Wann und wie muss ich dem Jobcenter ein Darlehen und ein damit eröffnetes Aktiendepot melden?

Tinalein

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Hallo!

Ich bin hauptberuflich selbständig und muss seit Mitte 2019 ALG2 aufstocken.

Da sich das Jobcenter logischerweise stets über höhere Einnahmen freut und ich dem Aufstocken ja auch langsam wieder entkommen möchte, hatte ich Anfang des Jahres die Idee meine Einnahmen durch Aktienhandel etwas zu verbessern und habe mir dafür ein zinsloses Darlehen samt zugehörigem Vertrag mit Rückzahlungsverpflichtung, Termin etc. von meinem Bruder geben lassen. Ich habe ihn das Geld direkt auf mein dafür eingerichtetes Depot überweisen lassen (Online Social Trading ohne Bankanbindung).

Dann begann ich Aktien zu kaufen und diese sind in den letzten 4 Monaten stark im Wert gestiegen.

Jetzt habe ich die Bürokratie aber lange vor mir hergeschoben, weil mir nicht ganz klar ist, wie und wann ich das dem Jobcenter kommunizieren muss, denn momentan befindet sich auf dem Depot ja ausschließlich das Darlehen und es wurden noch keine Gewinne realisiert.

Jetzt rückt das Datum der Darlehensrückzahlung aber näher und ich habe vor, die Aktien zu verkaufen und das Darlehen direkt wieder vom Depot zu meinem Bruder zurückzusenden. Anschließend will ich den Gewinn direkt auf mein Konto überweisen lassen und im nächsten WBA als Einnahme geltend machen (mit Depotauszug als Beleg).

Ich habe dem Jobcenter bisher weder etwas vom Darlehen, noch vom Depot mitgeteilt, weil ich der Meinung bin, dies erst mit dem Verkauf der Aktien und dem Erhalt des Gewinns auf meinem Bankkonto erklären zu können/müssen (wg. Zufluss Prinzip auf Bankkonto).

Nun meine Fragen die daraus entstehen:

1. Ist das so korrekt oder sollte ich schon vor dem Verkauf der Aktien eine Information über das Darlehen und das Depot ans Jobcenter schicken?

2. Ist es ein Problem, dass der Zahlungsfluss (Bruder -> Depot) nicht direkt auf meinem Bankkonto nachvollziehbar ist oder reicht dem Jobcenter der Vermerk im Darlehensvertrag, dass das Darlehen direkt dorthin überwiesen wurde?

3. Gehören die Einnahmen aus den Aktien in meine EKS, auch wenn sie nicht direkt mit meiner selbstständigen Tätigkeit zu tun haben und wenn ja, werden diese dann wie meine anderen Einkünfte auch gleichmäßig auf 6 Monate verteilt?


Da ich hier nichts falsch machen möchte aber auch die Bürokratie nicht unnötig wecken möchte, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr euer Know-How diesbezüglich mit mir teilen könntet.
 

axellino

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Hallo Tinalein ,

Ich möchte dir Forenregel 11 in Erinnerung bringen, immer eine aussagekräftige Überschrift für neue Themen zu erstellen.
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Tinalein

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:giggle: Ja das hat mein Bruder am Anfang auch gemeint, aber da er bisher immer alles zurückbekam, was ich mir von ihm geliehen hatte und er weiß, dass ich keine Hochrisikoinvestitionen veranstalte und mit strengem Stopploss arbeite, ging das für ihn schließlich klar.
 

akaKnut

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@Tinalein

Im Antrag auf Leistungen hast du ja wahrheitsgemäße Angaben zu Einkommen und Vermögen gemacht. So weit so gut.

Du bist jedoch verpflichtet, Änderungen, insbesondere zugeflossenes Einkommen, zu melden. Nach meiner Kenntnis hat so eine Meldung unverzüglich zu erfolgen. Schon das Darlehen selber könnte so ein Einkommen sein.

Ob es sich bei den zugeflossenen Mitteln dann tatsächlich um (anrechenbares) Einkommen handelt, wird beim Amt geprüft. Gegen das Ergebnis dieser Prüfung könnte man dann gegebenenfalls in einem zweiten Schritt vorgehen.

