Veränderung der Persönlichkeit durch lange Krankheit und fehlende Integration

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TumadieMoerchen

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Hallo,

Ich möchte euch mal fragen ob jemand diese Veränderung an sich selber schonmal bemerkt hat oder ob ich mit diesem Problem alleine bin.

Ich bin jetzt seit Mai Zuhause, die Genesung und die Integration in den Arbeitsmarkt funktioniert irgendwie nicht richtig.
Ich stelle jetzt nachdem ich zum 4.Mal meinen Arbeitsplatz verloren habe immer wieder fest, das ich, wenn sich eine etwas schwierigere Situation ergibt bzw. etwas nicht funktioniert ich völlig ungehalten und agressiv reagiere.
Das fängt an beim Staubsaugen wenn ich nicht unter den Schrank komme schmeiss ich den einfach in die Ecke. Wenn der Drucker einen Papierstau hat schmeiss ich den ganzen Drucker weg wenn ich das Problem nicht sofort in den Griff kriege.
Oft kommt es vor das ich mich sogar manchmal dabei selbst verletze. Das wird neuerdings echt extrem.
Das kenn ich eigentlich von mir nicht. Eigentlich bin ich ein geduldiger Mensch.
Die vielen Jobverluste und ganzen Streitigkeiten mit den Ämtern die mir immer wieder zu verstehen geben ich sei eigentlich ja eher ein Simulant. Liest sich dann etwa so "Somatisierungsstörungen, Schmerzen rein diagnostisch nicht völlig erklärbar"
"Überlastetes Knie das sieht alles gut aus ist stabil"
Ich glaube bald selber das ich nur simuliere.........wenn mich die Schmerzen nicht jedesmal dran erinnern würden das sie real sind.

Bin ich ein Fall für den Psychater? Kennt das jemand?


Gruss Micha
 

doppelhexe

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hallo,

bitte steig mal von dem pferd, das "somatisierungsstörungen" etwas mit simulation zu tun haben. dem ist nicht so.

ich war jetzt in einer schmerzklinik zur multimodalen schmerztherapie.

somatiesierung bei schmerz heisst nur so viel, das entweder die ärzte den grund für die schmerzen noch nicht gefunden haben oder, was hauptsächlich der grund ist, das sich ein schmerzgedächtnis gebildet hat.

es gab mal einen grund für schmerzen, der ist vielleicht nicht mehr da, aber der schmerz ist chronisch geworden. das schmerzgedächtnis sendet dauerfeuer, die schmerzschwelle sinkt immer mehr und schon kleinste reize führen zu weiterem schmerz.
dauerschmerzen führen zu psychischer dauerbelastung, und die beiden schaukeln sich immer gegenseitig hoch. klar das du "um dich schlägst - hier mit gegenständen, die nicht so wollen wie du)

das wichtigste ist, das DU dir bewusst bist, das du nicht simulierst, nur dann können auch andere überzeugt werden.

such dir entweder einen guten schmerztherapeuten, der multimodal arbeitet und nicht nur mit medikamenten. die gibts auch in tageskliniken.
ansonsten versuch für ein paar tage (8 - 21 tage - je nach klinik) in eine schmerzklinik multimodale schmerztherapie zu kommen. da wird nicht nur medikamentös eingestellt, auch physio, sport und schmerzbewältigungsstrategien werden dort vorgestellt.

und um deinen haushalt zu schützen... such dir ein paar "wutkissen" die du durch die gegend schmeisst, ist gesünder für deinen geldbeutel

viel glück
 

TumadieMoerchen

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Hallo Doppelhexe,

Habe grade den Rehaentlassungsbericht nochmals studiert. Hier ist auch unter Weiterbehandlungen der Psychologe angekreuzt.
Muss ich mit dem Hausarzt besprechen möglich das das hiermit zusammenhängt.

