Vom ALG1 zu ALG2 - Fragen zum Hinzuverdienst (1 Betrachter)

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schwanenritter

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Moin,

ich war zwar schon mal vor ein paar Jahren im Bezug von ALG2, aber seitdem ist ja einiges wieder anders. Deshalb von mir ein paar Fragen:

  1. Vor ein paar Jahren hatte ich noch ein Übergangsgeld beim Wechsel von ALG1 zu ALG2, gibt es das noch? Ich habe unterschiedliche Informationen dazu.
  2. Möglicher Hinzuverdienst beim ALG2 ist meiner Erinnerung nach ein Betrag von 160 EUR. Gibt es eine Möglichkeit, noch weiteren Hinzuverdienst zu generieren, z. B. durch Aufwandsentschädigung bei der Ausübung eines Ehrenamts?
  3. Wenn ich mehr als die genannten 160 EUR erhalte, wird dann nur der Regelsatz des ALG2 gekürzt, oder werden auch die Kosten der Unterkunft gekürzt?
  4. Mal angenommen, ich erhalte die vollen 450 EUR, entfällt dann nur der Regelsatz oder auch die Kosten der Unterkunft ganz oder teilweise?
Vielen Dank schon mal.
 

Tinnilix

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Zuverdienst abzugsfrei sind nur 100 € +evtl. Fahrtkosten o.ä.

Alles darüber hinaus wird zu 80 % angerechnet meines Wissens.
 
R

Rounddancer

Gast
  1. Vor ein paar Jahren hatte ich noch ein Übergangsgeld beim Wechsel von ALG1 zu ALG2, gibt es das noch? Ich habe unterschiedliche Informationen dazu.

Nein.



2. Möglicher Hinzuverdienst beim ALG2 ist meiner Erinnerung nach ein Betrag von 160 EUR. Gibt es eine Möglichkeit, noch weiteren Hinzuverdienst zu generieren, z. B. durch Aufwandsentschädigung bei der Ausübung eines Ehrenamts?
So nicht richtig.
Bei Alg 2 hast Du bei Zuverdienst durch Arbeit


einen monatlichen Grundfreibetrag von 100 €.
Vom diesen Grundfreibetrag übersteigenden Betrag

kannst Du 20 % behalten.

Wenn Du also 1200 € brutto Einkommen hast,
verbleiben Dir zu diesen 100 € Grundfreibetrag
noch 20% von 1100€, also 220 €,
insgesamt bleiben Dir also von Brutto 1200 Euro

320 Euro.


Aber zu Deiner Entlastung werden diese 320 Euro vom NETTO-Einkommen abgezogen.

Das bedeutet: Gesetzt den Fall, Du kriegst as den 1200 € brutto am Ende der Gehaltsabrechnung z.B. 700 Euro von Deiner Firma ausbezahlt, dann gehen von diesen 700 Euro die 320 Euro Selbstbehalt ab,-

und das Amt zieht Dir an Deiner "Stütze" 380 Euro ab.


Gesetzt den Fall, Du kriegst, wie ich, 777 € "Staatsknete",- dann
zieht Dir das Amt davon die 380 Euro ab, Du kriegst also so

neben den 700 Euro von Deiner Firma noch 397 €,

hast also im Monat unter diesen Bedingungen durch den Mix aus Arbeitseinkommen und "Stutze" insgesamt 1097 € zur Verfügung.


Hättest Du, um zur Arbeit gehen zu können, höhere Ausgaben, als das, was Dir so über den Freibetrag mehr verbleibt, dann müßtest Du das dann dem Amt nachweisen und dann würde das den Freibetrag ggf. erhöhen.



Das mit den 160 Euro gilt dann und nur dann, wenn Du nen Minijob mit 400 Euro/Monat hättest,-
dann blieben Die wiederum die 100 Euro Grundfreibetrag und von den verbleibenden 300 Euro eben 20%, also 60 Euro, ergibt zusammen dann diese 160 Euro.


Wenn ich mehr als die genannten 160 EUR erhalte, wird dann nur der Regelsatz des ALG2 gekürzt, oder werden auch die Kosten der Unterkunft gekürzt?
Das, was nach Abzug des Freibetrages beim Amt verbleibt, wird immer auf die ganze Regelleistung bezogen (Regelsatz plus KdU).