Selbst wenn es sich nicht um anrechenbares Einkommen handelt, könnte eventuell schon die verspätete Meldung zu Schwierigkeiten führen, aber da möchte ich mich nicht festlegen, dazu kann vielleicht jemand anderes konkreter werden.

Wie du dein Einkommen oder Vermögen verwendest, ist jedoch prinzipiell deine Angelegenheit und geht niemanden etwas an.

Ein vorhandenes Aktiendepot sollte meiner Meinung nach angegeben werden, in jedem Fall bei einem eventuellen Folgeantrag auf Leistungen, weil das Amt selbstverständlich den Wert des Depots prüfen will. Sollte dieses aufgrund der Wertentwicklung die Freibeträge für Vermögen überschreiten, könnte man dich wohl zur (teilweisen) Verwertung verpflichten. Du bist aber meiner Ansicht nach nicht verpflichtet, jede Kurssteigerung sofort mitzuteilen, das wäre wohl auch kaum zuzumuten.

Auch der beim Verkauf der Aktien erzielte Gewinn ist meiner Ansicht nach kein Einkommen, da es sich ja hierbei lediglich um eine Vermögensumwandlung handelt. Dennoch wird das Amt spätestens bei der Durchsicht deiner Kontoauszüge wissen wollen, was dir da für Geld zugeflossen ist.

Wie eventuelles Einkommen dann konkret angerechnet oder auf Monate aufgeteilt wird, kann ich nicht sagen. Ich wüsste nur ganz allgemein zu berichten, dass Einkommens- und Vermögungsfragen gerade bei etwas komplizierteren Fallkonstellationen vom Amt gern unvollständig oder unrichtig bewertet werden, daher sollte man diesem Punkt besondere Aufmerksamkeit widmen, gegebenenfalls sogar mit anwaltlicher Unterstützung.
 

Onkel Tom

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ALG 2 (aufstockenden) Bezug und Aktienhandel verträgt sich verdammt schlecht.

Das Ding mit dem Dahrlehen (Darlehensvertrag notwendig) wirst Du eventuell mit
durch kommen.. Mit den Aktiengewinnen wirst Du bis auf 30 Euronen wohl leer
ausgehehen, da es sich nicht um Einkommen aus Arbeitslohn handelt.

Sobald das JC davon erfährt, werden die darauf setzen es auf zu lösen, damit sie
Erträge anrechnen können.. Da lässt JC-Stress nicht lange auf sich warten.. :(

Viel Spaß beim Spekkulieren zu Gunsten des JC.. o_O
 

ZynHH

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Das Ding mit dem Dahrlehen (Darlehensvertrag notwendig) wirst Du eventuell mit
durch kommen..
Da bin ich mir nicht sicher. Auch ein Darlehen muss einen bestimmten Zweck dienen, um nicht angerechnet zu werden.
Und Schulden interessieren bekanntlich das JC nicht.
Das ist so, als wenn du dir Geld leihst, um in die Daddelhalle zu gehen und zu spielen...
 

Tinalein

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Danke, dass ihr euch alle darüber Gedanken gemacht habt, ich merke schon, ich habe mir hier was Schönes eingebrockt. :icon_neutral:

Mir ist schon klar, dass ich von den Einnahmen kaum etwas behalten kann. Es fühlt sich für mich einfach gut an, durch eigenes Handeln etwas von der staatlichen Unterstützung zurückgeben zu können, auch wenn ich einige Facetten unseres Sozialsystems (bspw. Sanktionen) inakzeptabel finde. Wenn das Jobcenter allerdings versuchen würde das Darlehen als Einkommen anzurechnen, wäre ich damit nicht einverstanden. Man kann mit den vom Jobcenter erlaubten Mitteln so schon schwer eine sinnvolle Selbstständigkeit weiterentwickeln.

