Verhandlungsspielraum mit Zeitarbeit?

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happyhopp

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Mich interesieren 2 Fälle.

1. Fall:

Das Jobcenter schickt einen Stellenvorschlag für eine Zeitarbeit. Man bewirbt sich ordnungsgemäß und geht auch zum Vorstellungsgespräch. Auf dem Stellenvorschlag steht bei Gehalt "Verhandlungssache". Dabei handelt es sich um eine Tätigkeit (bedienen einer Maschine) mit vorwiegend Nachtschicht. Die Zeitarbeit bietet für diese Tätigkeit 7,50 Euro / Stunde. Man selber gibt als Vorstellung an, 9,50 Euro / Stunde. Zeitarbeit bleibt beim Gebot von 7,50, man wird sich nicht einig.

Frage: Zählt das scheitern der Verhandlung als Weigerung die Tätigkeit aufzunehmen? Falls ja, bedeutet das, das eine Zeitarbeit grundsätzlich nur den kleinsten Betrag als Stundenlohn zahlen müsste, damit dieser nicht Sittenwidrig ist, wenn diese wissen das der Bewerber vom Jobcenter geschickt wurde?

2. Fall:

Stellenvorschlag zur einer Zeitarbeit. Die im Stellenvorschlag benannte Stelle ist schon vergeben. Zeitarbeit bietet eine ganz andere Stelle an. Auch hier wird man sich nicht einig. Zeitarbeit meldet dem Jobcenter, das man eine andere Stelle angeboten hat, diese aber nicht angenommen wurde.

Frage: Droht eine Sanktion? Für die ganz andere Stelle, gabs kein Stellenvorschlag mit Rechtsbehelf.
 

SB Feind

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@happyhopp

Zu Frage 1.

Ich glaube nicht das man Sanktioniert werden kann wenn die Verhandlungen kein Ergebnis bringen falls doch vor das Gericht ziehen. Sowas hatte glaube ich schon mal einer gefragt.


Zu Frage 2.

Du hast den VV nur für dieses Angebot bekommen über ein anderes brauchst du mit denen nicht zu reden.
 

Ein Hartzianer

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Nachtrag zu @SB Feind, Frage 1:
Wenn wegen gescheiterter Lohnverhandlungen eine Sanktion kommt,
wäre das ein klarer Bruch der Verhandlungs- und Vertragsfreiheit.

Dem gesunden Menschenverstand nach, hätte so etwas keinen Bestand.
Allerdings steht Hartz IV dem gesunden Verstand ja auch diametral entgegen.

Mir wirft sich aber eine andere Frage auf:
Entsprechen die erwähnten 9,50€/h dem berufsüblichen Durchschnittslohn ?
Für einen Maschinenbediener kommt mir das doch etwas knapp vor...
Hintergrund meiner Frage ist, wie Mensch Equal Pay durchsetzen will,
wenn man selbst nicht mal den Durchschnittslohn ansetzt.
 

happyhopp

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Ich selber hab bisher Jahre lang im Büro / Verwaltung gearbeitet. Berufsabschluß Sozialversicherungsfachangestellter. Schulzeugnis Notendurchschnitt 1,3. Berufsschulzeugnis Notendurchschnitt 1,5. Bin aber inzwischen leider seit 3 Jahren arbeitslos (Umzug aus privaten Gründen) und hier in der Gegend sieht es recht mau aus.

Seit 6 Monaten versucht mein Vermittler mich mit aller Gewalt im Bereich ungelernter Lagerarbeiter oder ungelernter Maschinenbediener reinzudrücken. In den letzten 6 Monaten ca. 10 Stellenvorschläge ausschließlich bei Zeitarbeitsfirmen und nur Lagerarbeiter und Maschinenbediener. Kein einziger Vorschlag Richtung Bürokaufmann, Bürohilfe ect.

Da ich den Stellenvorschlag als ungelernte Kraft antreten würde, darf man wahrscheinlich nicht allzuhoch in die Verhandlungen einsteigen.

@ GdB50

Grundsätzlich zumutbar wird nicht bezweifelt!

Aber im Fall 2 gabs keine Rechtsbehelfsbelehrung auf die andere Stelle. So sind z.B. Stellenvorschläge komplett ohne Rechtsbelehrung nicht sankstionierbar, selbst wenn zumutbar. Dazu gibts genug Urteile. Anders wäre es, wenn die Zeitarbeit zum Jobcenter geht und sagt, schickt dem mal die neue Stelle mit Rechtsbelehrung zu und man sich dann weigert. Bin aber gerne an weiteren Meinungen interesiert.

Und im Fall 1 eben die Frage, obs sowas wie Vertragsautonomie gibt. Das heisst, das man bei Vertrag mit dem Arbeitgeber handeln darf oder diesem ausgeliefert ist (insbesondere im Billig Lohn Sektor Zeitarbeit), wenn er weiß das man vom Jobcenter geschickt wurde.
 

