Was sagt ihr Menschen, die fragen was ihr macht?

franzi

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Ich werde nur noch sehr selten gefragt.
Ich gebe meine Nebentätigkeit an. Da gibt es dann auch keine Nachfragen mehr.
Am Anfang war das auch noch irgendwie "interessant", mittlerweile hat sich die Lage beruhigt.

Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht: wenn man in einem Umfeld lebt, in dem es immer mehr Rentner, Sozialhilfe-Bezieher und Harzer gibt, wird das Thema: "Und was machst du beruflich?" ausgeklammert. Viele wollen nicht gefragt werden, und fragen daher selbst auch nicht.
So erspart man sich gegenseitig unangenehme Fragen.
Und nach einer Weile weiß man ohnehin, wer berufstätig ist und wer nicht ...

Erwerbslosigkeit ist einfach schon so etwas wie die "neue Normalität". Es schockiert nicht mehr, weil es einfach zu viele betrifft.
 

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Meine Umgebung weiß, das ich zu jenen gehöre, die offiziell nicht mehr erwerbstätig sein können. Sie wissen aber auch ob meiner wahren Fähigkeiten im handwerklichen Bereich und um meine recht erfolgreichen Bemühungen, den älteren Mietern meines Aufganges das Leben durch verschiedene Handreichungen das Leben leichter zu machen. In meinem Viertel leben fast ausschließlich Altersrentner und eine ganze Reihe von Hartz4-Beziehern. Ich bin hier der einzige Kunde des Sozialamtes, der dies auch vorerst auch länger( 4. Kapitel) bleiben wird.

Obwohl, bei den Hartzern gelte ich als etwas seltsam wegen meiner Bemühungen, wieder von Staat unabhängig zu werden, aber die guten Leute meinen es nicht böse.

Aber es ist ja so, das bekanntlich jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat.
 

romeo1222

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Früher war ich ehrlich und habe ALG 2 gesagt, was aber oft negativ aufgefasst wurde. Mittlerweile wissen es nur noch sehr enge Personen. Ansonsten bin ich mit einem Kleinstverdienst seit Ende letztes Jahres Selbständig, dieses kommt auch immer gut an bei eher fremden Personen, wenn man sowas sagen kann. Praktisch dürfte ich somit nicht mal mehr zur Elo-Statistik gehören, also zur geschönten natürlich.
 

Lucky Luke

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Verwandte und Freunde/gute Bekannte wissen es eh', wenn ich mal gefragt werde sage ich es wie es ist (lange Krankengeschichte, jetzt ALG1, EM-Rente beantragt...).

Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass ich z.Bsp. mal beim Friseur oder Bäcker gefragt worden wäre 😉.

Blöd angemacht deswegen bin ich nie geworden (soll sich mal einer trauen 😠), ich ernte eigentlich eher "Mitgefühl" und gute Wünsche; bin gestern beim Kardiologen gewesen und habe ihm mitgeteilt, dass ich nun EM-Rentenantrag gestellt habe. Er wünschte mir gute Nerven und meinte, dass er sich bei dem Stress nicht wundere, dass meine Rhythmusstörungen wieder zugenommen haben ...

Natürlich bin ich mir bewusst, dass ALG2-Bezug eine andere "Hausnummer" ist. Ich kann nur jedem raten, sich nicht runterputzen zu lassen und zu versuchen, sein Selbstbewusstsein nicht zu verlieren bzw. aufzubauen. Der "Wert" eines Menschen ist völlig unabhängig von seinem Beruf oder Kontostand, Anstand und Moral kann man nicht kaufen (wobei: VERkaufen tun's ja einige...). Okay, ich geb's zu, ich bin ein Dinosaurier und stehe dazu 🐲

Wer meint "sowas kann mir nicht passieren" ist ein abgehobener Ignorant dem zu wünschen ist, dass ihm das Schicksal nicht auch einmal einen ganz, ganz bösen Streich spielt.

Solchen Menschen begegnet man am besten, indem man sie nicht beachtet und ihnen noch ein "schönes" Leben wünscht - meine Meinung.
 
Zuletzt bearbeitet:

gila

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Er wünschte mir gute Nerven und meinte, dass er sich bei dem Stress nicht wundere, dass meine Rhythmusstörungen wieder zugenommen haben ...
Kenn ich guuuut! Und ab und an plötzlich Vorhofflimmern - aber komplett "herzgesund" und gesunde Ernährung, tolles Blutbild - Vitamine 1 A - Lob vom Kardio.
Wir sind überein gekommen, dass es am vegetativen Bereich liegt und der Sympathikus und der Parasympathikus sich nicht mögen und mein Sympathikus ein dummes kleines Ar...... ist, das aus der Reihe tanzt. :icon_twisted: Er hat schon mal für einen Freiflug mit dem Hubi in die Klinik gesorgt!

Man glaubt echt nicht, was dieser Dauer-Existenz-Stress alles anrichtet und wie das unterschwellig arbeitet und schlaucht!
Kein Wunder, dass - besonders seit den netten Hartzgesetzen - die psychischen Erkrankungen rasant zunehmen!
 

Lucky Luke

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Ja, das ist leider so, der Körper ist nicht bis ins Unendliche belastbar - und Stress kann man nur bis zu einem gewissen Grad mit dem Verstand kompensieren.
Hatte eigentlich recht lange Ruhe jetzt (nach Aortenaneurysma Implantat derselben mit Aortenklappe), bin soweit medikamentös gut eingestellt, aber dieses Gefühl, nur REagieren und nicht agieren zu können....
Aber wenn ich manche Erfahrungsberichte hier lese, da geht's mir echt noch gut 😃
Wünsch' dir (und mir) weiterhin gute Nerven!
 

grün_fink

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Ich denke, dass das Verschweigen auch seine gesundheitlichen Folgen haben kann, wenn man alles in sich rein frisst.
Also am besten ist es, wenn man seinen eigenen Umgang damit findet, un der kann auch von Zeit zu Zeit mal anders sein.

