Was muß / sollte eine WfbM für psychisch Kranke bieten

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Hallo zusammen,

ich, laut Diagnose mit Angststörungen und Depris, bin seit ca. einem halben Jahr in einer WfBM im BBB; habe mich um diesen Platz selbst bemüht. Es bestand und besteht in der Richtung kein Zwang. Ich kann "problemlos" auf die EU-Rente zurückfallen. Das soll aber nicht Sinn und Zweck der Angelegenheit sein.

Ich bin von der Maßnahme alles andere als begeistert, weil mir jegliche Unterstützung fehlt. Man schafft halt "sein Zeug weg" und Kontakt mit den "Vorgesetzten" gibt es eigentlich nur dann, wenn es um die Arbeitseinteilung oder Probleme mit dem Endprodukt geht. Dann werden die aus der Krankheit entstandenen Defizite, die auch in die Arbeit einfließen können, gerne als "Unwillen" umgemünzt. Ich arbeite gut und viel, merke aber definitiv, das es mir nicht gut tut, weil ich wieder genau in das alte Schema rutsche, das mich krank gemacht hat und das interessiert dort nicht. Es zählt letztlich die Leistung und die darf nicht nachlassen. Somit bin ich in der Zwickmühle.

Meiner Ansicht nach macht man sich damit den Umgang mit der psychisch kranken "Klientel" recht einfach, wenn man nachlassende Leistung als Unwillen definiert und immer damit schon fast drohend argumentiert, das man doch auf den ersten Arbeitsmarkt zurückwolle. Mehr noch, so kann der Schuß für den Betroffenen auch nach hinten losgehen, wenn man keine Rücksicht auf die Erkrankung nimmt oder kompensatorische Einflußnahme übt. Es muß halt gemacht werden, was ansteht, mit welchen Folgen für den Betroffenen, ist anscheinend egal.

Es heißt immer, man habe keinen Auftrag, im psychischen Bereich zu intervenieren, sei es eben nur durch banale Reflektion, wie man eben die vorangegangene Arbeit bewältigtt hat, was einem Probleme bereitet hat usw.
Das, was man halt als Betroffener erwartet, um voran zu kommen, um die Probleme erkennen zu können, oder eben, das man eine gewisse Einflußnahme von den "Vorgesetzten" erwartet. Das gibt es bei mir einfach nicht.

Dagegen stellt sich mir die Frage, wie so eine Rehamaßnahme ablaufen soll und ich als "Rehabilitant" je wieder Fuß auf dem ersten Arbeitsmarkt fassen soll, wenn eine elementare Komponente fehlt und man mit der geistig oder körperlich behinderten Klientel "über einen Kamm geschoren" wird. So kann eine Rückvermittlung einfach nicht funktionieren. Manchmal glaube ich, das ist sogar so gewollt, um halbwegs geistig leistungsfähigen Nachschub für den angeschlossenen Arbeitsbereich zu gewinnen. Die nötigen Mittel kann man sich ja gegenüber dem Kostenträger "zusammendichten".

Verlange ich von einer WfbM zuviel oder ist das die Regel, das man dort auf psychische Defizite weder Rücksicht nimmt noch darauf eingeht, um eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erreichen? Ich fühle mich gerade ziemlich down und letzlich mich, als auch den Kostenträger, ausgenutzt.

Viele Grüsse
 

Caye

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Ich denke, dass die meisten Werkstätten einfach keine Erfahrung im Umgang mit Mitarbeitern haben, die keine körperlichen oder geistigen Einschränkungen haben - und evtl. sogar fachlich besser qualifiziert sind als so mancher Vorgesetzte.

Die Aussage, man interveniere nicht auf psychischer Ebene liest sich für mich nach "Wir haben in Psychodingen keine Ausbildung und wollen und dürfen da nix machen, auch um uns selbst rechtlich abzusichern". Das ist vielleicht auch keine schlechte Einstellung (auch wenn eine sofortige Interpretation von nicht den Erwartungen entsprechenden Leistungen als Unwille auch Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen gegenüber gerecht wird und allein dafür mehr Schulung gut tun würde), bringt dir aber natürlich gar nichts.

Grundsätzlich hat eine WfbM auch keinen Reha-Auftrag. Das heißt nicht, dass sie nicht dennoch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gesundung und Integration in den 1. Arbeitsmarkt sein kann, aber ich fürchte, hohe Erwartungen darf man da dann nicht haben.

Im Bereich der beruflichen Reha gibt es Anbieter, die sich auf psychische Erkrankungen spezialisiert haben. Die müssen sicher nicht alle was taugen, sind aber grundsätzlich ine eher geeignete Anlaufstelle. Im WfbM-Bereich scheint es sowas noch nicht zu geben. Wenn du also eine Reha riskieren wollen würdest, würdest du vermutlich eher ein passendes Konzept finden.
 

nik72

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Ich kenne Leute aus dem Bereich WfbM (z.B. EU- Rentner). Die arbeiten dort in ihren Bereichen und das war´s dann. Über Bildung oder Heranführung an den ersten Arbeitsmarkt kann ich nichts sagen. So tief stecke ich in der Materie auch nicht drin.

