Was sagt ihr Menschen, die fragen was ihr macht? (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

meeresheldin

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Da ich ab September /Oktober auch erstmal arbeitssuchend bin würde ich gern wissen, was ihr eurem Umfeld sagt, wenn gefragt wird, was ihr macht.
Ich bin 29 und habe bis jetzt studiert und pflege nebenher jemanden und wurde selbst noch im Studium wenn man mein Alter wusste, sehr oft mit Vorurteilen konfrontiert, was dazu führte, dass ich nur noch am Nachmittag Arzttermine wahr nehme und auch nur nachmittags wenn es die Zeit erlaubt einkaufe.

Wenn ich aufgrund meiner Situation einmal in 3 Monaten zum Friseur gehe oder ein Rezept für die Physio habe, kommen doofe Fragen.
Besonders penetrant war meine Friseurin, weshalb ich mittlerweile ein regelrechtes Friseur Hopping hinter mir habe und alle 3 Monate wechsle.
Das gleiche habe ich mit meinem Hausarzt durch, der jedes Mal penetrant nachgefragt hat, was ich denn mache. Der ist sehr arbeitsorientiert und hat mich schon als Schülerin als ich umgekippt war nicht mal krank geschrieben. Ist aber ein anderes Problem, was ich gerade dadurch löse, dass ich mir einen anderen Arzt suche.

Nach diesen Reaktionen ist mein Umfeld sehr klein geworden. Ich scheue mich davor überhaupt jemandem zu erzählen was ich mache und ab September wird es nicht besser.
 

deori1

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Da ich ab September /Oktober auch erstmal arbeitssuchend bin würde ich gern wissen, was ihr eurem Umfeld sagt, wenn gefragt wird, was ihr macht.
Mich fragt komischerweise niemand,bin übrigens seit diesen Monat EMR und bin 49.
Wenn mich aber jemand fragen sollte,würde ich sagen Rentner,mir ist egal was die Leute über mich sagen oder denken,aber mir ist sehr wohl bewusst,dass auch Freunde und Bekannte anders denken,als sie sagen und bestimmt wenn ich nicht dabei sind lästern.Aber wie gesagt ist mir egal.
 

AeroJet

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Hey, also ich bin im gleichen Alter und seit ein paar Monaten ALG 1-Bezieher. Ich habe es bisher auch niemandem erzählt, denn mein beruflicher Werdegang sieht fast genau so wie deiner aus, nur dass ich damals gezwungen wurde in einem Callcenter zu arbeiten, was ich auch niemandem erzählt habe, weil das einfach einen sehr schlechten Ruf hat, wobei es sich bei dem Callcenter echt keine Verarsche war sondern wirklich nur Serviceorientiert und kein Verkaufsdruck oder Kaltaquise. Die Bezahlung im Vergleich zu der Leistung, die man erbringen musste, war echt gut.

Mein Arzt hat einmal nachgefragt, was ich beruflich mache wegen der Krankschreibung und da sagte ich ihm lediglich dass ich im einem Büro arbeite und er hat mich dann länger krankgeschrieben wegen Ansteckungsgefahr.

Wenn du jemandem zum Reden brauchst, kannst du dich gerne melden.
 

soyalight

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ich lüge denen ins Gesicht, weil solche Fragen gehen garnicht
 
E

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Das beste das was ich als Antwort auf die Frage, was machst du beruflich, gehört habe
"Seit ich geboren bin kann ich Dinge die ich vorher nicht konnte"

Ich gebe oft ganz ausführliche allerdings nicht zu private Antworten, bei ausführlichen Antworten fragen viele später nie wieder was
Ich denke es ist einfach Übung wie ich mit meinem Umfeld umgehe und vor allem umgehen kann und muss bis zu einem bestimmten Punkt.
Was ich mit 29 auch noch nicht so gut konnte, allerdings mit 28 schleunigst lernen musste um am ArbeitsMarkt zu bestehen

Also normal ist es schon mit seinem Umfeld zu interagieren, dadurch wird ja erst das miteinander möglich, also ich bin da eher zugänglich als zugeknöpft
Wesentlich ist natürlich auch ob ich männlich oder weiblich , groß oder klein bin und vor allem wie ich wirke das spielt eine große Rolle bei dem was das Gegenüber so fragt,
Als penetrant empfinde ich selten jemand
 

