Vergleich ALG 2/Arbeitslosenhilfe (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

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Seit dem 01.01.2005 gibt es bekanntlich ALG 2 (umgangssprachlich auch Hartz 4 genannt).

Davor gab es nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes die Arbeitslosenhilfe.

Habe mal zur damaligen Arbeitslosenhilfe recherchiert und festgestellt, dass eigentlich kein so großer Unterschied zwischen der Arbeitslosenhilfe und Hartz 4 besteht (zumindest wenn es um die Anrechnung von Vermögen geht).

Beides wurde/wird erst gezahlt, wenn der Arbeitslose bedürftig ist.

Vermögensfreibeträge existierten bei der Arbeitslosenhilfe ebenfalls.

Gibt es hier jemanden, der in den "Genuss" von beiden Leistungen gekommen ist und die wesentlichen Unterschiede nennen kann?
 
P

Pichilemu

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Arbeitslosenhilfe wurde ähnlich wie heute noch ALG I vom letzten Erwerbseinkommen berechnet. Hatte man also vorher gut verdient bekam man auch stattliche Leistungen und konnte davon gut leben.

Der Vermögensfreibetrag betrug 520 € pro Lebensjahr, war also deutlich höher als heute beim ALG II. Das galt aufgrund einer Übergangsregelung in § 65 SGB II noch für ALG-II-Bezieher mit Geburtsjahr vor 1948 bis ins Jahr 2015 (seitdem ist die Zielgruppe in der Rente gelandet und damit die Regelung gegenstandslos geworden).
 
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Richtig. Die Berechnungsgrundlage war eine andere.

Das war meines Erachtens aus dem von dir genannten Grund auch noch sozialverträglich.

Man fiel relativ "sanft". Heute gibt es einen Einheitssatz, bei dem man am Existenzminimum lebt.

Dieser Vermögensfreibetrag von 520,00 EUR betrug nach meinen Nachforschungen ab dem 01.01.2003 nur noch 200,00 EUR.

Das war dann schon ein erster Vorgeschmack auf die dann später kommenden "sozialen" Schweinereien.

Inwiefern wurde Einkommen (Minijob) angerechnet?
 
G

Gelöschtes Mitglied 30227

Gast
Arbeitslosenhilfe war wesentlich humaner. Da gabs keine Maßnahmen oder AGHs.
Da wurden auch keine Verträge geschlossen oder Verwaltungsakte rausgehauen.
Das höchste waren VVs, wenns denn welche gegeben hätte.
 
P

Pichilemu

Gast
Inwiefern wurde Einkommen (Minijob) angerechnet?
Eigentlich genauso wie heute noch im ALG I. Es gab einen Freibetrag von 165 €, alles darüber wurde gnadenlos angerechnet. Es lohnte sich also eigentlich nicht, neben der Alhi noch zu arbeiten. Dafür war man dann auch vor entsprechenden VVs geschützt, da auch der Berufsschutz aus dem ALG I im Alhi weiter galt, das heißt ein VV musste vom Gehalt her mindestens so hoch sein wie das Alhi.
 
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Ich glaube, dass es damals auch noch leichter war, Vermögen "beiseitezuschaffen".

Im Bekanntenkreis wurde seinerzeit Geld auf Familienmitglieder übertragen. Was heute sofort auffliegt, war damals (fast) bedenkenlos möglich.
 

Flodder

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Ich bin zum 01.01.2005 von AlHi in ALG II gerutscht. Finanziell kaum ein Unterschied (damals verheiratet, 2 Kinder)

Allerdings wurde meine Frau während meines AlHi-Bezugs nicht vom Arbeitsamt belästigt, nach Hartz IV sah das anders aus.

Man musste auch nicht alle 6 Monate einen Weiterbewilligungsantrag stellen, allerdings verringerte sich die AlHi jedes Jahr um mehrere Prozent.

Wenn die AlHi dann unter dem Sozialhilfebereich war oder sank, musste man zum Sozialamt zum Aufstocken.
 

Kerstin_K

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Ist sehr lange her bei mir, aber ich kann mich nochvdunkel erinnern, dass keine Kontoauszüge kontrolliert wurden, es gab auch keine Kontoabfragen, wenn man gesagt hat "Da komm ich nicht dran." reichte das.

Fehlerhafte Berechnungen gab es auch damals schon reichlich, die Berechnungsboegen wurden von Hand ausgefuellt und wenn man nen SB erwischt hatte, der nicht rechnen konnte...-Ich hatte 22 Widersprueche im 23 Monaten, 21 zu meinen Gunsten entschieden.
 

