Von der Leyen ehrt Tafel-Spender - Knapp eine Million Bedürftige

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Mario Nette

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Von der Leyen ehrt Tafel-Spender - Knapp eine Million Bedürftige

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Jetzt klopft man sich auf die Brust, was man doch für ein Hirsch ist. Toll!

Mario Nette
 

left

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Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU)wird heute (Mittwoch/12.15) in Berlin Unternehmen und Stiftungen für ihre außerordentliche Spendenbereitschaft für die Tafeln auszeichnen.
Hier werden Symtome gemildert und nicht die Ursachen bekämpft.
Die Armut wird mit den Tafeln und den 1 EuroJobs fundamentiert.
Was für ein Armutszeugnis für diese Gesellschaft.

Gleichgültigkeit Ignoranz Soziale Kälte
 
G

Gast1

Gast
"Die Tafel" ist ein Euphemismus für "Suppenküche".

Den Begriff "Suppenküche" verwendet, soweit ich weiß, der Durchschnittsamerikaner für einen Zustand, bei dem er (ganz) unten angekommen ist.

Kommt "karikativ" von Karies?

Viele Grüße

schlaraffenland
 
E

ExitUser

Gast
Vor allem sind die meisten Spender nicht so selbstlos, wie behauptet. Sie können die Spenden von der Steuer absetzen und gleichzeitig sparen sie sich Entsorgungskosten. Und dafür wird man geehrt?
 

Paolo_Pinkel

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Hier werden Symtome gemildert und nicht die Ursachen bekämpft.
Die Armut wird mit den Tafeln und den 1 EuroJobs fundamentiert.
Was für ein Armutszeugnis für diese Gesellschaft.

Gleichgültigkeit Ignoranz Soziale Kälte

Unsere Reichs-Familienbeauftragte hat gut Reden. So weltfremd wie sie kann keine andere sein. Eine Frau die ihre Kinder zur Walldorfschule gebracht hat und die die Nanny besser kennen als ihre Mutter ist sowas natürlich eine gute und ehrenwerte Sache.

Ich sage. Es ist eine Schande, dass Politik so sehr verfehlt hat, dass solche Zustände erst möglich geworden sind. Es ist schlicht und ergreifend eine Armutszeugnis für die Regierung und für die pauschale Denke - sofern man von Denken noch sprechen kann - in diesem Land.

Ich hoffe, dass bei der Bundestagswahl 2009 die Union so derbe abschmiert wie es die CSU in Bayern vorgemacht hat. Es wird Zeit, dass der Wiesn-Denkzettel auch in Berlin ankommt und so manchen realitäts-, bildungs und sinnfernen Politiker aus dem Amt jagt.

Gruss

Paolo
 

Prekariat66

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Den blinden Haß auf die Tafeln werde ich nie verstehen, wenngleich es auch schöner wäre, wenn wir keine Tafeln mehr bräuchten.

Hier gibt es auch sehr gute Ansätze und Aktionen wie z.B. "Eins mehr" in dem Kunden einen Artikel mehr kaufen können und dieser der Tafel zu Gute kommt oder etwa Boxen, in die die Pfandbons eingeworfen werden können. Leider haben die Tafeln das Problem, daß diese Spendenbereitschaft den Bedarf nicht deckt.

Hier ein Auszug aus dem erwähnten Bericht:

Laut Bundesverband Deutsche Tafel hat sich die Zahl der Menschen in Deutschland, die regelmäßig von den Tafeln versorgt werden, seit 2005 auf fast eine Million verdoppelt. Ein Viertel davon sind Kinder und Jugendliche.

Habt ihr Euch mal überlegt, daß wenn die Tafeln wegfallen würden genau die Kinder und Jugendlichen die Leidtragenden wären.
 