Prinzipiell wird Status (wozu ich auch Arbeit an sich und vor angesehene) zähle, schon gottähnlich verehrt. Manche treibens dabei allzu dolle, selber und bei anderen.
Wieder andere finden nur das, was sie kennen richtig und gut, alles andere nur minderwertig (ja auch aus Neid von unten nach oben).

Ich selber war nur gut genug, als ich hart in einfachen Jobs arbeitete, dabei aber fast vor die Hunde ging, auch wegen der Randbedingungen wie lange Pendelzeiten, Überschuldung und dass ich gar nicht dafür gemacht bin.
Da schämte ich mich noch mehr als sonst.
Als ich in ALG II war, wurde ich ziemlich dumm angeguckt, außer da, wo viele eingeschränkte Leute waren mit wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt und genug anderen Problemen.
Als ich dann sagen konnte, ich bekomme Rente, waren die meisten milder gestimmt. Ab und an fragte mal jemand, weswegen. Da sagte ich, wegen der Psyche, weil ich mich früher zu sehr aufgearbeitet hab. Da kommt keine Reaktion mehr.

Ganz selten kommt mal ein Gespräch mit Fremden auf solche Themen, auch weil ich mich sehr zurück gezogen habe. Meist liefert der andere dann das Stichwort, und ganz selten gibt's dann mal ein gutes Gespräch deswegen.

Mir fällt grad ein, dass man als Pflegerin der Oma auch sagen kann, man pflegt eine Person. Die meisten wollen es wahrscheinlich nicht genauer wissen. Und wenn, kann man ja sagen, wieviel Stunden man am Tag aufwendet.
Denke da an eine Talkshow vor Jahren, wie eine Mutter mal erzählte, welche Berufe ihr Alltag so beinhaltet.
Manchmal muss man es nur geschickt verkaufen. Eben dass man Pflegerin ist. Manche verdienen viel Kohle damit.

Grüße vom grünen Finken.
 

Mutsch

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@ meeresheldin

So viele Antworten auf deine Frage. Und geantwortet haben all die Menschen, die genau durch die gleiche Situation mussten !!!
Hoffe dir macht es Mut, dass du auch deinen Weg finden wirst. Ja, sicher nicht heute oder morgen, aber mit dem Mut die Frage ins Forum zu stellen, hast du doch schon den ersten schritt gemacht und nun lass es langsam vorangehen und nutze die vielen hilfreichen Beiträge, die hier FÜR DICH 👍geschrieben worden.

Viel Glück, bei der Anwendung der Tipps.......und wenn du mal ein kleines Erfolgserlebnis hattest, lass uns teilhaben !

Gruss Mutsch
 

Birt1959

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Hallo,
hm, so ganz verstehe ich nicht das "anscheinend" alle fragen. Ich werde/wurde recht selten gefragt.
Wenn habe ich "Arbeitssuchend" gesagt und gleich drangehängt was ich suche, wenn wer was weiss.
Wurde nie angemacht.
LG
Mir ging es eine Weile so, dass sich Leute wunderten, dass ich trotz Studiums keine angemessene Arbeit fand. Das Problem damals war, dass diese Menschen einfach nicht wussten, dass es ausser wirtschaftwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Studiengängen auch noch andere gab. :(Meine Frage, ob sie meinten, dass die Deutsch-, Gemeinschaftskunde- oder Musiklehrer*innen ihrer Kinder einfach mal vom Himmel fielen, beantworteten sie dann nicht. :icon_hihi:

Später, als sich dann so langsam aber sicher die Wirtschaftskrise breit machte und seit ich eben in dieser Unistadt mit ihren ebenfalls vorhandenen arbeitslosen Akademiker*innen lebe, fragt kaum noch jemand. Wenn jemand fragt, sage ich einfach, dass ich gerade einen neuen Job suche. Ob mein Gegenüber dann meint, dass mir ein Job gerade gegen den Strich geht, oder er/sie mich für ne Arbeitslose hält, ist mir inzwischen völlig wurscht.

Bein Bock mehr darauf, sogenannte außenstehende zu H4 beweisen zu
müssen, das zwichen medialer Darstellung und real erlebter Umsetzungen
ein himmelweiter Unterschied besteht. Und glauben will mann das ja auch
nicht, weil es ja ein "Amt" sei..
Ich sage nur, wenn mir wer mit Fernsehen, Radio oder irgendeiner dusseligen Onlineplattform kommt: Herr schmeiß Hirn vom Himmel und das nicht zu knapp. Die meisten werden dann stutzig und sage dann mit schönster Regelmäßigkeit: Obrigkeitshörigkeit gibt es in diesem Land seit Menschengedenken. Es ist halt einfacher, denken zu lassen. :icon_rolleyes:

Abgesehen davon, dass ich mir solch einen Schmarrn gar nicht anschaue oder -höre. Dabei ist es völlig wurscht, ob das ein öffentlich-rechtlicher Blödsinn bei Hart und unfair, Maybritt Sonstnochwie oder irgendwelche nach Autoerfindern benamste und angeblich dokumentarische Sendungen in den Privaten sind. Ein Blick in die Fernsehzeitung und schlimmstenfalls bleibt die Flimmerkiste aus. Ich kann ja immer noch versuchen, die Universitätsbibliothek und die Stadtbibliothek "leerzulesen". :icon_hihi:

Die Zeitung mit den großen weißen Buchstaben auf rotem Grund taugt nicht einmal dazu, sich den Allerwertesten abzuputzen. Teuer und sinnlos - dafür ist der Müllcontainer zu schade.

Hab sogar schon mächtig Klopperei gehabt, weil man die Glaubwürdigkeit
der Blöd-Zeitung angegriffen sah.. Wer Dumm bleiben will, dem ist nicht
mehr zu helfen und geht in Kriesenzeiten zuerst unter..

Heute kann mann sich nicht mehr überall outen.. :cautious:
Sorry, aber in meinen Augen ist jemand, der/die sich gewaltsam mit den Blöd-Leser*innen auseinandersetzt der/die eigentlich Dumme. Denn der/die gewaltbereiten Blöd-Leser*innen ziehen den/die Leistungsbezieher*in mit einer gewaltsamen Auseinandersetzung noch weit unter das Bild-Niveau. Solche Leute ignoriert man/frau am Besten, denn dann wissen die Blöd-Konsument*innen nicht, wo sie ihre Weisheit anbringen sollen.

