Werde beschuldigt Arbeit abgelehnt zu haben, Sanktionenbescheid erhalten

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iums1

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Kurze Zusammenfassung der Vorgeschichte:

Praktikum in meinem Ausbildungsberuf absolviert.
Arbeitsvertrag mit Stundenlohn von 11,05Euro erhalten, Tarif ist 15,64Euro.
Arbeitgeber wollte nicht von seinem Angebot abruecken, Gehaltsverhandlungen verliefen ergebnislos. (ich habe dem Arbeitgeber keine Absage erteilt)
Arbeitgeber informiert JC: "Herr Arbeitnehmer hat Arbeit abgelehnt".
JC verschreibt Sanktionen.


Die Beschuldigung mit der das JC die Sanktion rechtfertigt:

2ebeuzb.jpg



Was kann ich jetzt machen? Ich kann doch dem Arbeitgeber und JC nicht rechtlos ausgeliefert sein.
 

Hamburgeryn1

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AW: Wurde beschuldigt Arbeit abgelehnt zu haben, Sanktionen folgten

Mit welcher Grundlage? Einfach nur Widerspruch einlegen erscheint mir nicht wirklich sinnvoll.
Sorry, aber ich stehe ein wenig auf dem Schlauch.

Handelt es sich bei dem Schrieb in # 1 um die Anhörung nach § 24 SGB X
oder ist das bereits der Sanktionsbescheid?
 

Fritz Fleißig

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AW: Wurde beschuldigt Arbeit abgelehnt zu haben, Sanktionen folgten

Du hast, wenn du dich nur auf den Tariflohn beziehst, leider ein Problem.

Tariflöhne sind nur bindend, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber in den entsprechenden Organisationen sind, ein Tarifvertrag für allgemeingültig erklärt wurde oder ein gesetzlicher Mindestlohn besteht. Vermutlich wird das nicht der Fall sein, sonst hättest du es erwähnt.

Ansonsten kann der Stundenlohn frei ausgehandelt werden, auch unterhalb des tariflichen oder ortsüblichen Lohnes, solange er nicht sittenwidrig niedrig ist. Die Grenze des Sittenwidrigen liegt etwa 30 % unterhalb dieses tariflichen oder ortsüblichen Lohnes. Das ist jedenfalls nach meiner Erinnerung die Schwelle, welche die Arbeitsagentur aufgrund von Gerichtsurteilen ansetzt.

Das Angebot des Arbeitgebers beträgt 11,05 / 15,64 = 70,6 % des Tariflohnes, ist also gerade noch nicht sittenwidrig. Man könnte fast vermuten, daß das Angebot im Hinblick auf diese Schwelle so konstruiert wurde.

Du könntest hier aus meiner Sicht also allenfalls damit argumentieren, daß du das Angebot eben noch nicht endgültig abgelehnt hast, sondern dir beispielsweise Bedenkzeit ausgebeten hast oder dich nochmals näher informieren wolltest. Da würde vermutlich Aussage gegen Aussage stehen. Allein mit der Höhe des Lohnes zu argumentieren, könnte gefährlich werden.
 

Hamburgeryn1

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AW: Wurde beschuldigt Arbeit abgelehnt zu haben, Sanktionen folgten

Sanktionsbescheid, ich habe 4 Wochen Zeit um Widerspruch einzulegen.
Kann es sein, dass du dich in deiner Anhörung um Kopf und Kragen geschrieben hast?
Zur Begründung Ihres Verhaltens haben Sie dargelegt, dass der von Herrn X angebotene Stundenlohn deutlich unterhalb des Tarifes lag.
 

iums1

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AW: Wurde beschuldigt Arbeit abgelehnt zu haben, Sanktionen folgten

Kann es sein, dass du dich in deiner Anhörung um Kopf und Kragen geschrieben hast?


Ich habe argumentiert, dass der Lohn, mit 30% weniger als Tarif, nicht zulaessig ist und dass ich die Arbeit nicht abgelehnt habe sondern die Gespraeche ergebnisoffen verblieben sind.
 

Neudenkender

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Arbeitgeber wollte nicht von seinem Angebot abruecken, Gehaltsverhandlungen verliefen ergebnislos. (ich habe dem Arbeitgeber keine Absage erteilt)

Sorry, aber das ist doch schon in sich widersprüchlich. Der will nicht abrücken, die Verhandlungen verliefen ergebnislos. Also hast du doch den irgendwo angebotenen Arbeitsvertrag nicht unterschreiben wollen. Bist du aufgestanden und gegangen - oder wie habe ich mir bitte in dem Szenario vorzustellen, dass du "dem Arbeitgeber keine Absage erteilt" hast?

Vermute auch, du hast das mit dem Tariflohn in der Anhörung geschrieben. Damit hast du leider schlechte Karten in Sachen Sanktionsabwehr, fürchte ich.

