigung hochladen sowie auch die neue EGV. Natürlich ausreichend anonymisiert.
Ohne die Dokumente oder die Infos zu kennen, kann nur schwerlich auf dein Anliegen eingegangen werden.

Grundsätzlich kann eine Kündigung nur gemäß § 59 SGB X ausgesprochen werden. Dabei hat sich aber auch die SB an das dort dargelegte Prozedere zu halten und vor allem an die Gründe, die überhaupt nur zu einer Kündigung berechtigen.
 
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erwerbsuchend

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@Peedjay, wo liegen für dich die Unterschiede zwischen dem Verkauf im Internet und dem Beruf des Verkäufers im Allgemeinen? Warum wäre für dich der Beruf des Verkäufers unzumutbar?
 

Kerstin_K

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WAs aug keine Fall geht ist, dass der VA etwas anderes enthält als die vorgeschlagene EGV.
 

Peedjay

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Hallo, Danke für Euer Feedback!
@erwerbsuchend, im Wesentlichen liegt für mich der Unterschied in der Repräsentabilität der Tätigkeit. Bislang habe ich immer im Hintergrund gearbeitet, am Schreibtisch, im Büro, im Lager, im Atelier oder Werkstatt, aber nie im direkten Kunden- oder Publikumskontakt in einem Verkaufsraum. Für eine Tätigkeit im Ladengeschäft würde mir auch die nötige Kontaktfähigkeit fehlen.

So bin ich eher kontaktscheu, betont eigenwillig und wenig repräsentabel im Auftreten oder verkaufsfördernden Aktivitäten. Im Internet können Produktbeschreibungen ermittelt, inhaltlich bearbeitet werden, es werden Fotos gemacht, es wird inszeniert und arrangiert sowie Logistik im Internet und in der Realität betrieben. Gar nicht will ich eine Verkaufstätigkeit herabwerten, im Gegenteil habe ich großen Respekt vor der Offenheit, Freude am Publikumsverkehr und direkt werbenden Kompetenz von Verkäuferinnen und Verkäufern. Jedoch ist es was komplett anderes, im Hintergrund, anonym, im Team, an Inhalten, der Herstellung, der Bewerbung oder der Organisation von Produktbereichen zu arbeiten.

Für den Verkauf würde mich ohnehin niemand nehmen, zu alt, zu unangepasst, zu verkopft und wasweissich noch, es ist also vollkommen sinnlos, mich dort zu bewerben. Bezeichnender
Weise hat SB aber auch den Bereich PR, Pressearbeit, Veranstaltungen aus meinen Qualifikationen heraus genommen, obwohl es in der, die EGV voraus setzenden Potentialanalyse unbedingt aufgrund meiner Zeugnisse aufgeführt werden müsste. Dazu habe ich mich zuletzt durch mehrere Bewerbungen auf solcherart Stellen nachweislich bemüht. Deswegen unterliegt 'Verkauf' einer kompletten fachlich/sachlichen Fehleinschätzung durch mangelhafte Potentialanalyse und mithin Inkompetenz durch SB.

Für mich ist immer mehr der Punkt, ob ich einen Widerspruch gegen die Kündigung der alten EGV starten soll, oder zwei Widersprüche, auch gegen den VA. Meines Erachtens ist der Kündigungsgrund "Änderungen in der Vermittlungssituation" nichtig, bzw. nicht hinreichend, da sich nichts, absolut nichts, an meiner bisherigen Aufstellung geändert hat (auch wenn SB meine Selbständigkeit nicht mehr akzeptieren sollte, obwohl sie mir die eigentlich nicht untersagen kann, denke ich). Mein Ziel ist, die Gültigkeit der alten EGV wiederherzustellen oder eine neue EGV auszuhandeln mit einem/einer neuen SB.

Was meint Ihr? Tausend Dank für Eure Aufmerksamkeit und Euer Interesse.

Dokumente und Anschreiben von SB im Anhang (hoffe, dass ich alles korrekt geschwärzt habe)...

