ver.di: Regierung schafft Mogelpackung für Leiharbeiter

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ethos07

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heute, 12.01.2009, auf der WEbsite von verdi unter Pressmitteilungen:

Leiharbeiter

Bundesregierung schafft Mogelpackung für Leiharbeit

13.01.2009
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert, dass die Zeitarbeitsbranche erneut nicht in das Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen wurde.
„Stattdessen hat die Bundesregierung jetzt eine „Lösung“ gefunden, die in Wahrheit eine Mogelpackung ist. Der zwischen den Tarifparteien ausgehandelte Mindestlohn findet keine Berücksichtigung. Damit ist dem Lohndumping weiterhin Tür und Tor geöffnet“, erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Petra Gerstenkorn.

Die Bundesregierung stoße die Tarifvertragsparteien damit vor den Kopf und überlasse die Beschäftigten der Zeitarbeit weiterhin dem Lohnunterbietungswettbewerb. Die jahrelangen Bemühungen, den ausgehandelten Mindestlohntarifvertrag für allgemeinverbindlich zu erklären und die Zeitarbeit in das Entsendegesetz aufzunehmen, würden damit Makulatur. Die Gewerkschaften bestehen darauf, dass eine Lohnuntergrenze von mindestens 7,51 Euro verbindlich wird, auf die sich die Tarifparteien bereits verständigt haben. Mit der Weiterentwicklung der Tarifverträge muss sich auch die Untergrenze erhöhen.

Die angestrebte Einführung einer Lohnuntergrenze im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz stelle keinen adäquaten Ersatz dar, zumal sowohl das Verfahren der Festlegung und die Höhe weiterhin das Geheimnis der Bundesregierung bleibe, betonte Gerstenkorn.

Zudem werde die praktische Handhabung eines Abweichungskorridors von den Tarifen der Einsatzbetriebe einen unüberschaubaren administrativen Aufwand auslösen und für einige Branchen, so für den Niedriglohnbereich, der unter dem derzeitigen Tarifniveau der Zeitarbeit liege, sogar zu einer Schlechterstellung führen. Es sei also ein fauler Kompromiss auf Kosten der Leiharbeitsbeschäftigten geschlossen worden, sagte Gerstenkorn.

Herausgeber:

V.i.S.d.P.:
Martina Sönnichsen
ver.di-Bundesvorstand
Paula-Thiede-Ufer 10
10179 Berlin
Tel.: 030/6956-1011 bzw. -1012
Fax: 030/6956-3001
E-Mail: pressestelle@verdi.de
Wobei mir der Unterschied zwischen einem 'Mindestlohn' (Forderung der Gewerkschaften etc.) und einer 'Einführung einer Lohnuntergrenze im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz' (Programm der Regierung, wenn ich das richtig kapiert habe) nicht klar ist - kann mir das jemand erklären?
 

destina

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AW: @ destina

Sorry, war eher sarkastisch gemeint. Lohnuntergrenze ist m.M. nach eine trotzdem nach wie vor unterschreitbare Grenze, weil nicht tariflich bzw. gesetzlich festgelegt(Arbeitnehmerüberlassungsgesetz).
Mindestlohn ist eben tariflich festgelegt und bindend.

Vielleicht kann es hier noch jemand besser erklären.
 
E

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ver.di

Ich frage mich, wo die Gewerkschaften waren als die Zeitarbeit so liberalisiert wurde, dass es nun faktisch möglich ist, bestehende tarifgebundene Arbeitsplätze durch Dumpinglohn-Zeitarbeiter zu ersetzen? Hätte den Gewerkschaften damals nicht ein Licht aufgehen müssen, dass dadurch bestehende Tarifverträge umgangen werden können? Wenn die Gewerkschaften jetzt laut einen Mindestlohn fordern, dann ist das mehr als heuchlerisch.
 
E

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Gast
Was die nur immer mit ihren lumpigen 7.51 Euro haben. Die waren schon zu wenig, als man sich darauf einigte und inzwischen sind sie es endgültig. Als hätte es keine Preissteigerungen/keine Inflation gegeben.
 

Paolo_Pinkel

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Ich frage mich, wo die Gewerkschaften waren als die Zeitarbeit so liberalisiert wurde, dass es nun faktisch möglich ist, bestehende tarifgebundene Arbeitsplätze durch Dumpinglohn-Zeitarbeiter zu ersetzen? Hätte den Gewerkschaften damals nicht ein Licht aufgehen müssen, dass dadurch bestehende Tarifverträge umgangen werden können? Wenn die Gewerkschaften jetzt laut einen Mindestlohn fordern, dann ist das mehr als heuchlerisch.

Hi,

wahrscheinlich in den Chef-Etagen um Koffer zu tauschen :icon_twisted: Den Funktionären ist es doch egal was passiert. Sie tun nur das Nötigste um den Schein zu wahren. Aber mal richtig auf den Putz zu hauen dafür fehlt es einigen an Rückgrat.