Versuche doch, dir woanders gleich nen Job zu suchen. In der Bude wärst du doch jetzt der Einknicker und vogelfrei, wenn die dich überhaupt noch nehmen würden.
 
K

Katzenfreak

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AW: Wurde beschuldigt Arbeit abgelehnt zu haben, Sanktionen folgten

Du könntest hier aus meiner Sicht also allenfalls damit argumentieren, daß du das Angebot eben noch nicht endgültig abgelehnt hast, sondern dir beispielsweise Bedenkzeit ausgebeten hast oder dich nochmals näher informieren wolltest. Da würde vermutlich Aussage gegen Aussage stehen. Allein mit der Höhe des Lohnes zu argumentieren, könnte gefährlich werden.


Bedenkzeit wozu???
Mit welchem Ergebnis?

Wäre dann das ergebnis gewesen :Nee will ich ned, dann gibts Sanktion.

Also ein Argument ist die Bedenkzeit mit Sicherheit nicht.
 

Fritz Fleißig

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Zur Bedenkzeit:

Kommt drauf an, wie sich alles zeitlich abgespielt hat. Darüber wissen wir leider noch nichts Konkretes.

Bei einer so wichtigen Sache wie einem Arbeitsvertrag hat meiner Ansicht nach jeder das Recht, sich nicht sofort an Ort und Stelle zu entscheiden, sondern die Sache nochmal kurz zu Hause zu überdenken ("mal eine Nacht darüber schlafen"). So etwas könnte man noch als angemessene Bedenkzeit vertreten.

Wenn sich jemand nach Unterbrechung der Verhandlungen aber mehrere Tage lang nicht mehr meldet, wird man das als Beendigung der Verhandlungen und damit Ablehnung des Angebots sehen müssen.

Soll aber nur meine Meinung sein.
 

iums1

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Sorry, aber das ist doch schon in sich widersprüchlich. Der will nicht abrücken, die Verhandlungen verliefen ergebnislos. Also hast du doch den irgendwo angebotenen Arbeitsvertrag nicht unterschreiben wollen. Bist du aufgestanden und gegangen - oder wie habe ich mir bitte in dem Szenario vorzustellen, dass du "dem Arbeitgeber keine Absage erteilt" hast?

Ich habe in meiner Stellungsnahme an das JC das Wort "ergebnisoffen" und nicht "ergebnislos" verwendet.
Die Verhandlungen wurden telefonisch gefuehrt. Der Arbeitgeber wollte am naechsten Tag 2 Wochen Urlaub nehmen, er wollte vereisen. Ich hatte die Annahme, dass ich nach den 2 Wochen nochmal verhandeln koennte. Er hat aber nach dem Gespraech das JC informiert.
 

Hamburgeryn1

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Ich habe in meiner Stellungsnahme an das JC das Wort "ergebnisoffen" und nicht "ergebnislos" verwendet.
Das macht für das JC keinen Unterschied.
Ich hatte die Annahme, dass ich nach den 2 Wochen nochmal verhandeln koennte. Er hat aber nach dem Gespraech das JC informiert.
Es handelte sich also um einen VV vom JC. (?)

Du hast die Situation folglich völlig falsch eingeschätzt.

Bist davon ausgegangen, dass du in so einem Fall souverän und
unabhängig mit einem potentiellen AG in Verhandlung treten kannst.

Sorry, aber wo das JC seine schmutzigen Finger drin hat, sind derartige Vorstellungen naiv.

AG die über das JC AN suchen, wollen billige, willige Arbeitssklaven,
die sich bei größtmöglicher Lohnsubventionierung für Lulli ausbeuten lassen.

Wer da nicht spurt, oder die Regeln nicht kennt, der hat bereits am Start verloren.
 

Neudenkender

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Der Arbeitgeber wollte am naechsten Tag 2 Wochen Urlaub nehmen, er wollte vereisen. Ich hatte die Annahme, dass ich nach den 2 Wochen nochmal verhandeln koennte. Er hat aber nach dem Gespraech das JC informiert.

Danke.

So sind sie. Hinterhältige Denunzianten. Lern daraus für die Zukunft. Shice-Situation. Aussicht auf nen anderen Job, kurzfristig? Hoffe ich.
 

Tapsy Poldi

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Was stand denn im VV als Bezahlung?

Wahrscheinlich "Nach Vereinbarung"...
Tjo, und so kommt man nicht mehr einfach raus aus der Kiste.
Selbst wenn der AG engesteht "Ja der Lohn ist zu niedrig um zu leben, zu hoch um zu sterben" steht man ziemlich blöd da.

Denke, da wird man in den Sanktionsapfel beißen müssen.
Daumen drück für die Zukunft!

