Warum bekomme ich für die Zeit der Weiterbildung plötzlich einen "Mehrbedarf für Behinderte"?

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Brathorun

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Servus,

bei mir gehts endlich voran und hoffentlich ohne Unterbrechungen durch Corona.
Und ich hoffen tatsächlich, dass ich, mit dieser Umschulung, eine Chance erhalte, mein Leben in andere Bahnen zu lenken!

Eine Sache macht mich, im Bezug auf die Höhe meines ALG II Geldes, verdammt Neugierig - gleichzeitig will ich nicht zu viel nachfragen...

Früher hatte ich ein Behinderten-Grad von 80%. Anfangs hatte ich sogar ein G im Ausweis stehen und "mein Begleiter" durfte sogar kostenlos mitfahren. Mit Beendigung der Schulzeit, kam man zu dem Schluss, auch den Gard meiner Behinderung auf 50% herabzusenken. Vor 3 Jahren entzog man mir den Ausweis und ich bin nunmehr 30%. Vor dem Amt bin ich "Gleichgestellt".

Das Konzept dahinter, habe ich nie richtig verstanden. Denn zu keiner Zeit habe ich einen Arzt oder irgendeine andere Person gesehen, die mich hätte beurteilen können.

Ich fühle mich nicht weniger Eingeschränkter als damals. Mit den Händen kann ich bspw. nicht jede Arbeit ausführen - in den Meisten Fällen brauche ich mehr Zeit. Feinarbeiten gelingen eher selten. Heute wie damals schreibe ich an einem Computer.
Mein Gleichgewichtssinn ist auch beeinträchtigt. Im Alltag merke ich davon wenig bis nichts (wobei einige Aufmerksame bei mir einen "schiefen Gang" beobachten wollen). Ganz brutal merke ich davon aber, wenn ich ein Hobby ausüben will, das ich vor kurzem entdeckt habe: Wandern. Hier fallen mir sehr viele Bewegungsabläufe sehr schwer. Obwohl ich sehr vorsichtig unterwegs bin, komme ich im Gelände einfach nicht so vorwärts, wie es andere Menschen tun. Schon bei Treppen ohne Haltemöglichkeit wird es bei mir sehr eng. Bei Leitern hört es dann fast schon auf...
Warum erzähl ich das? Im Alltag hab ich mich eingerichtet, da klappt es. An diesem Beispiel kann ich jedoch über den Tellerrand hinausblicken - und es klappt... eher mäßig und nur mit Einschränkungen.

Bislang hab ich den normalen ALG II Satz bezogen. Mit der Umschulung kam auch ein Änderungsbescheid. Darin wird das ALG II um rund 150€ "Mehrbedarf" erhöht.
Okay, nicht schlecht. Aber, wie gesagt, warum bin ich jetzt plötzlich doch "berechtigt genug"? Und auch nur für diesen Zeitraum?
Weil ich für jene Zeit im Internat bin, habe ich eigentlich sogar weniger kosten.

Wie kommt man also zu dem Schluss, dass ich einen Mehrbedarf aufgrund meiner Behinderung hätte?
Und hätte mir dieses Geld auch regulär zugestanden?
 

Ruhrpottmensch

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Moin

Dazu müsste man eventuell ein bisschen mehr über die "Erkrankung" wissen, die zum GDB geführt hat...
Es ist ja durchaus so, dass es gewisse Erkrankungen gibt, bei denen z.B. eine besondere Ernährung von Nöten ist. Oder halt andere (medizinische) "Hilfs-/Versorgungsmittel". Bei einer "Umschulung" (Nicht vor Ort) könnte natürlich auch noch die "Mehrbelastung" durch Fahrtkosten o.ä. eine Rolle spielen. Das müsste aber eigentlich in dem Bescheid dann auch aufgeführt sein.

Ob einem dann im "regulären" (Also ohne "Umschulung") Leistungszeitraum dieser "Mehrbedarf" zugestanden hätte, kann man -wie bereits geschrieben- ohne "genaues" Backgroundwissen nicht sagen...
 