Ein Hartzianer

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happyhopp meißelte:
Da ich den Stellenvorschlag als ungelernte Kraft antreten würde, darf man wahrscheinlich nicht allzuhoch in die Verhandlungen einsteigen.
Wer sagt das ?
Es gibt auch bei "Ungelernten" einen Durchschnittslohn.
Unter den sollte Mensch nicht gehen, Arbeit hat ihren Wert ! :icon_evil:

In meiner Signatur findet sich übrigens ein Link zum Thema.
 
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Zuerst Fall 2, weil einfach und eindeutig.
NICHT ÜBER EINE ANDERE STELLE REDEN.
Ist die Stelle vergeben, quittieren lassen, bedanken, aufstehen, gehen.
Sanktionsversuch möglich, aber nicht durch zu setzen. RFB fehlte.
Keine Angriffsfläche geboten, alles easy :icon_cool:

Fall 1 ist komplizierter.
Absolut sicher ist nur eine Begründung aus dem 10er Paragraph.
Also suchen, wieso es nicht geht.
Zu lange Pendelzeit, Gesundheit usw.
Dann ist ein Sanktionsversuch ebenfalls möglich, kann aber ebenfalls
abgeschmettert werden.
Und nun das Problem. Man sagt eine Zahl. Jetzt beginnt das Glatteis.
Auf der einen Seite hat man die Pflicht, alles zu tun kein Leistungsbezieher mehr zu sein. Auf der anderen Seite hat man aber AUCH die Pflicht, die Hilfe zu minimieren. Eine höhere Lohnforderung dient also auch der Minderung der Leistung bis hin zu gar keiner Leistung.
Wie ein Richter das abwägen würde, mag ich nicht vorherzusagen.
Aber Fakt ist, das ich mich nicht auf der Vertragsfreiheit verlassen würde.
Im GG steht viel. Und, wie ist es wirklich?
Wie ist es mit der GEZ? Wie ist es mit Datenschutz? Wie ist es mit der Unverletzbarkeit der Wohnung? Frag mal einen Jäger.
Ich will darauf hinaus, das ich nicht an die Vertragsfreiheit glaube für einen ALG2 Empfänger.
In Abwägung DEINER Interessen zu der Masse der Steuerzahler, wirst Du sicher verlieren beim Richter. Fall 1 ist also, wenn der Lohn nicht sittenwidrig ist ne ganz heiße Kiste. Ich glaube, ein SB, der ne Sanktion anstrebt, kriegt die in den meisten Fällen auch tatsächlich durch.

Ich habe beim letzten Vorstellungsgespräch trotz intensivster Bemühungen dem AG gegenüber KEINE Zahl genannt. Im Endeffekt hat er dann die erste Zahl genannt. Es war ein Lohn, der dem Durchschnitt für den Beruf entsprach in einer mittleren Betriebsgröße aus dem Jahr 2008. Also schlechter Lohn, zumal da noch ne 70 Stunden-Woche dran gekoppelt war. Knüppeln ohne Ende und davon nicht leben können. Nein, keine ZAF.
Ich habe meine Bewerbung dann nach dem 10er Paragraph und einem ganzen Konstrukt zurückgezogen. Das gab dann nen relativ heißen Ritt, aber im Endeffekt durch ohne Sanktion.
Die Arbeit war allerdings tatsächlich nicht zumutbar, das ist nun kein Spruch.
 

AntiHartz

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Ein Hartzer hat weniger Rechte bei der Gehaltsverhandlung.
Jede zu hohe Forderung, egal ob sie wirklich zu hoch war, kann negativ ausgelegt werden. Weil er seine Hilfebedürftigkeit zu minimieren und zu
beenden hat. Also auch einen schlechten Lohn akzeptieren muss.
Der 10er ist ein Schutzparagraph. Was unter den nicht fällt, ist auch
nicht geschützt.
Es gibt Paragraphen, die man nie oder mit denen man nur einmal Kontakt hat.
Es gibt aber auch welche, die man immer und immer wieder braucht und
deshalb genau kennen sollte.
 
H

hass4

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vom büro ins lager!?
treibst du sport oder hälst du dich sonst irgend wie fit? der auftrag ist gerade frisch gedruckt, da fällt schon die frage, wo steht die palette mit der kommissionsnr. sowieso, der lkw wartet oder UPS will die ware abholen etc.

der selbe chaos der auf den straßen stattfindet unter den fahrern den hast du auch im lager. schnell schnell schnell, schneller!

und das soll jemand machen der vorher nur sitzende tätigkeit ausgeübt hatte, na dann kann man nur herzliches beileid aussprechen.

besonders bei der rennerei auf dem betonboden, aua aua die gelenke.
 

