Völlig verwirrt - Betriebskosten etc

LeilaVomMeer

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Hi,

ich bin seit ein paar Jahren selbständig und habe seit kurzem einen 450 Euro Job und stocke auf mit ALG II.

Den 450 Euro Job habe ich angenommen, weil ich mit dem JC nur Ärger habe, wegen der Selbständigkeit.

Mein Eindruck ist, dass die alles nach nebulösen "Ermessensspielräumen" entscheiden - also, was als Betriebskosten anerkannt wird, was als "tragfähiges" Einkomen/ Selbständigkeit anerkannt wird, einfach alles...

Ich bekomme immer nur total vage Aussagen von denen und fadenscheinige Begründungen und habe das Gefühl, dass sich das auch von mal zu mal völlig ändert... Wenn dann noch Bearbeitungsfehler vom JC dazu kommen (passiert ja leider nicht selten) dann verstehe ich echt NIX mehr... :icon_neutral:

Ich bekomme einfach NULL klare Antworten... :confused:

Gibt es denn keine Regeln/ Vorschriften/ Gesetze an die sich der Jobcenter halten muss bei der Beurteilung von Selbständigen?

Ich bin eigentlich nicht *so doof* :wink: aber was ich in den letzten Jahren mit dem JC beim Thema Selbständigkeit erlebt habe - da bin ich so was von ratlos... Da weiß ich echt nicht mehr weiter - Ich überlege mitlerweile, dass ich meine Gewerkschaft bitte mich juristisch zu beraten/ vertreten gegen den JC und dass ich gegen den JC klage... Es ist wirklich unerträglich. :icon_cry:

Ich will nicht die ganzen deprimierenden und verwirrenden Details in dieses erste Post schreiben... Wäre erst mal dankbar für grundsätzliche Infos, woran sich das JC eigentlich halten muss bei der Beurteilung der EKS-Bögen...

Detail-Fragen stelle ich danach...

Ich hoffe wirklich jemand kann mir da Tipps geben...

Ich bin so nah dran die Selbständigkeit aufzugeben, obwohl sie mir sehr wichtig ist und ich dafür eine 3-jährige Ausbildung gemacht habe. Es ist meine einzige Möglichkeit professionell zu arbeiten - ansonsten bekomme ich nur doofe 450 Euro Aushilfsjobs. Ich möchte meine Selbständigkeit wirklich nicht verlieren, aber langsam kann ich nicht mehr.

Und das Risiko, dass meine Betriebskosten nachträglich nicht anerkannt werden - und ich die Kosten alle selber tragen muss - das kann ich finanziell überhaupt nicht.

Ich fühle mich völlig verloren...

Bevor ich mich selbständig gemacht habe, wusste ich was meine Rechte und Pflichten beim Jobcenter waren - das war relativ "klar" - da konnte ich mich wehren, wenn es übel oder unrechtmäßig wurde.

Seitdem ich selbständig bin, ist diese "Klarheit" völlig pfutsch... Ich bin total im Dunkeln... Ich VERSTEHE noch nicht mal mehr, was die bzgl. meiner Selbständigkeit argumentieren... Habe keine Ahnung was meine Rechte sind oder nicht sind.

Ich habe diese Fragen jetzt so lange aufgeschoben... Habe so lange gehofft "das klärt sich mit der Zeit", aber eigentlich haben sich jetzt nur mehr Probleme bzgl. der Selbständigkeit aufgebaut - ich habe echt Sorgen, dass das noch viel problematischer werden wird...

Und da ich keine Ahnung mehr habe, was das JC als nächstes argumentieren kann/ wird, ist meine Phantasie mittlerweile recht aktiv, was da noch alles negatives passieren kann.

Eigentlich war meine Selbständigkeit eines der besten Sachen in meinem Leben - definitiv in meinem Berufsleben - aber Selbständigkeit kombiniert mit ALG II/ Jobcenter ist ein ALBTRAUM für mich. :icon_frown:

Danke für Euren Rat...