Brathorun

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Dazu müsste man eventuell ein bisschen mehr über die "Erkrankung" wissen, die zum GDB geführt hat...
Die behinderung habe ich von Geburt an (Sauerstoffmangel). Das zeigt sich in einer geringfügigen Spasik (Infantile Zerebralparese) (in den Händen sicher noch am Auffälligsten) und der zentralen Koordinationsstörung.

Im Alltag nutze ich nur den Computer als Hilfmittel und mein Dreirad ist noch zu nennen. Sonst nutze ich/ bin ich auf keine Besonderheiten angewiesen.

EDIT: das Dreirad ist eine Privatangelegenheit und wurde nicht übernommen. Klar ist aber, das ich auf dieses Fahrrad angewiesen bin. Ein Zweirad kann ich nicht fahren.

Bei einer "Umschulung" (Nicht vor Ort) könnte natürlich auch noch die "Mehrbelastung" durch Fahrtkosten o.ä. eine Rolle spielen. Das müsste aber eigentlich in dem Bescheid dann auch aufgeführt sein.

Reisekosten werden gesondert übernommen.
 

Ruhrpottmensch

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Hmm... Da kann ich leider nicht näheres zu sagen...
Nicht falsch verstehen... Wenn es eine körperliche Behinderung ist (die dann ja auch schon sehr lange Zeit besteht), wären halt höchsten "Hilf-/Versorgungsmittel" als "Mehrbedarf" anzusehen. Aber gut, wenn das alles "auf anderen Wege" (KK o.ä.) übernommen wird... 🤔

Zumal "Mehrbedarf" ja auch immer vom Leistungsempfänger gesondert beantragt werden muss. Gab es da vielleicht ein "Feld" welches Du im Zuge des Antrag auf "Umschulung" ausgefüllt hast?!

Aber mal ganz davon ab... Wenn es da tatsächlich keine ersichtliche/offensichtliche "Begründung" für den "Mehrbedarf" in dem neuen Leistungsbescheid gab, würde ich vielleicht auch im Eigeninteresse zumindest mal kurz nachfragen. Nicht, dass das "böse Erwachen" dann nach der Umschulung in Form einer Rückzahlung kommt...
 

Woodruff

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Hallo Brathorun,

schön, dass Du automatisch den Mehrbedarf bekommen hast.

Die meisten Mehrbedarfe werden aber nur auf Antrag im Rahmen des Arbeitslosengeldes II bewilligt. Ich selber habe auch nur durch das ELO- Forum erfahren, dass es verschiedene Mehrbedarfe gibt. In meinem Fall geht es um eine kostenaufwendigere Ernährung, auf Grund einer Erkrankung. Der Antrag wurde sehr schnell genehmigt und so hatte ich monatlich 43,20 € mehr auf meinem Konto. darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut.

Es gibt verschiedene Mehrbedarfe:

Mehrbedarf für werdende Mütter,
Mehrbedarf für Alleinerziehende,
Mehrbedarf für Personen mit einer Behinderung,
Mehrbedarf für kostenaufwändige Ernährung,
Mehrbedarf für unabweisbaren, besonderen Bedarf,
Mehrbedarf für dezentrale Warmwassererzeugung.

Sie müssen den Mehrbedarf nicht beantragen. Sie müssen Ihrem Jobcenter nur mitteilen, dass eine Behinderung und welcher Grad der Behinderung vorliegt. Bestenfalls schicken Sie direkt eine Kopie des Behindertenausweise mit. Wenn Sie an einer Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben teilnehmen, müssen Sie auch hierfür einen Nachweis an Ihr Jobcenter schicken. Um so einem Nachweis können Sie bei der Maßnahme bitten, die Sie absolvieren. So hat das Jobcenter alles was es benötigt, um Ihren Mehrbedarf zu berücksichtigen.