Mutsch

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Hallo meeresheldin, find ich echt gut, dass du so eine Frage ins Forum stellst. Dachte immer ich bin eine der wenigen, die damit auch Probleme hat.Bei mir fing ja das ganze Theater mit der Arbeitsunfähigkeit 2017 an. Die ersten Monate hatte ich mit "dieser Frage"auch Schwierigkeiten. Mittlerweile ist es mir genauso egal wie @deori1. Die Menschen die mir wichtig sind wissen über alles Bescheid (Familie) und meine behandelte Ärzte natürlich auch(geht ja nicht anders). Die anderen bekommen die Antwort, dass ich krank bin, aber nicht weiter darüber reden möchte. Fertig !!! In Wirklichkeit interessiert das alles doch niemanden.

Und wenn du arbeitssuchend bist, dann ist das eben so. Irgendwann wirst du merken, dass du damit auch besser zurecht kommst und dir über "diese Frage" nicht mehr so viele Gedanken machst.

Gruss Mutsch
 

meeresheldin

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Ich fühle mich dann meistens wie der letzte Dreck. Wie gesagt meide ich die morgendlichen Zeiten. Ich werde oft wenn ich mit meiner Oma morgens zu Arztterminen gehe schon angestarrt als wäre ich aussätzig. Termine mache ich morgens bei Ärzten nur wegen meiner Oma. Wegen mir gehe ich nur noch nachmittags. Schlimm sind die Dienstleister wie Physio oder Friseur, Supermärkte.
Der einzige, der mir nicht mit Hass begegnet hat, ist mein Zahnarzt, weil er selbst eine Frau hat, die an Depressionen erkrankt ist.
Schlimm ist auch wenn ich ehemalige Schulfreunde treffe oder Lehrer.

Es läuft aber wirklich so: Du sagst mir was du machst und ich sag dir, wer du bist.

Ich komme aus einem extrem arbeitssamen Umfeld. Alles hohe Tiere. Lehrer, Leute in der Politik, Prokuristen. Wenn man sagt man ist arbeitslos ist das so, als ob man jemandem beibringt, dass die Welt morgen untergeht.
 

atasteofbunny

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Beim Friseur halte ich mich eher bedeckt, auch sonst bei Leuten, mit denen ich nur flüchtig Kontakt habe. Aber bei allen, die ich besser kenne, dazu zählen auch einige Nachbarn, Freunde sowieso, sage ich die Wahrheit. Manch einer nervt mit Ideen, wo ich mich doch noch bewerben könnte (als wenn ich nicht alles schon ausprobiert hätte...) oder dummen Sprüchen a la "die meisten Arbeitslosen wollen ja gar nicht arbeiten, okay, du bist anders, aber es gibt viele faule Menschen." Ich antworte dann z. B., dass es genug faule Berufstätige gibt ;) aber gegen die sagt keiner was.

Mittlerweile habe ich wieder einen guten Job gefunden, aber ich habe viele Jahre der Arbeitslosigkeit hinter mir. Ich wünsche das keinem.
 

meeresheldin

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Das Problem ist, dass man systematisch ausgegrenzt wird. Man kann nicht mitreden, man fühlt sich faul obwohl man es nicht ist und hat das Gefühl man ist aussätzig.

Habt ihr noch ein paar knackige Antworten, was man sagen kann, wenn man gefragt wird?

Anfangs habe ich es so gehalten, dass ich gesagt habe: Ich arbeite in dem und dem Bereich (habe mir meistens etwas ausgedacht). Da ich aber in einer relativ kleinen Stadt lebe mit kleiner Kreisstadt ist diese Antwort nicht glaubwürdig, denn irgendjemand kennt immer jemanden, der jemanden kennt.
 

Nena

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Ich habe schon nachts gearbeitet (ein Jahr lang). Da hat sich kaum jemand gewundert, dass ich tagsüber unterwegs war (zumindest habe ich das nicht gespürt bzw. mir den Schuh nicht angezogen).