Man/frau kann immer noch sagen, dass man/frau Leistungen bezieht. Auf Menschen, die jemanden deswegen schief angucken, kann man/frau getrost verzichten. Leute, die andere nach deren Einkommen beurteilen sind einfach nur saublöd. ;)

Saublöde braucht keine*r in Verwandtschaft und Bekanntschaft. Es sei denn, der/die Saublöde ist zufälliger Weise der reiche Erbonkel oder die reiche Erbtante aus Übersee. Den/die sollte man hinsichtlich der möglichen Erbschaft möglichst bei Laune halten. Dummerweise haben nur wenige Menschen diese reichen Verwandten. Und meist sind die Menschen, die solche Verwandten haben, von den armen Leuten weg, wie es so schön heißt.:(

Durch meine Depression (ausgelöst durch andere Krankheiten und dadurch resultierender Arbeitslosigkeit), fing ich dann aber an zu grübeln. Arbeit und Geld kann doch nicht alles sein. Gerade jetzt, wo immer mehr Jobs weg fallen.
Man macht sich dann viele Gedanken, was wirklich Wichtig ist und was nicht. Also habe ich mal aussortiert.
Guter Gedanke! Menschen, die andere nur nach dem was sie haben und als was sie arbeiten, sind einfach dumm. Eine Altenpflegerin wird in dem Job sicher nicht reich. Dennoch - und damit komme ich wieder zu Meeresheldin, die ja die Oma pflegt - leistet sie für die Gesellschaft in meinen Augen mehr als der/die Chef*in der deutschen Bank oder sonst einem aktiendotierten Unternehmens es jemals könnte. Es kommt auf die Perspektive an, die man hat. Ich entscheide mich dann doch lieber für die mir bekannten Altenpflegerinnen - auch wenn ich den Chef der deutschen Bank nicht persönlich kenne.

Was ich dagegen brauche sind Grundversorgungs-Zeug (wie alle) + PC (muss nichtmal der neueste sein, hauptsache läuft). Nach Freunde aussortieren, sind auch nur noch die übrig, die nicht nach Arbeit, Status usw. "sortieren". Selbst Familie hat mittlerweile verstanden, das Arbeit nicht alles ist und das heisst was. Insgesammt lebe ich jetzt viel glücklicher, als vorher, wo ich mich immer erklären musste, warum ich nicht arbeite; ich mich wegen meiner Krankheiten nicht so anstellen solle; usw.
Das geht mir genauso. Herd und Kühlschrank brauche ich. Der mal angeschaffte kleine Tiefkühlschrank ist auch ganz nützlich, um Sonderangebote zu nutzen.

In meinem Bereich kann man sich nicht handschriftlich oder mit Maschine geschrieben bewerben. Also ist ein PC auch sehr nützlich und ein Netzanschluss erspart den häufige Trip in die Unibib, um die Bewerbungen mailen zu können und Stellen zu suchen... Unser JC ist im selben Gebäude wie die Agentur und stellt mit ihr zwar PCs zur Verfügung. Die lassen aber interessanter Weise nur die Suche in der Jobbörse der AfA zu. Sehr hilfreich, wenn ich eine Bewerbung mailen will. :icon_neutral: Man kann die Bewerbungen über die Kundentheken der beiden Einrichtungen verschicken. Tolles Angebot, da sieht ja jeder AG gleich, wessen Kund*in man/frau ist. Womöglich meint der/die Personalgewaltige des AGs auch noch, man/frau wäre zu doof, um eine Mail zu schicken oder einen Brief zu frankieren und in den Postkasten zu befördern. So oft kann das arme Icon mit dem Kopf gar nicht gegen die Wand hauen, wie das in diesem Zusammenhang nötig wäre. Zum :icon_kotz2:!

Wie du auf solche Fragen reagierst, ist die Frage, was zu deinem Charakter passt.
Bei mir ist es eine Sache, ob ich jemanden mag, oder nicht.
...
Gibt da verschiedene Möglichkeiten, du musst nur etwas finden, was zu dir passt.
In Prinzip ist die Frage, ob man/frau die Arbeitslosigkeit nennen möchte, eine Frage der Sympathie. Somit verhält sich das eigentlich genauso, wie mit anderen sehr persönlichen und sehr komplizierten Fragen. Wenn ich nicht muss, binde ich Menschen, die ich für unsympathisch halte, meine diversen Probleme nicht auf die Nase. Wie ich mit solchen Fragen umgehe, musste ich auch erst lernen.

Auf Grund meines nicht mehr jugendlichen Alters sage ich manchmal: dreimal dürfen Sie/darfst Du raten. Sagt jemand Rentner*in lasse ich in dem Glauben. Vor allem dann, wenn es ihn/sie nun mal gar nichts angeht. Die Kassierer*innen im Discounter z.B. - obwohl die haben meist gar keine Zeit zu Schwatzen.

PS: Sei stolz auf das, was du bisher geschafft hast. Du pflegst immerhin deine Oma und studierst in Teilzeit.
Wenn jemand meint, du könntest deine Oma auch ins Altersheim stecken, frag mal nach, ob die Person später auch von ihren Kindern/Enkeln ins Heim gesteckt werden möchte (vor allem beim derzeitigen Pflegenotstand).
Sei stolz, Hiwi in der Uni oder einem Unternehmen zu sein, ist viel einfacher und viel, viel weniger verantwortungsvoll. Solche Aufgaben übernehmen nicht mal Menschen gerne, die es sich leisten können, nicht arbeiten zu gehen. Wenn Dir deswegen eine*r blöd kommen, frage sie/ihn doch mal, wie sich fühlen würden, wenn irgendein*e uninteressierte Praktikant*in im Altersheim ihm/ihr den Allerwerteten abwischen würde. Oder, wenn die Pfleger*innen dann keine Zeit hätten, sich mit ihm/ihr zu beschäftigen und ihn/sie nur mit der Grundversorgung in der Pflege betreuen könnten. Das ist leider in vielen Heimen heute schon so.