Nachlassende Leistung:
Du bist eben krank/ erwerbsunfähig. Daher kann man Dir das nicht anlasten. Dann bist Du eben noch nicht soweit. Dies als Unwillen zu deuten, finde ich ungerecht und unprofessionell.
Das nächste Mal solltest Du vielleicht darauf aufmerksam machen, dass die Einrichtung eine WfbM und (eigentlich) kein normaler Produktionsbetrieb ist (obwohl sie sicher auch Aufträge von privaten Firmen annehmen).
Soweit ich weiss, dürfen die Dich auch nicht leistungsmässig unter Druck setzen.

Hast Du denn jetzt Rente, Übergangsgeld oder etwas Anderes? Weil Du ja schreibst, immer zurück in die EU- Rente zu können.

Die WfbM würde ich an Deiner Stelle überdenken. Die zuständigen Leute scheinen ja wirklich nicht geschult zu sein.

Vorschläge:
- EU- Rente beziehen und was dazuverdienen
- Vielleicht (berufliche) Reha- Massnahme mit psychischem Schwerpunkt, wo Du "stabilisiert" wirst (alles wird ruhig angegangen, eher Training von Sozialkompetenz, Konzentrationsfähigkeit, Belastungserprobung und -steigerung und so)

Du solltest auf Deine Gesundheit achten. Was nützt Dir ein Verzicht auf EU- Rente, wenn Du dann wieder "fertig auf den Röhren" bist?
Dann müsstest Du die Rente ggf. wieder neu beantragen.
 

ikarus

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Wfbm können gut oder schlecht sein, je nach ausgebildetem Personal!
I.d.R sind sie keine REHA -Träger!
Sondern dort arbeiten wie schon der Name sagt behinderte Menschen!
Ob, wieviel und zu welchen Arbeiten man herangezogen wird soll Krankheitsgerecht sein.
Ich lege Wert auf das Wort "soll" oder "sollte."
Die Entlohnung ist miserabel aber es werden Rentenabgaben getätigt!
Da die WfbM oft Aufträge von der Wirtschaft bekommen kann Zeitdruck sehr wohl eine stressige Komponente haben!
Die Aufträge müssen ja zu einem bestimmten Zeitpunkt beim Besteller sein!
Also man kann sich ausruhen (Pausen machen) oder die Arbeit die einem liegt aussuchen wann und wie man will ist dort eher nicht der Fall.
Letztendlich sind das meist monotone Arbeitsplätze!
Das man individuell auf den Behinderten eingeht liegt am "geschulten" Personal!
Ich habe auch schon von gestressten und verzweifelten Behinderten gehört die sich in diesen Werkstätten gar nicht wohl fühlen und zu Hause weinend im Bett lagen und dann wieder seelisch aufgepäppelt werden mussten!
Es sind nicht alle Werkstätten so!
Aber in welcher man landet weiß man vorher ja nie!
Die Außendarstellungen solcher WfbM sind ja meist hervorragen, wie gesagt die Realität sieht oft anders aus!
 

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Vielen Dank für eure Atnworten. Ja, ich beziehe parallel eine EU-Rente, die im Moment an das Übergangsgeld der Maßnahme angerechnet wird. Ich habe es damals so eingeschient, um im "Versagensfall" abgesichert zu sein.

Die EU-Rente selbst kann bei mir nur die puren laufenden Kosten abdecken und es scheint wirklich schwer zu sein, einen Job zu finden, der nur drei Stunden am Tag umfasst und auch wirklichj das überleben sichert.

Das eine WfbM keinen Rehaauftrag hat, wusste ich nicht. Ich dachte immer, von dem, was ich so nachgelesen hatte, das die dortigen Klienten und eben speziell jene im Berufsbildungsbereich Rehabilitanden sind (hoffe, ich habe es richtig geschrieben). Eigentlich wäre es so ja auch richtig, da die Betroffenen, speziell eben auch psychisch Kranke, im Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit rehabilitiert werden sollen. Dafür zahlt ja der Träger auch jeden Monat eine nicht unwesentliche Summe, um dies zu erreichen. Es heißt irgendwas von wegen, das die WfbM / der BBB den Auftrag hätten, die Leistungsfähigkeit herzustellen, zu erhalten oder wieder zu erlangen. Das nicht nur das pure Arbeiten alleine dazu gehört, sollte dem Träger, als auch gerade der WfBM klar sein. So fühlt es sich wirklich nur an, als wolle man sich seine hauseigene Klientel mit Zusatzgeldern heranzüchten.

Aber ich denke schon, das ich die WfbM wieder verlassen werde. Mit dem Rententräger werde ich vor Beendigung auch nochmals sprechen, so das es bei einem erneuten Rehaantrag bzw eventuell erneutem Rentenantrag nicht zu Problemen kommt, auch, um ihn von der Situation zu unterrichten; ich bin nämlich nicht der einzigste im BBB, der über diese Maßnahme so denkt und fühlt wie ich. Es wird zwar finanziell ein sehr harter Einschnitt werden, aber meine Gesundheit ist mir wichtiger.

Vielen Dank für Eure Hilfe!

Viele Grüsse
 
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