happyhopp

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Nein, zu meiner Schande muss ich gestehen das ich sehr unsportlich bin. Was ich vor allem bemängel ist, das mir mein Arbeitsvermittler die letzten Monate über 10 Angebote zugeschickt hat und davon 80% Lagerhelfer und 20% Maschinenbediener .... 90% der Stellen sind Schichtarbeiten inclusiv Nachtschicht .... 100% der Stellen waren Zeitarbeitsfirmen. (Ja ich weiß ... alles zumutbar auch wenn man bisher nur Büro gearbeitet hat). Kein einziges Angebot im Bereich Büro, Verwaltung, Verkaufshelfer ect. Klares Argument des Vermittlers, Sie sind ALG II Bezieher und müssen alles machen. Aktuell überlegt der Vermittler mir eine ESF geförderte Lagerhelfer Umschulung aufzudrücken. Es gab kein Profling oder anderen Test. Die Entscheidung das ich nun Lagerhelfer werden soll wurde rein vom Vermittler gefällt. Angeblich würde man da am schnellsten was finden in unserer Region.
 

kljfoai

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Nein, zu meiner Schande muss ich gestehen das ich sehr unsportlich bin.
Ist typisch für den Helferbereich :icon_lol:
Man möchte sich nicht unnötig positiv darstellen.....

Was ich vor allem bemängel ist, das mir mein Arbeitsvermittler die letzten Monate über 10 Angebote zugeschickt hat und davon 80% Lagerhelfer und 20% Maschinenbediener .... 90% der Stellen sind Schichtarbeiten inclusiv Nachtschicht .... 100% der Stellen waren Zeitarbeitsfirmen.
Sei froh wenn es nur 10 VV in 6 Monaten waren und keine 10 VV pro Woche, so wie bei einigen anderen Usern.

Kein einziges Angebot im Bereich Büro, Verwaltung, Verkaufshelfer ect.

Ein paar Beispiele für Suchbegriff in der Jobbörse:
Helfer/in - Büro, Verwaltung
Bürohelfer
Bürohilfskraft

Du kannst dich beliebig oft bewerben auch weit mehr als dein SB von dir fordert. Fast kostenlos per mail. Wozu willst du VVs? Du kannst 100 Stunden pro Woche mit Stellensuche verbringen. Warte nicht auf deinen faulen SB.....

Aktuell überlegt der Vermittler mir eine ESF geförderte Lagerhelfer Umschulung aufzudrücken. Es gab kein Profling oder anderen Test. Die Entscheidung das ich nun Lagerhelfer werden soll wurde rein vom Vermittler gefällt. Angeblich würde man da am schnellsten was finden in unserer Region.
Lagerhelfer ist mist. Produktionshelfer ist noch schlimmer. Hoffe du landest nicht dort. Noch schlimmer wäre wohl wenn sie dich zum Altenpfleger machen.
 

happyhopp

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@ kljfoai

Ich hätte mit 10 VV pro Woche kein Problem. Vielleicht endlich schneller Arbeit. Die Bewerbungskosten kann man ja über Jobcenter abrechnen. Das was mich stört, dass man mir absolut nichts schickt in Richtung was ich gelernt habe (Büro) und statt dessen mich mit aller Gewalt in die Lagerhelfer Nische drücken will. Warum nicht vielseitig Stellenvorschläge? z.B. Regalauffüller, Verkaushelfer, Reinigungskraft, Kurierfahrer (ich habe Führerschein Klasse 3) .. aber nein nur Schichtarbeit, Zeitarbeit, Lager. Warum?

Deine Beispiele für Suchbegriffe in der Jobbörse kenne ich. Die Frage ist, ob mein Vermittler diese kennt oder ob er als Makro "Lagerhelfer" auf seiner Tastatur gespeichert hat.
 
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ExitUser

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@ kljfoai

Ich hätte mit 10 VV pro Woche kein Problem. Vielleicht endlich schneller Arbeit. Die Bewerbungskosten kann man ja über Jobcenter abrechnen. Das was mich stört, dass man mir absolut nichts schickt in Richtung was ich gelernt habe (Büro) und statt dessen mich mit aller Gewalt in die Lagerhelfer Nische drücken will. Warum nicht vielseitig Stellenvorschläge? z.B. Regalauffüller, Verkaushelfer, Reinigungskraft, Kurierfahrer (ich habe Führerschein Klasse 3) .. aber nein nur Schichtarbeit, Zeitarbeit, Lager. Warum?

Deine Beispiele für Suchbegriffe in der Jobbörse kenne ich. Die Frage ist, ob mein Vermittler diese kennt oder ob er als Makro "Lagerhelfer" auf seiner Tastatur gespeichert hat.



Warum?
Das kann ich Dir sagen.
Weil so gut wie alle VV über Zeitarbeitsfirmen laufen.
Und die Firmen die eine ZAF beauftragen einen Sklaven zu schicken, die haben auch nur dementsprechend Arbeit für die Sklaven.
Nämlich die Arbeiten, die die Festangestellten nicht zu machen brauchen.
Mit anderen Worten, man wird für die letzten Drecksarbeiten ausgeliehen und verheizt.
Macht der Rücken schlapp, dann wirste abgemeldet und der neue steht bereit.
 
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