Was sollte ich im vereinfachten Antrag auf ALG2 (Corona) als Arbeitsunfähiger in Bezug auf Gesundheit/Arbeit ankreuzen?

Larsy80

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
15 Juni 2019
Beiträge
43
Bewertungen
5
Hallo,

ich habe hier einen Vereinfachten ALG2-Antrag vor mir liegen.
Bin momentan arbeitsunfähig bzw. krankgeschrieben, muß aber bei Punkt 9 folgende Frage beantworten:

"Ich fühle mich gesundheitlich in der Lage, eine Tätigkeit von mindestens drei Stunden täglich auszuüben. - JA/NEIN"

Meine Frage:
Kann ich überhaupt ALG2 neu beantragen, wo ich arbeitsunfähig geschrieben bin vom Arzt?
Und bezieht sich die Frage oben nur darauf, dass ich ERWERBSFÄHIG (kenne den rechtlichen Unterschied erwerbsunfähig/arbeitsunfähig) bin?
Kann ich also JA ankreuzen (Ja, mindestens drei Stunden täglich.), aber trotzdem beim JC als gegenwärtig arbeitsunfähig gelten?
und von Vermittlung/Bewerbung verschont bleiben?


Danke.

Gruß
Larsy80
 

abcabc

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
30 Oktober 2019
Beiträge
2.551
Bewertungen
6.594
"Ich fühle mich gesundheitlich in der Lage, eine Tätigkeit von mindestens drei Stunden täglich auszuüben. - JA/NEIN"
Es wird doch nur nach deinem "Gefühl" gefragt. Dann fühlst du dich halt aktuell in der Lage und ab morgen nicht mehr. Wenn du zum JC willst musst du "Ja" ankreuzen, sonst wirst du sofort abgelehnt und ans Sozialamt verwiesen. Sofern du lieber zum Sozialamt willst, kannst du natürlich "Nein" ankreuzen. Deine freie Entscheidung.

Kann ich überhaupt ALG2 neu beantragen, wo ich arbeitsunfähig geschrieben bin vom Arzt?
Natürlich. Da nirgendwo gefragt wird im Formular, ob du AU bist oder nicht, gibts auch keinen Grund das zu verraten, bevor die Leistungen genehmigt wurden. Und bevor die Leistungen genehmigt wurden kann man dich eh zu keinen Maßnahmen zwingen oder sonstwas. ;)

und von Vermittlung/Bewerbung verschont bleiben?
Sobald das JC versucht dich zu irgendwas zu zwingen an Vermittlung/Maßnahmen/..... holst du halt ab dann deine AU raus und lässt die immer schön verlängern und reichst sie ein. Dann hast du erstmal Ruhe. Allerdings wird das JC dich dann sehr wahrscheinlich nach ner Weile zum ärztlichen Dienst zur Begutachtung schicken...
 

Atze Knorke

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
28 Februar 2009
Beiträge
2.415
Bewertungen
2.922
Hallo Larsy80,

ich habe hier einen Vereinfachten ALG2-Antrag vor mir liegen.

kannst du das bitte näher erläutern, was du unter "vereinfachten" meinst?

Kann ich überhaupt ALG2 neu beantragen, wo ich arbeitsunfähig geschrieben bin vom Arzt?
Und bezieht sich die Frage oben nur darauf, dass ich ERWERBSFÄHIG (kenne den rechtlichen Unterschied erwerbsunfähig/arbeitsunfähig) bin?

Ist das nun ein ALG II-Hauptantrag oder ALG II-Weiterbewilligungsantrag?
SGB II-Antragsformalitäten - KLICK -

Definition 'arbeitsunfähig':
Arbeitsunfähigkeit - KLICK -
Definition 'erwerbsunfähig':
Erwerbsunfähigkeit - KLICK -

Mit Hilfe von Suchmaschinen ist das im Allgemeinen auch selbstständig zu schaffen. :icon_daumen:

und von Vermittlung/Bewerbung verschont bleiben?

Mit einem ALG II-Antrag wirst du als erwerbsfähiger Leistungsberechtigter eingestuft und die jeweiligen
SGB II-Bedarfe werden mit den entsprechenden Mitwirkungspflichten dann vom zuständigen Jobcenter
bewilligt.

Der JC-Zeremonie zufolge wird dann eine 'Eingliederungsvereinbarung' nach § 15 SGB II geschlossen.
EinV - KLICK -

Alles andere wäre, hätte ... meine :glaskugel:ist beim TÜV.
 

