Versicherung und Wohnung in Deutschland gesichert ?

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glasengel

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Hallo,

ich habe im Hinterkopf das bei ALG2 Bezug die gesetzliche Krankenversicherung und eine angemessene/bewilligte Wohnung bei über 25jährigen gesichert ist und nicht sanktioniert werden kann. Ist das in der derzeitigen Praxis der Fall, natürlich unter der Voraussetzung, es wird fortlaufend ein Weiterbewilligungsantrag gestellt. Wenn ja, ist dafür die Erfüllung von Terminen vor Ort auf dem Amt zwingend erforderlich oder erübrigt sich die Frage, da ja nichts mehr vorhanden ist, was sanktioniert werden könnte ?

Die Frage ist mir sehr wichtig, um allgemein einschätzen zu können, wie die soziale Grundsicherung derzeit in Deutschland praktiziert wird.

Danke und alles Liebe

Glasengel
 
E

ExUser 51660

Gast
Also, wer in Deutschland über 25 Jahre ist, hat Anspruch auf ALG II und eine Wohnung, die vom Jobcenter bezahlt wird. Voraussetzung dafür ist, dass das Jobcenter die Wohnung genehmigt.

Das heißt, das Jobcenter zahlt Dir Dein ALG II sowie die Miete und Nebenkosten für Deine Wohnung, auch Deine Krankenversicherung zahlt das Jobcenter, wenn Du gesetzlich versichert bist und nicht privat.

Allerdings: natürlich musst Du im Jobcenter Termine wahrnehmen und sanktioniert wirst Du auch, wenn Du zB. ohne Begründung einen Job ablehnst, oder Deine Termine nicht wahrnimmst.

Leider funktioniert Hartz IV noch nicht ohne Sanktionen in Deutschland. Man kann nur drauf hoffen, dass sich da was in den nächsten Jahren ändert.

Hoffe, dass Deine Fragen beantwortet werden konnten.
 

glasengel

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Hallo,

vielen Dank für die Informationen und den Gesetzestext. Also kann auch die KdU auf 0 sanktioniert werden, diese Information war mir neu.

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben für mich Fragen übrig bzw. ich kann nicht glauben, dass in einem Sozialstaat einem Leistungsbezieher auch die Krankenkasse "wegsanktioniert" werden kann.

Ein Mensch auf dem Land (in der Stadt scheint es für "Versicherungslose" Arztangebote eben) könnte also von der Seite der Versicherung aus nicht mehr zu seinem Haus- oder Zahnarzt? Ist das wirklich so und wenn ja, würde da ein Schutz vor einer Sanktion der "gesetzlichen Krankenkassezugehörigkeit" bestehen, wenn Termine (nicht Jobangebote/Massnahmen) wahrgenommen werden und ein geringes Einkommen (z.B. freiberufliche Honorartätigkeit) besteht.


Wenn das wirklich die reele Praxis wäre, kann man dieses Land nicht mal mehr als bedingten Sozialstaat definieren!

Bitte noch um Beantwortung der fett markeirt Fragen, dann kenne ich mich aus und ich bekomme eher ein Gefühl, in welcher Staatsform wir leben.

Liebe Grüße und vorab Danke

Glasengel
 

Bonovox

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Eine 100% Sanktion ist eine 100% Sanktion und beinhaltet dann eben auch die KdU und Krankenkassenbeiträge. Allerdings muss man einschränkend dazu sagen, dass man in diesen Fällen Anspruch auf Lebensmittelgutscheine hat. Diese führen dann dazu, dass das Jobcenter auch wieder die Krankenkassenbeiträge übernimmt.
 

Stuhoy

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Grundsätzlich besteht eine Krankenversicherungspflicht in Deutschland.

Die Beiträge laufen weiter und die Schulden häufen sich an bis die Beiträge wieder bezahlt werden.Deswegen muss man sehr gut aufpassen, dass das Jobcenter auch richtig an- und abmeldet bei der Krankenkasse.
 

Katzenstube

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Was meinst Du wohl, lieber Glasengel, warum viele Menschen wie ich arbeiten zu einem Lohn, der nur knapp über dem Hartz4-Satz liegt? Wohl deshalb, weil ab dem Moment, wo Otto-Normalverbraucher "Sozialleistungen" in Anspruch nimmt, alles an sozialer Eigenständigkeit verloren geht.

Das, was ich früher als Sozialstaat ansah, ist es wohl auch deshalb, weil eine Leistung Erwerbslose am Leben hält. Der Umgang jedoch - speziell durch einen Großteil der Behördenmitarbeiter ist alles andere als sozial und dient eher dem Abbau der Psyche des Antragstellers. Als Ping-Pong-Ball wird man(n)/frau von den Launen der entsprechenden Sachbearbeitern über die Platte geschleudert.

Ich war 3 Monate ALG1 da mein Arbeitgeber verstarb - das Verhalten von Wohngeldbehörde und Arbeitsagentur-SB 's war erniedrigend und nahezu diktatorisch. Ich krebse jetzt rum mit einem Verdienst, der wohl sogar geringer ist, als manch einer hier zur Verfügung hat ohne jeden Tag in den Arbeitstag starten zu müssen. Aber es ermöglicht mir eigenverantwortlich zu sein und nicht die Launen von diversen Mitarbeitern ausbaden zu müssen.

Und glaub mir, von dem oder diesen schmalen Gehältern Kosten für Brille oder Zahnersatz zu leisten ist "eigentlich" nicht möglich - nichtmal für meine Schmerzbedikamente ect. aber ich bin mir selber gegenüber das Sozialverhalten schuldig mich nicht von Sachbearbeitern asozial behandeln zu lassen.

Gruß von Katzenstube
 

amduckert

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hallo glasengel

Habe mir solche Fragen gerade vor Erstantrag auch viel gestellt.
Das mit den Lebensmittelgutscheinen ist wohl ein "kann".
Ich weiß nicht,ob es vom Bundesland abhängt.
Dass die KK nicht weiter gezahlt wird ,wusste ich nicht.Wenn aber mit Lebensmittelscheinen auch wieder die KK finanziert wird, ist es ja ,streng genommen,nur eine 100% Sanktion.

Man hört ja auch oft im TV ,dass sanktionierte Alg2Bezieher obdachlos werden.
 
E

ExitUser

Gast
hallo glasengel
Man hört ja auch oft im TV ,dass sanktionierte Alg2Bezieher obdachlos werden.

Ja, ich zum Beispiel.
Wohnung war zu groß. Leider habe ich keine kleinere gefunden.
Ich konnte die Miete nicht mehr aufbringen und bin rausgeklagt worden.
Ich wohne jetzt seit einem Jahr mit meiner Familie in einer Obdachlosenunterkunft.
Ich habe mir 70 Wohnungen angesehen, aber alle Vermieter wollen lieber "solvente" Mieter haben.

MURPHY
 
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