Welchen Vorteil bringt mir und anderen Langzeitarbeitslosen das ESF-Bundesprogramm?

Leser in diesem Thema...

jusa

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
6 März 2017
Beiträge
22
Bewertungen
3
Hey zusammen,

das heutige Einladungsgespräch verlief einseitig, indem meine SB mir vom ESF -Bundesprogramm für Langzeitarbeitslose viel vorschwärmte, wie toll es doch ist. Es wäre bis jetzt bereits schon ein voller Erfolg. Man drängte mir förmlich das Gespräch hierüber zum 25.04. auf.

Meine SB geht wohl davon aus, das sie mich überzeugen könnte. Außerdem braucht sie wohl noch Kandidaten, damit die Vorgaben für das JC erfüllt werden können.

Weiter sagte sie: Für viele auf Grundsicherung angewiesene Menschen wird es mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit immer schwieriger, eine Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt aufzunehmen. Neben der Überwindung häufig komplexer Problemlagen kommt für Langzeitarbeitslose Männer und Frauen erschwerend hinzu, dass die Mehrheit der Arbeitgeber es nicht in Betracht zieht, Langzeitarbeitslose einzustellen. Ein in 2015 gestartetes Arbeitsmarktprogramm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS ) soll Arbeitgeber deshalb gezielt für das Arbeitskraftpotential Langzeitarbeitesloser sensibilisieren und damit jenen Menschen eine neue Perspektive geben, die bislang weit vom Arbeitsmarkt entfernt waren. Finanziert wird das Projekt mit Mitteln des BMAS und des Europäischen Sozialfonds (ESF ). Das hatte sie nun toll auswendig gelernt und ohne nachzulesen mir gegenüber geäußert.

Nun, ich sehe es eher skeptischer. Ziel war es Ende des Jahres 2014 von der GroKo (Bundesregierung) ein 5-Punkte-Programm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit. Ein Teil davon ist das Millionen-ESF -Bundesprogramm zur Eingliederung Langzeitarbeitsloser Leistungsberechtigter nach dem SGB II auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, welches helfen soll, Langzeitarbeitslose ab 35 Jahre, ohne (verwertbaren) Berufsabschluss und einer mindestens 2-jährigen Arbeitslosigkeit in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Coaches für eine begleitende Hilfe am Arbeitsplatz ergänzen das Förderprogramm. Für das Programm werden rund 885 Millionen Euro zur Verfügung stehen, wobei rund 470 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF ) kommen.

Andrea Nahles hat ihr Programm natürlich werbemäßig befeuert in dem sie sagte: „Wir wollen dabei bis 2019 etwa 33.000 Menschen fördern."

Die Jobcenter hatten und haben immer noch die Möglichkeit sich per Ausschreibung an diesem Verfahren zu beteiligen. So wie meine SB mitteilte, hat sich auch mein JC daran beteiligt. Ich gehe davon aus, das so ziemlich alle JC ´s sich beteiligen mussten. Vorab durch einen guten Kontakt im Jobcenter-Ausschuss konnte ich im Vorfeld einiges in Erfahrung bringen.

Welchen Vorteil bringt dieses Programm für mich und für alle anderen Langzeitarbeitslosen?

Neben einer eventuellen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit bei einem Arbeitgeber, ist generell dieser Nutznießer des Programms.

So erhält er über 18 Monate einen Lohnzuschuss, der über die Laufzeit reduziert wird. Bekommt er für die ersten sechs Monate eine Förderung von 75 Prozent, reduziert er sich für weitere neun Monate auf die Hälfte des Arbeitsentgeltes, um dann in den letzten drei Monaten auf ein Viertel zu sinken. Die darauffolgenden sechs Monate Nachbeschäftigungspflicht werden nicht gefördert.

Darüber hinaus sind zusätzlich hier in diesem ESF wie oben bereits beschrieben, begleitende Coaches Pflicht. Sie sollen maximal 20 Bewerberinnen und Bewerber pro Coach „betreuen“. Ziel dabei ist das „Durchhalten des Arbeitsverhältnisses“. Ohne Coach keinen Lohnkostenzuschuss. Freiwilligkeit vorausgesetzt, werden potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Jobcenter „ausgewählt“. Parallel werden Arbeitgeber gesucht, die an solch einem Programm Interesse haben. Eigene Betriebsakquisiteure unterstützen die Suche nach Arbeitgebern und gehören dem Arbeitgeberservice an. Selbstverständlich hat sich auch mein Jobcenter "team.292.si LK RLP AW." um dieses Programm beworben und einen Zuschlag von dreistelliger Förderung erhalten. Die Zahl für den kleinen Landkreis ist deswegen so hoch, da Andrea Nahles ihren Privatwohnsitz in diesem Umkreis hat.

Die Bewerbersuche findet über Vorgespräche im Fallmanagement und oder auch über Gruppeninformationen statt. Geeignete „Kunden“ sind zu kennzeichnen. Werbetechnisch wird natürlich das Coaching erwähnt, um so einen Anreiz für die zukünftigen Teilnehmer zu schaffen.