Ich will hier wirklich keine unnötige Bürokratie, am Ende noch Sozialgericht provozieren. Was wäre denn, wenn ich das Jobcenter vor vollendete Tatsachen stelle? Heißt:

Ich schließe das Depot jetzt, schicke das Darlehen direkt von dort an meinen Bruder zurück und zahle mir den Überschuss aus. Dann erkläre ich, wie bei meinen üblichen Einkünften aus selbstständiger Tätigkeit auch, erst im nächsten WBA 09/2020, woher das Geld stammt und, dass ich dieses Depot zwischenzeitlich mit einem Darlehen betrieben habe, welches bereits zurückgezahlt wurde (siehe Depotauszug).

Bei der Variante könnte mir aber aufgrund der langen "Nichtmeldung" ein zufälliger Datenabgleich des JC mit dem Bundeszentralamt für Steuern auf die Füße fallen und das Jobcenter meldet sich dann schon vorher bei mir mit einem sicher nicht sehr freundlichen Brief... :icon_kinn: hmmm

Die WBAs wurden aufgrund von Corona ja automatisch verlängert, ich habe also daher überhaupt keine „neuen“ Angaben über meine Einkünfte/Vermögen/Darlehen im entsprechenden Zeitraum gemacht. Auch bin ich als Selbständiger doch eigentlich nicht verpflichtet jede Einnahme unverzüglich dem Jobcenter zu melden, da ich das ja im 6 Monats Turnus mit meiner EKS mache. Oder fällt das Thema Aktien hier komplett raus, weil es nicht in meine EKS gehört? Zumindest könnte ich versuchen mit meinem 6 Monatsturnus zu argumentieren aber da Dummheit nicht vor Strafe schützt......:doh:

Langsam raucht mir der Kopf, was meint ihr dazu?
 

Uhus

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Du musst Einkommen (realisierte Aktiengewinne) sowie ein zwischenzeitlich neu eröffnetes Konto (Depotkonto) dem JC ggü. normalerweise zeitnah und unaufgefordert angeben. Worauf bezieht sich denn deine angemeldete selbstständige Tätigkeit offiziell? Willst du in diesem Rahmen alle Einkommen/Gewinne unterbringen, die man theoretisch irgendwie realisieren kann?

Was das Darlehen betrifft, kenne ich mich nicht wirklich aus. Schlimmstenfalls ist es am Ende sogar so, dass es dein Vermögen mehrt (Verbindlichkeiten sind dein Privatvergnügen), was bei den Vermögensfreibeträgen zu Problemen führen könnte.

Auch frage ich mich, wie das Jobcenter mit den teils starken Kursschwankungen umgeht, die sich allein an einem einzigen Tag locker im zweistelligen Prozent-Bereich bewegen können.
 
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abcabc

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Bei der Variante könnte mir aber aufgrund der langen "Nichtmeldung" ein zufälliger Datenabgleich des JC mit dem Bundeszentralamt für Steuern auf die Füße fallen und das Jobcenter meldet sich dann schon vorher bei mir mit einem sicher nicht sehr freundlichen Brief... :icon_kinn: hmmm
Das Depot läuft also auf deinen Namen?
Dann ist eine sehr einfache und naheliegende Lösung wohl leider nicht möglich...


Der Gewinn aus Aktien lässt sich nicht als Einkommen aus Arbeit deklarieren. Mindestens der Gewinn wird weg sein und mit etwas Pech kommt es zu weiteren Problemen: Verschwiegenes Einkommen und Vermögen, schließlich hast du das Geld schon seit vielen Wochen bis Monaten und auch die Gewinne sind schon länger da. Da könnte das JC auf die Idee kommen rechtliche Schritte einzuleiten (Anzeige).....
 
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Tinalein

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@Uhus Ich mache Webdesign und das lief auch ziemlich gut aber als Anfang 2019 meine Mutter unerwartet verstarb hat mich das total aus der Bahn geworfen, ich habe Aufträge fallen lassen und so gut wie alle Ersparnisse verbraucht. Aber das ist ein anderes Thema 😞... Ich wüsste jetzt nicht ob Trading in meine EKS gehört, wenngleich Trading laut Definition einiger Freunde im Grunde eine selbständige Tätigkeit mit Gewinnerzielungsabsicht ist, bei der man Know How, Technik und Zeit investieren muss, wodurch es "eigentlich" nicht als "mühelose" Arbeit (z.B. Geld+Sparkonto=Zinsen) eingeordnet werden sollte.