Genau das ist es.
Warum soll ich mich verbiegen oder Lügen nur um zu anderen gefallen?
Habt ihr schon mal überlegt das Depris und Minderwertigkeitskomplexe davon kommen,wie man selbst von sich denkt und nicht was andere Denken.
Man/frau muss sich nicht verbiegen oder lügen. Meist ist die Arbeitslosigkeit unverschuldet und auch die Tatsache, dass sich die Jobsuche schwierig gestaltet. Entweder, weil es einfach gute Gründe gibt, einem bestimmten Job nicht nachzugehen oder aber, weil es gar nicht genügend Jobs in dem Bereich oder in der Region gibt. Wer Kinder hat, oder eben Angehörige betreut, kann nicht so einfach für einen Job nach Posemuckel oder Kleinkleckersdorf am Wald vor der Höh umziehen.

Ob Minderwertskomplexe und Depression nur daher rühren, bezweifel ich dann doch stark. Da kann es auch ganz andere Faktoren geben, die zu dem Problem führen.:icon_kinn:

Das würde ich nur halb unterschreiben. Es ist schon erschreckend zu beobachten, wie sehr unsere Gesellschaft sich nur über ganz bestimmte Arbeit wohlfeil definiert, und wie verletzend die Stigmatisierung von Menschen ist, die nicht dem gängigen Bild von "gut, wertvoll" entsprechen. Da braucht man schon eine wirklich dicke Haut um unversehrt zu bleiben!
Das hört ja auch nicht bei der Psyche einfach auf, sondern als "Hartzi" ist man ja auch noch anders weitreichen marginalisiert.
Die Eigendefinition der Gesellschaft und über die Arbeit beschrieb schon vor Jahrzehnten Max Weber in seinem zweiteiligen Werk über die protestantische Ethik 1904 und 1905. Die betraf aber auch die Katholiken - nur war bei denen der Zusammenhang Religion und Gesellschaft nicht so offenkundig.

Völlig richtig ist, ist das Menschen mit einem geringen Einkommen immer am Rande der Gesellschaft stehen. Zum einen, weil sie an dem gesellschaftlich gewünschten Konsum nicht teilhaben können und zum anderen, weil ihnen auf Grund der wenigen finanziellen Möglichkeiten viele Angebote, bei denen sie sich vielleicht mal außerhalb der Blase Arbeitslosigkeit bewegen könnten, verschlossen bleiben. Es gibt zwar Kulturtafeln zum Beispiel, aber auch da ist man/frau aussen vor, wenn es ins Theater, Kino, Oper und Konzert geht. Man/frau fällt schon allein durch die Kleidung auf. Wenn ich auf einer Veranstaltung bin, wo sich bestimmte Gruppen immer wieder einfinden, bin ich, weil ich solche Veranstaltungen nicht regelmäßig besuchen kann, einfach außen vor.:icon_cry:

Obwohl, bei den Hartzern gelte ich als etwas seltsam wegen meiner Bemühungen, wieder von Staat unabhängig zu werden, aber die guten Leute meinen es nicht böse.
Das könnte darin liegen, dass viele gelernt haben, den/die Mitbewerber*in als Bedrohung zu sehen. Denn er/sie könnte ja einem/einer den Job wegschnappen und man/frau wäre weiterhin in dem System gefangen... Oder dass sich für einen Job beworben wird, der im Prinzip durch einen sehr niedrigen Lohn oder Gehalt, das Gehalts- oder Lohnniveau in dem Bereich zerstört.

Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass ich z.Bsp. mal beim Friseur oder Bäcker gefragt worden wäre 😉.
Mich hat noch nie einer in solchen Situationen gefragt und auch keiner blöd angemacht, weil die Jeans eben vom Discounter und nicht von Lagerfeld sind. Ganz im Gegenteil: ich kenne auch Leute mit einem guten Einkommen, die solche Jeans tragen, weil sie ihnen gut passen.

Blöd angemacht deswegen bin ich nie geworden (soll sich mal einer trauen 😠), ich ernte eigentlich eher "Mitgefühl" und gute Wünsche; bin gestern beim Kardiologen gewesen und habe ihm mitgeteilt, dass ich nun EM-Rentenantrag gestellt habe. Er wünschte mir gute Nerven und meinte, dass er sich bei dem Stress nicht wundere, dass meine Rhythmusstörungen wieder zugenommen haben ...
Mir ist jedenfalls noch keine*r begegnet, der/die jemandem mit schweren gesundheitlichen Problemen schräg von der Seite angeredet hätte. Das einzige, was ich mal erlebte, war das eine Pastoralreferentin eine Alleinerziehende, die an MS leidet und deswegen auch in Hartz IV landete, fragte: "kommen Sie und ihr Kind über die Runden? Wenn nicht, gibt es bei Kirchens die und die Hilfe." Die entsprechende kirchliche Beamtin hätte das Gleiche auch zu anderen Armen gesagt. Sie hält die Sozialpolitik schon seit Kohl für ziemlich unsozial.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass ALG2-Bezug eine andere "Hausnummer" ist. Ich kann nur jedem raten, sich nicht runterputzen zu lassen und zu versuchen, sein Selbstbewusstsein nicht zu verlieren bzw. aufzubauen. Der "Wert" eines Menschen ist völlig unabhängig von seinem Beruf oder Kontostand, Anstand und Moral kann man nicht kaufen (wobei: VERkaufen tun's ja einige...). Okay, ich geb's zu, ich bin ein Dinosaurier und stehe dazu 🐲
Ich weiß nicht, ob es jetzt eine so große Rolle spielt, ob man/frau vom Sozialamt oder dem JC abhängig ist. In beiden Fällen gehöre man/frau zu einer Gruppe Menschen, die nicht gerade das größte Ansehen genießt. Das einzige, was bei der Abhängigkeit vom Sozialamt, "besser" ist, dass man/frau nicht von irgendwelchen SB*innen zu Jobs oder Maßnahmen gezwungen werden kann.

Wer meint "sowas kann mir nicht passieren" ist ein abgehobener Ignorant dem zu wünschen ist, dass ihm das Schicksal nicht auch einmal einen ganz, ganz bösen Streich spielt.

