Was haltet ihr von einem Aktivierungsteam in einem Jobcenter

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Zermürbt38

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Unter dem Motto: Menschen aktivieren, indem wir auf sie zugehen oder ähnlich!

Diese Aktivierung betrifft in unserem Jobcenter Leute bei denen das Fallmanagementteam nicht weiter kommt. Weil sie beispielsweise nicht auf Einladungen reagieren und/oder keine Termine absagen. Viele Menschen in unserem Kreis sind angeblich zu krank um auf Einladungen zu reagieren und werden Zuhause durch das Aktivierungsteam aufgesucht. Dort werden sie bearten, gekoacht und wenn nötig auch gesundheitlich betreut. Haben ja ach so tolle Gesundheitsangebote im Petto.
Reinlass in die Wohnung ist natürlich keine Pflicht. Dies wird aber angeblich sehr gut angenommen.
Die Besuche drehen sich angeblich auch um Sanktionen zu verhindern, wenn auf JC Einladungen nicht reagiert wird. Dann frage ich mich aber allen ernstes was die machen, wenn es bald keine Sanktionen mehr gibt? Wird dieses Team dann wieder entsorgt?

Was haltet ihr von so einem Projekt oder Vorgang?. Wenn ich ehrlich bin, ist das für mich nicht mehr als die Leute auszuspionieren!
 

franzi

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Was wollen Sie Menschen anbieten, die zu krank sind?
Das Jobcenter ist keine medizinische Einrichtung.
Viele dieser Betroffenen werden bereits in ärztlicher oder therapeutischer Behandlung sein oder warten auf EM-Rente.
 

ZynHH

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Wenn dadurch Druck von den ELO genommen wird.
Ich bin damals nach dem ersten verpennten Termin freiwillig zum Fallmanagement gewechselt. Das hat mich gerettet, da ich zu dem Zeitpunkt noch nasser Alkoholiker war. Ich konnte mich dann voll und ganz auf die Therapie konzentrieren.

Wer die Termine im Fallmanagement nicht mehr wahrnimmt, die echt selten sind, könnte die Rettung dann durch einen Termin zu Hause bekommen.

Ich hatte im Prinzip drei Termine beim Fallmanagement binnen zwei Jahren. Ohne das Fallmanagement hätte ich wohl alles verloren.
 
E

ExitUser

Gast
Was haltet ihr von so einem Projekt oder Vorgang?
Manche werden froh sein das überhaupt mal jemand vorbeikommt
Ich denke aber das es sicher nicht Aufgabe der JC ist hier einen auf Samariter zu machen
Gegen einen Service Hausbesuche auf Abruf um Vorgänge oder Meldungen zu erledigen, evtl auch mal was Einkaufen medi bringen und so
fände ich zwar fragwürdig aber möglich wenn es nicht ausartet
 

Zermürbt38

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Was wollen Sie Menschen anbieten, die zu krank sind?
Das Jobcenter ist keine medizinische Einrichtung.
Viele dieser Betroffenen werden bereits in ärztlicher oder therapeutischer Behandlung sein oder warten auf EM-Rente.
Keine Ahnung, vielleicht sich in psychiatrischer Behandlung zu begeben. Anregen Kurse von Krankenkassen zu besuchen. Aber mal ehrlich das haben die doch nicht zu bestimmen, sondern nur von den Betroffenen der behandelte Arzt. Mir kommt es so vor als wären diese als Gesundheitsbetreuer zusätzlich tätig. Wie gesagt da mich das nicht betrifft, habe ich keine Ahnung. Habe es nur gelesen, dass es dies jetzt in unserem JC (Optionskommune) gibt. Die geben ihr Geld lieber für sowas aus, als eine vernünftige Qualifikation, Umschulung oder Fortbildung zu zahlen.
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Manche werden froh sein das überhaupt mal jemand vorbeikommt
Ich denke aber das es sicher nicht Aufgabe der JC ist hier einen auf Samariter zu machen
Gegen einen Service Hausbesuche auf Abruf um Vorgänge oder Meldungen zu erledigen, evtl auch mal was Einkaufen medi bringen und so
fände ich zwar fragwürdig aber möglich wenn es nicht ausartet
Stimmt das schrieben sie auch, dass viele Betroffene das sehr gut finden. Das sie endlich mal jemanden zum Reden haben. Ich schätze viele die auf Einladungsschreiben nicht reagieren sind von psychischen Erkrankungen betroffen.
Beitrag wurde automatisch zusammengeführt:

Wer die Termine im Fallmanagement nicht mehr wahrnimmt, die echt selten sind, könnte die Rettung dann durch einen Termin zu Hause bekommen.
Bei uns in der Optionskommune gibt es nur das Fallmanagement. Es ist nicht getrennt wie in einem JC der Afa. Bei uns ist das Fallmanagement die normale Arbeitsvermittlung.
 
