Urteil zur Nachhilfe: Bewusste Benachteiligung (1 Betrachter)

Betrachter - Thema (Registriert: 0, Gäste: 1)

Dagegen72

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https://www.jungewelt.de/2016/01-15/021.php


Zynisch zählt die Bundeszentrale für politische Bildung einen Teil dieser
Gesellschaftsschicht zum »bildungsfernen Milieu«. Doch Bildung kostet, wer sie
sich nicht leisten kann, hat Pech. Besonders deutlich macht das ein am Mittwoch
veröffentlichtes Urteil des hessischen Landessozialgerichts. Kinder aus
Hartz-IV-Haushalten soll danach nur Nachhilfe gewährt werden, wenn ihre
Versetzung gefährdet ist.
Ach ja, die "Bildungszentrale für politische Bildung" (Bpb) (heißt das nicht übersetzt "Meinungsmache" ? ) hat mal wieder eine Meinung dazu. Diese veröffentlicht ja auch die Studien von Klaus Dörre über die Nicht-Arbeiter (= Mütter, Frührenter, Punker) (Das mit den Punkern erinnert mich übrigens an den Asozialen-Paragraphen der DDR) (Stammt Dörre nicht aus Jena? )

Vor ein paar Tagen war auch diese Meldung im Netz, dass ALG II - Leistungs-Berechtigte Nachhilfe nicht automatisch bezahlt bekämen.

Hartz-IV-Empfänger bekommt Nachhilfe nicht automatisch bezahlt ? FFH.de

Leute der Verwaltung: hängt doch die Früchte der so angeblich großzügig angebotenen Bildungspakete noch höher - am besten so hoch, dass ihr sagen könnt: es wird was angeboten (bloß kommt halt niemand so richtig dran, weil die bürokratischen Hürden zu hoch gelegt sind).

Ich fordere: Ein Lehrer sollte vor Ort sagen können: der / die braucht Nachhilfe, und die Schule sollte das bürokratisch mit dem Jobcenter abwickeln können und zwar für den Zeitraum des Bedarfs, nicht, wenn alles eher schon zu spät ist.
 

heutehier

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hm, ich dafür dafür zu sorgen, dass ALLE Schüler ihen Voraussetzungen entsprechend gefördert werden. Ein schwache drei ist eine drei. Ein Familie im unteren Einkommensdrittel würde auch kein Nachhilfe bezahlen, wenn das Kind eine DRei schafft (zumind. nciht 90 %)
 

Dagegen72

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schwierig, da Eltern Entscheidungs-Einfluss haben, allein schon darin, welche Schule das Kind besuchen darf, oder? Aber Entscheidungs-Einfluss der Eltern soll auch bestehen sein. Evtl. sollte es da mehr Beratungs-und Vermittlungsgespräche geben seitens der Lehrer.

Und "Bildung" sollte auch kein "Baustein" dafür sein, wie gut man beruflich weiter kommt.

Bildung ist doch auch was Anderes. Etwas, das sinnvoll und wertvoll für einen selbst ist, für sich und damit auch bezogen auf die Gesellschaft, so auch Allgemeinbildung.

Ist ein schwieriges Thema, denke ich.

Da die Gesellschaft SV-Beiträge will und braucht, und je höher desto besser, sollte es im Bereich Bildung auch barrierefreier finanziell betrachtet zugehen. Ansonsten schadet man doch der Gesellschaft !! Man bringt sie um höhere SV-Einnahmen.
 
P

Pichilemu

Gast
Die Begründung ist aber auch klasse.

Ein Kind, das an einer Lernstörung leidet, hat sonderpädagogischen Förderbedarf. Da zahlt das Jugendamt die Kosten der Nachhilfe. Das war auch bei mir vorgesehen, nur ein passender Anbieter fand sich nicht (die machen halt alle nur die Hauptfächer und bei mir war die Versetzung wegen einer Note 6 in Kunst gefährdet).

Und wenn jemand "gesundes" (um es mal so zu sagen) auf der Kippe steht, liegt es meistens an anderen Umständen als dass es der Schüler einfach nicht versteht. Falsche Freunde, schlechtes Elternhaus (vor allem wenn die Wohnung zu klein ist und der Schüler nicht richtig lernen kann, bei ALG II-Familien ja leider die Regel) etc.