LG

LeilaVomMeer
 

Koelschejong

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Willkommen im Club.

Nein, es gibt keine klaren Angaben, was als Betriebsausgabe anzuerkennen ist. Lies den § 3 ALG II-V, da steht alles drin. Und da findest Du nur sogenannte unbestimmte Rechtsbegriffe wie notwendig, ganz oder teilweise vermeidbar, nicht den Lebensumständen entsprechend - also alles sehr nichtssagend.
 

LeilaVomMeer

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Oh je...

Ja, so habe ich das bisher auch erlebt...

Ich hatte schon Diskussionen mit denen, wo ich 2 Kugelschreiber als Bürobedarf kaufen wollte, und mir das Jobcenter sagte "1 Kugelschreiber ist notwendig, aber 2 nicht"...

Ich weiß gar nicht, was man auf so etwas antworten soll????????

Das nur als das krasseste Beispiel, dass ich in den letzten Jahren erlebt habe... Ein weiteres tolles war "Sie dürfen Klebeband als Bürobedarf kaufen, aber nicht den Klebebandrollenhalter" (oder wie man dieses Ding nennt).

So schlimm ist es zum Glück nicht *durchgehend* gewesen - das war eine besonders krasse Mitarbeiterin - aber es gibt eigentlich ähnliche Diskussionen über jegliche Betriebsausgaben - wo ich einfach nicht weiß, was ich dazu noch sagen soll... Weil eben keine greifbaren Gesetzesvorgaben etc da sind...

Vielen, vielen Dank schon mal, dass Du diesen Eindruck (dass es nix konkretes gibt) bestätigt hast - da komme ich mir zumindest schon mal weniger kirre vor...

Ich werde den Link gleich genau lesen...!

LG

LeilaVomMeer
 

Constanze

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Hej Leila,

ja, das ist einfach so, dass man als Selbständiger von den JC regelrecht behindert und ausgebremst wird in seiner Selbständigkeit. Das Risiko, die notwendigen Betriebsausgaben letztlich aus dem Regelsatz bezahlen zu müssen, weil das JC sie rausstreicht, besteht definitiv. Allerdings: Ich habe sie übers Widerspruchsverfahren bis auf eine Kleinigkeit alle durchsetzen können - nur das raubt dermaßen viel Kraft und Energie und Zeit - völlig sinnlos, die man viel besser für die Arbeit brauchen könnte. Und letztlich die permanente Bedrohung im Sinne: sie müssen aufgeben, also, dass alle Mühen zunichte gemacht werden, die besteht auch. Man muss seinen Beruf schon sehr lieben, um das durchzuhalten.

Das Prinzip ist eigentlich einfach: Die JC gehen nur von den Einnahmen aus, die Ausgaben werden nur anerkannt, soweit sie nicht vermeidbar waren. An den Selbständigen liegt es nun, schon in der vorläufigen EKS und dann in der endgültigen EKS sich zu jeder Position gleich die Mühe zu machen und hinzuschreiben, warum diese oder jene Ausgabe oder Ausgabengruppe nicht vermeidbar war. Wenn Du so nach und nach über die Widerspruchsverfahren die verschiedensten Ausgaben schon erstritten hast und diese wiederkehrend sind, wird es einfacher: Dann brauchst Du nur noch schreiben: siehe Widerspruch vom ... - und nach meiner Erfahrung gehen die dann nicht mehr an diese Ausgaben ran - sind ja schon mal grundsätzlich geklärt.
Du musst Dir halt sehr viel Arbeit dabei machen - anders kriegst Du es nicht hin, leider. Ich schreibe nicht nur aus meiner Erfahrung sondern auch aus der Erfahrung anderer betroffener Selbständiger, mit denen ich mich austausche.

Grüße!
 