@abcabc Ja das Depot läuft auf meinen Namen.

@Antihartzer19 Auf dem Depot sind jetzt aktuell etwas über 3200 EUR (2000 EUR Darlehen + momentan ca. 1200 EUR Wertsteigerung) und auf meinem Bankkonto habe ich momentan etwas über 1500 EUR, bin also bei meinem Alter noch knapp innerhalb des Vermögensfreibetrags (falls das JC das Darlehen als Vermögen mitrechnet). Ich glaube aber letzten Monat hatte ich mehr auf dem Bankkonto und wäre dann kurzzeitig über dem Vermögensfreibetrag gewesen 😲

Viel wichtiger ist mir nach all euren Antworten aber jetzt die Sache mit dem Darlehen. Kann ich ein Problem mit dem JC überhaupt noch irgendwie vermeiden? Sollte ich das Darlehen jetzt wie beschrieben schnell zurückzahlen (direkt vom Depot zum Bruder zurück) und dem Jobcenter dann nach dem Eingang des Gewinns auf meinem Bankkonto den Sachverhalt erst im nächsten WBA darlegen (ich muss ja auch meine anderen selbstständigen Einnahmen nicht zeitnah melden, sondern erst in der folgenden EKS)? Gibt es vielleicht noch eine sinnvollere Lösung? Mir wird langsam ganz mulmig, dabei habe ich mir nichts Böses bei der ganzen Sache gedacht 😕 ..ich dachte naiverweise das JC würde sich freuen wenn ich denen meinen zusätzlichen Gewinn in der nächsten EKS präsentiere 😭
 

ZynHH

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@Tinalein, wichtig ist, was im Darlehensvertrag zwischen dir und Deinem Bruder als Darlehenszweck vereinbart wurde.
Ein zweckgebundenes Darlehen ist dem JC viel einfacher darzulegen und eine Anrechnung zum Lebensunterhalt nicht anzunehmen.
Aber, und das frage ich mich, was sollte bei dir der zweckgebundene Grund für das Darlehen sein, bei dem sich das JC nicht sn die Stirn fasst....Aktienhandel...

 

abcabc

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@Tinalein, wichtig ist, was im Darlehensvertrag zwischen dir und Deinem Bruder als Darlehenszweck vereinbart wurde.
Da das JC den Darlehensvertrag noch nicht kennt und es in der Familie ist, könnte man jetzt noch in aller Ruhe überlegen, was im Vertrag am besten stehen sollte und vielleicht ändert sich nachträglich noch was.... ;)
Problem: Dein Bruder hat das Geld direkt im Aktiendepot eingezahlt. Da kann man jetzt also nicht mehr ganz so kreativ bei der Problemlösung sein...
 

Onkel Tom

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Villeicht hat dein Bruder soo wenig Zeit dazu gehabt und Dich mit Gewinnbeteiligung
beauftragt ? Sprich er hat Dir die 2000 Euronen zur Verfügung gestellt (geliehen) und
Du solltest den Aktienmarkt beobachten und handeln. Wenn die Gewinne dazu z.B.
aufgeteilt werden, hast Du theoetisch nur 600 Euronen Gewinn erzielt.

Dein Bruder müsste dazu auch einen "Auftrag" sowie ebend einen Leihvertrag zum
Grundkapital abgeschlossen haben. Daher bei Webdesign etwas Flaute eingetreten ist,
wäre es dann auch glaubwürdiger, das Mensch versucht hat, seine Selbständigkeit
um zu strukturieren a la Hauptsache nicht in die Pleite gehen zu wollen..

Jo, da ist nun Kreativität gefragt.. :icon_kinn:

Ich würde es versuchen, die Position eines "Beauftragten" ein zu nehmen, bin jedoch im
Bezug Auftrag und Vertäge etwas überfordert.

