Wahlkampf um Rentner - Die graue Macht

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ExitUser

Gast
Sie sind alt, sie sind kampflustig, und sie sind viele. 20 Millionen Wähler zählen 60 Jahre und mehr. Ohne sie ist keine Wahl zu gewinnen. Um sie milde zu stimmen, hat die Regierung mitten in der Krise die Renten hochgesetzt, deshalb balgen sich die Minister Scholz und Steinbrück. Szenen aus einem Land auf dem Weg zur Rentner-Demokratie.

An diesem schönen Junitag trägt sie ihr hoffnungsgrünes Sakko. Sie hat das James-Bond-Potpourri des Leipziger Musikschul-Orchesters über sich ergehen lassen, sie hat brav die Begrüßungsreden beklatscht, nun tritt sie ans Mikrofon. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Schirmherrin des 9. Deutschen Seniorentages. Zu ihren Füßen sitzen 3000 Rentner im dunklen Saal der Messehalle II. Viele haben die Arme vor der Brust verschränkt.

Sie spricht über die Ehrfurcht einflößende Lebensleistung dieser Rentnergeneration. Stille im Saal. Sie sagt: "Ruhestand ist doch ein falscher Begriff. Man muss sich nur die Reisegruppen angucken. Da gibt es ein hohes Maß an Mobilität!" Stille im Saal. Sie ruft: "Rente muss mehr sein als Grundsicherung. Wir sind froh, dass es in diesem Jahr eine Rentensteigerung gibt. Ich stehe absolut dazu!" Und endlich, endlich murmelt es "Jawoll" und "So ist es". Ein bisschen Applaus plätschert durch die Reihen. Nicht frenetisch, aber immerhin.

Dieses kleine "Immerhin" ist wichtig für Angela Merkel. Es ist wichtig für die Union, die bei der Europawahl 48 Prozent der über 60-jährigen Wähler gewinnen konnte. Es ist wichtig für jeden Politiker, der auf der Jagd nach Stimmen durchs Land zieht. Denn in jedem Gasthof, auf jedem Marktplatz besetzt die Rentnerklientel die Stuhlreihen und freut sich über ein paar wohlige Versprechen, dass die Renten auch in Zukunft sicher sind.

Wachsende Wut
Eine einfache Formel: Keine Alten - keine Macht.

Das Blöde für Wahlkämpfer ist nur, dass sich die Rentner in letzter Zeit gern ein bisschen zickig anstellen. "Die Politiker der etablierten Parteien müssen aufpassen. Die Wut bei uns ist groß", sagt Helmut Polzer, "so groß, wie ich es mir nie erträumt hätte."
Eigentlich ist Helmut Polzer ein echter Vorzeigerentner - mit traditioneller Liebe zur CSU. 71 Jahre alt. Ehemaliger Finanzbeamter. Reihenhaus in Egmating, ordentlich gestutzter Rasen, gepolsterte Sitzecke in der Küche, liebe Enkel. Doch mit jedem Jahr, das er seit seiner Verrentung untätig verbringen musste, wurde er wütender. Bis er vor zwei Jahren einen Zeitungsartikel las. Überschrift: "Sie streichen uns den Lebensabend".

An diesem Tag griff Helmut Polzer zum Stift und verfasste einen glühenden Leserbrief: "Ja, es wird höchste Zeit, dass die charakterlosen Jasager-Politiker in die Hartz-IV-Abgründe gewählt werden, damit sie unter uns älteren Semestern, die zu Almosenempfängern degradiert werden, keinen weiteren Schaden anrichten können."

Eine Rentner-Partei wird geboren
In den Tagen nach Erscheinen im "Münchner Merkur" stand das Polzersche Telefon nicht mehr still. "Sie müssen was tun!", riefen die Alten in den Hörer. Und: "Gründen Sie eine eigene Partei!" Und also gründete der brave Herr Polzer die Rentnerinnen und Rentner Partei (RRP) - und bekämpft seither das "marode System".

Weist man Herrn Polzer hin auf die überplanmäßige Rentenerhöhung zum 1. Juli, dann ruft er: "Das ist doch nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein! Wir sind über Jahre geschröpft worden!" Und fragt man ihn, ob er sich nicht freue über null Prozent Inflation, dann schnauft er: "Ach was! Was wissen wir denn, was da an Inflation noch alles auf uns zukommt!"
Nein, so einfach lässt sich Herr Polzer nicht mehr beruhigen. Hunderte Stunden seines Rentnerlebens verbringt er auf hitzigen Veranstaltungen in vollbesetzten Gasthäusern. Da erklärt eine alte Dame in dunkelbraunem Kostüm mit schüchternem Flüstern: "Ich habe immer CSU gewählt. Wenn das hier nichts wird mit der Rentnerpartei, dann wähle ich die Linken. Hauptsache, Protest." Da beschwert sich ein schwitzender Mann mit dunklem Grollen: "Wir sind so viele, und trotzdem hört keiner auf uns!"
Wahlkampf um Rentner : Die graue Macht - Politik - STERN.DE

"Wir sind so viele, und trotzdem hört keiner auf uns!"
Aber nicht nur bei den Rentnern.
 

Bambi_69

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Aber nicht nur bei den Rentnern.

Da ist was dran. Man könnte einen Erwerbslosen-Partei gründen. Oder man schließt sich mit allen zusammen, die momentan vom System als überflüssig angesehen werden. Dann wären es sogar noch mehr Menschen auf einem Haufen, die etwas bewegen könnten... Einzige Grundvoraussetzung und damit Knackpunkt: Man müsste zusammenhalten.

Liebe Grüße
Bambi_69
 
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ExitUser

Gast
da hat es mehrfache versuche gegeben, alle kläglich gescheitert....
 

ShankyTMW

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da hat es mehrfache versuche gegeben, alle kläglich gescheitert....

Leider ja, das Problem wird imme rnoch sein das viele nicht genau Wissen wie das alles noch ineinander verschachtelt zusammenhängt und man deshalb erstmal nur für seine Gruppe einsteht. - Da liegt meiner Meiung nach der Hauptknackpunkt dafür.
 
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