Als ich hierher zog (neuer Ort) stellte ich mich vor als "arbeitslose Putzfrau" (in neuen Gruppen und auch in Arztpraxen). Ja, sie haben gezuckt. Aber ich weiß nicht, was "schlimmer" war. Inzwischen haben sich alle daran gewöhnt, dass ich putze.

Ich habe mich nie so gefühlt, als müsste ich mich vor irgendwem rechtfertigen. Inzwischen putze ich wieder voll, bin aber trotzdem viel tagsüber unterwegs. Ich habe nicht das Gefühl, komisch angeguckt zu werden. Kann ich nicht einfach vom Mann bezahlte Hausfrau sein? Oder eben wirklich eine, die zu anderen Zeiten arbeitet als andere?

Es ist zumindest auch eine Frage des Selbstbewusstseins bzw. des Selbstwertgefühls.
 

AeroJet

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Und wenn du sagst dass du deine Oma pflegst? Wird wahrscheinlich nicht so glaubwürdig sein, weil das Pflegegeld recht gering ist und kaum zum Leben reicht, oder? Kenne mich leider nicht so gut aus.
 

Mutsch

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Das Wichtigste ist, dass DU dir selbst wichtig bleibst und deine Gedanken, dass DU nix wert bist, machen es nicht besser. Im Gegenteil.

Du bist für viele ein wichtiger Mensch, steh dazu, dass es halt mit der Arbeit im Moment schlecht aussieht, du aber deswegen kein fauler Mensch bist.

Je mehr du dich in irgendwelche Unwahrheiten rettest(bei Gesprächen), umso schwieriger machst du dir es selbst.

Gruss Mutsch
 

Georg1975

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Ich habe mir jahrelang Geschichten für die Verwandschaft ausgedacht. Irgendwann war es mir zu blöd, ich kam an den Punkt an dem mir egal war, was Andere über mich denken. Seitdem lebe ich viel entspannter. Hat aber > 10 Jahre gedauert, um innerlich so weit zu sein.
 

gila

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Habt ihr noch ein paar knackige Antworten, was man sagen kann, wenn man gefragt wird?
Nun, am wichtigsten wäre es wohl, dass du einige Dinge die dir das Leben schwer machen, auch therapeutisch bearbeitest, das führt zu einem anderen Selbstbild, denn irgendwo hat alles seine Ursache.

Wie wäre es inzwischen, sich mit etwas zu "identifizieren" was andere nicht sogleich nachvollziehen können und deinen "Wert" erstmal steigert. Und wenn es nur für dich ist.

Denk dir eine "Lifestory" aus 😉

Z. B. Könntest du fröhlich und selbstbewußt sowas erzählen wie: ich arbeite derzeit freiberuflich in der Marktforschung für verschiedene Firmen, damit ich mich voll der Pflege meiner Großmutter widmen kann...

Ich möchte sie ungern in ein Heim geben. Also stelle ich mich momentan so gut es geht auf diese Situation ein. Gottseidank hat man da als Freiberufler bei der heutigen Technik und Internet flexibel sein.

Das genieße ich gerade TOTAL und kann so auch in Ruhe Pläne schmieden, wie es später mal weiter gehen soll oder ob ich das weiter ausbaue.
Auch meine goldige Omi ist sowas von froh dabei!

Was machen Sie denn so?
--------—-----------

Glaube mir wenn Du das am Schnürchen mal drauf hast, glaubst Du es selbst und fühlst Dich gleich besser! 🤭😉
 

meeresheldin

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Und wenn du sagst dass du deine Oma pflegst?
Das habe ich auch schon gesagt. Da kam prompt: In Ihrem Alter? Versauen Sie sich doch nicht die Zukunft usw.

Pflege ist ja immer noch ein Tabuthema. Man kann die alten Leute ja auch ins Heim geben. Da muss man sie nicht zu Hause pflegen. Ich schreib ja momentan noch meine Abschlussarbeit und hab das einem Betreuer anvertraut. Würde ich niemals wieder machen. Hab komplettes Unverständnis erhalten.

Danke, gila. Die Begründung ist echt schick. Die sollte ich lernen (ist jetzt kein Witz), denn sie klingt nach was. Ich muss nur bei einer Begründung bleiben und darf nicht jedem was anders sagen.

