Verlängerung des ALG1-Anspruches oder Erhöhung des Schönvermögens: Was ist besser?

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Wholesaler

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Hallo,

Herr Schulz verspricht ja hoch und heilig, dass er für soziale Gerechtigkeit sorgen will. Für den Fall, dass er Kanzler wird (was ich nicht glaube), will er das Arbeitslosengeld für Ältere verlängern. Ältere Arbeitslose stehen trotz eines längeren Bezugs von ALG1 weiterhin vor der Schwierigkeit, wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Von einer Anhebung des Schonvermögens wurde noch gar nicht gesprochen. Ein Schonvermögen von 150,00 EUR pro Lebensjahr ist sehr wenig. Wer 55 Jahre alt ist, hat somit einen Freibetrag von 8.250,00 EUR. In dem Alter kann sich durch ein langes Arbeitsleben einiges an Vermögen angesammelt haben. Dies dann auch noch bis auf ein Minimum aufbrauchen zu müssen, halte ich neben dem Jobverlust und der wenig aussichtsvollen Arbeitsplatzsuche für die dritte bittere Pille. Zu Zeiten der Arbeitslosenhilfe betrug der Freibetrag 520,00 EUR/Lebensjahr. Das war meiner Ansicht nach ein angemessener Betrag. Von dem Vermögen war es auch möglich, ein Auto zu unterhalten, was bei ALG2 schwierig wird. Von daher ist die Erhöhung des Schonvermögens meines Erachtens die bessere Maßnahme.

Wie sind eure Meinungen dazu?
 

arbeitsloskr

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Hallo Wholesaler,

in den ersten Zeiten des Schulz-Booms der SPD hatte er doch "versprochen", das Schonvermögen bei ALG 2 auf 300,00 EUR zu verdoppeln, hier nachzulesen.

Das grundlegende Problem ist doch, dass nicht nur ältere Elos schwer wieder in einen neuen Job kommen, sondern dies auch die Jüngeren betrifft. Von daher sollten eigentlich diese ganzen Regelungen für die Bezugszeit von ALG 1 oder auch dem geplanten ALG Q altersunabhängig gestaltet werden.

Auf deine Eingangsfrage bezogen, was spräche gegen eine Verlängerung von ALG 1 und gleichzeitiger Erhöhung des Schonvermögens bei ALG 2? Es ist doch mittlerweile leider so, dass selbst "hart arbeitende" AN (O-Ton Schulz, ohne Definition, was "hart arbeiten" bedeutet) teilweise kaum mit ALG 1 über die Runden kommen und daher aufstockend ALG 2 beantragen müssen. Es sei denn Hr. Schulz versteht unter "hart arbeiten" nur Personen, die bereits min. 50-55 sind. Aber dann wäre als Kanzler für alle Deutschen, also auch die deutlich U50 oder gar U40 und jünger, nicht tragbar.
 

Wholesaler

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Sorry, dass er sogar "beabsichtigt", das Schonvermögen zu erhöhen, hatte ich nicht mitbekommen. Richtig. Wer langzeitarbeitslos ist, keine connections hat und in einem Bereich Arbeit sucht, wo Unmengen an Bewerbern auf die Stellen kommen (recht häufig ist das bei kaufmännischen Berufen der Fall) hat es unabhängig von seinem Alter verdammt schwer, wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Ich spreche aus eigener Erfahrung.

Ich befürworte eine Prolongation des ALG1-Anspruches und eine gleichzeitige Erhöhung des Schonvermögens bei Hartz 4. So wie ich jedoch die Politriege kenne, wird sie dies mit Sicherheit nicht umsetzen, da es ihrer Meinung nach zu teuer ist (was selbstverständlich nicht der Wahrheit entspricht). An der Aufstockerei des Arbeitslosengeldes wird sich aufgrund des großen Niedriglohnsektors aber nichts ändern. Dazu bedarf es eines Mindestlohns, der die Bezeichnung auch verdient.

Frage an dich: Was spricht gegen eine Wiedereinführung des Systems der Arbeitslosenhilfe? Das Schonvermögen war angemessen und wer vorher gut verdient hatte, konnte ein recht sorgenfreies Leben ohne Geldnöte führen. Und bevor hier wieder ein gewisser User auftaucht und von Privilegien faselt: Ein hohes Gehalt ist kein Privileg, sondern das Ergebnis von geleisteter Arbeit. Die Bedürftigkeit wurde bei der Arbeitslosenhilfe ebenfalls geprüft. Auch das wird häufig nicht erwähnt, weil man sich vorher nicht informiert hat.
 

arbeitsloskr

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Wer langzeitarbeitslos ist, keine connections hat und in einem Bereich Arbeit sucht, wo Unmengen an Bewerbern auf die Stellen kommen (recht häufig ist das bei kaufmännischen Berufen der Fall) hat es unabhängig von seinem Alter verdammt schwer, wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Ich spreche aus eigener Erfahrung.