Larsy80

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
15 Juni 2019
Beiträge
43
Bewertungen
5
@Atze Knorke:

Es gibt einen Vereinfachten Antrag für Bewilligungszeitraum 01.03.2020 bis 30.06.2020
wegen Corona.

1) Zu meiner Situation:
War bisher Freiberufler, übe den Beruf aber momentan nicht aus. Davor war ich Angestellter.
Bin seit längerem krankgeschrieben (lange vor Corona schon) und bekomme nur noch bis Ende Juni Krankengeld (läuft aus).
Lebe von Wohngeld (deckt nicht ganz die Miete), Krankengeld (fällt bald weg/siehe oben), und Ersparnissen/Vermögen (gilt nach Corona-Regelung
als "nicht erhebliches Vermögen" da unter 60.000 Euro)
Ab Juli müßte ich mich auch selber freiwillig krankenversichern, was sehr teuer würde.
Ich möchte langfristig wieder irgendetwas arbeiten (in dem freien Beruf wohl nicht mehr), aber im Moment geht es noch nicht.

2) Bin jetzt aber auch verunsichert ob ich für den Antrag als "erwerbsfähig" (Anspruchsvorausetzung) gelte oder nicht.

Im Ausfüllhinweis steht:

Erwerbsfähig ist:
- wer unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig sein kann
und
- nicht wegen Krankheit oder Behinderung für mindestens sechs Monate daran gehindert ist

Dazu muß ich sagen, dass ich zwar momentan arbeitsunfähig bin aber bislang
keine Erwerbsunfähigkeit festgestellt worden ist.
 
Zuletzt bearbeitet:

Atze Knorke

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
28 Februar 2009
Beiträge
2.415
Bewertungen
2.922
Hallo Larsy80,

Es gibt einen Vereinfachten Antrag für Bewilligungszeitraum 01.03.2020 bis 30.06.2020
wegen Corona.

Weshalb einen vereinfachten SGBII-Antrag für einen 3-Monate-Bewilligungszeitraum?
In diesem Zeitraum wird auf die 'Prüfung des Vermögens' erst einmal von Amtswegen
wegen der Corona-Krise verzichtet.

§ 67 SGB II

Grundsätzlich werden SGB II-Leistungen im Regelfall zunächst für die Dauer von
zwölf Monaten bewilligt - § 41 SGB II - kann jedoch auf 6 Monate verkürzt werden
z. B. fallbezogen über den Leistungsanspruch vorläufig entschieden wird.


2) Bin jetzt aber auch verunsichert ob ich für den Antrag als "erwerbsfähig" (Anspruchsvorausetzung) gelte oder nicht.

Nein, du bist überhaupt nicht verunsichert. Das schaffst du ganz selbstbewusst. :idea:

Fülle diesen Antrag aus - keine Verstrickung wegen der spitzfindigen Antragsformulierungen -
weil du ein 'erwerbsfähiger Leistungsberechtigter' bist.

Lass' dich bitte nicht beirren.
 
Zuletzt bearbeitet:

Larsy80

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
15 Juni 2019
Beiträge
43
Bewertungen
5
@Atze Knorke:

Danke dir, für deine Ermutigung. (Man bekommt ja leider manchmal auch abfällige/zynische User-Kommentare..)

Fülle diesen Antrag aus - keine Verstrickung wegen der spitzfindigen Antragsformulierungen -
weil du ein 'erwerbsfähiger Leistungsberechtigter' bist.

Also auch wenn ich schon lange krankgeschrieben bin und nicht absehbar ist, ob ich innerhalb von 6 Monaten
wieder arbeitsfähig sein werde, meinst du hab ich ne Chance? Hab nur Angst, dass es nachher heißt:
"Sie hätten bei Antragsstellung davon ausgehen müssen (da bei Antragsstellung schon so lange krankgeschrieben)
dass Sie nicht innerhalb von 6 Monaten mindestens 3 Stunden arbeiten können.
Die Anspruchsvoraussetzung ist nicht gegeben gewesen: Erstatten Sie die erbrachten Leistungen der letzten 6 Monate."