In der Elo-Ini habe ich es 1x erlebt, das ein Elo als Aktienbesitzer durch Datenabgleich
entlarvt wurde und musste alles wegen zu viel JC-Stress aufgeben.
Das Kapital gehörte zwar zum Schonvermögen, da noch lange vor Leistungsbezug
disponiert wurde, aber die Gewinne wurden angerechnet und Kursverluste wurden ignoriert..

Das Risiko, zwichen Feststellung der Kapitaleinlage und dem Verkauf, weniger zu erlangen
geht dann auf die Kappe des "Aktien-Spielers"..

Hat schon auch viel Ansichtsverwanntschaft mit Spielereien in einer Spielhalle, wo dann
der Einsatz auch unberücksichtigt bleibt. Ich meine, das da auch schon ein Urteil dazu
gefällt wurde, der im Endergebnis den Spieler mit Verlust anhand seiner Spieleinsätze
"bestrafte".. Kann das Urteil leider nicht finden, müsste aber so ca. 2010 gewesen sein.

Anbei wurde auch erörtert, wie das mit Lottospiel zu handhaben wäre..

Im Prinzip kam die Schlussfolgerung, das für SGB-Leistungsbezieher das daddeln
theoretisch untersagt sei..
 
G

Gelöschtes Mitglied 63552

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Kommt das nicht einzig auf die Bewertung an ?

Sagen wir mal du kaufst eine Aktie für 100 Euro, dann hat die erstmal den Wert 100 Euro, da du soviel dafür gezahlt hast.
Steigt der Kurs kannst du die dennoch weiter zum Kaufpreis bewerten.
Erst sobald du die Aktie verkaufst und der Marktpreis sagen wir mal 200 Euro beträgt wird ja ein Gewinn von 100 Euro realisiert.

Und soweit ich weiss zählt bei Aktien als Wert der Kaufpreis.
Alles andere wäre ja auch irgendwie absurd.

Mal ein Beispiel:
Sagen wir mal dein Aktiendepot hat am 1. Juli 1000 Euro gekostet weil du da die Aktien gekauft hast. Es hat also einen Wert von 1000 Euro. Und plötzlich steigt der Kurs am 3. Juli auf 10.000 Euro.
Du bist natürlich pflichtbewusst und teilst das dem Jobcenter mit und schreibst einen Brief dass dein Depot jetzt 10.000 Euro Wert ist. Der Brief braucht einen Tag bis er da ist und der Sachbearbeiter braucht eine Woche dir zu antworten. In der Antwort steht in etwa: "Leistungen werden eingestellt, Aktien sofort verkaufen!"
Blöderweise ist aber 2 Tage nachdem du den Brief abgeschickt hast der Kurs eingebrochen und das Depot mittlerweile nurnoch 500 Euro Wert.
Also schreibst du wieder einen Brief in dem du der Einstellung der Leistungen wiederspricht. Doch leider steigt einen Tag später wieder der Kurs, diesmal auf 15.000 Euro und gerade als du dem Jobcenter mitteilen willst dass die Leistungen doch eingestellt werden können und du die Aktien verkaufen willst fällt der Kurs wieder auf 1000 Euro.

So und aus dem Grund werden Aktien mit dem Kaufpreis bewertet solange sie in deinem Besitz sind. Erst wenn du die Aktien verkaufst werden sie mit dem Marktpreis bewertet. Und wenn dann ein Gewinn erzielt wird, dann ist der dem Jobcenter mitzuteilen.
Die nicht verkauften Aktien zählen als Vermögen und solange deren Wert nicht über dem Schonvermögen liegt musst du die auch nicht verkaufen. Und bei diesen Aktien zählt als Wert der Wert zum Zeitpunkt des Kaufs.

Und ansonsten am besten mal einen Steuerberater fragen. Die kennen sich damit nämlich wirklich aus.
 