Zuletzt bearbeitet:

franzi

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Ich kenne das Fallmanagement auch nur als Arbeitsvermittlung, diese aber deutlich verschärft (sehr aggressiv und enormer Druck).
Hatte ich auch schon und war überhaupt nicht hilfreich, außer dass es einen fertig macht.
 

Schmerzgrenze

Super-Moderation
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Was haltet ihr von so einem Projekt oder Vorgang?
Wenn es in schwierigen Einzelfällen angeboten wird, könnte das durchaus einen sinnvollen Zweck erfüllen.
Aber schon aus Gründen der Daseinsberechtigung solcher "Teams" ist vorhersehbar, das hier das Ermessen gerne mißbraucht wird.
Fängt schon beim Einkauf der sog. Maßnahmen an, welche die Folgen der Fehlpolitik richten sollen, aber selbst Teil des Systems sind.
Die Menschen werden dem Kapitalmarkt gnadenlos zum Fraß vorgeworfen und selbst die Auswirkungen gewinnbringend verwertet.
Die Besuche drehen sich angeblich auch um Sanktionen zu verhindern, wenn auf JC Einladungen nicht reagiert wird
Das gleiche Organ, welches die teils grundrechtswidrige Gesetzgebung durchsetzen soll spielt den Samariter.
Dann frage ich mich aber allen ernstes was die machen, wenn es bald keine Sanktionen mehr gibt?
Eine Rücknahme von Sanktionsmöglichkeiten wird die Lobby der milliardenschweren Erwerbslosenindustrie zu verhindern wissen. :icon_wink:
 

grün_fink

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Mich hat mal ein Maßnahmeträger daheim besucht, paar Minuten mit mir gequatscht und mir den Rat gegeben, wieder mal zum Facharzt zu gehen. War auch ganz angebracht so, und damit war der Termin gegessen. Es wurde von beiden die gleiche Meldung zum JC gemacht.
Der Mensch sagte noch, er sieht oft Elend, wenn er mal bei den Leuten daheim vorbei schaut, auch schon mal nen Toten.
Klang ganz glaubhaft.

Problem ist schon, dass es Teil der Maßnahmeindustrie wurde. Wie @Zeitkind beschrieb. Dem ist nix hinzuzufügen.
 

JobcenterAffe

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Das Jobcenter entdeckt seine soziale Ader, und macht nun auf Sozialarbeiter. - Wer's glaubt.... Da werden doch sicherlich wieder irgendwelche Planstellen geschaffen, die die nächsten 20 Jahre bestehen bleiben sollen. Und das tun sie nur, wenn nicht allzu viele der Hilfeempfänger wirklich aus ihrem Elend rauskommen. Strenggenommen sind diese Menschen nicht mehr arbeitsfähig, und müssten in Frührente geschickt werden. Den heutigen Hochleistungs-Arbeitsstellen wären sie ohnehin nicht mehr gewachsen.

Und wie Zeitkind schrieb: Warum sind denn diese Menschen so fertig? Nicht zuletzt von den Sanktionen und dem ständigen Druck der Jobcenter, der sie zermürbt hat und in Alkoholsucht & Co. trieb.
 

franzi

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Ich denke Mal, dass bei einigen die Suchtproblematik schon vor dem Leistungsbezug bestand und dann mit ein Grund dafür war, dass sie überhaupt in ALG II landeten.
Alkohol am Arbeitsplatz wird nicht gerne gesehen. Unzuverlässigkeit durch Suchterkrankungen können ebenfalls zu Kündigungen führen.
Alkoholkranke landen früher oder später auch in der EM-Rente, wenn die gesundheitlichen Schäden schon beträchtlich sind.
Ich habe selbst so eine Nachbarin, deren Alkoholiker-Karriere ich nun seit mehr als 10 Jahren mitbekomme. Mittlerweile ist sie ein Schatten ihrer selbst. Wundert mich, dass sie überhaupt noch lebt.
 

grün_fink

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Ich denke, es geht nicht darum, ob im ALG II einige Alkoholiker sind, womit man wohl auch hauptsächlich die nassen meint.
Umgekehrt halte ich es für sehr schwierig, wenn verallgemeinert wird, und den Mutmaßungen weiter Vorschub geleistet wird, dass doch im Hartz IV "lauter Alkoholiker" wären.
Klischees müssen nicht befördert werden, gilt auch für andere Lebensbereiche.

Ich selber habe da genug erlebt, auch die Sippenhaft.
 
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