E

ExitUser

Gast
Es geht nicht um blinden Hass, sondern darum, daß teilweise gesundheitsgefährlicher Müll an Bedürftige abgegeben wird. Desweiteren nehmen die Tafeln den Druck von den Betroffenen, so daß der Widerstand gegen den menschenunwürdigen Regelsatz nicht in ausreichender Größenordnung zustande kommt. Man sollte immer die beiden Seiten der Medaille sehen. Die Tafeln sind im Moment leider für viele wichtig und doch gleichzeitig auch eine Gefahr. Regelsatzerhöhungen werden in nahe zu allen Fällen mit Hinweis auf die Tafeln abgeblockt.

Die meisten Tafeln haben übrigens keine Liefermöglichkeit für kranke, behinderte oder alte Bedürftige. Wer alle nicht hin kann, die Kraft für langes Anstehen nicht aufbringen kann, der kriegt auch keine Hilfe der Tafeln. Viele Tafeln lassen es auch nicht zu, daß man jemanden hinschickt, man muß schon selbst erscheinen, wenn man etwas möchte.
 

Prekariat66

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Ja ja, die bösen bösen Tafeln.

Es geht nicht um blinden Hass, sondern darum, daß teilweise gesundheitsgefährlicher Müll an Bedürftige abgegeben wird.

Dieses Thema hatten wir schon. Tafen die "Schrott" anbieten sollte jeder einfach melden.

Regelsatzerhöhungen werden in nahe zu allen Fällen mit Hinweis auf die Tafeln abgeblockt.

Natürlich auch daran sind die Tafeln schuld und nicht etwa die Politik, das System, der Neoliberalismus und die kleine Tatsache, daß wir in einer Wirtschafts- und Finanzkrise stecken.

Die meisten Tafeln haben übrigens keine Liefermöglichkeit für kranke, behinderte oder alte Bedürftige. Wer alle nicht hin kann, die Kraft für langes Anstehen nicht aufbringen kann, der kriegt auch keine Hilfe der Tafeln. Viele Tafeln lassen es auch nicht zu, daß man jemanden hinschickt, man muß schon selbst erscheinen, wenn man etwas möchte.

Satt dieses zu kritisieren, wären Vorschläge, wie eine entsprechende Logistik zu organisieren ist besser.
 

Prekariat66

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Die Tafeln sind politisch so gewollt, nach dem Motto: Barmherzigkeit vor Rechtsanspruch:

Ja ganz toll nun können wir uns alle fleissig im Kreis drehen und letztendlich kommen wir genau zu dem Ergebnis, daß die Politik, das System und der Neoliberalismus die eigentlichen Verantwortlichen sind.

Ändert aber nix an der Tatsache, daß immer mehr Menschen auf die Tafel angewiesen sind.

Niemanden ist wirklich geholfen nun die Tafeln zu kippen, ändert oder stürzt das System und die Tafeln werden nicht mehr benötigt. So einfach ist das.
 
D

Debra

Gast
Satt dieses zu kritisieren, wären Vorschläge, wie eine entsprechende Logistik zu organisieren ist besser.

Hatte ich schon vorgeschlagen. Tafeln abschaffen, dann braucht man auch keine Gelder für die "Logistik" zu verschwenden, die vielen Betroffenen eh nicht zugute kommt. Stattdessen eine Regelung, dass einfach alle Supermärkte, die was abzugeben haben, es selbst auf ihren Hof stellen abends oder wo auch immer. Somit kann sich dort jeder bedienen, ohne z.B. Bewilligungsbescheid und umständliche Registrierung. So können die Waren auch orts- und zeitnah angeboten werden, ohne nochmal weiter transportiert zu werden und evtl. erst zwei Tage später alles abzugeben.
So wird es in Spanien gehandhabt.

Und wenn die Tafel nicht genug Spenden zusammen bekommt... schon mal dran gedacht, dass es auch daran liegen könnte, weil die Leute einfach NICHTS mehr übrig haben, was sie spenden könnten!? - Wir sind hier schließlich nicht in USA mit jeder Menge Gutverdienern. Und ich bin sicher, die Tafel-Typen sprechen Leute mit Kohle hier gar nicht erst an, sondern eben die "normalen" Verbraucher - was 'ne Frechheit an sich ist.
 