Hallo Wholesaler,

das kann ich nur bestätigen, da ich selbst im kaufmännischen Bereich suche und wer dort nicht 10000000000000% passt und sei es, dass nur bspw. bestimmte Branchenkenntnisse fehlen oder Kenntnis von betriebsspezifischer Software, der wird gar nicht erst berücksichtigt.

Ich befürworte eine Prolongation des ALG1-Anspruches und eine gleichzeitige Erhöhung des Schonvermögens bei Hartz 4. So wie ich jedoch die Politriege kenne, wird sie dies mit Sicherheit nicht umsetzen, da es ihrer Meinung nach zu teuer ist (was selbstverständlich nicht der Wahrheit entspricht).

Eben, beide Punkte müssen erhöht werden, das Schonvermögen und die Bezugsdauer von ALG 1 (altersunabhängig). Der Sinn des Schonvermögens sollte ja sein, dass man einen Teil seiner Ersparnisse aus der Zeit vor dem ALG 2-Bezug "behalten" darf, um bspw. etwas für das Alter zurückzulegen. Allerdings werden ALG 2-Bezieher/innen i.d.R. eher auf GruSi im Alter angewiesen sein, wo die Beträge für das Schonvermögen nochmals niedriger sind.

Kurz gesagt, das System des Schonvermögens ist in seiner jetzigen Form aus meiner Sicht gescheitert. Nur zum Verständnis, ich spreche niemanden seine Ersparnisse aus Arbeitszeiten ab oder missgönne diese jemanden. Für mich stellt sich nur die Frage, warum soll man während der Erwerbszeiten Geld/Vermögen ansparen, wenn dies beim Bezug von ALG 2 doch erstmal "verbraucht" werden muss? Zur Zeit ist schließlich der/die durchschnittliche Erwerbstätige "nur" 1 Jahr (außer denjenigen, die einen längeren Anspruch auf Grund Ü50-55 haben) zzgl. der Kündigungsfrist des aktuellen Arbeitsvertrages von ALG 2 entfernt, und es kann jeden treffen.

Warum also sparen? Warum also Altersvorsorge betreiben, wenn das Geld doch absehbar "weg" ist? Achja ich vergaß, die "armen" Versicherungsunternehmen brauchen Einnahmen für ihr Geschäftskonzept.

An der Aufstockerei des Arbeitslosengeldes wird sich aufgrund des großen Niedriglohnsektors aber nichts ändern. Dazu bedarf es eines Mindestlohns, der die Bezeichnung auch verdient.

Richtig, nur dann wird man merken, dass eine Anzahl X der derzeitigen Jobs eigentlich "überflüssig" ist und heute nur deswegen "vergeben" werden, weil der AG sich diese AN "leisten" kann/will. Wäre der Mindestlohn min. doppelt so hoch wie derzeit, würden viele Jobs wegfallen, gerade die ganzen 450,00 Minijobs, denn diese würden sich dann stundenmäßig nicht mehr rechnen.
So gesehen haben wir bereits jetzt einen großen Anteil an "verdeckter" Arbeitslosigkeit durch Jobs, die sich nur durch möglichst niedrige Löhne für AG lohnen.

Da sind wir aber wieder beim Grundproblem angekommen, dass es einfach zu wenige Jobs mit einem auskömmlichen Einkommen gibt oder anders ausgedrückt, es werden eben einfach weniger Arbeitskräfte benötigt. Man sieht es nicht nur in der Produktion oder Lager/Logistik, dass immer mehr Tätigkeiten automatisiert von Robotern ausgeführt werden, sondern dies wird auch den kfm. Bereich treffen. Nehmen wir als Beispiel die Prüfung und Verbuchung von Eingangsrechnungen. Mittels passender Software im Bereich Texterkennung, wäre/ist es möglich, dass eine Rechnung nachdem diese eingescannt wurde, per Software auf rechnerische und sachliche Richtigkeit zu überprüfen, entsprechend in der FiBu zu verbuchen und durch ggfs. auch direkt das Papieroriginal automatisch zu archivieren.
Oder nehmen wir die ganzen "Telefonjobs". Man sieht ja, was bereits jetzt Alexa, Cortana, Siri und Co können. In spätestens 5 Jahren werden diese "einfache" telefonische Anfragen, bspw. im 1st-Level-Bereich komplett selbst übernehmen.