LisaS

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In der Arbeitslosenhilfe konnte man Steuererstattungen, Geldgeschenke sowie Lottogewinne behalten, und musste sie auch nicht angeben. Und m.E. durfte man auch nebenbei Wohngeld beziehen.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, wo der Höchstbetrag bei der Alhi bei um die 3.600 DM lag.

Gerade Akademiker haben sich auch sehr gerne regelmäßig jede Woche (auch mehrmals wöchentlich) tageweise vom Alhi-Bezug abgemeldet. Anschließend hat es niemanden interessiert, was der Leistungsempfänger an diesem Tag (oder an diesen Tagen) verdient hat. Die Leistungen wurden jedes Mal eingestellt und anschließend weiterbewilligt. Alles legitim gewesen.
 

LisaS

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Es gab einen Freibetrag von 165 €, alles darüber wurde gnadenlos angerechnet.
Das stimmt nicht. Es gab für Leute, die ihre Nebentätigkeit schon während ihrer Berufstätigkeit seit einer gewissen Zeit ausgeübt haben, eine großzügige Ausnahmeregelung. Darüber hinaus konnte man großzügig Werbungskostenkosten geltend machen. So konnten bspw. Lehrer u.a. Fachliteratur, Aktentaschen, Schreibtischlampen, Balletttänzer Suspensorien und Taxifahrer Stadtpläne absetzen. (Die Aufzählung ist nicht vollständig.)
 

bla47

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Wesentliche Unterschiede gab es -bisher unerwähnt- beim Rentenbeitrag. Hier die Geschichte:
Bis 1982 100% vom Bemessungsentgelt ( = genau so viel wie alter SV-pflichtiger Lohn )
1983 bis 1991 80 % als bewertete Anrechnungszeit ( des gesamten Rentenverlaufs )
1992 bis 1999 80 % vom Bemessungsentgelt
Das heißt, bis 1999 gab es für Arbeitslosenhilfe für die Rente genauso viel wie für Arbeitslosengeld !!
2000 bis 2004 gab es für Arbeitslosenhilfe nur noch den Auszahlungsbeitrag der AlHi als Rentenbeitrag. Hier gab es aber die ansonsten seltene Möglichkeit, für vor 1945 geborene diesen Verlust auszugleichen. Aber nur, wenn sie vor 2000 schon arbeitslos waren.
 

LisaS

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Was mir dazu noch einfällt:

Damals galten ZAF'en noch als völlig unseriös und niemand wurde gezwungen, dort arbeiten zu müssen. Wenn jemand bei einer ZAF gekündigt hat, gab es auch keine Sperrzeit. Gleiches galt für die Aufgabe von Nebenbeschäftigungen allgemein.
 

iSlave

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Damals galten ZAF'en noch als völlig unseriös und niemand wurde gezwungen, dort arbeiten zu müssen. Wenn jemand bei einer ZAF gekündigt hat, gab es auch keine Sperrzeit. Gleiches galt für die Aufgabe von Nebenbeschäftigungen allgemein.
Und wenn man den Hauptjob gekündigt hat?
 

LisaS

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Und wenn man den Hauptjob gekündigt hat?
Wenn der über Zeitarbeit lief, dann konnte man dies ohne Konsequenzen tun.*
Wenn man allerdings bei einer "normalen" Firma gekündigt hat, dann gab es ggf. eine Sperrzeit.

* Ich kann nur für Zeiten bis 2000 sprechen.


Meinen Beitrag #9 möchte ich noch um Kindergeld, Zinsen und Betriebskostenerstattungen erweitern. :wink:
 

Flodder

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...
*** Ich kann nur für Zeiten bis 2000 sprechen.
***
Das sah schon von 2002 bis 2004 (Mein Alg/AlHi-Bezug) anders aus. Ich musste damals schon EGV unterschreiben, in denen ich mich verpflichtete, mich auch bei ZAF zu bewerben. Leider wollten mich ZAF wegen meiner Sehbehinderung und mangels Mobilität nie haben :icon_sad:

Ich kann mir daher vorstellen, dass es bei Eigenkündigung ohne wichtigen Grund in der Zeit schon eine Sperre gab.
 

ela1953

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Ich bin 2004 in Arbeitslosenhilfe gefallen. Die war schon weniger wie Arbeitslosengeld.
Alhi war trotzdem hoch, weil ich vorher sehr gut verdient hatte.
Daneben hatte ich noch einen Nebenjob ohne Abzüge und Kindergeld.
2005 bekam ich dann den höchsten "Armutsgewöhnungszuschlag". Kindergeld und Nebenjob wurden angerechnet. Am Anfang fab es nicht mal den Freibetrag von 100 Euro.

