Vermittlung durch das Jobcenter, es wird aber eine Person bei Pflegegrad 4 betreut,Vermittlung möglich? (1 Betrachter)

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allesGulasch

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Hallo,

ich muss da mal was wegen meiner Schwester fragen.

Sie und ihr Mann sind Betreuer und Pfleger.
Die Pflegestufe der Person die sie betreuen und pflegen ist die vier.

Sie beziehen beide ALG 2.
Meine Schwester hat einen Minijob, mein Schwager hat zwei Minijobs.
Sie haben auch Kinder.

Pflege, Betreuung, Therapien, Kinder, Minijobs ... und wenn ich oder andere Verwandte und Bekannte mal mit Problemen ankommen sind sie immer da und helfen.
Was die beiden leisten ist einfach klasse!
Ich hab mich schon immer gefragt wie sie das alles überhaupt schaffen und ziehe echt meinen Hut vor ihnen.

Dem Jobcenter scheint dies aber nicht so zu gehen, denen geht es eben nur ums Vermitteln.
Da ich finde das beide doch nun wirklich schon irre viel leisten, möchte ich mich mal versucht ein wenig schlau zu machen, denn ich weiß nicht ob das alles so richtig ist was da läuft.

Ist es denn nicht so, dass eine Arbeit bei Pflegestufe 4 eigentlich gar nicht zumutbar ist?
Wenn ja, so dürfte doch das Jobcenter eigentlich gar nicht versuchen beide zu vermitteln oder?

Sind dann beide nicht eigentlich eher ein Fall für das Sozialamt?

Wie ist das überhaupt wenn zwei Personen eine Pflegeperson pflegen, wird da vielleicht die Pflegestufe im Bezug auf die Vermittelbarkeit anders gerechnet?

Könnt ihr mir da ein Stück weiter helfen?

Viele Grüße
Michael
 

Hartzeola

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Hallo,

Ist es denn nicht so, dass eine Arbeit bei Pflegestufe 4 eigentlich gar nicht zumutbar ist?
Es ist so. Steht hier:

2.4 Pflege einer/eines Angehörigen
https://www3.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mdm2/~edisp/l6019022dstbai377931.pdf?_ba.sid=L6019022DSTBAI377934

PS. Klappt nicht als Link, daher kopieren/einfügen





 

Seepferdchen 2010

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Hallo Michael,

und zur Ergänzung zum Beitrag von @Hartzeola

lies mal hier in den fachlichen Hinweis zum § 10 SGB II

dazu mal auszugsweise ein Zitat und siehe Seite 10 Rz. 10.16
in der PDF - Datei.


(3) Die Beurteilung, in welchem zeitlichen Umfang wegen einer
Pflegetätigkeit keiner Beschäftigung nachgegangen werden
kann, erfolgt unter Berücksichtigung des Pflegeaufwandes gemäß der Ein-
stufungen der zu pflegenden Person nach Pflegebedürftigkeitsgra-
den in Anlehnung an § § 14,15 SGB XI

Quelle:
https://harald-thome.de/fa/redakteur/BA_HW/FH_10-_30.03.2017.pdf

Wie ist das überhaupt wenn zwei Personen eine Pflegeperson pflegen, wird da vielleicht die Pflegestufe im Bezug auf die Vermittelbarkeit anders gerechnet?
Und noch eine Frage wer wird hier betreut/gepflegt?
 

allesGulasch

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AW: Vermittlung durch das Jobcenter, es wird aber eine Person bei Pflegegrad 4 betreut,Vermittlung möglich?

Hallo,

vielen Dank für eure super schnellen Antworten!

@Harzeola

Sorry wegen der knappen Überschrift und danke fürs Ändern.
Werde in Zukunft aussagekräftigere Überschriften wählen.

Danke für den Link.
Also die Ausübung einer Arbeit ist nicht zumutbar wenn sie mit der Pflege eines Angehörigen nicht vereinbar wäre und die Pflege nicht auf andere Weise sichergestellt werden kann.
Das hieße wenn z.B. mein Schwager eine Arbeit angeboten bekommt, die sich mit der Pflegetätigkeit nicht vereinbaren lässt, so ist diese Arbeit für ihn nicht zumutbar?
Sichergestellt während mein Schwager arbeiten würde könnte die Pflege lediglich durch meine Schwester werden, was dann wiederum für sie bedeuten würde das sie noch weniger vermittelbar wäre.
Umgekehrt dann das gleiche.