Moderation:

Bevor jemand schreibt "Da sind keine Anhänge!": Hab ich wegen Sichtbarkeit der persönlichen Daten gelöscht. Gruß TazD
 

erwerbsuchend

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Das Aufgabengebiet des Verkäufers umfasst nicht nur den Verkauf an sich, sondern es gibt auch Nebenaufgaben im Bereich der betriebsinternen Logistik und Verwaltung. Dazu gehört, u.a. das Auffüllen von Waren im Verkaufsraum, die Warenannahme, die Ein- und Auslagerung und vieles mehr. Eigentlich alles Aufgaben, die du in deinem Internethandel ebenfalls bereits tätigst. Du müsstest also nun darlegen, warum du diese Aufgaben nicht tätigen kannst, wenn du im Einzelhandel arbeiten würdest.
 

Peedjay

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@TazDe, danke für die Moderation! Dachte, alles geschwärzt zu haben. Muss ich noch einmal überprüfen und gegebenenfalls erneut hochladen. Dachtest Du an etwas bestimmtes? Ansonsten geben die Dokumente nicht viel mehr her, als ich bereits versucht habe, getreulich wiederzugeben.
 

Peedjay

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@erwerbsuchend, auch wenn sich in den Tätigkeitsbereichen verschiedene Aufgaben überschneiden, sind die Schwerpunkte der erforderlichen Arbeit, und darauf kommt es doch bei Bewerbungen und Co. an, ganz andere. Eine Person, die sich als Verkäuferin qualifiziert hat, würde ich meinen, eignet sich noch lange nicht für eine hauptberufliche Tätigkeit in der betriebsinternen Logistik, wo es auch um Verwaltung, Systematisierung, Katalogisierung, Sortierung im hauptsächlichen Sinne geht. Auch wenn sie zwischendurch die Warenbestände im Verkaufsraum auffüllt und den Lieferanten empfängt, so ist die Haupttätigkeit, für die sie bezahlt wird, eben der Direktverkauf am Kunden.

Ja, ich weiß, mensch hat gefälligst jede 'zumutbare Tätigkeit' anzunehmen, die also nicht aufgrund bestimmter Einschränkungen unzulässig wäre. Das ist aber eigentlich nicht mein Punkt. Der Begriff 'Zumutbarkeit' ist ein juristischer Fallstrick, der meines Erachtens nur dazu dient, den Kunden für den expandierenden Niedriglohnsektor, Zeitarbeit und Ausbeutung seiner Arbeitskraft gefügig zu machen. Außerdem ist der (aus dem Wörterbuch des Unmenschen stammen könnende) Begriff eine klassische Projektion der JC-eigenen, perfiden und repressiven Maßnahmen gegen die Bedürftigen. Weiterhin das Einfallstor für eine straffe (Mut) Strukturierung und Hierarchisierung von Arbeitsbereichen, bei denen die vorgeblich minderwertigen Jobs dann noch als mehr oder weniger zumutbar konkurrieren. Nicht zuletzt birgt der Begriff 'zumutbar' erhebliches Diskriminierungspotential, weil ein Betroffener, der versucht, die ihm auferlegten Zumutungen ein- oder sich dagegen abzugrenzen, schnell in die Moralfalle tappen kann, ob er doch wohl nicht etwa einen vermeintlich niederen Berufsstand abwerten wolle, etc.pp... (als meint man, mit Herrschaftsprojektionen und durch Moralfragen induzierten Schuldgefühlen den Kunden erpressen und zwingen zu können.

'Zumutbarkeit' als ethisch-moralisches Kriterium soll also offensichtlich geeignet sein, den Arbeitsmarkt mit zu regulieren? Ich halte das für grundsätzlich fragwürdig, weil es keinerlei Sach-, Qualitäts- oder Wertkriterium beinhaltet, um es für den Arbeitsmarkt funktionabel zu machen. Eine der großen Errungenschaften der modernen Arbeitswelt ist die Arbeits- sowie die viel zu selten praktizierte Stellenteilung und damit einhergehend Spezialisierung, Qualifizierung und Effektivierung von Arbeitsbereichen. Mich wundert, dass im Rahmen der öffentlichen Debatte um "Fachkräftemangel" gleichzeitig einer totalen Entwertung und Entgrenzung von Berufsbildern, um nicht zu sagen -ständen, Vorschub geleistet wird. Aus Schuldgefühlen erwächst aber kein gesunder Arbeitsmarkt. Hier müsste es auch das Interesse von Gewerkschaften, Arbeit- und Sozialrecht sein, diese ideologischen Schikanen zurückzuweisen und angemessene Rechts- und Berufssicherheit zu fördern (vom Fordern hat mensch doch genug, oder?).