LeilaVomMeer

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Hi Constanze,

ganz lieben Dank, für Deine Eindrücke und Einschätzungen. Das deckt sich auch mit meiner Erfahrung.

Dass es Zeit und Kraft raubt - und das jenseits jeglicher Angemessenheit - erlebe ich auch so.

Aber es muss doch irgendwelche groben "Richtlinien" geben, oder?

Zum Beispiel arbeite ich von zuhause aus und ich darf 50% meiner Telefon- und Internetkosten als Betriebskosten absetzen und das wird auch vom Jobcenter anerkannt. Und dies sicherlich nicht, weil das Jobcenter das großzügigerweise "mal einfach so macht".

Ich finde, es muss doch auch so etwas wie "Pauschalbeträge" geben, was ein "Bürojob" wie meiner an Bürobedarf pro Monat hat... Das kann sich doch nicht jeder Sachbearbeiter anders ausdenken, oder? Klar, mit 2 Euro im Monat komme ich nicht hin, und 100 Euro im Monat wären übertrieben...

Oder eine ungefähre Richtlinie, wieviel die Betriebskosten (als Prozentsatz) der Einnahmen circa sein dürfen... Klar, die Betriebskosten sollten nicht 80 % der Einnahmen auffressen, aber bei einem Kleinunternehmer, der aufstockt, können die Betriebskosten schon mal bei 30-40% liegen.

Ich weiß nicht, ob mir meine Selbständigkeit das wert ist, dass ich um (fast) jeden Betriebkostenpunkt streiten muss und dass ich ständig Sorge habe, auf den Betriebskosten hängen zu bleiben. Das ist doch schrecklich.

Das ist ja gar keine Arbeitsgrundlage.

Jedenfalls muss man all seine Berufserfahrung "wie es in normalen Betrieben läuft" völlig außer acht lassen... Eigentlich arbeitet man ja eher wie ein Betrieb im Insolvenzverfahren, mit einem Insolvenzverwalter (dem Jobcenter) der versucht jeden Cent für die Gläubiger (Steuerzahler) zurückzuhalten.

Vielleicht hätten die einem das einfach von vorn hinein beim Jobcenter sagen sollen - stellen sie sich vor, ihr Unternehmen ist insolvent und wir sind ihr Insolvenzverwalter und wir diktieren ihre Geschäftspraxis jetzt solange, bis ihre Insolvenz (hoffentlich) irgendwann behoben ist.

Nur, ich finde, es wird einem ja überhaupt nichts gesagt... Man weiß ja überhaupt nicht, wie man es machen soll und tappt ewig lange völlig im Dunkeln...

Ich muss mich mal weiter erkundigen, und dann überlegen, ob ich mich innerlich darauf einstellen kann eine "Insolvenzverwalter" Selbständigkeit zu führen, oder nicht.

Gefühlsmäßig will ich gerade einfach nur "weg" vom Jobcenter-Selbständigkeits-Betriebskosten-Mist und überhaupt einfach nur "weg" vom Jobcenter... egal wie...

Ach, ich wünschste SO SEHR ich hätte eine bessere Beratung bekomen, am Anfang... Man macht ja auch so einige Fehler bei den Geschäftsentscheidungen und Betriebskosten, weil man einfach überhaupt nicht durchblickt, worum es dem Jobcenter genau geht... Deren Angaben sind ja so verschwommen und oft widersprüchlich, dass man gar nicht die Chance hat alles "fehlerfrei" zu machen - insbesondere, wenn man sich zum ersten mal in seinem Leben an eine Selbständigkeit ran traut...

Oh je....
 

LeilaVomMeer

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Weiß jemand, ob es für Firmen im Insolvenzverfahren "Regeln" gibt, wie diese geführt werden müssen, die weniger schwammig sind als die Richtlinien vom Jobcenter?

Also, bezüglich der Angemessenheit von Betriebskosten, insbesondere.