Dieses wird von vielen reflexartig an der Gaderobe abgegeben. Immerhin will man ja seinen gut dotierten Posten behalten:icon_sleep:

Gruss

Paolo
 
E

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Ich frage mich, wo die Gewerkschaften waren als die Zeitarbeit so liberalisiert wurde, dass es nun faktisch möglich ist, bestehende tarifgebundene Arbeitsplätze durch Dumpinglohn-Zeitarbeiter zu ersetzen? Hätte den Gewerkschaften damals nicht ein Licht aufgehen müssen, dass dadurch bestehende Tarifverträge umgangen werden können? Wenn die Gewerkschaften jetzt laut einen Mindestlohn fordern, dann ist das mehr als heuchlerisch.

Hi,

wahrscheinlich in den Chef-Etagen um Koffer zu tauschen :icon_twisted: Den Funktionären ist es doch egal was passiert. Sie tun nur das Nötigste um den Schein zu wahren. Aber mal richtig auf den Putz zu hauen dafür fehlt es einigen an Rückgrat.

Dieses wird von vielen reflexartig an der Gaderobe abgegeben. Immerhin will man ja seinen gut dotierten Posten behalten:icon_sleep:

Gruss

Paolo

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Paolo_Pinkel

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Nur eine Teillösung - gesetzlicher Mindestlohn bleibt auf der Tagesordnung
Der aktuelle Kompromiss der Großen Koalition zur Ausweitung des Arbeitnehmer-Entsendegesetz stellt nur eine Teillösung bei der dringend nötigen Bekämpfung von Lohndumping und Niedriglöhnen auf dem Arbeitsmarkt dar. Wichtige Branchen, wie zum Beispiel die Leiharbeit, bleiben außen vor. Das Problem von Armutslöhnen auch innerhalb von bestehenden Tarifverträgen wird nicht wirksam gelöst. Zu diesem Ergebnis kommt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) in einer ersten Analyse des Koalitionsbeschlusses. "Das Problem, dass Millionen Menschen arm sind, obwohl sie arbeiten, wurde nicht gelöst. Es ist zu befürchten, dass durch die bevorstehende Bundestagswahl nun mindestens ein weiteres Jahr für wirksame Maßnahmen verloren geht", resümieren die WSI-Forscher Dr. Reinhard Bispinck und Dr. Thorsten Schulten...


Hans-Böckler-Stiftung   

Gruss

Paolo
 

Bienchen

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Alles nach dem Motto:

"Beisse nicht in die Hand, die dich füttert"


Ich könnte von früh bis abends nur noch :icon_kotz2::icon_kotz2:
 

ethos07

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Lohnuntergrenze ist m.M. nach eine trotzdem nach wie vor unterschreitbare Grenze, weil nicht tariflich bzw. gesetzlich festgelegt(Arbeitnehmerüberlassungsgesetz).
Mindestlohn ist eben tariflich festgelegt und bindend.

Ok - soweit klar. Doch da m.W. auch jeder Betrieb einen Haustarifvertrag abschließen kann , ist die Tarifbindung in meinen Augen eh auch nur so etwas wie ein Schweizerkäse mit mehr Löchern als Käse. Zumal, wie Bienchen eben schon sagte, die Gewerkschaftsfunktionäre auch nur zu gern mit der Unternehmerseite mauscheln.
Jedenfalls konnte ich vor Jahren bei einer 'alternativen' Mafia-gGmbH nicht klagen, weil die einen schlau-schlauen Haustarifvertrag abgeschlossen hatten, damit die fortlaufend im Dutzend nur auf Zeit Eingestellten von vornherein durch alle RAster fielen.

Dasselbe Spiel bei einer Bekannten, die bei der ev. Kirche arbeitet: dort läuft offenbar auch alles nach einem im Vergelich zum öffentlichen Dienst schlechteren Kirchentarifvertrag.

... zum Trost:solange der Mindestlohn so beschämend mickrig angesetzt wird , dass man daneben noch ALGII beantragen muss, ist es aus meiner Sicht eh egal, ob man nun per Lohnuntergrenze-Vertrag oder per Mindestlohn-Tarifvertrag vertraglich an den Unternehmer gebunden ist.
 

ethos07

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Was die nur immer mit ihren lumpigen 7.51 Euro haben. Die waren schon zu wenig, als man sich darauf einigte und inzwischen sind sie es endgültig. Als hätte es keine Preissteigerungen/keine Inflation gegeben.

... :icon_eek: - wirklich: wer aus diesem Beleidigungs-Lohn von 7.51 EUR auch noch politisches Kapital schlagen will, soll sich in Grund und Boden schämen! :icon_neutral:.

Welches Dynamisierungskonzept ist eigentlich seitens Gewerkschaften und SPD für diesen Lumpenlohn angedacht??
 
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