Wer hat Erfahrungen mit einer Umschulung bei der Rentenversicherungsanstalt bei einer psychischen Belastung?

Besucher und registrierte Nutzer in diesem Thema...

Jolly127

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
26 Dezember 2020
Beiträge
32
Bewertungen
0
Hallo zusammen,
ich habe ein Problem zu meiner beruflichen Zukunft, da ich tagtäglich psychischer Belastung bei der Arbeit ausgesetzt bin.

Ich habe einen beruflichen Abschluss als Kauffrau für Dialogmarketing (Call-Center) und kann den Beruf aufgrund psychischer Belastung nicht mehr ausführen. Aktuell stehe ich noch in Arbeit und möchte einen Antrag auf LTA bei der DRV stellen. Ich bin seit geraumer Zeit in ärztlicher und psychologischer Behandlung. Der Facharzt und Psychologe befürworten definitiv eine Umschulung. Meinen Beruf übe ich seit 13 Jahren aus und ich schaffe das in den Call Centern mit 43 Jahren fortan nicht mehr. Habe da eine beruflich- und gesundheitlich dokumentierte Odyssee hinter mir.

Nun würde ich gerne wissen, ob irgendjemand Erfahrungen hat mit Umschulungen wenn psychische Gründe hier der DRV dargelegt werden. Auf was sollte man besonders achten? Ich kenne mich in dem Thema gar nicht aus außer das ich sehr verzweifelt bin und ich diese Arbeit in dem Beruf für mich gesundheitlich nicht mehr in Frage kommt. Ich hatte bei der DRV mal nachgehakt und Unterlagen (berufliche LTA Antrag) dazu erhalten. Am Telefon meinte die Sachbearbeiterin, dass wohl eine Umschulung als z.B. Zugbegleiterin dann wohl weniger bis gar nicht für mich geeignet wäre. Man würde dann einen psychologischen Test machen und wenn man da durchfällt, man keine Chance hat dies zu erlernen bzw. genehmigt zu bekommen.

Ich wäre Euch für Ratschläge und Erfahrungen sehr dankbar.

LG
 
Zuletzt bearbeitet:

Ruhrpottmensch

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
7 August 2020
Beiträge
1.066
Bewertungen
1.258
Hallo @Jolly127

Ich bin schon gestern auf Dein Thema gestoßen, hab aber ein bisschen gebraucht, um eine passende Antwort auf Deine Frage zu finden... ;)
Denn leider ist Deine Frage genauso "allgemein" wie auch die Antwort darauf lautet...

Was Du machen sollst/kannst, wirst wohl nur Du genau wissen. ;)
Wir können Dir hier alle nicht "in den Kopf gucken". ;)

Aber mal so ganz grundsätzlich (Ich denke, das war ja auch der Hintergrund Deiner Frage ;) ):

Du kannst natürlich versuchen -über eben z.B. die RV- eine Umschulung zu machen. Das ist aber ähnlich wie bei einer Erwerbsunfähigkeitsrente, die man ebenfalls beantragen muss und dann von der RV "überprüft" wird. Genauso eben auch bei einer LTA. Gerade auch bei "psychischen Erkrankungen" wird die RV vor einer möglichen LTA (Wenn alle anderen "Voraussetzungen" erfüllt sind) natürlich den "Patienten" darauf überprüfen, ob eine LTA überhaupt "machbar" ist. Das wird zum Teil direkt bei der RV gemacht, teilweise kann man aber auch zu so etwas wie z.B. "Erprobungswochen" in ein BBW(Berufsbildungswerk) gehen um dort mal "auszuprobieren" wie das mit möglichen "Belastungen" klappt. Was ich persönlich bei LTA (Umschulungen) über die RV und BBW sehr positiv finde, dass eben -in den allermeisten Fällen- wirklich geschaut wird, was der "Patient"/"Kunde"/"Mensch" noch so packt und was man ihm noch "zumuten" kann. Zudem hat man in BBW meistens die Möglichkeit, in verschiedene "Berufsfelder" rein zu schauen. Außerdem gibt es dort meisten auch eine psychologische Begleitung in Form schon fast einer "Therapie" (Ich kenn das aus einem BBW bei mir um die Ecke, dass man sich da regelmäßig in der Grupp aber auch einzeln mit einem Psychologen trifft). Da ist ja gerade bei bestimmten "Grunderkrankungen" nicht ganz unwichtig. Man wird also nicht einfach "ins kalte Wasser" geschmissen oder/und muss Angst davor haben, dass man einen "Job" zugewiesen bekommt den man nicht packt. Und man wird eigentlich recht gut betreut bei allen möglichen Fragen wie auch finanzielle Unterstützung, Arbeitssuche nach der LTA (Oftmals arbeiten die BBW mit örtlichen AG zusammen) oder auch ganz "simplen" Dingen wie z.B. dem eigenen "Selbstbewusstsein" usw.