JobcenterAffe

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Jetzt rückt das Datum der Darlehensrückzahlung aber näher und ich habe vor, die Aktien zu verkaufen und das Darlehen direkt wieder vom Depot zu meinem Bruder zurückzusenden. Anschließend will ich den Gewinn direkt auf mein Konto überweisen lassen und im nächsten WBA als Einnahme geltend machen (mit Depotauszug als Beleg).
Wenn es sich um einen privaten, nicht öffentlichen Darlehensvertrag handelt (und das ist bei dir der Fall), wieso den "alten", ersten nicht einfach unter den Tisch fallen lassen, und einfach einen neuen, rückdatieren mit längerer Laufzeit abschließen? - Schließlich wurde der bisherige Darlehensvertrag nur zwischen dir und deinem Bruder abgeschlossen, und ist bisher niemand anderem bekannt. Auch ist er (hoffentlich) nicht notariell beglaubigt worden.

Im übrigen hast du meiner Meinung nach taktisch falsch gehandelt: Wieso hat nicht einfach dein Bruder solch ein Aktiendepot auf seinem Namen eröffnet? Und ihr dann *privatvertraglich* intern vereinbart, daß du als "Fondsmanager" (= für die Spekulation und Verwaltung) eingesetzt wirst? Alle Gewinne gehören dann bei Realisierung dir (= dein "Bonus"), was man so in den Vertrag reinschreiben hätte können. Die Aktien würden natürlich erst dann verkauft, wenn du aus Hartz-IV raus bist und die Spekulationssteuer passé (ist glaube ich nach 1 oder 2 Jahren der Fall). ;)

Somit wäre dein Gewinn auch vom Zugriff des Jobcenters sicher gewesen. Jetzt bist du in der misslichen Lage, daß du quasi auf eigenes Risiko für den Staat spekuliert hast. Wären Verluste entstanden, hättest du dafür gehaftet und das gute Verhältnis zu deinem Bruder zerstört. Bei Gewinnen hingegen fließt alles dem Jobcenter zu, indem es die Leistungen für einen längeren Zeitraum kürzen bzw. einstellen wird. - Nur meine bescheidene Meinung dazu....

Merke: Hartz-IV-Bezieher sollten (auf eigenen Namen!) weder spekulieren noch Lottospielen. - Über beidem freut sich der Staat im Fall eines Gewinnes....

P.S.:
Nicht umsonst steht auf meinem Lottoschein immer der Name meiner Mutter (wenn ich denn mal spiele - kommt ja ganz selten vor). :)

Auf dem Depot sind jetzt aktuell etwas über 3200 EUR (2000 EUR Darlehen + momentan ca. 1200 EUR Wertsteigerung) und auf meinem Bankkonto habe ich momentan etwas über 1500 EUR, bin also bei meinem Alter noch knapp innerhalb des Vermögensfreibetrags (falls das JC das Darlehen als Vermögen mitrechnet). Ich glaube aber letzten Monat hatte ich mehr auf dem Bankkonto und wäre dann kurzzeitig über dem Vermögensfreibetrag gewesen 😲
Irgendwie siehst du die Handhabung des Schonvermögens falsch: Die Freistellung von Schonvermögen erfolgt nur zum Stichtag der Leistungsbeantragung. Fließt dir aber während deines ALG-II-Bezuges Geld in irgendeiner Form zu (= "Einkommen"), so wird dir das vom ersten Cent an vom JC angerechnet, auch wenn du diese Schonvermögenshöhe durch den Geldzufluss insgesamt nicht überschritten wird.


Hat schon auch viel Ansichtsverwanntschaft mit Spielereien in einer Spielhalle, wo dann
der Einsatz auch unberücksichtigt bleibt. Ich meine, das da auch schon ein Urteil dazu
gefällt wurde, der im Endergebnis den Spieler mit Verlust anhand seiner Spieleinsätze
"bestrafte".. Kann das Urteil leider nicht finden, müsste aber so ca. 2010 gewesen sein.
Anbei wurde auch erörtert, wie das mit Lottospiel zu handhaben wäre..
Gerichtsurteil: Lottogewinn ist anrechenbares Einkommen (vom 4.12.2009)
Dies entschied die 13. Kammer des Sozialgerichts Detmold auf die Klage eines Arbeitslosengeld-II-Empfängers, der die Auffassung vertrat, dieser Lottogewinn dürfe nicht als Einkommen angerechnet werden. Er habe schließlich nur gewinnen können, weil er seit dem Jahr 2001 dieses Los halte. Dementsprechend habe er seit dieser Zeit mehr investiert, als er letztendlich als Gewinn herausbekommen habe.
Dieser Argumentation folgte das Gericht nicht. Vielmehr verwies es darauf, dass Glückspielgewinne allgemein als Einkommen qualifiziert werden.