Im Fokus hat das Jobcenter momentan eher meinen Schwager.
Er pflegt und hat zwei Minijobs, ich frag mich was die wollen.
Er ist auch derjenige der mit dem Neffen zu den Therapien fährt, denn meine Schwester hat keinen Führerschein.


@Seepferdchen

Danke für den Link.
Na da steht es doch ganz groß und breit in der Tabelle.
Grad der Pflegebedürftigkeit: 4 - Zumutbare Arbeitszeit: nicht zumutbar.

Zu deiner Frage.
Meine Schwester und mein Schwager pflegen einen psychisch schwer kranken jungen Mann, ein Neffe meines Schwagers.
Also einen Angehörigen.

Die wöchentliche Pflegezeit wurde übrigens laut Gutachten bei meinem Schwager auf 12 Stunden und bei meiner Schwester auf 10 Stunden festgelegt.
Ich persönlich finde diese Berechnung ziemlich schräg, denn ich habe selbst erlebt das es wesentlich mehr ist als nur 22 Stunden in der Woche.
Keine Ahnung wie die da drauf gekommen sind.


Also es steht ja eindeutig im Gesetz bzw. in der fachlichen Weisung, Stufe 4 ist nicht vermittelbar.
Ich könnte mir da jetzt nur vorstellen, dass es wenn zwei Pflegepersonen eine Person pflegen irgendwie anders geregelt oder berechnet wird.
Was denkt ihr?

Viele Grüße
Michael
 

Porks

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hi
das
Problem wird es wohl werden weil 2 Personen eingetragen sind und somit die Std geteilt werden .Aber es müssen halt mehr als 15 Std pro Woche Pflege sein und das wäre dann nicht gegeben und somit müssten beide Vollzeit arbeiten .Besser eine Person die eingetragen ist weil die dann raus ist und es auch noch Geld für die Rentenkasse gibt (ab 15 Std.)

Weil es ja um 2 Ämter geht einmal die Plegekasse und das Amt und einen interessiert das andere nicht.
 
G

Gelöschtes Mitglied 30227

Gast
AW: Vermittlung durch das Jobcenter, es wird aber eine Person bei Pflegegrad 4 betreut,Vermittlung möglich?

Nein, sie haben das schon genau richtig geregelt.
Seit 1.1.2017 muss man nur noch mindestens 10 Stunden wöchentlich pflegen und unter 30 Stunden wöchentlich arbeiten.
https://www.deutsche-rentenversiche...ationFile/21805/rente_fuer_pflegepersonen.pdf
Pflege von Angehorigen zu Hause | Bundesgesundheitsministerium

Da einer 2 und einer einen Minijob noch zusätzlich ausübt sollten sie nicht vermittelbar sein.
Das wäre wohl nur gegeben wenn kein zusätzlicher Minijob vorhanden wäre.
Ich würde mich darauf berufen wenn das JC irgendwelche Arbeitsstellen oder Maßnahmen anbieten.
Ggf. einmal den Rechtsweg durch fechten damit das geklärt ist.
 

summer

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Die große Frage für das jobcenter ist eher, WER ist im Pflegegutachten als Pflegeperson eingetragen? Beide geteilt mit 12 bzw 10 Stunden?

Mein Mann war bis Oktober letzten Jahres allein als Pflegeperson für unseren Sohn eingetragen. Zum 1.11.16 haben wir dann eine Höherstufung in pfegestufe 3 mit Härtefall bzw ab 1.1.17 pflegegrad 5 beantragt und auch bekommen. Es sind lt. Gutachten des MDK ständig 2 Pflegepersonen erforderlich. Somit sind mein Mann und ich nun beide von der Jobsuche befreit. Vorher wollte das Amt uns zwingen, dass ich die Pflege komplett allein übernehme und mein Mann sich einen Job sucht. Er konnte aus gesundheitlichen Gründen die Pflege nicht mehr allein sicherstellen und zur Unterstützung war es eben erforderlich, dass ich zu hause bin. Meinem Jobvermittler hat dafür ein Attest von unserem Kinderarzt gereicht, die Jobvermittlerin meines Mannes interessierte sich nicht für das was im Pflegegutachten bzgl der Pflegeperson stand und mein Mann sollte arbeiten gehen...
Die Jobcenter sind angehalten, die einzelne Situation zu berücksichtigen. Denn auch jemand mit Demenz z.B., der bis letztes Jahr meist Pflegestufe 0 oder 1 hatte, kann nicht mal eben ein paar Stunden allein bleiben. Es gibt Sachbearbeiter, die lassen sich dann ein Schriftstück vom behandelnden Arzt geben über den tatsächlichen Pflegeaufwand, andere gehen starr nach den "Tabellen".
 

allesGulasch

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Hallo,

vielen Dank für die Antworten!