Da allerdings die Marktführer der Zeit- und Leiharbeitsunternehmen bereits angesprochen wurden, zeigt es erneut die Fokussierung auf den Niedriglohnsektor.

Werden auf der einen Seite so Lohnkosten gesenkt und die Gewinne dieser Branche gestärkt, fehlt auf der anderen Seite der sichtbare Wille Arbeitnehmer in reguläre und insbesondere dauerhafte Arbeitsstellen zu vermitteln.

Vielleicht ist ja der Grundgedanke der, dass das Programm auf zwei Jahre befristet ist und die schnelle Massenabfertigung über die Zeit- und Leiharbeit ein Selbstläufer wird.

Und nicht nur das Jobcenter LK RLP AW.hofft, dass die Arbeitgeber ihr soziales Engagement durch die Außenwirkung des ESF -Logos entdecken und so über den betriebswirtschaftlichen Nutzen Lohndiener einstellen. Jedoch das bezweifle ich sehr, da es denen nur um Profit geht.

Ob den kommenden Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen damit für die längere Zukunft wirklich geholfen ist, ist nach Ablauf von den Jahren zu bezweifeln. Wenn überhaupt, wird die Arbeitslosenstatistik kurzfristig verbessert, aber nach dieser Zeit wird um diesen Personenkreis die Arbeitslosenstatistik wieder ansteigen. Millionen für das Credo: „Rein in die Zeitarbeit – rein in die Arbeitslosigkeit“. Profiteure sind die Zeitarbeitsfirmen und das Nachsehen haben die, die eigentlich gefördert werden sollen.

Vielleicht haben andere bereits auch Erfahrungen hierüber gemacht und es würde mich interessieren, wie ihr zum ESF steht. Meine Entscheidung werde ich der SB am 25.04. im nächsten Gespräch mitteilen, da es ja freiwillig ist. Ich habe bis heute nichts unterschrieben und ich werde auch weiterhin nichts unterschreiben, was mich entrechtet, beschneidet und bevormundet.

Solidarische Grüße
Jusa
 

arbeitsloskr

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
1 Januar 2017
Beiträge
1.622
Bewertungen
1.013
AW: ESF-Bundesprogramm der Jobcenter

Hallo jusa,

die Sache ist eigentlich ganz einfach und du musst dir nur 3 Fragen beantworten:

1) Willst du das deine Daten an die entsprechenden Speicherstellen des ESF weitergegeben werden?
2) Willst du vermehrt VV erhalten, denn das ist ja der Sinn hinter dem Programm, dass du durch mehr Vermittlungstätigkeit schneller in einen neuen Job kommst?
3) Willst du für min. 6 Monate dir ein Coaching antun, welches für den durchschnittlich gebildeten und informierten Bürger (m/w), der

- keine Schulden hat und den wirtschaftlichen Umgang mit Geld gewohnt ist,
- keine Probleme mit der Kinderbetreuung/Betreuung von familiären Pflegepersonen hat,
- keine Probleme im sozialen Umgang mit anderen Menschen hat, also weiß, wie man sich verhält,
- seine Probleme auf der Arbeit selbst mit den betreffenden Personen klärt, bzw. von selbst seinen AG darauf anspricht (sofern Probleme auftauchen sollten),
- weiß, was tägliche Körperpflege ist und die Bedeutung von sauberer Kleidung kennt,
- keine Probleme mit Drogen (zu Drogen gehören für mich auch Alkohol und Tabak, wenn man es genau nehmen möchte ;) ) hat,
- u.v.m

völlig sinnfrei und nicht zielführend ist, und wo du min. 1 Mal die Woche für min. 1 Stunde mit dem Coach (m/w) sprechen "musst", ggfs. sogar telefonisch?
 

noillusions

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
31 Oktober 2012
Beiträge
4.351
Bewertungen
4.127
AW: ESF -Bundesprogramm der Jobcenter

@jusa:

Da du Dich ja nicht nur oberflächlich damit befasst hast, und ja gezwungen bist Dich damit zu befassen, könntest Du das ja kreativ angehen. Sprich die Dinge an, die schlecht und/oder wichtig sind.
Das wären z.B.:

Wohin wirst du vermittelt? Ziel: Dein Wunschberuf.

Was bedeutet Coaching genau? Ziel: Fachliche Weiterbildung.

Realistischerweise ist das Ganze wohl für die Katz, weil der ESF -Kram eine starre, standardisierte Kiste ist, die nicht variiert werden kann. Durch Deinen Versuch dies trotzdem zu tun, zeigst du aber guten Willen und schindest Zeit.
Unter Umständen kommt man Dir aber tatsächlich entgegen, so wie manche Leute hier ja auch ihre EGV verhandeln können. Immerhin wollen die ja auch ihre Plätze vollkriegen.