Gruß
TP
 

Roscoe Street

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(...) Arbeitsvertrag mit Stundenlohn von 11,05Euro erhalten, Tarif ist 15,64Euro. Arbeitgeber wollte nicht von seinem Angebot abruecken, Gehaltsverhandlungen verliefen ergebnislos. (ich habe dem Arbeitgeber keine Absage erteilt) (...)
Durch konkludentes Handeln hast Du damit die Arbeit abgelehnt, indem Du von Deinem Standpunkt nicht abgewichen bist. Wenn diese Buden Dich haben wollen, dann ist dem so und dann musst Du dahin, egal zu welchem Gehalt. Den Wisch unterschreiben und nach Laune am besagten Termin antanzen oder sich mal vom Hausarzt ordentlich untersuchen lassen.
(...) Versuche doch, dir woanders gleich nen Job zu suchen. In der Bude wärst du doch jetzt der Einknicker und vogelfrei, wenn die dich überhaupt noch nehmen würden.
Das sehe ich als einige Option (außer die Sanktion auszusitzen) da wieder rauszukommen. Selbst in der Bude kann man es noch mal versuchen und am zweiten Tag erkranken. Vielleicht findest Du auch einen guten Anwalt, der Dich aus der Sanktionsgeschichte wieder herausfischen kann.
 
S

Steamhammer

Gast
Danke.

So sind sie. Hinterhältige Denunzianten. Lern daraus für die Zukunft. Shice-Situation. Aussicht auf nen anderen Job, kurzfristig? Hoffe ich.

Der gewöhnliche deutsche Arbeitgeber eben.

Wenn man schon das Unglück hat, in so einem "Vorstellungsgespräch" so einen Vertrag vorgelegt zu bekommen und dieser Arbeit für einen Verbrecher und Denunzianten nicht mehr ausweichen zu können, gibt es zwei Möglichkeiten:

1.Man hat heimlich genug Geld gespart, um so eine "Sanktion" letztlich unbeschadet zu überstehen

2.Man geht zumSchein darauf ein, unterschreibt, fängt an und stellt sich so dumm an, dass man den Betrieb aufhält. AU zur Not parallel, wenns nicht anders geht.

3. ........... und hier ist es zu spät: Warum hast Du nicht eine Antibewerbung verfasst , die trotzdem nicht sanktionierbar ist oder dich im VV "unsicher", fahrig und "übermüdet" gezeigt?
 
E

ExitUser

Gast
AW: Wurde beschuldigt Arbeit abgelehnt zu haben, Sanktionen folgten

Ich habe argumentiert, dass der Lohn, mit 30% weniger als Tarif, nicht zulaessig ist und dass ich die Arbeit nicht abgelehnt habe sondern die Gespraeche ergebnisoffen verblieben sind.

hier sollte man erstmal klähren
ob du ALG 1 oder ALG 2 beziehst
bei ALG1 stimmt das mit den 30% unter Tarif
aber bei ALG2 nicht
da must du alles annehmen wenns zumutbar ist
reicht der verdiehnst nicht aus
hat der Gesetzgeber das auftsocken geschaffen
das man blos nicht sagen kann das der verdiehnst nicht ausreicht und die arbeit unzumutbar währe

also bei ALG1 hast es einfach damit zu argumentieren aber bei ALG2 bezug hast du ein problem
 
G

Gast1

Gast
AW: Wurde beschuldigt Arbeit abgelehnt zu haben, Sanktionen folgten

bei ALG1 stimmt das mit den 30% unter Tarif
Sumse, Du erzählst Unsinn.

Bei ALG I gelten die Zumutbarkeitsregelungen des § 140 SGB III:

(3) Aus personenbezogenen Gründen ist eine Beschäftigung einer arbeitslosen Person insbesondere nicht zumutbar, wenn das daraus erzielbare Arbeitsentgelt erheblich niedriger ist als das der Bemessung des Arbeitslosengeldes zugrunde liegende Arbeitsentgelt. In den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit ist eine Minderung um mehr als 20 Prozent und in den folgenden drei Monaten um mehr als 30 Prozent dieses Arbeitsentgelts nicht zumutbar. Vom siebten Monat der Arbeitslosigkeit an ist einer arbeitslosen Person eine Beschäftigung nur dann nicht zumutbar, wenn das daraus erzielbare Nettoeinkommen unter Berücksichtigung der mit der Beschäftigung zusammenhängenden Aufwendungen niedriger ist als das Arbeitslosengeld.

Bei ALG II gilt sehr wohl diese 30%-Regelung, was die Unter-Tarif-Bezahlung betrifft. Bzw. den ortsüblichen Lohn.
 
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Arbeitsvertrag mit Stundenlohn von 11,05Euro erhalten

Mal realistisch gesehen ist das doch gar nicht so schlecht,und lässt Raum für Gehaltserhöhungen.:icon_daumen:
Für deinen neuen Chef bist du ein "Anfänger", Praktikum ist kein voller Einsatz,Er muss erst mal sehen wie es mit dir läuft. :biggrin:
Und warum nicht aus der Beschäftigung heraus was neues Suchen.
 
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