Für mich war ALGII tatsächlich ein finanzieller Absturz.
Und ich hab mich oft gefragt, warum ich eigentlich arbeiten gegangen bin.

Denn derjenige, der noch nie gearbeitet hatte (weil er keine Lust hatte) bekam genau so wenig wie ich.

Alle Fixkosten, wie Haus, Versicherungen, Musikunterricht und Vereine der Kinder, mussten überdacht werden.
 

Surfing

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Ich bekam 2004 für 6 Monate ALHi. Da wurde ganz genau geprüft ob ich nicht zuviel "Vermögen" hatte. Ich habe aber alles nur vorgelegt zur Einsicht, es wurde nichts kopiert. Im Vergleich zum heutigen ALG-II war der finanzielle Verlust bei mir ca. 50€. Ich hatte auch Klagen laufen wegen der Abschaffung der ALHi.
 
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ExitUser

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Ich musste AlHi mit Sozialhilfe aufstocken.
Als ich dann aus dem elterlichen Haushalt wieder ausziehen wollte, bedurfte es auch eines Attestes meiner Therapeutin, damit die Miete anteilsmäßig gezahlt wurde.
 

Flodder

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@sixpack

Wer damals vor 2005 nie gearbeitet hatte (sozilalversicherungspflichtig) hatte auch keinen Anspruch auf Alg/AlHi. Er war auf die Sozialhilfe nach dem damaligen BShG angewiesen.

Erst mit Zusammenlegung Sozialhilfe/AlHi durch das SGB II wurden erwerbsfähige Personen in einem Topf geworfen, egal ob sie 20 Jahre davor gearbeitet haben oder auf der faulen Haut saßen.
 

Surfing

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Bewerbungen während des AlHi Bezugs musste ich auch nachweisen, es gab aber keine EGV. Es war ein anderes System. Der AlHi Anspruch wurde aber mit fortdauernder (längerer) Bezugszeit auch abgesenkt, wenn man Nachteile suchen möchte wäre das einer gewesen.
 
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Bewerbungen während des AlHi Bezugs musste ich auch nachweisen, es gab aber keine EGV. Es war ein anderes System. Der AlHi Anspruch wurde aber mit fortdauernder (längerer) Bezugszeit auch abgesenkt, wenn man Nachteile suchen möchte wäre das einer gewesen.
Richtig. Er verringerte sich.

Weißt doch noch, um wie viel Prozent er sich jährlich verminderte?
 
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Trollfeed:
Diese stinkenden und faulen Arbeitslosen !, gell ?

Im wirklichen, realexistierenden, aktuellem Leben spielt nur der "Gehaltszettel" von heute eine Rolle und schon gar nicht eine ehemalige und dazu auch noch pauschal unterstellte, "Unlustigkeit".

Wetten ???
Es geht hier um eine Minderheit von Arbeitslosen, die keine Lust zum Arbeiten hat.

Die Mehrheit will und möchte arbeiten.

Das Problem ist meistens, dass auf eine Stelle viel zu viele Bewerber kommen. Ich kann nur von den kaufmännischen Berufen sprechen. Im handwerklichen Bereich sieht es meines Erachtens besser aus.

Zeitarbeit, private Arbeitsvermittler, sinnlose Maßnahmen bei profitgeilen Maßnahme- und Bildungsträgern sowie Ein-Euro-Jobs ordne ich nicht dem Begriff "Arbeit" zu.

Hier geht es ausschließlich darum, sich an Arbeitslosigkeit zu bereichern. Der Dumme ist wie immer der Erwerbslose, da er nicht aus der Langzeitarbeitslosigkeit herauskommt.
 

Surfing

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Bei der Absenkung gab es einen festgelegten Prozentsatz, der lag bei ca. 1-2% Das wurde im AlHi-Bescheid genauer erklärt. Und der Prozentsatz bezog sich wohl auf die Absenkung für 1 Jahr.
 
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Das halte ich für moderat.

Ein Grund für die Einführung von Hartz 4 war, dass sich Erwerbslose sowohl vom Arbeitsamt als auch vom Sozialamt Geld abgeholt haben.

War die EDV der beiden Ämter nicht miteinander vernetzt?
 
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