Die Idee mit den Kissen ist ansich gut , nur meist nicht so schnell verfügbar. Und wenn das passiert kann ich das auch nicht mehr steuern keine Ahnung warum.

Gruss Micha
 

Wolllaus

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also ich denke mal, es wird einfach dieses :ich muss/will funktionieren, aber sch**** es klappt nicht. alles was vorher normal war, ist halt eben nicht mehr normal, wenn man krank ist, sondern eben anstrengender und funktionieren geht schon mal nciht mehr, auch wenn man das selber möchte. also zb beim staubsaugen. würde funktionieren, aber man ist halt sehr dünnhäutig, auch durch den ganzen bürokratiekram drumrum und dann verzweifelt man halt mal schneller und wird sauer oder deprimiert, oder beides.und diese selbstverletzungen können eben daher kommen, dass du sauer bist auf deinen körper, weil er nicht mehr so funktioniert, wie du gerne hättest.
aber da müsste dir dann echt jemand vom fach helfen, wenn es nicht weggeht.

ich hab die phase hinter mir, es hat fast zwei jahre gebraucht, bis ich meinen frieden mit dem gemacht habe, was nicht mehr so einfach, locker flockig geht.
manchmal hab ich noch so rückfälle, wenn die schmerzen mal wieder zu heftig sind, oder die erschöpfung und man doch irgendwie funktionieren muss, weil alle sich daran gewöhnt haben. da hat man endlich kapiert, dass man grenzen hat, die vorher nicht da waren und dann verlangen aber alle, dass du funktionierst, weil du dich halt immer irgendwie zusammenreißt.

ich glaub, man muss irgendwie für sich einen weg finden, mit dem ganzen mist frieden schließen zu können. aber wie hier schon geschrieben, das dauert.
 

Albertt

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also zb beim staubsaugen. würde funktionieren, aber man ist halt sehr dünnhäutig, auch durch den ganzen bürokratiekram drumrum

Lässt sich aber ganz einfach vermeiden. Wenn die eigene Belastbarkeit als Glas dargestellt wird, muss man sich das so vorstellen, dass bestimmte Dinge, eine bestimmte Füllmenge darstellen. Wenn das Staubsaugen z.b. 125ml sind, die Grundanspannung bei 100ml, wird, sobald man mit dem Saugen beginnt, die Anspannung steigen und das Glas überlaufen lassen. Das lässt sich vermeiden, in dem man das auf einen Zeitpunkt verschiebt, an dem die Grundanspannung nur halb so hoch (z.b. bei 50ml.) liegt.

50ml Grundanspannung + 125ml unter Belastung beim saugen = 175ml = Alles ok.
 

Doppeloma

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Hallo TumadieMöhrchen,

Habe grade den Rehaentlassungsbericht nochmals studiert. Hier ist auch unter Weiterbehandlungen der Psychologe angekreuzt.
Muss ich mit dem Hausarzt besprechen möglich das das hiermit zusammenhängt.

schade eigentlich, dass man dich dazu nicht besser beraten hat in der Reha, ich kann mich @doppelhexe da vollkommen anschließen, was sie zu multimodaler Schmerztherapie schreibt ...

Es ist falsch, dass man dich mit Unkenntnis der Hintergründe "somatoformer Schmerzstörungen" dort entlassen hat, es ist falsch, dass du das als "man unterstellt mir Simulation" verstehst (zumindest noch aktuell und es genügt auch nicht ganz damit in eine Psychotherapie ("irgendeine"?) zu gehen und anzunehmen, das "wird schon wieder" ...

Meine Informationen beruhen NICHT auf eigenen Problemen damit, aber mein Männe hat seit über 20 Jahren (erste Bandscheiben-OP 1992) mit chronischen Schmerzen zu tun und seit fast 20 Jahren (wir kennen uns erst seit 1997) erlebe ich das täglich mit, was da so "abgehen" kann ...