Übrigens: Beim Minijob ist ja (endlich!) Pflicht, Rentenversicherung zahlen zu müssen. Das ist für den Freibetrag für uns Alg II-Empfänger aber unschädlich, denn, siehe oben, der Freibetrag wird ja vom Brutto berechnet, und am Netto abgezogen. Der REntenbeitrag geht also zu Lasten des Amtes.
 

schwanenritter

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Bei Alg 2 hast Du bei Zuverdienst durch Arbeit einen monatlichen Grundfreibetrag von 100 €. Vom diesen Grundfreibetrag übersteigenden Betrag kannst Du 20 % behalten.
Also ergibt sich praktisch bei mir folgende Rechnung. Die KDU sind EUR 300, der Regelsatz ist EUR 390. Macht EUR 690. Hinzuverdienst ohne weiteren Abzug EUR 100, macht Gesamteinkünfte von EUR 790.
Das mit den 160 Euro gilt dann und nur dann, wenn Du nen Minijob mit 400 Euro/Monat hättest,-dann blieben Die wiederum die 100 Euro Grundfreibetrag und von den verbleibenden 300 Euro eben 20%, also 60 Euro, ergibt zusammen dann diese 160 Euro.
Aha, daher also kommen diese ominösen EUR 160.
Das, was nach Abzug des Freibetrages beim Amt verbleibt, wird immer auf die ganze Regelleistung bezogen (Regelsatz plus KdU).
Danke, das war mir nicht klar.
Beim Minijob ist ja (endlich!) Pflicht, Rentenversicherung zahlen zu müssen.
Das ist auch gut so. Werde ich wenn nötig auf jeden Fall in Anspruch nehmen.
Bei Alg 2 hast Du bei Zuverdienst durch Arbeit
So weit, so gut. Wie sieht es denn mit der ebenfalls angesprochenen Möglichkeit des Ehrenamts aus?
[/FONT]
 
R

Rounddancer

Gast
[FONT=Liberation Sans, sans-serif]
So weit, so gut. Wie sieht es denn mit der ebenfalls angesprochenen Möglichkeit des Ehrenamts aus?
[/FONT]

Da kannste bis zum halben Regelsatz aus dem Ehrenamt abzugsfrei zuverdienen,
also da der ja nun bei 391 € liegt, die Hälfte, also 195,50 €.

Hast Du höhere Einkünfte (dadurch, oder als Mix)
dann kriegste statt des normalen Grundfreibetrages von 100 €
den doppelten Grundfreibetrag, also 200 €.

Der Rest (20% von dem, was drüber ist) bleibt wie sonst auch.
 

schwanenritter

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Da kannste bis zum halben Regelsatz aus dem Ehrenamt abzugsfrei zuverdienen,
also da der ja nun bei 391 € liegt, die Hälfte, also 195,50 €.
Also zu gut Deutsch: die Einkünfte aus einem Ehrenamt ändern nichts grundsätzlich, werden aber immerhin zum doppelten Wert als Freibetrag gerechnet.
 

Hartzeola

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Da kannste bis zum halben Regelsatz aus dem Ehrenamt abzugsfrei zuverdienen,
also da der ja nun bei 391 € liegt, die Hälfte, also 195,50 €.
50% Grenze gilt nur im SGB XII

§82 SGB XII

(3) Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt und Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ist ferner ein Betrag in Höhe von 30 vom Hundert des Einkommens aus selbständiger und nichtselbständiger Tätigkeit der Leistungsberechtigten abzusetzen, höchstens jedoch 50 vom Hundert der Regelbedarfsstufe 1 nach der Anlage zu § 28.
Hast Du höhere Einkünfte (dadurch, oder als Mix)
dann kriegste statt des normalen Grundfreibetrages von 100 €
den doppelten Grundfreibetrag, also 200 €.
200 € fix: §11b SGB II

Erhält eine leistungsberechtigte Person mindestens aus einer Tätigkeit Bezüge oder Einnahmen, die nach § 3 Nummer 12, 26, 26a oder 26b des Einkommensteuergesetzes steuerfrei sind, gelten die Sätze 1 und 2 mit den Maßgaben, dass jeweils an die Stelle des Betrages von 100 Euro monatlich der Betrag von 200 Euro monatlich und an die Stelle des Betrages von 400 Euro der Betrag von 200 Euro tritt. § 11a Absatz 3 bleibt unberührt.
 

schwanenritter

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Halber Regelsatz gilt nur ... 200 € fix: §11b SGB II
Also nochmal, ganz speziell für mich. Ich habe die KDU, 300 EUR, ich kriege den Regelsatz, 390 EUR, ich habe einen Minijob mit Einkünften von 100 EUR, und ich kann zusätzlich noch Ehrenamt mit 200 EUR machen? Nicht, dass ich jetzt aufdringlich werden will, aber ich verstehe dieses ganze Gehumpse mit 5 vom Hundert usw. nicht richtig, deshalb bitte nochmal langsam für Doofe.
 