Allerdings ist es bis dahin ein oftmals ziemlich "steiniger Weg". Die RV schmeißt einem eine solche Umschulung/LTA natürlich nicht einfach so hinterher. Da wird (leider) echt viel geprüft und "begutachtet". Aber wenn es natürlich eine gewisse "Vorgeschichte" (in Sachen Krankheit) gibt, dann ist es auch bei "psychischen Erkrankungen" durchaus möglich eine Umschulung zu machen (Ich möchte mal behauten, dass gerade in BBW die Mehrzahl der Leute deswegen da sind).

Eventuell schaust Du mal, ob es bei Dir in der Ecke so etwas wie einen "Sozial-Psychologischen Dienst" (der Stadt/des Kreises) gibt. Die können einen -vor Ort- oftmals in solchen Angelegenheiten beraten. Oder auch mal schauen, ob es in der Nähe einen Treffpunkt/(Selbsthilfe)Verein gibt, der solche Beratungen anbietet. Da sitzen auch häufig Leute, die noch sehr gute Ideen haben. Gut...Momentan wird das schwierig mit "Vor-Ort", aber man kann ja mal wenigsten schon mal telefonisch nachfragen.

Was den "momentanen Job" angeht... Ich hab mal ein bisschen quergelesen...
Bist Du noch in einer festen Anstellung? Momentan AU & Krankengeld? Oder schon im Bezug von ALG1/ALG2?
Aber wie auch immer... Wenn das gesundheitlich nicht mehr "passt" und es Dir damit nur schlechter geht, dann nimm Dich da raus! Lass Dich Krankschreiben, geht ins Krankengeld, vielleicht beende den Job auch auf die ein oder andere Weise (Aber bitte nicht überstürzt selbst kündigen!)... Hilft ja keinem (Und am wenigstens Dir) weiter, wenn Du Dich da weiterhin "quälst"...
 
Zuletzt bearbeitet:

Fox29

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
13 Februar 2020
Beiträge
804
Bewertungen
1.238
Ich kann mich @Ruhrpottmensch nur anschließen, mit einer kleinen Korrektur:
Die Eignungsabklärungen, die der Reha-Träger durchführt sind bereits Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) nach dem SGB IX. Daher wird der LTA an sich zwar bewilligt, aber diese Bewilligung garantiert keine Umschulung. Es kann ja sein, dass die Belastbarkeit nicht ausreichend ist.
 

Ruhrpottmensch

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
7 August 2020
Beiträge
1.066
Bewertungen
1.258
Ja das stimmt @Fox29... Meistens (immer?!) sind die "Erprobungswochen" schon Teil der LTA.
Das von mir angesprochene BBW hier in der Ecke, bietet aber neben einem super "Informationstag" aber auch die Möglichkeit (Je nach "Fall") mal ein paar Tage "rein zu schnuppern". So ganz allgemein in die Abläufe des BBW , Kennen lernen der einzelnen "Übungsbetriebe" und das "Schnuppern" bei den Mitarbeitern des BBW. Das finde ich sehr cool von speziell diesem BBW. Ist natürlich (leider) nicht überall so...
 