Prekariat66

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Hatte ich schon vorgeschlagen. Tafeln abschaffen, dann braucht man auch keine Gelder für die "Logistik" zu verschwenden, die vielen Betroffenen eh nicht zugute kommt. Stattdessen eine Regelung, dass einfach alle Supermärkte, die was abzugeben haben, es selbst auf ihren Hof stellen abends oder wo auch immer. Somit kann sich dort jeder bedienen, ohne z.B. Bewilligungsbescheid und umständliche Registrierung.
So wird es in Spanien gehandhabt.

Könnte man gerade für die ländlichen Regionen drüber nachdenken. Aber ohne Kontrolle wird dies leider nicht funktionieren, da die Gefahr von Mißbrauch auch hier zu groß ist. So manches von dem was dort abgestellt wird dürfte in irgendeinem Restaurant oder sonst wo auftauchen.
 
D

Debra

Gast
Wieso, da kann doch das Personal vom Supermarkt ein Auge drauf werfen? Die Tafeln in jetziger Form greifen z.B. gar nicht für Leute, die keine Bewilligungsbescheide haben.
Auch früher schon, wurden hier bei manchen Supermärkten Waren rausgestellt. Die Leute, die dort hingingen, um sich was zu essen zu holen, schauen heute dumm - wenn es nämlich an die Tafel geht.
Gerade gestern hab ich eine Frau gesehen bei PLUS, die wollte irgendwas von dem Filialleiter - ich glaub es ging um Spenden. Und er meinte dann nur: "Nee, kann nicht machen."
Plus setzt ja z.B. auch immer Gemüse herab abends. Stell Dir vor, das ginge auch noch an die Tafel ...
 
R

Rounddancer

Gast
Man kann und darf nicht warten, bis man System oder Welt sicher per Revolution verändern kann,- und derweil die notleidenden Menschen verhungern lassen.
Darum braucht es Initiativen wie die "Tafeln",- auch wenn hinter ihnen ein Entsorgungskonzept von "Mc Kinsey" steckt.
Und "Tafeln", wo wirklich Verdorbenes ausgegeben wird, müssen angezeigt werden. Wobei "Verdorben" wirklich "Verdorben" bedeutet,- und nicht nur "MHD überschritten, aber noch ok".

Natürlich werden Spenden gemacht von Menschen, von denen, die nicht viel haben, noch am selbstlosesten,- da sie wissen, wie leicht man ganz tief fallen kann, vielleicht selbst erfahren haben, daß manchmal eine kleine Hilfe den letzten Halt wiedergeben kann.

Dann gibt es Spender, die tun das aus moralischen Gründen,- z.B. um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Schließlich steht im Buch der Bücher ja:
"Es ist mehr Freude im Himmel über einen reuigen Sünder, denn über tausend Gerechte."

Und es gibt Spender, besonders die mit den größeren Spenden, die tun das für ihr Image, und natürlich, um im ja meist progressiven Steuertarif nicht so hoch eingestuft zu werden.

Und ehrlich: Mir sind z.B. die Bäcker lieber, die morgens dem Auto des "Tafel"-Ladens das Brot und die süßen Stückle von gestern mitgeben,- und sei es gegen Spendenquittung,- als Bäcker wie Nast in der Esslinger Str., Stuttgarts, der morgens um 6.30 Uhr herum die Müllabfuhr kommen läßt, und die Müllmänner dann, gegen Rechnung all das in die Müllpresse und dann in die Müllverbrennung oder auf die Deponie bringen.

Ach ja: Ware am Abend rauszustellen, zieht außer armen Menschen auch Tiere an, dazu auch unerwünschte, Krankheiten übertragende Tiere wie Mäuse, Füchse und Ratten.


Und wer möchte schon gerne ein Brot, das schon von Hunden mit Urin markiert, von Ratten angefressen und von Mäusen bekotet wurde?
 

a f a

Redaktion
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:icon_hihi:Nun,
mir geht es nur darum, das dahinter liegende Konzept aufzuzeigen: Wohlfahrtsstaat statt
Sozialstaat. Wenn Mensch das begriffen hat und sich dennoch zu den Tafeln bekennt, ist
das doch ok.