Solchen Menschen begegnet man am besten, indem man sie nicht beachtet und ihnen noch ein "schönes" Leben wünscht - meine Meinung.
Ob diejenigen, die glauben, dass sie solche Schicksalschläge nie ereilen werden, jetzt unbedingt abgehobene Ignoranten sind, weiß ich nicht. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass manche dies als Schutzbehauptung vor sich herschieben, weil sie genau davor Angst haben und sich das nicht eingestehen wollen. Mit solchen Menschen spricht man/frau dann besser über das Wetter. :bigsmile: Seit letztem Sommer entpuppt sich das als sehr ergiebiges Thema.

Man glaubt echt nicht, was dieser Dauer-Existenz-Stress alles anrichtet und wie das unterschwellig arbeitet und schlaucht!
Kein Wunder, dass - besonders seit den netten Hartzgesetzen - die psychischen Erkrankungen rasant zunehmen!
Ich glaube das gerne. Bei mir war es zumindest so und ich habe dadurch etliche Mitpatient*innen kennengelernt bei denen das unter Anderem mit eine Ursache für die Schwere der Erkrankung war.

Prinzipiell wird Status (wozu ich auch Arbeit an sich und vor angesehene) zähle, schon gottähnlich verehrt. Manche treibens dabei allzu dolle, selber und bei anderen.
Wieder andere finden nur das, was sie kennen richtig und gut, alles andere nur minderwertig (ja auch aus Neid von unten nach oben).
...
Als ich in ALG II war, wurde ich ziemlich dumm angeguckt, außer da, wo viele eingeschränkte Leute waren mit wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt und genug anderen Problemen.
...
Ganz selten kommt mal ein Gespräch mit Fremden auf solche Themen, auch weil ich mich sehr zurück gezogen habe. Meist liefert der andere dann das Stichwort, und ganz selten gibt's dann mal ein gutes Gespräch deswegen.
Ja, du hast mit der Beobachtung über die Rolle von Arbeit und Status recht. Viele Alos hier sind nicht in irgendeiner Weise eingeschränkt, sondern haben das Problem, dass hier viele Firmen in Schieflage gerieten. Wie werden Firmen saniert: indem die einfachen Mitarbeiter*innen auf der Straße landen, während das Management, das den Karren gegen die Wand fuhr, einfach weiterzieht.:icon_motz:

Das Dumm-Angeguckt werden kenne ich nicht. Allerdings hatte ich die meiste Zeit einen Partner, der eine Art hatte, die solches Verhalten von Anfang an torpedierte. Außerdem bin ich immer offen mit dem Problem Arbeitslosigkeit umgegangen - ich machte auch als ehemaliger und wieder Single die Erfahrung, dass ein offener Umgang mit dem Thema Arbeitslosigkeit das Gegenüber eher entwaffnet, weil das zunächst mal unbekannt ist. ;)

Dafür habe ich andere Probleme, über die ich mich mit Unbekannten nicht unterhalte. Das geht die nichts an und damit basta.
 

grün_fink

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Völlig richtig ist, ist das Menschen mit einem geringen Einkommen immer am Rande der Gesellschaft stehen. Zum einen, weil sie an dem gesellschaftlich gewünschten Konsum nicht teilhaben können und zum anderen, weil ihnen auf Grund der wenigen finanziellen Möglichkeiten viele Angebote, bei denen sie sich vielleicht mal außerhalb der Blase Arbeitslosigkeit bewegen könnten, verschlossen bleiben. Es gibt zwar Kulturtafeln zum Beispiel, aber auch da ist man/frau aussen vor, wenn es ins Theater, Kino, Oper und Konzert geht. Man/frau fällt schon allein durch die Kleidung auf. Wenn ich auf einer Veranstaltung bin, wo sich bestimmte Gruppen immer wieder einfinden, bin ich, weil ich solche Veranstaltungen nicht regelmäßig besuchen kann, einfach außen vor.:icon_cry:
Stimmt nicht ganz. Das mit der Kleidung ist mittlerweile meiner Beobachtung nach viel legerer geworden. Abendrobe brauchts nicht mehr unbedingt. Mehrfach getestet von mir, und anderen.
Letztens selbst in der Staatsoper im Klassik-Konzert, an einem Wochentag: Sehr leger. Volkstheater auch. Oder Konzert in einer Schulaula.
Man gehört nicht unbedingt mehr dazu, aber ab und an genieße ich das sehr. In diesen Momenten gehöre ich schon dazu.

Das könnte darin liegen, dass viele gelernt haben, den/die Mitbewerber*in als Bedrohung zu sehen. Denn er/sie könnte ja einem/einer den Job wegschnappen und man/frau wäre weiterhin in dem System gefangen... Oder dass sich für einen Job beworben wird, der im Prinzip durch einen sehr niedrigen Lohn oder Gehalt, das Gehalts- oder Lohnniveau in dem Bereich zerstört.
JA, würden sich die Menschen mehr solidarisieren, wäre es manchmal wohl leichter, etwas durchzusezten, und auch andere würden da profitieren. Schön blöd.

Ich weiß nicht, ob es jetzt eine so große Rolle spielt, ob man/frau vom Sozialamt oder dem JC abhängig ist. In beiden Fällen gehöre man/frau zu einer Gruppe Menschen, die nicht gerade das größte Ansehen genießt. Das einzige, was bei der Abhängigkeit vom Sozialamt, "besser" ist, dass man/frau nicht von irgendwelchen SB*innen zu Jobs oder Maßnahmen gezwungen werden kann.
Die Tendenz geht eher dahin: SGB II: faul und unfähig. SGB XII eher bemitleidenswert. Der eine nicht wirklich wollend, der andere leider nicht könnend.

