Welche Steuerklasse wird berücksichtig bei der Berechnung des ALG 1 ??

nkdl

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Hallo,

die berücksichtigte Steuerklasse für die Berechnung des ALG1 scheint ja ein wahnsinnig komplexes Thema zu sein, denn es war mir nach stundenlanger Recherche nicht möglich eine eindeutige Aussage zu bekommen. Selbst auf dem Arbeitsamt gab es widersprüchliche Aussagen. Hat mich echt fassungslos gemacht und deshalb hier die Hoffnung auf Hilfe von Leuten die es tatsächlich wissen ...

Wir hatten Mitte des Jahres von Steuerklasse 4/4 auf 3/5 gewechselt. In ein paar Tagen wird meine Frau (Steuerklasse 5) arbeitslos. Da auch eine Transfergesellschaft im Spiel ist ist es ungemein wichtig für uns zu wissen welche Höhe das Arbeitslosengeld am Ende ist und ob sich so eine Gesellschaft überhaupt lohnt, da diese definitiv die letzte aktuelle Steuerklasse berücksichtigt, was Klasse 5 ist und es somit sehr wenig Geld gibt. Würde sich nur lohnen wenn auch das ALG1 mit Klasse 5 berechnet wird.

So nun zur Frage:

im Netz gibt es massig widersprüchliche Aussagen, nahezu zu gleichen Teilen, welche Steuerklasse letztendlich für die 67% berechnet wird.

1. 67% vom Nettogehalt der letzten 12 Monate, wobei der Nettolohn von allen Monaten berücksichtigt wird, also teilweise Klasse 5 und teilweise Klasse 4 berechnet wird (da Nettogehalt als Ausgangsbasis)

2. 67% vom Bruttolohn unter Berücksichtigung der aktuellen Steuerklasse, somit Klasse 5 und die schlechteste aller Möglichkeiten)

3. 67% vom Bruttolohn unter der Berücksichtigung der Steuerklasse die am Jahresanfang bestanden hat, somit Klasse 4, was die beste aller Möglichkeiten wäre.

Wenn man mit Leuten auf dem Arbeitsamt spricht, dort anruft oder auf offiziellen Webseiten surft kommt man sich vor, als wär man die erste Familie in Deutschland die in den 12 Monaten vor der Arbeitslosigkeit die Steuerklasse gewechselt hat ...

Ich hoffe Ihr könnt uns helfen .
 
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Katzenfan

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AW: Welche Steuerklasse

Hallo nkdl,

grundsätzlich gilt erstmal:

Die Feststellung der Lohnsteuer richtet sich nach der Lohnsteuerklasse, die zu Beginn des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist, als Lohnsteuerabzugsmerkmal gebildet war.
(§ 153 Abs. 2 Satz 1 SGB III)

Jedoch:

Ein Steuerklassenwechsel ist nach Maßgabe des § 153 Abs. 3 von dem Tag an - ggf. auch zwischen Jahresbeginn und Entstehung des Anspruchs - zu berücksichtigen, von dem die geänderte Lohnsteuerklasse im Lohnsteuerabzugsverfahren anzuwenden ist (Wirksamkeit).
https://www3.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mtix/~edisp/l6019022dstbai407855.pdf?_ba.sid=L6019022DSTBAI407858
(siehe unter 153.3 Lohnsteuerklassenwechsel; bitte auch Anhang 1 beachten!)

Heißt:

Jeder Wechsel, auch wenn er VOR Eintritt der Arbeitslosigkeit oder danach zu Beginn eines neuen Jahres erfolgt, kann problematisch werden, denn wenn sich auf Grund der neuen Lohnsteuerklassen ein Arbeitslosengeld ergibt, das geringer ist als das Arbeitslosengeld, das sich ohne den Wechsel der Lohnsteuerklassen ergäbe, muss die Arbeitsagentur IMMER die neue Lohnsteuerklasse berücksichtigen. (§ 153 Abs. 3 SGB III)

Falls es Euch möglich und finanziell machbar ist, 1 Monat (Dezember) ohne ALG-Anspruch zu überbrücken, würde ich Euch empfehlen, dass Deine Frau erst zum 01.01.2018 ALG bezieht (möglich ist das: § 137 Abs. 2 SGB III) und dass Ihr noch in DIESEM Jahr Eure Steuerklassen zum 01.01.2017 wechselt.

Denn:
Bei einem Steuerklassenwechsel vor dem Beginn des Kalenderjahres, in dem erstmals der Anspruch auf ALG entsteht, geht die AfA immer von der am 1. Januar gültigen (neuen) Steuerklassenkombination aus.

Von der ALG-Anspruchsdauer her würde sich bei dieser Vorgehensweise nichts ändern; nur, dass der Anspruch später beginnt (und die monatlichen ALG-Zahlungen höher ausfallen

Und auch wenn das "Arbeitsamt" sich in dieser Sache nicht so sicher ist, solltet Ihr Euch dort - möglichst von denen, die letztendlich über die ALG-Höhe Deiner Frau entscheiden - lieber beraten lassen.

Hier noch der Arbeitslosengeldrechner der Bundesagentur für Arbeit:
Selbstberechnung - www.arbeitsagentur.de

Gruß
Katzenfan
 

Poiuz

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Hallo,
ich verfolge das Thema Steuerklassenwechsel bei ALG 1, weil mich das selbst betrifft. Obwohl ich viel im Netz gelesen habe, bin ich nicht sehr viel schlauer geworden.
Eine Aussage von Katzenfan muss ich hier hinterfragen. Der Ratschlag einen Monat auf ALG 1 zu verzichten und dann im Januar die neue Steuerklasse anzugeben, klingt erst mal schlau. Nur ist es nicht so, dass die letzten 12 Monate für die Berechnung herangezogen wird?
Demnach müssten man in diesem Fall die Gehälter mal 11 nehmen und durch 12 teilen (bei gleichbleibendem Gehalt) um den Durchschnitt zu ermitteln, der für die Berechnung benötigt wird.
Das bedeutet ein Monatsgehalt fällt weg. Wenn dann noch im Monat Dez. ein Bonus oder Weihnachtsgeld gezahlt werden würde, dann fällt dies auch weg. Ist das so korrekt?
Wenn ja, ist es fraglich ob sich das ganze lohnt. Hier kann das ganze nachgerechnet werden:
https://www.pub.arbeitsagentur.de/selbst.php#ergebnisse
 

Poiuz

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Kann mir bitte jemand diesen Absatz übersetzen. Ich verstehe hier wirllich nichts davon. Danke

§ 153 Abs. 2 Satz 1 SGB III

2Bei der Prüfung nach Satz 1 ist der Faktor nach § 39f des Einkommensteuergesetzes zu berücksichtigen; ein Ausfall des Arbeitsentgelts, der den Anspruch auf eine lohnsteuerfreie Entgeltersatzleistung begründet, bleibt bei der Beurteilung des Verhältnisses der monatlichen Arbeitsentgelte außer Betracht.
 
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