Frage an dich: Was spricht gegen eine Wiedereinführung des Systems der Arbeitslosenhilfe? Das Schonvermögen war angemessen und wer vorher gut verdient hatte, konnte ein recht sorgenfreies Leben ohne Geldnöte führen.

Ich persönlich kenne das System so nicht. Aber aus meiner Sicht spräche nichts dagegen, wenn man die ALG-Höhe und das Schonvermögen soweit erhöht, dass man als Elo nicht tagelang überlegen muss, wie man größere unverhoffte Ausgaben bezahlt, bspw. dass man eine NK-Abrechnung betragsmäßig durchaus auch selbst aus dem ALG-Betrag zahlen könnte. Gleiches gilt auch für andere Punkte.
 
E

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Ich denke aber schon, dass einiges an sozialversicherungspflichtigen Stellen entstehen wuerde, wenn man die Minijobs etwas eindaemmen wuerde. Naemlich ueberall da, wo Stellen auf mehrere Minijobber aufgeteilt wurden, um Sozialabgaben zu sparen. Die Arbeit muss ja gemacht werden und alles kann man auch nicht ins Ausland verlagern.
 

arbeitsloskr

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Ich denke aber schon, dass einiges an sozialversicherungspflichtigen Stellen entstehen wuerde, wenn man die Minijobs etwas eindaemmen wuerde. Naemlich ueberall da, wo Stellen auf mehrere Minijobber aufgeteilt wurden, um Sozialabgaben zu sparen.

Hallo Gast,

du hast dabei insofern Recht, wenn man davon ausgeht, dass mehrere Minijobs nichts anderes sind als mehrere "Bruchstücke" eines einzigen Vollzeitjobs.

Würde man die Möglichkeit der Minijobs streichen, müssten AG entsprechend VZ- oder TZ-Stellen "schaffen", indem sie mehrere Minijobs zusammenfassen. Allerdings wird dadurch nicht die notwendige Menge an SV-pflichtigen Stellen geschaffen, die wirklich gebraucht wird, damit jede/r Elo ein Erwerbseinkommen erwirtschaften kann, mit dem man ohne Sozialleistungen leben kann. Zudem gilt es zu bedenken, dass auch das jeweilige Arbeitsvolumen je Mitarbeiter/in erhöht wird, das Thema "Arbeitsverdichtung", abhängig vom jeweiligen Aufgabenbereich.
 
E

ExUser 2606

Gast
Ich sag ja nicht, dass das Di Patentloesung ist, aber mal ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Damit kaeme dann auch mehr Geld in die Sozialkassen, was dann weitere Schritte ermoeglicht.
 

arbeitsloskr

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Ich sag ja nicht, dass das Di Patentloesung ist, aber mal ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Ich habe deine Idee auch nicht komplett verworfen ;)

Damit kaeme dann auch mehr Geld in die Sozialkassen, was dann weitere Schritte ermoeglicht.

Naja Geld ist eigentlich in Deutschland nicht das Problem. Man könnte den sozialen Bereich problemlos komplett aus Steuergeldern finanzieren. Man müsste eben nur regierungsseitig den entsprechenden Fokus darauflegen und auf bestimmte Prestigeprojekte verzichten oder bspw. "sinnlose" Forderungen wie die Verdoppelung der Militärausgaben seitens USA und Nato weglassen (wobei ich hier das nächste Problem sehe, denn wenn Deutschland tatsächlich seine Militärausgaben tatsächlich verdoppelt, dann kommen sicherlich u.a. Polen wieder angerannt und haben "Sorgen" wegen des aufgerüsteten deutschen Militärs).
 
E

ExUser 2606

Gast
Mann muesste nur mal die ganzen Sinnlosmassnahmen abschaffen.

Aber weniger Minijobs wuerde auch heissen weniger Grusi Bezieher im Alter. Das Spart wider Steuern...ALles wirkt sich immer an mehreren Stellen aus.
 

arbeitsloskr

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Mann muesste nur mal die ganzen Sinnlosmassnahmen abschaffen.

Dazu dann noch die ganze Verwaltung in Form von AfA und JC, bzw. diese auf ein absolutes Minimum schrumpfen. Nur würde man dann sehen, wieviel "verdeckte Arbeitslosigkeit" es tatsächlich in Deutschland gibt.

Aber weniger Minijobs wuerde auch heissen weniger Grusi Bezieher im Alter. Das Spart wider Steuern...ALles wirkt sich immer an mehreren Stellen aus.

Richtig, aber nur dann, wenn jeder derzeitige Minijobber ein SV-pflichtiges Arbeitsverhältnis in TZ oder VZ erhält.
 
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