In Hessen können tatsächlich die Eltern entscheiden, welche Schulform ihr Kind besucht. Das verursacht Kapazitätsprobleme, vor allem in Frankfurt fehlen akut Gymnasialplätze, letztens hieß es in den Nachrichten, 56% der Grundschüler wechseln aufs Gymnasium. Da ist es kein Wunder dass man da auf Probleme stößt da die Gymnasien ja ursprünglich mal für eine kleine Minderheit geplant waren. Wenn das so weitergeht gehe ich davon aus dass man das Elternprivileg bald wieder abschafft und den Grundschullehrer entscheiden lässt, wie schon in anderen Bundesländern.
 
E

ExitUser

Gast
Bei uns wird kostenlose Nachhilfe von Gymnasiasten angeboten. Natürlich ist das nicht dasselbe, aber eine Lösung.
Eine zu kleine Wohnung hat nicht zwingend schlechte Noten zur Folge, kann ich dir aus Erfahrung sagen. Auch ist das Elternhaus nicht perse schlecht deswegen.
Wir haben.allerdings einen neuen Lehrer in HSU und seitdem gehts bergab mit der Note in diesem Fach. Nicht nur bei uns.
Die App Schlaukopf kann ich empfehlen. Wer offline lernen will, zahlt für ein Jahr und alle Fächer und Themen 20€ und das macht dann meinem Kind am Tablet richtig Spaß. Mir übrigens auch. Auffällig ist, dass der Lehrplan maximal zur Hälfte geschafft wird.
 
P

Pichilemu

Gast
Dass die Note zu einem großen Teil vom Lehrer abhängt ist ein großes Problem in Deutschland. Als Beamter kann man sich wirklich fast alles erlauben und was ich schon erlebt habe in meiner Schüler-Karriere ist teilweise schauderhaft. Etwa der Physiklehrer an der Berufsfachschule der einfach wegfährt um Weihnachtsgeschenke einzukaufen und die Klasse im Klassenraum ganz alleine lässt (die fangen dann an zu kiffen). Auch sonst hat er in den allerseltensten Fällen sinnvollen Unterricht gemacht, einmal hat er während dem Unterricht online Schuhe eingekauft während die ganze Klasse das am Beamer verfolgte.
 

Dagegen72

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einfach die supertollen pseudo-Sozialverbesserungsangebote noch höher hängen, zur Schau halt, damit man sich halt auf was berufen sich aber um nichts mehr kümmern heißt nichts zahlen braucht - dann gibt es vielleicht auch irgendwann eine Mutter auf, sich anderthalb Jahre um Schulessen zu kümmern ihr Ar..lö..

Freiburg: Bürokratie: Mutter aus Freiburg muss ewig für Schulessen-Anrecht kämpfen - badische-zeitung.de

Kinder einkommensschwacher Familien in Freiburg haben Anspruch auf ein
Schulessen für 1 Euro. Als ein 16-Jähriger auf eine Schule wechselt, deren
Schüler in der Uni-Mensa essen, begann für seine Mutter ein Kampf mit der
Bürokratie.
Eine
Mutter muss anderthalb Jahre lang wieder und wieder bei Schule, Stadtverwaltung,
Studierendenwerk und Jobcenter vorstellig werden, ...Warum mahlen die bürokratischen Mühlen so langsam? Eine plausible Erklärung dafür kann niemand
liefern.
doch die plausbile Erklärung hat die Junge Welt betitelt: "Bewusste Benachteiligung"

oder es ist schlicht Ignoranz, Faulheit, Desinteresse whatever *versteckt sich da etwa ein elo-schlecht-Mensch-Kriterium im Schafspelz von gut-Mensch-betitelten-Arbeitnehmern?*

(oder Elite (Gymnasium / Uni-Mensa) vs. finanzschwach?)
 