Gruß
Norbert

Freiheit statt Kapitalismus
 
D

Debra

Gast
Und ehrlich: Mir sind z.B. die Bäcker lieber, die morgens dem Auto des "Tafel"-Ladens das Brot und die süßen Stückle von gestern mitgeben,- und sei es gegen Spendenquittung,- als Bäcker wie Nast in der Esslinger Str., Stuttgarts, der morgens um 6.30 Uhr herum die Müllabfuhr kommen läßt, und die Müllmänner dann, gegen Rechnung all das in die Müllpresse und dann in die Müllverbrennung oder auf die Deponie bringen.

Du weißt doch gar nicht, ob der Bäcker das verantworten kann, sein Brot noch am nächsten Tag abzugeben? Mir sind jedenfalls die Bäcker lieber, die mir abends nicht sagen, sorry, kann Ihnen nichts geben, geht alles an die Tafel. Aber ich merk schon: Es gibt hier viele Leute, die noch NIE zuvor bei den Händlern selbst nachgefragt haben und wohl auch nichts für Leute übrig haben, die bürokratisch gar nicht erfasst sind. Muss ja schließlich alles kontrolliert und abgestempelt werden. Ist ja auch bequemer, wenn man sich von einer "staatlich ausgezeichneten" Institution versorgen lässt. Dann fehlt nur noch das Prüfsiegel von der Tafel und alles kann unbedenklich gegessen werden. Und wenn das nicht so ist, kann der Tafel"kunde" ja zur Polizei laufen und ne Anzeige erstatten, oder? :icon_eek:

Ach ja: Ware am Abend rauszustellen, zieht außer armen Menschen auch Tiere an, dazu auch unerwünschte, Krankheiten übertragende Tiere wie Mäuse, Füchse und Ratten.

Und wer möchte schon gerne ein Brot, das schon von Hunden mit Urin markiert, von Ratten angefressen und von Mäusen bekotet wurde?

Welch ein Schwachfug. :icon_lol: 1. stehen die Waren nicht lange da, da sie schon erwartet werden, 2. ist das Supermarkt-Personal immer noch vor Ort, 3. ja klar, wir haben hier ja auch jede Menge freilaufende Straßenköter, Füchse und Ratten in HH... Geht's noch?

P.S.: Und ob eher arme oder reiche Leute bereit sind zu spenden, war auch nicht das Thema. Es ist allerdings eine Frechheit, von denen, von denen man eh schon nimmt, diese noch emotional zu erpressen mit Spenden für Leute, die "noch" ärmer sind.

PPS.: Hab gerade den Bericht eines Familienvaters gelesen, der von der Tafel Essen bekam. Die Hälfte konnte er wegwerfen. Er fragt sich, was das für "großzügige Geschäftsleute-Spender" sind, die anderen verfaultes Gemüse als noch essbar zumuten.
 

Prekariat66

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Es gibt hier viele Leute, die noch NIE zuvor bei den Händlern selbst nachgefragt haben und wohl auch nichts für Leute übrig haben, die bürokratisch gar nicht erfasst sind.

Also ganz so sehe ich das nicht. Die Mär, daß nun alle Lebensmittel bei den Tafeln landen ist ja so auch nicht zutreffend. Mir persönlich sind genug Bäckereien bekannt, bei denen ich Backwaren vom Vortag zum halben Preis erhalte.

Selbst solche Ketten wie Lidl verkaufen ihre Waren lieber günstiger als diese zur Tafel zu geben. Lidl senkt regelmässig Produkte, deren MHD noch wenige Tage sind um 30%. Sehe gerade bei Lidl immer häufiger, die großen roten Aufkleber 30% reduziert.
 

