Was darf der Insolvenzverwalter einfordern?

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Solanus

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Frage, die bisher mir niemand beantworten konnte, der Verwalter nicht wollte.

Welcher der nachfolgenden Erstattungen verbleiben bei mir, unabhängig vom tatsächlichen Nettoeinkommen aus Beruf:
  1. Fahrtkostenerstattung des Arbeitgebers für tatsächlich täglich anfallende Fahrt zur Arbeitsstätte?
  2. Nachzahlung des Regelsatzes und KdU bei Aufstocker vom JC für vergangene Monate?
  3. Schadensersatzleistungen nach Verkehrsunfall?
  4. Schadensersatzleistungen für Schäden aus Zivilverfahren?
 

axellino

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Guten Tag,

1. Der Ersatz der Kosten für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit dem eigenen PKW, stellt grundsätzlich steuerpflichtigen Arbeitslohn dar. Der Fahrtkostenzuschuss wird bei der Berechnung des pfändbaren Lohns mitgerechnet.

Hier zu lesen,

wirtschaftswissen.de

Klingt ja auch irgendwie logisch, Arbeitnehmer die keinen Fahrtkostenzuschuss kriegen, müssen die Fahrtkosten vom Nettoeinkommen selbst zahlen. Dann ist der Zuschuss für die Arbeitnehmer, die ihn bekommen, ein geldwerter Vorteil und ist damit zu berücksichtigen

2. Im eröffneten Verfahren würde die Nachzahlung sicher teils oder ganz zur Masse gezogen.
Das sollte sich auch daraus ergeben, wenn Du eine Weile zu wenig ALG 2 bekommen hast, dann hast Du gegen das JC ja auch eine Forderung, nämlich eine Forderung in Höhe der Nachzahlung und somit fällt die Nachzahlung meiner Meinung nach, ganz oder teils in die Masse und ist weg..

Anders währe es ggfls. in der nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens weiterlaufenden Wohlverhaltensphase, so denn ggfls. die Forderung auf die Nachzahlung nicht schon vorher bestanden hat, denn da gibt es nur noch die Abtretung des pfändbaren Einkommens an den Treuhänder (§ 287 InsO ), aber keine Pfändung des Kontoguthabens zu Gunsten des Treuhänders mehr. Kontopfändungen durch Einzelgläubiger sind auch während des Laufs der Wohlbehaltensphase unzulässig und unwirksam, § 294 Abs. 1 InsO und somit verbliebe die Nachzahlung ggfls. bei Dir.

3.
Schadenersatzzahlungen aus Ansprüchen wegen Verkehrsunfällen, die zeitlich erst nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens, aber während des Weiterlaufs der sechsjährigen Wohlverhaltensphase entstanden sind, müssen nicht an den Treuhänder abgeführt werden.

Quelle
Frag-einen-Anwalt.de

4. siehe 3 und auch die erläuteren des Anwalts dazu im Link.

Es kommt wohl immer auf Verfahrensstadium an, betreffend Schadensersatzleistungen und dessen Auszahlung und auch wann der Anspruch darauf besteht.

Sofern man im Insolvenzverfahren ist, wären diese Zahlungen Masse und man müsste die Kohle den Verwalter abgeben.
Es wäre zwar kein Einkommen, aber alle Forderungen/Ansprüche die man hat, gehören auch zur Insolvenzmasse.

Sollte man in der WVP sein, könnte man das Geld ggfls. behalten, insofern der Anspruch darauf nicht vorher schon bestanden hat.
In § 295 InsO ist abschließend aufgeführt, was man in diesem Verfahrensstadium abgeben müsste und Schadensersatz gehört nicht dazu.

Deine Fragen stelle bitte auch unbedingt bei deiner Insolvenz begleitenden Schuldnerberatung oder Anwalt, nicht das ich dich ggfls. in eine falsche Richtung leite mit meiner Antwort.

Gruss
axellino
 
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