Hartzeola

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Also nochmal, ganz speziell für mich. Ich habe die KDU, 300 EUR, ich kriege den Regelsatz, 390 EUR, ich habe einen Minijob mit Einkünften von 100 EUR, und ich kann zusätzlich noch Ehrenamt mit 200 EUR machen?
Grundfreibetrag beträgt bei einem Ehrenamt 200 €, dazu kommen noch 20 % des Rests, Du hast also aus dem Minijob keine weiteren 100 € Grundfreibetrag mehr, nur 20%
 

schwanenritter

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Grundfreibetrag beträgt bei einem Ehrenamt 200 €, dazu kommen noch 20 % des Rests, Du hast also aus dem Minijob keine weiteren 100 € Grundfreibetrag mehr, nur 20%
Gut. Jetzt habe ich es verstanden. Alles andere hätte mich gewundert, aber man weiß ja nie, was sich unsere Regierung in ihrer Weisheit manchmal ausdenkt.
 

Hartzeola

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An Deiner Stelle würde ich mich auch interessieren, wie (ob) ein Minijob plus ein Ehrenamt zusammen wirken. Zwei Minijobs führen nämlich zu einer SV-pflichtigen Beschäftigung, wenn Verdienst insgesamt 450 € übersteigt.
 

schwanenritter

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An Deiner Stelle würde ich mich auch interessieren, wie (ob) ein Minijob plus ein Ehrenamt zusammen wirken. Zwei Minijobs führen nämlich zu einer SV-pflichtigen Beschäftigung, wenn Verdienst insgesamt 450 € übersteigt.
Das wiederum wusste ich schon, trotzdem Danke für Deinen Hinweis.
 

biddy

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dazu kommen noch 20 % des Rests
Es sind nicht 20 % des Restes, sondern 20 % ab 100 € bis X € aus beiden Einkommensarten zusammen.
Also bei 100 € Minijob (brutto wie netto) und 200 € Ehrenamt z. B.:

Gesamteinnahmen: 300 € "brutto" (wie netto)

200 € erhöhter Grundfreibetrag
+ 40 € (20 % des Gesamtbrutto ab 100 bis 300 € in diesem Fall, also 20 % von 200 €)
= 240 € Gesamtfreibetrag

300 € netto
- 240 € frei
= 60 € werden angerechnet

Du hättest dann ein um 60 € vermindertes Alg II plus die Einnahmen von 300 € von anderen Stellen, also genau 240 € mehr als ohne jegliches Einkommen.


Ich glaube, das was @Rounddancer meinte, war die Vorgehensweise, die man vor Einführung des erhöhten Grundfreibetrags praktizierte. Damals galt dieses Einkommen als zweckbestimmte Einnahme und es war ein Freibetrag bis zur Hälfte des Regelbedarfs auch im Alg-II-Bezug, also SGB II, möglich.
 

biddy

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Hartzeola

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Ich glaube, das was @Rounddancer meinte, war die Vorgehensweise, die man vor Einführung des erhöhten Grundfreibetrags praktizierte. Damals galt dieses Einkommen als zweckbestimmte Einnahme und es war ein Freibetrag bis zur Hälfte des Regelbedarfs auch im Alg-II-Bezug, also SGB II, möglich.
Stimmt, damals hieß es etwa "Einnahmen, die einem anderen Zweck als ALG II dienen", habe ich auch erfolgsreich verwendet.
 

schwanenritter

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Bei Alg 2 hast Du bei Zuverdienst durch Arbeit
Ich habe am Wochenende mal eine kleine Tabelle mit einer Beispielrechnung gemacht, daraus ergibt sich folgende Rechnung:

  • ALG2 = EUR 390
  • KDU = EUR 300
  • Gesamteinkünfte vom Amt = EUR 690

  • Minijob = EUR 450
  • Freibetrag = EUR 100
  • 20 % vom Rest, in diesem Fall also 20 % von EUR 350 = EUR 70
  • Rest aus Minijob = EUR 280

  • Gesamt vom Amt = EUR 690
  • Minijob = EUR 450
  • Abzug Rest Minijob = ./. EUR 280

  • Gesamteinkünfte EUR 860
Ist das nun endlich richtig gerechnet?

Danke schon mal.
 

schwanenritter

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Ja, Du hast um Freibetrag (170 €) mehr zur Verfgung, also 860 € anstatt 690 €
Danke, auch stellvertretend für alle anderen, die meine Unwissenheit ertragen haben. Ich habe mir jetzt, wie gesagt, eine kleine Tabelle gemacht, da kann ich einfach den (hoffentlich demnächst) erwirtschafteten Minijob-Lohn eintragen, und den Rest rechnet meine Tabelle dann alleine. Hab ich das dann immer schwarz auf weiß, wenn es nötig werden sollte.
 
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