Ich hatte meiner Friseurin mal gesagt, dass ich als Sozialarbeiterin tätig bin. Prompt kam: Echt? Und dafür hast du studiert? Dass war das letzte Mal, das ich dort war. Das war ne super eingebildete Tante.


Ich glaube an die Stelle, dass ich das mit Selbstwert sagen kann muss ich noch kommen.
 

specht59

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Wenn du bis jetzt studiert hast, idealerweise mit einem Abschluss, und dieses Studium wegen der Pflege etwa länger gedauert hat als üblich, wirkt das auf mich in keiner Weise negativ. Ich habe ein bißchen den Eindruck Du steigerst dich da in was rein. Ich bin zur Zeit zum dritten Mal in der Situation und Leuten, denen ich nicht alles auf die Nase binden will, sage ich, dass ich bis vor kurzem das und das gemacht habe und jetzt was suche. Evtl, auch dass ich vorübergehend abeitslos gemeldet bin. Direkt gelogen habe ich nie, wenn es rauskommt steht man erst recht blöd da. Ich hatte übrigens nie besondere oder negative Reaktionen. Meist sind die Fragen doch nur smalltalk, dem Friseur ist das doch egal. Und Arzt oder Physio müssen halt für die Behandlung wissen, welcher Art Beschäftigung du nachgehst. Wenn die jeden, der tagsüber Zeit hat, schief anschauen würden ..
 

erwerbsuchend

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Man sollte bei seinen Stories aber aufpassen, in welchem Zusammenhang man diese erzählt. Spätestens wenn die Frage kommt, ob man zu kostenpflichtigen Veranstaltungen mitkommt, können diese Stories auch platzen. Es wäre mit der Zeit unglaubwürdig, wenn man ständig irgendwelche Ausreden sucht, warum man nicht mit in die Kneipe, ins Kino oder auf Party gehen kann. Echten Freunden, die einen grundsätzlich immer unterstützen und zu einem stehen, egal, wie es einem geht, kann man ruhig die Wahrheit sagen. In der Not merkt man, wer echter Freund und wer nur Kumpel ist.
 
E

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Ich denke das mit der Arbeit wird stark überbewertet, die Frage ist doch mache ich für mich was nützliches
und ganz gut ist es natürlich wenn andere meine Fähigkeiten nutzen können und noch besser dafür bezahlen.
Das von Meeresheldin beschriebene Umfeld ist mein täglich Brot ich bin allerdings nicht Mitglied im Klub nur Teil dieses Lebens
Ich kann nur sagen auch da gibt es solche und solche, gewisse Privilegien machen die Menschen nicht besser allerdings auch nicht schlechter.
Kann natürlich sein das wer in diesem Umfeld geboren wurde eher dazu neigt mithalten zu wollen und sich blöd fühlt wenn nicht

Was natürlich immer geht als Ausrede "ich bin Privatier" ohne weitere Angaben
 

gila

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Danke, gila. Die Begründung ist echt schick. Die sollte ich lernen (ist jetzt kein Witz), denn sie klingt nach was. Ich muss nur bei einer Begründung bleiben und darf nicht jedem was anders sagen.
Du hast einen entscheidenden Vorteil bei diesem - vorübergehenden- kleinen Spiel : Du kannst es üben, vorm Spiegel, Dich dabei kaputt lachen, und bist vorbereitet!
Die neugierigen anderen nicht!

Irgendwann macht es dir noch Spaß, diese Rolle von der "Freiberuflerin" auszuschmücken.
Das ist natürlich nur mal eine "Krücke", ich vermute dein wahres Problem liegt woanders, das musst du aber hier nicht schildern. Du wirst es selbst wissen und das sicher auch bearbeiten wollen...

Meine älteste Tochter hat so viele Brüche in ihrem Leben durch Pech, Krankheit, letztlich warf ein Überfall sie voll aus der Bahn. Nun mit über 30 muss sie von vorne beginnen und hat es auch mit so einer "lifestory" überbrückt wenn sich alle gewundert haben dass sie noch "nix gescheites" macht.
Es hat ihr prima geholfen.
 
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