Im Prinzip kam die Schlussfolgerung, das für SGB-Leistungsbezieher das daddeln theoretisch untersagt sei.
Nein. Aber nicht weil der Staat das nicht gerne hätte, den ALG-II-Bezieher zu bevormunden, sondern weil es laut Gerichtsurteil dem Wettbüro nicht zuzumuten ist, den ALG-II-Status bei jedem Wetter vorab zu kontrollieren.
 
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G

Gelöschtes Mitglied 63552

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Das lustige beim Lotto ist ja auch noch dass es staatlich ist und das Geld ja nicht wieder komplett ausgeschüttet wird. Der Teil der nicht ausgeschüttet wird landet im Staatshaushalt der Bundesländer und die geben es dann für Sport, Kultur und Soziales etc. aus.
Der Hartz IV Empfänger der Lotto spielt und was gewinnt finanziert den Staat also quasi doppelt.
 

JobcenterAffe

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Bei der Variante könnte mir aber aufgrund der langen "Nichtmeldung" ein zufälliger Datenabgleich des JC mit dem Bundeszentralamt für Steuern auf die Füße fallen und das Jobcenter meldet sich dann schon vorher bei mir mit einem sicher nicht sehr freundlichen Brief... :icon_kinn: hmmm
Also, so lange keine Verkäufe der Aktien erfolgen, erfolgt meines Wissens auch keine Meldung an das Bundeszentralamt. Ich glaub' nicht mal wenn Dividenden oder sowas für die Aktien jährlich ausbezahlt werden, bekommt das Bundeszentralamt für Steuern (noch nie gehört von dem, ehrlich gesagt), davon etwas mit. Denn die Dividenden werden ja pauschal mit 25 % besteuert, und damit ist die Versteuerung eigentlich abgeschlossen.

Außerdem erwähntest du etwas von so einem Depot bei einem Startup. Wenn das Startup-Unternehmen seinen Sitz in Großbritannien hat (und das ist oft so), bekommt das FA davon höchstwahrscheinlich auch nie etwas mit. Ist ja mit Online-Kreditkartenkonten genauso. Ein Kumpel von mir hat dort ein Kreditkartenkonto in UK eröffnet, und ich bin mir ziemlich sicher, daß da das JC auch nie etwas davon mitbekommen würde, wenn man es verschweigt. Es sei denn, man ist so dumm und überweist von seinem Girokonto etwas direkt auf das KK-Konto. Dann wird's natürlich publik.
 

Lelek

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Seit wann ist es möglich, dass man Geld auf ein fremdes Depot überweist? Alle mir bekannten Broker, auch die ausländischen, lehnen dies ab, mit Verweis auf das Geldwäschegesetz.
 

Antihartzer19

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Seit wann ist es möglich, dass man Geld auf ein fremdes Depot überweist?
Auf ein Depot kann man nur Wertpapiere übertragen. Du meinst sicher das man ein Verrechnungskonto braucht um für die Käufe und Verkäufe ein Konto zu haben. Da gibt es unterschiedliche Modelle, bei mir aktuell ist ein einfaches Verrechnungskonto, da kann jeder überweisen, ich kann aber nur Geld an ein vorher hinterlegtes Konto von mir zurücküberweisen. Diese Verrechnungskonten können auch Girofunktion haben. Bei dem englischen Startup mit Aktienhandel (z.B. Revolut) hat man auch das Girokonto als Verrechnungskonto. Allerdings sind die generell in Ihren Augen pingelig bei unpassenden Überweisungen und sperren gern mal das Konto.
 
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