Werner Vontobel: Das war die falsche Baustelle, Frau Merkel

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wolliohne

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Nach dem x-ten, alles entscheidenden Euro-Krisengipfel in der vergangenen Woche stellte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel vor die Medien und sagte dies „Wir Europäer haben heute gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben. Wir haben die Problem erkannt und benannt.“
Falsch. Setzen. Frau Merkel, Sie haben das wahre Problem noch immer nicht erkannt. Deshalb noch einmal gaaanz langsam für Sie: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und zwölf weitere Staaten bilden zusammen eine Währungsunion. Währungsunion ist, wenn man nicht mehr abwerten darf. Abwerten mussten einzelne Länder immer dann, wenn ihr Importüberschuss chronisch wurde. Sie taten dies nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil sie befürchten mussten, dass sie sonst vor lauter Schulden ihre Importe nicht mehr bezahlen könnten. Und statt immer mehr zu importieren, wollten sie lieber mehr selber produzieren und so ihre Beschäftigung erhöhen und die Arbeitslosigkeit senken.
Soweit alles klar?
Gut. Und was sagt uns das nun in Bezug auf die Konstruktion einer Währungsunion? Richtig. Sie muss chronische Handelsbilanzdefizite vermeiden. Und weil die Defizite eines Landes immer auch die Überschusse eines anderen sind, müssen auch chronische Überschüsse vermieden werden. Ein Exportweltmeister in einer Währungsunion ist wie ein Elefant in einem Porzellan-Laden….
Von Ihnen und ihren Beratern aber dürfte man erwarten, dass Sie die Gesamtzusammenhänge sehen.
Das fällt ihnen offenbar schwer, denn der richtige Schluss daraus wäre, dass Deutschland dringend aufhören muss, Export- und Sparweltmeister zu sein. Damit haben Sie Europa viel mehr kaputt macht als sämtliche südliche Schlendriane.
Quelle: Cash

Ja. Theoretisch ginge es auch, wenn man alle Euro-Mitglieder dazu zwingt, genau so zu wirtschaften wie Deutschland. Aber Deutschland konsumiert heute gemessen am Detailhandelsumsatz weniger als zu Beginn des Euro. Die Löhne liegen real 4 Prozent tiefer, der Umsatz im Gastgewerbe liegt 30 Prozent unter dem damaligen Niveau. Ein Viertel der Deutschen geht heute in die Suppenküche statt ins Bezahl-Restaurant. Wenn dies alle anderen Euro-Länder nachahmen, brechen ihre Exporte ein, und sie haben 10 statt 3 Millionen Arbeitslose.
 

spin

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Und was sagt uns das nun in Bezug auf die Konstruktion einer Währungsunion? Richtig. Sie muss chronische Handelsbilanzdefizite vermeiden.
:icon_daumen: Das ist das erste Problem.
Das zweite wird hier beschrieben: Schuldenkrise oder Vermögenskrise?
Jetzt sind wir der vollen Wahrheit beträchtlich auf den Pelz gerückt. Merke: Geldvermögen und Schulden bedingen sich immer exakt gegenseitig. Da bleibt kein Cent übrig. Wenn also behauptet wird, die Staatsschulden seien zu groß, dann wissen wir jetzt, dass die Vermögen ebenfalls zu groß sein müssen, denn sie sind das exakte Spiegelbild der Schulden. Geldvermögen werden also immer durch Schulden gegengebucht. Im übrigen wissen Sie jetzt mehr als der übliche Bundestagsabgeordnete und die meisten der sogenannten Finanzexperten.
 

spin

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Und jetzt erkläre mal einer von den sogenannten Finanzexperten, wie man Staatsschulden reduzieren will, ohne die entsprechenden Vermögen zu reduzieren. Na ja, könnte man sagen. Verschieben wir doch jetzt die Schulden einfach auf den Bürger oder die Wirtschaft. Es ist aber zu befürchten, dass weder Bürger noch Wirtschaft über die entsprechende Bonität verfügen. Und wie soll das außerdem praktisch ablaufen? Bei dem Gefasel von Reduzierung von Staatsschulden handelt es sich solange um groben Unfug, solange nicht Geldvermögen und gegeneinander aufgelöst werden.
Sach ich doch: es geht nur mit Umverteilung von oben nach unten.

Hier noch eine sehr präzise Darstellung: https://library.fes.de/pdf-files/wiso/07705.pdf
 
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