Beitrag wurde automatisch zusammengeführt:

@Atze Knorke:

Mein Wohngeld endet 31.05. Folgeantrag könnte ich stellen (hätte ich auch Anspruch), aber ALG2 wäre ja mehr Geld,
weil ja Verpflegung UND Miete sowie KV+PV übernommen würden.
Wohngeld ist aber eigentlich vorrangig zu beantragen (gehört zu den vorrangigen Leistungen) - wird extra im Antrag abgefragt
8.1 Vorrangige Leistungen: "Ich habe (mögliche) Ansprüche auf andere (Sozial-)Leistungen (z.B. Wohngeld...ff)
, aber
es ist zu wenig (436 Euro, Miete ist schon 459 Euro), wenn das Krankengeld im Juli wegfällt und dann kommen noch
die freiwilligen KV+PV-Beiträge von 190 Euro dazu. ALG1 und Grundsicherung stehen mir nicht zu. (abgeklärt)
Kann ich das dann so begründen? (Man soll eine "Formlose Antragsbegründung" u.a. beifügen, ist extra
vom Jobcenter ein Hinweiszettel beim Antrag dabei gewesen. Und natürlich die üblichen Nachweise in Kopie.)
 
Zuletzt bearbeitet:

Atze Knorke

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
28 Februar 2009
Beiträge
2.415
Bewertungen
2.922
@Larsy80,

Grundlage ist im Prinzip die SGB II/ALG II-Antragstellung - im Verlauf wird dann der Ärztliche Dienst (JC)
entscheiden, ob du erwerbsfähig bist oder nicht.
Du bist 'arbeitsunfähig erkrankt' und bis zur Feststellung das Gegenteil eintritt, bist du erwerbsfähig.

ALG1 und Grundsicherung stehen mir nicht zu. (abgeklärt)

Was ist abgeklärt?

Die Behörden (AfA/JC) sind verpflichtet, die Beratungs- und Auskunftspflicht zu gewährleisten:

Das ist der Leistungsparagraf, der die geringsten Anforderungen stellt bei Bezug von ALG I:

Kein schriftlicher AfA-Ablehnungsbescheid, weil gar keine Antragstellung?

Zum Krankengeld - Aussteuerung?
Das läuft bei dir Ende Juni 2020 aus.

Knacktus Knusus:
Eigentlich solltest du dich spätestens drei Monate vor dem finalen Auslaufen des Krankengeldes bei
der AfA oder Jobcenter gemeldet haben.

Das trifft insofern nicht mehr zu.

 
Zuletzt bearbeitet:

Larsy80

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
15 Juni 2019
Beiträge
43
Bewertungen
5
@Atze Knorke:

Was ist abgeklärt?
Sollte der SGB II-Ablehnungsbescheid eintreffen, dürfte die Grundsicherung für dich zuständig werden.

Grundsicherung/Soziales Dienstleistungszentrum angerufen:
Sie kämen für mich nicht in Frage, weil ich a) kein EM-Rentner oder Altersrentner wäre, bzw. bisher keine Erwerbsunfähigkeit festgestellt worden ist.
Ich möchte keinen Rentenantrag stellen, nur weil Krankengeld ausgesteuert wird. Möchte ja langfristig wieder arbeiten. Bin 46.
Meine "Ersparnisse" könnten natürlich eine Weile für freiwillige KV-Beiträge und Leben genutzt werden (Wohngeld für Miete), aber dann sind sie auch futsch.
Das geht ratzfatz. Bei fast 200 Euro KV/PV im Monat und keinem Einkommen. Sind meine einzigen Rücklagen, die ich habe.
Agentur für Arbeit angerufen:
Da ich als Freiberufler in den letzten 2 Jahren nicht freiwillig in die A-Versicherung eingezahlt habe, habe ich keine Ansprüche auf ALG1.
Alte Ansprüche länger als 4 Jahre her und damit vergangen, so die telefonische Auskunft.

Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit (Nahtlosigkeitsregelung) kommt vermutlich nicht in Frage,
sofern ich keinen Rentenantrag laufen habe. Weiß auch nicht wie es da mit nicht
eingezahlten Versicherungsbeiträgen ausschaut.
Habe ja defacto nichts eingezahlt die ganzen
letzten Jahre. Also eigentlich keinen Anspruch erworben.

Zum Krankengeld - Aussteuerung?
Das läuft bei dir Ende Juni 2020 aus.

Ja, Aussteuerung. Ende Juni. Mir war bislang gar nicht bewußt, bzw. bis vor ca. 2 Wochen, dass
ich durch Corona-Sonderregelung trotz (nicht erheblichem) Vermögen ALG2-Antrag stellen kann.
Ist ja normalerweise nur bei max. 150 Euro pro Lebensjahr Schonvermögen möglich.
Auf die Idee mit Antrag hat mich ja erst der Mitarbeiter von der Grundsicherung gebracht,
der hatte von Corona-Sonderregelung H4 gehört.