Gangradr

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Ich denke, das wenn der „Sozialstatt“ richtig von der Politik gehandelt werden würde, es gar nicht nötig wäre das Menschen überhaupt von der Tafel abhängig wären.
Jeder Politiker der das bestehende System gut heißt sollte sich schämen.
Dass Fr. von der Leyen nicht weiß was sie sagt oder tut sollte allgemein bekannt sein. Da hat ein(e) andere(r) die Fäden in der Hand.

Die Idee das Lebensmittel einfach rausgestellt werden sollen und die Menschen sich wie Tiere mit Tieren um die besten Stücke streiten sollen find ich persönlich noch schlimmer als die Von der Leyen.
So nach dem Motto "Futter für die Säue" ab damit in den Trog.:icon_kotz:

mfg
Gangradr
 
D

Debra

Gast
Also ganz so sehe ich das nicht. Die Mär, daß nun alle Lebensmittel bei den Tafeln landen ist ja so auch nicht zutreffend. Mir persönlich sind genug Bäckereien bekannt, bei denen ich Backwaren vom Vortag zum halben Preis erhalte.

Klar, aber bei weiteren Versuchen der Spenden-Generierung durch die Tafel - die jammern ja auch schon nach Steuergeldern, um "zuzukaufen" - kannst Du Dir dann irgendwann nicht mehr selbst helfen mit so etwas. Ich kauf auch immer Brot vom Vortag, allerdings im Supermarkt. Beim Bäcker geht alles an die Tafel.

" Die Idee das Lebensmittel einfach rausgestellt werden sollen und die Menschen sich wie Tiere mit Tieren um die besten Stücke streiten sollen find ich persönlich noch schlimmer als die Von der Leyen.
So nach dem Motto "Futter für die Säue" ab damit in den Trog"

Niemand hat was von streiten oder Tieren gesagt. Oder wird sich bei PLUS oder anderswo abends um das herabgesetzte Gemüse gekloppt? :icon_evil: Die Sachen sind abgepackt und sauber in Paletten gestapelt. Das wäre dann sozusagen ein Sonderposten - der allerdings dann nichts kostet. Der Vorteil wäre neben den bereits erwähnten, dass auch Leute, die keinen Bewilligungsbescheid haben (z.B. weil sie gar keine Leistungen beantragt haben oder noch keinen haben)... sich Essen holen könnten. Außerdem auch andere Leute, so dass es nicht so eine Spaltung zwischen "Hartzern" und anderen gibt, wie es die Tafel ja vorantreibt. - Außerdem steht ja auch zu befürchten, dass, ist die Logistik der Tafel erstmal flächendeckend aufgebaut und die Spenden bleiben aus ... Steuer-Gelder an die Tafel fließen, damit sie für die Sozial-Empfänger "einkaufen" und uns dann Essen zuteilen. Damit würden ALG-ler noch mehr entmündigt.
 

Mario Nette

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Ich glaube, dass es nicht funktioniert, einen sozialen Staat zu erhalten, der einzig vom beinahe regelungslosen Wohlwollen der Habenden abhängig ist. Wer am Fortbestehen einer vernünftigen, auffangenden wie auch chancengebenden Gesellschaft tatsächlich interessiert ist, der schafft sein Geld nicht nach Liechtenstein; der lässt sich nicht den Abfall noch bezahlen; und der rühmt sich vor allem nicht, er sei selbstlos.

Was ist das für ein Staat, der den Habenichtsen ein gleichgestelltes Leben damit schmackhaft machen will, dass er sagt: "Gehe betteln, winsle um dein armseliges Dasein." und der auf der anderen Seite denen Geld gibt, die sich herablassen? Was soll das für ein Anreiz sein, was soll das für eine Überzeugung in einen sozialen Staat schaffen?

Ich möchte nicht, dass ein würdiges Leben vom Zufall, von der Tagesform anderer Menschen abhängig ist. Und das Grundgesetz will das auch nicht.

Wie lange soll dieses "Aber jetzt ist es erstmal eine Linderung" noch anhalten? 2 Jahre? 20? 50? Es kann nicht wirklich Ziel sein, grundlegende gesellschaftliche Verbesserung immer wieder auf morgen zu verschieben mit dem Argument: "Es geht ja gerade noch so." Welcher normale Mensch gibt seinem Kind so wenig zu Essen, dass er sagen kann: "Es geht ja gerade noch so. Das reicht doch erstmal."