Falls ja, würde ich mich zukünftig einfach an diese Regeln halten... :wink:
 

Constanze

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Die "groben Richtlinien" - wie Du es nennst - gibt der schon genannte § 3 der Alg II-VO vor:

Abs. 1: Es ist von den Betriebseinnahmen auszugehen (eigentlich schon das ist das absolute Unding - jeder kaufmännisch gebildete und eigentlich jeder mit gesundem Menschenverstand gesegnete Mensch weiß, dass man nicht von den Einnahmen sondern vom Gewinn ausgehen muss)

Abs. 2: abgezogen werden die tatsächlich geleisteten notwendigen Ausgaben....

Abs. 3: aber nur soweit sie nicht vermeidbar waren....ua.

Abs. 4: diese absolut jämmerlichen 10 cent für betrieblich gefahrene km mit dem privaten Kfz (ich kann nur jedem raten, der nicht auf die 50 % und damit Betriebs-Kfz kommt, lieber den ÖPNV zu benutzen, als den privaten Pkw für 10 Cent abzunutzen) ...u.a.

Die Regelg. mit den 50% betriebliche Nutzung des privaten Telefonanschlusses - weiß ich auch nicht, wo die herkommt - wahrscheinlich eine Regelung der BA - ist m.E. in Ordnung.

Ja, und alles andere: Ich kann nur wiederholen: Darlegen, warum die Ausgaben nicht vermeidbar waren. Du musst das JC mit Deinen Argumenten überzeugen (oder im Rechtsstreit die Richter).

Viele Grüße
 

Fairina

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Die JC samt der BA haben einfach keine Ahnung und jeder dort hat sein eigenes Gutdünken. Das geht so weit, daß ggfls. sogar gegen die Steuergesetzgebung und gegen das HGB verstoßen werden soll. Die Herrschaften hinterm Schreibtisch haben schlicht keine Ahnung. DU bist der Unternehmer und folglich bestimmst DU, was notwendig ist für DEINE Firma. Hau mit der Faust auf den Tisch und verlange deinen 2. Kugelschreiber. Ansonsten werden diese unfähigen Leute dich und deine Firma auf Dauer kaputt machen. Evtl. sogar ist es deren Ziel, was ich denen ohnehin unterstelle. Kein Insolvenzverwalter wird eine Firma so gängeln wenn er an der Fortführung der Firma interessiert ist. Und das ist durchaus so im Sinne des Insolvenzrechts.

Die BA war bei Einführung des SGB-II verpflichtet auch die Selbständigen mit Aufstockung durch Sozialhilfe mit rein zu nehmen in den Pulk "alles was ü15 und mind. 3 Stunden täglich arbeitsfähig ist = ALGII". Ordinär aber kommt sie damit nicht zurecht, bzw. widerspricht es ihrer Herkunft. Daher werden die Selbständigen im SGB-II so behandelt. Im Prinzip eine politische Entscheidung die die BA nicht aushebeln kann. Daher drangsalieren sie die Selbständigen so sehr, daß diese entnervt aufgeben.

Wer sich auf das Spiel einläßt, hat schon verloren. Also selbstbewußt sein Firma vertreten oder um jeden Cent kämpfen.
 

BiancaBerlin

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Ich hatte schon Diskussionen mit denen, wo ich 2 Kugelschreiber als Bürobedarf kaufen wollte, und mir das Jobcenter sagte "1 Kugelschreiber ist notwendig, aber 2 nicht"... Ich weiß gar nicht, was man auf so etwas antworten soll??? Das nur als das krasseste Beispiel, dass ich in den letzten Jahren erlebt habe... Ein weiteres tolles war "Sie dürfen Klebeband als Bürobedarf kaufen, aber nicht den Klebebandrollenhalter" (oder wie man dieses Ding nennt).
Oje, die Leute bei Euch im JC scheinen viel Zeit zu haben, wenn sich sich mit solchen Kinkerlitzchen beschäftigen können. :icon_surprised:
 
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