Ich habe mich konkret auf die in SGB II als Voraussetzung für eine erfolgreiche EGV geforderte Potentialanalyse PA bezogen und versucht, glaubhaft zu machen, dass die Forderung 'Bewerbung Verkauf' nicht meinen Qualifikationen entspricht und nicht Ergebnis einer, wie immer gearteten Potentialanalyse sein kann. Das scheint mir die letzte Bastion des Diktums der freien Berufswahl im Grundgesetz für den heutigen Leistungsempfänger nach SGB II zu sein.

Zur Erinnerung: "Die Gewährleistung der Berufsfreiheit im Grundgesetz. ... Das Grundgesetz von 1949 garantiert in Art. 12 Abs. 1 allen Deutschen sowohl die Freiheit der Berufswahl als auch die Freiheit der Berufsausübung und lautet: „Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen."

Was meint Ihr? Hat mein Widerspruch gegen VA wegen ungenügend erfolgter Potentialanalyse Aussicht auf Erfolg?

Kann ich zwei Widersprüche gleichzeitig machen? Indem ich zweitens eine Widerspruch gegen die Kündigung meiner alten EGV wegen Grundlosigkeit erhebe, da sich in meinen Verhältnissen rein gar nichts geändert hat, was eine Kündigung des alten, gültigen Vertrages rechtfertigen würde?
 

erwerbsuchend

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Hast du dich wirklich einmal mit den Aufgaben eines Verkäufers im Einzelhandel in der Realität befasst? Wir reden hier nicht nur von ausschließlich verkäuferisch tätigen Personen, wie im Kfz-Handel oder High-End-Bereich verschiedener Produkte. Als Verkäufer könntest du auch im LEH oder im Bekleidungsbereich wie H&M oder C&A arbeiten. Dort wirst du weniger aktiv "verkaufen" als vielmehr für "organisatorische" Arbeiten eingesetzt werden. Ich kann aus deinem vorherigem Beitrag nicht erkennen, warum diese Aufgaben für dich nicht zumutbar seien.

Du brauchst im Übrigen dem JC nicht mit dem GG kommen, denn deine Würde ist dahingehend gewahrt, dass dir Leistungen vom JC gewährt werden. Für den Bezug dieser Leistungen gibt es nunmal Regeln. ALG 2 ist eben nicht als Dauerlösung seitens des Gesetzgebers gedacht, sondern nur zur Überbrückung der Bedürftigkeit. Ich weiß, es gibt viele Personen, bei denen das leider mittlerweile anders aussieht als gedacht.
Gleiches gilt auch für den Punkt der freien Berufswahl. Du kannst dich jederzeit auf für dich passende Stellen bewerben. Solltest du bei einer dieser Stellen einen Arbeitsplatz erhalten, dann ist doch alles in Ordnung. Man kann dich aber dennoch seitens des JC auffordern, dich auf zumutbare Stellen zu bewerben, die auch außerhalb deines Wunschberufes liegen. Du kannst dich schließlich auch dann bewerben, wenn du eine dieser Stellen aus einem anderen zumutbaren Gebiet angenommen hast. Du musst eine solche Stelle nicht bis in alle Ewigkeit halten. Dies wird dir keiner vorschreiben.

Im Übrigen, eine Bewerbung auf eine Stellenausschreibung heißt noch lange nicht, dass du auch ein Vorstellungsgespräch erhälst und ein Vorstellungsgespräch endet nicht immer direkt mit einem Arbeitsvertrag.

Da dein VA derzeit nicht hier hochgeladen ist, kann man dir leider nur schwer sagen, ob und welche Erfolgschancen dein Widerspruch haben kann. Du müsstest konkret darlegen, warum welche Punkte aus dem VA von dir nicht erfüllbar sind. Lade doch einfach mal einen Entwurf deines Widerspruches hier hoch. Dann kann man eventuell schon sehen, ob dieser sinnvoll ist oder nicht.
 

Birt1959

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@Peedjay Bitte lade den VA hoch. Sonst kann man den schlecht beurteilen.

Ansonsten hat erwerbssuchend Dir ja alles erklärt.

Ein Studium ist was feines - nur ist leider nicht immer garantiert, dass im studierten Beruf auch gearbeitet werden kann. Wenn man/frau sich damit abfindet, machen - so meine Erfahrung - auch Jobs Spaß, die man als Schüler gar nicht auf dem Schirm hatte. Wenn man/frau lang genug aus dem Studium raus ist, ist so ein Unidiplom auch nur noch ein Stück Papier...
 