Vielleicht als weiterer Denkanstoß hinsichtlich der wohlfahrtsstimulierenden Faktoren: Es ist ja nun mittlerweile doch schon Wahlkampf - und der wird bis September 2009 anhalten. Das Bundesverfassungsgericht hat aber auch gesagt, dass die ARGEN bis 2010 verändert gehören. Gesetz dem Fall, eine Grundgesetzänderung findet keine Zustimmung - meint ihr wirklich, die Zeit reicht noch aus, um ein vernünftiges System von grundauf auf die Beine zu stellen? Erinnert ihr euch an die Alternative, die das Gericht gegeben hat? Nein? Die Alternative war: Ansonsten müssen die ARGEN abgeschafft werden.

Mario Nette
 

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die meiner Meinung nach gelungenen Kommentare auszugsweise von "Mario Nette" und "Tom_" und unterstreiche sie mal
Was ist das für ein Staat, der den Habenichtsen ein gleichgestelltes Leben damit schmackhaft machen will, dass er sagt: "Gehe betteln, winsle um dein armseliges Dasein." und der auf der anderen Seite denen Geld gibt, die sich herablassen?

Ich möchte nicht, dass ein würdiges Leben vom Zufall, von der Tagesform anderer Menschen abhängig ist. Und das Grundgesetz will das auch nicht.

Mario Nette
und
Regelsatzerhöhungen werden in nahe zu allen Fällen mit Hinweis auf die Tafeln abgeblockt.

Die meisten Tafeln haben übrigens keine Liefermöglichkeit für kranke, behinderte oder alte Bedürftige. Wer alle nicht hin kann, die Kraft für langes Anstehen nicht aufbringen kann, der kriegt auch keine Hilfe der Tafeln.

und wiederhole mich gern

Hier werden Symtome gemildert und nicht die Ursachen bekämpft.
Die Armut wird mit den Tafeln und den 1 EuroJobs fundamentiert.
Was für ein Armutszeugnis für diese Gesellschaft.

Gleichgültigkeit Ignoranz Soziale Kälte
 

Prekariat66

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Wie lange soll dieses "Aber jetzt ist es erstmal eine Linderung" noch anhalten? 2 Jahre? 20? 50? Es kann nicht wirklich Ziel sein, grundlegende gesellschaftliche Verbesserung immer wieder auf morgen zu verschieben mit dem Argument: "Es geht ja gerade noch so." Welcher normale Mensch gibt seinem Kind so wenig zu Essen, dass er sagen kann: "Es geht ja gerade noch so. Das reicht doch erstmal."

Ja, dann macht die Tafeln zum jetztigen Zeitpunkt zu, dann wird es für viele Kinder selbst für diesen minimalen Standard nicht mehr reichen. Die können sich ja dann von dem Schild ernähren, auf dem Du zum jetzigen Zeitpunkt einen Regelsatz von 500 Euro forderst. :icon_neutral:

Es wird keine 20 Jahre mehr dauern, mit der Finanzkrise wackelt auch gut das System und genau das ist die Chance für einen politischen Kampf.
 

Mario Nette

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Die Struktur und Reichweite der Tafeln ist groß genug, um Druck aufzubauen. Aber genau das steht merkwürdigerweise nicht im Interesse der Tafeln. Warum nicht? Wollen sie ihre Kunden für 2, 20, 50 Jahre behalten, ist das ihr gesellschaftlicher Auftrag? "Würde es uns nicht geben, würden 1.000.000 Menschen in Deutschland hungern," in Wahrheit wären es mehr, "wir, die Tafeln klagen die Bundesregierung für eine verfehlte Sozialpolitik an. Wir übernehmen die eigentlich staatliche Mindestsicherung.", so könnte es mit den Tafeln beginnen. Aber es reicht ja, was man tut, gelle. Momentan erwartet niemand von den Tafeln, dass sie sich einmischen. Sie sind eine von der Politik gern gesehene und gern belobhudelte Schachfigur. Dabei haben sie eine gute Ausgangslage, um den Bonzen den Kopf zu waschen ...