Für den Punkt Coaching könnte das so aussehen:
Frage: "Was heißt Coaching genau und im Detail?"
Antwort: "Händchenhalten bei banalen Dingen (rechtzeitig morgens Aufstehen, nett zum Arbeitgeber sein, Tagesstruktur finden,...).
Erwiderung: "Kann ich alles, passt nicht auf mich. Ich könnte einen Coach brauchen der mich berufsfachlich weiterbringt (Weiterbildung)."

Sollte dir mündlich dann etwas zugesichert werden, fixierst du das dann schriftlich, damit du nicht den Standardmist kriegst.

Eine ebensolche Strategie bei den Stellen in die du vermittelt werden sollst fahren.
 

Curt The Cat

Redaktion
Mitglied seit
18 Juni 2005
Beiträge
8.989
Bewertungen
14.881
AW: Welchen Vorteil bringt mir das ESF -Bundesprogramm der Jobcenter?

Moinsen jusa und willkommen hier ...!

Ich war so frei und hab' den Titel Deines Fadens mal etwas griffiger gestaltet. Eine vollständige Frage ist immer freundlich und soviel Zeit muß sein - ergänzend verweise ich auch auf die Forenregel #11

11. Themen/Threads erstellen
Beim Erstellen neuer Themen/Threads ist darauf zu achten, eine aussagekräftige Überschrift zu wählen. Themen mit nichtssagenden, allgemeinen Überschriften, oder wie z.B. Alle Reinschauen!!! oder Hilfeee!!! oder ESF -Bundesprogramm der Jobcenter, sowie Topics mit irreführenden Angaben werden von den Moderatoren i.d.R ohne Ankündigung entfernt!
Unser TechAdmin hat sich die Mühe gemacht und den Editor für die Überschrift auf 110! Zeichen erweitert. Da passt deutlich mehr als ein bis drei Worte rein ...

Erhellendes zum Thema findet man auch hier ... ->klick

Ich wünsche Dir weiterhin einen angenehmen Aufenthalt hier im Forum.


:icon_wink:
 

Frank71

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
2 Juli 2010
Beiträge
2.613
Bewertungen
2.156
Dieses ESF Bundesprogramm ist freiwillig, sehe ich das richtig ?

Meine neue SB Quotenqueen hat mich auch darauf hin beim letzten Vorladungstermin angesprochen, ob ich mir das vorstellen könnte, darauf hin sagte ich, das ich das nicht möchte.
 

jusa

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
6 März 2017
Beiträge
22
Bewertungen
3
Hallo zusammen,

ich hatte nun meinen Termin zum Einladungsgespräch bei einer anderen SB wegen dem ESF . Das Gespräch war nur 10 Minuten lang. Zuerst hatte ich meinen Fahrkostenantrag hierfür vorgelegt und auf meiner Kopie dazu, den Empfang bestätigen lassen. Sie sprach, ich gebe es weiter. Mal abwarten wann der Betrag erstattet wird oder nicht.
Darüberhinaus kam es im weiteren Gespräch zu einer Diskrepanz, da meine zuständige SB in Urlaub ist, hatte sie der Kollegin, die für das ESF tätig war, in dem internen JC -System die Nachricht hinter lassen, dass ich dieses ESF machen wollte. Als die "ESF -Tante" mich darauf mit harschem Ton ansprach: "Was ist jetzt, machen sie das ESF und kann ich sie aufnehmen oder nicht?"

Ich, sowie mein Beistand waren überrascht von dem barschen Ton und wiesen sie drauf hin, das die zuständige SB uns vorher beim letzten Einladungsgespräch ohne Information und Beratung zur Infoveranstaltung eingeladen hatte. Wir waren demnach davon ausgegangen, dass ich nun sowie viele andere einen Vortrag über das ESF -Bundesprogramm vom JC mir anhöre, und mich dann mit Fragen und Antworten danach entscheiden könne, ob es was für mich ist oder nicht. Aber weit gefehlt. Die ESF -Tante wollte mich lt. der Info von meiner zuständigen SB sofort in das Programm aufnehmen.

Nachdem wir diese Fehlinformation von seiten meiner SB nun geklärt hatten, sagte ich der EST-Tante, dass ich keine Teilnahme zu diesem Programm möchte. Ich fragte sie, ob sie sonst noch etwas von mir möchte, welches sie verneinte und so verabschiedeten mein Beistand und ich uns und verließen das Jobcenter.

Die Abschlußfrage hatte ich bewusst gestellt, weil ein paar Wochen vorher meine SB mir noch sagte, die EGV können sie ja dann dort bei meiner Kollegin unterschrieben abgeben. Doch die war sauer und wollte davon nichts wissen. Also muss ich den Urlaub meiner zuständigen SB abwarten, was diese dann zu tun gedenkt. Entweder wird sie direkt einen VA erlassen und/oder uns nochmalig zum Gespräch einladen. Warten wir´s ab.

Ich wünsche allen einen stressfreien ersten Maifeiertag.

Mit solidarischen Grüßen
Jusa
 
Oben Unten