Ob diejenigen, die glauben, dass sie solche Schicksalschläge nie ereilen werden, jetzt unbedingt abgehobene Ignoranten sind, weiß ich nicht. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass manche dies als Schutzbehauptung vor sich herschieben, weil sie genau davor Angst haben und sich das nicht eingestehen wollen. Mit solchen Menschen spricht man/frau dann besser über das Wetter. :bigsmile: Seit letztem Sommer entpuppt sich das als sehr ergiebiges Thema.
Nee, ich denke zuerst einmal, das ist normaler Umgang mit Leben. Würde jeder immer vom Schlimmsten ausgehen, wären alle ganz fix paranoid und krank. Wobei die meisten wahrscheinlich schon wissen, dass es jeden treffen könnte. Abgesehen von einigen Ignoranten. Ich fühlte mich auch lange immun gegen vieles....

Ich glaube das gerne. Bei mir war es zumindest so und ich habe dadurch etliche Mitpatient*innen kennengelernt bei denen das unter Anderem mit eine Ursache für die Schwere der Erkrankung war.
Unterschreibe ich gleich 5-fach und freiwillig, leider.

Das Dumm-Angeguckt werden kenne ich nicht. Allerdings hatte ich die meiste Zeit einen Partner, der eine Art hatte, die solches Verhalten von Anfang an torpedierte. Außerdem bin ich immer offen mit dem Problem Arbeitslosigkeit umgegangen - ich machte auch als ehemaliger und wieder Single die Erfahrung, dass ein offener Umgang mit dem Thema Arbeitslosigkeit das Gegenüber eher entwaffnet, weil das zunächst mal unbekannt ist. ;)
Du glückliche/r, wegen des Partners. Und den offenen Umgang hab ich auch lieber, außer manchmal, wo ich meine Ruhe will. Wer will schon immer nur in solchen Rollen stecken.

Ich finde gerade ettliche Jüngere viel reflektierter dazu. Weiß nicht, wieso. Das muss mit deren Lebenssituation und Informietheit zu tun haben. Wir sind durch unsere Eltern oder auch DDR-Herkunft noch zu sehr davon geprägt, dass es Arbeit für alle gibt. Und die Kommunikation ist z.T. auch völlig anders, aufgrund Gehorsamserziehung. Viele Jüngere haben da eine respektvollere Art drauf.
 

Birt1959

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Stimmt nicht ganz. Das mit der Kleidung ist mittlerweile meiner Beobachtung nach viel legerer geworden. Abendrobe brauchts nicht mehr unbedingt. Mehrfach getestet von mir, und anderen.
Letztens selbst in der Staatsoper im Klassik-Konzert, an einem Wochentag: Sehr leger. Volkstheater auch. Oder Konzert in einer Schulaula.
Man gehört nicht unbedingt mehr dazu, aber ab und an genieße ich das sehr. In diesen Momenten gehöre ich schon dazu.
Na ja, der steife Staat hat ja bis auf Hochzeiten ausgedient. Es sei denn man/frau ist Orchestermusiker*in. Da wird immer noch eine Art Tracht getragen, die eher ins Kaiserreich gehört. Trotzdem fällt frau mit etwas älteren Klamotten, und seien sie noch so leger, auf. Bei Männern mag das Thema Mode nicht ganz so präsent sein.

Was aber bleibt, ist dass man/frau nicht so häufig in bestimmten Gruppen treffen kann, weil man/frau sich das nicht leisten kann. Sei es ein regelmäßiger Besuch eines Musentempels oder aber der regelmäßige Besuch von Kursen in der VHS oder eines Treffs, der samstags in der Kneipe stattfindet. Selbst dann, wenn der Kurs gesundheitsfördernd wäre.

JA, würden sich die Menschen mehr solidarisieren, wäre es manchmal wohl leichter, etwas durchzusezten, und auch andere würden da profitieren. Schön blöd.
Die Tendenz geht eher dahin: SGB II: faul und unfähig. SGB XII eher bemitleidenswert. Der eine nicht wirklich wollend, der andere leider nicht könnend.
Die Faulheitsdebatte gab es schon in der alten BRD. Ob es in der DDR, die ja angeblich immer Vollbeschäftigung hatte, eine Arbeitspflicht gab, weiß ich leider nicht. Auch Frührentner wurden schon anno tobak schief angeguckt. Deswegen sind die Tendenzen ziemlich alt und werden durch so Schundmedien wie Bild und Co auch noch befeuert.

Nee, ich denke zuerst einmal, das ist normaler Umgang mit Leben. Würde jeder immer vom Schlimmsten ausgehen, wären alle ganz fix paranoid und krank. Wobei die meisten wahrscheinlich schon wissen, dass es jeden treffen könnte. Abgesehen von einigen Ignoranten. Ich fühlte mich auch lange immun gegen vieles....
Ob man/frau jetzt aus Ignoranz, aus Angst oder Verdrängung die Tatsache, dass man/frau Schicksalsschläge erleiden kann, beiseite schiebt, ist im Resultat meines Erachtens ziemlich egal.

Du glückliche/r, wegen des Partners. Und den offenen Umgang hab ich auch lieber, außer manchmal, wo ich meine Ruhe will. Wer will schon immer nur in solchen Rollen stecken.
Tja, den Partner hab ich nicht mehr. Aber der offene Umgang mit dem Thema blieb. Wenn ich meine Ruhe haben will, sage ich es meistens. Allerdings habe ich selten erlebt, dass sich nach der Auskunft, auf Jobsuche zu sein, sich das Thema weiterentwickelte. Meist war dann der Kommentar: Viel Erfolg und damit war das Thema dann gefrühstückt.

Ich finde gerade ettliche Jüngere viel reflektierter dazu. Weiß nicht, wieso. Das muss mit deren Lebenssituation und Informietheit zu tun haben. Wir sind durch unsere Eltern oder auch DDR-Herkunft noch zu sehr davon geprägt, dass es Arbeit für alle gibt. Und die Kommunikation ist z.T. auch völlig anders, aufgrund Gehorsamserziehung. Viele Jüngere haben da eine respektvollere Art drauf.
Ob die Jüngeren reflektierter sind, weiß ich nicht. Ich habe zwar im letzten Job viel mit Studierenden zu tun gehabt, aber das Thema kam nie auf.