Mario Nette
 
E

ExitUser

Gast
Ja, dann macht die Tafeln zum jetztigen Zeitpunkt zu, dann wird es für viele Kinder selbst für diesen minimalen Standard nicht mehr reichen. Die können sich ja dann von dem Schild ernähren, auf dem Du zum jetzigen Zeitpunkt einen Regelsatz von 500 Euro forderst. :icon_neutral:

Es wird keine 20 Jahre mehr dauern, mit der Finanzkrise wackelt auch gut das System und genau das ist die Chance für einen politischen Kampf.

Es geht nicht darum die Tafeln sofort zu schließen, sondern darum, daß begriffen wird, daß die Tafeln keine Heilung der Krankheit bedeuten, sondern nur eine momentane Linderung der Symptome. Und wie es bei "echten" Krankheiten auch oft ist. Werden die Symptome gelindert, glaubt der Kranke es gehe ihm wieder gut genug um sich zu belasten und dann kommt der schwere Rückschlag.

Die Tafeln sind im Moment schon nicht in der Lage allen zu helfen. Es gibt mehr als genug Betroffene, die dürften nur alle zwei, drei oder vier Wochen bei der Tafel Nahrungsmittelspenden entgegennehmen. In den Wochen dazwischen ist wieder Hungern angesagt.

Nun stelle man sich vor was passiert, wenn die dringende Erhöhung der Regelsätze weiter verhindert wird. Die Tafeln können das nicht Schultern, denn die Spenden nehmen nicht ständig zu, sondern derzeit sogar ständig ab. Die EU Gelder zur "Armenspeisung" nimmt die Regierung ja nicht in Anspruch, also können die Tafeln auch alternativ keine regulären Waren einkaufen.

Wir steuern auf den Tag zu, an dem Hungern für alle "Armen" endgültig zum Normalfall werden wird. Aber nicht nur Hungern zum Ende des Monats, sondern ständig. Eine immer stärkere Schwächung der Betroffenen, die darin münden wird, daß die Lebenserwartung massiv sinkt. Vorher wir schon durch die Art der Ernährung die Vorarbeit geleistet. Denn gerade die ungesunden Nahrungsmittel sind die billigsten. Und bevor man hungert, kauft man sich, was den Magen füllt, egal ob gesund oder nicht. Dazu kommen die ständigen Kämpfe mit ARGEn und Sozialämtern. Die nicht nur Nerven, sondern auch Lebensenergie kosten und in letzter Konsequenz auch die Gesundheit ruinieren.

Was in früheren Zeiten mit Vernichtungslagern offensichtlich vollzogen wurde, das vollziehen der Neoliberalismus und Neokonservatismus versteckt, die Vernichtung des ihrer Meinung nach nicht mehr gebrauchten Lebens.

Und das für mich Unerklärliche dabei: Die Mehrzahl der Menschen, die über Jahre langsam ermordet werden wehrt sich nicht einmal dagegen, sondern erträgt es in nahezu stoischer Ruhe.

Ein kleiner Tipp für alle, die nicht mehr genug Obst und Gemüse einkaufen können. Wenn ihr eine Norma in der Nähe habt, dann schaut einmal nach den Vitaminpräparaten. Etliche Normas haben ein Multivitamin/Mineral/Spurenelementpräparat im Sortiment. Ca 100 Tabletten für rund 5 Euro. Also ausreichend um eine Person über 3 Monate so weit zu versorgen, daß nicht noch zusätzlich Mangelstörungen auftreten können, die den Organismus noch weiter schwächen.
 
R

Rounddancer

Gast
Tom, nur: Die Bioverfügbarkeit und Verwertbarkeit im Körper ist bei künstlichen Vitaminen und Mineralstoffen deutlich schlechter, als von natürlichen.
 
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