Ich kenne ihn nicht anders, als mit ständigen mehr oder weniger starken Schmerzen, besonders seit er 1999 zum zweiten Mal (an einem anderen BS-Vorfall) operiert werden musste ...

Zusätzlich wird die Psyche dann durch die (privaten und beruflichen) Folgeerscheinungen immer mehr in Mitleidenschaft gezogen und deine "Wutausbrüche" gegen die "versagende" Technik richten sich eigentlich gegen dein (vermeintlich) eigenes "Versagen" ... :icon_dampf:

NEE, NEE ... ich bin keine Psychologin aber ich habe in diesen Jahren viel dazu gelernt, wie ich mit meinem Partner umgehen kann und sollte, wenn es gerade wieder besonders extrem ist ...

Er war mehrfach in speziellen Schmerzkliniken und ist auch seit vielen Jahren bei einer Schmerztherapeutin in Behandlung, Hausärzte und "normale" Orthopäden haben nicht unbedingt die erforderliche Ausbildung / Fortbildung dafür und sehen das oft nach dem Motto "Ihnen kann doch gar nichts weh tun, stellen Sie sich doch nicht so an" ... :-(((

Das fördert dann natürlich die eigenen Zweifel, ob man sich nur nicht "genug zusammen reißen kann" ... also such dir unbedingt die Hilfe von Spezialisten, auch viele Psychiater machen / haben zusätzlich eine Ausbildung zum Schmerztherapeuten.

Das mit dem Schmerzgedächtnis ist eine sehr gute Erklärung und ich kann mir da seit meiner Herz-OP auch mehr drunter vorstellen als vorher ... auch nach solchen Eingriffen kommt es oft zu solchen "somatoformen" Störungen, wenn man lange unter den OP-Schmerzen "leiden musste".

Früher hieß es nach OPs oft, man solle nur Schmerzmittel bekommen / nehmen wenn man es gar nicht "aushalten könne", das ist inzwischen überholt, denn genau damit wird dieses "Schmerzgedächtnis" gefördert ... nach meiner OP wurden wir mit Schmerzmitteln "zugedröhnt" und ich bin inzwischen sehr dankbar dafür ...

Hatte echt das Schlimmste befürchtet, denn ich bin sehr schmerzempfindlich und ich muss sagen, es war ALLES auszuhalten und wenn man was haben wollte bekam man es auch sofort, ohne lange Lamentiererei ... "wie schädlich das doch nun eigentlich sein könnte" ... da wurde wohl dazu gelernt.

Nach der Entlassung aus der Klinik habe ich deswegen nie wieder Schmerzmedikamente gebraucht, bei Männe galt noch die Devise "Indianer kennen keinen Schmerz" und er kann inzwischen nur noch mit BTM Klasse III (Morphin-Tabletten) überhaupt existieren ... sein Schmerzgedächtnis ist einfach nicht mehr "zu löschen" ... nur noch zu betäuben ... :icon_evil:

Das mit den Medikamenten wurde so in den Schmerzkliniken festgestellt und eingestellt, dort wird auch mit speziell geschulten Psychologen zusammen gearbeitet und für jeden Patienten werden Möglichkeiten gesucht, ihm das tägliche Leben wieder erträglicher zu gestalten, natürlich lernt man auch das zu akzeptieren, was nun mal nicht mehr zu ändern ist, aber das braucht natürlich seine Zeit ...

Man hat Männe allerdings immer eine recht starke Psyche bescheinigt, wohl weil er schon früh lernen musste mit seinen Schmerzen "umzugehen", aber das Umfeld (besonders auch das Private) spielt eine sehr große Rolle dabei, nach der ersten OP hat er noch fast 20 Jahre Vollzeit gearbeitet ...

Erst mit Ü 50 und der 2. OP ging dann nicht mehr viel und da war er am meisten frustriert, dass sich die DRV so lange vor der EM-Rente drücken konnte, das hat seinen Zustand auch nicht gerade gebessert ...