Peedjay

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@erwerbsuchend, Deine Anfrage: "Hast du dich wirklich einmal mit den Aufgaben eines Verkäufers im Einzelhandel in der Realität befasst?" würde ich selbstredend mit "Nein" beantworten, denn da von rede ich doch die ganze Zeit, von meiner mangelnden Qualifizierung und Kompetenz in dieser Hinsicht. Aber danke für die Belehrung, die SB kaum besser hinbekommen hätte, hat mir geholfen, meine Argumente gegenüber JC zu schärfen und mein Anliegen noch deutlicher zu formulieren. Im Widerspruch gegen den VA kann ich dann nur versuchen, die Begründung dafür, dass ich EGV nicht unterschreiben kann, auf einer nicht genügenden 'Potentialanalyse' aufzubauen. Zurückweisen werde ich den Passus der 'Zumutbarkeit', der durch 'Eignung' ersetzt werden müsste, auch wenn Arbeitnehmerrechte und arbeitsmarktpolitisch sinnvolle Maßnahmen schon längst abgeschafft sein sollten.

Die freie Berufswahl ist eines der wichtigsten Arbeitnehmerrechte, was nicht geschreddert werden sollte, auch nicht bei Leistungsbeziehern und ebenso wenig bei Leistenden, die eigentlich gleiche Interessen haben, nämlich die Anerkennung und Bewahrung ihrer grundsätzlichen Rechte, vor allem gegenüber privatrechtlichen "Treuhandgesellschaften" wie dem JC. Warum soll ich für deren 'Pflichtenkatalog' Verständnis haben? Dann lieber für die eigenen Rechte kämpfen!

Das wiederum ist kein Thema nur für einen abgehobenen Akademiker aus Dünkeldeutschland, sondern sollte Thema aller Berufenen und Berufstätigen sein, um sich weiterhin mit ihren Qualifikationen auf dem zunehmend prekären Arbeitsmarkt behaupten zu können. Ich werde es begrüßen, wenn das Sozialgericht in dem Zusammenhang mal eine grundsätzliche Entscheidung trifft, wie qualitativ eine Potentialanalyse zu sein hat, wenn sich einmal eine, mit einem engagierten Sozialanwalt gewappnete Verkäuferin dagegen wehren sollte, als Reinigungsfachkraft vermittelt zu werden.

Hoffe, besagten VA genügend geschwärzt eingestellt zu haben...
 

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Birt1959

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Die freie Berufswahl ist eines der wichtigsten Arbeitnehmerrechte, was nicht geschreddert werden sollte, auch nicht bei Leistungsbeziehern und ebenso wenig bei Leistenden, die eigentlich gleiche Interessen haben, nämlich die Anerkennung und Bewahrung ihrer grundsätzlichen Rechte, vor allem gegenüber privatrechtlichen "Treuhandgesellschaften" wie dem JC. Warum soll ich für deren 'Pflichtenkatalog' Verständnis haben? Dann lieber für die eigenen Rechte kämpfen!

Das wiederum ist kein Thema nur für einen abgehobenen Akademiker aus Dünkeldeutschland, sondern sollte Thema aller Berufenen und Berufstätigen sein, um sich weiterhin mit ihren Qualifikationen auf dem zunehmend prekären Arbeitsmarkt behaupten zu können. Ich werde es begrüßen, wenn das Sozialgericht in dem Zusammenhang mal eine grundsätzliche Entscheidung trifft, wie qualitativ eine Potentialanalyse zu sein hat, wenn sich einmal eine, mit einem engagierten Sozialanwalt gewappnete Verkäuferin dagegen wehren sollte, als Reinigungsfachkraft vermittelt zu werden.
Grau ist alle Theorie - zwar gibt es in Art. 12 GG die Garantie der freien Berufswahl, aber der Art. 12 ist nunmal nicht von der Ewigkeitsklausel betroffen. D.h. er kann durch eine Verfassungsänderung verändert werden.


Meines Wissens wurde der Artikel schon zu Zeiten der Arbeitslosen- und Sozialhilfe dahingehend verändert, dass Bezieher*innen dieser Sozialleistungen jede zumutbare Arbeit annehmen mussten. (Das galt natürlich nicht für Rentner*innen). Diesen Grundsatz übernahm man ins SGB 2 als man Teile der Sozialhilfe mit der Arbeitslosenhilfe zusammenführte.