Die Behörden (AfA/JC) sind verpflichtet, die Beratungs- und Auskunftspflicht zu gewährleisten:

Du würdest dich wundern, was man unter der JC-Hotline (vermutl. Auftrags-Callcenter) für gegenteilige oder falsche Aussagen erhält.
Soviel dazu. Per Mail bekomme ich schon seit Tagen keine Antwort vom JC. Besuche wegen Corona momentan nicht möglich.
 
Zuletzt bearbeitet:

Atze Knorke

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
28 Februar 2009
Beiträge
2.415
Bewertungen
2.922
@Larsy80,

... habe meine Anmerkung korrigiert.

Grundsicherung/Soziales Dienstleistungszentrum angerufen:
Sie kämen für mich nicht in Frage, weil ich a) kein EM-Rentner oder Altersrentner wäre, bzw. bisher keine Erwerbsunfähigkeit festgestellt worden ist.

Soweit richtig, Erwerbsminderungsrentner/-in - befristet (3. Kapitel SGB XII oder dauerhaft 4, Kapitel SGB XII)
- je nach Gutachten durch die DRV, die nur dafür zuständig ist, die 'Erwerbsunfähigkeit' festzustellen.

Altersrentner/-in, für die ihre karge Rente nicht ausreicht, können Grundsicherung beantragen.

Agentur für Arbeit angerufen:
Da ich als Freiberufler in den letzten 2 Jahren nicht freiwillig in die A-Versicherung eingezahlt habe, habe ich keine Ansprüche auf ALG1.
Alte Ansprüche länger als 4 Jahre her und damit vergangen.

ALG I-Anspruchsvoraussetzungen sind bei dir also nicht mehr in diesem Rahmen gegeben?

Wie lange Sie Arbeitslosengeld erhalten

Wie lange Sie Arbeitslosengeld bekommen, hängt von 2 Faktoren ab:
  • wie lange Sie versicherungspflichtig waren, zum Beispiel in Form einer versicherungspflichtigen Beschäftigung, und
  • wie alt Sie sind.
Die versicherungspflichtigen Zeiten müssen in der Regel innerhalb der vergangenen 5 Jahre liegen. Dabei können mehrere versicherungspflichtige Zeiten zusammen gerechnet werden.

Corona-Sozialpaket:

Ist ja normalerweise nur bei max. 150 Euro pro Lebensjahr Schonvermögen möglich.

Alles zum Schonvermögen und Freibeträge usw:
Was zählt zum Schonvermögen
 

Larsy80

Elo-User*in
Startbeitrag
Mitglied seit
15 Juni 2019
Beiträge
43
Bewertungen
5
Genau, also Grundsicherung fällt schon mal weg, da keine Erwerbsunfähigkeit vorliegt (festgestellte).

Arbeitslosengeld hätte ich in den letzten 30 Monaten 12 Monate lang in die AV einzahlen müssen. Hab ich nicht.
War Freiberufler und habe es nicht freiwillig getan.

Danke dir für die vielen Info-Links, das meiste habe ich schon vorher durchgelesen.

Wegen Corona-ALG2:
Bin ja eigentlich nicht mehr Freiberufler bzw. als dieser tätig. Und kann diese Tätigkeit nicht
mehr ausüben (psychisch). Habe aber vorher andere sozialversicherungspfl. Tätigkeiten gehabt. z.B. jahrelang Call Center Agent.
Kann ich trotzdem Corona-Antrag stellen? Oder muß man den Status "momentan aktiver Freiberufler" haben.
 
Zuletzt bearbeitet:

grün_fink

VIP Nutzer*in
Mitglied seit
3 Juli 2019
Beiträge
3.672
Bewertungen
8.372
Ergänzend dazu:
Wahrscheinlich auch in Corona-Zeiten, muss man einen Antrag auf ALG I trotzdem stellen, um mit dessen Ablehnung beim JC dann Leistungen zu bekommen.
Was die KV angeht: Den Basistarif der KV muss das JC glaube ich in voller Höhe übernehmen. Schon alleine deswegen lohnt es sich, den Antrag zu stellen.
Die Erwerbsfähigkeit sollte man erstmal als gegeben annehmen, bis der ärztliche Dienst der AfA/JC das Gegenteil festgestellt hat. Bei so langen Krankmeldungen fragt das JC von sich aus meist nach und schaltet den ÄD ein.
 
Oben Unten