@ swavolt

Da einer 2 und einer einen Minijob noch zusätzlich ausübt sollten sie nicht vermittelbar sein.
Ja, genauso denke ich auch.
Die Minijobs sind zwar tatsächlich nur mini, aber vereinbaren sich wenigstens mit der Pflege.
Beide sind auch immer wieder auf der Suche nach weiteren Minijobs die sich mit der Pflege vereinbaren, denn sie möchten ja auch gern arbeiten.
Das geht aber nur als Minijob mit flexiblen Arbeitszeiten.
Vollzeit undenkbar und wie sich das Jobcenter einen Halbtagsjob vorstellt, kann ich auch nicht nachvollziehen.
Weder meine Schwester noch mein Schwager haben einen Arbeitgeber gefunden der damit einverstanden ist dass sie 3 Stunden arbeiten, dann weg müssen und danach dann nochmal für 3 Stunden arbeiten kommen.
Ich glaub solche Arbeitsmodelle dürfte es wohl auch gar nicht geben.

Ggf. einmal den Rechtsweg durch fechten damit das geklärt ist.
Ja, Rechtsweg durch fechten klingt gut.
Habe da auch selbst mal eine Erfahrung mit gesammelt.
Hatte damals mal wegen Betriebskosten Schwierigkeiten und das Jobcenter hatte schon allein als ein Brief von meinem Rechtsanwalt kam alles ganz schnell wieder zurück gezogen.
Naja, kennen wir das so nicht alle vom Jobcenter?
Ich schlage das meiner Schwester mal vor.


@ summer

Das dein Sohn einen so hohen Pflegegrad hat tut mir leid.
Ich hab nicht nur bei meiner Schwester sondern auch so im Verwandtenkreis gesehen und erlebt wie schwer sowas ist.
Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und alles Gute!

Also die große Frage kann ich dir beantworten.
Es sind zwei Pflegepersonen erforderlich und daher sind meine Schwester und ihr Mann auch beide eingetragen.
Beide sind auch als Betreuer bei Gericht eingetragen.
Im Gutachten des MDK steht meine Schwester mit 10 Stunden drin und ihr Mann mit 12 Stunden.

Denn auch jemand mit Demenz z.B., der bis letztes Jahr meist Pflegestufe 0 oder 1 hatte, kann nicht mal eben ein
paar Stunden allein bleiben.
Ja, genau.
Der junge Mann den meine Schwester und mein Schwager pflegen ist psychisch krank und er kann nicht allein gelassen werden.
Es muss immer einer da sein.
Daher haben meine Schwester und mein Schwager ja schon zugesehen dass sie Minijobs bekommen und diese so abgestimmt dass auch immer einer da ist wenn der andere arbeitet.
Anders geht es nicht und ich finde es schon ziemlich frech vom Jobcenter den beiden da noch mehr Stress zu machen, zumal das Jobcenter über die ganzen Gegebenheiten bescheid weiß.
Ja, es ist eben so wie du es beschreibst.
Es gibt Bearbeiter die noch den Menschen sehen und andere die eben nur die Tabellen sehen möchten.

Danke nochmal!

Viele Grüße
Michael
 

summer

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Hallo,

dann sollten die beiden dem Jobcenter das auch genau so schildern, und eine kopie vom Gutachten einreichen. Ich hab unser Gutachten soweit geschwärzt, das tatsächlich nur noch zu sehen war wer die Pflegeperson ist und wie hoch der Aufwand ist. Und natürlich die zu pflegende Person.

Menschen sitzen da beim JC eher nicht, die sehen nur ihre Zahlen und die individuelle Situation wird leider meist nicht gesehen!

Ich drücke euch die Daumen, dass das JC die mühen doch noch anerkennt!
 
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