Es stimmt, dass in beiden Deutschlands eine lange Zeit so getan wurde, als ob es Vollbeschäftigung gäbe. Nur habe ich schon als Schülerin im Ruhrgebiet gesehen, wie die Fassade anfing, zu bröckeln, als das Zechensterben begann. Da half alle Erziehung zu einem kritischen Gehorsam gar nicht und mit Respekt hatte es denn auch nicht viel zu tun. Denn die maroden Zechen zogen auch andere Industrien mit in die Abwärtsspirale. Es gab sehr wohl Proteste, nur hielt das die Spirale nicht auf. Der Sog war zu stark, denn die Bergleute hatten gut verdient und konnten nun nicht mehr so konsumieren wie vorher und es waren auch etliche Unternen indirekt vom Niedergang des Bergbaus betroffen.
 

grün_fink

Elo-User*in
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Trotzdem fällt frau mit etwas älteren Klamotten, und seien sie noch so leger, auf. Bei Männern mag das Thema Mode nicht ganz so präsent sein.

Was aber bleibt, ist dass man/frau nicht so häufig in bestimmten Gruppen treffen kann, weil man/frau sich das nicht leisten kann. Sei es ein regelmäßiger Besuch eines Musentempels oder aber der regelmäßige Besuch von Kursen in der VHS oder eines Treffs, der samstags in der Kneipe stattfindet. Selbst dann, wenn der Kurs gesundheitsfördernd wäre.
Ich habe mir angewöhnt, ab und an mal etwas auffallen zu dürfen. Solange ich nicht im Nachthemd erscheine oder alles zerfleddert...
Es gibt dann notfalls auch den Rotkreuz-Secondhand-Laden.
Ausgehen und bezahlen ist da schon anderes Thema. Wie du schon sagst, VHS, Kneipe und so, sehr schwierig. Beim Sportverein zahle ich seit Jahren und war nie dort, irgendwann aus irgendeinem Grund aufgehört. Seltsam.
Soso, bei dir finden die gesundheitsfördernden Kurse samstags in der Kneipe statt ;) (Reihenfolge deiner Aussagen)

Die Faulheitsdebatte gab es schon in der alten BRD. Ob es in der DDR, die ja angeblich immer Vollbeschäftigung hatte, eine Arbeitspflicht gab, weiß ich leider nicht. Auch Frührentner wurden schon anno tobak schief angeguckt. Deswegen sind die Tendenzen ziemlich alt und werden durch so Schundmedien wie Bild und Co auch noch befeuert.
Frührentner wurden auch bei uns komisch angeguckt.
zur Arbeitspflicht der DDR:
Strafgesetzbuch der DDR (1968/74) §§ 42ff sowie 249
Leben in der DDR: Alltag (Arbeiten im Kollektiv)
und andere.
Wir wurden schon als Kinder ermahnt, ja nicht Bummelletzter zu sein (Arbeitsbummelei, Normerfüllung).
Als Jugendliche kam daheim schonmal die Drohung, dass man in den Jugendwerkhof kommt.
Allerdings bekam man später mal eine Veröffentlichung zu Gesicht, wo drin stand, dass die meisten der angeblichen Bummellanten persönliche Probleme haben, heute würde man von psychischer Krankheit reden. Die Probleme auffangen mussten in der DDR hauptsächlich die Familien und Arbeitskollektive, die dahinter sein sollten, dass diese Menschen der sozialistischen Arbeitsmoral nachkommen. Das alles mangels Behandlungsmöglichkeiten, weil ja der Staat nach außen gut da stehen wollte. Quelle weiß ich nicht mehr.

Ob man/frau jetzt aus Ignoranz, aus Angst oder Verdrängung die Tatsache, dass man/frau Schicksalsschläge erleiden kann, beiseite schiebt, ist im Resultat meines Erachtens ziemlich egal.
Im Resultat vielleicht schon, aber nicht als Erklärung für vermeintliche Motive oder Charakter. Das funktioniert so herum nicht.

Tja, den Partner hab ich nicht mehr. Aber der offene Umgang mit dem Thema blieb. Wenn ich meine Ruhe haben will, sage ich es meistens. Allerdings habe ich selten erlebt, dass sich nach der Auskunft, auf Jobsuche zu sein, sich das Thema weiterentwickelte. Meist war dann der Kommentar: Viel Erfolg und damit war das Thema dann gefrühstückt.
Schade wegen Partner.
Wenn nicht weiter gefragt wird, wird wohl auch die Arbeitssuchende so gestellt, dass man ihr das eigene Leben zugesteht.
Aus meiner Familie kenne ich es, dass gerade die Frauen da sehr hart sind. Die Arbeit an sich wird so hoch gehalten, als ob das Abendland unter gehen würde, wenn man mal 2-3 Monate nix macht, bis eine Ausbildung beginnt. Jeder hats da so schwer, dass keiner mehr mit bekommt, wenn sich schon jemand krank gearbeitet hat (auch mit langen Pendelzeiten krank gefahren und gearbeitet). Ermittelt das Amt wegen Kindergeld oder Sozialhilfe, ist die leistungsbeziehende Person die schlimmste der Welt. Da wird sich sowas von empört.

Ob die Jüngeren reflektierter sind, weiß ich nicht. Ich habe zwar im letzten Job viel mit Studierenden zu tun gehabt, aber das Thema kam nie auf.
Wieso nicht?