Es ist schon schlimm wenn man sonst nicht viel "Verständnis" dafür findet (leider auch bei vielen Ärzten noch nicht) aber wenn dann auch noch die Behörde streikt, die dann eigentlich dafür sorgen sollte, dass man nicht auch noch finanzielle Probleme bekommt ... geht es einem bestimmt nicht besser davon ... :icon_evil:

Da war zeitweise auch mal mehr "Agressivität" im Spiel, als eigentlich seine Art ist, allerdings niemals gegen mich oder "tote Gegenstände", das hat sich aber sehr gelegt, seit er die EM-Rente nun bekommt und man ihn endlich in Ruhe leben lässt, wie es seine Schmerzen gerade zulassen ...

Er ist weiterhin in Schmerztherapeutischer Behandlung, das ist auch sehr wichtig schon um die Medikamente zu überwachen und nötigen Falles anzupassen, eine Reduktion war leider noch nicht möglich aber eine Erhöhung (zum Glück) seit Jahren auch nicht mehr erforderlich. :icon_daumen:

Die Idee mit den Kissen ist ansich gut , nur meist nicht so schnell verfügbar.
Und wenn das passiert kann ich das auch nicht mehr steuern keine Ahnung warum.

Das sollte bestimmt auch nur eine vorübergehende "Lösung" sein, damit dein Haushalt nicht komplett ruiniert wird ... :icon_hihi:

Lass dich von deinem Hausarzt mal beraten, wo in der Nähe ein guter Schmerztherapeut ist, meist dauert es eine Weile bis zu einem Termin aber in der Regel wollen die multimodalen Schmerzkliniken auch lieber die Einweisung von so einem Facharzt haben ...

Du bist nicht alleine mit diesem Problem und diese Kliniken haben auch oft lange Wartezeiten aber ein behandelnder Schmerztherapeut kann da auch besser Druck machen, damit es mal schneller geht mit der Aufnahme ...

Psychotherapie kann da begleitend erforderlich / sinnvoll sein aber als einzige Lösung für dein Schmerzproblem ist das ganz sicher zu wenig ... die Schmerzen kann dir auch kein Psychologe einfach so "weg reden" ... :icon_evil:

MfG Doppeloma
 

doppelhexe

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... Lass dich von deinem Hausarzt mal beraten, wo in der Nähe ein guter Schmerztherapeut ist, meist dauert es eine Weile bis zu einem Termin aber in der Regel wollen die multimodalen Schmerzkliniken auch lieber die Einweisung von so einem Facharzt haben ...

bei mir reichte die einweisung vom hausarzt...

Du bist nicht alleine mit diesem Problem und diese Kliniken haben auch oft lange Wartezeiten aber ein behandelnder Schmerztherapeut kann da auch besser Druck machen, damit es mal schneller geht mit der Aufnahme ...

3 wochen nach anfrage in der klinik war ich drin... nachdem ich vorher etliche kliniken durchtelefoniert und wartezeiten bis zu 1,5 jahren zu hören bekam...

Psychotherapie kann da begleitend erforderlich / sinnvoll sein aber als einzige Lösung für dein Schmerzproblem ist das ganz sicher zu wenig ... die Schmerzen kann dir auch kein Psychologe einfach so "weg reden" ... :icon_evil:MfG Doppeloma

am besten verhaltenstherapeuten mit zusatz schmerztherapie, aber da sind die wartezeiten auch sehr lang...

ich war mit meiner schmerzklinik sehr zufrieden, hab sogar ne AHB (4 wochen) von denen im arztbrief angeraten bekommen, die jetzt auch durch den bürokratierummel läuft. in ein paar wochen ist es soweit, wahrscheinlich februar...

falls es dich intressiert, die adresse der TOP-Schmerzklinik gibts per PN (ich weiss nicht, ob ich das hier posten darf)

LG
 
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