(4) Bei erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit Behinderungen, denen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nach § 49 des Neunten Buches mit Ausnahme der Leistungen nach § 49 Absatz 3 Nummer 2 und 5 des Neunten Buches sowie sonstige Hilfen zur Erlangung eines geeigneten Platzes im Arbeitsleben oder Eingliederungshilfen nach § 112 des Neunten Buches erbracht werden, wird ein Mehrbedarf von 35 Prozent des nach § 20 maßgebenden Regelbedarfs anerkannt. Satz 1 kann auch nach Beendigung der dort genannten Maßnahmen während einer angemessenen Übergangszeit, vor allem einer Einarbeitungszeit, angewendet werden.
(5) Bei Leistungsberechtigten, die aus medizinischen Gründen einer kostenaufwändigen Ernährung bedürfen, wird ein Mehrbedarf in angemessener Höhe anerkannt.
(6) Bei Leistungsberechtigten wird ein Mehrbedarf anerkannt, soweit im Einzelfall ein unabweisbarer, besonderer Bedarf besteht; bei einmaligen Bedarfen ist weitere Voraussetzung, dass ein Darlehen nach § 24 Absatz 1 ausnahmsweise nicht zumutbar oder wegen der Art des Bedarfs nicht möglich ist. Der Mehrbedarf ist unabweisbar, wenn er insbesondere nicht durch die Zuwendungen Dritter sowie unter Berücksichtigung von Einsparmöglichkeiten der Leistungsberechtigten gedeckt ist und seiner Höhe nach erheblich von einem durchschnittlichen Bedarf abweicht.
(6a) Soweit eine Schülerin oder ein Schüler aufgrund der jeweiligen schulrechtlichen Bestimmungen oder schulischen Vorgaben Aufwendungen zur Anschaffung oder Ausleihe von Schulbüchern oder gleichstehenden Arbeitsheften hat, sind sie als Mehrbedarf anzuerkennen.
 

grün_fink

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Ja das würde ich auch sehen, dass einem das Geld während einer Maßnahme (ist die berufliche Reha ja auch) zusteht, wenn man nur arbeitslos daheim ist nicht.

Was ich nicht verstehe ist, dass es den Mehrbedarf bei GdB 30 gibt, gilt das nicht erst bei höhreem GdB?
Oder wurde die Herabstufung nicht gemeldet beim "Amt"? Vergessen?
 

Brathorun

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Was ich nicht verstehe ist, dass es den Mehrbedarf bei GdB 30 gibt, gilt das nicht erst bei höhreem GdB?
Oder wurde die Herabstufung nicht gemeldet beim "Amt"? Vergessen?
Bin ja Gleichgestellt, weil ich nur noch GdB 30 hab.
Ein Geheimnis sollte das also nicht sein.

Ja das würde ich auch sehen, dass einem das Geld während einer Maßnahme (ist die berufliche Reha ja auch) zusteht, wenn man nur arbeitslos daheim ist nicht.
Meiner Meinung nach nicht unbedigt logisch.

Aber gut, auch hier bin ich wohl wiedermal Grenzfall. Daher werd ich das Geld mitnehmen, notwendige Anschaffungen machen und für harte Zeiten (man weiß ja nie) zurück legen...
 

grün_fink

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Ich hab nochmal beide Paragrafen überflogen, also den 21 im SGB II und den 49 im SGB IX, auf den sich der 21 bezieht.
In beiden hab ich auf die Schnelle nix gelesen, wie hoch ein GdB sein muss, um in den Genuss der Leistungen zu kommen, auch des Mehrbedarfes.

Da würde ich mich einfach freuen, dass ich das mitnehmen kann.
 

user_0815

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nicht unbedigt logisch
Aber gut, auch hier bin ich wohl wiedermal Grenzfall.
Es steht so im Gesetz und ist der Regelfall. Dein Ausbildungsträger sollte eigentlich darauf hinweisen, dass dir ein Mehrbedarf zusteht. Das wird nämlich gerne mal "eingespart".

dass es den Mehrbedarf bei GdB 30 gibt,
Ich hatte keinen GdB, als ich den Mehrbedarf bekam. Entscheidend ist, dass man an bestimmten Maßnahmen im Rahmen der §§ 49 oder 112 SGB IX teilnimmt.

Steht u.a. in § 21 SGB II

Zum Begriff (drohende) Behinderung § 2 SGB IX

GdB spielt keine Rolle. Ist ja auch verständlich, weil der eher hinderlich ist, wenn es nach der Reha um eine Anstellung geht.
 
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