Als Lektüre empfehle ich mal den entsprechenden Paragrafen, schließlich saugen die meisten, die sich mit Deinem Problem beschäftigen, ihre Meinung nicht unbedingt aus dem Finger.


Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass Sozialleistungen nun mal steuerfinanziert sind. Art. 2 GG beinhaltet das Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung (dazu dürfte die Berufsausübung gehören), schränkt sie aber in Absatz dahingehend ein, dass sie nur dann garantiert ist, solange sie keinem Weiteren und seinen Interessen schadet. Die Verfasser des SGB 2 sahen vermutlich einen Schaden der Interessen des Steuerzahlers.

Es gibt ein paar Ausnahmen - einen Überblick findest Du hier:



Um Dir jede Illusion dahingehend zu nehmen: bis jetzt scheint noch kein*e Kläger*in das BSG dahingehend überzeugt zu haben, dass die persönliche berufliche Präferenz vorrangig vor dem SGB 2 ist. Deswegen ist eine Potentialanalyse, die aufnimmt, was der/die LB*in in ihrem beruflichen Leben gemacht hat, ausreichend. Vor allem dann, wenn bei einigen beruflichen Tätigkeiten schon ein größerer Zeitraum seit der letzten Ausübung vorliegt. Dann ist es wirklich hilfreicher, zu schauen, was aktuell machbar ist. Da ist deine Tätigkeit im Internethandel besser zu verwenden, denn das machst Du ja aktuell. Wenn Dir also ein Hilfsjob in irgendeinem Laden dieser unzähligen Klamottenketten angeboten wird, heißt das nicht notwendiger Weise, dass Du auch im Laden stehst. Auch Deine Arbeit als Redakteur ist mit Sicherheit noch interessant. Allerdings würde ich mir da keine großen Hoffnungen machen, die Studierenden der diversen Journalistik- und Publiszistikstudiengänge jobben für ihre Abschlussarbeiten kostenlos und den Rest erledigen meist freie Mitarbeiter*innen.

Ich will die Dame vom JC nicht verteidigen, aber sie scheint ihre Arbeit völlig gesetzeskonform gemacht zu haben. Dass das SGB 2 zu unseren Ungunsten gemacht wurde, ist nicht ihre Schuld. Deine Redakteurstätigkeit hat sie ja in die EGV geschrieben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Geisteswissenschaftler nun mal nicht der Hit am Arbeitsmarkt sind. Da ist die Dame Dir schon ziemlich entgegen gekommen.
 

erwerbsuchend

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Du schreibst in Beitrag #1, dass du einen Internethandel führst. Als Selbstständiger sollten dir, sofern du Waren versendest, die von mir genannten Aufgabenbereiche bekannt sein. Ich kann bisher immer noch nicht erkennen, wieso du für Aufgaben, die du in deiner Selbstständigkeit bereits verrichtest, nicht geeignet sein sollst, diese für einen anderen Unternehmer als Angestellter durchzuführen. Dies werden das JC und ggfs. das SG ebenfalls von dir wissen wollen.

Zeige mir bitte, wo dich das JC in deiner Berufswahl einschränkt. Verbietet dir das JC, dass du dich auf selbstgesuchte Stellen, die deiner Vorstellung entsprechen, bewerben kannst?

Bisher ist mir in deinem VA nur der Punkt aufgefallen, dass nicht konkret geregelt ist, wie genau die Belegung der entstandenen Bewerbungskosten erfolgen soll. Allerdings könnte es sein, dass sich das JC bei dir darauf beruft, dass du als Selbstständiger mit einem Internethandel generell über Telefon und E-Mail-Konto verfügst, so dass es dir möglich ist, dich ohne weitere Zusatzkosten zu bewerben.
 

Peedjay

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OK, danke für die Stellungnahmen. Werde ich mir alles durch den Kopf gehen lassen, weil Zeit angemessen zu reagieren gibt es schon, so lange keine Sanktionen vollzogen werden... Widerspruch werde ich trotzdem formulieren, den Weg habe ich nunmal eingeschlagen. Auch wenn er letzlich von keinem Erfolg gekrönt werden sollte, muss ich meinen Verpflichtungen sowieso nachkommen, um eben Sanktionen zu vermeiden.
 
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