Es stimmt, dass in beiden Deutschlands eine lange Zeit so getan wurde, als ob es Vollbeschäftigung gäbe. Nur habe ich schon als Schülerin im Ruhrgebiet gesehen, wie die Fassade anfing, zu bröckeln, als das Zechensterben begann. Da half alle Erziehung zu einem kritischen Gehorsam gar nicht und mit Respekt hatte es denn auch nicht viel zu tun. Denn die maroden Zechen zogen auch andere Industrien mit in die Abwärtsspirale. Es gab sehr wohl Proteste, nur hielt das die Spirale nicht auf. Der Sog war zu stark, denn die Bergleute hatten gut verdient und konnten nun nicht mehr so konsumieren wie vorher und es waren auch etliche Unternen indirekt vom Niedergang des Bergbaus betroffen.
Zechensterben war ab den späten 60ern? Die letzte Zeche wurde so vor etwa 6 Monaten geschlossen. Den Niedergang der Region kann man glauben.
Da wo ich herkomme, war die Wirtschaft dominiert von einer Leichtindustriebranche, Uranbergbau und Landwirtschaft. Die Industriebranche gab es ein halbes Jahr nach der Wiedervereinigung nicht mehr, der Uranbergbau wurde (glaube ich) einige Jahre später abgewickelt und saniert. Die Landwirtschaft wurde privatisiert. Die Kreisstadt hat nur noch 2/3 ihrer Einwohnerzahl, die Dörfer sterben aus. Viel neues kam nicht, obwohl es heute schöner aussieht. Zumindest in den Städten an manchen Stellen.
Da verlief der Niedergang viel ungebremster. Die Gegend ist aber nicht so groß wie das Ruhrgebiet oder eine Metropole, so dass die Folgen im Größenvergleich viel kleiner waren, deshalb wohl keine gezielte Umstrukturierungshilfe, sondern viel über ABM und Strukturanpassungsmaßnahmen und den Soli. Heute ist das eine verlorene Region. Wenigstens die Jungen haben westdeutsche Berufsausbildungen/Studium und Schulabschlüsse, und bessere Chancen (auch im Westen, da staune ich manchmal).

Wenn von mir in den nächsten Tagen nix kommt, bitte nicht wundern. Ich bin anderweitig beschäftigt in einem Verein.
 

Gaestin

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Hier gibt es sehr viele Second-hand Shops, wo es sehr sehr günstig Sachen gibt. Aber ich habe Sachen, die ich seit zwanzig Jahren trage, die wie neu aussehen. Ich glaube nicht, dass Frau sich da genieren muss, man fällt mit älteren Sachen überhaupt nicht auf.
 

franzi

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Es kommt auch darauf an, in welchem Umfeld man lebt. Mein persönliches Umfeld hat sich in den letzten 15 Jahren deutlich verändert. Auch die Fluktuation ist groß.
Der Großteil des alten Mieterbestandes ist verstorben oder lebt jetzt im Altenheim. Ständig ziehen neue junge Leute zu (bunt gemischt, multi-kulti, vorwiegend Russen, Bulgaren, Türken und neuerdings auch Flüchtlinge aus Äthiopien).
Mittlerweile sind drei Viertel unserer Hausbewohner (und auch in den Nachbarhäusern) völlig neue Personen. Die meisten ohne Namensschild an der Tür.
Es wird kaum noch miteinander gesprochen, selten gegrüßt.
Man will sich gegenseitig nicht kennen und auch keinen näheren Kontakt.
Da entstehen auch keine persönlichen Gespräche oder Fragen, was man beruflich macht.
Einerseits finde ich diese Entwicklung traurig, andererseits hat es den Vorteil, dass man in der zunehmenden Anonymität mehr Ruhe hat.
Hier bildet sich der generelle Trend in der Gesellschaft zur Vereinzelung ab.
 

Matt45

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In unserer Gesellschaft sehe ich schon seit Jahren eine enorme Spaltung zwischen sehr liebevoller Umgang und "Der kriegt einen in die.......".

Wie dies auf Dauer funktionieren soll? Aktuell habe ich auch kein Konzept.

Da bin ich ganz bei User Franzi.
 
G

Gelöschtes Mitglied 66567

Gast
Man will sich gegenseitig nicht kennen und auch keinen näheren Kontakt.
Da entstehen auch keine persönlichen Gespräche oder Fragen, was man beruflich macht.
Einerseits finde ich diese Entwicklung traurig, andererseits hat es den Vorteil, dass man in der zunehmenden Anonymität mehr Ruhe hat.
Hier bildet sich der generelle Trend in der Gesellschaft zur Vereinzelung ab.
Das ist aber nicht gut und nicht richtig. Wie soll da ein Zusammenhalt entstehen? Am Ende liegt man wochenlang tot in der Mietwohnung, weil die Nachbarn sich untereinander nicht kennen und auch nicht vermissen. Einen überquellenden Briefkasten gibt es auch nicht mehr, weil die Kommunikation sich auf elektronische Lösungen verlagert hat.

Ich schätze Anonymität sehr, aber es gibt da aus meiner Sicht kritische Grenzen. Ich selbst wohne in einer Kleinstadt. Man grüßt sich meist noch, nimmt Pakete für die Nachbarn an und hält mal auf der Straße ein kurzes Schwätzchen.
 

Ehrlicherjackob

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Ich schätze Anonymität sehr, aber es gibt da aus meiner Sicht kritische Grenzen. Ich selbst wohne in einer Kleinstadt. Man grüßt sich meist noch, nimmt Pakete für die Nachbarn an und hält mal auf der Straße ein kurzes Schwätzchen
Ich wohne in München und grüße meine Nachbarn auch und die mich und kurze oder etwas lange Gespräche gibt es auch . Ich glaube es liegt auch wenig an der Person selber !
 

franzi

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Pakete nehme ich nur noch für langjährige Nachbarn an. Alle anonymen Neumieter, die sich nicht vorstellen und nicht grüßen, bekommen diesen Dienst von mir nicht mehr.
Ich kenne die Leute nicht, weiß nicht, wann die nach Hause kommen (einige arbeiten offenbar im Schichtdienst).
Wir hatten schon mal den Fall, dass eine Mieterin stillschweigend auszog, keiner bemerkte es, und nach 3 Wochen kam ein Paket für sie. Da wir keine Nachfolge-Adresse hatten, haben wir das Paket wieder an den Absender zurückgeschickt.
 

Allimente

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Ich bin schlicht zu alt um mich noch über das aufzuregen, was andere über mich/uns denken könnten oder auch nicht. Außerdem braucht meine kranke Frau meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Will sagen, dass mich im Grunde alle mal ganz gepflegt am Asinus lecken können. Mein Ziel ist es, mit meiner Frau noch so viele stressfreie und einigermassen gesunde Tage zu verbringen, wie irgend möglich. Da habe ich keinen Platz mehr für Idioten. Ausserdem müssen wir uns nach gemeinsam knapp 70 geleisteten Berufsjahren bei gar keinem mehr rechtfertigen. Wem das nicht passen sollte, der soll einfach gehen und gut ist es.
 
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