Katzenstube

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
9 Februar 2017
Beiträge
826
Bewertungen
729
Hallole Jolly,
ich habe (nach einseitiger Erblindung) einen Termin bei der DRV vor Ort gemacht um genau einen Antrag auf LTA zu stellen.

Dieser wurde mit der DRV-Mitarbeiterin durchgeackert. Allerdings sind dazu Unterlagen der behandelnden Ärzte notwendig. Sinnvoll auch, wenn darin vermerk ist, dass ein Berufswechsel empfohlen wird.

Gruß von Katzenstube
 

Jolly127

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
26 Dezember 2020
Beiträge
32
Bewertungen
0
Vielen Dank für Eure Antworten.

Da ich einen Beruf erlernt habe, gerade im Call Center ist ja bekannt das die Leute dort das nicht bis zur Rente durchhalten können (sprich 30 Jahre lang an einem Stück). Dafür ist die emotionale Dissonanz und Belastbarkeit dann irgendwann mit 44 Jahren nicht mehr vorhanden. Auch meine Stimme macht es nicht mehr mit. Darüber hinaus auch noch ein ADHS Problem. Der Dystress im Call Center macht jeden egal welchen Alters irgendwann platt. Ich habe aktuell noch eine befristete Stelle und ein in der Probezeit aber aktuell nicht krank geschrieben. Ich war bis vor 4 Monaten noch über 6 Monate wieder u.a. deswegen bei einem anderen Arbeitgeber krank und dann ausgeschieden. Es endet immer in Krankheit und dann Kündigung, entweder durch mich oder den Arbeitgeber. Es kann ja nicht sein, dass ich irgendwann ein Jobhopper bin weil ich von dem Job immer wieder krank bzw. depressiv werden muss. Das ist sehr verzweifelnd. Ich arbeite gerne und bin in einem anderen Beruf alles andere als krank. Es ist halt diese Branche in der ich tätig bin.

Kurz - bis Mittelfristig will ich da raus und eine Umschulung machen. Auch mein Facharzt und meine Psychologin empfehlen eine Umschulung. Bei Bekannten und Freunde denen ich davon erzähle, fragen diese sich wie ich solange in der Branche aushalten konnte auf die lange Zeit gesehen und das man hier vollstes Verständnis mir Gegenüber anzeigt.

Ist es denn ratsamer die Befunde beizubringen anstatt eine Schweigepflichtsentbindung abzugeben? Dann besorge ich mir natürlich die Befunde dazu. Kann der Arzt das Liquiditätsweise mit der DRV abrechnen und gibt es Vordrucke der Befunde zu LTA von der DRV dazu? Ist es auch sinnvoller an einer Berufsfindung eher teilzunehmen anstatt die mir direkt eine Umschulung mit einem von mir gewünschten Beruf vorzuschlagen? Letztere könnte direkt abgeschmettert werden? Was wäre hier strategisch sinnvoller? Bin auch im SOVD Mitglied.

Danke Euch allen für die herzliche Hilfe und den weiteren Ratschlägen.
 
Zuletzt bearbeitet:

Ruhrpottmensch

Priv. Nutzer*in
Mitglied seit
7 August 2020
Beiträge
1.066
Bewertungen
1.258
Ist es denn ratsamer die Befunde beizubringen anstatt eine Schweigepflichtsentbindung abzugeben?
Jetzt mal nur auf die RV bezogen?
Ich sach mal so: Wenn die (Fach)Ärzte das Anliegen einer Umschulung/EMR befürworten und dementsprechend ihre "Arztbriefe"/Befunde aussehen, dann würde für mich (!) nichts dagegen sprechen eine SPE zu geben. Man kann ja eh im Vorfeld "aussortieren", welchem Arzt man eine Schweigepflichtentbindung gibt und welchen nicht. Erst wenn man "Sorge" haben muss, dass ein Arzt vielleicht nicht ganz so "Zielbringend" urteilt, würde ich eventuell selbst Befunde hinschicken. Man muss am Ende wohl selbst abwägen. Welche Variante jetzt welchen Einfluss auf einen möglichen Antrag hat, wird Dir wohl niemand sicher sagen können. Das kommt auch immer ein bisschen auf den Einzelfall an.
Kann der Arzt das Liquiditätsweise mit der DRV abrechnen und gibt es Vordrucke der Befunde zu LTA von der DRV dazu?
Ja... Das rechnet der Arzt alles von sich aus ab. Da muss sich ein Patient in den allermeisten Fällen keine Sorgen drum machen.
Auch gibt es bei einem Antrag alle möglichen Formulare und Vordrucke mit dabei. Wenn die RV sich direkt an einen Arzt wendet, dann gibt es da auch bestimmte "Vordrucke", ist dann aber ja nicht mehr das "Problem" des "Patienten".
Ist es auch sinnvoller an einer Berufsfindung eher teilzunehmen anstatt die mir direkt eine Umschulung mit einem von mir gewünschten Beruf vorzuschlagen?
Soweit ich weiß, gehört die (zukünftige) Berufsfindung auch zu dem Teil der "Begutachtung" während der Antragstellung.
Man ist natürlich ein wenig im "Vorteil", wenn man sich im Vorfeld schon über mögliche Träger (BBW) informiert hat und ggf. dort auch schon mal vorstellig geworden ist.
Letztere könnte direkt abgeschmettert werden?
Letztendlich könnte es immer "abgeschmettert" werden. Egal mit was für einer "Strategie" man da ran geht.
Die RV hat die gesetzliche Pflicht, Anträge auf LTA & EMR zu prüfen und bei nicht passenden Voraussetzungen auch abzulehnen. Oft "hängt" es dann an den medizinischen Vorrausetzungen, dagegen kann man aber ggf. in Widerspruch gehen. Daher kann man auch hier...
Was wäre hier strategisch sinnvoller?
...nicht wirklich etwas konkretes raten. Wie gesagt, LTA und/oder EMR ist von Fall zu Fall, von Antrag zu Antrag an völlig unterschiedliche Gründe gebunden und daher eine höchst individuelle Sache. Einen wirklichen "Leitfaden" der bei jedem passt, gibt es da leider nicht. Grundsätzlich kann man aber sagen: Antrag stellen! Mehr als ablehnen können die nicht, dann kann man immer noch genauer schauen, woran es "gehakt" hat.
Bin auch im SOVD Mitglied.
Hier muss ich -schon fast Gebetsmühlenartig- allerdings sagen:
Nicht zu viel Wert auf eine Mitgliedschaft beim SOVD legen. Die Beratungen, aber auch "Tipps" von denen sind mitunter sehr schwankend und nicht immer wirklich zielführend. Da bitte mit Bedacht auf Ratschläge & Tipps reagieren...
 

Jolly127

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
26 Dezember 2020
Beiträge
32
Bewertungen
0
Ich habe mich jetzt mal bei verschiedenen Bildungsträgern erkundigt. Man sagte mir, alle sozialen Berufe und Berufe in Wechselschichten und wo hoher Druck herrschen, sind kategorisch bei psychischer Vorbelastung ausgeschlossen. Tolle Wurst, dann kann ich ja gleich in den Keller. Ich meine, was bleibt dann noch? Einen Bürojob kann ich nicht aufgrund der ADHS weil ich mich dann schnell langweile und dadurch Fehler passieren. Call Center fällt direkt flach. Zugbegleiterin wäre demnach auch ausgeschlossen. Bliebe unterm Strich Triebfahrzeugführerin im Personenverkehr. Hat jemand noch andere Ideen? Bin gerade echt verzweifelt. Wobei das mit der Triebfahrzeugführerin mich schon reizen würde und auch Spaß machen würde und zu mir passen würde. Nur weiß man ja nie, welche Hürden die hier setzen weil ja auch da Wechselschichten sind. Obwohl ich damit gar keine Probleme habe.
 
Oben Unten