P

Pichilemu

Gast
Ich muss ehrlich sagen, dass ich gut damit auskam, einfach nichts zu essen. Zumindest bei uns am Gymnasium gab es auch gar keine Mensa, sondern nur Brötchen. Brötchen mit Wurst, Brötchen mit Käse, Brötchen mit Eier, was anderes gab es dort nicht. Also so oder so hätte man dort kein Mittagessen essen können. Dann hab ich es gleich sein lassen.

Aber ich vermute mal, bei der Mensa geht es gar nicht mal so ums Essen an sich, sondern darum, Freundschaften mit seinen Tischnachbarn zu knüpfen. Logisch, dass man dann auch irgendetwas auf den Tisch braucht, um nicht irgendwie leer da zu sitzen. Ich kann dazu aber nichts sagen, da ich nie Freunde hatte.
 
E

ExitUser

Gast
Pichilemu, hättest du mal lieber gegessen. ;)

Essen und Trinken ist wichtig beim Lernen.
 

Dagegen72

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@Pichilemu:

ja, es findet auch eine Art soziale Ausgrenzung statt, wenn man nicht dran teilnehmen kann am gemeinsamen Mittagstisch und Ähnlichem. Geht ja noch weiter. Freizeit-Veranstaltungen, Ausflüge, Geburtstage und und und


ja, es ist sicherlich gut (auf Nährstoffe halt trotzdem achten), essenstechnsich mit wenig auszukommen - aber das kann man immer nur individuell sehen. Andere benötigen mehr und oder würden auch gern mehr haben wollen oder brauchen schlicht mehr.

Wie gesagt, es ist individuell. Die einen werden müde bei Mittagstisch-Input, die anderen brauchen es als Setting :icon_hihi: das verschafft ihnen dann die nötige "Lern-Schwere" :icon_hihi: (dann isses nicht so langweilig :icon_mrgreen: Scherz am Rande aus)




Dazu aus Jüterbog:

Für bedürftige Familien gibt es mit dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung ... „Das ist aber alles mit einem sehr großen bürokratischen Aufwand verbunden“, bemängelt Nadine Fischer. Zudem müssen die Kinder vor der Klasse zugeben, dass sie aus einer sozial schwachen Familie kommen. „Man könnte ihnen auch das Jobcenter-Logo auf die Stirn kleben“, sagt Fischer.
Tolles Bildungs- und Teilhabepaket, ganz toll - äh, zugrundeliegende Bildung der Regierung kann man hier wie es scheint allerdings suchen :/ (*m. finger*)

https://www.maz-online.de/Lokales/Dahme-Spreewald/Kein-Kino-kein-Urlaub-kaum-Klamotten
 
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Pichilemu

Gast
Pichilemu, hättest du mal lieber gegessen. ;)

Essen und Trinken ist wichtig beim Lernen.
Daran liegt es wohl nicht dass ich gescheitert bin, eher daran dass die Schule den Nachteilsausgleich einfach abgelehnt hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Zudem müssen die Kinder vor der Klasse zugeben, dass sie aus einer sozial schwachen Familie kommen.
Ist das jetzt neuerdings Voraussetzung für die Bewilligung, dass sich das Kind vor der Klasse "outet"? Ich dachte, wenn es um solche Sachen geht kann man das mit dem Lehrer nach dem Unterricht unter vier Augen besprechen.
 

Dagegen72

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Jedenfalls ist hier im Artikel nachzulesen, dass die Zahlen steigen, was Bedarf und Inanspruchnahme vom BuT :icon_rolleyes: betreffen.

Teilhabe: Bildungskarte ist immer beliebter | svz.de

Schön, das mit Einführung des BuT in 2011 sich das ganze nach anfänglichen Startschwierigkeiten inzwischen (es ist jetzt Anfang 2016) etabliert hat :/

Bürokratie funktioniert jeweils da , wo sie soll - wie es mir scheint. Und warum kommt mir das Ganze wie eine Werbung, ob es jetzt bürokratisch funktioniert oder nicht, fürs BuT vor?

Mir scheint, sobald etwas Negatives über die staatlichen Sonderprogramme gepostet wird, erscheint am nächsten Tag oder mehrere eine Gegenmeldung.
 
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